"Isolierte Persönlichkeiten"
Friedensforscher: „Der IS sucht gezielt nach psychisch geschwächten Persönlichkeiten“

Friedensforscher Hans-Peter Waldrich warnt davor, die Ursachen der Ereignisse in Würzburg und Ansbach allein im Islamismus und im Bürgerkrieg in Syrien zu sehen.

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Berlin (ots) – Der Pädagoge und Friedensforscher Hans-Peter Waldrich warnt in einem Gastbeitrag für die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“ davor, die Ursachen der Ereignisse in Würzburg und Ansbach allein im Islamismus und im Bürgerkrieg in Syrien zu sehen.

„Wir müssen nicht unbedingt das Chaos in Nahen Osten als Erklärungsgrund für die gegenwärtigen Gewaltwellen bemühen, es reicht, die Zustände innerhalb Europas selbst in Augenschein zu nehmen“, so der Autor zahlreicher Studien und Publikationen zum Thema Amoklauf und Jugendgewalt.

Die Tat von Ali David S., der vor einer Woche in München neun Menschen und sich selbst tötete, passe in das Muster von sogenannten Schulamokläufen; der Täter sei eine „zutiefst verunsicherte, sozial isolierte Persönlichkeit“, der sich an „idealisierten ‚Helden‘ des Massentötens, in diesem Falle an dem narzisstischen Psychopathen Anders Behring Breivik, orientiert habe.

Der Münchner Amoklauf habe mit den Anschlägen der jüngsten Zeit in Frankreich, Belgien und jetzt auch in Deutschland eines gemeinsam, so Waldrich weiter: Die Täter seien junge Männer, die sich von den „westlichen Werten“ verabschiedet hätten, von deren Segnungen sie bislang nur die negativen Seiten erlebt hätten.

„Wo junge Menschen einfach keinen Einstieg ins Leben finden, sich weder nützlich machen können noch erfahren, dass sie geschätzt und anerkannt werden, da bieten sich Ersatzlösungen an. In Ermangelung eines Besseren greifen einige aus ihrer Mitte daher auf negative Konzepte zurück und auf negative Idole: Adolf Hitler und der Nationalsozialismus kommen in Frage oder – weil sie zugleich soziale Einbindung verspricht – eine pervertierte Form des Islam im Dienste Allahs. Psychologisch gesehen geht es dabei keineswegs um die austauschbaren Inhalte. Es geht um psychische Kompensation und zwar der erlebten Prekarisierung.“

Für den IS seien diese jungen Männer eine leichte Beute; die Terror-Organisation suche in den Kriegsgebieten wie auch in Europa gezielt nach solchen psychisch geschwächten Persönlichkeiten.

 


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