Film-News
Friedhof der Kuscheltiere: „Manchmal ist es besser, tot zu sein!“

Der Umzug von der Großstadt aufs beschauliche Land geht normalerweise mit einem Zugewinn an Ruhe und Sicherheit einher. Nicht so aber für den Mediziner Louis Creed, als er mit Frau und Kindern in die Provinz zieht, um seinen neuen Posten als Leiter der Krankenstation anzutreten. Denn in den Wäldern direkt hinter dem neuen Zuhause der Familie befindet sich der Tierfriedhof des verschlafenen Städtchens Ludlow. Immer wieder wird die letzte Ruhestätte der tierischen Bewohner von unerklärlichen und mysteriösen Vorfällen heimgesucht, die schließlich außer Kontrolle geraten … Dr. Louis Creed, seine Frau Rachel und ihre beiden Kinder Gage und Ellie entfliehen der Großstadt für ein beschauliches Leben auf dem Land. Ganz in der Nähe ihres neuen Zuhauses und von dichtem Wald umgeben, befindet sich der unheimliche „Friedhof der Kuscheltiere“. Nach einem tragischen Zwischenfall bittet Louis seinen kauzigen Nachbarn Jud Crandall um Hilfe und löst damit ungewollt eine gefährliche Kettenreaktion aus, die etwas abgrundtief Böses freisetzt und das neu gewonnene Familienidyll bedroht. Schnell wird den Creeds klar, dass der Tod manchmal besser ist … Das Regie-Duo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer („STARRY EYES“, „HOLIDAYS“) bringt den düsteren Stephen-King-Horrorklassiker in neuem Gewand auf die Kinoleinwand. Neben Jason Clarke („AUFBRUCH ZUM MOND“, „WINCHESTER: DAS HAUS DER VERDAMMTEN“) konnten sie John Lithgow („INTERSTELLAR“, „DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT“) und Amy Seimetz („ALIEN: COVENANT“, „Stranger Things“) für die Hauptrollen gewinnen. Als Produzenten zeichnen Größen wie Lorenzo die Bonaventura („BUMBLEBEE“, „MEG“), Steven Schneider („INSIDIOUS: THE LAST KEY“, „GLASS“) und Mark Vahradian („BUMBLEBEE“, „TRANSFORMERS: THE LAST KNIGHT“) verantwortlich. Executive Producer ist Mark Moran („AMITYVILLE: THE AWAKENING“). Das Drehbuch stammt von Jeff Buhler („JACOB’S LADDER“) und basiert auf Stephen Kings Bestsellerroman.

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Halloween: Polizei warnt vor Rückkehr der Killer-Clowns

„Nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr ist das durchaus zu befürchten“, sagte Mario Lorenz, Kriminaloberkommissar und Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA

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Wurde Khashoggi zerstückelt?
Bericht: Saudische Agenten hatten Knochensäge dabei

Istanbul (nex) – In den bisher detailliertesten Berichten türkischer Medien über das rätselhafte Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, veröffentlichte die Nachrichtenagentur DHA am gestrigen Dienstagabend Bilder der mutmaßlichen Mörder des Kolumnisten der US-Zeitung Washington Post. Die fünfzehn saudischen Staatsangehörigen seien an dem Tag, an dem Khashoggi verschwand, in zwei Privatjets aus Riad in Istanbul gelandet und hätten, obwohl sie bis zum 5. Oktober Zimmer gebucht hätten, noch am selben Tag das Land wieder verlassen. Wie türkische Medien weiter berichten, checkten die Männer in das nahe des Konsulat gelegenen Wyndham Grand Hotel und Movenpick Hotel ein. Am heutigen Mittwoch veröffentlichte der türkische Fernsehsender NTV Videoaufnahmen von einigen Saudis, die vom Flughafen zum Movenpick Hotel und weiter zum Konsulat fahren. Laut der Nachrichtenagentur AFP, verließ dasselbe Fahrzeug, zwei Stunden nachdem Khashoggi das Konsulat betrat, das Gebäude und fuhr zum Haus des Generalkonsuls. Gegenüber der New York Times, sagte ein hoher türkischer Sicherheitsbeamter, es handele sich bei einem der Männer um einen Gerichtsmediziner und die Männer hätten bei ihrer Ankunft eine „Knochensäge“ dabei gehabt, mit der „Khashoggis Leiche zerstückelt wurde“. Riad bestreitet die Mordvorwürfe vehement und behauptet, dass Khashoggi das Konsulat lebend verlassen habe.      

Dieselkrise
VDA-Präsident kritisiert neue EU-Grenzwerte

Berlin – Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernhard Mattes, hat den EU-Kompromiss zu CO2-Grenzwerten für Autos und Lieferwagen kritisiert. Im Inforadio vom rbb nannte der VDA-Präsident am Mittwoch die Einigung in Luxemburg bedauerlich. Sie sorge nicht für eine „Balance zwischen Klimaschutz und Beschäftigung in Europa“, so Mattes. Das Gute sei, „wir haben ja noch die Verhandlungen zwischen der Kommission, dem Rat und dem Parlament, und wir als Automobilindustrie werden mit unseren Argumenten an dieser Diskussion teilnehmen“, so der VDA-Präsident. Angesichts des Urteils zu Diesel-Fahrverboten in Berlin wehrte sich Mattes gegen einen zunehmenden Druck auf die Autobauer. Die sogenannten Hardware-Nachrüstungen alter Diesel-Fahrzeuge lehnte er als zu langwierig ab. Diese seien noch nicht serienreif: „Es sind Entwicklungen von Nachrüstern, die derzeit nicht mal auf dem Markt angeboten werden, und es dauert mindestens zwei Jahre, bis diese dann serienreif entwickelt sind, das ist zu lang.“ Der VDA-Präsident sprach sich stattdessen dafür aus, alte Fahrzeuge schnell durch neue zu ersetzen. Dafür gebe es auch ein entsprechendes Programm.

Digitale Jugendpressekonferenz
Jugendliche wollen mehr Aufklärung zu Fake News und Hassrede im Netz

Repräsentative Befragung der Vodafone Stiftung und erste „Digitale Jugendpressekonferenz“

Berlin – Laut repräsentativer Umfrage der Vodafone Stiftung sind Jugendliche regelmäßig mit Desinformation und Hassrede im Netz konfrontiert, werden aber in der Schule nicht ausreichend darauf vorbereitet
Mehrheit junger Menschen sieht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland durch „Fake News“ in Gefahr „Fake News“ und „Hate Speech“ gehören zum Alltag von jungen Menschen, die in den sozialen Medien aktiv sind. Die Hälfte der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland berichtet, mindestens einmal die Woche in den sozialen Medien auf Falschnachrichten zu stoßen; fast ein Fünftel sogar täglich. In der Schule wird der Umgang mit Falschnachrichten und Hasskommentaren jedoch kaum thematisiert, dabei wünschen sich drei Viertel der Schülerinnen und Schüler mehr Aufklärung hierzu im Unterricht. Derzeit recherchieren die Meisten ihre Fragen zu Social Media allein im Netz. Zwei Drittel der jungen Menschen in Deutschland glaubt zudem, dass die Verbreitung von Falschnachrichten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland gefährde. Jeder Dritte ist sich aber unsicher, ob er Falschnachrichten sicher identifizieren kann und wie er auf Anfeindungen im Netz reagieren soll. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie unter 14- bis 24-Jährigen in Deutschland im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland, die heute im Rahmen der ersten „Digitalen Jugendpressekonferenz“ veröffentlicht wird. Bei der Fragestunde stellen sich die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, der SPD-Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs, die grüne Europaabgeordnete Terry Reintke und die Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder, den Fragen von Jugendlichen zum Thema digitale Kommunikation. Anlässlich der Digitalen Jugendpressekonferenz, sagt die Staatsministerin Dorothee Bär: „Ohne Fakten, ohne gemeinsame Realität kann es keinen gemeinsamen Diskurs geben. „True News“ von „Fake News“ zu unterscheiden erfordert Medienkompetenz. Wir müssen die jungen Menschen gegen Desinformation wappnen und ihnen klarmachen: Ein Hasskommentar sagt mehr über seinen Autor aus als über die Person, die damit kommentiert wird.“ Jugendliche sehen Kampf gegen Desinformation als gesamtgesellschaftliche Aufgabe Junge Menschen in Deutschland sehen mehrheitlich (58 Prozent) die Betreiber von Social Media-Plattformen in der Pflicht, aktiv gegen „Fake News“ vorzugehen. Fast die Hälfte (46 Prozent) findet, die Medien müssen hier aktiv werden; ein Drittel (33 Prozent) möchte, dass die Bundesregierung handelt. 45 Prozent sind aber auch der Meinung, dass sie selbst, also die Bürgerinnen und Bürger verpflichtet sind, Falschnachrichten zu bekämpfen. Viele junge Menschen setzen sich auch schon aktiv gegen Verleumdung und Hass im Netz ein: Knapp die Hälfte (47 Prozent) geht aktiv gegen Falschnachrichten oder Hasskommentare vor, die über Freunde in den sozialen Medien verbreitet werden. Immerhin ein Viertel (26 Prozent) hat schon einmal Falschnachrichten bei den Betreibern sozialer Medien gemeldet. Auch hier werden junge Menschen jedoch oft alleine gelassen: Denn mehr als die Hälfte dieser Beschwerden (56 Prozent) blieb erfolglos oder wurde erst sehr spät bearbeitet. „Kinder und Jugendliche dürfen im Umgang mit Falschinformationen und Hassrede im Netz nicht alleine gelassen werden.“ betont Inger Paus, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Stiftung. „Schulische wie zivilgesellschaftliche Initiativen müssen gemeinsam die Medieninformationskompetenz von Jugendlichen stärken, damit diese als mündige Bürger an einer digitalen Öffentlichkeit teilhaben können. Mit diesem Ziel haben wir in diesem Jahr die Initiative Klickwinkel unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten gestartet.“ Junge Menschen sehen soziale Medien als Chance für Dialog mit der Politik Jugendliche und vor allem junge Erwachsene sehen soziale Medien auch als Chance, sich politisch zu informieren und mit politischen Entscheidungsträgern direkt in Kontakt zu treten. Fast 40 Prozent der Befragten fühlt sich durch Politikerinnen und Politiker, die in den sozialen Medien aktiv sind, motiviert, sich weiter über politische Themen zu informieren. Jeder Dritte (35 Prozent) kann sich vorstellen, politische Entscheidungsträger bei Fragen über soziale Medien direkt anzusprechen. Um den Austausch zwischen Jugendlichen und Politik zu unterstützen, veranstaltet die Vodafone Stiftung Deutschland heute die erste „Digitale Jugendpressekonferenz“ in Berlin. Über einen Livestream und Livechat können Jugendliche bundesweit Fragen rund um das Thema digitale Kommunikation an die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, und die drei digital-affinen Jungpolitikerinnen und -politiker Falko Mohrs (MdB, SPD), Terry Reintke (MdEP, Grüne) und Ria Schröder (JuLib) stellen. Die Politikerinnen und Politiker riefen anlässlich der Jugendpressekonferenz dazu auf, die Stimmen junger Menschen ernst zu nehmen und die Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen zu stärken. Falko Mohrs, SPD-Bundestagsabgeordneter: „Der richtige Umgang mit sozialen Medien gehört auf jeden Stundenplan. Laut Studie sehen zwei Drittel der Befragten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland durch „Fake News“ gefährdet. Dem können wir sehr gut durch Präventionsmaßnahmen in der Schule entgegenwirken.“ Terry Reintke, Abgeordnete der Grünen im Europäischen Parlament: „Soziale Medien sind für mich als Politikerin eine wichtige Möglichkeit, Menschen direkt in ihrer Wirklichkeit und ihrem Alltag anzusprechen, über meine Arbeit zu informieren und für meine politischen Positionen zu werben. Aus der Studie nehme ich mit, dass die jungen Menschen in Deutschland die sozialen Medien sehr kompetent und verantwortlich benutzen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Medienkompetenz und der Umgang mit sozialen Medien in Schulen häufig immer noch stiefmütterlich behandelt werden. Das muss sich ändern.“ Ria Schröder, Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen: „Junge Menschen können mehr als ältere Generationen ihnen zutrauen. Das zeigt auch das Ergebnis der Studie, nach der Jugendliche souverän mit sozialen Medien umgehen, ihre Mediennutzung gleichzeitig aber kritisch reflektieren. Ich finde, auch die Politik muss jungen Menschen mehr zutrauen. Sie wissen ganz genau, wo die Regierung etwa bei Digitalisierung und in der Bildungspolitik verschlafen hat. Es würde Deutschland guttun, wenn verstärkt junge Menschen das ewige „Das haben wir schon immer so gemacht“ infrage stellen. Die „Digitale Jugendpressekonferenz“ verschafft jungen Menschen Gehör und leistet dadurch einen wertvollen Beitrag.“ Die Studie „Engagiert, aber allein“ beruht auf einer Online-Umfrage im YouGov Deutschland Panel, an der im August 2018 664 Personen teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung im Alter von 14 bis 24 Jahren. Die Studie und alle Grafiken stehen im Internet zum kostenlosen Download bereit: socialmedia.vodafone-stiftung.de Die „Digitale Jugendpressekonferenz“ findet am 10. Oktober 2018 von 11-12 Uhr in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin statt. Unter www.klickwinkel.de/djpk wird die Veranstaltung live übertragen. Ein Livechat ermöglicht Jugendlichen bundesweit, Fragen zu stellen.

Datensicherheit
Bericht: In der AOK-App ließen sich Passwörter auslesen

Leipzig – In der „AOK Bonus-App“ ließen sich vermutlich seit Januar 2017 die Passwörter der Nutzer auslesen. Diese Sicherheitslücke entdeckten MDR-Redakteure und ein unabhängiger IT-Experte während Recherchen zur Datensicherheit von Krankenkassen-Apps. Mit den Passwörtern wird der Zugriff auf persönliche Daten bei der AOK Plus möglich, wie z.B. Bankverbindungen, Arztrechnungen oder Angaben zur Rentenversicherung. Allein in Sachsen und Thüringen nutzen rund 65.000 Versicherte die „AOK Bonus-App“. Die AOK Plus reagierte inzwischen auf die MDR-Recherchen und hat eine aktualisierte Version der Bonus-App veröffentlicht. Die Krankenkasse teilte dem MDR mit: „Danke, dass Sie uns mit Ihrer Recherche auf eine bislang unentdeckte ‚Schwachstelle‘ in unserer Bonus-App hingewiesen haben und uns damit die Chance eröffnen, diese zu verbessern.“ Datenübermittlung auf Server in den USA Mit der Krankenkassen-App können Versicherte Punkte sammeln und so Bonuszahlungen erhalten. Die Versicherten müssen dafür eine zweite Fitness-App benutzen, die ihre Gesundheitsdaten verarbeitet. Die MDR-Recherchen zeigen außerdem, dass dabei die Gesundheitsdaten der Versicherten in die USA übertragen werden. Die AOK Plus begründetet das mit mangelnden Alternativen: „Es gibt leider keinen deutschen Schrittzähler, der an Google & Co. Vorbeiführt.“ Die Datenschutzexpertin und Netzaktivistin Katharina Nocun kritisiert den Umgang der Krankenkassen mit Gesundheitsdaten. Die ehemalige Politikerin der Piratenpartei sagte gegenüber dem MDR: „Die einzig richtige Lösung für Krankenkassen kann sein, möglichst wenig Daten zu sammeln und die Daten auf den Geräten der Nutzer zu lassen.“

Türkisch-Afrikanisches-Handesforum
Erdogan an Afrika: Lasst uns in eigenen Währungen Handel betreiben

Istanbul (nex) – Die Türkei misst der Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Kontinent große Bedeutung bei, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei seiner Eröffnungsrede auf dem zweiten türkisch-afrikanischen Wirtschafts- und Handelsforum, das am Mittwoch in Istanbul begann. „Ich rufe alle meine afrikanischen Freunde auf: Lasst uns in unseren eigenen Währungen Handel betreiben. Lasst uns unsere Länder vor dem Druck des Wechselkurses bewahren“, sagte Erdoğan. Das Handelsvolumen sei seit 2005 kontinuierlich gestiegen und die Türkei plane in jedem afrikanischen Staat eine diplomatische Vertretung zu eröffnen, so Erdogan weiter. Seit 2005 gibt es ein verstärktes Engagement zwischen der Türkei und dem afrikanischen Kontinent. Die Türkei ist zu einem wichtigen Partner für Entwicklung, Handel und Investitionen in Afrika geworden.
Turkey-Africa Forum 2017
Besonderer Platz in der Geschichte Afrikas Melaku Ezezew, Leiter der Panafrikanischen Industrie- und Handelskammern, sagte, das Forum werde beiden Seiten helfen, die bilateralen Beziehungen zu stärken. „Afrika verändert sich, Afrika befindet sich in einem historischen Wandel“, sagte er. Die Türkei nehme einen besonderen Platz in der Geschichte Afrikas ein, so Ezezew gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. Die afrikanische Geschäftswelt zeige großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Türkei. Victor Harrison, Wirtschaftskommissar der Kommission der Afrikanischen Union (AUC), betonte, dass das Forum eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen afrikanischen und türkischen Wirtschaftsführern spielt.

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Renaissance der politischen Linken
Lafontaine setzt auf Versöhnung von SPD und Linken

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Düsseldorf – Der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine hält trotz seines Zerwürfnisses mit Gerhard Schröder eine Versöhnung und Zusammenarbeit der Linken mit den Sozialdemokraten für möglich. „Man soll die Erinnerungen an das Ende der Weimarer Republik nicht überstrapazieren“, sagte Lafontaine der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Aber man muss sich immer daran erinnern, wie sich KPD und SPD damals bekriegt haben. Als viele von ihnen später vor den Nazis ins Exil flohen, bereuten sie, dass sie sich nicht zusammengerauft hatten.“ Die SPD habe den „historischen Fehler“ gemacht und 2005 keine rot-rot-grüne Regierung gebildet. Er setze auf eine Renaissance der politischen Linken, um das weitere Erstarken der AfD zu verhindern. Dafür stehe die von ihm mitbegründete überparteiliche Bewegung „Aufstehen“. Mit einer SPD, die für eine gerechte Rentenformel, eine bessere Arbeitslosenversicherung und höhere Löhne einträte, könne man problemlos zusammenarbeiten. „Das wäre Wandel durch Annäherung.“ Der SPD, in der er fast 40 Jahre Mitglied war, fühle er sich auch heute noch verbunden. Sein persönlicher Groll sei verflogen. Und er selbst strebe kein hohes Amt mehr an. „Ich bin gerade 75 Jahre alt geworden und stand fast 50 Jahre auf der politischen Bühne. Mein Bedürfnis im Scheinwerferlicht zu stehen oder in der ersten Reihe zu sitzen, ist gestillt.“

Putins Geburtstag
Kommentar: Wladimir Putin gab Russland seine nationale Würde wieder

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther Am 7. Oktober feierte der russische Präsident Vladimir Putin seinen 66. Geburtstag. Putin ist der neben Erdogan in westlichen Medien meistgeschmähte und dämonisierte Politiker, und er steht noch dazu an der Spitze einer Supermacht. Vielleicht ist sein Geburtstag ein Anlass, einmal vorurteilsfrei eine Bilanz seiner bisherigen Leistung zu versuchen. Putin, ein ehemaliger KGB-Offizier, trat zunächst in die Administration Boris Jelzins ein und folgte diesem im Jahr 2000 ins Präsidentenamt. Seitdem dominiert er die Politik Russlands entweder als Premierminister oder Präsident bis heute. Erst im März diesen Jahres wurde er mit 76% der Stimmen wiedergewählt. Seine Amtsperiode wird bis 2024 dauern. Wie hat nun dieser Mann, der seit fast 18 Jahren an der Spitze einer Supermacht steht, sein Amt verwaltet? Nach der Katastrophe des Zusammenbruchs der Sowjetunion (SU) und seiner Satellitenstaaten 1989 war überall zunächst einmal ein politisches Chaos und eine völlig in den Grund gefahrene Wirtschaft zu bewältigen. Die Bewältigung der wirtschaftlichen Probleme ist den meisten Ländern bis heute nicht völlig, ja oft überhaupt nicht geglückt. Russland wurde von diesen Ereignissen mehr als jedes andere Land gebeutelt. Der Zusammenbruch der SU war im Grunde genommen der Zusammenbruch des letzten Kolonialreiches; die SU war ein kolonialer Flächenstaat. Solch ein Ereignis ist traumatisch. Man denke nur daran, wie schwer sich Frankreich von Algerien getrennt hat, das man als Teil Frankreichs zu sehen gewohnt war. Ich glaube, das russische Trauma versteht und würdigt die Welt bis heute nicht. Jedenfalls habe ich damals befürchtet, die Auflösung der SU würde zu noch weit mehr Blutvergießen führen, als das der Fall war. Dass das nicht geschah, ist das Verdienst Gorbatschows. Freilich Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin führte das Land in die wirtschaftliche Katastrophe: er folgte dem stupiden Rat des Westens, der glaubte, man müsse nur den Monetarismus und Neoliberalismus einführen, dann heile der Markt alles. Der Säufer Jelzin verscherbelte das Land an den Westen und neureiche Primitivlinge. Das Land versank unter Jelzin in wirtschaftliches Chaos, freien Fall des BSP, Hyperinflation, Verarmung und politisch-militärischer Auflösung einer Supermacht in einen Schrottstaat der dritten Welt. Dem politischen Zerfall des russischen Einflussbereiches suchte Jelzin mit Gewalt zu begegnen. Mit Georgien, das die GUS verlassen wollte, kam es zum Konflikt. Nun muss man wissen, Georgien war immer ein Vielvölkerstaat. Seit 1989 versuchte der georgische Nationalismus, Minderheiten die georgische Sprache aufzuzwingen (lingua franca war bislang Russisch). Das und georgische Umsiedlungspläne brachte Konflikte in Abchasien und Süddossetien.  Abchasien wurde von Russland besetzt und de facto zum unabhängigen Staat gemacht; in Südossetien fand man nach langen kämpfen einen Kompromiss. Separatisten in Tschetschenien versuchte Jelzin durch brutale Militärschläge, die das Land weitgehend verwüsteten, zu bekämpfen: angesichts seiner schrottreifen Armee und der Konzeptlosigkeit seiner Politik kam außer sinnlosem Blutvergießen nichts dabei heraus. Ich war zur Zeit des zweiten Tschetschenienkrieges Jelzins in Georgien: damals sagte man dort: „Stalin war uns lieber, der hat uns wenigstens nur umgesiedelt, Jelzin bringt uns alle um!“ Als Putin Russland übernahm, stand er vor einem Scherbenhaufen. Er erreichte es, dass sich schon in seiner ersten Amtszeit das BSP um 76% erhöhte. Es stieg kontinuierlich, bis durch westliche Sanktionen wegen der Ukrainekrise 2015 die russische Wirtschaft in die Rezession gezwungen wurde. Doch schon 2016 war letztere durch ein leichtes Wachstum überwunden. Putin ging in Tschetschenien nicht weniger brutal vor als Jelzin, aber er hatte ein Konzept und hat den Terror im wesentlichen beendet und Tschetschenien in Russland behalten. Die seit ihrer Einverleibung in das Zarenreich rebellischen muslimischen Tschetschenen und Dagestaner, mit ihrem großen legendären Führer aller Muslime des Kaukasus, dem Sufi Sheik Shamil, waren nicht mit bloßer Gewalt zu besiegen. Putin fand den einzig gangbaren Weg: er fand unter den Rebellen einen Führer, der bereit war, um den Preis innerer Autonomie sich Putin unterzuordnen. Man mag nun diesen Mann, Ramsan Achmatowitsch Kadyrow, mögen oder nicht: eine andere Lösung gab es und gibt es für Tschetschenien nicht. Die Situation im muslimischen Kaukasus, auch in den Republiken Inguschetien und Dagestan, ist immer noch sehr fragil. Gerade neulich kam es auch zu Problemen zwischen Inguschetien und Tschetschenien. Die Verhältnisse sind zu komplex und zu wenig bekannt, um hier mehr zu sagen, aber insgesamt hat Putin eine Situation geschaffen, mit der Russland leben kann. Das ist nicht leicht. Putin arbeitete auch zäh daran, der russischen Armee ihre Schlagkraft wiederzugeben. Er baute Russland nicht nur wirtschaftlich wieder auf, er gab dem Land den Status einer Supermacht zurück. Putin musste im Jugoslawienkonflikt noch darauf verzichten, Russlands Einfluss geltend zu machen. Auch in Afghanistan und Libyen hat er die USA und die NATO mit ihrer zugleich dummen wie verbrecherischen Politik gewähren lassen. Zähne gezeigt hat er zum ersten Mal, als Georgien unter Michael Saakashvili so weit ging, amerikanische Truppen ins Land zu holen und NATO- und EU-Beitritt anzustreben – da hat Putin zum ersten Mal seine Zähne gezeigt, zugleich aber auch Besonnenheit: er hat zunächst den Status von Südossetien, wo 99% der Osseten nicht zu Georgien gehören wollen, vom Status des Kosovo abhängig gemacht. Erst als Georgien offen den Status quo verletzte und Saakashvili glaubte, die Teilrepublik Südossetien militärisch annektieren zu können, griff Russland 2008 massiv ein. Südossetien ist seitdem de facto unabhängig. Die von der EU eingesetzte Beobachterkommission (IIFFMCG) befand, Georgien habe durch seine Aggression den Konflikt ausgelöst, Russlands Verteidigung Südossetiens sei völkerrechtskonform, nur das Vordringen in georgisches Gebiet sei unverhältnismäßig gewesen. Diese Aktion Putins hätte dem Westen allerdings eine Lehre sein können, dass Russland mit Putin nicht mehr ein maroder Staat war, dessen nationale Interessen man schlichtweg ignorieren konnte. Russland war wieder ein mächtiges Land, das beanspruchen und durchsetzen konnte, auf der internationalen Bühne neben den USA seinen gleichberechtigten Platz zu haben. Diese Lektion hat man bis heute nicht gelernt. Putin hatte schon kurz nach Amtsantritt bei einem Staatsbesuch im September 2001 (kurz nach 9/11) eine visionäre Rede in fließendem Deutsch im deutschen Bundestag gehalten und dem Westen eine Sicherheitspartnerschaft angeboten. 2010 hat er in Lissabon der EU eine eurasische Freihandelszone angeboten. Und all dies, obwohl der Westen seit 1999 mit der NATO-Osterweiterung begonnen hatte, das Gorbatschow anlässlich der deutschen Wiedervereinigung gegebene Wort zu brechen, keine NATO-Truppen in den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes zu stationieren. 2004 hatte man zudem begonnen, osteuropäische Staaten in die EU aufzunehmen – sehr zum Schaden der europäischen Integration. Putin hat somit alles versucht, mit dem Westen – trotz seines Wortbruchs, seiner offenen Aggression, besonders in seinem widerwärtigen und völkerrechtswidrigen Krieg in Jugoslawien – friedlich zu kooperieren. Er wurde von westlicher Überheblichkeit und Kurzsichtigkeit zurückgestoßen. Die USA dachten noch immer, sie könnten, die Welt alleine dominieren. Kurz danach begann der Westen dann auch zunächst, den sogenannten ,Arabischen Frühling‘ 2011 zu nutzen, den einzigen, recht gut funktionierenden und deshalb missliebigen Staat Afrikas, das Libyen Gaddafis, in Schutt und Asche zu legen. Russland legte kein Veto ein: freilich die NATO-Aktionen gingen weit über das Mandat des Sicherheitsrates hinaus und waren insofern völkerrechtswidrig. Als ob dies nicht genug wäre, begann man kurz danach auch noch ohne jedes Mandat sich in Syrien, ebenfalls ein missliebiges System, weil es Ansprüche an Israel hatte, das völkerrechtswidrig Gebiete Syriens – meist mir reichen Ölquellen – besetzt hielt, in einen inneren Konflikt einzumischen. Dass Syrien ein traditioneller Verbündeter zuerst der SU, jetzt Russlands war, scherte keinen. Eine Begründung hatte man natürlich in beiden Fällen: Gaddafi und Assad sind ,Tyrannen‘, die Aufstände des eigenen Volkes niederschlagen. Anderswo war das bislang egal: das Suharto-regime etwa mit seinem Genozid hat im Westen nie jemanden gestört, in Lateinamerika hat man gar grausamste Militärregime eingesetzt, die nichts Besseres zu tun hatten, als das eigene Volk zu foltern, aber Assad und Gaddafi sind Tyrannen. Sicherlich waren beides repressive Systeme: nur war Libyen eben auch das best funktionierende Land Afrikas, Assads Syrien ein Staat mit guten Gesundheits- und Bildungssystem, unverächtlichen sozialen Bedingungen. Und als ob das nicht genug wäre, 2014 provoziert man vor Russlands Nase einen Putsch in der Ukraine, verspricht Aufnahme in die EU samt Sicherheitspartnerschaft. Dass das nicht funktioniert, hätte man nach Georgien wissen müssen. Und Russland hat reagiert. Die mehrheitlich von Russen bewohnte Krim wurde nach einer Volksabstimmung über eine Sezession ohne einen Schuss annektiert. Im ebenfalls russischsprachigen Donbas hat man russische Rebellen unterstützt und destabilisiert das Land, ohne offen direkt einzugreifen. Die Ukraine mit ihrem korrupten Regime ist inzwischen schrottreif. Das alles war lange überfällig: in der Ukraine hat Putin dem jedes Maß an Unverfrorenheit überschreitenden Westen endlich die Tür ins Gesicht geschlagen und deutlich gemacht, wo die rote Linie liegt. 2015 hat er sich auch auf Einladung der Regierung Assad, d.h. in Einklang mit dem Völkerrecht, direkt in Syrien engagiert. Er hat auf Provokationen, wie den Abschuss einer russischen Maschine durch die Türkei nicht mit Gegengewalt reagiert und dadurch Eskalation provoziert, er hat die Türkei ohne militärische Gewalt zum Einlenken gezwungen und kooperiert heute mit der Türkei. Auf die israelischen Luftschläge reagiert weder er noch der Iran. Warum auch? Warum sollte man alles, was man gewonnen hat, in einem direkten Konflikt mit einer Nuklearmacht riskieren? Russland hat seinen Fuß in Syrien, es hat darüber direkten Zugang zum Mittelmeer, Russlands lang ersehntes geopolitisches Ziel. Iran hat seinen Fuß auch in Syriern. Allzu viel Militär dort zu binden, ist weder für Iran noch für Russland sinnvoll. Also was jucken ein paar Luftangriffe? Selbst jetzt, wo wieder eine russische Maschine abgeschossen wurde, reagierte Putin besonnen: keine Gewalt, keine Eskalation. Er wird Israel anders dazu bringen, sein Vorgehen zu bereuen. Russland hätte in Ildib zuschlagen können und militärisch sicher gewonnen – zu einem hohen politischen Preis. Putin hat den türkischen Vermittlungsvorschlag akzeptiert. Die USA gebärden sich als Supermacht, die jeden zur Botmäßigkeit zwingen, wenn nötig mit ihren Bomben, Putin geht mit anderen Staaten mit Respekt vor ihren legitimen Interessen um. Lässt sich auf vernünftige Kompromisse ein. Das ist Machtpolitik mit Augenmaß! Es ist eine Machtpolitik, die Früchte trägt, die den Interessen des eigenen Landes wirklich dauerhaft dient, es ist eine Politik des langfristigen Stabilität und des Friedens, nicht der Zerstörung. Putin hat seine Vision einer multipolaren Weltordnung, aufgebaut auf Interessenausgleich und Kompromiss mehrfach überzeugend dargelegt. Eine solche Politik ist die einzige, auf deren Basis Frieden und Stabilität möglich sind. Selbstverständlich beruht diese Politik nicht auf Sentimentalität, sondern auf kühlem Kalkül: sie orientiert sich – wie Charles de Gaulle es immer wieder gesagt hat – daran, dass man Politik nicht auf der Basis dessen macht, was man sich wünscht, sondern auf der Basis der Realität. Putin ist nicht nur ein Staatsmann, der Russland seine nationale Würde, seinen gebührenden Platz in der Weltpolitik zurückgegeben hat, er ist, als der Staatschef einer Supermacht ein Segen für die Welt, eine Hoffnung auf den Sieg der Vernunft. Und dieses Russland hat der Westen durch seine Verbohrtheit und Arroganz weggestoßen und in die Arme Chinas getrieben. Sicherheitspolitisch und wirtschaftlich kann man dümmer nicht sein. Es ist die Politik des Kindergartens, die Europa beherrscht. Und ich möchte noch einmal hervorheben: während der Westen sich schamlos über internationales Recht hinwegsetzt, hat Putin sich in Georgien und Syrien nur in Einklang mit internationalem Recht betätigt. Die Aktionen in der Ukraine sind ebenfalls anders zu bewerten, als der Westen das uns weismachen will. Zu Beginn stand ein Coup d’état gegen die gewählte Regierung. Die Reaktion auf die Ungeheuerlichkeit, die Ukraine westlich zu besetzen und zur Ausbeutung durch die EU freizugeben und zum Hebel der Aggression gegen Russland umzufunktionieren, hat Putin meisterhaft gekontert. Es gab keine Besetzung der Krim, die überwiegend russische Bevölkerung hat die Sezession gewählt: sie wurde ohne eine Gewehrkugel vollzogen. Hier stand Selbstbestimmungsrecht der Völker gegen das der territorialen Integrität. Das gilt auch für die Ostukraine: die Bevölkerung dort wünscht in ihrer Mehrheit den Schulterschluss mit Russland. Putin hat dafür gesorgt, dass die Ukraine den Volkswillen im Donbas nie mehr wird ignorieren können. Aber natürlich versucht man Putin analog zu Erdogan auch wegen seiner Innenpolitik zu dämonisieren. Er ist kein Demokrat. Er regiert autoritär und tötet und foltert seine Kritiker, lässt Oligarchen gewähren. Nun: Oligarchen ist so ein Wort, damit bezeichnet man reiche Leute mit politischem Einfluss in Osteuropa. Wieso eigentlich nur dort? Der Senat und Kongress der USA besteht ausschließlich aus solchen Leuten: Oligarchen. Und wer hat in Deutschland das Sagen? Frau Merkel? Wohl eher Burda, Bertelsmann und insbesondere Leute, deren Namen niemand kennt. Unter Jelzin regierten in Russland die Oligarchen, die ihr Land an den Westen verscherbelten. Die hat Putin beseitigt, die sind heute die vom Westen umjubelten Kritiker. Dass es natürlich auch heute in Russland reiche Leute gibt, die nah an den Quellen der Macht sitzen, und dass Putin nicht wie der heilige Franz von Assisi lebt, muss man wirklich sagen, dass das selbstverständlich ist? Zum Schluss: ich gratuliere Vladimir Putin zu seinem Geburtstag und seiner bisherigen Lebensleistung aus ganzem Herzen. Ich hoffe, er wird noch lange zum Segen Russlands und der Welt an der Spitze seines großen und stolzen Landes stehen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

"Symbole türkischer Nationalisten"
Der türkische „Wolfsgruß“ soll verboten werden

Berlin (nex) — „Jede Form des Faschismus ist menschenverachtend“, sagte der CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries in einem Gespräch mit der Tageszeitung Bild.  Vries wolle „Symbole und Gesten türkischer Nationalisten in Deutschland unterbinden“. Auch in Österreich gibt es bereits derartige Pläne, nun fordern deutsche Politiker ebenso ein Verbot des türkischen „Wolfsgrußes“. Dazu de Vries in der Bild: „Jede Form des Faschismus ist menschenverachtend und eine Bedrohung für unsere freiheitliche Gesellschaft.“ Auch die Linkenpolitikerin Sevim Dagdelen fordert ein Verbot:

„Der Gruß der Grauen Wölfe, einer der größten rechtsextremistischen und verfassungsfeindlichen Organisationen in Deutschland, ist mit dem Hitler-Gruß durchaus vergleichbar und sollte daher verboten werden“, sagte sie gegenüber der Bild.

Bei den Grauen Wölfen handelt es sich um Anhänger der türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP).

Türken zufolge habe der Gruß keinen faschistischen Hintergrund, sondern sei ein uraltes Zeichen aus dem sechsten Jahrhundert, welches Frieden und Zusammengehörigkeit aller Turkvölker symbolisiere.  

Naher Osten
Kommentar: Türkei könnte Frieden zwischen muslimischen Staaten schaffen

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther In den deutschen Medien, wo man fast den Eindruck hat, die Probleme der Türkei seien wichtiger als die Deutschlands, stehen seit langem der Wertverfall der türkischen Lira und die damit verbundenen wirtschaftlichen Probleme der Türkei im Mittelpunkt der Berichterstattung. Ebenso die angeblichen Versuche des – zum Glück – jetzt pleite gegangenen „Diktators“ Erdogan, sich wieder dem Westen, besonders Deutschland anzunähern, und um „Geld zu betteln“. Mit dieser von US-Sanktionen provozierten Krise weist die Situation in der Türkei starke Parallelen mit der Situation des Iran nach dem Bruch des Atomabkommens durch die USA auf. Nur ist die Situation im Iran gewiss weit dramatischer. Verlor die türkische Lira in diesem Jahr ungefähr die Hälfte ihres Wertes gegenüber dem Dollar, so verlor der Rial ungefähr 2/3. Vor allem aber war die Wirtschaft des Iran durch den kontinuierlichen Terror der USA gegen das Land dringend auf die Aufhebung der Sanktionen angewiesen, um diese marode Wirtschaft überhaupt zu sanieren. Eine verheerende Dürre über den Sommer kam dazu, die so gravierend war, dass die Wasserversorgung in einigen Landesteilen nicht mehr ausreichend war. Es kommt auch hinzu, dass – im Gegensatz zur Türkei – in der iranischen Bevölkerung der Unmut wächst, und diese starke Tendenz natürlich durch von den Feinden des Iran bezahlten Provokateuren angeheizt wird. Der Unmut ist leicht zu verstehen: im Iran ist die wirtschaftliche Misere so groß geworden, dass es für viele Iraner schwer geworden ist, den Alltag zu bewältigen, manche gar ins soziale Abseits abdriften, für die armen Bevölkerungsschichten werden bereits Essensrationen vom Staat bereitgestellt. Dass dies zu starker Unzufriedenheit führen muss, ist offenkundig. Man muss sich auch daran erinnern, dass die iranische Revolution auch mehr soziale Gerechtigkeit und ein besseres Leben für die niederen Bevölkerungsschichten versprochen hatte. Wenn man freilich erst mit Krieg und dann mit Sanktionen überzogen wird, kann keine Regierung dieses Versprechen einlösen. Der Iran ist im Grunde genommen von 1979 bis heute im Ausnahmezustand, und heute mehr denn je. Inzwischen hat sogar der ehemalige Regierungschef des Iran, Khatami, vor einer Revolution oder Militärregierung gewarnt und dazu aufgerufen, aus dem Engpass der das Land lähmenden Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Machtträgern herauszufinden; es stünden dem Iran durchaus Wege zur Lösung seiner Probleme offen. Das Ziel der USA, einen Regimechange zu erzwingen, ist bezüglich des Iran klar, im Falle der Türkei kann man zwar so etwas nicht offen aussprechen, doch macht der gescheiterte Putschversuch, ja im Grunde genommen schon die systematische Dämonisierung Erdogans im Westen es überdeutlich: auch er steht auf der Abschussliste und mit ihm die Türkei. Erdogan hatte seit dem Anfang seiner Amtszeit eine Aussöhnung mit dem historischen Feind Iran gesucht, er sprang selbst einem Ahmadineschād bei. Die Syrienkrise hatte den Iran und die Türkei in zwei verschiedene Lager gedrängt, doch inzwischen ist Moskau und damit auch der Iran der Ansprechpartner Ankaras. Die Türkei hat auch unmissverständlich klargemacht, dass sie sich nicht an die Sanktionen der USA gegen den Iran halten werde. Auch in dem Versuch, die Wirtschaftskrise zu stoppen, sind die Grundlinien der Politik Ankaras und Teherans durchaus ähnlich: Kompromiss und Dialog mit jedem, der dazu bereit ist, ja, Ausverkauf und Aufgabe der nationalen Souveränität nein. Inzwischen sucht der Iran sogar offen die Allianz mit dem Erzfeind und Konkurrenten um die Vormachtstellung in der Region, Saudi Arabien. Anlass zu der jüngsten Charmoffensive war eine Rede Trumps, die gewiss zu den absurdesten Entgleisungen amerikanischen Staatspräsidenten gehört: er verlangte von Saudi Arabien Bezahlung von Militärausgaben (eines seiner Lieblingsthemen) mit der Begründung, Saudi Arabien könne ohne US-Unterstützung keine 2 Tage überleben, und er richtete diese Forderung direkt an den saudischen König Salman, indem er ihn mit ,,Hey, king“ apostrophierte. Der iranische Außenminister Zarif nahm das zum Anlass, Saudi Arabien daran zu mahnen, dass Einmischung von fremden Mächten in der Region keine Stabilität bringen könne auf der Basis von Respekt für den anderen, und er hat eine Zusammenarbeit in der Region angeboten, in der das Land nicht mehr unverschämten Beleidigungen arroganter Mächte außerhalb der Region ausgesetzt wäre. An sich ist das nichts ganz Neues. Zarif hatte schon in der ersten Jahreshälfte geäußert, es sei unrealistisch, dass der Iran oder Saudi Arabien alleine die Region dominieren, man müsse sich auf einen Kompromiss einigen. Er hat Saudi Arabian sogar eine Sicherheitspartnerschaft angeboten, in der der Iran Saudi Arabien im Falle fremder Aggression zu Hilfe kommen würde. Auch Vermittlung etwa Omans im Streit mit den USA werde man durchaus akzeptieren, falls es zu ernsthaften Verhandlungen und nicht bloß zu Betrug und Zeitverschwendung führe. Der Iran zeigt sich und hat sich in der Vergangenheit immer kompromissbereit gezeigt und für Frieden und Stabilität eingesetzt. Ein Reapprochement aller mächtigen muslimischen Staaten der Region wäre in der Tat ein Durchbruch, ein Schlüsselereignis für die muslimische Welt: Kooperation statt Spaltung und gegenseitiges Morden auf Befehl der gemeinsamen Feinde. Dass die Interessen und Animositäten unter den muslimischen Akteuren der Region so unübersichtlich sind, könnte, sofern man nüchtern und kühl die eigenen Interessen betrachtet, sogar hilfreich sein. Klare Fronten gibt es nicht: der schiitische Iran – Irak (schon da gibt es Reibereien) – Syrien – Hisbollah. Die sunnitische Achse ist gespalten in Saudi Arabien, UAE, Ägypten und die Muslimbruderschaft, die Saudi Arabien wie der Teufel das Weihwasser fürchten. Die Türkei hat wie Qatar Sympathie für letztere, hat sich jedoch mit Iran und Russland weitgehend geeinigt. Im Streit Qatars mit den Saudis und den UAE ist sie Qatar beigesprungen, doch der Versuch, der Saudis Qatar unter ihre Knute zu zwingen, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. In Syrien standen zunächst die Türkei und die Saudis auf derselben Seite. Die Überlappungen der nationalen Interessen sind, recht betrachtet, weit größer als die Divergenzen. Niemand will einen Kurdenstaat: am wenigsten der Iran oder Assad, und das ist das vordringliche Interesse der Türkei. Die Türkei und der Iran brauchen Stabilität und Sicherheit, um sich wirtschaftlich zu entwickeln, die Türkei noch dazu, um ein kostspieliges, blutiges und ihre innere Sicherheit bedrohendes Separatistenproblem zu lösen. Syrien braucht den friedlichen Wiederaufbau. Saudi Arabien muss sich auf lange Frist wirtschaftlich umorientieren, um seine Macht zu behalten. Das saudische Militär hat zwar eine hochmoderne Ausrüstung, aber keine Soldaten und Offiziere, die sie bedienen können: ohne westliche Hilfe wären die Saudis noch nicht einmal in der Lage, den Jemen zu beschießen. Die Rebellen zu besiegen, sind sie auch mit dieser Hilfe nicht imstande. Zudem müssen sie die das Land destabilisierende Macht der Muslimbrüder fürchten. Die „wild cards“ sind natürlich Israel und der unübersichtliche interne Streit im saudischen Königshaus. Trotzdem oder gerade deswegen ist es so wichtig, jetzt auf Vernunft und Nüchternheit zu setzen. Die Türkei ist unter all diesen Parteien das Land, das zu allen Parteien einen direkten Draht hat. Die Türkei kann, wenn sie will, hier eine Schlüsselrolle einnehmen, den Kompromiss und ein friedliches Miteinander aller muslimischer Staaten der Region zu fördern. Der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt. Hat dieses Projekt Erfolg, dann wäre die jetzige Krise, in der alle Parteien stecken, letzten Endes für alle in einen Stimulus zu der Einsicht verwandelt: die muslimischen Staaten müssen sich zusammentun und nicht von fremdem Interessen spalten lassen. Dies würde den Frieden und die Stabilität in der Region fördern, und das ist nicht nur im Interesse der Muslime, es ist im Interesse aller Verständigen, weltweit, gerade auch Russlands. Erdogan hat mit Ildib sein Verhandlungsgeschick bewiesen. Wenn er auch im Interesse einer größeren Vision für die Region seine Autorität und sein Geschick einbringt, könnte er einen Erfolg einfahren, der größer ist als alles, was er bisher geleistet hat.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.