Balkan
Bosnien: Saudi Arabien intensiviert wirtschaftliche Zusammenarbeit

Sarajewo (nex/eurasia) – Eine Delegation aus Saudi-Arabien hat vom 9. bis zum 11. Mai Bosnien-Herzegowina besucht. Riad möchte seine Wirtschaftsbeziehungen zum Balkanstaat intensivieren. Der Fokus liegt dabei auf dem Immobilien-, Banken- und Rüstungssektor. Vor allem Verteidigungsprodukte aus Bosnien erfreuen sich einer großen saudischen Nachfrage.
Der Delegation schlossen sich der Regierungsberater am Königshof, Ahmet Akil el-Chatib, und der Vorsitzende des saudischen Entwicklungsfonds, Yusef bin Ibrahim el-Bassam, an. Das teilte die saudische Botschaft zu Sarajewo der Nachrichtenagentur BIRN am Dienstag mit. Das Ziel der Delegation ist es, Investitionsmöglichkeiten im Land zu identifizieren und ein Kooperationsabkommen mit bosnischen Behörden abzuschließen. Am Dienstag einigten sich el-Bassam und der bosnische Finanzminister Wjekoslaw Bewanda auf die Unterzeichnung einer Absichtserklärung. Demnach verpflichtet sich Riad, den Bosniern 22 Millionen US-Dollar für den Bau einer neuen Bibliothek an die Universität von Sarajewo zu spenden. Gegenüber Medien informierte Bewanda: „Das neue Gebäude wird auf 11 000 Quadratmetern errichtet werden.“ Des Weiteren werden der ostbosnischen Stadt Gorazde sechs Millionen US-Dollar zur Wiederherstellung des Wasserversorgungsnetzes und Modernisierung der Infrastruktur zur Verfügung gestellt. „Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Bosnien sind bemerkenswert und haben sich historisch entwickelt. Wir sind stolz, sagen zu können, dass unser Fonds zur Realisierung von vielen Projekten in Bosnien beigetragen hat“, sagte el-Bassam gegenüber der Nachrichtenagentur FENA nach Unterzeichnung der Absichtserklärung. Riad ist in Bosnien ein bislang marginaler Investor. Die Investitionen des Königshauses lagen 2009 noch bei 100 Millionen Euro. 2014 haben sich die Investitionen allerdings mehr als verdoppelt. Sie kursierten damals bereits bei 204 Millionen Euro, teilte die nationale Investitionsagentur Bosniens auf Anfrage mit. Eine ähnliche Dynamik kann in den Import-Export-Beziehungen beider Staaten ausgemacht werden, gab die Außenhandelskammer Bosniens zur Kenntnis. Insbesondere im Rüstungssektor habe sich die Zusammenarbeit intensiviert. Die Ausfuhr von bosnischen Waffensystemen habe sich zwischen 2014 und 2015 von 8,72 Millionen auf 18,96 Millionen Euro erhöht. Laut der Bosnien-Expertin Marija Ristic wird sich der Sektor auch in diesem Jahr einer wachsenden Beliebtheit in Riad erfreuen. Saudi-Arabien führt gegenwärtig im Jemen einen Krieg gegen die pro-iranischen Huthi-Rebellen, in Syrien einen Stellvertreterkrieg aufseiten sunnitischer Rebellen.  
Erschienen bei unserem Kooperationspartner eurasianews

Flüchtlingspolitik
Bundesweit 155.000 Plätze in Flüchtlingsunterkünften frei

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Düsseldorf (ots) – In den Flüchtlingsunterkünften der Länder sind bundesweit mehr als 155.000 Plätze frei. Das ergab eine Umfrage der „Rheinischen Post“ bei den Landesregierungen. Allein in Nordrhein-Westfalen stehen mehr als 40.000 der etwa 65.000 Betten in Regel- und Notunterkünften leer. In Sachsen waren in dieser Woche von 17.615 Plätzen zur Erstunterbringung nur 2517 mit Flüchtlingen belegt. In Baden-Württemberg sind aktuell rund 6800 Schutzsuchende auf Einrichtungen verteilt, in denen es Raum für etwa 30.000 Menschen gäbe. Einige Bundesländer wie Hessen oder Baden-Württemberg haben nach eigenen Angaben bereits damit begonnen, ihre Kapazitäten abzubauen. Andere Länder verwiesen auf mangelnde Planungsmöglichkeiten, da der Bund keine offiziellen Vorgaben macht, wie viele Flüchtlinge 2016 kommen werden.

Brief an "John Doe"
Panama Papers: NRW-Steuerfahndung sucht Kontakt zu Informanten

Düsseldorf (ots) – Das Land Nordrhein-Westfalen versucht, die riesigen Dateien zu den weltweit diskutierten Panama-Papieren nun vom geheimen Informanten des Journalistennetzwerkes ICIJ zu erhalten. Zu diesem Zweck hat die NRW-Steuerfahndung einen Brief an den Informanten mit dem Tarnnamen John Doe geschrieben. Dies bestätigte das NRW-Finanzministerium auf Anfrage der „Rheinischen Post“. Die Behörde habe einen Weg gefunden, die Mail zuzustellen, hieß es. Dies kann nach Einschätzung der „Rheinischen Post“ nur bedeuten, dass ein Mitglied des ICIJ gebeten wurde, die Mail an Doe geheim und auf einem geschützten Weg weiterzugeben. Der dem ICIJ sehr wichtige Informantenschutz bleibt so gewahrt. Mit dem Brief reagierte NRW auf das am Samstag bekannt gewordene öffentliche Angebot von Doe, er wolle mit Behörden zusammenarbeiten, sofern man für seine Sicherheit als Informant sorge. Geld hat der Informant ausdrücklich nicht gefordert. Dass nun aber ausgerechnet die Steuerfahndung NRW ihn anschreibt,ist interessant: Die NRW-Finanzbehörde hatte in der Vergangenheit mehrere Steuer-CDs aufgekauft. Auch an den Panama-Papieren hatte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) wiederholt hohes Interesse signalisiert, um Steuerbetrüger zu stellen. Das Land NRW hat auch bereits einmal Daten der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca aus Panama für rund eine Million Euro gekauft – die Panama-Papiere kommen auch von Mossack Fonseca, sind aber viel umfangreicher. Zum Hintergrund: Die in der ICIJ zusammenarbeitenden Medien haben zwar breit über die Panama-Papiere berichtet. Die Organisation lehnt es aber aus grundsätzlichen Erwägungen ab, die Panama-Papiere an Behörden weiterzugeben, da deren Unterstützung nicht Aufgabe von Journalisten sei.

Saisonende
Tag der Entscheidung in der Bundesliga: Wer steigt ab?

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Donnerstag (nex) – Am letzten Bundesligaspieltag wird sich entscheiden, wer Hannover 96 mit in die 2. Bundesliga begleitet und wer in der Relegation gegen Nürnberg spielen darf. Im Abstiegsduell trifft Werder Bremen im Heimspiel auf Eintracht Frankfurt, der Gewinner wird die Klasse halten, der Verlierer könnte absteigen oder müsste in die Relegation, das hängt vom Auswärtsspiel des VfB Stuttgart ab, die in Wolfsburg antreten müssen. Die Stuttgarter haben laut Buchmachern die schlechtesten Chancen auf den Klassenerhalt, da sie zuletzt am 25. Spieltag gegen Hoffenheim drei Punkte und am 28. Spieltag gegen Darmstadt ein Punkt einfuhren, ansonsten verließen die Stuttgarter immer als Verlierer den Platz. Spannend bleibt es auch auf den Plätzen fünf bis sieben, an diesem Spieltag wird sich entscheiden wer die direkten Euroleague Plätze belegt und wer in die undankbare Qualifikation muss. Hier die Übersicht des 34. Bundesligaspieltages: Bayern München – Hannover 96 Borussia Dortmund – 1. FC Köln Bayer 04 Leverkusen – FC Ingolstadt 04 VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart FC Augsburg – Hamburger SV SV Werder Bremen – Eintracht Frankfurt 1899 Hoffenheim – FC Schalke 04 1. FC Mainz 05 – Hertha BSC SV Darmstadt 98 – Borussia Mönchengladbach

"Russische Propaganda"
CDU will gegen russische Internet-„Trolle“ vorgehen

Düsseldorf (ots) – Als Reaktion auf die Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Westen durch russische Internet-„Trolle“ denkt die Unionsfraktion an eine Gegenoffensive in gelenkten Staaten. „Wir sollten der Verbreitung gesteuerter Informationen ein pluralistisches, gutes, europäisch-amerikanisches Programm in den Sprachen der Länder entgegensetzen, die über keine unabhängigen Medien verfügen“, sagte Außenexperte Jürgen Hardt der „Rheinischen Post“. Eine verstärkte Deutsche Welle reiche da nicht aus. Es solle vielmehr ein unterhaltsames Programm sein, das breite Schichten erreiche. Den BBC-Abendnachrichten könnten neue Fernsehserien und Kinofilme folgen, darin eingebettet Talkshows und Tagesthemen.

"In den Schuhen der Türken gehen"
Nahostexperte Dr. Oliver Ernst fordert mehr Verständnis für die konfliktbeladene Lage Ankaras

Lüneburg (ots) – Die Fronten zwischen der EU und der Türkei sind verhärtet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft Europa Versäumnisse in der Terrorbekämpfung vor. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sieht derzeit keine Chance für die Visafreiheit. Dr. Oliver Ernst, Türkeiexperte der Konrad-Adenauer-Stiftung vermisst im Westen die Bereitschaft, sich in die türkische Lage hineinzuversetzen. Die Affäre um das Böhmermann-Schmähgedicht schlug hierzulande größere Wellen als Hunderte ähnliche Klagen gegen türkische Künstler oder Inhaftierungen türkischer Wissenschaftler. Hat es somit wenigstens den Fokus der Öffentlichkeit auf eine oft übersehene Seite der Türkei gerichtet? Dr. Oliver Ernst: In der aktuellen Diskussion hierzulande wird oft vernachlässigt, wie lang und einflussreich die Tradition politischer Satire in der Türkei ist. Erdogan und die türkische Politik werden auch dort sehr scharf kritisiert. Türkische Satirezeitungen beispielsweise sind populär und weit verbreitet und nutzen ihre kreativen, journalistischen Spielräume trotz des Drucks gegen Medien weit aus. Lotet Erdogan mit seinen Attacken gegen Künstler im Westen – etwa gegen solche, die vom Genozid an den Armeniern sprechen – aus, wie groß seine Macht gegenüber Europa ist? Dr. Ernst: Erdogan und die AKP-Regierung sehen sich hier ja auch einer lebendigen nationalen Debatte zu diesem Thema gegenüber: Die Vertreibungen und Ermordungen der im Osmanischen Reich lebenden Armenier vor 100 Jahren werden seit etwa zehn Jahren auch in der Türkei sehr kontrovers diskutiert. Es gibt in der Türkischen Nationalversammlung sogar armenischstämmige Abgeordnete, die das Thema offen ansprechen und offensiv eine Aufarbeitung fordern. Diese ansatzweise gesellschaftliche Liberalisierungstendenz sorgt aber dafür, dass das einstige Tabu-Thema nicht nur intensiver diskutiert wird, sondern durch die öffentliche Debatte – insbesondere im nationalistischen Lager – die Emotionen stärker hochkochen. Schon vor zehn Jahren – im Jahr 2005 sorgte ein Bundestagsbeschluss zum Armenier-Thema für starke Verstimmungen zwischen Deutschland und der türkischen Regierung. Diese Situation droht sich zu wiederholen, weil der Bundestag am 2. Juni dazu erneut einen Beschluss fassen will. Die offizielle Türkei lehnt die Befassung nationaler Parlamente anderer Staaten mit dem Thema ab und möchte die Aufarbeitung der historischen Ereignisse grundsätzlich aus der politischen Diskussion heraushalten. Sind die Spionageprozesse gegen Regierungskritiker als politische Schauprozesse zu begreifen? Immerhin hatte das Verfassungsgericht die Festnahme etwa von Erdem Gül und Can Dündar als nicht rechtens eingestuft. Dr. Ernst: Hier muss man vorausschicken, dass es schon nach der Erstürmung des türkischen Generalkonsulats im irakischen Mossul und der damaligen Geiselnahme von über 40 Konsulatsangehörigen durch den IS im Juni 2014 eine Nachrichtensperre gab und die Medienberichterstattung seitdem in der Türkei immer schwerer geworden ist. Auf der anderen Seite ist aber auch die Verletzbarkeit der Türkei durch Terroristen gerade im Kontext der Syrienkrise weiter extrem angestiegen, was die in jüngster Zeit mutmaßlich vom IS ausgeübten Anschläge deutlich gemacht haben – die schwersten Attentate in der Geschichte der Türkei. Der Konflikt zwischen der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet und der Regierung ist zudem ein sehr grundsätzlicher. Er geht weit über den verhandelten Fall des Berichts über vermeintliche türkische Waffenlieferungen an dschihadistische Milizen in Syrien hinaus. Es ist ein Konflikt über den Umgang mit der Krise in Syrien generell, mit dem Regime Assad und mit den sunnitischen Milizen. Die türkische Gesellschaft ist in der Haltung zum Syrienkrieg und zum Assadregime zutiefst gespalten: Eine Hälfte unterstützt die mit allen Mitteln den Sturz Assads anstrebende Politik der AKP, die andere steht in sehr starker Opposition hierzu. Dient der vorübergehende Entzug der Immunität von dutzenden Abgeordneten der Ausgrenzung der kurdischen HDP und der Erlangung einer Zweidrittelmehrheit im Parlament, um den Weg in eine andere Republik beschreiten zu können? Dr. Ernst: Zumindest teilweise ist dies so. Politisch noch wichtiger ist aber wohl der Aspekt, dass die HDP aus Sicht der Regierung eine sehr große Affinität zur PKK aufweist und den Terror als „Befreiungskampf“ glorifiziert. Sie wird daher schon lange von der AKP als parlamentarisches Sprachrohr der terroristischen PKK diffamiert. Das sind sehr schwerwiegende Vorwürfe, da die Türkei seit nun fast einem Jahr wieder Krieg gegen die PKK führt. Deshalb ist das harte Vorgehen gegen die HDP eher unter den Anti-Terror-Kampf einzuordnen als unter die Bestrebungen, eine Präsidialdemokratie zu installieren. Ankara stand kurz vor der ersehnten Visafreiheit. Wird diese nun auf dem Altar der Terrorbekämpfung geopfert? Dr. Ernst: Nach derzeitiger Rechtslage wird journalistische oder politische Arbeit oft als Unterstützung des PKK-Terrors geahndet – daher hat die EU die Änderung des Anti-Terror-Gesetzes zu einer wichtigen Voraussetzung für die Visabefreiung gemacht. Hiergegen wehrt sich Erdogan und die türkische Regierung nun vehement, obwohl man diesem, wie auch den 71 anderen Bedingungen zuvor zugestimmt hatte. Dieser Kontext besteht schon seit längerer Zeit: Der Krieg gegen den Terror im Südosten der Türkei hat zu erheblichen Vertreibungen beigetragen. Schon jetzt leben in Deutschland 900 000 Kurden aus der Türkei. Aus europäischer Perspektive ist daher eine Rückkehr zum Friedensprozess immens wichtig. Ich glaube aber nicht, dass die Verhandlungen zur Visafreiheit auf Dauer ad acta gelegt werden. Kaum noch zu halten ist lediglich der Juni-Termin. Wird sich die kurdische Fluchtbewegung steigern, falls es nicht gelingt den Krieg einzudämmen? Dr. Ernst: Die PKK führt ihren bewaffneten Kampf seit 1984. Seitdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass mit der Schneeschmelze in den südostanatolischen Bergen die Kampfhandlungen massiv zunehmen. So ist es auch jetzt, verschärft dadurch, dass die PKK in den syrischen Kurdengebieten neue Rückzugsräume gewonnen hat. Der PKK-Terror und der Krieg gegen die PKK werden die Flüchtlingsströme anschwellen lassen. Bereits jetzt sind die Asylbewerberzahlen aus der Türkei sehr hoch. Und sie könnten weiter ansteigen – mit allen negativen Konsequenzen für das Verhältnis von EU und Türkei. Wollte Davutoglu den Weg in die Präsidialdemokratie nicht mitgehen? Dr. Ernst: Davutoglu war nicht nur als Ministerpräsident zu stark geworden, er gilt auch als Gegner eines derartigen Systemwechsels. Das schlechte Abschneiden der AKP bei den Wahlen im Juni 2015 war auch damit erklärt worden, dass Erdogan im Wahlkampf die Präsidialdemokratie zum Hauptthema gemacht hatte. Bei den Neuwahlen im November hatte Davutoglu hierauf verzichtet und die AKP hatte daraufhin erheblich zugelegt. Wird Erdogan eine Art dynastische Lösung anstreben, indem er seinen Schwiegersohn zum Premier macht? Dr. Ernst: Sein Schwiegersohn, Energieminister Berat Albayrak, ist in der AKP äußerst beliebt. Im aktuellen Bewerberfeld dürfte er auf dem Sonderparteitag am 22. Juni die besten Chancen haben. Hat sich Europa mit dem Flüchtlingspakt in die Hand Erdogans begeben und somit keine Handhabe mehr, gegen den Abbau demokratischer Rechte zu protestieren? Dr. Ernst: Wie die aktuelle Diskussion um Visafreiheit und Terrorbekämpfung zeigt, werden die Europäer nicht aufhören, die innere Entwicklung der Türkei kritisch zu begleiten. Aber der Syrien-Konflikt ist sehr viel stärker mit der Flüchtlingsbewegung verknüpft als die innenpolitische Entwicklung der Türkei. In dem Land haben 2,7 Millionen Syrer Zuflucht gefunden. Europa und die Türkei müssen in jedem Fall noch stärker bei der Lösung der Krise zusammen arbeiten. Würde Europa mehr Einfluss haben, wenn es die Türkei zu einem echten Beitrittskandidaten erhebt, weil es dann auch freiheitliche Standards vorgeben könnte? Dr. Ernst: Bei der Erfüllung der Kopenhagener Kriterien, die zu den wichtigsten Beitrittsvoraussetzungen zählen, zu denen sich Ankara ja auch bekannt hat, geht es auch um die Abgabe von Souveränitätsrechten. Ich bezweifle jedoch, dass angesichts der aktuell sehr konfrontativen Situation eine Chance besteht, mit Ankara über diese Herausforderungen zu verhandeln. Die Türkei sieht sich durch den Syrien-Krieg und den Krieg gegen die PKK in einer Bedrängnis, die ihre Energien nahezu komplett fordert. Der EU-Beitritt ist daher in der Türkei fast zum Neben-Schauplatz geworden. Schaffen wir es nicht, die Türkei bei den sicherheitspolitischen und außenpolitischen Krisen zu stützen, dann würde das die negativen Trends in der innenpolitischen Entwicklung der Türkei noch verstärken. Der Westen muss – bildlich gesprochen – ein Stück des Weges in den Schuhen der Türken gehen, um zu spüren, auf welch heißen Kohlen Ankara tatsächlich wandelt. Die Europäer haben davon bisher nur eine schwache Ahnung. Das Interview führte Joachim Zießler

Islamic Banking
Türkei: Islamische „Mega-Bank“ mit Sitz in Istanbul geplant

  Vizepremier Simsek: Türkei gründet islamische ‚Megabank‘ Ankara (nex) – Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Mehmet Simsek teilte am Mittwoch mit, dass die Türkei noch in diesem Jahr eine islamische ‚Megabank‘ gründen werde. „Wir stehen in Kontakt mit der Islamic Development Bank, um eine Megabank in der Türkei zu gründen. Indonesien hat ebenfalls angefragt“, erzählte Simsek in einer Ansprache auf einer Finanzkonferenz in Istanbul. Er fügte hinzu, dass Indonesien, die Türkei und die in Saudi-Arabien ansässige Islamic Development Bank während eines Aufenthalts in Washington im April dieses Jahres die Bildung von entsprechenden Fachkomitees beschlossen hätten. „Die Türkei wird eine islamische Megabank gründen, die dieser Region der Welt dienen wird“, meinte der Finanzminister. „Auch Indonesien wird eine solche Bank haben. Es werden entweder spezialisierte oder gebietsorientierte Banken sein.“ Er fügte hinzu, dass die Bank ihren Hauptsitz in Istanbul haben werde. Simsek, der nach seiner Rede mit Journalisten zusammenkam, erklärte, dass das Finanzministerium und aller Voraussicht nach auch die Islamic Development Bank Partner der Bank sein würden. Die Regierung hat sich schon seit Langem zum Ziel gesetzt, Istanbul in ein Finanzzentrum zu verwandeln. In seiner Rede wies Simsek darauf hin, dass das Islamic Finance, also das islam- und schariakonforme Finanzwesen, von zentraler Bedeutung sei. Islamic Finance beinhaltet zinsfreie Transaktionen im Einklang mit den Gesetzen des islamischen Rechts, der Scharia. „Islamic Finance hat das Potenzial für Wachstum, aber wir müssen dieses Potenzial mobilisieren“, betonte Simsek und rief islamische Banken auf, ihren Kunden mehr Produkte anzubieten. Es gibt aktuell sechs in der Türkei operierende islamische Banken: Albaraka Türk, Bank Asya, Kuveyt Türk, Türkiye Finans, Ziraat Bank und VakifBank. Staatliche Banken wie Ziraat und Vakif haben erst vor Kurzem islamkonforme Angebote in ihr Sortiment aufgenommen. Es wird damit gerechnet, dass Halkbank, eine weitere staatliche konventionelle Bank, ihre eigene islamkonformen Operationen starten wird. Islamic Banking nimmt fünf Prozent des gesamten Bankensystems in der Türkei ein. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2023 auf 15 Prozent zu erhöhen. Landesweit sind mindestens 16 000 Menschen in etwa 1100 Branchen des Islamic Finance beschäftigt. Unterdessen forderte der Entwicklungsminister Cevdet Yilmaz, dass das Islamic Finance beschleunigt expandieren sollte. Während einer Tagung zur nachhaltigen Entwicklung, die am gestrigen Mittwoch in Istanbul stattfand, erklärte Yilmaz, dass das Islamic Finance-Kapital in der Türkei einen Wert von 40 Milliarden US-Dollar erreicht habe. „Auf globaler Ebene hat das aktuelle Islamic Finance-Kapital einen Wert von rund zwei Billionen US-Dollar. 2020 soll das Volumen auf vier Billionen US-Dollar steigen. Es gibt in naher Zukunft reelle Entwicklungschancen“, fügte Yilmaz hinzu.

Islamophobie
Britische Polizei entschuldigt sich für „Allahu Akbar“-Ruf

Manchester (nex) – Die Polizei von Manchester hat zugegeben, dass der ‚Allahu akbar‘-Ruf während eines gestellten Selbstmordanschlags im Rahmen einer Anti-Terror-Übung Teil des Skripts gewesen sei. Nach einem Bericht der britischen Tageszeitung „The Guardian“ am heutigen Mittwoch habe die Polizei zugegeben, dass es vorher geplant gewesen sei, den Darsteller des Selbstmordattentäters den Satz, der im Arabischen „Gott ist groß“ bedeutet und in Gebeten verwendet wird, sprechen zu lassen. Es sei also keine Improvisation vonseiten des Darstellers gewesen. Die Übung wurde am gestrigen Dienstagvormittag in Trafford Centre, dem größten Einkaufszentrum Manhattans, durchgeführt. Teilnehmer waren die Polizei, Sondereinsatzkräfte, Krankenwagenteams und etwa 800 anwesende Personen. Der Zwischenfall rief bei Menschenrechtsorganisationen und in der muslimischen Gemeinde Empörung hervor, da solche Aktionen Muslime stigmatisierten und den Islam mit Terror in Verbindung brächten. Am Dienstagnachmittag entschuldigte sich die Polizei von Manchester. Sie sehe ein, dass es inakzeptabel sei, diese religiöse Phrase unmittelbar vor dem gestellten Selbstmordanschlag zu benutzen, wodurch die Übung direkt mit dem Islam in Verbindung gebracht worden sei. In dem Statement heißt es unter anderem: „Wir sehen unseren Fehler ein und entschuldigen uns für das Ärgernis, das der Zwischenfall hervorgerufen hat.“

Kampf gegen den Terror
Istanbul: Autobombe explodiert in der Nähe von Kaserne – acht Verletzte

Istanbul (nex) – Eine Autobombe explodierte am heutigen Donnerstag im Distrikt Sancaktepe in der Nähe einer Kaserne, als ein Fahrzeug, das Militärpersonal beförderte, an dem Auto vorbeifuhr. Mindestens acht Personen wurden dabei verletzt. Die Explosion ereignete sich in der Nähe der militärischen Garnison in Sancaktepe, als der Feierabendverkehr begann. Der Gouverneur von Istanbul, Vasip Sahin, teilte mit, dass fünf Soldaten und drei Zivilisten verletzt worden seien, als ein abgestelltes Fahrzeug in dem Moment explodierte, als ein Armeebus mit Militärpersonal die Kaserne in dem Stadtviertel Samandira verließ. Eine Zivilistin befinde sich in kritischem Zustand, die anderen Opfer seien leicht verletzt, so Sahin weiter. Die türkischen Streitkräfte teilten in einem Statement mit, dass die Explosion gegen 16.40 Uhr (Ortszeit) stattfand und dabei zwei Militärangehörige leicht verletzt wurden, während weitere vier Personen und der Fahrer des Militärbusses vorsorglich ambulant behandelt wurden. Erste Ermittlungen ergaben, dass die Bombe per Fernzündung zum Explodieren gebracht wurde.

Genozid an Krimtataren
Ukraine: Völkermord an Krimtataren soll anerkannt werden

Kiew (nex) – Das ukrainische Parlament hat am gestrigen Mittwoch die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, die gewaltsame Deportation der Krimtataren im Jahre 1944 durch die Sowjetunion als einen ‚Genozid‘ anzuerkennen. Außerdem gab das Parlament dem Antrag zum Aufruf der Vereinten Nationen, des Europäischen Parlaments und weiterer internationaler Organisationen zur Verurteilung der Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Tataren auf der Krim statt, die von der Russischen Föderation besetzt worden ist.
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Refat Tschubarow, der Präsident des Medschlis, der Versammlung der Krimtataren, teilte dem Parlament ihre Dankbarkeit gegenüber den Ländern, die die „systematische Unterdrückung“ der Krimtataren und die Urteile russischer Gerichte, die auf den Medschlis abzielten, verurteilt hätten. Russland annektierte im März 2014 die Halbinsel. Seitdem erleidet die tatarische Minderheit in der Region Unterdrückung einschließlich willkürlicher Festnahmen und Verhaftungen. Der Medschlis wurde im vergangenen April vom Obersten Gerichtshof der Krim als eine „extremistische Organisation“ eingestuft, nachdem im Februar ein Antrag auf Strafverfolgung gestellt worden war.
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Das ukrainische wie auch das türkische Außenministerium bezeichneten diesen Schritt als einen „Verstoß gegen die Menschenrechte“ und als Teil einer fortgesetzten Kampagne der „Einschüchterung und Unterdrückung“. Am 18. Mai 1944 ließ Josef Stalin Zehntausende Krimtataren nach Zentralasien deportieren. Sie wurden vom Sowjetregime der Kollaboration mit der nationalsozialistischen Besatzungsmacht beschuldigt. Etwa 180 000 Menschen wurden in verschiedene Regionen auf sowjetischem Territorium, vor allem nach Sibirien und Usbekistan, deportiert. Es wird davon ausgegangen, dass die Hälfte der Vertriebenen, die monatelang unter katastrophalen Bedingungen leben mussten, durch Hunger oder Krankheit starben. Das 30-jährige  Exil dauerte bis zum Jahr 1987 an. Damals erlaubte die sowjetische Regierung 2 300 Krimtataren, in ihre Heimat zurückzukehren. Weitere 19 300 Menschen durften ihnen im Jahr 1988 folgen.