Bundestagswahl 2017
Neue Fraktionsspitze der NRW-Grünen will sich auf weniger Themen konzentrieren

Düsseldorf (ots) – Die neuen Fraktionsvorsitzenden der Grünen im NRW-Landtag, Monika Düker und Arndt Klocke, kündigen Konsequenzen aus der Niederlage ihrer Partei bei der NRW-Landtagswahl an. Klocke sagte im Doppel-Interview mit der „Rheinischen Post“: „Wir haben uns in der vergangenen Legislaturperiode verzettelt. Unsere Konsequenz: Wir setzen auf weniger Themen und Figuren. Wir werden uns als Oppositionsfraktion jetzt thematisch konzentrieren: Umwelt und Verkehr, Gerechtigkeit und die offene Gesellschaft.“ Bei der Landtagswahl 2012 wurden die NRW-Grünen mit 11,3 Prozent der Wählerstimmen in die Landesregierung gewählt. Am 14. Mai 2017 erhielten sie nur noch 6,4 Prozent und haben keine Aussicht mehr auf eine Regierungsbeteiligung. Düker sagte der Rheinischen Post: „Wir wollten zu vieles zu schnell.“ Auf die von Rot-Grün eingeführte Hygieneampel hätten die betroffenen Unternehmen sich nicht ausreichend vorbereiten können. „Auch die Inklusion ist ja als Ziel unumstritten. Aber mit der Umsetzung haben wir die Schulen in NRW überfordert. Da hätten wir Tempo rausnehmen müssen“, so Düker. Gut eine Woche nach ihrer Wahl zur neuen Fraktions-Doppelspitze geben Düker und Klocke in ihrem ersten gemeinsamen Interview in neuer Funktion auch ihre Aufgabenverteilung bekannt. Düker sagte: „In der Arbeit als Vorsitzende bleiben meine Themen innere Sicherheit, Justiz und Flüchtlinge. Hinzu kommen für mich die Themen Haushalt, Finanzen und Kommunen.“ Klocke sagte: „Ich bleibe den Themen Verkehr, Wohnungsbau und Hochschule treu und kümmere mich zusätzlich um die Umweltpolitik.“ Einen späteren Einstieg der Grünen in die sich abzeichnende NRW-Koalition von CDU und FDP schließen Düker und Klocke aus. Düker sagte: „Jetzt muss Schwarz-Gelb erst mal liefern. Wir haben uns auf fünf Jahre Opposition eingestellt. Danach wollen wir wieder zurück in die Regierung.“

Auch interessant

Bsirske: „Es ist erstaunlich, in welchem Ausmaße die Umfragewerte der Grünen gesunken sind“

Kampf den Drogen
Türkei: Drogenpolizei beschlagnahmt Heroin in Rekordmenge von über 1.000 kg

Ein Schiff, das über eine Tonne Heroin in die Türkei transportieren sollte, wurde beschlagnahmt Mersin (nex) – Türkische Behörden haben ein Schiff unter kongolesischer Flagge aufgegriffen, das mit mehr als einer Tonne Heroin an Bord über den Suez-Kanal auf dem Weg in die Türkei war. Das Frachtschiff mit dem Namen “Commander Tide“ war in internationalen Gewässern unterwegs, als türkische Behörden den Hinweis bekamen, das Schiff könne Schmuggelware an Bord habe. Das Drogendezernat der Zentralbehörde der Türkischen Polizei wurde daraufhin tätig und richtete mit der Küstenwache, der Marine und Sondereinsatzkräften aus der Provinz Mersin eine gemeinsame Operation gemäß internationaler Bestimmungen aus. In der Nacht vom 1. Juni wurde die neunköpfige Besatzung des Schiffs, die sämtlich aus türkischen Staatbürgern bestand, von den Polizei- und Marineeinheiten aufgegriffen und nach einer Reise von 24 Stunden den Behörden von Marmaris übergeben. Auf dem Schiff wurden bei der Durchsuchung in verdeckten Kammern 40 Säcke à jeweils 25 Paketen mit insgesamt 1 Tonne und 71 kg Heroin gefunden. Die Vernehmung der Verdächtigen durch die Polizeidirektion von Muğla dauert an. Es soll sich hinsichtlich der Menge der bei einem einzigen Einsatz sichergestellten Drogen um die bisher größte Beschlagnahmung türkischer Behörden handeln. Ob es sich bei den Festgenommenen um Personen aus den Kreisen der Terrororganisation PKK handelt, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Auch interessant

Roberto Fragnito: PKK investiert Milliarden, um feindselige Stimmung gegen Ankara zu schüren

Berlin
Auswärtiges Amt wirft Unionsfraktion Blockade von Roma-Kommission vor

Düsseldorf (nex) – Das Auswärtige Amt wirft der Unionsfraktion vor, eine geplante Expertenkommission des Bundestages zu blockieren, die die Diskriminierung von Sinti und Roma aufarbeiten soll. Michael Roth (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, sagte der „Rheinischen Post“: „Leider habe ich den Eindruck, dass es auf Seiten der Unionsfraktion Vorbehalte gibt, die das Anliegen blockieren.“ Roth und der Beauftragte der Bundesregierung für nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk (CSU), sowie die SPD-Fraktion befürworten die Einsetzung eines Expertengremiums. Koschyk verwies darauf, dass es „in Deutschland ganz besonders hässliche, menschenverachtende Angriffe gegen hier lebende Sinti und Roma“ gebe. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) wollte sich zu dem Vorwurf der Blockade nicht äußern. Kontext: Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma systematisch verfolgt und ermordet, auch heute gibt es Vorurteile gegen die oft als „Zigeuner“ abfällig bezeichnete Bevölkerungsgruppe. Immer wieder ist sie Ziel rassistischer Angriffe. Die Kommission soll auf die Vergangenheit und die heutige Situation der Sinti und Roma in Deutschland aufmerksam machen und dabei helfen, Rassismus zu bekämpfen. Am heutigen Donnerstag wird in Berlin das Europäische Institut für Roma Kunst und Kultur eröffnet. Das Auswärtige Amt ernannte zudem einen „Sonderbeauftragten für Antiziganismusfragen“.

Auch interessant

Erdogans Demokratie-Paket: Erstes Romani-Türkisches Wörterbuch veröffentlicht

FlixBus 92 Prozent Marktanteil
Angebot im deutschen Fernbusmarkt geht zurück

Halle (ots) – Die Konsolidierung im deutschen Fernbusmarkt führt zu einem deutlich geringeren Angebot. „Die Zahl der Fahrten verringerte sich in eineinhalb Jahren um 35 Prozent“, sagte Verkehrsexperte Christoph Gipp vom Berliner Marktforschungsinstitut Iges der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung. So seien Ende 2015 pro Woche in Deutschland 4653 Fahrten (Hin- und Rückfahrt) angeboten worden, aktuell sind es knapp 3000. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der Verbindungen von 328 auf 252 zurück. „Für die Kunden wird die Auswahl damit kleiner „, so Gipp. Nach der Öffnung des Fernbus-Marktes Anfang 2013 hatte sich die Zahl der Anbieter zunächst stark erhöht – inzwischen sind aber nur noch wenige Unternehmen am Markt. Nach Erhebungen von Iges liegt der Marktanteil von Flixbus inzwischen bei rund 92 Prozent. Nach der Übernahme von Konkurrenten hatte Flixbus viele parallele Verbindungen zusammengeführt. Zudem stellte die Bahn-Tochter Berlin-Linien-Bus 2016 nach hohen Verlusten den Betrieb ein.

Auch interessant

Ramelow will Maut für Fernbusse

Katar-Krise
Türkei: Iranischer Außenminister trifft Präsident Erdogan

Ankara (trt) – Überschattet von den Anschlägen der Terrororganisation IS (Daesh) in Teheran ist der iranische Außenminister Dschawad Sarif nach Ankara gekommen. Wie der türkische TV-Sender TRT berichtet, habe Sarif gesagt, noch keine detaillierten Informationen über die Terroranschläge in Teheran zu haben. In der Region gebe es besorgniserregende Entwicklungen. „Diese Ereignisse bedürfen einen engen Meinungstausch mit der Türkei“, zitiert TRT den Außenminister. Vor dem Hotel in Ankara habe Sarif für die Opfer des Terroranschlags in Teheran sein Beileid ausgesprochen. „Dieser Anschlag wird die Einstellung der iranischen Bevölkerung gegen den Terror noch stärken“, sagte Sarif. Im iranischen Parlament sowie im Mausoleum des verstorbenen Revolutionsführers Khomeini ist es am gestrigen Mittwoch zu Attacken gekommen. Die iranischen Behörden sprachen von mindestens zwölf Toten sowie sechs toten Attentätern. Mehr als 40 Menschen seien verletzt worden. Im Anschluss wurde der iranische Außenminister Sarif von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan empfangen. Im Mittelpunkt des Treffens standen die Sanktionen gegen Katar, der Doppelanschlag in Teheran sowie die aktuellen Entwicklungen in Syrien. Wie TRT weiter berichtet, habe die Türkei seit Ausbruch der Katar-Krise die Parteien zum Dialog aufgerufen. Bei dem Besuch seien Lösungsvorschläge unterbreitet worden. Bei dem Empfang war auch Außenminister Mevlüt Cavusoglu anwesend.

Auch interessant

Nach Russland-Sanktionen: Katar verspricht Türkei Versorgungssicherheit im Erdgas-Bereich

Neiafu
Es sind alle eingeladen: König Tupou von Tonga feiert seinen Geburtstag

Neiafu (nex) – Der König von Tonga, Tupou VI., wird seinen 58. Geburtstag im Juli in Vava’u Islands, einer tongaischen Inselgruppe, mit verschiedenen Festivitäten begehen.
Dem von der His Majesty’s Armed Forces (HMAF), den Streitkräften des Inselstaates, am gestrigen Dienstag veröffentlichten Programm ist zu entnehmen, dass die Feierlichkeiten am 4. Juli in Neiafu beginnen und am 7. Juli enden sollen. So soll am 4. Juli, dem Geburtstag des Königs, der ein Feiertag ist, um 8 Uhr morgens eine Fahnenzeremonie in Neiafu, der größten Stadt in der Inselgruppe Vava’u, abgehalten werden. Die HMAF soll danach auf einem Platz in Begleitung des königlichen Musikkorps eine Militärparade abhalten und die tongaische Nationalflagge hissen. Zwischen 9 und 11 Uhr soll in Fangatongo die Geburtstagsparade des Königs abgehalten werden. Dem Event werden laut dem Programm Königi  Nanasipau’u sowie nationale und internationale Gäste beiwohnen. Um 18 Uhr soll der Tag mit dem Niederholen der Nationalflagge in Neiafu abgeschlossen werden. Am 6. und 7. Juli soll von 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr ein ein Großer Zapfenstreich Neiafuer Commercial Business District abgehalten werden. An den Abenden sollen jeweils von 19.30 Uhr bis 21 Uhr Große Zapfenstreiche in Fangatongo folgen. Neben den Militärzeremonien der HMAF, Navy, Royal Tongan Marines werden den Angaben im Programm zufolge folgende Bands anlässlich der Festivitäten Auftritte absolvieren: St Peter Chanel College Band, Tailulu College Band, Mailefihi/Siuilikutapu College Band, Tonga Police Band und the Royal Corps of Musicians. Die Öffentlichkeit ist eingeladen, an den Feierlichkeiten teilzunehmen.      

Katar-Krise
Türkische Exporteure: „Türkei bereit, Katar mit Wasser und Nahrungsmitteln zu versorgen“

Ankara (nex) – Die Türkei wäre bereit, Katar bei der Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln zu helfen. Wie der Präsident des Rats der Türkischen Exporteure (TIM) Mehmet Büyükeksi am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, wollen türkische Exporteure dabei helfen, möglichen Engpässen vorzubeugen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi Arabien hatten am 5. Juni ihre Handelsbeziehungen zu Katar abgebrochen. Selbst Flugverbindungen wurden gekappt. Katar wird vorgehalten, militante Gruppierungen zu unterstützen; das Land weist diese Vorwürfe aber zurück. Katar hatte sich in Gesprächen mit der Türkei und dem Iran befunden, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Türkische Larlamentarier kritisierten die Isolierung des Landes, es solle auch über eine Verstärkung der militärische Zusammenarbeit mit Katar im türkischen Parlament diskutiert werden. Die Türkei hat Interesse an einem guten Verhältnis zu Katar, aber auch zu den übrigen Nachbarstaaten in der Region.

Auch interessant

Türkei verlegt tausende Soldaten nach Katar

Jebel Irhoud
Wissenschaft: Erster moderner Mensch war Marokkaner

Marrakesch (nex) – Die Anfänge der Menschheit reichen viel weiter zurück als bislang bekannt. Während die frühesten Funde von modernen Menschen bislang 200.000 Jahre alt waren, beschreibt ein internationales Forscherteam unter deutscher Leitung Fossilien aus Marokko, die 100.000 Jahre älter sind. Dies berichtet die dpa unter Berufung auf einen Artikel der Wissenschaftler um Jean-Jacques Hublin vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Fachblatt „Nature“. Experten, die an der Studie nicht beteiligt gewesen seien, sprächen von einer Sensation. Als bislang ältester Beleg für den Homo sapiens galten Funde aus Omo Kibish in Äthiopien, die 195.000 Jahre alt sind. „Wir dachten lange Zeit, dass die Wiege der Menschheit vor etwa 200.000 Jahren irgendwo in Ostafrika lag“, zitiert dpa Hublin. Daten zeigten jedoch, dass sich Homo sapiens bereits vor etwa 300.000 Jahren über den gesamten Kontinent ausgebreitet habe. Lange bevor der moderne Mensch Afrika vor etwa 100.000 Jahren verließ, habe er demnach bereits den ganzen Kontinent besiedelt. In Jebel Irhoud, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Marrakesch, hätten die Forscher insgesamt 22 versteinerte Überreste von Knochen, Schädeln, Kiefern und Zähnen gefunden. Diese stammten von mindestens fünf Menschen.

Auch interessant

Türkei: Einzigartige Statuette in 9.000 Jahre alter Stadt entdeckt
       

Angela Merkels Lateinamerika-Reise
Mexiko: 2017 schon sechs Journalisten ermordet

Berlin (ots) – Reporter ohne Grenzen (ROG) appelliert an Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei ihrer Mexiko-Reise Ende dieser Woche auf konkrete und schnelle Schritte für einen besseren Schutz von Journalisten zu dringen.

MERKEL SOLLTE REGIERUNG ZU MEHR SCHUTZ DRÄNGEN

Insbesondere sollte Merkel die mexikanische Regierung auffordern, die Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit der Vereinten Nationen und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) einzuladen sowie die jüngsten Gewalttaten gegen Journalisten schnell aufzuklären. Seit Jahresbeginn sind in Mexiko schon sechs Journalisten ermordet worden. „Mexikos Regierung darf nicht länger so tun, als hätte das erschreckende Ausmaß der Gewalt gegen Journalisten nichts mit ihr zu tun“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Verbale Verurteilung und wohlklingende Ankündigungen reichen nicht aus. Mexiko muss jetzt schnell handeln, um endlich deutliche Signale gegen die Kultur der Straflosigkeit zu setzen, durch die sich die Täter zu immer neuen Verbrechen gegen Journalisten ermutigt fühlen.“ Erst nach dem sechsten Journalistenmord in diesem Jahr und nach Protesten in mehreren Städten sah sich Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto veranlasst, die Taten zu verurteilen und Gegenmaßnahmen anzukündigen. Bei einem Treffen mit den Gouverneuren der mexikanischen Bundesstaaten kündigte er Mitte Mai an, das Bundesprogramm zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern und Journalisten sowie die Sonderstaatsanwaltschaft für Verbrechen gegen die Meinungsfreiheit zu stärken. Außerdem solle ein nationales Protokoll erarbeitet werden, um das Vorgehen der Behörden bei Gewalttaten gegen Journalisten und die Hilfe für die Hinterbliebenen zu vereinheitlichen. Der UN-Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit, David Kaye, und sein OAS-Kollege Edison Lanza haben zuletzt im April ihre Bitte um einen offiziellen Besuch in Mexiko erneuert, bei dem sie die zunehmende Zahl von Gewaltverbrechen gegen Journalisten untersuchen wollen. Eine Antwort der mexikanischen Regierung haben sie bislang nicht erhalten. Mindestens 27 Journalisten sind in Mexiko in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet worden, seit Präsident Peña Nieto Ende 2012 ins Amt kam. Seit 2013 ist diese Zahl jedes Jahr gestiegen. Allein 2016 wurden zehn Journalisten wegen ihrer Arbeit ermordet. Auch bei vier der Mordfälle in diesem Jahr ist ein Zusammenhang mit der Tätigkeit der Opfer eindeutig. Damit gehört Mexiko zusammen mit Kriegsländern wie Syrien und Afghanistan zu den gefährlichsten Ländern weltweit für Journalisten. Die Täter werden jedoch fast nie verurteilt: Seit dem Jahr 2010 sind bei der Sonderstaatsanwaltschaft 798 Anzeigen über schwere Gewalttaten gegen Journalisten eingegangen, darunter 47 wegen Morden. Nur in drei Fällen wurden die Täter verurteilt und bestraft. KAUM ERMITTLUNGSFORTSCHRITTE ZUM MORD AN MIROSLAVA BREACH Zuletzt wurde am 15. Mai im Bundestaat Sinaloa der renommierte Journalist Javier Valdez ermordet. Der 50-Jährige hatte sich als Experte für Drogenkriminalität international einen Namen gemacht. Er berichtete mehr als zehn Jahre lang für die Nachrichtenagentur AFP und schrieb zuletzt für die überregionale Zeitung La Jornada sowie für die Wochenzeitung Río Doce. Zuletzt recherchierte er über Konflikte innerhalb des mächtigen Sinaloa-Kartells. Im Fall der am 23. März in Chihuahua ermordeten Miroslava Breach erklärten die örtlichen Behörden schon vor Wochen, sie hätten sowohl zwei der mutmaßlichen Täter als auch die Hintermänner identifiziert. Dennoch hat es bisher keinen einzigen Haftbefehl gegeben. Zwei Monate nach der Tat forderten deshalb ROG und fünf weitere Organisationen die Generalstaatsanwaltschaften des Bundes und des Staates Sinaloa auf zu garantieren, dass die Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden. Breach hatte für die Zeitungen Norte de Juárez und La Jornada über organisiertes Verbrechen und Korruption berichtet. ÜBERFÄLLE, MORDANSCHLÄGE, ENTFÜHRUNGEN Auch jenseits der Mordfälle sind Journalisten in Mexiko ständiger Gewalt ausgesetzt. Vergangenen Samstag überlebte in Guerrero die Radiojournalistin Marcela de Jesus Natalia schwer verletzt einen Anschlag, bei dem ihr Unbekannte in den Kopf schossen. Die 54-Jährige arbeitet beim staatlichen Sender Radio y Television de Guerrero für das Programm in der indigenen Sprache Amuzgo. Am 13. Mai überfielen ebenfalls in Guerrero rund 100 Bewaffnete eine Gruppe von sieben Journalisten. Sie drohten, die Journalisten zu töten, und raubten ihnen Computer, Kameras, Handys und Bargeld. Nach wie vor fehlt jede Spur von dem Fernsehjournalisten Salvador Adame Pardo, der am 18. Mai in Michoacán entführt wurde. Der Direktor und Moderator des lokalen Senders Canal 6 Media TV ist für seine Kritik an den Behörden bekannt und hat trotz Drohungen und Druck der örtlichen Verbrecherkartelle seit Jahren über Gewalt und organisierte Kriminalität berichtet. Adame ist der fünfte Journalist seit 2006, der in Michoacán verschwunden ist. HILFSANGEBOTE VON AUSSENMINISTER GABRIEL Trotz der desolaten Situation zeigen die mexikanischen Behörden auf nationaler wie auch auf regionaler und lokaler Ebene kaum Interesse am Schutz der Medien. Zum Klima der Straflosigkeit tragen auch eine korrupte Justiz sowie die Verstrickungen von Politikern und Behördenvertretern in das organisierte Verbrechen bei. In Veracruz etwa galten die Drogenkartelle lange als „bewaffneter Arm der Politiker“. In vielen Fällen gehen Drohungen und Angriffe auf Journalisten auch von Polizisten aus. Die bestehenden staatlichen Programme zum Schutz von Journalisten funktionieren kaum und sind schlecht ausgestattet. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte der mexikanischen Regierung bei einem Besuch Mitte Mai Hilfe bei der Bekämpfung der Gewalt gegen Journalisten angeboten. Konkret kündigte er an, die rechtsstaatliche Zusammenarbeit zu vertiefen, Austauschprogramme für Journalisten zu erweitern und Angehörige ermordeter Journalisten finanziell zu unterstützen (http://ogy.de/pde3). Um dem in vielen Ländern stagnierenden Kampf gegen Straflosigkeit für Gewaltverbrechen an Journalisten neue Impulse zu geben, setzt sich Reporter ohne Grenzen derzeit intensiv für die Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten ein. Er sollte direkt dem UN-Generalsekretär unterstehen und die Befugnis zu eigenständigen Untersuchungen haben, wenn Staaten nach Gewalttaten gegen Journalisten nicht ermitteln. Mexiko steht auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 147 von 180 Ländern. Weitere Informationen über die Lage der Medienschaffenden dort finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/mexiko, einen ausführlichen ROG-Bericht zur Gewalt gegen Journalisten im besonders betroffenen Bundestaat Veracruz unter http://ogy.de/4xsb. Mehr zum Kampf gegen Straflosigkeit finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/straflosigkeit.

Auch interessant

Berlin: Bundesregierung lässt Unterlagen für Waffenverkauf fälschen

Auslandskonditionen
Trotz Wegfall der EU-Roaming-Gebühren: „Es lauern noch Kostenfallen“

EU-Roaming-Gebühren entfallen ab 15. Juni 2017 Hamburg (ots) – Sommerzeit ist Urlaubszeit: Wer eine Reise in eines der 28 EU-Mitgliedsländer plant, muss ab 15. Juni keine Angst mehr vor der nächsten Handyrechnung haben: Handy-Telefonate, SMS-Versand und das Surfen im Internet kosten dann nicht mehr als zuhause. Denn: Die Roaming-Gebühren werden abgeschafft. Einige Provider reagieren mit Tarifen mit eingeschränkter Auslandsnutzung Das sind die Preise, die den Kunden für die Nutzung fremder Netze im Ausland auferlegt wurden. COMPUTER BILD-Redakteur Christian Just: „Vorsicht: Für den Verbraucher lauern neue Fallen. Denn für die Provider fallen durch diese Regelung wichtige Einnahmequellen weg. Einige Anbieter haben deshalb seit kurzem Tarife im Portfolio, die die Auslandsnutzung beschränken oder komplett ausschließen. Auch manche netzinternen Flatrates gelten im Ausland nicht. Verbraucher sollten daher vor Vertragsabschluss im Kleingedruckten unbedingt auf die Auslandskonditionen achten.“ Eine weitere Tariffalle: Während Flatrates für Telefonate und SMS auch im EU-Ausland gelten, können Anbieter eine Obergrenze für die Internetnutzung festlegen – Fair-Use-Policy nennt sich diese Regelung. Überschreiten die Kunden diese Grenze, dürfen Anbieter Aufschläge erheben. Der Provider muss die Grenze allerdings vorab mitteilen und einen Hinweis absetzen, wenn das erlaubte Datenvolumen erreicht wird. Die weitere Internetnutzung kostet dann maximal 7,70 Euro je Gigabyte plus Mehrwertsteuer, insgesamt also knapp 9 Euro. Übrigens: Wer jetzt glaubt, er könnte sich in einem EU-Land mit günstigeren Tarifen eine SIM-Karte besorgen und dann etwa in Deutschland dauerhaft zu finnischen Konditionen mobil surfen, liegt falsch. Es lassen sich nur SIM-Karten des EU-Landes nach den neuen Roaming-Regeln nutzen, in dem sich der Nutzer am häufigsten aufhält. Wer sich daran nicht hält, riskiert Mehrkosten (inkl. Mehrwertsteuer) von knapp 3,80 Cent pro Minute, rund 1,20 Cent pro SMS und circa 9 Euro pro Gigabyte. Wer bereits ein Auslandspaket gebucht hat, kommt in der Regel dennoch in den Genuss der neuen EU-Regelung. Christian Just: „Die Provider sind verpflichtet, sich vor dem 15. Juni bei ihren Kunden zu melden und nachzufragen, ob sie ihren Auslandstarif behalten möchten. Nur wer das explizit bestätigt, nutzt sein Handy nicht nach den neuen EU-Roaming-Richtlinien. Alle anderen werden automatisch auf den EU-Roaming-Tarif umgestellt.“

Auch interessant

Handynutzung: Türken tun’s am längsten