Menschenrechtsverletzungen in China
China: Neben Uiguren auch Hui-Muslime vermehrt Repressalien ausgesetzt

Hui-Muslime hatten lange einige Privilegien vor Uiguren: das Kopftuch war auch an Universitäten erlaubt, religiöse Erziehung der Kinder wurde stillschweigend geduldet. Diese Privilegien wurden schon seit einiger Zeit aufgehoben. Moscheen wurden zerstört. Auch auf Hui-Moscheen wurde arabische Schrift, der Halbmond beseitigt.

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Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther 

Das Xi-Regime der VR China hat dank internationaler Untätigkeit den Job der Ausrottung des Islams und des uigurischen Volkstums in China so gut wie erledigt: 70% der Moscheen in Xinjiang sind zerstört oder in Bars verwandelt.

Andere für das Gebet geschlossen und nur Touristen zugänglich. Wer nicht im Konzentrationslager oder Gefängnis ist, kann aufgrund von Dauerüberwachung kein normales Leben mehr führen, von Religionsausübung ganz zu schweigen. (Dazu empfehle ich dringend: „Now we dont talk anymore„)

Besitz jeden religiös konnotierten Gegenstandes ist verboten. Selbst religiöse Handlungen oder Posts in Chatsystemen vor mehreren Jahren führen zur Internierung. Jeder hat Verwandte im Lager. Fast die gesamte jüngere männliche Bevölkerung ist interniert. Frauen werden systematisch vergewaltigt, sterilisiert und an Han-Chinesen zwangsverheiratet. Kinder in schlecht ausgestatteten Waisenhäusern aufgezogen. Arabische Aufschriften wurden schon längst beseitigt.

Inzwischen werden auch solche auf Uigurisch systematisch beseitigt. Die uigurischen Lagerinsassen werden inzwischen systematisch über ganz China verteilt, ohne dass sie selbst oder sonst jemand erfährt, wo sie sich befinden. Sie können auch jederzeit alle getötet werden. Man fühlt sich sicher: der uigurische Islam hat keine Zukunft.

Hui-Muslime hatten lange einige Privilegien vor Uiguren: das Kopftuch war auch an Universitäten erlaubt, religiöse Erziehung der Kinder wurde stillschweigend geduldet. Diese Privilegien wurden schon seit einiger Zeit aufgehoben. Moscheen wurden zerstört. Auch auf Hui-Moscheen wurde arabische Schrift, der Halbmond beseitigt. Religiöse Erziehung der Kinder wurde verboten. Der Gottesdienst wurde zur Parteiveranstaltung umfunktioniert, Moscheen wahllos zerstört. Inzwischen ist die einzige sog. autonome Region der Hui-Muslime, Ningxia, demselben Regime wie Xinjiang unterworfen. Halalzertifikationen sind schon vor einiger Zeit aufgehoben worden.

Anderswo leben Hui-Muslime als mehr oder minder große Minderheit unter Han-Chinesen. In derartigen Regionen werden inzwischen systematisch Moscheen geschlossen oder zerstört. Diese Aktionen greifen nach Regionen mit großer hui-muslimischer Minderheit wie Gansu und Qinghai im Norden jetzt auch auf den Süden über. Yunnan in Südchina ist eine Provinz mit besonders vielen Minderheiten und somit Religionen. Auch viele Hui-Muslime leben dort. Erst neulich wurde bekannt, dass dort mehrere Moscheen zerstört oder zur Zerstörung geschlossen wurden. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gläubigen,die sich gegen die Schließung zur Wehr setzten. Bilder kamen ins Netz wie Gläubige brutal verprügelt, verletzt und verhaftet wurden .

Das angeblich ,neue‘ Gesetz, das Polizisten im Dienst vor jeder Bestrafung für Übergriffe freistellt, ist so neu nicht: chinesische Polizei und Militär agierten schon immer mit rücksichtsloser Brutalität. Dass das ihre Aufgabe ist und niemand auch nur im Traum daran denken konnte, das könne strafbar sein, war seit eh und je klar. Die kommunistische Partei und ihre ausführenden Organe stehen über jedem Gesetz. Wer das nicht weiß, hat von China nichts begriffen.

Die neuerlichen Maßnahmen machen klar, inzwischen wird die Auslöschung des Islam auf alle Muslime ausgedehnt. Damit wird unmissverständlich klar: es ging nie um Terrorismusbekämpfung. Es geht um die Auslöschung des Islam. Er ist der erste Schritt zur Auslöschung der Religion in China und zur totalen Gleichschaltung. Der Islam bildet hier den Anfang, da China hier auf den Zug des weltweiten Islamhasses und der angeblichen Bekämpfung des Terrorismus aufspringen konnte.

Inzwischen muss der muslimischen Welt klar sein: China ist der gefährlichste und erbittertste Feind des Islam weltweit. Auch außerhalb Chinas schürt China den Hass auf Muslime, es ist Komplize des Völkermords in Myanmar. China unterwandert systematisch die muslimische Welt wirtschaftlich, um sie politisch erpressen zu können. Es ist Zeit aufzuwachen. Kein muslimischer Staat kann es zulassen, sich von dem Erzfeind des Islam, der den Islam zur unzivilisierten Geisteskrankheit erklärt, zum Erfüllungsgehilfen seiner Machtgelüste zu machen. Die muslimische Welt muss geschlossen aufstehen.

Und so überraschend das zunächst klingt: sie sollte es zusammen mit der christlichen tun. Man muss viel mehr und härter darauf hinweisen, dass China auch das Christentum immer härter verfolgt und es ebenso auszurotten entschlossen ist. Die Fälle von Verhaftungen, Folter, der Zerstörung von Kirchen sind so zahlreich, es ist sinnlos hier einzelnes herauszupicken. Man kann sich leicht über Lektüre des Internetjournals ,Bitter Winter‚ ein Bild machen. Allenfalls bleibt darauf hinzuweisen, dass China inzwischen Bürgerwehren mit rotem Armband eingerichtet hat, die die Straßen patrouillieren und religiöse Aktivitäten melden.

Am Ende wird sich freilich das Christentum als besonders harte Nuss für China entpuppen. Man schätzt, dass es 100 Millionen Christen gibt (es gibt 90000 Mitglieder der kommunistischen Partei; ). Das Christentum organisiert sich hauptsächlich jenseits der Mainstreamkirchen in sog. ,Hauskirchen‘. Das sind lose organisierte Verbände ohne öffentlich sichtbare Strukturen. Sie wachsen, ohne dass eine verlässliche Kontrolle auch nur der Zahlen möglich ist. Sie füllen haarscharf die Lücke, die die moderne chinesische Gesellschaft mit ihrem steigenden Wohlstand auftut: die Suche nach Sinn und Gemeinschaft in der kalten sinnentleerten chinesischen Gesellschaft der Gier.

Genauso wie es unbedingt geboten ist, dass Muslime weltweit gegen China aufstehen, wäre es angebracht bereits jetzt auf die immer härtere Christenverfolgung stärker hinzuweisen, die, wenn nichts getan wird, ebenso wie der Kampf Chinas gegen den Islam ausarten wird. Hier wären zunächst christliche Kirchen aller Konfessionen gefragt. Leider hat der Vatikan mit seinem Vertrag mit der VR China Einen unverzeihlichen Fehler gemacht. Aber man hat sich ja auch früher mit Mussolini, den Nazis und lateinamerikanischen Militärdiktaturen geeinigt. Warum also nicht mit der VR China?

Freilich, es gibt weltweit andere Konfessionen. Und wenn in Europa das Christentum auch auf dem Rückzug ist, das ist nicht so in den USA. Ein oft übersehener Unterschied zwischen Europa und den USA ist es, dass in den USA das Christentum immer noch in der Mehrheit der Bevölkerung lebendig ist. Und Europa beruft sich gerade heute immer emphatischer auf seine christlichen Wurzeln.

Hier gäbe es gemeinsamen Grund, wo Christen und Muslime in gleicher Weise gefragt wären, China entgegenzutreten. China ist heute die größte Gefahr für Menschlichkeit und Zivilisation. Nachdem, wie es scheint, die grauenhafte Ära der Dominanz der USA zu Ende geht, darf die Welt nicht in die Hände Chinas fallen. Das wäre grauenhafter als alles bisher Dagewesene. Es ist die Pflicht jedes Muslim, jedes Christen, jedes zivilisierten, jedes anständigen Menschen, alles zu tun, was er kann, dem chinesischen Modell der Entmenschlichung der Welt entgegenzutreten.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Zum Thema

– Menschenrechtsverletzungen in China –
Bericht: China verstärkt Repressalien gegen muslimische Uiguren

Eine Untersuchung des Wall Street Journal enthüllt, was in Chinas wachsendem Netzwerk von Internierungslagern, wo Hunderttausende von ethnischen Uiguren festgehalten werden, vorgeht. Wie WSJ berichtet, habe China sein Internierungsprogramm, das ursprünglich auf ethnische uigurische Extremisten zielte, scharf erweitert.

Prof. Dr. Günther: Es geht China um die Auslöschung des Islam


Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden

Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung

Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Ausgebildet in Freiburg und Oxford. Stipendiat der DFG und der Alexander von Humboldt -Stiftung. Gerhard Hess Preis der DFG.

Zahlreiche Publikationen (ca. 40 Bücher, u.a. Brill’s Companion to Propertius, Brill’s Companion to Horace) im Bereich der antiken Philosophie und Literatur, der Byzantinistik, Neogräzistik, modernen Literatur und Philosophie, Ethik und Politik. Zahlreiche Versübersetzungen aus dem Lateinischen, Italienischen, Neugriechischen, Georgischen, Japanischen und Chinesischen.

Lehrt regelmäßig in Italien, zahlreiche Gastaufenthalte in der Schweiz, Polen, Georgien, Indonesien, Iran, Seoul, Tokyo und vielen chinesischen Universitäten. Herausgeber mehrerer Buchreihen, im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher wissenschaftlichen Zeitschriften.

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