Gesundheit
Handysucht: Fast jeden Dritten befällt Panik, wenn Smartphone nicht zur Hand ist

Täglich vor dem Bildschirm: Für eine Mehrheit der Deutschen vergeht kein Tag ohne Surfen, kein Tag ohne Fernsehen oder Videos, kein Tag ohne WhatsApp oder andere Nachrichten. Fast jeder besitzt heute ein Smartphone, die Nutzung hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Teilen

Täglich vor dem Bildschirm: Für eine Mehrheit der Deutschen vergeht kein Tag ohne Surfen, kein Tag ohne Fernsehen oder Videos, kein Tag ohne WhatsApp oder andere Nachrichten. Fast jeder besitzt heute ein Smartphone, die Nutzung hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Corona-Krise hat diesen Trend noch einmal beschleunigt: Mehr als jeder Dritte nutzt es häufiger als vorher. Dies sind Ergebnisse der bevölkerungsrepräsentativen Studie „Die Süchte der Deutschen“ der pronova BKK.

Alltag in der Pandemie: Der Kontakt zu anderen läuft in vielen Fällen nur noch über Videoschalten. Das hat die Nutzung digitaler Medien und Kommunikationswege noch verstärkt. 67 Prozent der Deutschen surfen täglich im Internet. 63 Prozent tauschen sich mit anderen über Messenger-Dienste wie WhatsApp aus. 59 Prozent schauen täglich Fernsehen oder Videos. Ob Streaming oder TV, der Video-Konsum hat in der Corona-Krise deutlich zugenommen. Das sagen 35 Prozent der Deutschen. Fast ebenso viele berichten, dass sie auch mehr im Internet surfen als vor der Pandemie. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen sagen dies sogar knapp zwei Drittel der Befragten über ihren Pandemie-Alltag.

Nicht ohne mein Smartphone

Nur noch sieben Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger haben kein Smartphone. Der Vergleich mit der Vorgänger-Studie der pronova BKK aus dem Jahr 2017 belegt auch einen steilen Anstieg der Nutzung: Damals waren 74 Prozent der Deutschen mit ihrem Handy im Internet unterwegs und schrieben Nachrichten über Messenger. Heute tun dies bereits 84 Prozent der Bevölkerung. Die Corona-Krise hat den Trend noch einmal beschleunigt: Mehr als jeder Dritte hängt seit Beginn der Pandemie häufiger am Mobiltelefon als vorher. Vor allem die unter 30-Jährigen legen ihr Handy kaum noch aus der Hand: 72 Prozent nutzen es mehr als vor der Krise.

Ein Leben ohne Smartphone? Das kann sich die Hälfte der Deutschen schlicht nicht mehr vorstellen. Bei der Befragung vor vier Jahren ging es erst einem Drittel der Befragten so. Bei den unter 30-Jährigen sind es heute sogar drei Viertel der Befragten, die nicht mehr ohne ihr Handy auskommen.

Fast jeden Dritten befällt Panik, wenn das Smartphone gerade nicht zur Hand ist. 43 Prozent erwischen sich dabei, wie sie nach einer gewissen Zeit automatisch auf das Smartphone schauen. Morgens gilt der erste Blick dem Handy und abends der letzte, das berichten 41 Prozent. 37 Prozent checken regelmäßig auch auf der Arbeit ihre privaten Nachrichten.

Generation Smartphone

Die unter 30-Jährigen sind in einer Welt mit Handys aufgewachsen – und sie sind heute ihren Geräten noch viel enger verbunden: 31 Prozent der Befragten insgesamt und 74 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gestehen, dass sie ihr Smartphone sogar häufig mit aufs Klo nehmen. Vor vier Jahren haben das erst 25 Prozent der Deutschen getan. „Die Nutzung ist Gewohnheit geworden. Wer sich dabei ertappt, das Smartphone immer in Reichweite haben zu müssen, ist zumindest gefährdet, die Kontrolle zu verlieren“, sagt Dr. Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK. „Gezieltes Training kann helfen, das Steuer wieder zu übernehmen und zur dosierten Nutzung zurückzukehren: Täglich werden handyfreie Zeiten definiert, in denen das Gerät bewusst zur Seite gelegt wird.“

Das Smartphone benötigt Regeln

Digitale Medien durchdringen zunehmend auch das Familienleben. In der Corona-Krise erlauben knapp zwei Drittel der Eltern ihren Kindern zum Zeitvertreib eine großzügigere Nutzung, um Videos zu schauen, zu chatten oder zu spielen. Zugleich sind 63 Prozent davon überzeugt, dass die intensive Nutzung digitaler Medien durch die Eltern Säuglingen und Kleinkindern schadet. Viele Eltern bemühen sich deshalb um einen verantwortungsvollen Umgang: In 65 Prozent der Familien gilt ein striktes Smartphone-Verbot zu den Mahlzeiten am Tisch, 55 Prozent versuchen, ein gutes Vorbild zu sein, auch wenn es ihnen mitunter schwerfällt, sich selbst zu beschränken. „Es ist wichtig, dass für das Handy und andere digitale Medien Regeln gelten, die den Kindern Orientierung geben. So kann der Nachwuchs den bewussten und dosierten Umgang mit Medien lernen“, sagt Herold von der pronova BKK.

Zur Studie

Die Bevölkerungsbefragung „Die Süchte der Deutschen“ wurde im Januar 2021 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ nach Geschlecht, Alter und Bundesland online befragt.

Auch interessant

– Studie –
„Viele Selfies können Anzeichen einer psychischen Störung sein“

Der Begriff „Selfitis“ wurde erstmals im Jahr 2014 von der britischen Tageszeitung Daily Telegraph verwendet, um Menschen zu verspotten, die ständig Selfies machten. Nach drei Jahren glauben Psychologen, dass „Selfitis“ zu einer echten psychischen Krankheit geworden ist und sagen, dass Menschen, die an „Selfitis“ leiden, professionelle Hilfe suchen sollten.

„Viele Selfies können Anzeichen einer psychischen Störung sein“

Auch interessant

Linken-Politikerin zu Israel: Bundesregierung mitverantwortlich für „die nächsten Verbrechen“

Berlin - Israel bereitet eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands vor. Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Lea Reisner, macht die Bundesregierung dafür mitverantwortlich: Sie trage Mitverantwortung...

UN-Bericht: Schwere Vorwürfe gegen Israel wegen Völkermords und Kriegsverbrechen

New York - Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat ihren neuesten, umfassenden Bericht zu den palästinensischen Gebieten vorgelegt. Darin erhebt das Gremium...

Vergessene Geschichte im Kaukasus: Wie schwäbische Auswanderer Aserbaidschan prägten

Eine historische Spurensuche im Kaukasus gibt Einblicke in ein fast vergessenes Kapitel der europäischen Migrationsgeschichte: Vor mehr als zwei Jahrhunderten machten sich Hunderte schwäbischer...

EZB-Zinspolitik: Anleger sollten europäische Staatsanleihen im Blick haben

Von Silvio Vergallo   Der europäische Anleihemarkt hat sich grundlegend verändert. Nach der langen Niedrigzinsphase im Anschluss an die globale Finanzkrise sind die Renditen europäischer Staatsanleihen...

Putin-Rede beim Gipfeltreffen: Europa schadet sich selbst

Moskau - Auf dem 8. Gipfeltreffen des Forums der Erdgas exportierenden Länder (GECF) – an dem unter anderem auch der iranische Präsident Massud Peseschkian...

Headlines

Rekordwahl in Israel: Weder Netanjahu noch Eisenkot kommt auf eine Regierungsmehrheit

Tel Aviv - Die Knesset-Wahl in Israel hat nach ersten Exit-Polls und einer historisch hohen Wahlbeteiligung kein eindeutiges Ergebnis...

Wahlen in Israel: Wer darf mitmachen, wer muss draußen bleiben und wer darf weiterbomben?

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner   Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, 120 Sitze in der Knesset und eine entscheidende Personalfrage: Bleibt Benjamin...

Putin-Rede beim Gipfeltreffen: Europa schadet sich selbst

Moskau - Auf dem 8. Gipfeltreffen des Forums der Erdgas exportierenden Länder (GECF) – an dem unter anderem auch...

UN-Bericht: Schwere Vorwürfe gegen Israel wegen Völkermords und Kriegsverbrechen

New York - Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat ihren neuesten, umfassenden Bericht zu den palästinensischen Gebieten...

Meinung

EZB-Zinspolitik: Anleger sollten europäische Staatsanleihen im Blick haben

Von Silvio Vergallo   Der europäische Anleihemarkt hat sich grundlegend verändert. Nach der langen Niedrigzinsphase im Anschluss an die globale Finanzkrise sind die Renditen europäischer Staatsanleihen...

Technologie-Revolution: Wie wiederaufladbare Papier-Akkus den Energiemarkt umkrempeln

Singapur - Die Energiewende steckt seit Jahren in einem klassischen Dilemma: Während Solarparks und Windkraftanlagen im Eiltempo ausgebaut werden, hinkt die Speichertechnologie hinterher. Klassische...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...