Integration
Kommentar: „Wer Demokratie fordert, muss sich auch dafür einsetzen“

Wer in einer Demokratie lebt, darf nicht nur mehr Demokratie und Gerechtigkeit fordern, sondern muss sich auch dafür persönlich einsetzen. Ein Kommentar.

Teilen

Demokratie fordern? Demokratie leben!

In den letzten Monaten wurde uns das Dilemma der türkischen Community in Deutschland wieder vor Augen geführt. Die Diskriminierungen, rassistisch motivierte Handlungen, Diffamierungen und die Islamfeindlichkeit pflastern der Weg der Spalter und Hetzer. Allen voran die sogenannten Qualitätsmedien wie „Bild“, „Focus“, „Welt“ und „Spiegel“ haben sich teilw. durch ihre einseitige und manipulative Berichterstattung dabei einen unrühmlichen Namen gemacht.

Investigativer Journalismus wird ersetzt durch Suggestiv – Journalismus!

Der anschließende Reflex der türkischen oder islamischen Community weist oft den gleichen Charakter auf, der gekennzeichnet ist durch Erbostheit mit anschließenden Beleidigungen, die zuweilen auch in Hasstiraden enden. Die frage lautet: „Kommen wir damit nur unserem Ziel etwas näher?“ Es mag für das Individuum eine große Befriedigung sein, sich verbal gegen die Ungerechtigkeiten vor allem anonym in den sozialen Medien hervorzutun.

Nur was hilft diese Vorgehensweise längerfristig der türkischen Gesellschaft?

Die Meinungsbildung einer mündigen Zivilgesellschaft erfolgt u.a. durch die Medien, Politik und Personen in exponierten Positionen oder durch Sympathieträger in der Musik- und Unterhaltungsbranche. Bei näherer Betrachtung der Multiplikatoren, wird man unweigerlich feststellen können, dass die konservativ türkische Community prozentual deutlich unterrepräsentiert ist und dadurch an den wichtigen Meinungsbildungsprozessen maßgeblich nicht beteiligt ist.

Wer in einer Demokratie lebt, darf nicht nur mehr Demokratie und Gerechtigkeit fordern, sondern muss sich auch dafür persönlich einsetzen!

Einige türkische NGOs oder auch bekannte Privatpersonen, die in den sozialen Medien eine große Popularität genießen, können bei Veranstaltungen oder Demonstrationen leider nur wenige Hundert Teilnehmer begrüßen. Sorry, aber mit so wenigen Teilnehmern wird man sich sicherlich in der Mehrheitsgesellschaft kein Verhör verschaffen können und darf sich später nicht wundern, wenn der negative Rassismus vom Kindergarten bis zum Berufsleben, von der Wohnungssuche bis zu den Behörden Gängen latent oder offen grassiert.

Jede Demokratie unterliegt einem dynamischen Prozess, den wir nur mitgestalten können, wenn der unbedingte Wille vorhanden ist und wir an der politischen Meinungsbildung partizipieren!

Daher ist es unabdingbar, sich auf jeden Fall aktiv und nach Möglichkeit auch passiv an den diversen Wahlen in Deutschland zu beteiligen, sich in den NGOs zu engagieren und sein Gesicht für Gerechtigkeit zu zeigen. „Jede Stimme ist wichtig!“

Wer heute nicht zur Wahl geht und sein Menschenrecht nicht wahrnimmt, hat später nicht das Recht sich über den Alltagsrassismus und jegliche Formen von Diskriminierungen im Kindergarten, Schule oder Berufsleben zu beschweren.

M. Teyfik Oezcan
Freier Journalist

 


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


 

Auch interessant

Trump zu F-35 für die Türkei: „Niemand schreibt mir vor, was wir verkaufen“

Washington – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt einen möglichen Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei seit Langem öffentlich ab. US-Präsident Donald Trump machte nun...

Ärztechef fordert Ende der freien Facharztwahl

Berlin - Kassenärztechef Andreas Gassen hat mehr Tempo bei der im Koalitionsvertrag vereinbarten Patientensteuerung angemahnt. "Dass die kostbaren ärztlichen und pflegerischen Ressourcen effizienter genutzt...

Thomas: Israelkritik muss lauter und kompromissloser werden

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Wir leben in einer ebenso erstaunlichen wie bedrohlichen und bedenklichen Zeit. Seit nunmehr sehr vielen Jahren hat sich der öffentliche Dialog...

Özgür Çelik: Warum Mittelmächte keine neue Weltordnung schaffen werden

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Als der kanadische Premierminister Mark Carney im Januar in Davos vor den versammelten Mittelmächten warnte, wer sich vom Verhandlungstisch fernhalte,...

Kurden-Revolte im Iran: Türkei verhinderte US-israelische Pläne

Teheran - Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat in einem exklusiven Interview weitreichende geostrategische Geheimdienstinformationen über die Spannungen im Nahen Osten offengelegt und dabei...

Headlines

Trump zu F-35 für die Türkei: „Niemand schreibt mir vor, was wir verkaufen“

Washington – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt einen möglichen Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei seit Langem öffentlich ab....

Nach Mamdanis Wahlsieg: Befürchtete Millionärsflucht bleibt aus

New York - Vor dem Wahlsieg des demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani warnten konservative Politiker, Unternehmer und Kommentatoren vor dramatischen...

Kinder in Gaza malen Pedro Sánchez – Spaniens Premier reagiert mit bewegender Botschaft

Madrid - Zwischen den Trümmern des Gazastreifens haben lokale Künstler gemeinsam mit Kindern ein großes Porträt des spanischen Ministerpräsidenten...

New York: Bürgermeister Mamdani will Grundnahrungsmittel dauerhaft günstiger verkaufen

New York – Mit kostenlosen abendlichen Betreuungsangeboten für Familien und dem Ausbau der Kinderbetreuung hat New Yorks Bürgermeister Zohran...

Meinung

Trump zu F-35 für die Türkei: „Niemand schreibt mir vor, was wir verkaufen“

Washington – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehnt einen möglichen Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei seit Langem öffentlich ab. US-Präsident Donald Trump machte nun...

Nach Mamdanis Wahlsieg: Befürchtete Millionärsflucht bleibt aus

New York - Vor dem Wahlsieg des demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani warnten konservative Politiker, Unternehmer und Kommentatoren vor dramatischen wirtschaftlichen Folgen für New York...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...