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Brief aus Kaschgar
Prof. Dr. Günther: Es geht China um die Auslöschung des Islam

Ein von der Uyghur American Association in englischer Übersetzung veröffentlichter von der chinesischen Internetplattform Wechat stammender Brief eines Einwohners von Kaschgar schildert die gegenwärtige Situation dort aus erster Hand.

(Beispielfoto: Screenshot/Youtube)

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Ein von der Uyghur American Association in englischer Übersetzung veröffentlichter von der chinesischen Internetplattform Wechat stammender Brief eines Einwohners von Kaschgar schildert die gegenwärtige Situation dort aus erster Hand.

Achtzig Prozent der Bevölkerung ist in Umerziehungslagern interniert, Fünfzehn Prozent im Gefängnis. Die restlichen fünf Prozent müssen schweigend ein Leben in Erniedrigung und unter Verbot jeder islamischen Lebensweise führen. Ein falsches Wort führt zur Internierung, islamische Hochzeiten, Bestattungen sind verboten, von Gebet, Besitz des Qurans ganz zu schweigen.

Die Kleidung muss Han-chinesischen Standards angepasst werden. Kinder haben fast alle ihre Eltern in KZs verloren, seit 2 Jahren gibt es nicht genügend Nahrung. Inzwischen ist jeder, dem es finanziell einigermaßen gut ging verschwunden. Unter den noch nicht Internierten geht die Angst um, aufgrund bereits internierter Verwandter verhaftet zu werden. Die Internierten sind einer derartigen Tortur ausgesetzt, dass ihre psychische und physische Gesundheit für immer zerstört wird, sofern sie das Lager überhaupt je lebend verlassen.

Es scheint, China hat den Job im Xinjiang so gut wie erledigt. Prompt geht es – wie zu erwarten – weiter. Inzwischen sind dieselben Regelungen wie in Xinjiang in der Hui-muslimischen Provinz Ningxia eingeführt worden. (SupChina)

Damit wird unmissverständlich klar: es geht der VR China um die Auslöschung des Islam. Die Behauptung der Regierung, die Maßnahmen in Xinjiang dienten der Terrorbekämpfung sind damit von der Regierung selbst widerlegt. Es gab nie die Gefahr eines Hui-muslimischen Terrors. Hui-Muslime sind im allgemeinen sozial gut integriert.

Sie waren zwar als Muslime ebenfalls gegenüber anderen Minderheiten diskriminiert, doch hielt sich die Diskriminierung in Grenzen (sie wurden immer besser behandelt als Muslime in Xinjiang) und wurde durch das im allgemeinen recht gute finanzielle Niveau ausgeglichen. Eine Terrorgefahr gab es nie.

Die Intensivierung der Maßnahmen in Xinjiang, die Ausdehnung der Maßnahmen auf einen weiteren Teil Chinas zeigt: die chinesische Regierung schert sich um den zahnlosen internationalen Protest nicht im geringsten. China glaubt, sich jedes Verbrechen erlauben zu können. Die einzige Sprache, die China versteht, ist knallharter wirtschaftlicher Druck.

Wann wird die Welt verstehen, dass ein derart entarteter und völlig schamlos agierender Verbrecherstaat, zumal auf dem Niveau einer Weltmacht, eine Gefahr für die Welt insgesamt darstellt und unverzüglich gestoppt werden muss.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Zum Thema

– Menschenrechtsverletzungen in China –
Bericht: China verstärkt Repressalien gegen muslimische Uiguren

Eine Untersuchung des Wall Street Journal enthüllt, was in Chinas wachsendem Netzwerk von Internierungslagern, wo Hunderttausende von ethnischen Uiguren festgehalten werden, vorgeht. Wie WSJ berichtet, habe China sein Internierungsprogramm, das ursprünglich auf ethnische uigurische Extremisten zielte, scharf erweitert.

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Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden

Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung

Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Ausgebildet in Freiburg und Oxford. Stipendiat der DFG und der Alexander von Humboldt -Stiftung. Gerhard Hess Preis der DFG.

Zahlreiche Publikationen (ca. 40 Bücher, u.a. Brill’s Companion to Propertius, Brill’s Companion to Horace) im Bereich der antiken Philosophie und Literatur, der Byzantinistik, Neogräzistik, modernen Literatur und Philosophie, Ethik und Politik. Zahlreiche Versübersetzungen aus dem Lateinischen, Italienischen, Neugriechischen, Georgischen, Japanischen und Chinesischen.

Lehrt regelmäßig in Italien, zahlreiche Gastaufenthalte in der Schweiz, Polen, Georgien, Indonesien, Iran, Seoul, Tokyo und vielen chinesischen Universitäten. Herausgeber mehrerer Buchreihen, im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher wissenschaftlichen Zeitschriften.

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