Corona-Pandemie
EU-Kommission genehmigt Zulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech

0
Brüssel – Die EU hat am Montagabend den ersten Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mitteilte, erteilte die EU-Kommission den Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer die bedingte Marktzulassung. „Heute fügen wir dem Kampf gegen Covid-19 ein wichtiges Kapitel hinzu“, sagte von der Leyen. Am Nachmittag hatte bereits die Europäische Arzneimittelagentur EMA eine bedingte Marktzulassung empfohlen. Die EMA habe den Impfstoff sorgfältig geprüft. Diese Prüfung habe ergeben, dass der Impfstoff sicher und wirksam gegen das Coronavirus sei, so von der Leyen. Somit können die Impfungen gegen das Coronavirus jetzt auch in der EU beginnen. Deutschland soll die erste Lieferung am 26. Dezember bekommen. Wie die Berliner Gesundheitsverwaltung mitteilte, würden 151.125 Impfdosen erwartet. Am 28. Dezember werden demnach weitere 521.625 Impfdosen geliefert werden und am am 30. Dezember nochmal 672.750. Pro Person seien zwei Impfungen vorgesehen.

Corona-Pandemie
Türkei: Präsident Erdogans Neffe Ahmet an Corona gestorben

Ankara – Ahmet Erdogan, der Neffe des türkischen Präsidenten, starb am späten Sonntag an dem neuartigen Coronavirus. Er wurde 73 Jahre alt. Präsidentensprecher Ibrahim Kalin drückte auf Twitter sein Beileid an Präsident Recep Tayyip Erdogan aus: „Ich wünsche Allahs Gnade für Ahmet Erdogan, der in einem Krankenhaus verstorben ist, wo er wegen des Coronavirus behandelt wurde. Ich spreche unserem Präsidenten und allen seinen Angehörigen mein aufrichtiges Beileid aus“.   Die Türkei meldete am Sonntag 20.316 weitere Coronavirus-Infektionen, darunter 3.546 symptomatische Patienten. Bis zu 21.218 Menschen erholten sich im Laufe des vergangenen Tages und brachten die Zahl der Erkrankten auf 1,8 Millionen, während die Zahl der Todesopfer mit 246 Neuzugängen auf 18.097 stieg. Die COVID-19-Pandemie hat seit letztem Dezember über 1,69 Millionen Menschenleben in 191 Ländern und Regionen gefordert. Nach Angaben der US-amerikanischen Johns Hopkins University wurden weltweit mehr als 76 Millionen Fälle gemeldet, von denen mehr als 43,1 Millionen geheilt werden konnten.

Corona-Pandemie
DRK drängt auf rasche Impfung von Rettungssanitätern

0
Vor dem geplanten Impfstart in Deutschland drängt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf eine rasche Impfung von Rettungssanitätern. DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt sagte der „Saarbrücker Zeitung“, es sei richtig, in der ersten Stufe die vulnerablen Gruppen sowie das medizinische und pflegerische Personal zu priorisieren. „Aber wir dürfen die Rettungskräfte nicht vergessen. Sie sind genauso nah an den Menschen wie Pflegekräfte.“ Rettungskräfte würden derzeit „hervorragende Arbeit bei der Erstversorgung von Corona-Patienten“ leisten, ergänzte Hasselfeldt. Zugleich betonte die frühere CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag, die Intensiv- und Covid-Stationen in den DRK-Krankenhäusern und Pflegeheimen seien belegt. Ärzte, Pflegekräfte und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten „am Limit“. Sie selbst sei im März an Corona erkrankt. „Gerade aus dieser persönlichen Erfahrung heraus ist es mir ein großes Anliegen alle zu mahnen, vorsichtig miteinander umzugehen und die Hygiene- und Kontaktregeln einzuhalten“, so Hasselfeldt.

Verband fordert Vorrang bei Impfungen für pflegende Angehörige

Beim Corona-Infektionsschutz müssen pflegende Angehörige endlich in die nationale Teststrategie eingebunden und mit Vorrang in die diskutierte Impfstrategie einbezogen werden, fordert der Bundesverband wir pflegen e. V. in einer aktuellen Stellungnahme an die Bundesregierung und Abgeordnete im deutschen Bundestag.

„Die schwierige Lage pflegender Angehöriger während der Pandemie scheint in der Politik immer noch nicht angekommen zu sein und das, obwohl sie in Deutschland den größten Anteil der Pflegearbeit übernehmen“, mahnt Sebastian Fischer, Vorstandsmitglied von wir pflegen e.V.. In Deutschland pflegen rund 5 Millionen Angehörige mehr als 2,6 Millionen Menschen mit Pflegebedarf im häuslichen Umfeld. Entlastung für überlastete pflegende Angehörige

Die Situation der häuslichen Pflege sei in der zweiten Welle mehr als prekär, schreibt wir pflegen e.V. an die Politik. „Bei rasant steigenden Infektionen brechen erneut wichtige Unterstützung wie Tagespflege, zugehende Beratung oder ambulante Pflege weg. Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr können auch Freund*innen, Nachbar*innen und Bekannte nicht wie vor der Pandemie unterstützen. So bleiben viele Familien sich selbst überlassen und müssen alleine die Betreuung und Versorgung stemmen. Viele sind überfordert und am Ende ihrer Kräfte.“

Neben Maßnahmen zum Infektionsschutz müsse die Politik die häusliche Pflege deshalb mit weiteren Entlastungsmaßnahmen stützen. Als eine wirksame Maßnahme für berufstätige pflegende Angehörige schlägt wir pflegen e.V. konkret eine Freistellung mit Lohnersatz nach dem Infektionsschutzgesetz vor. Mehr Anerkennung für die Leistungen pflegender Angehöriger Die Corona-Pandemie zeigt: Pflegende Angehörige sind in diesem Pflegesystem systemrelevant, heißt es in dem Papier. „Es braucht schnelle und einfache Hilfe, wie die freie Verfügung über den Leistungssatz der Tagespflege, wenn diese wegen Schließung oder reduzierten Platzzahlen nicht genutzt werden kann.“ Bei aller Liebe, die Angehörige antreibe, betonen pflegende Angehörige in der Stellungnahme, sei häusliche Pflege vor allem eine wichtige gesellschaftliche Arbeit. An die Politik gerichtet heißt es: „Häusliche Pflege gibt es nicht umsonst. Vor allem nicht in einer Pandemie. Es ist spät, aber nicht zu spät. Handeln Sie!“

Geschichte
Dezember 1978: Das Pogrom von Kahramanmaraş

Kahramanmaraş – In diesem Monat jährt sich zum 42. Mal das Pogrom von Kahramanmaraş. Das Pogrom von Maraş, auch Kahramanmaraş-Massaker genannt, ereignete sich vom 19. bis zum 26. Dezember 1978. Bei dem Massaker gegen die alevitische Glaubensgemeinde kamen nach offiziellen Angaben 111 Menschen ums Leben. Alevitische Vertreter sprechen von bis zu 1.000 Todesopfern. Nach staatlichen Informationen wurden zudem mehrere Hundert Häuser und Geschäfte geplündert. In den Siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. gab es in der Türkei bis zum Militärputsch 1980 täglich Konflikte zwischen rechten und linken Gruppierungen mit vielen Toten. Nach der Ermordung des alevitischen Geistlichen Sabri Özkan, durch mutmaßliche Rechte im April 1978, stieg die Spannung auch in Kahramanmaraş. Vor den Unruhen seien in der Stadt unbekannte Männer aufgetaucht, die mit roter Farbe Kreuze an die Türen bestimmter Häuser und Geschäfte malten. Sie hätten behauptet, sie kämen von der Stadtverwaltung und müssten Sanierungsarbeiten vorbereiten. Bei den Gebäuden habe es sich um die Häuser und Geschäfte von Aleviten gehandelt, so Überlebende gegenüber Medien. In der Nacht des 19. Dezembers 1978 wurde ein Anschlag auf ein Kino verübt, in dem ein anti-sowjetischer Film gezeigt wurde. Rechte Gruppen machten aus diesem Grund „Linke“ für den Anschlag verantwortlich. Am 20. Dezember wurde dann ein Bombenanschlag auf ein alevitisches Cafe verübt. In den darauffolgenden Unruhen wurden am 21. Dezember zwei „linke“ Lehrer erschossen. Ab dem 23. Dezember seien die zuvor markierten Gebäude angegriffen und die Menschen ermordet worden. Ankara verhing daraufhin den Ausnahmezustand für die Stadt und weiteren Provinzen im Südosten der Türkei. „Kein religiöser Konflikt“ Bei den Unruhen habe es sich keineswegs um einen religiösen Konflikt gehandelt, sagen viele Überlebende. Zahlreiche Sunniten hätten Aleviten in ihren Häusern versteckt. „Man darf das nicht verallgemeinern. Es gab Sunniten, die uns bedroht und andere, die uns vor Bedrohungen beschützt haben. Es gibt viele Geschichten davon, wie Sunniten aus Kahramanmaras ihre alevitischen Nachbarn bei sich zu Hause aufgenommen haben“, zitiert etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) Ünal Ateş, Vorsitzender einer alevitischen Vereinigung. Er erlebte die Massaker damals als siebenjähriger Junge mit. „Nur einige waren die Täter, aber alle leiden darunter“, so Ateş. Ateş und seine Mitstreiter fordern seit langem, dass die Akten für einen Prozess wieder geöffnet werden. Es gehe ihnen nicht um eine Bestrafung der Schuldigen, sondern darum, die Vorgänge von damals ans Licht zu bringen. „Ob die Täter, wenn sie überhaupt noch leben und sich in der Türkei aufhalten, am Ende doch noch verurteilt werden, ist eine andere Frage. Wichtiger ist es zu zeigen, dass es sich um eine bestimmte Gruppe von schlechten Menschen handelte und dass nicht alle Sunniten schuldig sind“, zitiert die faz Ateş weiter. Linke machen die NATO verantwortlich Die türkische Linke macht staatliche Akteure und die NATO für die Massaker verantwortlich. „Der CIA-Agent Paul Henze soll nur eine Woche vor dem Massaker einige Treffen in Maraş abgehalten haben. Es ist bekannt, dass einige Waffen, die während des Massakers verwendet wurden, im Inventar eines NATO-Arsenals in der Stadt İskenderun aufgeführt waren“, schreibt etwa die Seite „Sol„.
Auch interessant
– Rassismus – Gedenken an Ramazan Avci: 1985 von Neonazis erschlagen

Am heutigen Montag jährt sich zum 35. Mal die Ermordung des Türken Ramazan Avcı durch eine Horde Neonazis. Am Heiligabend starb der damals 26-jährige an den Folgen seiner schweren Kopfverletzungen.

Gedenken an Ramazan Avci: 1985 von Neonazis erschlagen

Rassismus
Gedenken an Ramazan Avci: 1985 von Neonazis erschlagen

Hamburg – Am heutigen Montag jährt sich zum 35. Mal die Ermordung des Türken Ramazan Avcı durch eine Horde Neonazis. Am Heiligabend starb der damals 26-jährige an den Folgen seiner schweren Kopfverletzungen. An einer Gedenkveranstaltung auf dem nach ihm benannten Platz vor dem S-Bahnhof-Landwehr werden am Montag Familienangehörige Avcıs aber auch Hinterbliebene anderer neonazistischer Gewaltakte teilnehmen. Seit dem 21. Dezember 2012 heißt der Platz vor dem Landwehr-Bahnhof „Ramazan-Avci-Platz“. Der 21. Dezember war Avcis Geburtstag. Am besagten Tag wollte Avci sein Auto verkaufen, denn er brauchte Geld für ein Kinderbett: Seine Verlobte war schwanger. Hierzu die Initiative „Aufklärung Schützenstraße:
Am 21.12.1985 wurde Ramazan Avcı zusammen mit seinem Bruder und einem Freund am Bahnhof Landwehr aus einer bekannten Skinheadkneipe heraus angegriffen. Sein Bruder und der Freund konnten in letzter Sekunde in einen Linienbus fliehen, der ebenfalls von den Nazis angegriffen wurde. Ramazan Avcı rannte auf die Fahrbahn und wurde von einem Auto erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert. Nachdem er auf der Straße aufschlug, liefen die Neonazis auf ihn zu. Ramazan Avcı wurde auf dem Boden liegend mit Baseballschlägern, Axtknüppeln und Fußtritten auf den Kopf brutal malträtiert und verstarb am 24.12.1985 an den Folgen dieser Schläge im Krankenhaus. Wenige Tage später wurde sein Sohn geboren, der nach ihm benannt wurde.
Viele Skinheads sahen sich bei ihrem Terror gegen Einwanderer als Vollstrecker eines Volkswillens. Naziskinaktivitäten auf offener Straße wurden polizeilich und gesellschaftlich weitgehend geduldet. So konnten auf dem belebten Hansaplatz im Hamburger Zentrum Anfang Dezember 1985 zwei Skinheads ein von ihnen als türkisch kategorisiertes junges Mädchen quälen, schlagen und immer wieder zu Boden werfen, ohne dass jemand eingriff oder die Polizei holte. In Hamburg war die Verbindung zwischen den losen, trinkfreudigen Naziskingruppen und neonazistischen Kaderorganisationen besonders auffällig und erfolgreich, wurde aber von Polizei und Politik ignoriert. Hamburgs damaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, SPD, bedauerte den „tragischen Tod” Ramazan Avcis, ohne den Naziterror zu erwähnen, berichtet „Gegenwind“. Auch das türkische Konsulat in Hamburg gedachte mit einem Tweet an die Ermordung des Deutschtürken. „Ramazan Avci wurde am 21. Dezember von Neonazis zu Tode geschlagen. Er war weder das erste noch das letzte Opfer. In Gedenken an Ramazan Avcı“, twitterte das Konsulat.
(Screenshot/Twitter)

Auch interessant

– Fremdenfeindlichkeit – „Ich bin ein Mensch wie Du“: Der rassistische Mord an Ufuk Şahin

„Ich bin ein Mensch wie Du“. Das waren die letzten Worte von Ufuk Şahin, der vor 31 Jahren in Berlin Reinickendorf im Alter von 24 Jahren von einem Rassisten mit einem Messer ermordet wurde.

„Ich bin ein Mensch wie Du“: Der rassistische Mord an Ufuk Şahin

Baku-Tbilisi-Kars
Türkischer Verkehrsminister: China-Exportzug zeigt Macht der Türkei in der Logistik

Xi’An – Der erste türkische Exportzug erreichte über die neue Baku-Tbilisi-Kars (BTK)-Eisenbahnstrecke am Freitag sein Ziel in Xi’An, China. Durch die neue Strecke ist eine deutliche Verkürzung der Transportzeiten von durchschnittlich 25-45 Tagen auf 12 Tage möglich. Die aktuelle Frachtroute, die durch die Kooperation zwischen der Türkischen Staatsbahn und Pacific Eurasia ermöglicht wurde, ist sowohl schneller als Seefracht als auch preisstabiler als Luftfracht. Darüber hinaus bietet sie Möglichkeiten für den weiteren Transit zu Zielen in Europa. Der Zug fuhr am Donnerstag über den Hafen Horgos in der nordwestchinesischen autonomen Region Xinjiang Uygur nach China ein, teilte der örtliche Zoll mit. „Der China-Exportzug verkündet der Welt von jeder Stadt aus, die er durchquert, die Macht der Türkei in der Logistik und ist unser Sieg im Schienenverkehr“, schrieb der türkische Verkehrsminister Adil Karaismailoglu auf Twitter. Der Zug begann seine Reise am 4. Dezember in Istanbul und legte eine Strecke von 8.693 Kilometern durch die Türkei, Georgien, Aserbaidschan, das Kaspische Meer und Kasachstan zurück. Mit dem Bau der BTK-Eisenbahnstrecke und der Sicherung der Stabilität von Baku hat sich die Türkei als wesentlicher Verknüpfungspunkt innerhalb des wachsenden eurasischen Eisenbahnhandelsnetzes positioniert. Die schnelleren und billigeren Transportmöglichkeiten der BTK unterbieten den bestehenden russischen Güterzugverkehr und stellen Ankara in direkte Konkurrenz zu Moskau, wenn es um die Verschiffung chinesischer Exporte in die europäischen Märkte geht. Angesichts der günstigeren Tarife und kürzeren Fahrzeiten ist kurzfristig mit mehr Güterverkehr von China nach Europa über die BTK-Route zu rechnen. Mittelfristig wird Ankara wahrscheinlich weiter in die Entwicklung seiner Eisenbahnen investieren, um sich in den aufkeimenden Handelskorridor einzubetten und sich so als wichtige Handelsdrehscheibe zu etablieren. Langfristig ist mit einer Vertiefung der chinesisch-türkischen Handelsbeziehungen zu rechnen. „Die BTK-Eisenbahnlinie wird auch zum Export türkischer Produkte beitragen. China wird seine Waren über die BTK-Eisenbahnlinie nach Europa und andere Länder transportieren. Die Waren werden Europa nicht in zwei Monaten, sondern in rund zwei Wochen erreichen“, so der damalige Gouverneur der osttürkischen Provinz Kars, Rahmi Dogan, während des Baus der Strecke.

Umweltpolitik
Grüne fordern Einsatz von Mehrwegverpackungen im Onlinehandel

Die Grünen fordern angesichts des zunehmenden Verpackungsmülls durch den Onlinehandel die Einführung eines Mehrwegsystems. „Überall dort, wo Mehrwegprodukte ökologisch vorteilhaft sind, müssen sie einen gesetzlich verankerten Vorrang vor Einwegprodukten haben“, sagte Bettina Hoffmann, bei den Grünen Sprecherin für Umweltpolitik, dem Tagesspiegel. Ihrer Ansicht nach sollte das auch für den Versandhandel gelten. „Wir warten schon lange darauf, dass die Umweltministerin eine gesetzliche Grundlage schafft, um Versandpakete in benutzerfreundliche Mehrwegsysteme zu überführen.“ Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat das Thema durchaus erkannt. Sie erhofft sich derzeit weitere Erkenntnisse aus einem Forschungsprojekt, in dessen Rahmen unter anderem die Onlinehändler Otto und Tchibo Mehrwegverpackungen getestet haben. Bislang konnten sich solche Versandtaschen, die Kunden an den Händler zurückschicken, aufgrund der höheren Kosten in der Breite nicht durchsetzen. „Mit Blick auf die Abfallvermeidung müssen Maßnahmen ergriffen werden, um den Mehrweganteil zu steigern“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums dem Tagesspiegel. Sie schränkte allerdings ein: Man könne Onlinehändler kaum zum Einsatz von wiederverwendbaren Taschen zwingen. Das gehe allein rechtlich nicht: „Einer gesetzlichen Pflicht, bestimmte Verpackungen zu verwenden, stünde das europäische Recht entgegen.“

Ausbildungspolitik
Heil fordert Wirtschaft zu Kraftanstrengung für mehr Ausbildungsplätze auf

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat die Wirtschaft zu mehr Engagement bei der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen aufgefordert. „Nötig ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Unternehmen, Sozialpartnern und Staat, um für mehr Ausbildung zu sorgen“, sagte Heil der „Saarbrücker Zeitung“ . „Was nicht passieren darf, ist, dass junge Leute jetzt keine Chancen in Betrieben bekommen, denn Azubis sind die Fachkräfte von morgen“, erklärte der SPD-Politiker. Zugleich erinnerte er an Hilfsmaßnahmen des Bundes, die den Betrieben dafür zur Verfügung stehen. „Wir kämpfen auch um jeden Ausbildungsplatz, indem wir zum Beispiel für kleine und mittelständische Unternehmen Ausbildungsprämien zahlen, wenn sie ihre Ausbildungsquote halten beziehungsweise erhöhen.“ Außerdem gebe es Hilfen, um Kurzarbeit für Azubis zu vermeiden, sagte Heil. Nach einer aktuellen Bilanz des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) droht die Corona-Krise Langzeitschäden auf dem Ausbildungsmarkt zu hinterlassen. 2020 sei das Minus bei den neuen Ausbildungsverträgen stärker als in der globalen Finanzkrise 2009 gewesen.

Xinjiang
Sklaverei: Muslimische Uiguren in China zum Baumwollpflücken gezwungen

Peking – Wie neue Untersuchungen zeigen, soll China in der westlichen autonomen Region Xinjiang mehr als eine halbe Million Uiguren und andere Minderheiten zum Baumwollpflücken gezwungen haben. Laut einem Bericht des Center for Global Policy in Washington, der am Dienstag veröffentlicht wurde, haben allein drei uigurische Regionen im Jahr 2018 mindestens 570.000 Menschen durch das Zwangsarbeits- und Transferprogramm der Regierung zum Baumwollpflücken mobilisiert. Die Versetzungen fanden im Rahmen des „Zwangs-Arbeitstrainingsplans“ der chinesischen Regierung statt, der ein „Management im militärischen Stil“ beinhaltet. „Es ist unmöglich zu definieren, wo der Zwang endet und wo die lokale Zustimmung beginnt“, schrieb Adrian Zenz, der Forscher, der die Dokumente fand. Große Modemarken wie Nike, Adidas, Gap und andere sind  von Menschenrechtsgruppen verurteilt worden, weil sie Baumwolle verwenden, die aus China stammt. Die Region Xinjiang produziert über 20 Prozent der weltweiten Baumwolle und ist damit ein wichtiger Akteur in den globalen Textil-Lieferketten.

Begonnen hat das Ganze 2014, damals reiste Parteichef Xi zum ersten Mal nach Xinjiang. Bis dahin hatten die lokalen Behörden vor allem auf wirtschaftliche Entwicklung gesetzt, um die immer wieder aufflammenden ethnischen Unruhen in der Region unter Kontrolle zu bringen. Bei seinem Besuch vor sechs Jahren ordnete Xi jedoch eine „ideologische Heilung“ der muslimischen Minderheiten an und forderte die Beamten auf, „keine Gnade“ zu zeigen. Wenig später entsandte Peking den Hardliner Chen Quanguo als Parteichef nach Xinjiang. Er ließ in kurzer Zeit einen Polizeistaat aufbauen, der wohl einmalig auf der Welt ist, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Über eine Million Gefangene Laut Menschenrechtsorganisationen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten sogenannten Umerziehungslagern gefangen. Über eine Million, mehr als sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt. Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so die Tageszeitung Wallstreet Journal.

Zum Thema

– Xinjiang – China: „Uigurische Babys wie Abfall weggeworfen“

Um das Bevölkerungswachstum der unerwünschten muslimischen Uiguren zu beschränken, habe Chinas kommunistische Regierung angeordnet, dass Babys kurz vor oder nach der Geburt getötet werden.

China: „Uigurische Babys wie Abfall weggeworfen“

Corona-Pandemie
Berliner Lehrer Soydan Arslan stirbt nach Corona-Infektion

Berlin – Soydan Arslan, Lehrer aus Berlin, ist nach Angaben eines Kollegen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Der Lehrer habe sich vermutlich in der Schule angesteckt, twitterte Gökhan Akgün, der Vorsitzende des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Akgün:
Mir fehlen noch die Worte! Unser Kollege ist an Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Soydan war Lehrer in Xberg. Er war junger Familienvater und hatte keine Vorerkrankungen. Die Infektion erfolgte höchstwahrscheinlich im Dienst!
Der Mann arbeitete an einer Schule in Kreuzberg. In einer Klasse, in der er unterrichtete, gab es unter Schülern mehrere Corona-Fälle berichtet der Tagespiegel. Er war den Angaben zufolge junger Familienvater und hatte keine Vorerkrankungen. Ein weiteres Mitglied des Lehrpersonals soll positiv getestet worden sein. Dem Bericht zufolge wurde Arslan am 10. November unter Quarantäne gestellt. Er verstarb demnach am Donnerstag im Krankenhaus.
(Screenshot/Twitter)
„Unsere Schulgemeinschaft trauert um unseren geschätzten Kollegen, der viel zu früh uns gegangen ist. Wir werden seine Lebensfreude, seine Zugewandtheit und seinen Humor vermissen. In unseren Gedanken sind wir bei seiner Familie“, so eine Traueranzeige auf Facebook neben dem Foto des Lehrers. „Wir wollen, dass die Senatsverwaltung nicht mehr weiterhin erklärt, dass an Schulen das Risiko für eine Ansteckung sehr gering sei. Die Senatsverwaltung als Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal einen sicheren Arbeitsplatz haben und muss deshalb die entsprechenden Maßnahmen ergreifen“, sagte Akgün gegenüber dem Tagesspiegel.