Vereitelter Putschversuch
Türkei: Kleidungsstücke in Auspuffen brachten Putsch-Panzer zum Stehen

Istanbul (nex) – Seit dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei werden immer mehr Heldengeschichten aus jener Nacht bekannt wie folgende, die besonders interessant ist: Es geht um Anti-Putsch-Demonstranten, die, wie sie erzählen, ihre Kleidungsstücke in die Auspuffe der Panzer stopften und diese so daran hinderten, zum Flughafen Istanbul Atatürk zu gelangen. Danyal Simsek, Koch in einem Istanbuler Restaurant, und der Restaurantbesitzer Mehmet Sükrü Kintas berichteten am vergangenen Donnerstag der Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul, dass sie auf diese Weise etwa zehn Panzer gestoppt hätten. Das Duo errichtete mit ihren Autos zunächst eine Barrikade, um die Panzer zum Stehen zu bringen und stopfte anschließend Kleidungsstücke in die Auspuffe. Andere Zivilisten brachten viele Soldaten, die sich in den Panzern befanden und diese schließlich wegen der sich im Innenraum sammelnden Abgase verlassen mussten, zur Polizei. Kintas fügte hinzu, dass die Soldaten auf dem Weg zum Flughafen gewesen seien. „Wie können wir diese Panzer stoppen?“, habe er seinen Chef gefragt. Die Lösung kam von einem Mechaniker in der Nähe: „Wenn ihr die Auspuffe zustopft, kommen die Panzer nicht mehr weiter.“ Kintas erzählt weiter: „Wir zogen unsere Kleidung aus. Jeder gab uns von seinen Kleidungsstücken ab. Wir steckten sie in die Auspuffe rein und bedeckten den oberen Teil des Filters. Da mussten die Panzer in zwei bis drei Minuten anhalten.“ Der Restaurantbesitzer sagt, dass Sicherheitskräfte in seinen zwölf Restaurants in Istanbul kostenlos essen dürften. „Die Militärangehörigen und Polizisten, die sich gegen den Putsch stellten, können jedes meiner Restaurants besuchen und so viel essen, wie sie wollen. Unsere Geschwister haben die Rechnung dafür am 15. und 16. Juli bereits beglichen.“ Kintas erzählt, dass ein einziger Panzer es zum Flughafen Atatürk geschafft habe. Über die Menschen, die den Putsch niedergeschlagen haben, sagt er: „Möge Gott sie alle segnen. Es gab ihrer Hunderte – wir waren nur zwei von ihnen.“ Die türkische Regierung hat erklärt, dass der Putschversuch von Anhängern des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen organisiert worden sei. Gülen wird vorgeworfen, durch die Gründung eines Parallelstaates seit Jahren für den Sturz der Regierung mithilfe seiner Unterstützer zu kämpfen, die den türkischen Staat vor allem in den Bereichen Militär, Polizei und Justiz infiltriert hätten. Der tödliche Putschversuch begann am 15. Juli, als abtrünnige Elemente im türkischen Militär die demokratisch gewählte Regierung des Landes stürzen wollten. Mindestens 246 Menschen, darunter Sicherheitskräfte und Zivilisten, wurden während der Proteste gegen den vereitelten Putschversuch getötet und weitere 1.530 verletzt.  

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Türkei: Mit dem LKW gegen Putsch-Panzer

     

Auch Türken unter Opfern
Terror-Anschlag in München: Erdogan spricht Angehörigen der Opfer Beileid aus

  Erdogan äußerte seine Trauer über den unfassbaren Angriff, der auch türkische Opfer forderte. Izmir (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat gegenüber seinem deutschen Amtskollegen Joachim Gauck wegen des Terroranschlags in München, bei dem mindestens zehn Menschen ums Leben kamen, sein Beileid zum Ausdruck gebracht. Der Schütze, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, eröffnete in der Nähe eines Einkaufszentrums am gestrigen Freitagabend das Feuer. Dabei wurden mindestens neun Menschen getötet und etwa 30 verletzt. Später brachte der Schütze sich selbst um. In seiner Kondolenzbotschaft an Gauck vom gestrigen Samstag sagte Erdogan, dass er den unfassbaren Angriff aufs Schärfste verurteile. Er sei zutiefst erschüttert, so der türkische Präsident weiter, dass viele unschuldige Menschen, unter ihnen auch türkische Mitbürger, ihr Leben verloren oder verletzt wurden. „Die Türkei, die selbst seit vielen Jahren das Ziel zahlreicher Terroranschläge und Gewaltakte ist, teilt den Schmerz Deutschlands, wo viele unserer Staatsbürger leben“, fuhr Erdogan fort. „In meinem eigenen Namen und dem Namen meines Volkes spreche ich Ihnen, dem befreundeten deutschen Volk und den Familien der Opfer, die bei diesem bedauerlichen Ereignis ihr Leben verloren haben, mein tiefstes Beileid aus und wünsche allen Verletzten eine rasche Genesung.“

Gemeinsam gegen den Putsch
Türkei: Kurden solidarisieren sich mit Erdogan gegen Putschisten

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Izmir (nex/aa) – Seit dem 15. Juli, dem Beginn des vereitelten Putschversuchs der Gülenisten gegen die demokratisch gewählte Regierung der Türkei, als eine kleine Gruppe innerhalb des Militärs Panzer gegen Menschen auffuhr, das Parlament und andere Orte in der Türkei aus der Luft bombardierte, 246 Menschen tötete und über 1.500 verletzte, – seitdem gehen Millionen Menschen auf die Straße, um zu protestieren. Und auch in den südosttürkischen, vom Terror gebeutelten Provinzen der Türkei, wo kurdischstämmige Mitbürger die Mehrheit bilden, haben die Menschen all ihren Mut zusammengenommen und sind ebenfalls auf die Straße gegangen, um gegen den Putschversuch zu demonstrieren. Tausende Menschen aller Altersklassen nahmen vom ersten Augenblick des Putschversuchs an Tag und Nacht an Protestmärschen in Diyarbakir, Mardin, Sanliurfa, Gaziantep, Batman, Hakkari, Van und Agri, allesamt Provinzen im Südosten der Türkei, teil. Besonders das Video einer älteren Kurdin ging in den sozialen Medien viral: „Ich bin 74 Jahre alt. Ich bin seit drei Nächten hier, um das Recht zu schützen. Lang lebe unser Präsident Recep Tayyip Erdogan. Wir sind stolz auf dich!“ Auf einem anderen Video sind Hunderte Menschen in der Provinz Cizre zu sehen, die auf den Straßen gegen den Putschversuch des Militärs türkische Fahnen schwenken.  
     

Medienfreiheit
Türkei: Erdogan kritisiert einseitige Berichterstattung des Westens

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Ankara (nex) – Der türkische Staatspräsident kritisierte die einseitige Berichterstattung des Westens über den vereitelten Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei: „Wenn der Westen wirklich die Demokratie verteidigt, dann sollte er keine zweideutigen Botschaften voller Anspielungen senden. Wir werden alle Aufnahmen und Videos ihnen zukommen lassen. Ich hoffe, dass sie, wenn sie sich das angesehen haben, den gewählten Präsidenten und die rechtmäßige Regierung nicht mehr so einfach als Diktatoren werden bezeichnen können.“ Erdogan appellierte auch an die Investoren, um sie hinsichtlich der Zukunft der türkischen Wirtschaft zu beruhigen: „An alle Investoren: Setzen Sie ihre Investitionen nicht aus, sondern bleiben Sie mit Entschlossenheit dran. Wir als der Staat werden niemals unsere Investitionen in die Infra- und Suprastruktur aufgeben.“ Im Zuge des tödlich verlaufenen Putschversuchs am 15. Juli war das Parlamentsgebäude teilweise durch Bomben und Schüsse beschädigt worden.   Die türkische Regierung hat erklärt, dass der Putschversuch von Anhängern des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen organisiert worden sei. Gülen wird vorgeworfen, durch die Gründung eines Parallelstaates seit Jahren für den Sturz der Regierung mithilfe seiner Unterstützer zu kämpfen, die den türkischen Staat vor allem in den Bereichen Militär, Polizei und Justiz infiltriert hätten. Der tödliche Putschversuch begann am 15. Juli, als abtrünnige Elemente im türkischen Militär die demokratisch gewählte Regierung des Landes stürzen wollten. Mindestens 246 Menschen, darunter Sicherheitskräfte und Zivilisten, wurden während der Proteste gegen den vereitelten Putschversuch getötet und weitere 1.530 verletzt.  

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Jamal Karslı: “Die einseitige Berichterstattung über die Türkei ist sogar vielen meiner Freunde aufgefallen”

 

Medienfreiheit
Jamal Karslı: „Die einseitige Berichterstattung über die Türkei ist sogar vielen meiner Freunde aufgefallen“

Ein Kommentar von Jamal Karslı Liebe Leserinnen und Leser, können Sie sich Folgendes vorstellen? Die deutschen Kampfflugzeuge F16 der Luftwaffe zerstören Teile des Bundestages und des Bundeskanzleramtes. Und viele deutsche Soldaten fliegen mit den Hubschraubern der Luftwaffe zum Urlaubsort der Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit dem Auftrag sie zu verhaften oder zu töten. Andere Hubschrauber zerstören das Hauptquartier der deutschen Antiterroreinheit der Bundespolizei (GSG 9) in Bonn und töten etwa 50 Polizisten. Und gleichzeitig bombardieren andere Hubschrauber die Zentrale des deutschen Nachrichtendienstes in Berlin und beschießen das Innenministerium mit Raketen. Parallel dazu versucht die Bundeswehr, die Flughäfen Frankfurt, Berlin, München, Hamburg und Düsseldorf zu kontrollieren. Darüber hinaus unterstützen alle Mitglieder und Sympathisanten der Partei AfD einen Militärputsch in Deutschland. Und von mehreren benachbarten Ländern werden viele Terroristen nach Deutschland geschleust, um Terroranschläge in verschiedenen deutschen Städten zu verüben und die deutsche Wirtschaft zu destabilisieren. Die Rote Armee Fraktion (RAF) hat ihre Terroraktivitäten in Deutschland wieder aufgenommen und ihre Kommandozentrale in den Alpen an der deutsch-österreichischen Grenze eingerichtet und leitet von dort ihre Terroroperationen gegen den deutschen Staat. Viele Generäle der Bundeswehr haben einen gescheiterten Putschversuch unternommen, der hunderte von Menschenleben gekostet hat. Und die Bundesregierung ist sich sicher, dass dieser Putschversuch von mehreren internationalen Geheimdiensten unterstützt wurde. Können Sie sich das vorstellen?? Wenn all dies auf deutschem Boden geschehen wäre, würde es irgendjemand wagen, der Bundesregierung Menschenrechtsverletzungen vorzuwerfen, wenn sie auch Hunderttausende von Putschisten verhaftet hätte? Es ist sehr auffällig, wie viele westliche Länder nur dann ihre Ablehnung des Putschversuches offenlegten, als sie sicher waren, dass dieser gescheitert war. Ihre ersten Reaktionen waren halbherzig. Sie erkundigten sich nicht mal nach den Opfern, sondern ermahnten und warnten die türkische Regierung bezüglich ihres Umgangs mit den Putschisten. Hat jemand die USA gewarnt, wie sie mit Guantanamo-Häftlingen umgehen sollten? Bis heute haben die USA keine unwiderlegbaren Beweise vorlegen können, die die Jahre lange Verhaftung von vielen Menschen rechtfertigen können, ganz zu schweigen davon, dass diese Menschen nicht verurteilt werden konnten wegen fehlender Beweise, aus welchem Grund sie am Ende freigelassen wurden. Hat irgendeiner Staat überlegt, seine wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA zu beenden, weil in den meisten Staaten der USA die Todesstrafe existiert? Hat irgendjemand die belgischen, französisch oder britischen Behörden nach jedem Terroranschlag in Bezug auf ihren Umgang mit den Terroristen gewarnt ? Nach dem Putsch vom 12. September 1980 in der Türkei wurden etwa 650.000 Menschen verhaftet; unter ihnen waren etwa 50.000 Kurden. Es wurde 517 Mal die Todesstrafe ausgesprochen, es wurden 30.000 Menschen von ihrer Arbeit suspendiert, 14.000 Menschen ausgebürgert, 30.000 des Landes verwiesen, viele hunderte Menschen sind unter mysteriösen Umständen verschwunden, viele Journalisten wurden verhaftet und mehr als 900 Filme verboten. Warum wurden die Putschisten damals nicht ermahnt? Leider ist es bewiesen, dass die CIA an den letzten drei Militärputschen in der Türkei beteiligt war und es ist sehr gut möglich, dass sie auch bei diesem gescheiterten Putsch ihre Finger im Spiel hat. Es ist zu bedauern, dass die demokratischen Länder die Putschisten unterstützen, die frei gewählten Parlamente und Regierungen zu beseitigen. Ich frage mich, wo die Glaubwürdigkeit der demokratischen Länder bleibt, die behaupten, dass sie für die Demokratie in der Welt eintreten würden. Das Verhalten der westlichen Welt den Putschisten gegenüber, wie zum Beispiel in Algerien, Ägypten und jetzt auch in der Türkei, zeugt von einer eindeutigen Doppelmoral. Es wird immer noch mit den weniger entwickelten Ländern so umgegangen, als gehöre die Ära der Kolonialzeit nicht zu Geschichte. Den westlichen Ländern fällt es immer noch außerordentlich schwer, ihre Bevormundungsmanieren zu unterdrücken. Die Berichterstattung über die Türkei in den meisten deutschen Medien ist einseitig und gegen die türkische Regierung gerichtet und sie konzentriert sich so sehr auf die Person des türkischen Präsidenten, dass man den Eindruck bekommt, als gäbe es in der Türkei nur den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und keine anderen Staatsapparate, Organisationen oder Institutionen. Die Absicht dahinter ist, die Person Erdogans angreifbar zu machen, um ihn leichter verleumden und dämonisieren zu können. Die Verleumdungskampagne gegen den Präsidenten Erdogan läuft nicht seit dem 15. Juli, dem Tag, an welchem der Putschversuch in der Türkei gescheitert ist, sondern seit Jahren. Diese Kampagne wird umso heftiger, je näher eine Wahl in der Türkei rückt. Jeder Beobachter bekommt den Eindruck, als würden die Wahlen in Deutschland stattfinden und nicht in der Türkei und als wären manche Medienorgane in Deutschland damit beauftragt, die Gegner der türkischen Regierung zu unterstützen. Die einseitige Berichterstattung über die Ereignisse in der Türkei ist sogar vielen meiner Freunde aufgefallen, die nicht mit der aktuellen türkischen Politik einverstanden sind. Was mich jedes Mal erheitert, sind die EU-Drohgebärden, die gegenüber der Türkei gebetsmühlenartig wiederholt werden, dass man die laufenden Eintrittsverhandlungen der Türkei in die EU in Brüssel beenden will, wenn die Türkei dies oder jenes machen oder nicht machen würde. Die Türkei ist seit 1952 NATO-Mitglied und hatte im Jahr 1963 einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt, der allerdings bis 2005 auf Eis gelegt worden war. Seitdem wird immer noch über die Beitrittsbedingungen der Türkei verhandelt, obwohl inzwischen die Zahl der EU-Staaten sehr erweitert wurde und mehrere neue Mitglieder aufgenommen wurden, die zum Anti-NATO-Pakt gehörten – nämlich Warschauer Pakt – und weniger entwickelt sind als die Türkei. Hier scheint es, als ob die EU ein „christlicher Club“ bleiben müsse und kein muslimisches Land EU-Mitglied werden dürfe. Das zuletzt in Großbritannien stattgefundene Referendum zeigt, dass dieser „Club“ auch eine Belastung für seine eignen Mitglieder geworden ist und deshalb manche ihn so schnell wie möglich verlassen wollen. Die westlichen Länder sollten endlich mit den Kolonialmanieren und mit der Bevormundungspolitik aufhören. Sie sollten die jungen Demokratien in der Welt unterstützen und nicht die Militärdiktaturen. Ansonsten bekommt man den Eindruck, als ob die Demokratie in diesen Ländern ein Hindernis für deren Ausbeutung darstellt und dass deshalb Militärdiktaturen bevorzugt werden. Der Wille der jeweiligen Völker muss akzeptiert werden, weil sie auch letztendlich unbesiegbar ist. Jamal Karsli / Landtagsabgeordneter NRW, a. D  

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Türkisch-russische Beziehungen
Moskau: Medwedew unterzeichnet Verordnung zur Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei

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Moskau (nex) – Der Premierminister der Russischen Föderation, Dmitri Medwedew, hat am Samstag ein Dekret unterzeichnet, in dem die Fortsetzung der handelsbezogenen und wirtschaftlichen Kooperation mit der Türkei auf eine neue Basis gestellt wird. Dies gilt als weiteres Zeichen des Tauwetters zwischen den beiden Ländern. Das Dekret soll bis zum Jahr 2019 gemeinsam mit der türkischen Regierung umgesetzt werden. Dies teilt die Pressestelle der russischen Regierung mit. Außerdem sollen die Gespräche zur Bildung eines gemeinsamen Fonds für die Finanzierung von Investitionsprojekten in beiden Ländern zeitnah wiederaufgenommen werden. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges an der syrischen Grenze durch die türkische Luftwaffe im November des Vorjahres hatten sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern massiv verschlechtert. Am 29. Juni entschuldigte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei seinem russischen Amtskollegen Vladimir Putin brieflich und wenig später auch noch telefonisch für den Vorfall. Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass der für den Abschuss verantwortliche Pilot der türkischen Luftwaffe eigenmächtig gehandelt haben könnte, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu sabotieren. Der Pilot wurde als mutmaßlicher Beteiligter des Putschversuches von vor einer Woche festgenommen. Er soll der „Fethullistischen Terrororganisation/Parallelstaatsstruktur“ (FETÖ/PDY) des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen angehören. Der Terror-Mullah, der über Jahrzehnte hinweg gezielt auf die Unterwanderung des Staates durch seine Anhänger hingewirkt haben soll, gilt als Drahtzieher des versuchten Staatsstreichs. Am 30. Juni hob Putin infolge des Telefongesprächs mit Erdoğan auch das zuvor verhängte Embargo für touristische Flüge auf. Am 1. Juli trafen die Außenminister beider Länder in Sotschi zusammen und bereiteten weitere Schritte in Richtung Normalisierung vor. Am 15. Juni soll die russische Armee den türkischen Geheimdienst vor einem möglichen Putschversuch gewarnt haben, nachdem russische Soldaten verdächtige Konversationen im Funkverkehr aufgeschnappt hatten. Präsident Putin stellte sich auf die Seite der gewählten Regierung und sprach den Opfern des Putschversuchs sein Beileid aus, den Erdoğan als den „widerwärtigsten in der modernen türkischen Geschichte“ bezeichnete. Seit 22. Juli sind auch die Einschränkungen im Flugverkehr wieder aufgehoben, die von Russland in Anbetracht des Putschversuchs in Kraft gesetzt worden waren. Türkische Offizielle hatten ihren russischen Kollegen zuvor versichert, dass zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden seien, so die russische Luftfahrtbehörde.  

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Berlin
CDA-Chef fordert Versicherungszwang für Selbstständige

Düsseldorf (ots) – Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügel, Karl-Josef Laumann, hat eine um 1,9 Milliarden Euro pro Jahr höhere Ausstattung der Erwerbsminderungsrente gefordert. „Das Erwerbsminderungsrisiko muss dringend besser gesetzlich abgesichert werden“, sagte Laumann der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Wer erwerbsgemindert in Rente gehe, dem müssten die Abschläge erspart bleiben. „Das würde 1,9 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Diese Maßnahme sollten wir bei der nächsten Rentenreform ganz oben auf die Agenda setzen.“ Der CDA-Chef betonte auch, wenn es Akzeptanz für die Rente mit 67 geben soll, müssten die Menschen im System versorgt werden, die wirklich nicht mehr arbeiten könnten. Aktuell leben rund eine Million Menschen über 65 Jahren in Grundsicherung. 500.000 von ihnen sind erwerbsgemindert. Zur Vorbeugung gegen Altersarmut forderte Laumann zudem eine verpflichtende Betriebsrente für Arbeitnehmer. Sie sei als zusätzliche private Altersvorsorge das „sinnvollere Modell“ im Vergleich zur Riesterrente, sagte Laumann. „Die Betriebsrente muss in Deutschland verpflichtend werden. Allein durch staatliche Anreize wird es nicht gelingen, dass diejenigen, die wirklich eine Zusatzversorgung brauchen, auch eine Betriebsrente abschließen“, betonte der CDU-Politiker. Zudem sprach er sich für „einen Versicherungszwang für Selbstständige“ aus. Es könne nicht sein, dass der Staat jeden Arbeiter mit rund 1000 Euro im Monat zwinge, fürs Alter vorzusorgen, während die Selbstständigen nichts tun müssten. „Ein Selbstständiger kann nicht darauf setzen, dass er sein Geld verbraucht und später der Steuerzahler einspringt.

"Menschen entfremdet von sich selbst"
60 Jahre TelefonSeelorge: Ökumenischer Gottesdienst und Festakt in Aachen

Hannover (ekd) – Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Aachener Dom und einem Festakt im Krönungssaal des Rathauses haben die evangelische und katholische Kirche heute das 60-jährige Jubiläum der TelefonSeelsorge in Deutschland begangen. Die Erinnerung an die Gründung der TelefonSeelsorge stand im Zeichen der brutalen Gewalt am Vorabend in der Münchner Innenstadt. Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz fragte zum Beginn des Gottesdienstes: „Wer könnte heute – nach all den Eilmeldungen dieser Woche, ohne auf die Ereignisse in Nizza, Orlando, Würzburg und München zu schauen – einen Gottesdienst beginnen? Die Welt scheint aus den Fugen geraten! Die Ängste und Unsicherheiten wachsen! Unsere Anteilnahme ist bei den Opfern und Angehörigen, die wir in besonderer Weise in diesen Gottesdienst mitnehmen. In der jetzigen Situation ist es umso notwendiger, dass wir ein Ohr haben für die Nöte und Ängste der Menschen, wie die TelefonSeelsorge es seit 60 Jahren anbietet.“ Die TelefonSeelsorge sei ein Netzwerk der Hoffnung, „dass sich in Deutschland und international verborgen und verlässlich, ökumenisch und verbunden mit vielen Menschen guten Willens gebildet hat. Ein Netzwerk, auf das niemand verzichten möchte, ein Netzwerk, das notwendiger ist denn je. Ein Netzwerk, das stärker ist als die Netzwerke von Terror, Hass und Gewalt.“ Bischof Bode erinnerte an jene Menschen, die in Gefangenschaft, Fremde und Entfremdung lebten: „Auch heute leben viele Menschen entfremdet von sich selbst, entfremdet von ihrer Umgebung oder eben neuerdings in immer größerer Zahl als Fremde aus anderen Ländern und Kulturen unter uns.“ Gott ermutige alle Menschen, sich einzulassen auf die Umgebung, „wach zu sein für alles, was positiv ist und weiterführt, aufzubauen und mitzugestalten, die Kräfte des Aufbruchs und Wachstums mehr zu entdecken als sich von den Abbrüchen und negativen Erfahrungen erdrücken zu lassen.“ Der Präsident der evangelischen Diakonie, Ulrich Lilie, hob in seiner Predigt beim Gottesdienst das Pauluswort „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Noch einmal sage ich: freuet euch“ hervor. Damit sei die Frage verbunden, was „Freude im Herrn“ heute in einer säkularen und multireligiösen Gesellschaft für manche bedeuten mag. „Die Bibel bringt die Stimmen der schon lange Verstummten in unsere flüchtige Gegenwart, in den Resonanzraum unserer Tage. Und gleichzeitig treten unser Denken und Empfinden ein in den Resonanzraum der Bibel. Was es da alles zu hören gibt! Herz und Horizont weiten sich für ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Gott – gestern und heute“, so Präsident Lilie. Der dem Jubiläum der TelefonSeelsorge vorangegangene internationale Kongress habe sich mit dem Thema Suizidprävention letztlich auch um das „Hören“ gedreht. „Viele unter Ihnen haben schon Gespräche mit lebensmüden Menschen geführt, nach deren Abschluss Sie nicht wissen konnten, was der Mann, die Frau als nächstes tun würde. Es sind Momente großer Hilflosigkeit, die Sie dann aushalten müssen. Wenn man Freude befehlen könnte, wie einfach wäre Ihre Arbeit!“ Jeder kenne Situationen, in denen der Einfluss, den man auf andere Menschen habe, eine Grenze finde. Präsident Lilie fügte hinzu: „Menschen sind die Ohren Gottes, wenn wir uns dem Leid der anderen nicht verschließen. Hier und heute in dieser Kirche in Aachen sitzen viele von ihnen. Männer und Frauen, die ihre Ohren, ihre Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, ihre Lebenserfahrung und ihre Professionalität den Menschen schenken, die nur noch eine Telefonnummer haben, die sie wählen können.“ Beim Festakt würdigte Ruth Belzner, Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge, den Einsatz im Ehren- und Hauptamt: „Es ist absolut beeindruckend für mich, diese bunte, lebendige Vielfalt von Telefonseelsorgern und Telefonseelsorgerinnen zu erleben, die sich miteinander verbunden fühlen durch den Dienst, den sie tun. Telefonseelsorge ist an ihrem 60. Geburtstag begeisternd jung!“ Der Vorsitzende der Katholischen Konferenz Telefonseelsorge, Michael Hillenkamp, sagte: „Zuhören heißt nicht immer zustimmen, aber es verlangt die Mühe, sich in die innere Welt des Fremden, des Anderen mitnehmen zu lassen. Das ist täglich die Leistung aller Telefonseelsorgerinnen und Telefonseelsorger.“  

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Weltweite Solidarität
Pakistan: Tausende demonstrieren Solidarität mit Türkei und Erdogan

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Tausende demonstrieren in Pakistan ihre Solidarität mit der Türkei Karachi (nex/aa) – Die Massenkundgebung ist nur eine der vielen Demonstrationen in Pakistan seit dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli, um die Entschlossenheit und das Engagement des türkischen Volkes zu preisen. Tausende versammelten sich am gestrigen Freitag in der pakistanischen Handelshauptstadt Karatschi, um ihre Solidarität mit dem türkischen Volk nach dem vereitelten Putschversuch zum Ausdruck zu bringen. Die von der Jamaat-e-Islami (JI), einer der größten islamischen Parteien des Landes in einer belebten Straße der Stadt organisierte Kundgebung war die letzte in einer ganzen Reihe von Demonstrationen im ganzen Land, um nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli die Entschlossenheit und das Engagement des türkischen Volkes und ihren Einsatz für die Demokratie zu preisen. Männer, Frauen und Kinder trugen Transparente mit Aufschriften wie „Gegrüßt sei das türkische Volk, das die hinterhältigen Ziele der US-Lobby vereitelt hat“, „Das pakistanische Volk steht an der Seite von Präsident Recep Tayyip Erdogan“, „Wir gratulieren dem türkischen Volk für den Schutz der Demokratie“ und taten in Sprechchören ihre Unterstützung für das türkische Volk und seine Führung kund. Viele hatten auch Portraits von Erdogan dabei. „Das türkische Volk hat ein Exempel statuiert – und zwar nicht nur für die islamische Welt –, indem es zeigte, dass es keinen Platz mehr für Militärputsche gibt“, erklärt Naeem-ur-Rahman, der JI-Chef von Karatschi. Rehman weist darauf hin, dass es die Einigkeit des türkischen Volkes war, die den Putschversuch einer kleinen Gruppe aus dem Militär scheitern ließ und fügt hinzu: „Das pakistanische Volk steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des türkischen Volkes. Wir hoffen inbrünstig, dass die Türkei unter der dynamischen Führung des Präsidenten Erdogan und des Ministerpräsidenten Yildirim weiter vorankommen wird.“ Der Politiker lobte auch das Militär, das sich auf die Seite der demokratisch gewählten Regierung des Landes stellte: „Die Rolle des türkischen Militärs, das die demokratische Regierung unterstützt und den Putschversuch einer kleinen Minderheit in seinen Reihen vereitelt hat, ist genauso anerkennenswert.“ Der Vorsitzende der Jamaat-e-Islami, Siraj ul Haq, brachte gegenüber dem türkischen Botschafter Sadik Babür Girgin in der Botschaft der Türkei zu Islamabad die Solidarität der Pakistaner und seiner Partei nach dem vereitelten Putschversuch zum Ausdruck. Der Senator lobte laut einem Statement den historischen Widerstand des türkischen Volkes und die Rolle der Sicherheitskräfte während des Putschversuchs. Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif hatte zuvor seine Anerkennung des historischen Widerstands des türkischen Volkes gegen den Putschversuch geäußert und zugesichert, dass sein Land hinter der demokratisch gewählten Regierung der Türkei stehe. Seit seiner Gründung im Jahre 1947 wurde Pakistan die Hälfte seiner Lebenszeit vom Militär regiert (1958 bis 1971, von 1977 bis 1988 und zuletzt von 1999 bis 2002).  

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Türkei nach dem Putschversuch
Deutscher Richterbund: „Milliardenhilfen für Türkei auf Eis legen“

Richterbund kritisiert lasche Haltung der Bundesregierung zur Türkei Osnabrück (ots) – Der Deutsche Richterbund (DRB) hält die Reaktionen der Bundesregierung und der EU auf den Rückbau des Rechtsstaates in der Türkei für zu zaghaft. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der Richterbunds-Vorsitzende Jens Gnisa: „Die Bundesregierung erweckt bislang nicht den Eindruck, dass sie sich mit letzter Konsequenz für den Erhalt des Rechtsstaates und einer unabhängigen Justiz in der Türkei einsetzen will.“ Die bisherigen politischen Reaktionen seien „eher lau“ ausgefallen. Gnisa dringt darauf, „die im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen vorgesehenen Milliardenhilfen für die Türkei schnellstmöglich auf Eis zu legen“. Zu prüfen sei zudem, inwieweit die bereits an die Türkei gezahlten, aber offensichtlich verfehlten Heranführungshilfen der EU für die vergangenen Jahre zurückgefordert werden könnten. „Die weltweite Empörung der Richterschaft und Ermahnungen aus der EU beeindrucken Erdogan offensichtlich nicht, die Politik muss jetzt entschiedener handeln“, fordert Gnisa. „Vielleicht führt ökonomischer Druck dazu, dass die Staatsführung in Ankara sich mäßigt und auf einen rechtsstaatlichen Weg zurückfindet.“  

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