Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Eine Untersuchung des Wall Street Journal enthüllt, was in Chinas wachsendem Netzwerk von Internierungslagern, wo Hunderttausende von ethnischen Uiguren festgehalten werden, vorgeht. Wie WSJ berichtet, habe China sein Internierungsprogramm, das ursprünglich auf ethnische uigurische Extremisten zielte, scharf erweitert.
Inzwischen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten Lagern gefangen. Dazu gehörten auch säkulare Personen sowie alte und gebrechliche Menschen, berichtet der WSJ.
Bis zu einer Million, etwa sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach staatlichen Beamten der USA und Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt.
Während die Lager an Größe gewachsen seien, sagen Uiguren, die außerhalb von China leben, gegenüber dem WSJ, dass Verwandte von ihnen – zumeist, doch nicht immer ältere Menschen – während oder kurz nach ihrer Entlassung gestorben seien.
Vom Wall Street Journal und einem Experten in Fotoanalyse untersuchte Satelliten Bilder zeigen, dass die Lager gewachsen sind. In den letzten Wochen wurden an einigen Bauarbeiten durchgeführt. Einschließlich an einem westlich von Kaschgar, das Reporter des Journals letzten November besucht hatten.
Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so WSJ. Jetzt erzählen mehr von ihren Erfahrungen, einschließlich von sechs früheren Häftlingen, die das Journal interviewt hat; sie beschrieben, wie sie oder andere Gefangene an Stühle gebunden wurden oder kein adäquates Essen erhielten.
„Man sprach mit uns auch über Religion, man sagte, es gebe keine Religion, warum glaubst du an Gott, es gibt keinen Gott“, zitiert das Blatt den 22-jährigen Uiguren „Ablikim“, ein ehemaliger Lagerinsasse, der darum gebeten habe, anonym zu bleiben.
WSJ sprach auch mit drei Dutzend Verwandten von Häftlingen; fünf davon berichteten, dass Familienmitglieder in den Lagern oder kurz nach der Entlassung gestorben seien. Viele sagten, sie mussten dafür kämpfen, zu erfahren, wo ihre Verwandten festgehalten wurden oder was ihr Gesundheitszustand sei.
Ein hochrangiger chinesischer Staatsbeamte von der Abteilung ,Vereinte Arbeitsfront‘, hat in der vergangenen Woche zum ersten Mal öffentlich zugegeben, dass es die Lager gibt, er sagte jedoch, es seinen Zentren zur beruflichen Bildung.
In seiner Antwort vor der UN-Kommission sagte er, es gebe keine ,,willkürlichen Verhaftungen“, und er bestritt, dass eine Million inhaftiert seien. Er sagte nicht, wie viele Personen sich in den Zentren befinden.
China kämpfte jahrzehntelang separatistische Gefühle unter seiner turksprachigen uigurischen Bevölkerung zu unterdrücken, die zweimal, in den dreißiger und vierziger Jahren, staatliche Unabhängigkeit erreichten. Einige der 11 Millionen Uiguren streben immer noch nach einer eigenen Heimat in dem ölreichen Gebiet, das sie Ostturkestan nennen.
Peking beschuldigt die Uiguren dutzender Attacken auf Regierungseinrichtungen und behauptet, sie hätten jihadistische Verbindungen. Einige jüngere Angriffe tragen jihadistische Züge und Antiterrorexperten behaupten, Dutzende von Uiguren hätten sich dem IS in Syrien und Irak angeschlossen.
Trotzdem behaupten viele Experten für die Region und uigurische Aktivisten, dass der Unmut viel eher durch Chinas harte Hand bei seiner Polizeiüberwachung, seiner starken Einschränkung religiöser Aktivitäten und bevorzugte Behandlung von nicht-uigurischen Einwanderern in die Region getrieben wird.
China hat viele dieser Repressalien in der letzen Zeit verstärkt: es hat Männern verboten, Bärte wachsen zu lassen, Frauen ein Kopftuch zu tragen; man hat nach Expertenmeinung das umfassendste elektronische Überwachungssystem der Welt eingerichtet. Der Ausbau des Internierungssystem weist darauf, dass China inzwischen bestrebt ist, jedes Gefühl einer islamischen Identität unter Uiguren und anderen islamischen Minderheiten auszulöschen, und zwar in dem größten Programmen von außergerichtlichen Massenverhaftungen seit den fünfziger Jahren, so formulieren es Forscher.
„Umerziehung ist die nächste Stufe“, sagt Adrian Zentz, ein Forscher an der European School of Culture and Technology in Deutschland, dem WSJ. Strenge Polizeikontrollen waren teuer und führten zu Spannungen, sagte er. ,,Somit ist die langfristige Lösung, die Leute tatsächlich zu verändern“.
Ablikim, der aus Turpan stammt, sagte, er studierte internationale Beziehungen in Kazakhstan, als die Polizei vom Turpan ihn im Februar anrief und ihn warnte, seine Familie werde in Schwierigkeiten kommen, wenn er nicht nach Xinjiang zurückkehre.
Als er ankam, nahm in die Polizei zu einem Gebäudekomplex in den Außenbezirken von Turpan mit Stacheldraht und bewaffneten Wachen.
Ablikim sagte, er wurde dort tagelang verhört; dabei verbrachte er je neun Stunden am Stück mit Knöcheln und Händen an einen Stuhl gefesselt. Die Hände waren dabei in Handschellen. Beim Verhör wollte man wissen, ob er mit religiösen Gruppen im Ausland in Verbindung stehe. Er sagte nein. Schließlich erlaubte man ihm, zu den anderen Insassen zu gehen. Die Gefangenen wurden um 5 Uhr jeden Morgen geweckt, und nach 45 Minuten Umherrennen, bei dem man riet: ,,Die kommunistische Partei ist gut!“, gab es dünne Suppe und gedämpftes Brot zu essen. Danach gab es politische Klassen, die das Lesen von Dokumenten der kommunistischen Partei beinhalteten, man schaute sich Videos vom Xi Jinping an, sang Lieder wie ,,Ohne die kommunistische Partei gäbe es kein neues China!“, und das bis zu vier Stunden pro Tag. Er und andere ehemalige Insassen, die vom Journal interviewed wurden, sagten, man wies sie an, nicht zu beten, kein Exemplar des Qurans zu besitzen, im Ramadan nicht zu fasten. Einige sagten, sie wurden gezwungen, Schweinefleisch zu essen, was der Islam verbietet.
,,Sie sagten uns, wir sollten nicht Allah Dank sagen, sondern Xi Jinping“, sagte ein ehemaliger uigurischer Häftling, der nicht identifiziert werden wollte.
Im letzten Monat hat das US State Department seinen bislang kritischsten Bericht abgegeben, indem es seine Besorgnis darüber aussprach , dass Hunderttausende, möglicherweise Millionen von Uiguren und anderen Muslime interniert seien. Es stellte auch fest, dass es Nachrichten über Todesfälle in den Lagern gebe.
Der finnische Bürger, Murat Harri Uyghur, 33, sagte dem WSJ, seine Mutter Tiemuer Guihuahan, 57, frühere Beamtin und Journalistin für die staatliche Zeitung von Turpan Stadt in Xinjiang, sei letztes Jahr in ein Umerziehungslager gebracht worden. Herr Uyghur, ein Arzt, sagte, er schwieg zunächst, um seinen Vater zu schützen. Im Januar verschwand sein Vater, Wufuer Saitinyazi, 57, ebenfalls. Herr Uyghur sagte, dass er im Februar am Flughafen von Shanghai gezwungen wurde, alle seine Kleider in einem Raum zum Verhör abzulegen. Seine Stimm wurde registriert, während er laut auf Uigurisch las. Sein Verlangen, das finnische Konsulat zu kontaktieren, wurde abgelehnt.
Chinas Außenministerium teilte in einer gefaxten Erklärung mit, dass ,,alle ethnischen Gruppen in Xinjiang in Harmonie lebten.“ ,,Es ist nutzlos, Gerüchte und Verleumdungen zu verbreiten“, so das Ministerium. Chinas Ministerium für öffentliche Sicherheit, weigerte sich, auf Fragen Auskunft zu geben, ebenso die regionale Polizei und Verwaltung.
Uyghur habe letztes Jahr von seinen Vater erfahren, dass seine 57-jährige Mutter aus Turpan in eine ,,Schule“ gebracht worden sei, ,,um patriotische Dinge zu lernen.“ Im Januar wurde sein Vater, ein Diabetiker, Regierungsübersetzer in Pension, ebenfalls in ein Lager gebracht. Er beschrieb seine Eltern als säkulare Muslime, die in keinerlei politische Aktivitäten verwickelt waren. Sein Vater trank gelegentlich Alkohol, seine Mutter trug kein Kopftuch.
Er sagte, er habe von keinem von beiden gehört, seit sie eingesperrt worden waren und sei nicht in der Lage gewesen, ihren genauen Verbleib aufzufinden, obwohl Freunde in Turpan ihm sagte, es gebe drei Lager im Umkreis der Stadt. Die Stadtverwaltung und Polizei von Turpan antwortete nicht auf Anfragen. Früher in diesen Monat habe er erfahren, dass seine Tante versucht hatte festzustellen, in welchem Lager sich sein Vater befand.
,,Es ist wie ein schwarzes Loch. Leute verschwinden darin, aber sie kommen nicht mehr heraus“, sagte Herr Uyghur über die Lager. ,,Ich befürchte jetzt das Schlimmste.
These Uyghur kids( end of video,women speak in Uyghur translated what Chinese women said)There are millions of Uyghur kids left alone at home after their parents are arrested or these kids are send to Chinese orphanage camps where they can face physical and psychological abuse. pic.twitter.com/14tkMnXM2z
Verwandte von Adalet Teyp (63) in Übersee, wurde im Juni gesagt, sie sei während einem Verhör durch die Polizei in Turpan verstorben. Ihre Schwiegertochter, Adalet Rehim, 34, die in Kanada lebt, sagte, Frau Teyp sei vor einem Jahr in ein Umerziehungslager gebracht worden. ,Wir wissen nur, dass sie verstorben ist, sie haben uns die Leiche nicht gezeigt‘, sagte Frau Rehim.
Herr Zentz, ein Forscher in Deutschland, sagte, Chinas lokale Verwaltungen in Teilen Xinjiangs hätten seit 2014 Zentren für ,Transformation durch Erziehung‘ eingerichtet, um Extremismus anzugehen. Die regionale Regierung Xinjiangs habe das Programm formell im April 2017 bestätigt, als es die ,,Regeln zur Entextremisierung“ verkündete, so Zentz gegenüber WSJ.
Herr Zentz schätzt, dass es jetzt bis zu 1.300 Lager gibt. Er fand öffentliche Beschaffungs- und Bauaufträge für 78. Sie reichen von gefängnisartigen Einrichtungen bis zu Schulen mit Extra-Security, wo Besucher nur über Video mit den Schülern kommunizieren können. Die häufigsten Gründe für Inhaftierung sind, nach aussahen von ehemaligen Insassen und Verwandten von Internierten, Reisen ins Ausland, der Kontakt oder ein Besuch bei Verwandten im Ausland, das Installieren von WhatsApp auf dem Handy.
Adalet Rehim, 34, eine Uighurin in Kanada, sagte, sie habe im Juni erfahren, dass ihre Schwiegermutter, Adalet Tayip, während eines polizeilichen Verhörs in Turpan vor drei Monaten verstorben sei. Frau Tayip war bei guter Gesundheit, als sie vor einem Jahr mit ihrem Ehemann in ein Umerziehungslager eingeliefert wurde, sagte sie.
,,Wir wissen nur, dass sie gestorben ist. Man hat uns ihre Leiche nicht gezeigt,“ sagte Frau Rehim. Ihr Schwiegervater sei immer noch im Lager.
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Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden
Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung
Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.
Stuttgart (sz/ots) – In der Gewerkschaft Verdi ist die Vorentscheidung über die Nachfolge des langjährigen Vorsitzenden Frank Bsirske gefallen. Eine Findungskommission hat sich nach Informationen von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ einhellig auf Frank Werneke als künftigen Chef festgelegt.
Der 51-Jährige ist seit 2003 stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft. Als gleichberechtigte Vize werden Christine Behle, Leiterin des Bundesfachbereichs Verkehr, und die bisherige weitere Stellvertreterin Andrea Kocsis vorgeschlagen, die zudem den Fachbereich Postdienste führt.
Der Vorschlag soll im November vom ehrenamtlichen Gewerkschaftsrat beraten werden, dessen sechsköpfiges Präsidium auch die Nachfolgesuche übernommen hatte. Gewählt werden muss der neue Vorsitzende auf dem nächsten Bundeskongress vom 22. bis 28. September 2019 in Leipzig.
Die Zustimmung beider Organe gilt aber als Formalie. Auch Frank Bsirske – der seit 18 Jahren amtierende dienstälteste deutsche Gewerkschaftschef – wirbt dem Vernehmen nach intern dafür. Die Verdi-Beschäftigten werden seit Dienstag darüber informiert.
Der baden-württembergische Bezirkschef Martin Gross bestätigte auf Anfrage den Beschluss der Findungskommission. Die Landesbezirksleitung freue sich über deren Vorschlag und unterstütze ihn ausdrücklich, sagte er den beiden Stuttgarter Zeitungen.
Die Vorsitzende des Gewerkschaftsrates, Monika Brandl, hatte in den vergangenen Wochen mit allen Landesbezirksleitungen über die Bsirske-Nachfolge beraten. Dies spricht nach den Worten von Gross für eine gründliche Suche nach dem neuen Vorsitzenden.
London (nex) – Kulturschaffende aus verschiedenen Bereichen haben in einem offenen Brief zum Boykott des Eurovision Song Contest in Israel aufgerufen.
Als Grund für den Boykottaufruf nennen die Künstler Menschenrechtsverletzungen Israels gegen Palästinenser. Zu den über 140 Unterzeichnern aus Europa, Nordamerika und Australien gehören Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters, der belgische Sänger Helmut Lotti, die schwedischen Musiker Karin und Olof Dreijer, der norwegische Musikproduzent Nils Petter Molvaer sowie der finnische Regisseur Aki Kaurismäki und die britischen Filmemacher Ken Loach und Mike Leigh.
„Wir, die unterzeichnenden Künstler aus Europa und darüber hinaus, unterstützen den Appell palästinensischer Künstler, den von Israel veranstalteten Eurovision Song Contest 2019 zu boykottieren“, so die Kulturschaffenden in dem am Wochenende in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ veröffentlichten Brief.
„Bevor die Palästinenser nicht in den Genuss von Grundrechten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichbehandlung kommen, sollte es keine Normalität mit einem Staat geben, der ihnen diese Grundrechte verwehrt“, so der Aufruf weiter. Die EBU (Europäische Rundfunkunion) solle den Event an ein anderes Land vergeben.
Der ESC findet jährlich in dem Land statt, aus dem der Vorjahressieger kommt. Die israelische Sängerin Netta hatte den Wettbewerb in diesem Jahr in Portugal mit ihrem Song „Toy“ gewonnen.
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Der Stadtrat von New Orleans, der größten Stadt des US-Bundesstaats Louisiana, hat nach einem Jahr der Proteste und des Drucks der Gemeinde am gestrigen Donnerstag einstimmig beschlossen, die internationalen Menschenrechte zu verankern.
Wiesbaden (ots) – Die Umsätze in ausgewählten Dienstleistungsbereichen lagen im zweiten Quartal 2018 kalender- und saisonbereinigt um 4,7 % höher als im zweiten Quartal 2017. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach ersten Berechnungen weiter mitteilt, wuchs der Index im zweiten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 %.
Etwa jeder fünfte in Deutschland Beschäftigte ist in den ausgewählten Dienstleistungsbereichen der Konjunkturstatistik tätig. Die dazu gehörenden Branchen erbringen zusammen etwa 35 % der Bruttowertschöpfung im unternehmerischen – das heißt nichtstaatlichen – Dienstleistungssektor in Deutschland.
Die einzelnen Teilbereiche entwickelten sich unterschiedlich. Der Umsatz bei den Informationsdienstleistungen (darunter Datenverarbeitung, Hosting, Webportale) legte gegenüber dem Vorjahresquartal mit 11,6 % besonders stark zu. Dieser Teilbereich zählt zu den Dienstleistungen der Information und Kommunikation, deren bereinigter Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,6 % gestiegen ist. Die saisonbereinigte Zahl der Beschäftigten stieg in diesem Bereich um 4,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal.
Die saisonbereinigte Zahl der Beschäftigten in allen ausgewählten Dienstleistungsbereichen nahm im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,7 % zu und stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,7 %.
Die ausgewählten Dienstleistungsbereiche umfassen:
Verkehr und Lagerei (zum Beispiel Landverkehr auf Straße und Schiene (einschließlich Transport in Rohrfernleitungen), Schifffahrt, Luftfahrt, Lagerei sowie sonstige Dienstleistungen für den Verkehr (unter anderem Betrieb von Verkehrswegen, Bahnhöfen, Flughäfen sowie Post-, Kurier- und Expressdienste))
Information und Kommunikation (zum Beispiel Verlagswesen, Herstellung, Verleih und Vertrieb von Filmen und Musik, Kinos, Rundfunkveranstalter, Telekommunikation sowie Informationsdienstleistungen)
Freiberufliche und technische Dienstleistungen (zum Beispiel Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Architektur- und Ingenieurbüros, technische, physikalische und chemische Untersuchung, Unternehmensberatung, Werbung und Marktforschung, Design, Fotografie sowie Dolmetschen)
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (zum Beispiel Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Reisebüros und Reiseveranstalter, private Wach- und Sicherheitsdienste, Gebäudereinigung, Detekteien, Call-Center sowie Messe- und Kongressveranstalter).
Düsseldorf (rp/ots) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan möchte im Rahmen seines Staatsbesuchs in Deutschland vom 27. bis 29. September auch die Ditib-Moschee in Köln besuchen. Nach Informationen der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ hat die türkische Staatsführung diesen Wunsch bei den deutschen Gastgebern angemeldet.
Das Treffen mit Landsleuten könnte am dritten Tag des Besuchs Erdogans, am Samstag, 29. September, stattfinden. Die ursprüngliche Idee, eine Großveranstaltung mit Tausenden Deutschtürken in einer Halle, stößt auf Skepsis in der Bundesregierung. Im Gespräch waren das Berliner Tempodrom und die Dortmunder Westfalenhalle.
Ein Berater der türkischen Regierung bestätigte am Dienstag der „Rheinischen Post“, dass Erdogan nun die Moschee besuchen möchte. Er betonte zugleich: „Wir wollen dies aber nur im Einvernehmen mit der deutschen Politik machen.“
Die deutsche Seite hielt sich bedeckt. „Derzeit laufen die Planungen für den Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan. Zu einzelnen Programmpunkten informieren wir zu gegebener Zeit“, sagte eine Sprecherin des Bundespräsidenten. Eine Sprecherin der Stadt Köln sagte, für einen Besuch Erdogans liege keine Anfrage vor.
Ankara (nex) – Die türkische Wirtschaft überrascht Beobachter mit einem kräftigen Wachstum. Trotz Währungskrise legte das Bruttoinlandsprodukt auch im zweiten Quartal diesen Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent zu. Somit zog die Türkei an den OECD-Ländern vorbei und belegte unter den EU-Ländern den zweiten Platz. „Hohe Einnahmen aus dem Tourismus und Export“ hätten zu dem Wachstum positiv beigetragen, so der türkische Finanzminister Berat Albayrak gegenüber den Medien. „Diese Zahlen sind ein Beleg dafür, dass wir das Hauptziel unserer Wirtschaftspolitik, nämlich das Gleichgewicht in der Ökonomie, geschafft haben“, so Albayrak. Die Türkei steckt seit Monaten in einer Währungskrise, besonders im August stürzte die Lira stark ab.Russland, die Türkei und der Iran einigen sich auf Handel in landeseigenen Währungen Nach einem Dreiergipfel in Teheran haben sich Russland, der Iran und die Türkei vergangene Woche auf einen Handel mit den landeseigenen Währungen geeinigt. Die Führungskräfte der Zentralbanken würden sehr bald zusammenkommen und über eine schnelle Umsetzung der Punkte, auf die sie sich verständigt haben, beraten, so der erst im Juli zum Zentralbankchef Irans ernannte Abdul Nasser Hemmati gegenüber Pressevertretern. Der Gipfel in Teheran, an dem der Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin teilnahmen, sei sehr produktiv gewesen, so Hemmati weiter. Beim Handel von Öl, Gas und anderen grundlegenden Produkten sowie im Bankwesen sei eine Übereinkunft erzielt worden. Alle drei Länder wollen beim gemeinsamen Handel den Dollar nicht länger verwenden und künftig diesen über die eigene Landeswährung und in diesem Zusammenhang über einen festgelegten Währungskurs abwickeln.
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Kommentar: Zeit des Petro-Dollars geht unerbittlich ihrem Ende entgegen
Die sich überstürzenden Ereignisse in Saudi-Arabien und die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten haben das Potenzial, das globale Finanzsystem in seinen Grundfesten zu erschüttern, möglicherweise sogar zum Einsturz zu bringen. Ein Kommentar.
Von Ernst Wolff
Zehn Jahre nach dem Höhepunkt der Krise von 2007/08 gibt es im Großen und Ganzen drei unterschiedliche Bewertungen der aktuellen Situation im Finanzsystem: Zum einen wird behauptet, das System habe sich erholt, die Probleme seien überwunden und sämtliche Crash-Propheten damit widerlegt. Zum anderen heißt es, keines der Probleme sei gelöst und wir stünden vor einer neuen, weitaus schlimmeren Krise als vor zehn Jahren. Einer dritten Meinung zufolge zufolge sind die Probleme zwar nicht gelöst, die Verantwortlichen aber in der Lage, das System durch gezielte Maßnahmen unbegrenzt am Leben zu erhalten.
Dass sich drei so unvereinbare Standpunkte herausbilden konnten, liegt am Finanzsystem selbst: Es befindet sich derzeit auf absolutem Neuland, da es seit dem Beinahe-Crash von 2008 fast ausschließlich von einem einzigen Phänomen beherrscht wird: der allumfassenden Manipulation durch die Zentralbanken.
Der Preis für die Rettung des Systems: Mehr Schulden, höhere Risiken
Nachdem die von der Krise betroffenen Staaten 2008 zahlreiche Banken und Großkonzerne vor dem Untergang gerettet und ihre finanziellen Möglichkeiten erschöpft hatten, griffen die Zentralbanken ein, schöpften immer größere Summen Geld und vergaben sie zu immer niedrigeren Zinssätzen.
Damit retteten sie das System in der Tat vor dem Zusammenbruch, lösten aber keines der Probleme, die in die Krise geführt hatten. Im Gegenteil: Das neu geschöpfte Geld wanderte zum überwiegenden Teil erneut in die Spekulation, erzeugte riesige Blasen an den Finanzmärkten und führte zu einer nie dagewesenen Verschuldung. Das Ergebnis: Die Risiken im System sind heute nicht nur höher als damals, es sind auch neue hinzugekommen.
Hier zwei Beispiele für neu entstandene Risiken: Zum einen sind Rentenkassen und Pensionsfonds, die ihre Gelder jahrzehntelang sicherheitsbetont verwaltet haben, durch Niedrig- und Nullzinsen gezwungen worden, sich immer stärker am internationalen Finanzcasino zu beteiligen. Sollte es zu einer größeren Korrektur oder gar einem Einbruch an den Märkten kommen, würde das für sie riesige Ausfälle bedeuten – mit unabsehbaren Konsequenzen für die betroffenen Senioren.
Zum anderen haben die niedrigen Zinsen so viele Investoren wie nie zuvor dazu verleitet, mit geliehenem Geld zu spekulieren. Sollten die Märkte plötzlich einbrechen und die Gläubiger ihr Geld zurückfordern, hätte das angesichts des rekordhohen Schuldenberges wesentlich schlimmere Auswirkungen als vor zehn Jahren und könnte das gesamte System sogar zum Einsturz bringen.
Sind die Zentralbanker inzwischen allmächtig?
Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Zentralbanken in großem Stil Staats- und Unternehmensanleihen sowie Aktien gekauft haben. Zwar haben sie auf diese Weise mehrmals die Märkte stabilisiert, dafür aber auch notwendige Korrekturen verhindert, so dass wir es seit über elf Jahren, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, mit steigenden Kursen zu tun haben. Diese wiederum haben zur Folge, dass Investoren selbst auf Höchstständen in die Märkte einsteigen und die Rallye weiter vorantreiben.
Diese durch die Zentralbanken künstlich angetriebene Entwicklung hat die Instabilität im globalen Finanzsystem also gefördert und die Risiken erheblich erhöht. Doch droht tatsächlich ein Crash? Oder ist es möglich, dass die verantwortlichen Zentralbanker das System inzwischen so gut beherrschen, dass sie seinen Zusammenbruch auf Dauer verhindern können?
Werfen wir hierzu einen Blick auf ihre derzeitige Geldpolitik: Die Zentralbanker versuchen seit einiger Zeit, die Politik des „billigen Geldes“ zu beenden und zu einer Normalität im Finanzsystem zurückzukehren. Grund für diese Umkehr ist das Wissen um die Gefahren einer massiven Korrektur, eines Crashs oder auch einer auf Grund der Geldschwemme drohenden Hyperinflation – drei Phänomene, die mit der bisherigen Strategie schwer oder nicht mehr zu beherrschen wären.
Diese „Straffung“ der Geldpolitik hat allerdings Folgen, die das System noch tiefer in die Krise führen: Sie erschwert nämlich die Bedienung von Schulden, verhindert die Aufnahme neuer Kredite, bremst damit die Wirtschaft und die Aktivitäten an den Finanzmärkten aus, führt zur Flucht aus schwächeren Währungen, treibt den Kurs der Fluchtwährungen in die Höhe und schadet der Exportwirtschaft.
Eine „Umkehr“ führt also direkt in die nächste Krise, aus der es wiederum nur einen Ausweg geben kann: Die Rückkehr zur lockeren Geldpolitik. Dann aber wird es richtig schwierig, denn zum Auffangen des Systems müssten die Zinsen kräftig gesenkt werden. Die aber sind bereits so niedrig, dass eine Zinssenkung kaum Wirkung zeigen würde. Also bliebe den Verantwortlichen nur noch ein allerletztes Mittel: Es müssten noch größere Summen als bisher ins System gepumpt und damit alle Schleusen für eine zukünftige Hyperinflation geöffnet werden.
Die Analyse zeigt also: Die Zentralbanken haben das System zwar gerettet, aber ihre Maßnahmen haben es gleichzeitig weiter untergraben und ausgehöhlt. Egal, ob lockere oder straffe Geldpolitik: Der endgültige Zusammenbruch des Systems kann nicht mehr verhindert, sondern nur noch aufgeschoben werden – wobei der finale Crash umso heftiger ausfallen wird, je länger die Mega-Manipulation der Märkte durch die Zentralbanken noch andauert.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
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Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern
Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Ein Kommentar.
Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Vom 13.8.-20.8. findet in der chinesischen Hauptstadt Peking der Weltkongress der Philosophie statt. Wie man sieht, kauft sich China immer mehr nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in die Kultur der Welt ein. Wie dem auch sei, er trägt den Titel ,Learning to be human‘. Sicherlich ist das ein geeignetes Thema für das heutige China, das eines besonders langen und intensiven Lernprozesses hierfür bedarf.
Nun hatte ich meinem Freund Riccardo Pozzo, dem Chairman der Programmkommission, im Vorfeld eine Mail auf Deutsch geschrieben, die er auch sofort freundlich und mit Sympathie für mein Anliegen beantwortete. Ebenso schrieb ich auf Englisch eine etwa gleichlautende an Prof. TU Weiming, einen hochverdienten Wissenschaftler und gewiss das gewichtigste chinesische Mitglied der Programmkommission (die mutmaßlichen chinesischen Parteifunktionärsphilosophen schienen mir das kaum zu verdienen).
Da Prof. TU mich keiner Antwort für wert befunden hat, veröffentliche ich hier meine heutige Mail an ihn samt der ersten als offenen Brief. Ich darf noch hinzufügen, dass ich meine Mail an zahlreiche Kollegen weitergeleitet hatte und von manchen, die auf diesem Kongress gar nicht sprechen, eine mich entschieden bekräftigende Antwort erhielt – außer von Riccardo Pozzo und meinem Freund Ram Mall jedoch von keinem der am Kongress Beteiligten.
Dear Prof. TU, despite the fact that you did not find my mail from 20 July worthy of response please accept my warmest wishes for the long journey ahead of you in learning to be human. May this congress be a successful start for its participants in this important enterprise.This Mail together with my first one will be published as an open letter today in an internet journal. You will get a copy in due course, as will many of our colleagues.BestHCGüntherMeine Mail vom 20.7.2018: Dear Prof. TU, maybe you remember me from my visit in Beijing. I am sending you here a translation of the letter I wrote to my friend Riccardo Pozzo as chair of the world congress for philosophy.I suppose you know about what is written in the following link:
http://www.chinoiresie.info/china-studies-between-censorship-and-self-censorship/
If your congress is aiming at what Riccardo presented in a conference where he was invited by me it’s impossible you are silent about these matters. If you do it and whoever does it will loose any credibility. In particular, everyone who works in China as a scholar or philosopher indebted to intercultural dialogue or who comes there from abroad has an absolute duty not to be silent. Everyone can know what is going on.Whoever is silent and allows himself to be bought, lied to or blackmailed by the Chinese government has lost every credibility, basic cleanness and spine as a scholar and as a human being. That I want to bring to your attention most emphatically. I will never touch Chinese soil ever in my life again. I have cut in rude manner contact with every Chinese colleague who tries to belittle or defend China’s policy. These are not all: I still have good colleagues and friends in the ordinary Chinese population who know what is going on and who are shocked. But most are too coward and too corrupt.I think I have to say this to you. What’s happening to Muslims in China is not just a matter of free speech or an issue that can be discussed controversially, this is a gigantic murder, genocide accompanied by rampant chauvinism and racism. It’s the greatest crime since WWII. China has descended to the level of her Japanese tortures in WWII. There is no way to see it otherwise for any person with a minimum of human decency.BestHCGünther
Bei dieser Moschee in Urumchi etwa wurde die „Schahada“ (Glaubensbekenntnis) entfernt. Ein kleines Indiz für Chinas „Respekt“ für andere Kulturen
Before and after the removal of the Kalimah Shahadah (testimony of #Islamic faith) from the gate of Noghay (Bayt al-Ma'mur) Mosque in Urumchi, East Turkestan (#Xinjiang). pic.twitter.com/uO9NSNR05G
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
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– Chinas Endlösung der Uighurenfrage –
Bericht: Millionen muslimische Uighuren sind gefangen in chinesischen Konzentrationslagern
Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Ein Kommentar.
geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden
Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung
Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.
Erst mal lernst du die Sprache. Dass du dich verständigen kannst, auch wenn es akzentfrei ist, reicht nicht. Ist mir doch egal, ob du aufs Gymnasium gehst oder studierst oder ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern leitest. Du schluderst mit den Präpositionen und lässt die Konjunktive schleifen. Also reiß dich zusammen, das hier ist Deutschland und nicht das Pimmelland deiner Eltern.
Und? Kennst du das Grundgesetz? Schon mal in der Hand gehabt? Schon mal drin geblättert? Oder vielleicht sogar gelesen? Du musst es inhalieren, es schmecken, es fressen. Du musst eins sein mit dem Grundgesetz.
Dass in einigen Bundesländern Deutsche bis zu 30% eine Partei wählen, die das Grundgesetz ablehnt, tut nichts zur Sache. Hier geht es um deine Integration. Du darfst hier keine eigene Meinung haben, die vielleicht einfach nur scheiße ist. Die Deutschen dürfen das, sie sind einzeln als Individuen zu betrachten, du Türke aber nicht.
Iss Schwein! Mehr Schwein! Du musst dich mit Schwein vollstopfen. Gebraten, geschmort, gegart, gegrillt, gekocht, gedünstet, gepökelt. Schwein! Noch mehr Schwein! Nein, nix Gemüse dazu. Schwein! Nur Schwein!
Jetzt sag mindestens drei Gedichte von Goethe auf und stimme zwei Vokalkompositionen weltlicher Kantate von Bach an. Du sollst singen, du Sau! Ach, schaffst du nicht? Wo ist dein Erdogan jetzt, wenn du ihn mal brauchst?
Hast du alles? Wenn ja, dann lass ich mir noch paar Kunststückchen einfallen, die du vollführen musst, um als integriert zu gelten.
So hören sich die Integrationsdebatten immer für mich an
Zur Sache: Ich bin etwas länger hier in Deutschland und gehöre zur 2. Generation. Meine Eltern waren Arbeiter und wir Kinder haben irgendwie die Schule hinter uns gebracht und uns dann um einen Ausbildungsplatz bemüht. Dass ein Türke aufs Gymnasium ging und studiert hat, war zu der Zeit selten. Und wenn, dann haben wir sie bewundert.
In der Öffentlichkeit kamen Türken auch nur vereinzelt vor. Vielleicht mal eine Renan Demirkan, ein Öger oder ein Akif Pirinçci, der einen Weltbestseller schrieb, und das sogar auf Deutsch! Irgendwo war man auch ein wenig stolz. (Deswegen macht mich Pirinçcis späterer Werdegang umso trauriger). Oder wenn ein Bekannter ein kleines Unternehmen gründete. Das waren für uns Ausnahmen. Türken, die es in Deutschland geschafft haben.
Wenn ich mich heute umschaue.
Allein bei Facebook habe ich mindestens zehn türkischstämmige Freunde, die Schauspieler, Comedians oder Buchautoren sind und mit denen ich im ständigen Kontakt bin. Meine Neffen und Nichten studieren fast alle und bei den Kindern in meinem Bekanntenkreis sieht es ähnlich aus.
Es gibt zehntausende türkischstämmige Unternehmer. In meiner Umgebung sind es fast nur Türken, die sich unternehmerisch etwas trauen.
Während Deutschland sich regelmäßig mit Schaum vor dem Mund bei Integrationsdebatten verausgabt, irgendwo stehengeblieben zwischen einem Bild wie vor fünfzig Jahren, das sie von Türken haben und einem Kaya Yanar Sketch, gehen Türken ihren ganz normalen Weg.
Aus den Kindern der Gastarbeiter, die an Hochöfen oder bei der Müllabfuhr geschuftet haben, sind erfolgreiche Regisseure geworden, Unternehmer, Sportler, Vorstände bei Konzernen, Ärzte, Anwälte, Künstler, Ingenieure. Was früher selten war, ist heute ganz normal. Und ich bin immer noch auf jeden einzelnen stolz.
Dass die Türken diese ständigen Kampagnen gegen sich still ertragen und nicht auf die Barrikaden gehen, zeigt doch, wie integriert sie sind.
Deswegen finde ich die inzwischen tausendste Debatte darüber lächerlich. Dumme Kampagnen von Leuten, damit sie ihre Arbeit nicht machen müssen. Rechtsruck in Europa, Altersarmut, Klimawandel, in den Weltmeeren ist inzwischen mehr Plastikmüll als Fische? Scheiß drauf, der Türke hat sich immer noch nicht integriert, weil Özil macht Foto mit Erdogan. Damit ist Deutschland für einige Wochen beschäftigt und stellt solange keine blöden Fragen.
Sahin Karanlik
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Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Die VR China definiert sich in ihrer Verfassung als eine Völkerfamilie. In ihrer Behandlung von Minderheiten hatte sie lange Zeit insgesamt eine durchaus eher positive Geschichte. Sie ist zwar schon seit langem auf einem schlechten Weg, doch inzwischen ist sie mit dem Staatsstreich Xi Jinpings zum totalitären Verbrecherstaat entartet.
Die Behandlung der Muslime und der Uighuren insbesondere seit etwa Herbst 2016 stellt den größten Völkermord und das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem zweiten Weltkrieg dar.
Ich werde in Folgebeiträgen zur Geschichte und zum Kontext dieser Politik zurückkommen. Angesichts des sehr beschränkten Medienechos der Verbrechen an den Uighuren, gerade in der muslimischen Welt, will ich hier einfach mit einem kurzen Faktenbericht des gegenwärtigen Zustandes beginnen und Vorstufen und Kontext außer acht lassen.
Ich möchte jedoch zunächst Folgendes betonen. Was ich hier darlege beruht auf dem, was ich in der VR China und Xinjiang von 2013 bis 2017 persönlich erlebt habe. Der Rest zumeist auf Berichten, z.T. aus täglichen Chats mit Betroffenen und Augenzeugen. Zitieren möchte ich hier nur den brandneuen CERD – Bericht von Human Rights Watch Submission to the CERD review of China.
Er wurde inzwischen in einer Sitzung des Menschenrechtsrates bestätigt:
UN committee accuses China of turning Uyghur-dominated region into ‘no-rights zone’Kürzer auf Deutsch:UNO: China hat mehr als eine Million Uiguren interniert
Natürlich bestreitet die VR alle Fakten; zunächst hatte die chinesische Delegation nichts gesagt, am Montag kam eine haarsträubende Leugnung. Keine Regierung kann so etwas Ungeheuerliches offen zugeben. Wer freilich trotz meiner Kenntnis aus erster Hand auf Chinas Lügen hereinfällt, hat keine Entschuldigung.
Die gegenwärtige Lage
Hier, nun eine ganz nüchterne Beschreibung des gegenwärtigen Zustands: Ganz Xinjiang ist ein gigantisches Freiluft-KZ für Uighuren und andere muslimische Minderheiten (besonders Kazakhen). Ein dichtes System von Sicherheitskameras mit Gesichtserkennung und ein unvorstellbar enges Netz von Personenkontrollen kontrolliert jede Bewegung in der Provinz.
Ich habe Fälle erlebt, dass Reisen selbst innerhalb Xinjiangs einer Sondergenehmigung bedurften, um in einem Hotel übernachten zu können, oder dass das Lösen eines Fahrscheins über das Mobiltelefon (die übliche Art in China) ohne erkennbaren Grund nicht möglich war.
Die Provinz zu verlassen, ist unmöglich, besonders ist es unmöglich, ins Ausland zu gelangen. Pässe werden rigoros verweigert, selbst im Falle der Heirat mit einem Ausländer oder der Zusage eines Studienplatzes im Ausland. Früher ausgestellte Pässe wurden eingezogen.
Uighuren, die sich bereits im Ausland befinden, werden zurückgerufen. Andernfalls wird ihre Familie zumindest teilweise inhaftiert. Wer aus Angst, selbst inhaftiert zu werden, bleibt, verliert den Kontakt zur Familie. Er weiß allenfalls von der Verbringung von Familienmitgliedern ins KZ. Ich kenne solche Personen persönlich. Selbst mit Ausländern verheiratete Frauen werden unter Drohungen gegen ihre Familie zurückgerufen und zur Scheidung gezwungen.
Ausländische Mobiltelefone, etwa das iPhone, sind für Uighuren verboten. Nur chinesische mit installierter Spyware, die den gesamten Datenverkehr aufzeichnet, sind erlaubt. Das wird durch Straßenkontrollen und Hausdurchsuchungen durchgesetzt. Ich kann bzw. konnte mit Uighuren nur chatten, die in einer sonst nur von Hanchinesen bewohnten Gegend wohnten und es wagten, ein iPhone zu Hause zu verstecken. Ein derartiger Kontakt ist seit Februar diesen Jahres verschwunden.
Schon seit langem war es so, dass alleine das Posten eines Quranverses oder einer Gebetsformel den meisten zu gefährlich war, da es, falls aufgedeckt, zu Umerziehungsmaßnahmen führte. Inzwischen ist es verboten, religiöse Gegenstände, besonders den Quran oder eine Gebetsmatte zu besitzen. Das Kopftuch war an Schulen und Universitäten in Xinjiang verboten, seit ich die Provinz kenne; jetzt ist es, sowie gegebenenfalls auch lange Kleidung für Frauen ganz verboten. Längere Bärte sind für Männer ebenfalls verboten.
Before and after the removal of the Kalimah Shahadah (testimony of #Islamic faith) from the gate of Noghay (Bayt al-Ma'mur) Mosque in Urumchi, East Turkestan (#Xinjiang). pic.twitter.com/uO9NSNR05G
Der Islam wird von den chinesischen Behörden als Krankheit betrachtet, als etwas wie eine Drogensucht. Die unkorrekten Ansichten, die somit die Gehirne von Muslimen befallen haben, müssen ersetzt werden durch die korrekte Ansicht: „wir verdanken alles der Partei, Xi Jinping ist der Retter und Wohltäter Chinas“. Darin besteht die Basis moderner Zivilisation, die ein primitives Volk aus der Provinz noch nicht begriffen hat. Wären die Konsequenzen nicht so grauenhaft, würde man sich wundern, wie ein Mann wie Xi Jinping und die chinesische Führung sich nicht unendlich lächerlich in ihrer Propaganda vorkommen.
Gebet und Fasten waren, seit ich Xinjiang kenne, in Schule und Universität ebenfalls verboten. Jetzt ist Fasten auch für Eltern verboten: sie sollen ihren Kindern kein schlechtes Beispiel geben. Die uighurische Sprache wird an Schulen nicht mehr unterrichtet (ein schamloser Verfassungsbruch).
Manche der bisher genannten Maßnahmen sind selbstverständlich in einer so großen Region nicht durch unmittelbare Kontrolle durchsetzbar. Deshalb hat man ein System systematischen Terrors eingerichtet, durch das jeder fürchtet, jederzeit inhaftiert zu werden. In der Region herrscht das Schweigen eines Totenhauses. Jeder kann jederzeit ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen ohne zeitliche Grenze, ohne jeden Beistand vor Gericht, auch ohne jedes Verfahren.
Die Familie bleibt im Dunkeln über die Gründe der Verhaftung. Falls es sich um Gefängnis handelt, wird die Familie nach einer langen Untersuchungshaft von Strafmaßen wie fünf oder sieben Jahren unterrichtet. Ein ordentliches Gerichtsverfahren findet nicht statt. Xi Jinping grüßt arabische Staatschefs mit Salamaleikum. In Xinjing ist dieser Gruß inzwischen verboten; es heißt, ,Inshallah‘ soll durch ,so die Partei will‘ ersetzt werden.
Die gesamte Provinz ist durchzogen von zahlreichen Konzentrationslagern, Umerziehungslager genannt; die überfüllten, unhygienischen Lebensbedingungen gleichen präzise den Vernichtungslagern der Nazis: ich kenne persönlich Augenzeugen oder Personen, die Augenzeugen kennen; Personen, die entweder dort arbeiten mussten oder inzwischen entlassen sind; Berichte derartiger Personen wurden auch in der Presse veröffentlicht) Selbst Personen mit kasakhischem Pass wurden in solchen Lagern festgehalten.
Ich kenne persönlich Personen kasachischer Herkunft mit chinesischem Pass, die auf das Wohlwollen Russlands oder Kasachstans angewiesen sind, nicht zurückkehren zu müssen. Ihre Familie sitzt teilweise im Lager, ansonsten ist der Kontakt von der Familie selbst aus Angst vor Repressalien blockiert. Wie gesagt, ein enger Kontakt von mir aus Xinjiang ist inzwischen verschwunden. Meine Hoffnung, ihn wiederzufinden, ist gleich null.
Inzwischen sind Fotos von KZs in sozialen Netzwerken aufgetaucht. Teilweise ist ihre Verteilung durch Satellitenbilder bekannt. Zudem werden immer noch neue Lager gebaut. Man wird eingewiesen, weil man kein Chinesisch kann, die Nationalhymne nicht singen kann, für religiös gehalten wird, oder überhaupt ohne jeden ersichtlichen Grund. Zunächst wurde vermutet, dass 1.000.000 der ca. 10.000.000 Uighuren dort einsitzen; mittlerweile sollen es nach einem neuen Artikel der ,Financial Times‘ 3.000.000 sein (auch in der UN spricht man inzwischen von 1.000.000 – insgesamt 3.000.000). Dörfer sind fast gänzlich leer, auch weite Teile Kashgars und Urumqis sollen Geisterstädten gleichen.
Im Lager werden die Insassen gezwungen, Alkohol zu trinken, Schweinefleisch zu essen, sich selbst (d.h. en Islam) zu kritisieren, Xi Jinping und die Partei zu preisen; man muss zu Texten, die den Islam lächerlich machen und die Partei preisen, tanzen und singen. All dies wird durch Folter erzwungen, mit Methoden die denen von Guantanamo entsprechen. Manch einer begeht Selbstmord oder versucht es; Kontakte von mir haben den Wunsch geäußert zu sterben oder haben kurz vor einem Selbstmordversuch Halt gemacht. Kashgar war einst eine der wertvollsten zentralasiatischen Städte.
These Uyghur kids( end of video,women speak in Uyghur translated what Chinese women said)There are millions of Uyghur kids left alone at home after their parents are arrested or these kids are send to Chinese orphanage camps where they can face physical and psychological abuse. pic.twitter.com/14tkMnXM2z
Längst hat China das meiste abgerissen und nur ein geschmacklos restauriertes Zentrum als Touristenattraktion belassen. Inzwischen sind auch 70% der Moscheen dieser Stadt niedergerissen. Ansonsten wurde der Halbmond abgenommen. Es gibt eine neue Verordnung, dass alle Orte religiöser Verehrung eine chinesische Flagge tragen müssen; für Xinjiang galt das schon seit einiger Zeit. Wandinschriften an Moscheen ,Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist der Prophet Allahs‘ werden durch ,Liebe die Partei, liebe China!‘ überschrieben.
Schon seit langem werden Uighuren gezwungen, ihre Nachbarn, Freunde und Verwandte auszuspionieren (eine brillante Idee des neuen Parteisekretärs für Xinjiang, seit Sommer 2016: er hat dasselbe früher in Tibet ausprobiert). Man versucht, nicht mit Freunden und Verwandten zu sprechen, um sich und letztere nicht zu gefährden. Inzwischen werden auch Parteifunktionäre in uighurische Familien einquartiert zur Rundumüberwachung – zusätzlich zu den Sicherheitskameras nahe bei fast jeder Tür.
Die Verzweiflung der hinterbliebenen Frauen und Kinder von Inhaftierten ist unbeschreiblich.
Oft sind beide Ehepartner in KZs oder im Gefängnis. Ihre Kinder werden in überfüllten, kaum mit dem Nötigsten versehenen Waisenhäusern als Parteimarionetten erzogen. Oftmals ist fast die gesamte männliche Bevölkerung eines Dorfes in jüngerem Alter inhaftiert. Uighurische Mädchen werden zur Heirat mit atheistischen Hanchinesen gezwungen: eine Art staatlich organisierte Massenvergewaltigung.
(Foto: Screenshot/Twitter)Zwangsheirat mit Han-Chinesen
China hat einen eminenten Männerüberschuss. Man kann sich vorstellen, welche Hanchinesen solche Heiraten eingehen. Angesichts des unvorstellbaren Chauvinismus und Rassismus von Hanchinesen gegenüber uighurischen Untermenschen kann man sich lebhaft vorstellen, wie diese uighurischen Frauen behandelt werden.
Uighurische Kultur und der Islam in Xinjiang werden bald nicht mehr existieren. Die anderen Muslime Chinas fühlen den Druck bereits immer stärker; sie werden folgen. Xi Jinping, der sich auf dem letzten Parteitag zum unumschränkten Herrscher Chinas auf Lebenszeit wählen ließ, ist entschlossen, den Islam in China auszurotten.
Muslime in aller Welt müssen sich klar machen, dass heute China der größte Feind des Islam ist. Die muslimische Öffentlichkeit (im Grunde genommen jeder anständige Mensch) hat die Pflicht, lautstark zu verlangen, dass islamische Staaten (und andere Staaten) sich nicht länger von China kaufen lassen; und vor allem hat jeder die Pflicht, selbst alles zu tun, was er kann, seine gefolterten und ermordeten muslimischen Brüder und Schwestern in Xinjiang vor dem Vergessen zu schützen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
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– Buchrezension –
Klaus J. Bade – vom armen Jungen zum Pionier der Historischen Migrationsforschung
Prof. Klaus J. Bade hat die Migrationsforschung und den Migrationsdiskurs in Deutschland bestimmt wie kein anderer – pointiert, kritisch und mit Weitblick. In seinem neuen Buch nimmt er den Leser mit auf eine autobiografische Zeitreise.
geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden
Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung
Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.