Düsseldorf (ots) – Von den 51 Randalierern, die in Folge der G20-Krawalle in Untersuchungshaft genommen wurden, sitzen gut zwei Monate nach dem Gipfel noch 29 Beschuldigte in Untersuchungshaft.
Dies geht aus einer Aufstellung der Staatsanwaltschaft Hamburg hervor, die der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ vorliegt. Vorgeworfen wird den Inhaftierten unter anderem gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, schwerer Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verstoß gegen das Vermummungsverbot.
Eine Haftverschonung oder eine Aufhebung der Haft erhielten 19 Beschuldigte.
Verurteilt wurden bereits drei Personen französischer, polnischer und serbischer Herkunft. Unter den weiterhin in U-Haft sitzenden Beschuldigten finden sich allein 13 Nationalitäten.
Außer Deutschen gibt es Inhaftierte mit österreichischer, schweizerischer, spanischer, niederländischer, italienischer, französischer, rumänischer, türkischer, tschechischer, senegalesischer, ungarischer und russischer Nationalität. Das Durchschnittsalter der Untersuchungshäftlinge liegt bei knapp 27 Jahren.
Köln (ots) – Zwei Wochen vor der Bundestagswahl brüstet sich die Große Koalition unter Angela Merkel mit ihren Erfolgen auf dem Arbeitsmarkt – nach Auffassung des Arbeitsmarkt-Experten Prof. Dr. Stefan Sell jedoch nicht immer zu Recht:
„Wir haben tatsächlich in den letzten vier Jahren eine gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt gehabt – allerdings nur für einen Teil der Arbeitnehmer. 40 Prozent der Arbeitnehmer haben heute real weniger Geld als noch Mitte der Neunziger Jahre, weil deren Lohnentwicklung zurückgeblieben ist“, sagte der Professor der Hochschule Konstanz am Mittwoch live bei stern TV.
Insbesondere für Menschen, die schon länger ohne Arbeit sind, habe sich die Situation nicht verbessert: „Von der guten Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre haben die Langzeitarbeitslosen am wenigsten profitiert.“
Auch die Arbeitslosenzahl von 2,5 Millionen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf oft als Erfolg bezeichnet, sei laut Sell beschönigt – vielmehr liege die Zahl tatsächlich bei 3,5 Millionen Arbeitslosen. So würden mitunter kurzfristige Beschäftigungsmaßnahmen genutzt, um die Zahlen niedriger zu halten:
„Wenn man zwei Wochen in einem Kurs ist, ‚Wie bewerbe ich mich richtig in den Zeiten des Internets‘, zählt man zu diesem Zeitpunkt nicht als Arbeitsloser, ist es aber natürlich weiterhin.“ Die Gründe dafür sind für Sell eindeutig: „Es geht ganz klar darum, die Zahlen zu drücken. Die Bundesagentur für Arbeit weist auch die höhere Zahl jeden Monat aus, man muss in den Tabellen nur etwas weiter nach unten gehen, um sie zu sehen.“
Zudem forderte Stefan Sell bei stern TV einen höheren Mindestlohn. So brauche man derzeit bei 45 Jahren Arbeit in Vollzeit einen Mindestlohn von knapp zwölf Euro, um nicht in die Altersarmut zu rutschen. Derzeit liegt der Mindestlohn in Deutschland bei 8,84 Euro. Für Sell ein klarer Fall: „Der Mindestlohn müsste eigentlich höher angesetzt werden.“
Zuvor hatte stern TV nach vier Jahren Großer Koalition ein Fazit gezogen und Menschen vorgestellt, die längere Zeit von Arbeitslosigkeit betroffen sind oder waren – unter anderem Julia Kukielski, die im Jahr 2010 nach einem Jahr Hartz IV mit Hilfe von stern TV einen neuen Job gefunden hatte, und den Langzeitarbeitslosen Oliver Nothers, der bereits seit 13 Jahren von Hartz IV lebt.
Der Haftbefehl gegen Eminger wird verkündet und führt zu bisher ungeahnter Aktivität seiner Verteidigung.
Von Alexander Hoffmann
Wie erwartet, hat das Oberlandesgericht den beantragten Haftbefehl gegen Eminger erlassen. Dieser wird also bis auf weiteres in der JVA Stadelheim verbleiben. Das Gericht bejaht damit einen dringenden Tatverdacht wegen aller angeklagten Taten sowie den Haftgrund der Fluchtgefahr wegen der hohen Straferwartung.
Mit anderen Worten: es wird Eminger mit aller Wahrscheinlichkeit wegen aller angeklagten Taten verurteilen, auch wegen Beihilfe zum versuchten Mord wegen der Anmietung eines Fluchtfahrzeugs für den Anschlag in der Probsteigasse. Und er hat eine Strafe zu erwarten, die jedenfalls in der Nähe der beantragten zwölf Jahre liegen wird.
Dies führte bei Eminger-Verteidiger Kaiser – sein Kollege Hedrich war nicht nur gestern abwesend gewesen, sondern auch heute nicht angereist – zu bisher ungeahnter Aktivität. Bisher war die Verteidigung ja extrem passiv aufgetreten, hatte keine Beweisanträge und nur sehr sehr wenige Fragen an Zeug_innen gestellt, wohl in der Hoffnung, das Gericht werde am Ende zu dem Schluss kommen, dass die Beweise nicht für eine Verurteilung ausreichten.
Nachdem spätestens heute endgültig klar ist, dass diese Hoffnung nicht aufgehen wird, mag sie über eine aktivere Verteidigungsstrategie nachdenken.
Zu Beginn des heutigen Vorführungstermins setzte sich Kaiser schon einmal sehr aktiv für die (vermeintlichen oder tatsächlichen) Interessen seines Mandanten ein – nämlich für das Interesse, dass die anwesenden Nebenklägervertreter_innen vom Termin ausgeschlossen werden. Auch die Verteidiger_innen der Mitangeklagten Zschäpe und Wohlleben legten sich dafür ins Zeug – und das, obwohl natürlich alle Gründe, die für eine Ausschließung der Nebenklägervertreter_innen sprechen könnten, die Verteidiger_innen anderer Angeklagter genauso betreffen würden.
Das Gericht ließ aber im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen den Eminger vorgeworfenen Taten und dem Rest der Anklage die Nebenklägervetreter_innen und die anderen Verteidiger_innen zu. Kaiser kündigte daraufhin einen Befangenheitsantrag gegen die Richter_innen an. Diesen Antrag verschob das Gericht allerdings, verlas zunächst den Haftbefehl.
Eminger wollte sich – wie zu erwarten war – nicht äußern. Sein Verteidiger gab einige fahrige Erklärungen ab, weswegen seiner Auffassung nach zwar ein hinreichender, aber kein dringender Tatverdacht gegen seinen Mandanten bestehe. Hierüber werde man, so das Gericht, schriftlich entscheiden.
Die Hauptverhandlung morgen wird erst um 13 Uhr beginnen, da sowohl Kaiser als auch die Verteidigungen von Zschäpe und Wohlleben mögliche Befangenheitsgesuche angekündigt haben Diese Gesuche werden sehr wahrscheinlich dazu führen, dass die Plädoyers der Nebenklage nicht wie geplant morgen beginnen können, denn nach der StPO muss über Befangenheitsgesuche nach dem Beginn des Plädoyers in jedem Fall entschieden werden, bevor mit der Hauptverhandlung fortgesetzt werden kann.
Für die Nebenkläger_innen, die zu den Plädoyers der Nebenklage ins Gericht kommen wollen, bedeutet die Inhaftierung Emingers im Übrigen eine ganz konkrete Erleichterung: sie müssen nicht mehr befürchten, im Flur vor dem Gerichtssaal oder vor dem Gerichtsgebäude auf diesen engsten Vertrauten des NSU-Trios, der seinen Hass auch in zahlreichen Tattoos auf dem Körper trägt, zu treffen. Solche Aufeinandertreffen hatten in der Vergangenheit für viele Angehörige der Ermordeten und Verletzte der Sprengstoffanschläge erhebliches weiteres Leid bedeutet.
Lissabon (nex) – Der türkische Champion Besiktas Istanbul hat sein Auftaktspiel in Gruppe G beim FC Porto mit 4 erzielten Toren 3:1 gewonnen.
Mit einem Kopfball aus fünf Meter Entfernung erzielte Tasisca für Besiktas Istanbul in der 13. Minuten das 1:0.
In der 21. Minute sorgte Besiktas‘ Tosic für den Ausgleich, als er nach einer Ecke den Ball per Kopf unglücklich ins eigene Tor lenkte.
Nach dem 1:1 fehlte den Portugiesen trotz zahlreicher Chancen die Genauigkeit, und der Istanbuler Tosun verwandelte in der 28. Minute mit einem Fernschuss zum 2:1.
In der zweiten Hälfte beschränkte sich der türkische Meister auf die Verteidigungsarbeit, um kurz vor Spielende durch Babel (86.) die Partie für sich zu entscheiden.
Athen (nex) – Anarchisten haben am heutigen Mittwoch das Büro der Turkish Airlines gestürmt. Wie griechische Medien berichten, habe die Gruppe zunächst versucht, mit Gewalt in die Räume der türkischen Fluggesellschaft einzudringen. Als dies nicht gelang, zerstörten sie nur das Glas der Eingangstür und ergriffen die Flucht. Da sich der Angriff außerhalb der Öffnungszeiten ereignete, habe sich niemand im Büro befunden.
https://youtu.be/FPE9ntsfPH4
Wie Medien weiter berichten, habe die griechische Polizei die Ermittlungen eingeleitet. Die Anarchistengruppe Ruvikonas habe sich zu dem Anschlag bekannt. Türkischen Medien zufolge war die selbe Gruppe auch hinter einem Farbanschlag auf die Botschaft in Athen.
Ruvikonas macht immer wieder durch Angriffe auf Gebäude von sich reden, wie etwa im Jahre 2015 gegen die griechische Schufa-Behörde.
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Berlin (nex) – Für die Spitzenkandidatin der Berliner CDU, Monika Grütters, ist eine sogenannte Jamaika-Koalition auf Bundesebene vorstellbar.
Falls es nicht für ein Bündnis mit der FDP allein reiche, sei schwarz-gelb-grün denkbar, sagte Grütters im Sommerinterview der rbb-Abendschau. Auch eine Fortsetzung des Bündnisses mit der SPD schließe sie nicht aus. „Ich finde auch, die Große Koalition hat ganz ordentlich gearbeitet.“ In der CDU herrsche aber darüber Einigkeit, nicht mit der AfD und den Linken zu koalieren.
Grütters stellte sich weiter hinter das Votum der CDU-Mitglieder, Tegel offen zu halten. In der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass Tegel nach der Eröffnung des Flughafens BER geschlossen werden muss, sieht sie keinen Widerspruch zum Volksentscheid zur Offenhaltung:
„Die Kanzlerin hat lediglich die jetzt geltende Rechtslage zutreffend beschrieben. Vor 21 Jahren ist beschlossen worden, einen Single-Airport zu bauen, d.h. Tegel muss ein halbes Jahr nach der Eröffnung von Schönefeld geschlossen werden. Aber genau diese Rechtslage steht am 24. September auf dem Prüfstand. Sollte sich eine Mehrheit für die Offenhaltung von Tegel aussprechen, dann wird man genau diese Rechtslage ändern müssen.“
Wenn der Flughafen in Betrieb bleibe, müsse den Anwohnern Lärmschutz gewährt werden. „Dies wird Geld kosten,“ so Grütters.
Osnabrück (ots) – Pacht- und Kaufpreise für Ackerflächen in Deutschland sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ unter Berufung auf eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf Anfrage der Grünen berichtet, stiegen die Preise für Neupachten pro Hektar in zehn Jahren um 80 Prozent auf zuletzt 430 Euro.
Noch deutlicher fiel der Anstieg der Kaufpreise aus. Im Schnitt verteuerten sich die Flächen um 120 Prozent. Der Hektar Ackerland kostete demnach zuletzt durchschnittlich fast 20.000 Euro in Deutschland.
Im Osten teilweise plus 335 Prozent
Dabei stiegen die Preise in den ostdeutschen Bundesländern deutlich höher, liegen zum Teil aber immer noch weit unter West-Niveau. Laut Daten des Bundesfinanzministeriums kletterten die Kaufpreise im gesamten Osten um 251 Prozent, speziell in Mecklenburg-Vorpommern sogar um 335 Prozent auf etwa 25.000 Euro pro Hektar.
Grüne fordern Verkaufsstopp für ehemaliges DDR-Land
Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff sieht darin eine Mitverantwortung der staatlichen Bodenverwertungs und -verwaltungs Gmbh (BVVG). Das bundeseigene Unternehmen privatisiert ehemals volkseigene Agrar- und Forstflächen der DDR. Ostendorff kritisierte: „Die BVVG ist Preistreiber auf dem Bodenmarkt.“ Deren Kauf- und Pachtpreise lägen weit über dem Durchschnitt.
„Bei den Preisen sind bäuerliche Betriebe aber aus dem Rennen. Übrig bleiben nur noch Kapitalinvestoren“, sagte Ostendorff. Er forderte einen Verkaufsstopp der ehemaligen DDR-Flächen. „Die verbleibenden Flächen müssen für bäuerliche Betriebe, Betriebsneugründungen und mehr Ökologie zur Verfügung stehen.“
Die BVVG hat nach eigenen Angaben noch 145.500 Hektar Agrar- und Forstflächen im Bestand. Dieses Jahr will sie 9400 Hektar für 262 Millionen Euro verkaufen, 2016 waren es 10.400 Hektar für 402 Millionen Euro.
Berlin / Karlsruhe (nex/ots) – Warum ausgerechnet die Piratenpartei Deutschland private Fotos von Politikern der großen Koalition ins Netz stellen will.
Die Piratenpartei Deutschland rief am vergangenen Sonntag zu einem Wettbewerb #Volkstrojaner auf, in dem es darum ging, Fotos von denjenigen Regierungspolitikern zu machen und zu veröffentlichen, welche am 22. Juni 2017 in der Plenardebatte im Bundestag das „Gesetz zur effektiveren und praxistauglicheren Ausgestaltung des Strafverfahrens“ und den dazugehörigen Änderungsantrag der Bundesregierung positiv abgestimmt haben.
Heute wurde die Aktion aufgelöst – mit folgendem Text von Anja Hirschel und René Pickhardt, zwei der drei Spitzenkandidaten der Piratenpartei Deutschland zur Bundestagswahl:
Vorweg: Wir haben leider kein Foto für Dich!
„Seid ihr zu dem geworden was ihr bekämpfen wollt?“ „Wie geht euer Kampf für die Grundrechte mit der Aktion zusammen?“
Reaktionen die aktuell immer lauter durchs Netz schallen. Auslöser ist unsere Aktion „Volkstrojaner“, in der zum Einreichen von Bildern von Politikern aufgerufen wurde. Dies lässt sich natürlich nicht in 140 Zeichen beantworten. Ich muss mich bei jedem bedanken, der sofort reagierte und den Datenschutz gefährdet sah.
Der Reflex ist genau richtig, gerade auch in seiner Heftigkeit. Wenn die Persönlichkeitsrechte bedroht sind, kann und darf nicht geschwiegen werden. Eine umfassende Überwachungsaktion, die sich gegen eine Gruppe von Menschen richtet – undenkbar, unfassbar, unverschämt. Ja! Das darf nicht sein! Richtig! Schreit uns entgegen, wie unfassbar abstoßend Überwachung ist, dass kein Argument diese rechtfertigen darf. Diese Prügel stecken wir gerne ein. Wenn Fakten, klare Argumentation und feine Ironie von populistischen Parolen übertönt werden und kein Gehör mehr finden, bedarf es nicht nur eines Winkes mit dem Zaunpfahl sondern gleich eines ordentlichen Trittes durch ein großes hölzernes Pferd.
Volkstrojaner
Woher rühren diese hoch emotionalen Reaktionen? Es gibt eine klar betroffene Gruppe an Menschen, die wir vage als „Politiker, welche die staatliche Überwachung befürworten“ tituliert haben. Jedem von uns treten dabei sofort Gesichter vor Augen. Es sind Menschen, Individuen, die einer Aktion unterworfen werden sollen, gegen die sie sich nicht wehren können. Die sie beim bloßen Bewegen im öffentlichen Raum treffen könnte und so die freie Bewegung und eventuell damit das Verhalten einschränkt. Und der Schuldige? Klar zu identifizieren, das sind wir PIRATEN, welche die Aktion ins Leben gerufen haben. Greift uns an, diskutiert und meinetwegen pöbelt auch, aber bitte tut eines nicht – es widerstandslos zulassen und mit einem Achselzucken akzeptieren.
Ein Blick in unser Programm genügt, um zu wissen, wofür wir kämpfen und unser Letztes geben. Niemals würden wir die Freiheit und den Schutz des Einzelnen opfern.
Es war nie geplant, einen Onlinepranger zu erstellen. Ausgerechnet bei der Demonstration in Karlsruhe für genau diese unsere Grundrechte lief der besagte Volkstrojaner als übergroßes Banner mit. Auf dem Pferdekörper thront der Kopf genau jenes Gartenzwerges, der sich ausgerechnet im Kampagnenmotiv für den Schutz der Privatsphäre findet. Ja, es ist keine feine elegante Kritik mit dem Florett, sondern mit dem Holzhammer: flach und hart. Man muss das nicht mögen. Aber es ist eine Möglichkeit, das so abstrakte Thema zu visualisieren und offene Diskussionen anzuregen.
Und deshalb: STOP
Ein Schritt zurück und die Gedankenspirale bitte kurz anhalten.
Die Reflexe zum Schutz des Einzelnen und seiner privaten Umgebung sind der stärkste Schutz für unsere freie Gesellschaft, den wir uns wünschen können. Nur sind gerade diese Reflexe in die falsche Richtung gepolt worden. Erst, wenn der Betroffene ein Gesicht hat, wenn die Gefahr nicht mehr abstrakt, sondern greifbar ist, setzt diese längst überfällige Reaktion ein. Doch dreht sich die öffentliche Debatte aktuell denn wirklich um den Schutz unserer Freiheit? Während der letzten Monate wurden unsere Grundrechte in einem erschreckenden Maße eingeschränkt.
Jeder dieser kleinen Schritte war für sich betrachtet dabei die scheinbar einzig vernünftige Lösung für verschiedenste Gefährdungen. Echte Schicksale, Menschen in Situationen, in die jeder von uns einmal kommen könnte, ließen uns all diese Einschränkungen ertragen. Nur vernünftig, ein kleiner Preis für das gute Gefühl, eine Lösung gefunden und etwas getan zu haben. Wer dies nicht mittragen kann oder will hat doch Mitschuld, wenn wir nicht sicher sind, nicht wahr?
Wer den Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit nicht zustimmt, hat doch fast schon selbst Blut an den Händen, oder? Weshalb sollte man denn nicht wollen, dass der Staat auf uns mit allen Mitteln aufpasst? Es tut doch nicht weh, wenn in irgendeiner Datenbank steht, wo ich mich hin bewege oder mit wem ich telefoniere. Schließlich bin ich ein unbescholtener Bürger und habe nichts zu verbergen oder gar etwas Illegales vor. Genau diese Verzerrung der öffentlichen Debatte führt dazu, dass es inzwischen geradezu einer Rechtfertigung bedarf, wenn die verfassungsmäßig garantierten Grundrechte tatsächlich eingefordert werden. Was es wirklich bedeuten würde, nicht frei demonstrieren zu dürfen, keine unabhängige Presse zu haben oder einer Zensur unterworfen zu sein; dies ist eine Dystopie, die wir mit aller Macht verhindern müssen. Wohin das in letzter Konsequenz führen kann, wird uns immer drastischer vor Augen geführt.
Es geht um Dich!
Wir dürfen keine Instrumente installieren, die zur Einschränkung unserer freien Gesellschaft genutzt oder missbraucht werden können. Wir dürfen keine Datensammlungen zulassen, die das Potential beinhalten, Menschen zu schaden. Selbst der wohlwollendsten Regierung darf nicht erlaubt werden, was wir nicht auch bei jeder anderen Regierung zulassen würden. Diskutieren wir endlich darüber, um was es eigentlich geht.
(Foto: Piratenpartei
Das Gesicht desjenigen, für dessen Rechte wir uns einsetzen, schaut Dir jeden Tag aus dem Spiegel entgegen. Es geht um Dich. Um den Schutz Deiner Freiheiten und Grundrechte, die Dir niemand nehmen darf. Der freie Mensch steht im Mittelpunkt und jede Anstrengung ist gerechtfertigt, um unsere schöne, freie und offene Gesellschaft zu erhalten. Dies ist unsere verdammte Pflicht als demokratische Bürger. Dies dürfen wir niemals vergessen oder gar leichtfertig aufgeben.
Anja Hirschel, Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl 2017 und Sprecherin für Digitalisierung der Piratenpartei Deutschland
Legal? Illegal? Nicht egal!
Der #Volkstrojaner spielt an den Grenzen der Legalität mit dem Aufruf zum zivilen Ungehorsam. Persönlich finde ich zivilen Ungehorsam ein spannendes Mittel der letzten Wahl, um zur politischen Willensbildung der Gesellschaft beizutragen und moralische beziehungsweise ethische Fragenstellungen klären zu können. Jedoch würde ich persönlich niemals Menschen dazu aufrufen, sich am zivilen Ungehorsam zu beteiligen. Da ich in der Kampagnenphase gesundheitlich angeschlagen war, konnte ich mich nicht am Volkstrojaner beteiligen und habe selbst erst aus den Medien von der Aktion erfahren.
Ich würde natürlich nicht dazu aufrufen, Fotos von Politikern aus ihrer Freizeit zu sammeln und zu veröffentlichen! Denn ich würde ebenfalls nicht wollen, dass jemand Daten über mich sammelt und diese nutzt – wie etwa beim Staatstrojaner
(Foto: Piratenpartei
der Bundesregierung. Die Piratenpartei hat mit dem Volkstrojaner jedoch den wach rüttelnden Charakter in den Fokus gestellt. Ich danke jedem, der sich nicht an der Aktion beteiligt hat und keine
Fotos von Politikern der großen Koalition in ihrer Freizeit bei Twitter geteilt hat. Das innere Bauchgefühl, dass dies falsch wäre, hat offenbar gesiegt. Genau so falsch ist der Staatstrojaner, nur dass bei ihm das Bauchgefühl der Politiker von CDU/CSU und SPD versagt hat. Das ist mehr als bedauerlich, denn ihr Beschluss trifft jeden in unserem Land: Er hebelt die Privatsphäre jedes Einzelnen aus.
René Pickhardt, Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2017Sprecher für Netzpolitik der Piratenpartei Deutschland
Straßburg (nex) – Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, hat heute vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Straßburg seine Rede zur Lage der Union 2017 gehalten. In der Rede stellte Juncker seine Prioritäten für das kommende Jahr vor und skizzierte seine Vision, wie sich die Europäische Union bis zum Jahr 2025 weiterentwickeln könnte. Er legte einen Fahrplan für eine mehr geeinte, stärkere und demokratischere Union vor.
Präsident Juncker sagte heute: „Europa hat wieder Wind in den Segeln. Aber wir werden nur vom Fleck kommen, wenn wir diesen Wind nutzen.(…) Wir sollten den Kurs für die Zukunft abstecken. Wie Mark Twain schrieb: Jahre später werden wir mehr enttäuscht sein von den Dingen, die wir nicht getan haben, als von den Dingen, die wir getan haben. Jetzt ist der Moment, um ein mehr geeintes, stärkeres und demokratischeres Europa für das Jahr 2025 aufzubauen.“
Die Rede von Präsident Juncker im Europäischen Parlament wurde von der Annahme konkreter Initiativen der Europäischen Kommission zu den Themen Handel, Überprüfung von Investitionen, Cybersicherheit, Industrie sowie Daten und Demokratie begleitet.
Eine Serie von Factsheets, die ebenfalls heute veröffentlicht wurde, vertieft einige der zentralen Botschaften aus der Rede des Präsidenten.
Kernaussagen der Rede zur Lage der Union 2017
Wind in unseren Segeln
„Zehn Jahre nach Ausbruch der Krise lebt die europäische Wirtschaft endlich wieder auf. Und damit auch unsere Zuversicht und unser Vertrauen. Die Staats- und Regierungschefs unserer EU der 27, das Parlament und die Kommission machen unsere Union wieder europäisch. Zusammen machen wir aus unserer Union wieder eine Union.“
Kurs halten
„Während wir den Blick in die Zukunft richten, dürfen wir nicht vom Kurs abkommen. (…) Wir müssen vollenden, womit wir in Bratislava begonnen haben und unsere positive Agenda verwirklichen.“
Handel: „Partner aus der ganzen Welt stehen Schlange, um Handelsabkommen mit uns abzuschließen. (…) Heute schlagen wir vor, Verhandlungen über Handelsabkommen mit Australien und Neuseeland aufzunehmen.“
„Lassen Sie es mich ein für alle Mal sagen: Wir sind keine naiven Freihändler. Europa muss immer seine strategischen Interessen verteidigen. Deshalb schlagen wir heute einen neuen Europäischen Rahmen zur Überprüfung von Investitionen vor, ein „Investment Screening“, wie es so schön auf Englisch heißt. “
Industrie: „Ich bin stolz auf unsere Automobilindustrie. Doch ich bin schockiert, wenn Kunden und Verbraucher wissentlich und absichtlich hinters Licht geführt werden. Ich fordere die Automobilindustrie auf dies wiedergutzumachen und ihren Kurs zu korrigieren.“
„Die Kommission hat heute eine neue Strategie für die europäische Industriepolitik beschlossen, so dass unsere Unternehmen in puncto Innovation, Digitalisierung und Verringerung der CO2-Emissionen weltweit die Nummer eins bleiben oder werden. “
Bekämpfung des Klimawandels: „Im vergangenen Jahr haben wir mit dem Pariser Klimaschutzabkommen (…) die globalen Spielregeln gesetzt. Da die Vereinigten Staaten ihren Ehrgeiz offenbar heruntergeschraubt haben, wird Europa dafür Sorge tragen, unsere Erde – die unteilbar Heimat aller Menschen ist – wieder großartig zu machen.“
Cybersicherheit: „Cyberangriffe können unter Umständen gefährlicher sein für die Stabilität von Staaten und Unternehmen als Panzer und Gewehre. (…) [D]ie Kommission [schlägt] heute neue Instrumente und eine neue EU-Agentur für Cybersicherheit vor – diese soll uns in Zukunft besser vor solchen Angriffen schützen.“
Migration: „Europa ist – anders als viele behaupten – keine Festung und es darf niemals eine werden. Europa ist und bleibt der Kontinent der Solidarität, auf dem diejenigen Schutz finden, die vor Verfolgung geflohen sind.“
„Wir haben gemeinsame Grenzen, aber die Staaten, die wegen ihrer geografischen Lage die erste Anlaufstelle sind, dürfen nicht allein für den Grenzschutz verantwortlich sein. Gemeinsame Grenzen und gemeinsamer Grenzschutz gehören zusammen.“
„Ich kann nicht über Migration sprechen, ohne Italien meinen tiefen Respekt für seinen unermüdlichen, großmütigen Einsatz zu zollen. (…) Italien rettet im Mittelmeer die Ehre Europas.“
Europäisches Solidaritätskorps: „Besonders stolz bin ich auf die jungen Europäerinnen und Europäer, die … Teil unseres neuen Europäischen Solidaritätskorps sind. Sie leben den Grundsatz europäischer Solidarität.“
Afrika: „Wir können Solidarität nicht nur innereuropäisch verstehen, sondern es geht auch um mehr Solidarität mit Afrika. Afrika ist ein erhabener Kontinent mit einer jungen Bevölkerung. Es ist die Wiege der Menschheit. Unser 2,7 Milliarden Euro schwerer EU-Treuhandfonds für Afrika schafft dort überall Beschäftigungsmöglichkeiten.“
Segel setzen
„Jetzt ist es an der Zeit, die ersten Schlussfolgerungen aus der Debatte [zur Zukunft Europas] zu ziehen. Es ist an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen: vom Nachdenken zum Handeln, von der Debatte zur Entscheidung. Heute möchte ich Ihnen meine Sicht der Dinge vorstellen: mein – wenn Sie so wollen – persönliches „Szenario Sechs“.“
„Für mich ist Europa mehr als Binnenmarkt, Geld und Euro. Es ging immer um Werte.“
Osten wie Westen: „Europa reicht von Vigo bis Varna, von Spanien bis nach Bulgarien. Europa muss mit beiden Lungenflügeln atmen, mit dem östlichen und dem westlichen. Ansonsten unser Kontinent in Atemnot gerät. “
Entsendung von Arbeitnehmern: „In einer Union der Gleichen kann es keine Arbeitnehmer zweiter Klasse geben. Menschen, die die gleiche Arbeit am gleichen Ort verrichten, sollten den gleichen Lohn bekommen.“
Eine Europäische Arbeitsbehörde: „Es erscheint absurd, dass eine Bankenaufsichtsbehörde darüber wacht, ob Bankenstandards eingehalten werden, dass es aber keine gemeinsame Arbeitsbehörde gibt, die für Fairness innerhalb des Binnenmarkts sorgt. Wir werden sie schaffen.“
Lebensmittel von zweierlei Qualität: „In einer Union der Gleichen kann es keine Verbraucher zweiter Klasse geben. Ich werde nicht akzeptieren, dass den Menschen in manchen Teilen Europas qualitativ schlechtere Lebensmittel verkauft werden als in anderen (…) Slowaken haben nicht weniger Fisch in Fischstäbchen verdient, Ungarn nicht weniger Fleisch in Fleischgerichten oder Tschechen weniger Kakao in der Schokolade.“
Rechtsstaatlichkeit: „In Europa ist die Stärke des Rechtes an die Stelle des Rechts des Stärkeren getreten. (…) Rechtsstaatlichkeit ist in der Europäischen Union keine Option. Sie ist Pflicht. (…) Unsere Union ist kein Staat, aber sie ist ein Rechtsstaat.“
„Die Urteile des Europäischen Gerichtshofs sind in allen Fällen zu respektieren. Sie nicht zu respektieren oder die Unabhängigkeit nationaler Gerichte zu untergraben, heißt, die Bürgerinnen und Bürger ihrer Grundrechte zu berauben.“
Schengen-Raum: „Wenn wir den Schutz unserer Außengrenzen verstärken wollen, dann müssen wir Rumänien und Bulgarien unverzüglich den Schengen-Raum öffnen. Wir sollten auch Kroatien die volle Schengen-Mitgliedschaft ermöglichen, sobald es alle Kriterien erfüllt “
Euroraum: „Wenn wir wollen, dass der Euro unseren Kontinent mehr eint als spaltet, dann sollte er mehr sein als die Währung einer ausgewählten Ländergruppe. Der Euro ist dazu bestimmt, die einheitliche Währung der Europäischen Union als Ganzes zu sein.“
Erweiterung: „Wenn wir mehr Stabilität in unserer Nachbarschaft wollen, müssen wir eine glaubhafte Erweiterungsperspektive für den westlichen Balkan aufrechterhalten. Während dieses Kommissions- und Parlamentsmandates kann es keine neuen Mitglieder geben, weil die Beitrittsbedingungen noch nicht erfüllt werden können. Doch die Europäische Union wird in den darauffolgenden Jahren mehr als 27 Mitglieder zählen. “
Türkei: „Die Türkei entfernt sich seit geraumer Zeit mit Riesenschritten von der Europäischen Union.“
„Journalisten gehören in Redaktionsstuben, in denen freie Meinungsäußerung gilt. Sie gehören nicht ins Gefängnis.“
„Ich appelliere heute an die Verantwortlichen in der Türkei: Lassen Sie unsere Journalisten frei, und nicht nur unsere Journalisten.“
Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit bei Steuern: „Ich bin sehr dafür, bei Beschlüssen über die gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage, über eine faire Besteuerung der Digitalwirtschaft und über die Finanztransaktionssteuer die Beschlussfassung mit qualifizierter Mehrheit einzuführen.“
Europäischer Wirtschafts- und Finanzminister (siehe Factsheet): „Wir brauchen einen Europäischen Wirtschafts- und Finanzminister, einen europäischen Minister, der positive Strukturreformen in unseren Mitgliedstaaten fördert und unterstützt.“
„Wir brauchen keine Parallelstrukturen. (…) Das Parlament des Euroraums ist das Europäische Parlament.“
Bekämpfung des Terrorismus: „Ich plädiere deshalb für eine europäische Aufklärungseinheit, die sicherstellt, dass Daten über Terroristen und Auslandskämpfer automatisch zwischen unseren Nachrichten- und Polizeidiensten ausgetauscht werden.“
Mehr Gewicht auf der Weltbühne: „[Ich] bitte die Mitgliedstaaten zu prüfen, welche außenpolitischen Beschlüsse nicht mehr einstimmig, sondern mit qualifizierter Mehrheit gefasst werden könnten. Der Vertrag lässt dies zu, wenn der Europäische Rat dies einstimmig beschließt.“
Bessere Rechtssetzung: „Wir sollten die Bürger Europas nicht mit Regelungs-Klein-Klein nerven, sondern in großen Dingen Größe zeigen, nicht pausenlos neue Initiativen vom Zaun brechen und Befugnisse, dort wo es sinnvoll ist, an die Nationalstaaten zurückgeben.“
„Um die begonnene Arbeit sinnvoll zu Ende zu führen, setzen wir noch in diesem Monat eine Task Force Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit ein.“
Institutionelle Reform: „Europa würde besser funktionieren, wenn wir das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission mit dem des Präsidenten des Europäischen Rates verschmelzen könnten. (…)Europa wäre leichter zu verstehen, wenn ein einziger Kapitän am Steuer wäre. Wenn wir nur einen Präsidenten hätten, würde das der wahren Natur unserer Europäischen Union besser gerecht werden, da diese sowohl eine Union der Staaten als auch der Bürger ist.“
„Wenn wir die europäische Demokratie stärken wollen, dann dürfen wir den demokratischen Prozess des Spitzenkandidatensystems nicht rückgängig machen.“
Fahrplan
„Unsere Zukunft darf (…) kein bloßes Szenario bleiben. Wir müssen heute die Union von morgen vorbereiten.“
„Am 30. März 2019 werden wir eine Union der 27 sein. Wir sollten uns auf diesen Moment gut vorbereiten, unter den 27 und innerhalb der EU Institutionen.“
„Meine Hoffnung ist, dass die Europäerinnen und Europäer am 30. März 2019 in einer Union aufwachen, in der wir alle für unsere Werte stehen. In der alle Mitgliedstaaten die Rechtstaatlichkeit respektieren. … In der wir die Grundlagen für unsere Wirtschafts- und Währungsunion so gefestigt haben, dass wir Europäer unsere Gemeinschaftswährung in guten und in schlechten Zeiten verteidigen können, ohne externe Hilfe zu suchen. … In der nur ein Präsident die Arbeit der Kommission und des Europäischen Rats leitet, der nach einem europaweiten demokratischen Wahlkampf gewählt wurde. … Und darum geht es in meinem Szenario sechs.“
„Wir haben damit begonnen, unser Dach zu reparieren. Aber wir müssen diesen Job zu Ende bringen (…) solange die Sonne scheint. (…). Lasst uns die Leinen losmachen, die Segel setzen, und jetzt den günstigen Wind nutzen.“
Hintergrund
Jedes Jahr im September hält der Präsident der Europäischen Kommission vor dem Europäischen Parlament seine Rede zur Lage der Union, in der er eine Bilanz der Arbeit des vergangenen Jahres zieht und einen Ausblick auf die Prioritäten des kommenden Jahres gibt. Dabei wird auch Thema sein, wie die Kommission die derzeit drängendsten Probleme in der Europäischen Union anzugehen gedenkt. Im Anschluss an die Rede findet eine Aussprache im Parlament statt. Die Rede bildet den Auftakt für den Dialog zwischen Europäischem Parlament und Rat über das Arbeitsprogramm der Kommission für das kommende Jahr.
Außerdem haben Präsident Juncker und der Erste Vizepräsident Timmermans heute eine Absichtserklärung an den Präsidenten des Europäischen Parlaments und an den Ratsvorsitz gerichtet, in dem sie einen detaillierten Überblick über die gesetzlichen und sonstigen Maßnahmen und Initiativen geben, die die Kommission bis zum Ende des folgenden Jahres (in diesem Fall 2018) durchführen will. Dies ist in der Rahmenvereinbarung von 2010 über die Beziehungen zwischen dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission ausdrücklich vorgesehen.
Hannover (ots) – AfD-Wähler fühlen sich oft in der Liebe „verarscht“ und sind wenig liebesfähig. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage, die der Psychologe Dr. Guido F. Gebauer für die Dating-Plattform Gleichklang durchgeführt hat.
Die psychologische Online-Dating Plattform Gleichklang hat 700 männliche und weibliche Mitglieder im Alter von 20 bis 78 gefragt, welche Partei sie bei der Bundestagswahl wählen werden. Außerdem wurden die Mitglieder zu ihren Einstellungen zur Liebe befragt.
Ergebnisse im Einzelnen
Im Vergleich zu den Wählern anderer Parteien erklärten AfD Wähler signifikant häufiger, dass sie in der Liebe „verarscht“ worden seien und über ihr Liebensleben verbittert seien. AfD-Wähler bejahten auch signifikant häufiger eine Reihe weiterer negativer Aussagen zur Liebe. So stimmten sie häufiger den Aussagen zu, dass das ganze Gerede von der Liebe meistens eine Lüge sei und es die echte Liebe gar nicht gebe. Signifikant seltener stimmten AfD-Wähler der Aussage zu, dass sie eine solidarische Welt wollten, in der die Menschen liebevoll miteinander umgehen.
Vergleich: Grüne, Linkspartei und AfD
Ein besonders starker Kontrast zeigte sich in der Umfrage zwischen AfD-Wählern und Wählern von Bündnis90/die Grünen und der Linkspartei. Verbittert über das eigene Liebesleben war bei den Wählern der Grünen eine Person von 18 Personen, bei der Linkspartei eine Person von acht Personen, bei der AfD aber eine Person von vier Personen.
In der Liebe „verarscht“ fühlte sich bei den AfD-Wählern eine Person von fünf Personen, bei der Linkspartei war eine von 12 Personen und bei den Grünen nur eine von 25 Personen der Fall. Dass das ganze Gerede von der Liebe eine Lüge sei, meinte bei den AfD Wählern eine Person von 6 Personen, bei der Linkspartei eine von 14 Personen und bei den Grünen eine Person von 20 Personen.
74 % der Wähler der Linkspartei und 72 % der Wähler der Grünen reagierten mit starker Zustimmung auf die Aussage, dass sie eine solidarische Welt wollten, in der die Menschen liebevoll miteinander umgehen. Bei den AfD-Wähler betrug die entsprechende Zustimmungrate nur 40 %.
Wähler von SPD, CDU/CSU und FDP lagen in ihren Einstellungen zur Liebe übrigens zwischen den Wählern von AfD und den Wählern von Grünen und Linkspartei. Am nächsten an der AfD lagen die Wähler der FDP.
Psychologische Bewertung
Psychologe Gebauer hält die Ergebnisse für plausibel und psychologisch gut nachvollziehbar. Wer Beziehungsdefizite habe, sei leichter für fremdenfeindliche Propaganda erreichbar. Solche Menschen gefielen sich in einer Opferrolle und machten andere Kulturen und Flüchtlinge zu Sündenböcken für ihre eigene Unzufriedenheit.
AfD-Wähler seien offenbar tatsächlich Wutbürger. Ihre Wut stamme aber nicht daher, dass ihnen Vertreter anderer Kulturen oder Flüchtlinge Unrecht angetan hätten, sondern aus ihren eigenen Beziehungsdefiziten.
So sei es nicht erstaunlich, dass es gerade Unterstützer der AfD seien, die auch beim Online-Dating durch zynische Einstellungen, Nörgeleien und Misserfolg immer wieder besonders auffielen.