Bildungsstatistik
Häufigster Ausbildungsberuf 2016: Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel

Wiesbaden (nex) – Im Jahr 2016 haben insgesamt 509 997 Jugendliche einen neuen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Das waren 1,3 % weniger als im Vorjahr. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, belegte der Beruf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel mit 29 142 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen erneut den Spitzenplatz. Es folgten Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement, Verkäufer/-in, Kraftfahrzeugmechatroniker/-in sowie Industriekaufmann/-kauffrau. Etwa ein Viertel der neu abgeschlossenen Verträge konzentrierte sich auf diese fünf häufigsten Ausbildungsberufe. Männliche und weibliche Jugendliche unterscheiden sich in der Berufswahl: Bei den Neuabschlüssen von weiblichen Jugendlichen lag 2016 der Beruf Kauffrau für Büromanagement mit einem Anteil von 10,3 % auf Rang eins. Männliche Jugendliche wählten am häufigsten den Beruf Kraftfahrzeugmechatroniker (6,4 %). Die schulische Vorbildung beeinflusst die Berufswahl: Bei Jugendlichen mit Hochschulzugangsberechtigung waren Industriekaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement sowie Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel die drei häufigsten Ausbildungsberufe. Bei Jugendlichen ohne einen Hauptschulabschluss rangierte der Beruf Verkäufer/-in auf Platz eins, gefolgt von Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel und Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Der Anteil Jugendlicher mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag ohne Hauptschulabschluss betrug dabei allerdings nur 3,1 % gegenüber einem Anteil von 28,4 % mit Hochschulzugangsberechtigung. Auch hinsichtlich der schulischen Vorbildung der Auszubildenden gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen lag der Anteil der weiblichen Jugendlichen mit Hochschulzugangsberechtigung mit 34,5 % um 10,1 Prozentpunkte höher als bei den männlichen. Dagegen übertraf der Anteil der männlichen Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss mit 3,6 % um 1,2 Prozentpunkte den Anteil der weiblichen (2,4 %).

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Wirtschaft
Deutsche Exportmärkte: Polen, Italien und die Niederlande mit der schlechtesten Zahlungsmoral

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Köln (nex) – Von den zehn größten Exportmärkten Deutschlands sieht Atradius aktuell Polen, Italien und die Niederlande als die Länder, in denen deutsche Lieferanten und Dienstleister am ehesten mit Zahlungsverzögerungen und -ausfällen rechnen müssen. Das geht aus einer internen Analyse des weltweit zweitgrößten Kreditversicherers hervor. Am verlässlichsten werden Rechnungen bei Geschäften mit Unternehmen in Belgien und der Schweiz beglichen. „Die großen Abnehmerländer der deutschen Wirtschaft erscheinen derzeit zwar insgesamt stabil, dennoch gibt es in ihnen auch Branchen mit hohen Zahlungsrisiken“, sagt Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius. „Die positive Gesamtentwicklung des Exportgeschäfts sollte Unternehmen deshalb nicht dazu verleiten, Gefahren für Forderungsausfälle zu ignorieren und die eigene Profitabilität aufs Spiel zu setzen.“ Polen: staatliche Maßnahmen gegen Umsatzsteuerkarusselle erhöhen Risiken Atradius sieht in Polen bereits seit Anfang 2016 erhöhte Risiken für Zahlungsausfälle und Insolvenzen infolge von Umsatzsteuerkarussellen. Von der Betrugsmasche waren zuletzt vor allem Informations- und Kommunikationstechnikhändler betroffen. Daneben gab es vermehrt Fälle bei Unternehmen im Bereich Brenn- und Treibstoffe. Schon im Verdachtsfall greifen die polnischen Behörden zu strikten Straf- und Ermittlungsmaßnahmen gegen Firmen wie zum Beispiel der Verweigerung der Umsatzsteuerrückerstattung auf unbestimmte Zeit, Pfändungen oder dem Einfrieren von Geschäftskonten. Den betroffenen Firmen droht dadurch innerhalb kürzester Zeit die Handlungs- und Zahlungsunfähigkeit. Für Lieferanten ist das Betrugsmodell auch deshalb besonders heimtückisch, weil sie häufig kaum erkennen können, dass sie in ein solches Steuerkarussell involviert sind. Atradius weist außerdem auf die derzeit erhöhten Risiken für Zahlungsausfälle in der Automobil-, Transport-, der Bau-, der Maschinenbaubranche sowie im Bereich Baumaterialien hin. Italien: Schäden durch Betrug im Lebensmittel- und Elektronikhandel In Italien befindet sich vor allem der Bausektor in einer schwierigen Situation. Die Investitionen in der Branche sind seit 2008 um 35 % zurückgegangen, die Anzahl der Beschäftigen reduzierte sich zugleich um 29 %. Nach wie vor leidet die Branche unter Überkapazitäten. Eine restriktive Darlehnsvergabe der Banken sowie die langen Forderungslaufzeiten des öffentlichen Sektors belasten viele Bauunternehmen zusätzlich. Liquiditätsengpässe treten vor allem bei Firmen auf, die schwerpunktmäßig Aufträge des inländischen Wohnungsbaus und vom Staat erhalten. Auch der italienische Einzelhandelssektor birgt aktuell Risiken. Durch verändertes Konsumverhalten, einen intensiveren Wettbewerb durch den Online-Handel und einer geringeren Marktmacht der italienischen Händler im Vergleich zu ihren größeren ausländischen Konkurrenten sind in naher Zukunft weitere Marktkonzentrationen und Übernahmen zu erwarten. Darüber hinaus meldeten Lieferanten zuletzt in den Regionen Kampanien und Latium sowie bei italienischen Abnehmern aus den Bereichen Lebensmittel und Elektronikwaren vermehrt Betrugsschäden. In den meisten Fällen hatten Betrüger Waren auf Rechnung bezogen, ohne sie zu bezahlen. Atradius macht vor diesem Hintergrund seine Kunden regelmäßig auf Betrugsanzeichen aufmerksam. Lieferanten sollten beispielsweise vorsichtig sein bei Unternehmen, die Produkte ordern, die nicht zu ihrem Geschäftsmodell passen; außerdem bei Abnehmern, die kürzlich mehrfach den Eigentümer gewechselt haben, die kein Interesse an der Höhe der Einkaufspreise zeigen oder die dem Kreditversicherer unaufgefordert Finanz- und Bonitätsauskünfte aufdrängen. Ein weiteres Risiko geht weiterhin von Italiens Banken und ihrem großen Bestand an notleidenden Krediten aus. In deren Folge könnte sich der Druck auf die Liquidität der italienischen Unternehmen weiter erhöhen. Niederlande: Zuletzt große Insolvenzen im Non Food-Handel Bei Geschäften mit niederländischen Unternehmen meldeten deutsche Lieferanten in den vergangenen Monaten einen erhöhten Anteil an Forderungen, die auch nach Ablauf der Zahlungsverlängerungsfrist nicht beglichen waren. Das Land fiel zuletzt durch Zahlungsverzögerungen und -ausfälle im Non Food-Handel auf. Zwar verzeichnet der Sektor insgesamt wachsende Umsätze, jedoch haben nach wie vor einige niederländische Unternehmen Schwierigkeiten, ihr Geschäftsmodell den Anforderungen des Online-Verkaufs anzupassen. In jüngster Vergangenheit gab es mehrere größere Insolvenzen bei Elektronik- und Textilhändlern. Generell entwickelt sich die niederländische Konjunktur positiv. Nach einem Plus des Bruttoinlandprodukts 2016 von 2,2 % wächst die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um 2,3 %. Die Insolvenzen werden im Vergleich zu 2016 um 20 % zurück gehen. Getragen wird die positive wirtschaftliche Entwicklung vor allem durch den prosperierenden Häuser- und Wohnungsmarkt, sodass sich der Baubereich inzwischen als am schnellsten wachsende Branche etabliert hat. Die Gefahr, dass politische Risiken die Wirtschaft in den Niederlanden bremsen könnten, hat sich nach der niederländischen Parlamentswahl im Mai 2017 insgesamt verringert. Für deutsche Exporteure am unauffälligsten: Abnehmer aus Belgien und der Schweiz Aus Sicht deutscher Exporteure fielen laut der Atradius-internen Analyse belgische Abnehmer zuletzt am wenigsten durch Forderungsausfälle und Nichtzahlungsmeldungen auf. Die in das Land exportierenden Unternehmen profitieren von einem 2013 in Kraft getretenen Gesetz, das verspätete Zahlungen im Firmengeschäft (B2B) mit einem Strafzinssatz belegt. Dies trug dazu bei, dass sich das Zahlungsverhalten belgischer Firmen seit 2014 insgesamt verbessert hat. In den vergangenen Jahren erzielte die Wirtschaft des 11,2-Millionen-Einwohner-Staates solide BIP-Zuwachsraten zwischen 1,3 und 1,7 Prozent. Für 2017 und 2018 erwartet Atradius eine ähnliche konjunkturelle Entwicklung. Auch in der Schweiz verzeichnet Atradius derzeit eine bis auf einige Einzelfälle verhältnismäßig geringe Quote von Nichtzahlungen und von Zahlungsausfällen. Auffällig aus Sicht deutscher Exporteure waren in den vergangenen 12 Monaten unter anderem Unternehmen aus dem Segment Baumaterialien, der Öl- und der Energiewirtschaft. Deutsche Exporteure profitieren seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses weiterhin von einem verhältnismäßig starken Schweizer Franken. Aktuelle Risikoentwicklungen im Blick Atradius analysiert kontinuierlich die Rückmeldungen seiner deutschen Kunden über das Zahlungsverhalten ihrer Abnehmer. In den vergangenen 12 Monaten zeigte sich bei Geschäften mit Unternehmen in Polen und Italien ein überdurchschnittlich hoher Wert von Nichtzahlungen, die nach Ablauf der Verlängerungsfrist aufgetreten sind (sogenannte Protracted Default-Fälle). Verhältnismäßig viele Nichtzahlungsmeldungen gab es – im Vergleich zu den anderen großen Exportzielen Deutschlands – bei Abnehmern in den Niederlanden.

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Financial Times: Vertrauen in türkische Wirtschaft auf 5-Jahres-Hoch

Türkei
Financial Times: Vertrauen in türkische Wirtschaft auf 5-Jahres-Hoch

Istanbul (nex) – Das Vertrauen in die türkische Wirtschaft hat im Laufe von mehr als fünf Jahren in diesem Monat das höchste Niveau erreicht: Die ruhigere politische Situation verhilft der ihr nach einer Reihe von Krisen im vergangenen Jahr zur Erholung, so das Wirtschaftsblatt Financial Times (FT). Demnach sei der offizielle Wirtschaftsvertrauensindex des Statistikinstituts der Türkei im August auf 106 gegenüber 103,4 im Vormonat gestiegen. Dieses Plus sei durch positive Entwicklungen im Privatsektor erreicht worden, da die Teilindizes für die Immobilien-, Dienstleistungs-, Einzelhandels- und Bauindustrie sich verbessert hätten, so die Financial Times weiter. Erol Gürcan, Investitionsberater bei Gedik Investment, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, dass der Optimismus, der in Produktion, Dienstleistungssektor und Handel herrsche, einen wesentlichen Beitrag zur Erholung des Vertrauensindexes in den letzten Monaten geleistet habe. Eine Rolle habe auch die wirtschaftliche Erholung der EU-Staaten, die die größten Handelspartner der Türkei darstellen, gespielt, so Gürcan weiter. Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Zahlen zeigten, dass die Zahl der Touristen in diesem Jahr bis Juli um massive 46,4 Prozent gestiegen sei, da die Branche – eine wichtige Quelle für Devisen und Arbeitsplätze in der Türkei – nach Terrorangriffen und einem vereitelten Putschversuch im vergangenen Jahr sich wieder erhole. Solche Verbesserungen hätten es der Lira ermöglicht, an Stärke zu gewinnen, auch die Inflation ging wieder auf unter 10 Prozent, so FT weiter. Die Währung erlebte am vergangenen Freitag einen Achtmonatshoch gegenüber dem Dollar und profitierte von einer breiteren Erholung des türkischen Marktes, da die Anleger von den hohen Zinssätzen des Landes angezogen wurden. Moody’s gab am heutigen Mittwoch bekannt, dass sich die Wirtschaft der Türkei im ersten Halbjahr von 2017 stabilisiert habe und erhole. Die Wachstumsvorhersage für 2017 sei darum von 2,6 auf 3,7 % angehoben worden. Dazu geführt hätten unter anderem die Wiederbelebung der Tourismusbranche durch Touristen aus Russland und Israel sowie staatliche Maßnahmen wie Steuersenkungen und Finanzierungshilfen. Insgesamt hatte Moody’s im August acht Länder, darunter auch China, Japan, Frankreich und Mexiko, neu eingestuft. Ein weiteres Wachstum dieser Länder inklusive der Türkei sei auch für 2018 wahrscheinlich.

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Sanktionen
Bundesagentur für Arbeit: „Frauen halten sich eher an die Regeln als Männer“

Düsseldorf (ots) – Männlichen Hartz-IV-Empfängern wird doppelt so oft wegen Pflichtverletzungen das Geld gekürzt wie Frauen. Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor, die der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ vorliegen. Durchschnittlich 91.000 Männer und 44.000 Frauen mussten demnach im ersten Quartal des Jahres 2017 Sanktionen hinnehmen. „Frauen halten sich eher an die Regeln als Männer“, sagte ein Sprecher der Bundesagentur. Er betont, dass 95 Prozent der Menschen sich grundsätzlich an die „Spielregeln“ hielten und Meldepflichten sowie Vereinbarungen der Jobcenter beachteten. Die Gesamtzahl der Personen, die mit Sanktionen leben müssen, wächst dennoch: Sie stieg von durchschnittlich 131.000 im Jahr 2015 auf 134.000 im Folgejahr und auf 135.000 im ersten Quartal dieses Jahres an. Sanktionen dauern im Regelfall drei Monate an.

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"Nach Anatolien entsorgen"
Ex-Bundesrichter zeigt AfD-Politiker Gauland wegen Volksverhetzung an

Berlin (ots) – Der frühere Bundesrichter Thomas Fischer hat den AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland wegen seiner Aussage über die Integrationsbeauftrage Aydan Özoğuz (SPD) angezeigt. Die Strafanzeige wegen Volksverhetzung werde am Mittwoch bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Mühlhausen in Thüringen eingehen. Dies berichtet „ZEIT ONLINE„.

„Die Staatsministerin Özoğuz, eine in Hamburg geborene deutsche Staatsangehörige, ist vom Beschuldigten in ihrer Eigenschaft als ‚Deutsch-Türkin‘ adressiert worden“, habe Fischer den Tatbestand in der Anzeige begründet.
Dass Gauland die Hoffnung geäußert habe, Özoğuz „in Anatolien entsorgen zu können“, sei eine allein an der ethnischen Herkunft der Person ausgerichtete Aufforderung, sie als Repräsentantin einer Gruppe von Menschen, „die nicht nach Deutschland gehört“, aus Deutschland zu entfernen.
Bei dieser Äußerung ginge es allein um die ethnische Zugehörigkeit der Betroffenen und habe nichts mehr mit Kritik an politischen Positionen im deutschen Bundestagswahlkampf zu tun,

„Es ist selbst bei weitester Auslegung keine Begründung ersichtlich, warum sonst man eine deutsche Staatsangehörige ’nach Anatolien entsorgen‘ zu können hofft“, zitiert ZEIT ONLINE den EX-Bundesrichter weiter. Wenn das keine Volksverhetzung sei, könne man den Tatbestand streichen.

Gauland hatte angekündigt, die in Hamburg geborene SPD-Vizevorsitzende Aydan Özoguz „in Anatolien zu entsorgen“ und später nachgelegt: Sie habe „in Deutschland nichts verloren“.  

28-facher Mordversuch
Staatsanwaltschaft Dortmund hält BVB-Bombenleger für voll schuldfähig

Köln (nex) – Die Staatsanwaltschaft Dortmund hält den mutmaßlichen 28-jährigen Elektrotechniker, der im April einen Sprengstoffanschlag auf den Mannschafts-Bus des Bundesligisten Borussia Dortmund (BVB) verübt haben soll, für voll schuldfähig. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Justizkreisen erfuhr, kommt ein psychiatrischer Gutachter zu diesem vorläufigen Schluss. Wie die Zeitung weiter berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Dortmund auf die Zeugenvernehmung der Profi-Spieler, Trainer und Betreuer des BVB verzichtet. Vielmehr übersandte man den Betroffenen über den Verein einen Fragebogen, in dem sie ihre Erlebnisse schildern können. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat den Deutschrussen Sergej W. aus Rottenburg nahe Tübingen wegen 28-fachen Mordversuchs, der Herbeiführung eines Sprengstoffanschlags sowie der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Neben dem BVB-Verteidiger Marc Bartra, der sich bei dem Attentat das Handgelenk brach, erlitt ein eskortierender Kradfahrer der Polizei ein Knalltrauma.

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Flüchtlingspolitik
SPD-Fraktionschef Oppermann: „Ergebnisse des Flüchtlingsgipfels von Paris reichen längst nicht aus“

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Düsseldorf (ots) – SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat die Ergebnisse des Flüchtlingsgipfels von Paris kritisiert. „Die Ergebnisse von Paris reichen längst nicht aus, um der großen Herausforderung wirklich gerecht zu werden. Was in Paris besprochen wurde, muss eingebettet sein in ein Gesamtkonzept, das die Bekämpfung der Fluchtursachen ebenso enthält wie die Aufnahme von Flüchtlingen im Rahmen verabredeter Kontingente und ein Einwanderungsgesetz“, sagte der SPD-Politiker der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Er finde es zwar gut, dass durch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron „Bewegung in die Flüchtlingsdebatte kommt“. Man müsse aber endlich zwischen die Flüchtlinge und die kriminellen Schlepper kommen. Oppermann: „Wir brauchen auf der Fluchtroute sichere Orte in Afrika, an denen die Flüchtlinge Schutz, Versorgung und Beratung finden, und zwar bevor sie in die Hände der Schlepper geraten.“ Daran, so der SPD-Fraktionschef, müsse sich Europa gemeinsam mit dem UNHCR beteiligen und dafür sorgen, dass die Anlaufstellen „frei von Gewalt sind und humanitären Anforderungen entsprechen“.

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Yusuf Islam: „Die Türkei hat getan, wozu die Welt nicht in der Lage war. Sie hat Großzügigkeit bewiesen.“

"Ausbildungsfremde Tätigkeiten"
Verdi-Studie: Friseurazubis arbeiten zu viel und lernen zu wenig

Mainz (ots) – Putzen, einkaufen für den Chef und Überstunden, das ist für Friseurauszubildende eher die Regel als die Ausnahme. Das ist das Ergebnis einer unveröffentlichten Studie der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ vorliegt. 7.000 Auszubildende des Friseurhandwerks hat Verdi in 83 Berufsschulen deutschlandweit befragt. „Wir haben auf unserer Tour den Eindruck gewonnen, dass hinter der Salontür keine Gesetze gelten“, erklärt Marvin Reschinsky, Verdi-Jugendsekretär. Vier von fünf Azubis arbeiten mehr als 40 Stunden pro Woche im Friseurhandwerk. Drei von fünf Azubis machen regelmäßig unbezahlte Überstunden. Und zwei von fünf verrichten häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten. „Report Mainz“ hat mit Auszubildenden gesprochen und stößt auf dramatische Zustände. „Häufig arbeite ich zehneinhalb Stunden – meistens ohne Pause. Die Überstunden muss ich dem Hotel schenken“, sagt eine Hotelfach-Auszubildende. Auszubildende fühlen sich häufig mehr als Hilfsarbeiter denn als Lehrling: „Man wird nicht angeleitet, man bekommt keine Unterstützung, ist einfach nur der Lückenfüller im Dienstplan“, beklagt sich ein Auszubildender im Pflegebereich. Schlecht ist zum Teil auch die Qualität der Ausbildung. Eine Friseurauszubildende im dritten Lehrjahr traut sich nicht mal einen Frauenhaarschnitt zu. „Meine Haupttätigkeit ist Putzen und ich spiele Postbote für meine Chefin.“ Sie habe Angst, ihre Prüfung nicht zu bestehen, da ihr sehr viel Lehrstoff fehle. Der Arbeitsrechtler Peter Schüren von der Universität Münster hält das sogar für kriminelles Verhalten: „Wenn keine Ausbildung mehr stattfindet, sondern schlicht eine billige Arbeitskraft benutzt wird.“ Er erklärt, dass die Kammern, also Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern, nach dem Berufsbildungsgesetz eine Aufsichtsfunktion haben. „Sie müssen diese Ausbilder, die solche krummen Sachen machen, aus dem Verkehr ziehen und ganz deutlich brandmarken, dass das nicht geht.“ DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben erklärt gegenüber „Report Mainz“: „Wir machen insgesamt auf dem Ausbildungsthema einen guten Job. Dazu gehört auch die Überwachung.“ Tatsächlich führen Meldungen der Industrie- und Handelskammern bei 52 Betrieben im Jahresschnitt dazu, dass sie nicht mehr ausbilden dürfen – bei 200.000 IHK-Ausbildungsbetrieben insgesamt. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) konnte auf Nachfragen von „Report Mainz“ keine Zahlen zu Kontrollen liefern. Der DGB hält es für einen Systemfehler im Berufsbildungsgesetz, dass die Kammern ihre eigenen Mitglieder sanktionieren sollen. „Also die Kammern sind ja in einer Doppelfunktion“, kritisiert Manuela Conte, DGB-Jugendsekretärin. Sie fordert daher, ein unabhängiges Institut solle künftig die Prüfung der Ausbildungsbetriebe übernehmen. Dazu müsste allerdings das Berufsbildungsgesetz geändert werden. Doch Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) lehnt das strikt ab, erklärt gegenüber „Report Mainz“: „Das BMBF hält an der grundsätzlichen Zuständigkeit der Kammern für die Überwachung der beruflichen Bildung fest.“

Arbeitspolitik
Zahl der Aufstocker trotz Mindestlohn nur gering gesunken

Düsseldorf (ots) – Die Zahl der Menschen, die trotz eines Jobs Hartz IV beziehen, ist seit 2013 um rund 138.000 von 1,3 auf knapp 1,2 Millionen gesunken. Dies geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, die der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ vorliegt. Auch der Anteil der Hartz-IV-Bezieher an den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im gleichen Zeitraum zurückgegangen: Machten die sogenannten Aufstocker 2013 noch 30 Prozent aus, so waren es im April des laufenden Jahres nur noch 26 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit führt den Rückgang auf die gute Konjunktur zurück, die Einführung des Mindestlohns mache sich indes kaum bemerkbar. „Wenn der Arbeitsmarkt gut läuft, kommen diejenigen schneller an existenzsichernde Stellen, die zumindest bereits geringfügig beschäftigt sind“, sagte eine Sprecherin.

AfD-Skandal
Grüne: Gauland ist ein Hetzer

Osnabrück (ots) – Auch wenn er es nicht wiederholen will: Dass der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz (SPD) am liebsten in Anatolien sähe, erhitzt weiter die Gemüter. Dass Gauland in diesem Zusammenhang nicht mehr von „entsorgen“ sprechen will, ändert für die Grünen nichts. „Gauland ist ein Hetzer, der mit seinen widerlichen Äußerungen Rassismus verbreitet und die Gesellschaft spalten will“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ . „Dagegen hilft nur, zur Wahl zu gehen“, warb der Wahlkampfmanager der Partei für eine möglichst große Beteiligung an der Bundestagswahl am 24. September.