Iran-Krise
Iran: Demonstranten fordern Rache für Khamenei-Tod

Nach der Bestätigung des Todes von Ajatollah Ali Khamenei am frühen Sonntagmorgen zeigen sich in den sozialen Netzwerken zwei Gesichter des Irans.

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Tehran – Nach der Bestätigung des Todes von Ajatollah Ali Khamenei am frühen Sonntagmorgen zeigen sich in den sozialen Netzwerken zwei Gesichter des Irans.

Während virale Videos von Hupkonzerten in Teheran und feiernden Exil-Iranern in London und Los Angeles ein Bild der Befreiung zeichnen, mischen sich unter die Freude zunehmend nachdenkliche und warnende Stimmen. Viele Iraner blicken mit tiefer Sorge auf das, was nun folgt.

In den Kommentarspalten großer Nachrichtenportale und auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) wird deutlich, dass die emotionale Lage im Land weit über politische Sympathien hinausgeht. Es ist für viele eine existenzielle Frage geworden. Ein Tenor, der sich in zahlreichen Beiträgen widerspiegelt, ist die Angst vor einem totalen Staatszerfall nach dem Vorbild der Nachbarländer.

Zwischen Dysfunktion und Chaos

Viele Nutzer beschreiben ein Gefühl der Gefangenschaft zwischen zwei kollabierenden Strukturen: einem internen Machtapparat, der durch Jahrzehnte der Misswirtschaft und Unterdrückung jede Legitimität verloren hat, und einem externen Druck, der das Land ins Chaos stürzen könnte. „Niemand glaubt mehr an Reformen – jeder Versuch wurde in der Vergangenheit entweder vereinnahmt oder zerschmettert“, schreibt ein User in einem viel geteilten Post.

Doch die Skepsis gegenüber einer „Befreiung von außen“ sitzt tief. Die Erinnerungen an die Interventionen im Irak, in Libyen oder Afghanistan sind im kollektiven Gedächtnis des Nahen Ostens präsent.

„Wir haben Angst vor dem Kollaps des Regimes – weil wir gesehen haben, was nach westlichen Interventionen in unseren Nachbarländern geschah“, erklärt ein Iraner in einer Nachricht gegenüber NEX24. „Jedes Mal wurde Freiheit versprochen, und jedes Mal endete es in Chaos, Bürgerkrieg oder Besatzung. Wir trauen den USA oder Israel nicht – nicht weil wir unser Regime unterstützen, sondern weil wir wissen, wie Großmächte mit ‚befreiten‘ Nationen umgehen.“

Freiheit vs. Instabilität

In den Online-Debatten wird das Paradoxon immer wieder auf den Punkt gebracht: Die Islamische Republik wird als politisch und moralisch bankrott angesehen, aber die angebotenen Alternativen von außen werden nicht als echte Befreiung, sondern als Vorbote des Zusammenbruchs wahrgenommen.

Ein häufig geteiltes Argument in den Netzwerken lautet, dass eine schlechte Regierung zwar schmerzhaft, das völlige Fehlen einer staatlichen Ordnung jedoch tödlich sei. Der eingangs erwähnte Iraner präzisiert dieses Gefühl gegenüber nex24:

„Iran ist eine Nation, die von ihrem eigenen Regime als Geisel gehalten wird, aber gleichzeitig vom Schicksal seiner Nachbarn heimgesucht wird. Wir stecken in einem Haus fest, das wir hassen, umgeben von Feuern, die wir noch mehr fürchten. Wir sind nicht schweigsam, weil wir einverstanden sind. Wir sind vorsichtig, weil wir gelernt haben, was passiert, wenn Supermächte beschließen zu ‚helfen‘.“

Ungewisse Zukunft

Während die Welt auf die militärische Eskalation starrt, bleibt für die Menschen im Iran die quälende Ungewissheit. Die Feiern in einigen Straßenzügen Teherans mögen ein Ventil für den aufgestauten Frust der letzten Jahre sein, doch in den Wohnzimmern vieler Familien herrscht die Sorge vor einem „Vakuum des Feuers“. Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Iran den Weg in eine neue Ordnung findet oder ob die Befürchtungen der Realisten eintreten.

Ein Bewohner Teherans erklärte gegenüber BBC Persian, dass die Welt nach dem Tod Khameneis ein „besserer Ort“ geworden sei. In diesem Moment des massiven Aufruhrs steht die iranische Führung nun unter dem gewaltigen Druck, Stabilität zu demonstrieren und einen nahtlosen Übergang der Macht zu organisieren. In einigen Städten protestierten Menschen jedoch auch gegen die Angriffe Israels und der USA.

Die Demonstranten forderten die Staatsführung und die Revolutionsgarden (IRGC) lautstark dazu auf, Rache für den Tod Khameneis zu nehmen. In Sprechchören wurde der Angriff als „feiger Akt gegen die gesamte Nation“ verurteilt. Die Stimmung auf den Plätzen verdeutlicht, dass viele Iraner die Tötung des Obersten Führers nicht nur als politischen Verlust, sondern als direkten Angriff auf die Souveränität und Sicherheit ihres Landes empfinden.

Was bisher geschah

Der Oberste Führer Irans, Ajatollah Ali Khamenei, wurde am Samstagmorgen bei einem gezielten Angriff der USA und Israels auf sein Büro getötet. Während Israel bestätigt, weiterhin Ziele „im Herzen von Teheran“ zu attackieren, hat der Iran seine Luftschläge gegen arabische Golfstaaten wieder aufgenommen. Berichte über Einschläge liegen bereits aus Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der katarischen Hauptstadt Doha sowie aus Bahrain und Kuwait vor.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete Khamenei in einer Stellungnahme als „einen der bösartigsten Menschen der Geschichte“ und rief die iranische Bevölkerung dazu auf, „ihr Land zurückzunehmen“. Teheran reagierte prompt und schwor die „verheerendste Offensivoperation“ gegen US-Stützpunkte und Israel als Vergeltung herbei, woraufhin Trump drohte, mit einer „Macht zu antworten, die man so noch nie gesehen hat“.

Die internationalen Reaktionen fallen erwartungsgemäß gegensätzlich aus. Während US-Präsident Donald Trump Khamenei als „einen der bösartigsten Menschen der Geschichte“ bezeichnete und die Iraner aufrief, „ihr Land zurückzunehmen“, verurteilte der russische Präsident Wladimir Putin die Tötung als „zynischen Bruch des Völkerrechts“ und sprach der iranischen Führung sein tiefes Beileid aus. Moskau warnte zudem davor, dass die Region an den Rand einer nuklearen Katastrophe gerückt sei.

Auch in der muslimischen Welt herrscht Alarmbereitschaft: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verurteilten die iranischen Vergeltungsschläge auf ihr Territorium in schärfster Form und betonten ihr Recht auf Selbstverteidigung. Der türkische Präsident Erdoğan warnte eindringlich vor einem „Ring aus Feuer“ und leitete eine diplomatische Offensive ein, um einen totalen Flächenbrand zu verhindern.

In Europa sorgten die offiziellen Stellungnahmen für erhebliche Irritationen bei vielen Lesern. Bundeskanzler Friedrich Merz verurteilte scharf „den Angriff Irans“, was vielfach als einseitig kritisiert wurde, da die iranischen Schläge als direkte Gegenwehr auf die vorangegangene Tötung Khameneis und die Angriffe auf Teheran erfolgten.

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die iranischen Angriffe auf Israel und die Nachbarländer ohne die vorangegangene Eskalation durch die USA und Israel in gleicher Weise zu gewichten. Diese Positionierung stieß auf Unverständnis, da sie die iranische Reaktion als isolierten Akt der Aggression darstellte und nicht als Teil der militärischen Gegenwehr.

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– Iran-Krise –
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