Kommentar
Kosovo: „Keine Gelbwesten-Proteste, aber die Flucht“

Während eines Gespräches mit einem Jugendlichen, fragte ich ihn, was seine Pläne für die Zukunft seien. Die Antwort kam schnell: "Weg von hier, in den Westen." Er ergänzte danach: "Wir sind kein armes Volk, sondern ein bestohlenes Volk. Ein beklautes Volk, das in Wahrheit arm ist, während seine Politiker reich sind."

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Von Mustafë Mehmeti – Kosovo

In Frankreich, Brüssel und Holland haben sich Hunderte von Menschen den Protesten der “Gelbwesten” angeschlossen.
Die Völker dieser Länder verlangen Verbesserungsmaßnahmen.

In Frankreich protestieren die “Gelbwesten” schon mehrere Wochen gegen die Sozialpolitik des Landes. Auf beiden Seiten gab es gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Bilder, die wir im TV und den Sozialen Medien gesehen haben, erinnern uns an Ägypten, Syrien, Libyen, Bahrain, Jemen und Tunesien. Entsteht daraus ein Dominoeffekt, der sich bald als europäischer Frühling ausbreiten wird?

Während viele europäische Bürger ihre Wut an der versagenden Politik auslassen, gibt es Länder in den Balkanstaaten, die als den einzigen Ausweg auf ein besseres Leben, die Flucht nach Europa sehen. Für die Kosovaren sehen die Proteste sinnlos aus.

Kosovo ist der jüngste Staat im Balkan, der sich von der ehemaligen jugoslawischen Republik im Jahre 2008 abgespalten hat. Nach staatlichen Angaben sind die meisten Einwohner des Kosovos Jugendliche, und diese sind meist noch arbeitslos. Und es sind diese jungen Kosovaren, die ihren Politikern in Pristina nicht trauen.

Die Flucht nach Europa ist einer der Auswege, um ein besseres Leben führen zu können. Die Schlepperbanden profitieren von der Armut und der Arbeitslosigkeit des Volkes, von einem Leben ohne Gesundheitsversicherung sowie der Korruption des jüngsten Staates in Europa.

Es ist nicht leicht für die Kosovaren, ihrem Staat den Rücken zu kehren, aber sie sehen keinen anderen Ausweg. Sie brauchen Arbeit, die sie im eigenen Land nicht finden können. Kosovo ist unabhängig, aber perspektivlos für viele seiner Bewohner.

Während eines Gespräches mit einem Jugendlichen, fragte ich ihn, was seine Pläne für die Zukunft seien. Die Antwort kam schnell: Weg von hier, in den Westen. Er ergänzte danach: „Wir sind kein armes Volk, sondern ein bestohlenes Volk. Ein beklautes Volk, das in Wahrheit arm ist, während seine Politiker reich sind.“

Die staatlichen Angaben zeigen deutlich auf, dass die Politiker in der Regierung und dem Parlament superreich sind. Normalerweise wird man Politiker, um für die Interessen des Volkes zu handeln. Im Kosovo wird die Politik eher als Trampolin gesehen, um sich zu bereichern.

Der kosovarische Premierminister, Ramush Haradinaj, der einen bitterarmen Staat regiert, sorgte für einen Eklat, als er Anfang diesen Jahres sein Gehalt verdoppelte. Er erhöhte sein Monatsgehalt von 1.443 € auf 2.950 €, während der durchschnittliche Monatsgehalt seiner Bürger nur etwas mehr als 350 € beträgt.

Seine Begründung war, dass ein Premierminister nun einmal Geld benötigt, um neue Krawatten zu kaufen. Das führte dazu, dass die Kosovaren eine Spendenaktion an Krawatten durchführten. Hunderte von gespendeten Krawatten wurden am Zaun des Regierungsgebäudes aufgehängt.

Dennoch hatte dieser Premierminister Geld, um seine Ferien im Schweizer Luxus-Skiort St. Moritz zu verbringen. Nach Medienberichten kostete dieser Urlaub mehr als 80.000 Franken. Haradinaj selbst betonte damals, dass er diesen Urlaub selbst bezahlt habe und dass er nur 7000 Euro gekostet hätte, obwohl er und fünf weitere Begleiter im Hotel „Carlton“ mehrere Tage lang weilten.

Während die Kosovaren versuchen, ein besseres Leben im Ausland zu finden, haben in Frankreich die “Gelbwesten” gezeigt, dass sich Politiker mehr für ihr Volk einsetzen sollten und nicht nur für die Lobbyisten, die ihre Wahlkampagnen sponsern.


Mustafë Mehmeti
Freier Journalist
Viti, Kosovo


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