Gastbeitrag
Türkei: Der Fall Nuri Gökhan Bozkır und Necip Hablemitoğlu

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel In Zusammenhang mit dem Mord an Necip Hablemitoğlu im Jahre 2002 hat der türkische Nachrichtendienst MIT den ehemaligen türkischen Offizier Nuri Gökhan Bozkır nach einer langen Odyssee in der Ukraine dingfest gemacht und Heim gebracht. Wer konnte ahnen, dass dieser Waffendealer u.a. das Treiben des ehemaligen türkischen Chefredakteurs Can Dündar konterkariert? Spulen wir doch etwas zurück. Hintergrund war ein geheimer Munitionstransport des türkischen Nachrichtendienstes nach Syrien mit Hilfe von drei Lastwagen, das am 19. Januar 2014 von der türkischen Gendarmerie in Ceyhan gestoppt und durchsucht worden war. Can Dündar, damals Chefredakteur der Cumhuriyet berichtete im Mai 2015, über ein Jahr später, über den Vorfall und veröffentlichte Bild- und Filmmaterial der Durchsuchung. Die Schlagzeile lautete damals sinngemäß: „Das sind die Waffen, von denen Erdoğan behauptet, sie existierten nicht!“ Die türkische Regierung erklärte daraufhin, es handele sich um eine Hilfslieferung der İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı (İHH) für die Turkmenen in Syrien. Später, nach dem Can Dündar erste Andeutungen in Richtung „Islamistische Kämpfer“ machte, erklärte die Regierung, mit den Lieferungen turkmenische Rebellengruppen bewaffnet zu haben, die gegen den syrischen Diktator Assad kämpfen. In Europa übernahmen daraufhin Medien und gewisse politische Kreise die Behauptung von Can Dündar, Erdogan würde „islamistische Gruppen“, sozusagen die IS, mit Waffen beliefern. Dabei sehen diese Medien bislang geflissentlich darüber hinweg, dass die EU und auch die USA insgeheim selber seit 2013 oppositionelle Rebellengruppen mit Waffen belieferte, darunter Frankreich, Großbritannien oder auch Deutschland. Was also im Westen als Opposition verkauft wird, wird in Bezug zur Türkei mit „Islamismus“ und „IS“ gleichgesetzt. Can Dündar, der wegen dieser Behauptung sich erst vor Gericht rechtfertigen musste, dann ins Exil ging, konnte diese Geschichte aber auch nicht in Europa aufrechterhalten. In mehreren öffentlichen Auftritten widersprach sich Dündar, in dem er seine damaligen Aussagen und Zeitungsberichte notgedrungen korrigierte – u.a. am 26.06.2018 bei der TV-Talkshow „Markus Lanz“, wo er auf konkrete Nachfrage hin erklärte, „…wir haben keine Belege, dass die IS die Waffen bekommen hat.“ Wer konnte ahnen, dass die Wahrheit Can Dündar weiter verfolgen wird, als ihm lieb sein kann! Dieses Jahr wurde der ehemalige unehrenhaft entlassene türkische Offizier Nuri Gökhan Bozkır vom türkischen Nachrichtendienst in einer Nacht und Nebelaktion aus der Ukraine in die Heimat verfrachtet. Bozkır hatte zuvor vergeblich versucht, mit einem Asylantrag der Auslieferung zu entgehen, nachdem ukrainische Gerichte sich mit dem Auslieferungsantrag der türkischen Justiz befasst hatten und signalisierten, diesem Begehren entgegen zu kommen. Bis dahin war Nuri Gökhan Bozkır medial ein ungeschriebenes Blatt. Sein Name tauchte erstmals Ende 2015 in Zusammenhang mit der Ermordung des Akademikers Necip Hablemitoğlu auf. Die türkischen Ermittler hatten herausgefunden, dass das Handy bzw. dessen Signal das am Tattag in der Nähe des Tatorts festgestellt werden konnte, von Bozkır persönlich benutzt wurde. Zeitnah setzte sich daraufhin Bozkır in die Ukraine ab. Mai 2019, nach der Intensivierung der Ermittlungen im Mordfall Hablemitoğlu – auch weil der Fall an sich der Verjährung zum Opfer gefallen wäre, übermittelte die türkische Justiz über das Außenministerium ein Auslieferungsantrag an die ukrainischen Behörden. Damit begann auch die juristische Gegenwehr von Nuri Gökhan Bozkır gegen die Auslieferung. Letztendlich kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das von Nuri Gökhan Bozkır benutzte Handy sich in der Tatzeit in der Nähe des Tatorts befand. Das geht aus damaligen wie auch gegenwärtigen Zeitungsberichten hervor. Bozkır befand sich also seit 2015 in der Ukraine und erst als seiner Auslieferung offenbar nichts mehr im Wege stand bzw. Bozkır befürchten musste, der türkische Nachrichtendienst könnte ihn gegen den Willen in die Türkei verschleppen, da sah er sich angeblich gezwungen, sein Wissen preiszugeben und damit die türkische Regierung unter Druck zu setzen. So setzte sich Nuri Gökhan Bozkır mit einer ukrainischen investigativen Plattform namens „Strana“ in Verbindung, die erst im Oktober 2020, dann im November 2020 seinen Schilderungen ausführlich Gehör schenkte. Demnach habe Nuri Gökhan Bozkır Waffen mithilfe des türkischen Nachrichtendienstes MIT nach Syrien geschmuggelt, nach dem er finanziell von Katar bzw. Saudi Arabien ausgestattet, die Waffen aus ehemaligen Ostblockländern besorgt habe. Diese Berichte von „Strana“ wurden erst jetzt in diesem Jahr von der Deutschen Welle aufgeschnappt und wiedergegeben. Mit diesen Berichten gehen nun bestimmte Kreise gegen die türkische Regierung erneut in Stellung, ohne dabei zu ahnen oder sich dessen bewusst zu sein, welches Lügenkonstrukt sie dabei weiterhin aufrechterhalten: „Die türkische Regierung hat in Syrien islamistische Rebellen mit Waffen beliefert.“ Oskar Lafontaine sagte einst: „Wenn es stimmt, dass Lügen kurze Beine haben, dann kann die ganze Regierung unter dem Teppich Fallschirm springen.“ Zum Beispiel twittert nun Eren Güvercin, ein Newcomer der sogenannten kritischen Reflektion der Erdoganischen Regierung, Bozkır habe Waffen gekauft, die der türkische Nachrichtendienst an „z.B.“ „islamistische Rebellengruppen“ geliefert habe. „Als er jetzt darüber anfing zu sprechen, wurde er zur Gefahr für das #Erdogan-Regime.“ Offenbar hat Güvercin die Geschichte nicht ganz verfolgt und setzt unwissentlich die Mär über Waffenlieferungen der Türkei an sogenannte „islamistische Rebellengruppen“ fort oder er setzt sich über das allgemeine Wissen hinweg und betreibt Demagogie auf höchstem Niveau. Denn, Bozkır hat gegenüber der „Strana“ mit keiner Silbe erwähnt, Waffen seien an „islamistische Rebellengruppen“ geliefert worden. Er beteuert nur, dass die Waffen an turkmenische Rebellen gingen, die in der Opposition gegen Assad kämpfen. Außerdem betont er dabei auch, dass die ersten Lieferungen an Turkmenen aus Hilfslieferungen bestanden, sozusagen aus Nahrung und Hygienematerial, was die ersten Erklärungsversuche der türkischen Regierung nach der Veröffentlichung von Can Dündar von 2015 stützt. Zweitens ist aus dem Bericht der Deutschen Welle auch – die wohl zähneknirschend die halbe Wahrheit wiedergaben – zu entnehmen, dass Bozkır dann anfing auf eigene Rechnung Waffen zu liefern, weshalb die türkischen Sicherheitsbehörden dem ein Riegel schoben und Bozkır aus dem Verkehr zogen. Drittens wird gegen Bozkır seitens türkischer Sicherheitsbehörden seit 2015 ermittelt. Seit Mai 2019 gibt es einen offiziellen Auslieferungsantrag, aber Bozkır fing erst viel später damit an, bei „Strana“ auszupacken – sprich November 2020 – um der möglichen Auslieferung zu entkommen, in dem er in der Ukraine das als Asylgrund angeben und auch damit begründen kann. Wie Eren Güvercin und mittlerweile Cem Özdemir, Can Dündar, Erk Acarer oder die Deutsche Welle das auch immer drehen und wenden, es sind auf Anhieb so viele Ungereimtheiten und Fehler zu entdecken, dass man sich schon fragt, wessen Geistes Kinder das eigentlich sind, die ein Märchen nach dem anderen in die Welt setzen oder geflissentlich wichtige Kerninformationen auslassen, ohne dabei rot zu werden. Wie schon Lafontaine sagte: „Wenn es stimmt, dass Lügen kurze Beine haben, dann kann diese Gruppe unter dem Teppich Fallschirm springen.“
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Zum Thema

– Türkei – Ein Mordkomplott: Das Gülen-Netzwerk und das Attentat auf Dr. Hablemitoğlu

Auftrag zur Ermordung des Akademikers kam von Gülen-Mitglied. Zum Mord am Akademiker Dr. Necip Hablemitoğlu gibt es nach Zeitungsberichten neue Erkenntnisse.

Ein Mordkomplott: Das Gülen-Netzwerk und das Attentat auf Dr. Hablemitoğlu
 

Verkehrspolitik
NRW-Grüne wollen marode Brücken durch Tempolimits retten

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Köln – Die Landesvorsitzende der NRW-Grünen, Mona Neubaur, will im Fall einer Regierungsbeteiligung der Grünen nach der Landtagswahl am 15. Mai ein Tempo-Limit auf allen beschädigten Autobahn-Brücken einführen. „Wir müssen gefährdete Brücken sofort konsequent ablasten“, sagte Neubaur dem „Kölner Stadt-Anzeiger„. „Auch Tempolimits auf beschädigten Brücken sind ein wirksames Mittel. Es ist doch immer noch besser, wenn der Schwerlastverkehr auf den Brücken nur mit deutlich verringertem Tempo rollt als gar nicht“, betonte die Landesvorsitzende. Außerdem müssten die Prüfungsintervalle an den Bauwerken verkürzt werden. „Es kann nicht sein, dass die Ingenieure bei der Überprüfung einen Totalschaden feststellen, der sich bei der vorherigen Abnahme noch nicht abgezeichnet hat“, sagte Neubaur. Ein „Schwarze-Peter-Spiel“ über die Verantwortung für die maroden Brücken bringe die Politik nicht weiter. Vor 2012 hätten alle Landesregierungen die Belastung der Infrastruktur durch den zunehmenden Schwerlastverkehr unterschätzt.

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– Videospiele – Türkei: Gaming-Industrie soll auf 10 Mrd. Dollar wachsen

Die Gaming-Industrie der Türkei wird zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor. Das Land will ihren Anteil an der weltweit 150 Milliarden Dollar schweren Industrie von derzeit einer Milliarde Dollar auf 10 Milliarden erhöhen.

Türkei: Gaming-Industrie soll auf 10 Mrd. Dollar wachsen

Ukraine-Krise
Ex-Innenminister Baum: „Wir müssen Russland einmal die Grenzen zeigen“

Köln – Bundesinnenminister a.D. Gerhart Baum (FDP) fordert von der Bundesregierung klare Kante in der Ukraine-Krise und eine unmissverständliche Positionierung an der Seite der NATO-Bündnispartner: „Wir müssen Russland einmal die Grenzen zeigen“, sagte Baum in der ARD-Talksendung „maischberger. die woche.“ „Wichtig ist, dass wir als Europa zusammenstehen. Wir haben jetzt die Chance und Putin hilft uns dabei, endlich einmal deutlich zu machen, was wir Europäer sind.“ Ihn störe, „dass die Deutschen es fertiggebracht haben, in eine Vertrauenskrise bei ihren Freunden zu geraten“, sagte der FDP-Politiker. „Schmidt, Kohl, Genscher hätten niemals das Vertrauen aufs Spiel gesetzt, dass wir Deutschen bei unseren Verbündeten haben müssen.“ Nach Ansicht des ehemaligen Bundesinnenministers, sollte die Bundesregierung auch Waffenlieferungen an die Ukraine in Betracht ziehen: „Waffen können eine Geste sein. Ob man mit Waffen sehr viel bewirkt, weiß ich nicht, aber es ist vielleicht ein Stück Abschreckung“, sagte Baum.

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– US-Besuch – Annen zum Ukraine-Konflikt: „Medial überhitzte Debatte“

Vor dem Antrittsbesuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Washington hat der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Niels Annen (SPD), die mediale Debatte um die angebliche Zurückhaltung des Kanzlers kritisiert.

Annen zum Ukraine-Konflikt: „Medial überhitzte Debatte“

Nordzypern
Kyrenia: Drogenboss Halil Falyalı niedergeschossen

Nikosia – Der des Drogenhandels beschuldigte Kasinomagnat Halil Falyalı wurde am Dienstag in Nordzypern ermordet. Mehrere Täter feuerten am Dienstag mit automatischen Waffen auf sein Auto im Dorf Çatalköy im Bezirk Girne (Kyrenia), wie nordzyprische Medien berichteten. Der bei dem Angriff schwer verletzte Falyalı wurde in das Near East University Hospital gebracht, verlor aber trotz aller Bemühungen sein Leben. Die Ärzte erklärten, Falyalıs Herz habe nach dem Angriff aufgehört zu schlagen und er habe aufgrund seiner Verletzungen nicht gerettet werden können. Falyalıs Chauffeur kam noch am Tatort ums Leben. Seine Ehefrau und seine Kinder, die in einem anderen Auto hinter ihm saßen, blieben bei dem Anschlag unverletzt. Die nordzyprische Polizei führte nach dem Attentat eine Reihe von Razzien durch bei denen eine Person in Gewahrsam genommen wurde. Die Angreifer verließen die Insel mit einem Schnellboot, wie der Journalist Erk Acarer am Dienstag in den sozialen Medien berichtete. Acarer teilte ein Foto von zwei Männern in einem Auto, das von einer Überwachungskamera aufgenommen wurde, und behauptete, sie seien die Verdächtigen in den Morden. „Die Politiker haben ihn geschützt“ Mustafa Akıncı, der ehemalige Präsident von Nordzypern, sagte nach Pekers Behauptungen, dass Falyalı von Politikern, der regierenden Partei der Nationalen Einheit (UBP), „geschützt“ werde. „Jeder weiß, dass er die UBP mit all seinen finanziellen Mitteln bei Wahlen auf allen Ebenen unterstützt. Es ist auch bekannt, dass es Behauptungen gibt, dass Halil Falyalı Verbindungen zu verschiedenen schmutzigen und illegalen Beziehungen hat“, sagte Akıncı. Sedat Peker Videos Sedat Peker, ein im Exil lebender Mafiaboss, der Mitte 2021 eine Reihe von Videos veröffentlichte, hatte Falyalı als Schlüsselfigur im Kokainhandel zwischen Kolumbien und der Türkei beschrieben. Auch die US-Drogenbehörde (DEA) habe gegen ihn ermittelt, sagte Peker in einem Video, das er im Mai 2021 veröffentlichte. Falyalı hatte die Ermittlungen der DEA zugegeben, aber eine Beteiligung an illegalen Geschäften bestritten. Medienberichten zufolge habe es nach der Ermordung Falyalıs auch einen Raketenangriff auf ein Hotel in Abu Dhabi gegeben, wo sich auch Peker aufhalten soll. Noch sei unklar ob Peker etwas zugestoßen ist.

Türkei
Ein Mordkomplott: Das Gülen-Netzwerk und das Attentat auf Dr. Hablemitoğlu

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Zum Mord am Akademiker Dr. Necip Hablemitoğlu gibt es nach Zeitungsberichten neue Erkenntnisse. NEX24 berichtete über die Festnahme von weiteren Verdächtigen, die in Kontakt zum mutmaßlichen Täter gestanden haben sollen. Demnach hat der „Türkei-Imam“ des Gülen-Netzwerks, Mustafa Özcan den Auftrag zum Attentat auf den Gülen-Kritiker erteilt, der per Haftbefehl gesucht wird. In der Hierarchie des Gülen-Netzwerks gilt ein „Imam“ als Verbindungsperson, der Kontakte zu wichtigen Gülen-Mitgliedern in der Staatsbürokratie besitzt. Enver Altaylı, der Strippenzieher hinter den Kulissen Die Anweisung zur Ausführung der Tat wurde von Enver Altaylı übermittelt, einem ehemaligen Mitarbeiter des Nachrichtendienstes, der im November letzten Jahres von einem türkischen Gericht wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ sowie „politischer und militärischer Spionage“ zu mehr als 23 Jahren Haft verurteilt worden war. Altaylı, ein Freund des früheren CIA-Mitarbeiters Ruzi Nazar, arbeitete unter anderem an der US-Botschaft in Ankara und galt als Förderer von Altaylı. Radio Free Europe beschrieb Nazar nach dessen Tod 2015 als „Central Asian Cold Warrior“, welch blumigen Worte möchte man meinen. Altaylı widmete zu Ehren seines Lehrmeisters ein Buch mit dem Titel „Ruzi Nazar – Der türkische Agent der CIA“. Nach Auffassung der 16. Großen Strafkammer zu Ankara gilt es als erwiesen, dass Altaylı Mitglied des Gülen-Netzwerks war, das in der Türkei als terroristische Vereinigung eingestuft wird. Mordverdächtiger tauchte in der Ukraine unter Für den Mord an Dr. Hablemitoğlu gilt nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Ankara Nuri Gökhan Bozkır als dringend tatverdächtig. Nach der Ausstellung eines internationalen Haftbefehls (Red Notice) gelang es ukrainischen Polizei-Spezialkräften Bozkır am 10. Juli 2019 in Kiew festzunehmen. Ein ukrainisches Gericht ordnete drei Monate U-Haft gegen den Beschuldigten an und danach erfolgte ein elektronisch überwachter Hausarrest (Elektronische Fußfessel). Weil nach ukrainischem Recht ein Hausarrest sechs Monate nicht überschreiten durfte, verfügte das Gericht die Aufhebung der Fußfessel. Der Strafverdächtige musste sich regelmäßig bei der Polizei melden und durfte die Hauptstadt Kiew nicht verlassen. Die türkische Justiz stellte in der Zwischenzeit mehrmals einen Auslieferungsantrag bei den ukrainischen Behörden. Ein Gericht in Kiew lehnte am 8. Dezember 2020 den Asylantrag des unter Mordverdacht stehenden ab und am 16. Dezember stimmte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft einer Auslieferung des Verdächtigen in die Türkei zu. Eine Überstellung von Bozkır kam dennoch nicht zustande, weil seine Anwälte in Revision gingen. Bei der Berufungsverhandlung am 2. August 2021 war der Tatverdächtige wegen Erkrankung nicht anwesend. Nachdem der Angeklagte auch zu weiteren Verhandlungen nicht erschien, ordnete das Gericht die polizeiliche Vorführung des Beschuldigten an. Eine eingeleitete Fahndung der ukrainischen Polizei blieb erfolglos und deshalb wurde für den 11. Januar 2022 ein neuer Verhandlungstermin angesetzt. Türkischer Geheimdienst spürt Tatverdächtigen in Ukraine auf Offenbar hatte die Ukraine den türkischen Strafverfolgungsbehörden mitgeteilt, dass der wegen Mordes gesuchte Bozkır nicht auffindbar sei. Agenten des türkischen Geheimdienstes MIT gelang es, den Mordverdächtigen im Januar in der Ukraine aufzuspüren, festzunehmen und in die Türkei zu bringen. In dieser Angelegenheit ist es vorstellbar, dass der ukrainische und türkische Nachrichtendienst zusammengearbeitet haben. Der türkische Präsident Erdoğan hatte in einem Fernsehinterview die Festnahme des mutmaßlichen Attentäters bekannt gegeben. Bozkır wurde am 28. Januar zur Vernehmung ins Präsidium der Anti-Terrorabteilung der türkischen Polizei gebracht und die Untersuchungshaft zunächst um vier Tage sowie am 3. Februar um weitere drei Tage verlängert. Nach dem obligatorischen Gesundheitscheck übergab die Polizei den Tatverdächtigen der Justiz. Die zuständige Staatsanwaltschaft begann mit dessen Befragung. Anschließend erließ der diensthabende Ermittlungsrichter am Strafgericht des Amtsgerichts in Ankara wegen „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Organisation“ und „vorsätzlicher Tötung“ gegen den Beschuldigten Haftbefehl. Die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara konnte anhand der gesammelten Beweismaterialien, Zeugenaussagen und der Auswertung der Daten aus Mobiltelefonen feststellen, dass das Gülen-Mitglied Mustafa Özcan versucht hat, mit dem späteren Mordopfer Dr. Hablemitoğlu in Kontakt zu treten. Geholfen soll ihm dabei, so die Erkenntnisse der Anklagebehörde, der inhaftierte Ex-Nachrichtendienstler Enver Altaylı, der wiederum von Nizamettin Avsar Unterstützung erhielt. Nach Medienberichten bestand die Attentatsgruppe aus sechs Personen, die von Nizamettin Avsar angeführt wurde. Aydın Köstem, ein dubioser Waffenhändler, stellte den Kontakt mit dem unter Mordverdacht stehenden Bozkır her, der damals bei den Spezialkräften diente und später unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Der Tatverdächtige stand in Verbindung mit Mehmet Narin, Irfan Birkan, Birol Ercan und Nuri Gökhan, die sich ebenfalls in der Gegend aufhielten. Attentatsgruppe besteht aus Mitgliedern des Gülen-Netzwerks Eine Schlüsselzeugin und Nachbarin von Dr. Hablemitoğlu hatte gegenüber dem Gericht zu Protokoll gegeben, dass sie vor dem Attentat einen Pkw der Marke Tofaş Doğan S mit dem Kennzeichen 06 TBZ 08 beobachtet hätte. Die Polizei konnte anhand des Autokennzeichens die Fahrzeughalter zum Tatzeitpunkt ermitteln. Der Pkw war auf Irfan Birkan und Birol Ercan zugelassen, die beide zum sechsköpfigen Attentatsteam gehörten und die Adresse des Universitätsdozenten vor dem Mord auskundschafteten. Anhand der Zeugenaussage wurden beide Tatverdächtigen von der Polizei befragt und die Ermittler fanden heraus, dass Birkan und Ercan eineinhalb Stunden nach der Befragung durch die Polizei den mordverdächtigen Bozkır angerufen hatten. Nach dem Polizeiverhör wurde Nuri Gökhan Bozkır‘ Name in die Ermittlungsakten hinzugefügt. Das Ermittlerteam konnte ferner nachweisen, dass der Verdächtige Bozkır sein Mobiltelefon zwei Stunden vor dem Mordanschlag ausschaltete und bis zum nächsten Tag ausgeschaltet blieb. Er benutzte am Attentatstag die SIM-Karte seines älteren Bruders. Nachdem dieser sein Mobiltelefon wieder eingeschaltet hatte, benutzte er diesmal die SIM-Karte eines Unteroffiziers bei den Spezialkräften. Seine eigene SIM-Karte schaltete er erst einen Monat später ein. Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gelang es der Anti-Terrorabteilung der türkischen Polizei, die dringend Tatverdächtigen Irfan Birkan, Birol Ercan, Aydın Köstem, Nizamettin Avsar sowie Mehmet Narin festzunehmen und zum Mordfall zu befragen. Bei der Vernehmung sollen Birkan und Ercan ausgesagt haben, am Tag des Attentats nicht am Tatort gewesen zu sein, dem die Anklagebehörde keinen Glauben schenkte.
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– Nationales Infanteriegewehr MPT76 – Leiter türkischer Waffenschmiede nach Weitergabe von Geheimplänen an US-Fima festgenommen

Der Geschäftsführer der größten Waffenproduktionsstätte der Türkei MKEK in Kirikkale habe für den Deal 1,2 Millionen US-Dollar bekommen sollen – die Forschungs- und Entwicklungskosten des Projekts liegen nach Angaben des Verteidigungsministeriums bei 22 Millionen Dollar.

Leiter türkischer Waffenschmiede nach Weitergabe von Geheimplänen an US-Fima festgenommen

Türkei
Ermittlungen gegen DJ-Auftritt im Sumela-Kloster

Ankara – Die türkische Regierung hat eine Untersuchung gegen örtliche Beamte eingeleitet, die den Dreh eines Musikvideos im ehemaligen christlich-orthodoxen Sumela-Kloster in der nordöstlichen Provinz Trabzon erlaubt haben. Ein Video, das am Wochenende in den sozialen Medien veröffentlicht wurde, zeigt einen DJ, der im Innenhof des Klosters auftritt. Das griechische Außenministerium protestierte am Montag gegen die Aufnahmen und forderte die türkischen Behörden auf, „alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zu verhindern, dass sich solche Handlungen wiederholen“ und die Stätte, die auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes steht, zu respektieren. Auch das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Konstantinopel, Bartholomäus I., beschwerte sich beim türkischen Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy. In seinem Schreiben bezeichnet Bartholomäus den Vorfall als Beleidigung des Denkmals und erklärt, die Genehmigung für die Veranstaltung sei „unvereinbar mit seinem religiösen Charakter und seiner Geschichte“. „Die kürzlich in den sozialen Medien veröffentlichten Bilder, auf denen eine ausländische Band auf dem Gelände des historischen Klosters Panagia Soumela Disco zu tanzen scheint, stellen eine Schändung dieses Denkmals dar“, hieß es in einer Stellungnahme des griechischen Außenministeriums. Die Macher des Videoclips verteidigten ihre Entscheidung mit der Begründung, das Video sei gedreht worden, um für Sumela als Touristenattraktion zu werben, und die türkischen Behörden hätten eine entsprechende Genehmigung erteilt, berichtet Euronews. Auch bekannt als „Jungfrau Maria“ Das im Stadtteil Macka von Trabzon gelegene Kloster ist ein Ort von historischer und kultureller Bedeutung sowie eine wichtige Touristenattraktion. Im Jahr 2000 wurde es in die vorläufige Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die Restaurierung des Klosters Sumela, auch bekannt als die Jungfrau Maria, wurde im Februar 2016 eingeleitet.

Auf einer steilen Klippe auf 1.200 Metern im Nationalpark Altindere erbaut, entwickelte sich das Sumela-Kloster zu einem der wichtigsten Zentren für Glaubenstourismus in der Türkei. Im Mai 2019, nach mehr als drei Jahren Restaurierungsarbeiten, die im Februar 2016 begannen, war es teilweise für Besucher geöffnet. Das Kloster ist ein Ort von historischer und kultureller Bedeutung. Es wurde im Jahr 2000 in die vorläufige UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Das Kloster beherbergt jedes Jahr Hunderttausende von Besuchern.

Nach Angaben der UN-Agentur wurde mit dem Bau des Klosters 385 n. Chr. begonnen.

Streit um RT und Deutsche Welle
Russischer Botschafter kritisiert Pressefreiheit in Deutschland als eingeschränkt

Osnabrück – Russlands Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hat die Schließung des Senders „Deutsche Welle“ in Russland verteidigt. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte er, „wir haben die deutsche Seite seit Längerem darüber informiert, dass unser Sender RT in Deutschland auf massive Hindernisse stößt. Wir haben darum gebeten, dass dies nicht geschieht. Aber die Kollegen von RT erlebten immer neue Behinderungen, die deutschen Journalisten in Russland nicht widerfahren. Anfang des Monats haben wir schließlich von der Entscheidung erfahren, wonach RT in Deutschland nicht senden darf. Die Maßnahmen gegen die Deutsche Welle erfolgten daraufhin lediglich im Gegenzug.“ Netschajew kritisierte, dass die Probleme von RT in Deutschland nicht mit den Grundrechten vereinbar seien. „Wir haben immer nur gefragt: Warum dürfen die RT-Journalisten nicht ungehindert in Deutschland arbeiten? Vielleicht liegt es auch daran, dass sie eine Meinung vertreten, die hier nicht gerne gehört wird. Doch das entspricht nicht dem Geist der Pressefreiheit.“

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– Ukraine-Krise – Russischer Botschafter: „Drohungen hören wir nicht gerne“

Botschafter betont vor Scholz-Besuch Bedeutung der Beziehungen zu Deutschland – „Drohungen hören wir nicht gerne“

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Xhafer Deva-Haus
Kosovo: Restaurierung des Hauses eines Nazi-Kollaborateurs gestoppt

Pristina – Das UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) und die Europäische Union erklärten am Dienstag, dass die Restaurierung des Hauses eines kosovo-albanischen Nazi-Kollaborateurs auf Eis gelegt wurde, nachdem in mehreren Stellungnahmen Bedenken gegen das Projekt geäußert worden waren. Auch der deutsche Botschafter zu Pristina, Jörn Rohde, kritisierte das Vorhaben. „Sehr besorgt über die Restaurierungspläne für das Haus von Xhafer Deva, einem bekannten Nazi-Kollaborateur/Protagonisten der berüchtigten SS-Division Skanderbeg“, twitterte Rohde am Montag. Auch die serbische Ministerin für Kultur und Information, Maja Gojkovic, kritisierte ebenfalls das Vorhaben mit einem Schreiben an die EU und das UNDP, in dem sie diese aufforderte, auf den Wiederaufbau des Hauses von Xhafer Deva zu verzichten. „Er war ein berüchtigter Nazi-Kollaborateur, der an der Bildung der SS-Division ‚Skender-beg‘ beteiligt war, der dafür bekannt war, Verbrechen gegen Serben und Juden anzuordnen und zu begehen. Der Bürgermeister von Mitrovica während des Zweiten Weltkriegs und der albanische Innenminister während der Besatzung während des Zweiten Weltkriegs, der 1944 von Adolf Hitler ausgezeichnet wurde“, schrieb Gojkovic. Das Haus des kosovo-albanischen Politikers Xhafer Deva aus dem Zweiten Weltkrieg in der Stadt Mitrovica sollte im Rahmen eines gemeinsam von UNDP und EU initiierten Projekts in ein regionales Kulturzentrum umgewandelt werden. „Das UNDP und die EU haben die Arbeiten an der Stätte auf Eis gelegt. Wir stehen in Kontakt mit allen beteiligten Parteien und überprüfen unsere Rolle und unseren Beitrag, einschließlich der Möglichkeit, die aktuelle Kontroverse als rechtzeitige Gelegenheit zu nutzen, die Vergangenheit durch offene Diskussionen und Konsultationen aller betroffenen Gemeinschaften offen anzusprechen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Erklärung: „Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) im Kosovo und die Europäische Union haben nach der Ankündigung der Restaurierung einer Kulturstätte in Mitrovicë/Mitrovica, die mit dem früheren Eigentümer Xhafer Deva in Verbindung gebracht wird, über dessen Vergangenheit als Nazi-Kollaborateur in den letzten Tagen viel gesprochen wurde, aufmerksam zugehört. Die Absicht des Projekts war es immer, die Gemeinschaften zusammenzubringen und zum sozialen Zusammenhalt beizutragen, indem das kulturelle Erbe als Instrument für den Dialog zwischen den Gemeinschaften genutzt und das kulturelle Erbe für die Gemeinschaft zurückgewonnen wird. Das UNDP und die Europäische Union bedauern zutiefst, dass die Ankündigung des Beginns der Arbeiten unter Auslassung des historischen Hintergrunds von Xhafer Deva unbeabsichtigt eine Beleidigung darstellt. Das UNDP und die Europäische Union verurteilen nachdrücklich Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit und deren zahlreiche Erscheinungsformen, einschließlich der zunehmenden Intoleranz und Bigotterie gegenüber ethnischen Minderheiten und gefährdeten Gemeinschaften. Wir verpflichten uns, die Schwachen zu schützen, die grundlegenden Menschenrechte zu fördern, die Freiheit und Würde zu wahren und Fehlinformationen zu bekämpfen.“

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– Pristina – Israel und Kosovo nehmen am 1. Februar diplomatische Beziehungen auf

Nachdem die Türkei im vergangenen Monat den Wunsch einer Wiederannäherung mit Israel geäußert hatte, gab am Freitag auch der Kosovo die Aufnahme gegenseitiger diplomatischer Beziehungen mit Tel Aviv bekannt.

Israel und Kosovo nehmen am 1. Februar diplomatische Beziehungen auf
     
Haus des Xhafer Deva in Mitrovica. (Foto: Wikimedia)
 

Ukraine-Krise
Russischer Botschafter: „Drohungen hören wir nicht gerne“

Osnabrück – Um den Ukraine-Konflikt zu entschärfen, hat Russlands Botschafter Sergej Netschajew Deutschland und Frankreich zu einem stärkeren Einsatz für die Umsetzung der Vereinbarungen von Minsk aufgerufen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte der Diplomat im Vorfeld der Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach Russland und in die Ukraine, „wir bitten Paris und Berlin, nachdrücklicher darauf hinzuwirken, dass Kiew seinen Verpflichtungen folgt. Derzeit sehen wir keinen hinreichenden Einsatz.“ Die Minsker Abkommen hätten durch eine UN-Resolution einen völkerrechtlich verbindlichen Status erlangt. „Alle Maßnahmen sind konkret aufgelistet. Dafür gibt es keine Alternative“, sagte Netschajew. „Wir sehen allerdings, dass die Ukraine grundlegende Punkte nicht erfüllt. Wir hören zuletzt aus Kiew sehr merkwürdige Äußerungen, dass der Minsker Prozess tot sei, dass es den vereinbarten Sonderstatus für Donbass nie geben wird“, warnte der Botschafter. Netschajew hoffte, dass das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland unter der gegenwärtigen Krise nicht grundsätzlich leiden werde. „Wir haben in der Nachkriegsgeschichte sehr viel miteinander erreicht und den Weg für die Aussöhnung geebnet. Wir dürfen nicht zulassen, dass es wieder zu einer wachsenden Entfremdung kommt. Ich hoffe sehr, dass die deutsche Bevölkerung dies ebenso anstrebt.“ Mit Blick auf Scholz‘ Treffen mit Wladimir Putin in der kommenden Woche sagte der Botschafter, „Russland ist gerne bereit, konstruktiv und pragmatisch mit der neuen Bundesregierung auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Die Agenda ist riesig, es wird über viele Aspekte gesprochen werden, über Wirtschaft, Energie, Wissenschaft, Kultur und sicherlich über die Ukraine und die europäische Sicherheit. Da wird es viel zu bereden geben.“ Gleichzeitig erwartete Netschajew, dass die Bundesregierung Verständnis für Russland zeige: „Vorhaltungen, Belehrungen und Drohungen hören wir natürlich nicht gerne.“ Netschajew betonte die Rechtmäßigkeit der russischen Erwartung, dass die Ukraine kein Mitglied der Nato werden dürfe. Deren grundsätzliches Recht und freie Entscheidungsbefugnis, sich nach Westen zu orientieren, sei nicht isoliert zu betrachten. „Es gilt auch zu respektieren, dass kein Sicherheitsinteresse eines Staates auf Kosten der Sicherheit eines anderen Staates gehen darf – in diesem Falle Russlands. Dies ist der zweite Teil der Formel, die auf höchster Ebene in Istanbul 1999 und Astana 2010 international vereinbart und mehrfach bekräftigt wurde. Ihn wollen wir auch in Erinnerung rufen und fragen uns, warum er unseren westlichen Gesprächspartnern so wenig bedeutet“, sagte Netschajew der „NOZ“. Eine militärische Eskalation des Konflikts schloss der Diplomat nicht aus. Auf die Frage, ob Russland diese nur so lange nicht wolle, wie es seine Interessen als hinreichend gesehen und beachtet betrachte, sagte Netschajew: „Ich möchte nicht spekulieren. Die reale Politik kennt keinen Konjunktiv. Wichtig ist, dass die Gespräche nicht unterbrochen sind. Präsident Putin spricht mit vielen Staats- und Regierungschefs. Außenminister Lawrow steht im Dialog mit seinen Kollegen. Darauf sollten wir setzen. Aber wir brauchen klare definitive Antworten auf unsere Besorgnisse.“

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– Ukraine-Krise – NATO-Chef dankt Erdogan für Bemühungen

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat am Montag Präsident Recep Tayyip Erdogan für seinen Beitrag zu einer politischen Lösung der Russland-Ukraine-Krise und seinen persönlichen Einsatz gedankt.

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Wirtschaft
Außenhandel 2021: Bestes Ergebnis der letzten Jahrzehnte

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„Nach dem größten Einbruch seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr schließt der Außenhandel 2021 mit dem besten Ergebnis der letzten Jahrzehnte ab. Dies kann nicht allein auf den Aufholeffekt zurückgeführt werden, den die pandemiebedingten Störungen in der Weltwirtschaft verursacht haben. Es ist eine Stärke der deutschen Unternehmen, flexibel auf die internationalen Herausforderungen zu reagieren.“ Dies erklärt Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), heute in Berlin zur Entwicklung des deutschen Außenhandels. „Nach einem positiven Jahresbeginn 2021 setzten im Verlauf des Jahres hohe Preise bei Energie und Logistik, Chaos in den Lieferketten und Verknappungen bei Zulieferprodukten und Rohstoffen den Unternehmen stark zu. Vor allem die geopolitische Lage veränderte sich zum Jahresende und birgt nach wie vor große Unsicherheit. Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen Zahlen ein großartiges Ergebnis! Allerdings werden uns die Risiken auch weiterhin begleiten“, so Jandura weiter. „Einige Lichtblicke gibt es aber trotzdem: Wir begrüßen, dass die internationale Politik auf diplomatischem Weg versucht, die Spannungen im Russland-Ukraine-Kontext zu lösen. Auch den Sanktionsabbau der USA gegenüber dem Iran, um bei den Atomgesprächen voranzukommen, werten wir als ein gutes Zeichen. Wie wichtig die Unternehmen im Außenhandel für den Wohlstand Deutschlands sind, unterstreichen die heutigen Zahlen. Für die Wirtschaft wäre es daher ein beruhigendes Signal, wenn sich auch die Bundesregierung, vor allem aber das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, entsprechend personell aufstellt und endlich mit einer Außenwirtschaftsstrategie aufwartet“, so Jandura abschließend. Das Statistische Bundesamt hatte zuvor die Außenhandelszahlen für Dezember 2021 bekannt gegeben. Demnach wurden Waren im Wert von 117,0 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 110,0 Milliarden Euro importiert. Für das Gesamtjahr 2021 bedeutet dies, dass insgesamt Waren im Wert von 1.375,5 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 1.202,2 Milliarden Euro importiert wurden. Damit ist der Export im Vorjahresvergleich um 14,0 Prozent und der Import um 17,1 Prozent gestiegen. Die Außenhandelsbilanz schloss 2021 mit einem Überschuss von 173,3 Milliarden Euro ab und verringert sich somit zum fünften Mal in Folge.