PKK-Terror
Türkei: PKK-Bombe tötet vier Zivilisten – darunter zwei Kleinkinder

Silopi (nex) – Mindestens vier Zivilisten, darunter zwei Kleinkinder, starben am Montag im Südosten der Türkei an den Folgen der Detonation einer improvisierten Bombe. Der Anschlag forderte zudem 19 Verletzte, darunter fünf Polizeibeamte. Dies teilen Quellen aus Polizei und Militär mit, meldet die Nachrichtenagentur Anadolu. Der Sprengkörper, der unter anderem ein vierjähriges Mädchen und ein sechs Monate altes Baby das Leben kostete, wurde von Terroristen gezündet, als ein gepanzertes Polizeifahrzeug durch den Bezirk Silopi in der Provinz Şırnak fuhr. Die Verletzten wurden in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht, während die Polizei eine umfangreiche Antiterror-Operation in der Region startete. Am Montag war zuvor auch ein Polizeibeamter im Militärkrankenhaus von Şırnak an seinen Verletzungen gestorben, die er sich im Antiterrorkampf gegen die PKK zugezogen hatte. Die Terrororganisation wird auch hinter dem jüngsten Anschlag vermutet, die Terroristen hatten die Region bereits mehrfach als Versteck und Zielort für Terroranschläge genutzt. Seit die von der Türkei, den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte PKK im Juli 2015 ihren bereits seit 30 Jahren andauernden bewaffneten Kampf wiederaufgenommen hatte, war es in der Stadt bereits mehrfach zu Anschlägen und Antiterroroperationen gekommen. Seither starben etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte, darunter Soldaten, Polizeibeamte und Dorfschützer. Im Zuge der Antiterroroperationen in der Südosttürkei und im Nordirak konnten 4900 Terroristen neutralisiert werden.

Kampf gegen den Terror
Erdogan: „Niemand ist stark genug, um uns von unseren Ländern zu trennen“

Türkei feiert Jahrestag der Eroberung von Istanbul Istanbul (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschrieb am gestrigen Sonntag das syrische Regime, die Terrorgruppe IS (Daesh) und die in Verbindung zur PKK stehende PYD als ein Trio, das „kontinuierlich einander unterstützt und den Weg ebnet.“ Erdogan, der anlässlich des 563. Jahrestages der Eroberung von Istanbul eine Rede hielt, erklärte, dass die beiden Gruppierungen und das syrische Regime eine Koexistenz miteinander führten und der eine ohne den anderen nicht überleben könne. „Leider übersehen die Länder, die wir als unsere Verbündeten betrachten, dieses schmutzige Spiel und unterstützen es sogar“, fuhr Erdogan fort. „Jene, die den IS (Daesh) benützen und Syrien in Blut ertränken, ebenso wie jene, die die PYD benützen und versuchen, unsere Grenzen im Süden zu umzingeln, haben ein gemeinsames Ziel – nämlich alle Verbindungen der Türkei zum Nahen Osten und zu Nordafrika zu kappen.“ Die PYD ist der syrische Ableger der PKK, die von der Türkei, den USA und der EU als eine Terrororganisation eingestuft wird. „Niemand ist stark genug, uns von unseren Ländern zu trennen, dem Gebiet Thrakien oder dem Mittelmeerraum, auf die wir nach der Eroberung von 1453 Anspruch erhoben“, so der türkische Präsident Erdogan am Sonntag. Ohne den Namen explizit zu erwähnen, wies Erdogan darauf hin, dass die Terrororganisation PKK „sich nicht um die Region oder die kurdischen Mitbürger schert“. „Sie möchten gerne die Eroberung von Istanbul rächen, aber sie sind in die Gruben, die sie gegraben hatten, selbst hineingefallen“, sagte er in Anspielung auf die Gräben, die im vergangenen Jahr vor mehreren Städten im Südosten der Türkei ausgehoben worden waren. Am 29. Mai 1453 eroberte der osmanische Sultan Mehmed II. Istanbul – damals noch Konstantinopel genannt -, von wo aus die Byzantiner über 1000 Jahre über das Oströmische Kaiserreich geherrsch hatten. Mit der Eroberung wurde die Stadt, die einst das Herz des Byzanz war, zur Hauptstadt des neuen Osmanischen Reiches. Etwa eine Million Besucher, die unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen durch 150 Tore Zutritt bekamen, nahmen an den Feierlichkeiten am gestrigen Sonntag teil. Eine aus 563 Personen bestehende Janitscharengruppe sorgte während des Mega-Events für Musik, während die Turkish Stars, die Kunstflugstaffel der türkischen Luftwaffe, Flugvorführungen präsentierte.  

Gas für Europa
Israelischer Konsul: „Beste Route für israelisches Gas führt durch die Türkei“

Ankara (nex) – Der Generalkonsul von Israel in Istanbul erklärte in einem Interview, dass die einzige ausreichend große Route für den Gasexport Israels ein Land wie die Türkei sei. Sie sei in der Lage, die erforderliche Infrastruktur und den Weiterexport in den Westen zu gewährleisten.

In einem exklusiven Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu sprach der Gesandte über eine mögliche Vereinbarung über den Gastransport von Israel über die Türkei zum europäischen Markt.

„Ein Deal zwischen Israel und der Türkei ist angesichts der regionalen Gegebenheiten natürlich, wenn man sieht, was gerade in der Region passiert, wenn man die Beziehungen zu unseren Nachbarn betrachtet und so weiter“, führte Cohen aus. „Das ist Realpolitik. Die Situation in der Region verlangt gerade jetzt diese Art von Zusammenarbeit zwischen Israel und der Türkei im Energiesektor.“

Türkische und israelische Privatunternehmen erörtern derzeit ein mögliches Gaspipelineprojekt zwischen den beiden Ländern zur Beförderung von Erdgas vom Leviathan-Gasfeld nach Europa, das geschätzte 500 Millionen Kubikmeter Gas enthält.

„Aus geopolitischer Sicht wird es ohne die Türkei als Drehscheibe für Energiequellen und besonders für den Transport von Erdgas vom Osten nach Westen und vom Norden nach Süden sehr schwer werden, wirklich zu diversifizieren und bei der Diversifizierung von Energiequellen erfolgreich zu sein“, führte Cohen weiter aus.

Nach Cohen erfordert die Erdgaslieferung eine adäquate Infrastruktur. Wegen der geopolitischen Lage der Türkei sei es sehr wichtig, dass der Großteil der Erdgastransporte durch die Türkei führe und diese mit ihrem Einsatz im Infrastrukturausbau von Pipelines und LNG-Stationen stattfinde.

Israel bereitet derzeit die gesetzlichen Grundlagen für den Erdgasexport vor. Das Oberste Gericht hat jedoch den im März abgeschlossenenen Rahmenvertrag der Regierung zur Erdgasvereibarung mit den Energieunternehmen abgelehnt und für Korrekturen an das Parlament zurückgeschickt.

Cohen erzählte, dass die israelische Regierung den neuen Energie- und Entwicklungsplan für Erdgasfelder vorgelegt und das Kabinett ihm zugestimmt habe.

Die Türkei und Israel führen ihre Versöhnungsgespräche zur Wiederherstellung ihrer bilateralen Beziehungen fort. Diese wurden im Jahr 2010 extremer Belastung ausgesetzt, als israelische Sicherheitskräfte Mavi Marmara, das Schiff einer Hilfsflottille in internationalen Gewässern gestürmt und zehn türkische Aktivisten getötet hatten.


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Nuit debout
Unruhen in Frankreich: Türkei über Brutalität der französischen Polizei schockiert

Ankara (nex) – Die Türkei übte scharfe Kritik am Umgang mit Demonstranten gegen die Reform des Arbeitsmarktes in Frankreich und rief die französischen Verantwortlichen dazu auf, den Einsatz „unverhältnismäßiger Gewalt“ zu vermeiden. „Seit Februar ist Frankreich Schauplatz von Straßenprotesten und Streiks im Zusammenhang mit Arbeitsrechtsreformen, die zurzeit in der Nationalversammlung und im Senat debattiert werden“, erklärte der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Tanju Bilgic am Sonntag, und diese würden „zunehmend gewalttätiger“. Bilgic rief sowohl die französischen Behörden als auch die Protestierenden zur Zurückhaltung auf, damit sich die Situation so früh wie möglich beruhigen könne. „Wir sind in Sorge auf Grund der Interventionen der französischen Sicherheitskräfte, die immer harscher werden, und rufen alle Verantwortlichen dazu auf, die Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt zu unterlassen“, hieß es in der Erklärung. „Wir glauben, dass vonseiten der französischen Behörden alle erforderlichen Maßnahmen unverzüglich getroffen werden, um dafür zu sorgen, dass der Frieden wiederhergestellt wird und die Demonstrationen in einer demokratischen und friedlichen Weise vonstattengehen.“ Seit dem letzten Jahr erhebt sich eine Welle von Streiks im Zusammenhang mit umstrittenen Vorschlägen zu einer Arbeitsmarktreform, die Arbeitgebern mehr Möglichkeiten geben soll, Löhne zu kürzen und Arbeiter zu entlassen. Auch würden die Möglichkeiten von Gewerkschaften beschnitten, über Arbeitszeiten zu verhandeln. In Frankreich beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit 35 Stunden pro Woche. Die größte französische Gewerkschaft, die Generalvereinigung der Arbeit (CGT), kündigte an, man wolle den Streik fortsetzen, bis die Reformentwürfe vom Tisch seien. In den letzten Tagen waren vermehrt Videoaufnahmen aus französischen Städten wie Paris oder Toulouse aufgetaucht, die zeigten, wie Einsatzkräfte mit möglicherweise unverhältnismäßiger Gewalt gegen Protestierende vorgingen. So wurde etwa gezeigt, wie ein Polizeibeamter einer jungen Frau auf die Schulter geschlagen und sie am Nacken gefasst hatte, ehe sie zu Boden stürzte. In Frankreich veranlassten Behörden daraufhin die Entfernung einiger dieser Videos, die Polizeigewalt während der Proteste dokumentierten, mit der Begründung, diese stellten eine Gefahr für die Sicherheitskräfte dar. Auch die französischen Medien wurden in sozialen Medien scharf kritisiert, weil sie die unverhältnismäßige Gewaltanwendung nur sehr zurückhaltend aufgegriffen hätten. Der französische Premierminister Manuel Valls, einer der entschiedensten Reformbefürworter, stellte zwar eine leichte „Modifikation“ der Reformen in Aussicht. Eine Rücknahme komme jedoch nicht in Frage.
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Türkei
Ankara: Gedenkveranstaltung für Opfer der „Mavi Marmara“

Menschen gedenken der zehn Opfer der Erstürmung der Mavi Marmara-Hilfsflotille

Ankara (nex) – Etwa 200 Menschen versammelten sich am gestrigen Sonntag vor der israelischen Botschaft in Ankara, um des sechsten Jahrestages des tödlichen Angriffs auf ein Schiff der Hilfsflottille „Mavi Marmara“ zu gedenken, das sich auf dem Weg nach Gaza befand.

Das Schiff mit humanitären Hilfsgütern wollte im Jahr 2010 die Gaza-Blockade durchbrechen. Israelische Sicherheitskräfte stürmten das Schiff, neun türkische Aktivisten kamen dabei ums Leben. Ein zehnter Aktivist verstarb vier Jahre später in einem Krankenhaus.

Die Plattform Glaubensfreiheit Ankara organisierte die Gedenkveranstaltung zusammen mit der Internationalen  Humanitären Hilfsorganisation Türkei (IHH) sowie anderen NGOs. Während der Zeremonie beteten die Menschen gemeinsam, schwenkten Palästinaflaggen und riefen Parolen gegen Israel. Der Sprecher der Plattform Ankara, Soner Kartal, sagte, dass der Angriff auf Marmara nicht nur das türkische Volk, sondern die Muslime zum Ziel gehabt habe. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel haben wegen des Vorfalls enormen Schaden erlitten.

Die Türkei verlangt eine Entschuldigung, eine Entschädigung der Familienangehörigen der Opfer sowie die Aufhebung der Gaza-Blockade. 2013 kam es wieder zu einer Annäherung, als die israelische Regierung sich für die Todesopfer auf der „Mavi Marmara“ entschuldigte und sich bereit erklärte, über eine Entschädigung der Hinterbliebenen zu verhandeln.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind bereits seit 2009 angespannt. Damals übte Recep Tayyip Erdoğan, zu jener Zeit der Premierminister und heute Präsident der Türkei, im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos scharfe Kritik an Luftangriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen infolge Raketenbeschusses israelischer Städte. Die diplomatischen Beziehungen wurden 2010 abgebrochen, nachdem israelische Sicherheitskräfte im Juni desselben Jahres ein Schiff der Hilfsflottille „Mavi Marmara“ gestürmt hatten. Pro-Gaza-Aktivisten wollten damit die 2006 nach der Machtübernahme der Hamas verhängte Seeblockade durchbrechen. Während der Erstürmung kam es zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und israelischen Soldaten, bei denen zehn Menschen, hauptsächlich türkische Staatsangehörige, ums Leben kamen.  Erst 2013 kam es auf Initiative des US-Präsidenten Barack Obama wieder zu einer Annäherung, als die israelische Regierung sich für die Todesopfer auf der „Mavi Marmara“ entschuldigte und sich bereit erklärte, über eine Entschädigung der Hinterbliebenen zu verhandeln. Die Türkei hatte diese beiden Punkte sowie eine Aufhebung der Gaza-Blockade zu Voraussetzungen für eine vollständige Normalisierung der Beziehungen benannt.

Islamische Pilgerreise
Mekka-Verbot für Iraner

Teheran: Iranern bleibt in diesem Jahr Pilgerfahrt nach Mekka verwehrt Iran und Saudi-Arabien konnten sich im Streit über Rituale während des Hadsch nicht einigen. Der Iran wird in diesem Jahr nach Angaben eines Regierungsvertreters wegen „saudischer Restriktionen“ keine Pilgerer zum Hadsch schicken. Eine Delegation der iranischen Behörde für Hadschangelegenheiten kam am vergangenen Dienstag zum zweiten Mal mit saudischen Regierungsvertretern wegen der anhaltenden Diskussionen über Rituale während der Pilgerfahrt zusammen. „Saudi-Arabien verweigert die Zusammenarbeit“, erklärte der Minister für Kultur und islamische Führung Ali Jannati. „Wir konnten uns während der Gespräche nicht einigen.“ Saudi-Arabien wies die Behauptung Teherans, iranische Pilgerer würden an der Durchführung ihres Hadsch, der dieses Jahr in den September fällt, gehindert. Die Diskussionen verschärften sich noch, als der Iran darauf bestand, dass seine Pilgerer bestimmte Rituale während des Hadsch durchführten. Saudische Regierungsvertreter ihrerseits vertreten die Auffassung, dass solche Praktiken wie beispielsweise Versammlungen iranisch-schiitischer Pilgerer während des Hadsch „die anderen Pilgerer an der Fortbewegung hindern“. Saudi-Arabien hatte im Januar dieses Jahres seine Beziehungen zum Iran offiziell abgebrochen, nachdem seine Auslandsvertretungen in Teheran und Maschhad von iranischen Demonstranten wegen der Hinrichtung Nimr al-Nimrs, eines bekannten schiitischen Imams, durch die saudische Regierung angegriffen worden waren.  

Palästina
Gaza: Erste-Hilfe-Station mit türkischer Unterstützung in Karara eröffnet

 
Projekt gesponsert vom Türkischen Roten Halbmond

Karara (nex) – Palästinensischen Behörden zufolge wurde in der Kleinstadt Karara in Südgaza mit der Unterstützung des Türkischen Roten Halbmondes eine Erste-Hilfe-Station eröffnet.

Während der Eröffnungsfeier sprach der Bürgermeister von Karara, Abdurrahim al-Ibadile dem Türkischen Roten Halbmond für die Finanzierung des circa 10 000 US-Dollar teuren Projekts seinen Dank aus.

Die an Israel grenzende Stadt Karara wurde während des Gazakriegs im Jahr 2014 von Israel schwer bombardiert. Israelische Panzer überquerten damals hier die Grenze.


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Erdogans Demokratie-Paket
Synagoge-Eröffnung: Juden bedanken sich mit Gebet bei Erdogan

Edirne (nex) – Eine einfache Hochzeit eines jüdischen Paares in der nordwesttürkischen Stadt Edirne sollte am Sonntag zu einem historischen Ereignis werden. Die Feierlichkeiten fanden in einer altehrwürdigen Synagoge statt, die als Signal an die jüdische Gemeinde des Landes durch den Staat von Grund auf restauriert wurde und heute in altem Glanz erstrahlt.

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In der Großen Synagoge von Edirne wurde am Sonntag die erste Hochzeitsfeier seit mehr als vier Jahrzehnten abgehalten. Obwohl sie sich von anderen traditionellen jüdischen Hochzeiten nicht unterschied, war das Ereignis von großer symbolischer Wichtigkeit für die jüdische Gemeinde in der Türkei. Vor allem für Rufat Mitrani, den Patriarchen der einzigen in Edirne lebenden jüdischen Familie, war es ein unvergesslicher Moment. Er war zuvor der Letzte, der vor mehr als 40 Jahren seine Frau Sara dort geheiratet hatte. In weiterer Folge verwaiste der Tempel und war dem Verfall preisgegeben, da es zu wenige Gemeindemitglieder gab. Nun heiratet seine Tochter Günes ihren Verlobten Harun Erentürk aus der jüdischen Gemeinde in Istanbul. Etwa 1000 Gäste, die Mehrheit davon Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Istanbul sowie aus anderen Städten und dem Ausland, füllten die Synagoge. Die Zeremonie begann mit dem Lied „Boi Kala“, mit dem die Braut im prächtigen Tempel besungen wurde. Zwei Kantoren rezitierten ein Anoten, ein traditionelles Gebet, das auf die Zeit zurückdatiert, als die sephardischen Juden im 15. Jahrhundert aus Spanien nach Istanbul geflohen waren. Das Gebet stellte ursprünglich eine Dankesäußerung an den osmanischen Sultan dar, der der jüdischen Gemeinde damals Schutz gewährte. Am Sonntag wurde es zu Ehren des derzeitigen politischen Führers der Türkei, Präsident Recep Tayyip Erdogan, vorgetragen. Der Bürgermeister von Edirne, Recep Gürkan, stand der Hochzeit formal vor, Gouverneur Mehmet Tekinarslan und der örtliche Leiter des Direktorats staatlicher Fördervereinigungen, Osman Güneren, das die Aufsicht über die Restauration der Synagoge geführt hatte, waren als Trauzeugen zugegen. Gürkan zeigte sich erfreut darüber, eine „spezielle, einzigartige Hochzeit“ leiten zu können, während Tekinarslan seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, dass auch die Nachkommen des Paares Edirne künftig ihre Heimat nennen werden. Die Restauration der Synagoge war eines der zahlreichen ambitionierten Projekte der Regierung, die sich für eine Wiederherstellung der Rechte oft vernachlässigter Minderheiten einsetzt und nach Jahrzehnten einer Minderheiten benachteiligenden Politik Koexistenz fördern möchte. Unbestätigten Angaben zufolge umfasst die jüdische Bevölkerung in der Türkei derzeit 20 000 Menschen. Im Osmanischen Reich hatte die jüdische Gemeinde nach der Eroberung byzantinischer Städte durch die Osmanen über Jahrhunderte hinweg einen Hort der Toleranz vorgefunden. Vor allem das sephardische Judentum erlebte eine Blütezeit, nachdem sie sich infolge ihrer Vertreibung aus Spanien während der Reconquista im Laufe des 15. Jahrhunderts in Istanbul angesiedelt hatten. Viele Mitglieder der heutigen jüdischen Gemeinde in der Türkei können auf Wurzeln zurückblicken, die in diese Zeit und die der damaligen Neu-Siedler zurückreichen.

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"Volker Beck wird im Bundestag gebraucht"
Muslimisches Forum Deutschland für Rückkehr Volker Becks in die Politik

Köln (ots) – Ein breites Bündnis von Prominenten aus Gesellschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Kultur und Wissenschaft hat sich für einen erneuten Einzug des Grünen-Politikers Volker Beck in den Bundestag ausgesprochen und seine Partei aufgefordert, für die Wahl 2017 eine erneute Kandidatur zu unterstützen. „Volker Beck wird im Bundestag gebraucht“, heißt es nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in einem Appell von mehr als 60 Persönlichkeiten. Unter ihnen sind Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden; das Muslimische Forum Deutschland, der Immigranten-Dachverband BAGIV, der Interkulturelle Rat und Pro Asyl, die Schriftstellerin Sibylle Berg, die Schauspielerinnen Maren Kroymann und Katja Riemann sowie die Publizisten Lea Rosh und Günter Wallraff. Das Schreiben an den Kreis- und Ortsverband der Kölner Grünen würdigt Becks Einsatz für Migranten, Flüchtlinge und Minderheiten sowie seinen Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Homophobie. Als Initiator nennt die Zeitung den Bundessprecher des Lesben- und Schwulenverbands, Axel Hochrein. Er und die anderen Unterzeichner sähen Standards in Fragen des Asylrechts oder der freien Religionsausübung angesichts grassierender „autoritärer Fantasien einer ausgrenzenden, »homogenen Volksgemeinschaft«“ in Gefahr. „Nur zu gern würden AfD und Co. Volker Beck zum Verstummen bringen“, schreiben sie. „Seine Stimme wird umso mehr gebraucht: Nicht nur um das Erreichte zu verteidigen, sondern um wieder in die Offensive zu kommen.“ Beck war im April nach einer Drogenaffäre auf die politische Bühne zurückgekehrt. Ohne ausdrücklichen Bezug greift der Appell in ein Gerangel um die Listenplätze für die Bundestagswahl ein. Neben Beck und Katharina Dröge strebt mit Landes-Grünenchef Sven Lehmann der dritte Kölner ins Parlament, wo die NRW-Grünen derzeit 13 Mandate haben. Zwei Plätze der Kölner gelten als sicher. Für einen dritten müssten sie eine Anwartschaft auf den Landtag opfern oder die anderen Regionen überzeugen, dass Lehmann als Parteichef nicht auf das Kölner Kontingent angerechnet wird.

Unruhen in Frankreich
Franzosen irritiert: „Wo bleibt unsere Spiegel-Ausgabe?“

Paris (nex) – EU-Nachbar Frankreich und vor allem dessen Hauptstadt Paris befinden sich schon seit Wochen teilweise in einem Ausnahmezustand und der Grund hierfür sind nicht etwa Anschläge diverser Terrororganisationen, sondern friedliche Demos gegen die geplante Arbeistmarktreform der sozialistischen Regierung mit Premier Vals und dem Präsidenten Hollande, die dann aufgrund der brachialen Polizeigewalt gegen die Demonstranten eskaliert sind. „Die Regierung hat es geschafft, ihre ganze Wählerschaft zu enttäuschen“ sagte die Medienwissenschaftlerin Valérie Robert im Deutschlandfunk. Die Protestbewegung „Nuit Debout“ werde nun sogar gezielt mit Polizeigewalt bekämpft. „Die Polizisten sagen selbst, dass hier eine Strategie der Eskalation besteht. Damit solle normalen Bürgern Angst gemacht werden, zu demonstrieren“, so Robert weiter. Nach den Terroranschlägen im November seien durch den verhängten Notstand Freiheitsrechte eingeschränkt worden. Dies werde ausgenutzt, um gegen politische Gegner vorzugehen. Die schockierenden Aufnahmen der brutalen Vorgehensweise der französischen Polizei gegen friedliche Demonstranten gingen im Internet um die Welt und sorgten für Empörung. Überraschenderweise hielten sich Mainstreammedien in Deutschland mit ihren Live-Übertragungen der Geschehnisse in Frankreich sehr zurück und erwähnten es allenfalls als Randmeldung und für die Schwere der Ausschreitungen auffallend selten. „Wenn wir hier in Deutschland vom Streik in Frankreich hören, dann neigen wir in Deutschland gelegentlich dazu, mit den Schultern zu zucken“, sagte etwa Deutschlandfunk-Redakteur Thielko Grieß in einem Gespräch mit der französischen Medienwissenschaftlerin Valérie Robert. Auch immer mehr Franzosen scheint diese Gleichgültigkeit der Deutschen aufzufallen, wie man Reaktionen in sozialen Netzwerken entnehmen kann. Où est-il, notre numéro spécial du SPIEGEL? „Wo bleibt unsere SPIEGEL-Ausgabe?“, fragt etwa ein Jaques P.* „Wo sind die deutschen Medien?“, wundert sich eine Antoinette K*. Im Falle der Türkei hätte es 24-Stunden-Live-Übertragungen gegeben. Deutsche Politiker wären vor Ort gewesen und während der Demos sogar verletzt worden, so Jaques P. weiter. Tatsächlich befand sich Grünen-Politikerin Claudia Roth während der Gezi-Ausschreitungen in Istanbul und wurde aufgrund eines Tränengas-Einsatzes der türkischen Polizei, dem auch sie ausgesetzt war, ärztlich behandelt.
(Foto: Screenshot/Aksam)
(Foto: Screenshot/Aksam)
  Das SPIEGEL-Magazin veröffentlichte zum ersten Mal sogar eine zweisprachige Sonderausgabe, türkisch und deutsch, und titelte „BEUGE DICH NICHT“. Mittlerweile scheinen französische Aktivisten ein Konterfei der damaligen SPIEGEL-Sonderausgabe erstellt zu haben, welches in den Sozialen Netzwerken geteilt wird.  
   
Unruhen in Frankreich