Washington – Lawrence „Larry“ Wilkerson, der ehemalige Stabschef des US-Außenministers Colin Powell, hat in einer viel beachteten geopolitischen Lageanalyse eine Prognose über die langfristige Zukunft des Nahen Ostens abgegeben.
In einem Interview mit Mario Nawfal prognostizierte Lawrence „Larry“, das langfristige Ende Israels als zionistisch-ethnischer Staat. Wilkerson analysierte, dass Netanjahus politisches Ende bevorstehe und eine radikalere Nachfolge sowie die US-Militärpräsenz zu einer existenzielle Krise führen könnten
Nach Auffassung des pensionierten US-Offiziers und Insiders des Washingtoner Sicherheitsapparates werde Israel in seiner jetzigen Verfassung als exklusiv jüdischer Staat aus der aktuellen kriegerischen Konfrontation hervorgehen und langfristig verschwinden. Wilkerson differenzierte dabei präzise, dass dies keineswegs die physische Vernichtung der Bevölkerung oder die Vertreibung der jüdischen Einwohner aus der Levante bedeute.
Vielmehr prognostizierte er das Ende des zionistisch-ethnischen Staatsmodells, welches durch ein künftiges, säkulares und demokratisches Gesamtkonzept für alle dort lebenden Menschen ersetzt werden könnte.
Netanjahus Sturz und die Eskalation durch radikale Nachfolger
Im Zentrum von Wilkersons Analyse steht das politische Schicksal des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu. Der US-Experte geht davon aus, dass Netanjahu letztlich aus dem Amt getrieben werde.
In Anspielung auf das Schicksal des früheren Regierungschefs Ariel Scharon prognostizierte Wilkerson, dass Netanjahu seine Amtszeit verlieren und das Ende seines Lebens in politischer Isolation oder im Gefängnis verbringen könnte. Das eigentliche existenzielle Risiko für den Staat liege jedoch in dessen politischer Nachfolge. Wilkerson warnte davor, dass die künftigen Machthaber in Jerusalem ideologisch noch radikaler agieren dürften und gleichzeitig über weitaus weniger diplomatisches Geschick im Umgang mit der US-Regierung in Washington verfügen würden.
Diese Nachfolgeregierung werde laut seiner Prognose letztlich die treibende Kraft sein, die das israelische System zum Zusammenbruch führe.
Die Rolle der USA als Katalysator für einen iranischen Schlag
Als konkreten militärischen Auslöser für diese Implosion benannte Wilkerson den zu erwartenden nächsten Gegenschlag des Iran.
Die Ursache hierfür liege laut der Analyse paradoxerweise in der massiven militärischen Unterstützung durch die Vereinigten Staaten. Indem Washington kontinuierlich Truppen, Kriegsschiffe und Tankflugzeuge direkt auf israelischem Boden und in dessen unmittelbarer Umgebung konzentriere, ziehe man einen verheerenden iranischen Großangriff regelrecht an.
Die von den USA aufgestellte militärische Schutzmauer wirke demnach wie ein strategischer Magnet für Angriffe, die das israelische Verteidigungssystem letztlich nicht mehr absorbieren könne.
Historische Wurzeln der Feindseligkeit in der Region
Diese geopolitische Feindseligkeit hat laut Wilkerson tiefe historische Wurzeln, die im Westen oft unvollständig dargestellt würden. Er verwies auf den historischen Kontext, wonach der anhaltende Konflikt maßgeblich auf die Islamische Revolution von 1979 gegen den US-gestützten Schah zurückgehe.
Als Reaktion darauf habe Washington in den darauffolgenden 1980er Jahren unter anderem durch den späteren Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den irakischen Diktator Saddam Hussein im Ersten Golfkrieg mit chemischen Vorläuferstoffen ausgerüstet, um die junge islamische Republik im Iran militärisch zu zerschlagen.
Da der Iran diese existenzielle Bedrohung überstanden habe, richte sich der andauernde Hass Washingtons gegen Teheran primär gegen dessen schiere Weigerung, „sich zerstören zu lassen“. In der Gesamtbilanz besitze der Iran historisch weitaus mehr legitime Gründe für eine grundlegende Ablehnung der US-Politik, während die amerikanische Führung jedoch mit weitaus größerer Härte agiere
Lawrence Wilkerson war von August 2002 bis zum rücktrittsbedingten Ausscheiden des Außenministers im Januar 2005 Stabschef von US-Außenminister Colin Powell. Oberst Wilkerson ist Berufsoffizier, Vietnamkrieg-Veteran und ein „Pazifik-Experte“ der US-Armee, der unter dem damaligen General Powell diente.
Er hat umfassend über Militär- und nationale Sicherheitsangelegenheiten geschrieben und lehrt heute an der George Washington University. Er hat sich zu einem der schärfsten Kritiker der Bush-Regierung und ihrer nationalen Sicherheitspolitik entwickelt, einschließlich des geheimen Überstellungsprogramms der CIA (Secret Rendition Program).
🇮🇱 Israel will disappear as a Jewish state.
That’s the prediction from Colin Powell’s former chief of staff Larry Wilkerson, asked where this war ultimately leads.
He sees Netanyahu hounded from office and dying in jail like Ariel Sharon before him, replaced by successors who… https://t.co/a6iIWjXiz5 pic.twitter.com/ybmG4psG4F
— Mario Nawfal (@MarioNawfal) July 24, 2026

