Bergkarabach-Krise
Bundesregierung erwägt Sanktionen gegen Aserbaidschan

Unterdessen hat die UN am Freitag in einer Pressesitzung erklärt, dass sie grünes Licht von Aserbaidschan erhalten habe, Beobachter in die Region zu entsenden

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ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Die Europäische Union und die Bundesregierung erwägen in Zusammenhang mit Bergkarabach, Aserbaidschan zu sanktionieren; für den Fall, dass das Land die armenische Minderheit in Karabach nicht schützt oder Grenzen Armeniens missachtet.

Unterdessen hat die UN am Freitag in einer Pressesitzung erklärt, dass sie grünes Licht von Aserbaidschan erhalten habe, Beobachter in die Region zu entsenden und die Situation vor Ort zu begleiten. Respekt!

UN-Sprecher Stéphane Dujarric erklärte des Weiteren, „es wäre das erste Mal seit rund 30 Jahren, dass UN-Teams Zugang erhalten“ würden; wohlgemerkt, in die Bergkarabach-Region, die bis vor kurzem noch unter der Besatzung Armeniens war.

Das heißt, vor und nach dem Massenexodus von 724.000 Aserbaidschanern während des ersten armenischen Angriffskrieges zwischen 1992-1994 in der Region Karabach, konnte bis 2023 kein einziger UN-Beobachter „heiligen armenischen“ Boden betreten. Nun, nach dem Aserbaidschan die armenischen Besatzer nach mehr als 30 Jahren aus dem Land werfen konnte und das Land wieder ihre völkerrechtliche Souveränität und Integrität zurückerlangt hat, kann man UN-Beobachter nicht schnell genug herankarren?

Wo war eigentlich die Bundesregierung und die EU vor, während und nach dem Ersten Bergkarabach Angriffskrieges Armeniens gegen Aserbaidschan? Ich wüsste jedenfalls nicht, dass die EU oder Deutschland in all den Jahren auch nur einen Geistesblitz dafür verschwendet hat, Armenien für den Angriffskrieg zu sanktionieren, geschweige denn, mit den unzähligen UN-Resolutionen Druck auf Armenien auszuüben.

Ich mein, was sind schon 100.000 Armenier, die seit einer Woche die Region mit Fahrzeugen ruhig und sicher verlassen wollen und unterwegs seelenruhig am Straßenrand Interviews abgeben, im Vergleich zu 724.000 Aserbaidschanern, die vor mehr als drei Dekaden Hals über Kopf unter armenischem und russischem Sperrfeuer, widrigen Wetterbedingungen und inmitten von Leichenbergen sich in sichere aserbaidschanische Gebiete retten konnten?

Es gibt aber noch einen kleinen, aber feinen Unterschied: während Aserbaidschan der armenischen Minderheit gegenwärtig Sicherheit und Versorgung garantiert und ihnen die aserbaidschanische Staatsbürgerschaft anerkannt hat, garantiert die armenische Regierung zusammen mit armenischen Separatisten der armenischen Minderheit in Aserbaidschan, sie würden geteert, gefedert und geviertelt werden, wenn sie dort blieben.

Und ausgerechnet die Bundesregierung sowie die Europäische Union, bläst ins selbe Horn wie die armenische Regierung und armenischen Separatisten, üben ebenfalls Druck auf die armenische Minderheit in Bergkarabach aus. Damit fördern alle mutwillig den „Massenexodus“, statt versöhnlich einzuwirken, der Minderheit die Angst zu nehmen und als Garantie dafür sich als Beobachter zur Verfügung zu stellen und einen Friedenspakt zu arrangieren.

Das kann nur eines bedeuten: entweder ist man derart moralisch degeneriert, dass man mit zweierlei Maß misst oder man ist bestrebt, den Konflikt zwischen den Völkern weiter zu schüren, in dem man wieder alte Geschichten neu aufrollt und Angst sowie Hass erneut hochkochen lässt. Das ist nicht nur unverantwortlich, dass ist schon kriminell.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Thema

– Bergkarabach-Krise –
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