Bildung
Ist E-Learning effektiver als traditionelles Lernen vor Ort?

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Die Welt wird immer digitaler. Wir können im Internet unzählige Dinge tun, wie zum Beispiel Filme oder Serien anschauen, Musik hören oder online Automatenspiele spielen. Außerdem können wir heute online auch lernen und uns gemütlich von zuhause aus weiterbilden. Der Bereich des E-Learnings wird immer wichtiger, und immer mehr Menschen nutzen die Vorteile des Internets zur Fortbildung. Es gibt Kurse zu einer riesigen Auswahl an Themen im Internet. Diese decken im Prinzip jeden Bereich ab, den man auch in einer Universität oder Abendschule lernen könnte. Zu den angebotenen Kursen von E-Learning zählen zum Beispiel Sprachen, Computerprogramme, Programmieren, Mathematik, Psychologie, Wirtschaft und vieles mehr. Die Frage, die sich viele dabei stellen, ist folgende: Ist E-Learning effektiver als traditionelles Lernen? Oder bietet es vielleicht auch Nachteile, wenn man keinen persönlichen Kontakt zu seinem Lehrer hat? Wir haben die Vor- und Nachteile von E-Learning gegenüber traditionellen Lernmethoden verglichen.
Vorteile von E-Learning
Digitales Lernen bietet sowohl für die Lehrer wie auch die Studenten zahlreiche Vorteile. Zuerst einmal ist es natürlich viel einfacher, zuhause den Computer anzuwerfen, als extra den Weg in die Schule oder Universität anzutreten. Doch es gibt noch viele andere Gründe, die für E-Learning sprechen. Einige davon haben wir für Sie herausgesucht:
  • E-Learning ist in der Regel billiger als traditionelle Kurse. Dies liegt vor allem daran, dass die Kosten für die Bereitstellung der Inhalte wesentlich günstiger sind als es beim traditionellen Lernen der Fall ist. Diese Kostenersparnisse werden für gewöhnlich an die Studenten weitergegeben. Zusätzlich sparen sich die Studenten die Kosten für den Weg zur Schule.
  • E-Learning kann ein größeres Publikum erreichen als traditionelles Lernen. Während traditionelle Klassen meisten nicht mehr als 30 oder 40 Studenten fassen, können beim E-Learning im Prinzip unendlich viele Schüler an den Kursen teilnehmen. Zumindest trifft dies zu, wenn der Lehrer keinen direkten Kontakt zu den Schülern haben muss, sondern seine Vorlesung einfach per Videoaufnahme liefern kann.
  • Gleichzeitig können beim E-Learning Studenten aus vielen Ländern an der gleichen Vorlesung teilnehmen. Dies macht digitales Lernen vor allem effektiv für Menschen, die an ihren Standorten sonst keinen Zugang zu vergleichbaren Lernmöglichkeiten hätten. Die einzige Voraussetzung beim E-Learning ist, dass die Studenten die gleiche Sprache sprechen wie der Lehrer.
  • E-Learning ermöglicht es den Lehrern, mehr Stoff in kürzerer Zeit zu vermitteln. Dies liegt daran, dass digitale Kurse in der Regel schneller ablaufen.
  • Beim digitalen Lernen können Fortschritte der Studenten leichter gemessen werden. Auch Prüfungen können im Internet oft leichter durchgeführt werden und sind für die Studenten einfacher abzulegen.
  • Die Schüler haben im Internet die Möglichkeit, die Kurse immer wieder anzusehen. Somit können sie sich besser mit dem Stoff vertraut machen und müssen sich nicht sorgen, dass sie während der Vorlesung etwas wichtiges verpassen.
Nachteile von E-Learning
Natürlich bietet E-Learning nicht nur Vorteile. Es gibt auch einige Dinge, die beim digitalen Lernen eher nachteilig sind. Einige der wichtigsten davon stellen wir nun vor.
  • Beim E-Learning haben Studenten oft keinen Kontakt zum Lehrer. Dies hat zum Beispiel zur Folge, dass die Studenten keine Fragen stellen können, wenn sie etwas von der Vorlesung nicht verstehen.
  • Digitales Lernen bietet Möglichkeiten zum Betrug. Da es sehr schwierig ist, die Stunden beim Ablegen der Prüfungen zuhause zu kontrollieren, bestehen für diese zahlreiche Möglichkeiten, zu betrügen. Zum Beispiel könnten sie eine zweite Person im Raum haben, die ihnen beim Beantworten der Fragen hilft.
  • Probleme mit der Internetverbindung können die Kurse schlechter machen. So kann es zu Verbindungsabbrüchen oder Verzögerungen führen, wodurch einige Studenten wichtige Informationen verpassen könnten. Schüler mit schlechten Verbindungen könnten sogar komplett die Möglichkeit verlieren, an den Kursen teilzunehmen.
  • Höhere Disziplin der Schüler erforderlich. Im Allgemeinen setzt E-Learning ein höheres Maß an Eigenverantwortung der Schüler voraus. Diese müssen sich zum Beispiel selbst organisieren, wenn es um die Teilnahme an den Kursen und die Beschaffung der Lerninhalte geht.
Wie effektiv ist E-Learning wirklich?
Nun, da wir einige der wichtigsten Vor- und Nachteile von E-Learning aufgeführt haben, wollen wir uns der eigentlichen Frage widmen: Ist E-Learning effektiver als traditionelles Lernen? Die Antwort kann pauschal nicht gegeben werden, denn sie hängt von vielen Faktoren ab. Im Allgemeinen kann jedoch gesagt werden, dass E-Learning für zahlreiche Menschen bessere Möglichkeiten zum Lernen bietet als traditionelle Methoden. Wer zum Beispiel in einem Land lebt, wo die Lernmöglichkeiten eingeschränkt sind, kann durch E-Learning unter Umständen an hochwertigeren und umfassenderen Kursen teilnehmen. Gleichzeitig ist E-Learning in den meisten Fällen billiger und die Teilnahme an den Kursen ist einfacher als beim traditionellen Lernen. Die Schüler haben die Möglichkeit, von zuhause aus an den Kursen teilzunehmen, was Zeit und Geld für den Weg zur Schule spart. Durch die Möglichkeit, die Kurse immer wieder anzusehen, können sich Schüler zudem besser mit den Inhalten vertraut machen. Diese Tatsache macht E-Learning um einiges effektiver für Menschen, die beim Ansehen eines Kurses nicht mitschreiben wollen oder sich nicht alles merken können.
Fazit
Es besteht kein Zweifel daran, dass E-Learning für viele Menschen Vorteile gegenüber dem traditionellen Lernen bietet. Auch wenn nicht jeder Mensch von den digitalen Lernformen profitiert, können diese für viele Studenten sehr attraktiv sein. Am Ende muss jeder Mensch selbst entscheiden, ob es lieber in einer traditionellen Einrichtung oder im Internet lernen will. So oder so wird das Angebot an digitalen Lernmöglichkeiten sicherlich immer weiter wachsen. Es ist sogar vorstellbar, dass der Großteil des Lernens irgendwann in digitaler Form stattfindet. Zum Beispiel könnten ganze Studiengänge von großen Universitäten ins Internet verlegt werden, um die Vorteile von E-Learning zu nutzen.  

Washington
USA verurteilen Vorwürfe der Türkei zum Putschversuch im Jahr 2016

Washington – Die USA haben die Vorwürfe der Türkei aufs Schärfste verurteilt. Das US-Außenministerium hat am Freitag Anschuldigungen des türkischen Innenministers Süleyman Soylu verurteilt, wonach die USA an der Orchestrierung des gescheiterten Putschversuchs gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2016 beteiligt waren. „Die Vereinigten Staaten haben sich nicht an dem Putschversuch 2016 in der Türkei beteiligt und haben ihn sofort verurteilt. Die jüngsten Äußerungen von hochrangigen türkischen Beamten, die das genaue Gegenteil behaupten, sind völlig unwahr“, so das US-Außenministerium in einer Stellungnahme. Die Erklärung betonte: „Diese unbegründeten und unverantwortlichen Erklärungen und andere Behauptungen über die Beteiligung der USA an den Ereignissen, die in der Türkei stattfanden, widersprechen der Position der Türkei als Mitglied der Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO) und als strategischer Partner der Vereinigten Staaten.“ Zuvor hatte Soylu behauptet: „Die Vereinigten Staaten haben den Putschversuch angeführt, den die (Fethullah) Gülen-Bewegung durchgeführt hat.“ Soylu fuhr fort: „Es ist ganz klar, dass die Vereinigten Staaten hinter dem Putschversuch vom 15. Juli stecken und dass die Gülen-Bewegung die Operation auf Anweisung durchgeführt hat.“ Die türkische Regierung beschuldigt den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen, für den Putschversuch am 15. Juli 2016 verantwortlich zu sein, im Zuge dessen die am Staatsstreich beteiligten Soldaten Panzer und Kampfjets unter ihre Kontrolle gebracht, das Parlamentsgebäude bombardiert und versucht haben, den türkischen Staatspräsidenten zu entführen oder zu töten.

248 Menschen kamen in der Putschnacht gewaltsam ums Leben, fast 2.200 wurden verletzt. Des Weiteren wird dem Prediger vorgeworfen, seit Jahren durch die Gründung eines Parallelstaates mithilfe seiner Unterstützer, die den türkischen Staat vor allem in den Bereichen Militär, Polizei und Justiz infiltriert hätten, für den Sturz der Regierung zu kämpfen.

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-Türkei –

Regierungs- und Oppositionsparteien fordern von USA Auslieferung Fethullah Gülens

Die Regierungs- und Oppositionsparteien in der Türkei haben am Freitag eine gemeinsame Erklärung abgegeben, in der sie die Auslieferung des Führers der sogenannten FETO aus den USA fordern.

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Geschichte
Kreta: Nach Osmanen-Eroberung wurden alle orthodoxen Kirchen wieder eröffnet

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge– kboelge@web.de

Anhand des vorliegenden Fallbeispiels soll aufgezeigt werden, wie und mit welchen Mitteln die Insel Kreta an Griechenland angeschlossen wurde. Die Mittelmeerinsel Kreta entwickelte sich schon sehr früh zum Handelszentrum der Levante. Nach der byzantinischen Herrschaft eroberten im Jahre 823 n. Chr. die Araber die Insel, bevor es im Jahre 961 wieder von den Byzantinern zurückerobert wurde.

Es folgte die Herrschaft der Genueser, die die Insel später an die Venezianer verkauften. Die Venezianer bauten eine streng katholische Herrschaft auf und verboten die griechisch-orthodoxe Kirche. Unter der autoritären Herrschaft der Venezianer litt die einheimische Bevölkerung. Die Anfänge der Besiedlung Kretas durch die Türken sind in den Jahren um 1341 zu suchen. Eine Zunahme der Besiedlung seitens der Türken erfolgte ab 1567.

Beginn osmanischer Herrschaft war nicht durch Feindschaft gekennzeichnet

Die Eroberung Kretas durch die Osmanen geschah in mehreren Abschnitten. Sie eroberten zunächst einige Regionen und im Jahre 1669 schließlich die gesamte Insel. Wie zuvor in Zypern wurde die Eroberung Kretas durch die Osmanen von der griechischen Bevölkerung mit Freude aufgenommen. Mit der Eroberung durch das Osmanische Reich wurde alle orthodoxen Kirchen wieder eröffnet.

Diese Politik der Toleranz stellte keine Ausnahme dar, sondern war gängige Praxis im Osmanischen Reich. Zur osmanischen Herrschaft in Zypern betont Gürbey: „Der Beginn der osmanischen Herrschaft ist nicht durch Feindschaft gekennzeichnet, sondern befreit die Bevölkerung von ihrer politischen Unterdrückung und religiösen Verfolgung durch die katholischen Feudalherren sowie von der abendländischen Form ökonomischer Ausbeutung, der Leibeigenschaft.“1

Zur orthodoxen Kirche im Osmanischen Reich konstatiert Roberts: „Das orthodoxe Christentum überlebte und die griechische Kirche war unter der osmanischen Herrschaft toleriert.“2

Wirtschaftlicher Aufschwung Kretas bis Ende des 18. Jahrhunderts

Die Bedeutung der Insel Kreta war wegen ihrer strategischen Lage in politischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht enorm. Dies war ein Grund, warum sich viele Handwerker und Kaufleute in Kreta niederließen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Insel einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Mit dem Erstarken des Nationalismus in Europa und der Destabilisierung im Osmanischen Reich zeichnete sich eine langsame wirtschaftliche Talfahrt ab. Im Zuge kam es zu Unruhen im ganzen Osmanischen Reich. Die Aufständischen wurden von ausländischen Mächten wie England, Frankreich und Russland unterstützt.

Zur politischen und militärischen Unterstützung aus Europa bemerkt McCarthy Folgendes: „Die bedeutsamste europäische Unterstützung für die Nationalisten war die militärische Unterstützung. Trotz der intellektuellen und wirtschaftlichen Ursachen für nationalen Separatismus ist es zweifelhaft, ob nationale Revolutionen so erfolgreich gewesen wären, wenn sie nicht die Unterstützung der europäischen Armeen gehabt hätten.“3

Mit Unterstützung des russischen Zaren wurden im Jahre 1796 die Untergrundorganisationen „Filiki Eterya“ und „Ethniki Eterya“ gegründet. Diese Organisationen hatten zum Ziel, die Megali-Idea zu verwirklichen, die die Vorstellung von einem größeren Griechenland unterstützte. 1821 begannen die Aufstände der Griechen mit Unterstützung der „philhellenisch gesinnten westlichen Welt“, bei denen zahlreiche Massaker an Türken verübt wurden.

Ein Beispiel hierfür ist das grauenvolle Massaker an der türkischen Bevölkerung (1821) in der Morea. Zu diesem Massaker und zum Bild der Türken in der westlichen Welt erklärt der britische Historiker Wheatcroft: „Die Türken waren verdammt als die Feinde der Menschlichkeit für ihre Behandlung der Griechen während des griechischen Unabhängigkeitskrieges (1821-9). Aber die 15.000 türkischen Männer, Frauen und Kinder, abgeschlachtet 1821 im südlichen Griechenland, wurden ignoriert: Der griechische Slogan ‘Nicht ein einziger Türke in der Morea soll übrigbleiben’, war eine Verordnung für den Völkermord.“4

Parallel zu den Massakern in der Morea, rief 1821 der Erzbischof der orthodoxen Kirche in Zypern, Kiprianos dazu auf, „alle Türken zu vernichten.“ Auch auf Kreta griffen griechische Banden die dort lebenden Türken an und ermordeten Tausende von ihnen. 1827 verloren die Osmanen die Seeschlacht bei Navarino (Südwestmorea) gegen die Flotten aus England, Frankreich und Russland.

Ein Jahr später erklärte Russland des Osmanischen Reich den Krieg und 1830 wurde das Londoner Protokoll unterzeichnet, bei dem Griechenland unter dem Schutz der westlichen Mächte die Unabhängigkeit zugesprochen bekam und auf Betreiben eben dieser Mächte wurde 1832 Bayernprinz Otto von Wittelsbach von der griechischen Nationalversammlung zum König gewählt.

Orthodoxe Kirche spielte bei Aufständen zentrale Rolle

Bei den Aufständen der Griechen spielte die orthodoxe Kirche eine zentrale Rolle. Bei einem weiteren Angriff griechischen Nationalisten 1866 auf die Kleinstadt Selino (Kreta) wurde alle Einwohner muslimischer Herkunft mit einer unglaublichen Brutalität getötet. Eine Reaktion zu diesen Massakern blieb seitens der westlichen Mächte aus. Die gut organisierten griechischen Propagandaorganisationen in Europa erklärten vor der Öffentlichkeit, dass ihre „christlichen Glaubensbrüder von den Türken umgebracht“ würden. Das damalige Osmanische Reich war überhäuft mit Problemen und war folglich auch zu schwach, um innere Reformen einleiten zu können. Sicherlich sind diese Faktoren nicht die einzigen, um eine genauere Erklärung für den Niedergang des Osmanischen Reiches zu finden.

Die Ereignisse in Kreta erinnern zwangsläufig an die Geschehnisse ab 1963 in Zypern, bei dem die Zyperngriechen mit Gewalt versucht haben, die Insel an Griechenland anzuschließen (Enosis). Einst hatte Kreta (1760) schätzungsweise 200.000 türkische und ca. 60.000 christliche Einwohner. Im Zuge der Massaker an den Türken wanderten viele aus und innerhalb von 40 Jahren schrumpfte ihre Zahl auf etwa 33.000. Die wenigen Türken, die im Jahre 1909 noch lebten, wanderten entweder aus, sofern sie dies noch konnten oder wurden umgebracht. Im gleichen Jahr wurde Kreta an Griechenland angeschlossen. Heute leben auf Kreta keine Türken mehr und keiner mag wohl anzweifeln, dass Kreta eine griechische Insel ist.


Dieser Gastbeitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

1 Vgl. Gürbey, Gülistan, Zypern – Genese eines Konflikts (1988), S. 13. 2 Vgl. Roberts, J.M., History of Europe (1996), S. 212. 3 Vgl. McCarhty, Justin, The Ottoman Turks, An Introduction History to 1923 (1997), S. 207. 4 Vgl. Wheatcroft, Andrew, The Ottomans Dissolving Images (1993), S. 165.


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Corona-Krise
Lockdown: FDP verlangt „konkrete Öffnungen ab 14. Februar“

Die FDP fordert rasche Perspektiven für die vom Lockdown betroffenen Unternehmen. „Ab 14. Februar muss es konkrete Öffnungen geben“, sagte der stellvertretende FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzende Michael Theurer der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung ahgz (dfv Mediengruppe) im Vorfeld der Bund-Länder-Beratungen am 10. Februar. „Die Zahlen lassen es zu. Daneben brauchen wir endlich eine Strategie für einen Öffnungsplan.“ Die FDP werde nicht kampflos zusehen, wie mittelständische Betriebe in den Ruin getrieben werden. „Die Branche leidet schwer. Die Hilfen werden nur äußerst schleppend ausgezahlt und die Bundesregierung traut sich nicht, einen Rechtsanspruch auf Unterstützung zu schaffen.“ Bei Hotels habe er die Komplettschließung nie verstanden, betonte Theurer. „Da gibt es in vielen Fällen hervorragende Hygienekonzepte. Die wissenschaftlichen Belege für diese konkreten Eingriffe fehlen. Staatseingriffe ohne wissenschaftliche Fundierung sind nicht verhältnismäßig.“ Bei der Gastronomie sollte es nach Auffassung des FDP-Politikers zumindest für Außengastronomie schnell wieder eine Öffnungsmöglichkeit geben. „Da habe ich wenig Verständnis für den Umfang der aktuellen Einschränkungen.“ Und wie sieht es mit Volksfesten im Herbst aus? „Wenn man die Bundeskanzlerin beim Wort nimmt und bis zur Bundestagswahl jeder ein Impfangebot hat, dann müsste aber auch der Wasen und die Wiesn wieder möglich sein.“ Theurer bekräftigte die Kritik der FDP an der Art und Weise, wie die Entscheidungen zur Einschränkung der Grundrechte zustande kommen. Die geplanten Beratungen im Bundestag über die Verlängerung des Corona-Notstandes seien keine echte Parlamentsbeteiligung, monierte der FDP-Politiker. Das bisherige Verfahren sei „verfassungsrechtlich ein äußerst bedenkliches Vorgehen. Nach einem Jahr Pandemie muss es möglich sein, den Hektikmodus und die Verlagerung von Kompetenzen auf die Exekutive zu verlassen und den Gesetzgeber wieder seine Angelegenheiten regeln zu lassen.“

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Meinung
Kommentar: Die Enttarnung eines Brigadegenerals

Der Festgenommene konnte lange unentdeckt bleiben

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge– kboelge@web.de

Anti-Terror-Einheiten der türkischen Polizei in Ankara nahmen am 27. Januar einen vor kurzem pensionierten Brigadegeneral fest, der Mitglied der „Fetullahistischen Terrororganisation“ (Fetö) sein soll. Nach seiner Verhaftung legte Serdar Atasoy ein umfangreiches Geständnis ab und erklärte sich gegenüber den Ermittlungsbehörden zum Aussteiger (İtirafcı).

Neben Atasoy wurden zwei weitere Brigadegeneräle festgenommen, die verdächtigt werden, Fetö-Mitglieder zu sein. Der erste Kontakt zum Netzwerk Gülens entstand während seiner Zeit am Gymnasium. Das Gülen-Netzwerk war es auch, dass dabei half, die Aufnahmeprüfung für die Militärschulen mit rechtswidrigen Methoden zu bestehen.

1996 wurde er im Rang eines Leutnants mit dem damaligen Sektenchef Gülen bekannt gemacht. Die Terrororganisation Fetö legte besonders viel Wert auf die Nichtenttarnung des ehemaligen Generals. Beim gescheiterten Putschversuch 2016 befand sich Serdar Atasoy als Militärattaché in Dhaka/Bangladesch.

Er soll Mitglied in einer WhatsApp-Gruppe namens „Die Attachés“ gewesen sein und am Tag des Putschversuchs auf die Messenger-Nachricht des Fetö-Mitglieds und ehemaligen Admirals S. Sürer „Der Generalstab hat die Befehlsgewalt an sich gerissen, bitte informieren Sie darüber Ihre Gesprächspartner darüber“ mit „Jawohl, mein Vorgesetzter“ beantwortet haben. Der Putschist Sürer war es, der in der Putschnacht das Feuer auf Zivilisten eröffnete, weil die Bevölkerung zivilen Ungehorsam gegen die Verschwörer leistete.

Auswertung des Mobiltelefons führte auf die Spur

Nach seiner Rückkehr aus Bangladesch gelang es ihm, unentdeckt zu bleiben, bis er im Rahmen von strafrechtlichen Ermittlungen gegen Fetö 2017 in seiner Zeit bei der 3. Armee in Erzincan festgenommen, aber kurze Zeit später wieder freigelassen wurde. Der türkische Nachrichtendienst MIT wertete dessen Mobiltelefondaten seit 2012 aus und von da an erfolgte eine Beobachtung.

Was die Ermittlungen nicht einfacher machte, war, dass er Messenger-Dienste wie ByLock oder Signal tunlichst vermied. Außerdem benutzte dieser Prepaid-Karten, mit dem man in der Türkei aus öffentlichen Telefonzellen Anrufe tätigen kann. Um nicht aufzufallen und entdeckt zu werden, benutzten viele Fetö-Mitglieder Prepaid-Karten. Im Rahmen der Ermittlungen wurden auch die Bankkonten von Atasoy überprüft und nach Durchsicht der Dokumente bestand für die Sicherheitsbehörden kein Zweifel mehr.

Bei seiner Vernehmung berichtete dieser, wie Informationen über andere Militärangehörige von Verbindungsleuten von Fetö gesammelt und ausgewertet wurden. Die Informationen erhielten die Fetö-Verbindungsmänner von Fetö-Mitgliedern in der Armee. Diensthabende Offiziere, die für das Fetö-Netzwerk eine Gefahr darstellten, sollten mit allen Mitteln aus der Armee entlassen und durch Fetö-Mitglieder ersetzt werden. Bei der Luftwaffe zum Beispiel wurden gesunde Kampfpiloten durch gefälschte Gesundheitsatteste aus dem Dienst entfernt und durch Fetö-Mitglieder ersetzt. Dieses Beispiel ließe sich in allen Waffengattungen fortführen, in dem Anhänger des Fetö-Netzwerks aktiv waren.

Langwieriger Kampf gegen Fetö-Netzwerk

Die in einigen deutschen Mainstream-Medien immer wieder vorgebrachter These, wonach Mitglieder dieses Netzwerks „lammfromme Gutmenschen des in den USA lebenden Predigers“ seien, kann mit den Fakten nicht standhalten. Investigative Medien wie zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung, sehen das Gülen-Netzwerk durchaus kritisch. Des Weiteren ist zu bedenken, dass das Fetö-Netzwerk seit 40 Jahren Strukturen der Bürokratie, Ministerien und der Armee in der Türkei unterwandert hat und der Kampf gegen diese gefährliche Organisation noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird.

Ein Fragezeichen steht hinter der Beförderung von Atasoy bei der Sitzung des Obersten Wehrrats (YAŞ) am 30. August 2020, in dem dieser vom Rang eines Oberst zum Brigadegeneral befördert und zum Verantwortlichen für den Nachrichtendienst des Heeres ernannt wurde. Bevor dieser seinen neuen Dienst beim Heer antrat, wurde er pensioniert. Wenn es stimmt, dass er ein umfangreiches Geständnis abgelegt und sich zum Aussteiger von Fetö erklärt hat, finde ich es inakzeptabel, wenn er nach 6 Tagen wieder freigelassen wurde.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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Nach dem Amtsantritt von Joe Biden zum 46. US-Präsidenten, gingen politische Beobachter davon aus, dass sich die Beziehungen zwischen Washington und Ankara verschlechtern und von weiteren US-Sanktionen gegen die Türkei auszugehen sei.

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Türkische TV-Serien
US-Frau beeinflusst von türkischer TV-Serie „Dirilis Ertugrul“ konvertiert zum Islam

Istanbul –  Türkische Produktionen gehören schon seit vielen Jahren zu den beliebtesten weltweit, und in den Studios am Bosporus werden nach den USA die meisten TV-Serien produziert. Sie haben sich in den vergangenen Jahren zu einem der lukrativsten Exportgüter der Türkei entwickelt. Die beliebte türkische Historie-Serie Dirilis Ertugrul (Auferstehung Ertugrul) wurde bislang in 60 Länder exportiert. Von der Serie beeinflusst, ist eine US-Amerikanerin aus Wisconsin sogar zum Islam konvertiert. Sie habe nach ihrer Konversion den muslimischen Namen „Khadija“ gewählt, sagte sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu. Besonders Ibn-i Arabi, ein Charakter, der als spiritueller Mentor für die Hauptfigur der Serie, Ertugrul Gazi, dient, habe sie für den Islam erwärmt. Ibn-i Arabi (geboren am 7. August 1165 in Murcia; gestorben am 16. November 1240 in Damaskus), war ein maurischer Philosoph und Mystiker aus Andalusien und bei den Fans eine beliebte Figur für seine auf seinem islamischen Glauben basierenden Weisheiten. „In der Serie geht es um eine Epoche, von der ich nichts wusste. Mit dem, was über Gott, den Islam, Frieden, Gerechtigkeit und die Hilfe für die Unterdrückten gesagt wird, erregte meine Aufmerksamkeit“, so „Khadija“, die ihren echten Namen nicht bekannt gab, gegenüber Anadolu. „Arabis Worte haben mich manchmal zu Tränen gerührt. Er war mein Lieblingscharakter. Die Serie hat mich in ihren Bann gezogen, und ich habe alle Staffeln viermal gesehen. Ich fing an, nach mehr Informationen über den Islam und das Osmanische Reich zu suchen“, sagte die 60-Jährige.
(Screenshot/Twitter)
Khadija, die früher eine baptistische Christin war, fuhr fort, mehr über den Islam zu lernen und las eine englische Übersetzung des heiligen Buches des Islam, den Koran, bevor sie sich entschloss, zum Islam zu konvertieren. Sie habe daraufhin eine örtliche Moschee besucht und dort auch gelernt, wie man betet. Schließlich habe sie sich für eine Konversion entschieden und die „Schahada“, das Glaubensbekenntnis, ausgesprochen. Die Reaktionen und Zustimmungen im Bekanntenkreis für ihre Entscheidung seien jedoch nicht sehr positiv gewesen. Sie seien davon ausgegangen, dass Khadija einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. „Ich diskutiere nicht mehr mit den Leuten über dieses Thema. Ich mische mich nicht in ihre Überzeugungen ein. Sie sollten auch keinen Grund haben, sich bei mir einzumischen“, fügte sie hinzu. Khadija plane nun, in die Türkei zu reisen, wo die beliebte Serie gedreht wurde, und Orte zu besuchen, an denen die realen Gegenstücke der Persönlichkeiten in der Serie lebten und beerdigt wurden. „Ich habe sogar darüber nachgedacht in die Türkei zu ziehen. Im Moment plane ich eine Reise im Juni, wenn die Pandemie endet. Schon der Gedanke an diese Reise bringt mich zum Weinen“, sagte sie. Besonders das Grab von Ertugrul, dessen Sohn Osman das Osmanische Reich aufbaute, möchte sie unbedingt besuchen. „Ich danke Allah jeden Tag. Ich danke Ihm, dass er mir einen weiteren Tag in diesem Leben geschenkt hat. Die Menschen sind sich nicht bewusst, wie kurz es ist. Meine Botschaft an die Menschen ist, dass sie ihre Zeit nicht für falsche Dinge verschwenden sollten. Im Leben geht es nicht darum, was man anzieht, welches Auto man fährt. Schaut euch um, schaut genau hin“, sagte sie. Dirilis spielt im oghusischen Anatolien des 13. Jahrhunderts. Im Zentrum steht das Leben von Ertugrul Gazi, dem Vater von Osman I., der das Osmanische Reich gründete.

Ertugrul war der Anführer des oghusischen Kayi-Stammes. Als er mit seinen 400 Reitern aus Turkmenistan in Anatolien ankommt, um den Seldschuken gegen die Byzantiner zu helfen, löst er eine Kette von Ereignissen aus, die letztlich zur Gründung des Osmanischen Reiches führen. Die Serie gibt einen Einblick in die Gründungsjahre des 700 Jahre währenden Imperiums.

https://youtu.be/M_JGeTIeNM0

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Corona-Pandemie
Corona: Im Einzelhandel kommt es nicht zu einer erhöhten Infektionsgefährdung

Bei der Arbeit im Einzelhandel kommt es nicht zu einer erhöhten Infektionsgefährdung durch das SARS-CoV-2-Virus. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die derzeitigen Regelungen für die technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen reichen nach aktueller Kenntnis offensichtlich aus, um einen effektiven Schutz der Beschäftigten vor einer Corona-Infektion am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Die Studie fußt auf den Ergebnissen dreier Untersuchungen: auf der Befragung von Einzelhandels-Unternehmen durch die BGHW, die Analyse von Daten der BARMER Krankenkasse zu den an Corona erkrankten Berufsgruppen sowie der Auswertung von epidemiologischen Daten durch die BAuA. Allesamt belegen: Das Infektionsrisiko bei der Arbeit im Einzelhandel ist nicht erhöht. Ausgewertet wurden unter anderem Daten aus elf Einzelhandels-Unternehmen mit rund 331.000 Beschäftigten. Zwischen Mitte März und Ende Oktober 2020 erkrankten etwa 0,6 Prozent der Beschäftigten an dem Virus. Demgegenüber infizierte sich im gleichen Zeitraum etwa 0,8 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Somit liegt der Anteil der erkrankten Beschäftigten sogar unter dem Mittel der entsprechenden Altersgruppe in der Allgemeinbevölkerung. Dabei habe es keine wesentlichen Unterschiede in den betrachteten Handelsbereichen gegeben. So sei etwa im Lebensmitteleinzelhandel, der in allen Lockdown-Phasen geöffnet hatte, die Infektionshäufigkeit unauffällig geblieben. Schutzmaßnahmen wirksam „Eine wesentliche Rolle für das geringe Infektionsrisiko spielen sehr wahrscheinlich die von den Unternehmen ergriffenen Schutzmaßnahmen. Zum Beispiel die Abtrennungen an den Kassen und Bedientheken, Abstandsregeln, die Regelungen zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen, die verstärkte Lüftung und die verstärkte Reinigung“, so Dr. Stefan Mayer von der Präventionsabteilung der BGHW. Hinzu komme, dass alle befragten Unternehmen ein Corona-Management mit eigener Kontaktnachverfolgung genutzt haben. „Dies hat sehr wahrscheinlich dazu beigetragen, dass Infektionen in der Regel nur auf einzelne Beschäftigte beschränkt blieben“, so Mayer. Dabei habe die Ursache für die gemeldeten Infektionen überwiegend sogar im außerbetrieblichen Bereich gelegen. Keine Hochrisikokontakte im Einzelhandel Die hohe Anzahl an Kontakten zwischen Beschäftigten und Kundinnen und Kunden legte bislang die Vermutung erhöhter Infektionsrisiken nahe. Epidemiologische Daten aus unterschiedlichen Kontaktszenarien zeigten jedoch, dass kurze Kontaktdauern, wie sie im Einzelhandel typisch sind, im Allgemeinen geringere Infektionsrisiken bergen als längere Kontaktdauern. Die Kontaktdauer von 15 Minuten, die als Grenzwert für Hochrisikokontakte gilt, wird in Abhängigkeit vom regionalen Infektionsgeschehen auch beim Kontakt Beschäftigter mit Infizierten über die Arbeitsschicht nicht unweigerlich erreicht. Sechs bis zehn Minuten summierte Kontaktdauer wurden beispielhaft für Szenarien abgeleitet, die bei lokalen Ausbrüchen auftreten könnten. In einer weiteren, methodisch unabhängigen Analyse von Krankenkassendaten wurde zudem festgestellt, dass Erkrankungsrisiken für den Einzelhandel insgesamt unauffällig blieben. Dies gilt auch für die Bereiche des Einzelhandels, in denen während der Lockdown-Phasen gearbeitet wurde. Zu der Fragestellung liegen bislang nur wenige Untersuchungen insbesondere aus dem Ausland vor, die einzelne Infektionscluster erforschten. Die nun vorgestellte Studie bewertet die Situation konkret für Deutschland und zeigt auf, wie sich die ergriffenen Maßnahmen im Vergleich zu den Ergebnissen aus anderen Ländern darstellen. Der vollständige Beitrag erscheint in Kürze in der Fachzeitschrift „Arbeitsschutz in Recht und Praxis“ des Beck-Verlags in Kooperation mit der BAuA.

Kriminalität
Serbien: Schlag gegen mächtigen Mafia-Clan mit Verbindungen zu Partizan Belgrad Fangruppe

Belgrad – Der serbischen Polizei ist in Kooperation mit dem Inlandsgeheimdienst BIA in der Nacht auf Donnerstag ein Schlag gegen ein brutales Verbrechersyndikat mit Verbindungen zur ultra-radikalen Fan-Gruppe „Principi“, die Partizan Belgrad unterstützt, gelungen. Alle festgenommenen Personen werden verdächtigt, sich zusammengeschlossen zu haben, um Verbrechen, Entführungen und schweren Mord zu begehen, sagte heute Morgen der ermittelnde Staatsanwalt für organisierte Kriminalität, Mladen Nenadić. Wie er erklärte, sind Durchsuchungen und Razzien an etwa 30 Orten im Gange, berichtet die Nachrichtenagentur Tanjug. Auch in den Fußballstadien der Belgrader Fußball-Clubs Partizan und Roter Stern sei es zu Durchsuchungen gekommen. Der Anführer der Partizan-Fans, Veljko Belivuk, der den Spitznamen Velja Nevolja (Velja der Ärgerliche) trägt, und ein enger Mitarbeiter, Marko Miljkovic, wurden bei den nächtlichen Razzien ebenso verhaftet. Belivuk wurde in der Vergangenheit mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht, konnte aber Berichten zufolge einer Strafverfolgung aufgrund seiner politischen Verbindungen entgehen. Das Verbrechersyndikat verstecke „sich hinter einer Gruppe von Anhängern des Fußballclubs Partizan Belgrad„, so Polizeisprecher  Ninoslav Cmolic. Serbiens Hardcore-Fußballfans sind berüchtigt für ihre Brutalität, während einige auch beschuldigt wurden, den Sport als Fassade für die Beteiligung an der organisierten Kriminalität zu nutzen. In den letzten Jahren gab es in dem Balkanland eine Reihe von bandenmäßigen Morden an Mitgliedern von Fußball-Fangruppen. Serbiens Präsident Aleksandar Vučić lobte die Zusammenarbeit zwischen dem Innenministerium und der Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität. Vučić dankte auch den Sicherheitsdiensten und sagte, dies sei „ein großer Schlag gegen die Mafia“. „Die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen dem Innenministerium und der BIA hat zu guten Ergebnissen geführt, sie hat dazu geführt, dass wir den Menschen in ganz Serbien mehr Sicherheit bieten können“, sagte Vucic. „Ich glaube nicht, dass es auch nur einen Bürger in diesem Land gibt, der nicht zufrieden ist und der Staat gezeigt hat, dass man die schwersten Verbrechen nicht begehen kann, ohne bestraft zu werden“, sagte er. Er betonte, dass die begangenen Verbrechen im Zusammenhang mit Folter, Morden, Entführungen und Drogenhandel sowie Erpressung stünden.

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Phoenix-Interview.
Alt-Kanzler Schröder gegen Verknüpfung von Nord Stream 2 mit Fall Nawalny

Bonn – Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich im Verhältnis zu Russland gegen eine Verknüpfung der Gaspipeline Nord Stream 2 mit der Verurteilung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny ausgesprochen. „Was hat eine Pipeline wie Nord Stream 2 mit dem Fall von Herrn Nawalny zu tun? Ich sehe das nicht. Ich denke, es ist falsch, beides miteinander zu verquicken. Wenn man glaubte, man würde dadurch Druck auf Russland ausüben, um irgendeine andere Situation zu schaffen, dann irrt man“, sagte Schröder im Interview mit dem Fernsehsender phoenix am Donnerstag (4. Februar 2021). Er verstehe diejenigen nicht, die meinen, „wenn man jetzt Nord Stream 2 streicht oder stoppt, dann würde sich bezogen auf den Fall, den Sie erwähnt haben, irgendetwas ändern“, sagte Schröder, der Aufsichtsratschef bei der zum Gazprom-Konzern gehörenden Nord Stream AG sowie beim russischen Erdölkonzern Rosneft ist. Deutschlands Interesse müsse es sein, Russland als Partner zu erhalten. Immer wenn das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland schlecht gewesen sei, „ging es schief, auch was Frieden in der Welt anging. Immer dann, wenn es erträglich war, war es besser.“ Wenn die EU eine Rolle spielen wolle zwischen Amerika auf der einen Seite und China auf der anderen Seite, gehe es darum, Partner zu haben. „Einer der wichtigen bleibt Russland, egal was innenpolitisch passiert, und zum anderen die Türkei, auch egal was innenpolitisch passiert, was mir auch nicht immer gefällt“, so der Alt-Bundeskanzler. Schröder kritisierte heftig die Rolle der EU-Kommission bei der Impfstoff-Beschaffung. „Das ist ein organisatorisches Versagen, das vor allem bei der EU-Kommission zu sehen ist.“ Die europäische Bürokratie und auch die dafür verantwortliche Kommissarin hätten „sich nicht mit Ruhm bekleckert“. Er habe den Eindruck, dass man auch „bestimmte Firmen im Geschäft halten wollte, die – wie Sanofi zum Beispiel – im Ergebnis dann nicht liefern konnten“. Gleichwohl halte er es für richtig, „zu sagen, wir machen das europäisch“. Es wäre aber auch richtig gewesen, „wie es Herr Spahn vorhatte, auch national neben der Europäischen Union Impfstoff in Deutschland zu bestellen“. Da seien „Versäumnisse vorgekommen, aber wo kommen die nicht vor in einer solchen Situation, in der wir waren und immer noch sind?“. Privilegien für Geimpfte sollte es nach Meinung des früheren Bundeskanzlers nicht geben. „Wenn jemand niemanden mehr anstecken kann, dürfen Grundrechtseinschränkungen eigentlich nicht sein. Auf der anderen Seite geht es aber auch um Gleichheit.“ Deshalb mache es Sinn, zu sagen: „Bevor wir die Pandemie nicht überwunden haben, bevor wir nicht das haben, was man Herdenimmunität nennt, sollte es nicht einzelne Privilegierte geben. Irgendwo gehören wir alle zusammen“, sagte Schröder.

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"stern"-Interview
Söder wirbt für Schwarz-Grün im Bund

Hamburg – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wirbt für eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene. „Es wäre ein spannendes Zukunftsteam, das Inspiration bieten könnte, weil es die ganz große Frage unserer Zeit in den Blick nimmt: die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie“, sagt Söder in einem Interview mit dem stern. Man sei „nah dran an einer solchen Kooperation“. Viele Menschen hätten Sympathien dafür. Die Große Koalition werde dagegen lediglich als „Krisenteam“ akzeptiert. Ausdrücklich lobt der CSU-Chef das Verhalten der Grünen bei der Bewältigung der Corona-Krise. Sie seien „ein verlässlicherer Partner als viele andere Parteien“ gewesen. Eine Abfuhr erteilt er der FDP. Auf die Frage, ob die Liberalen in Form einer „Jamaika“-Koalition an einem schwarz-grünen Bündnis beteiligt sein sollten, sagt er: „Weniger Partner machen eine Regierung stabiler als viele. Mehr Köche machen den Brei nicht unbedingt genießbarer.“ Als zentrale Herausforderung einer neuen Bundesregierung nennt Söder die Erderwärmung: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir beim Klimaschutz noch mehr tun müssen. Wir brauchen zum Beispiel eine große Wasserstrategie. Deutschland hat dieses Thema noch nicht richtig auf der Agenda.“ Immer wieder wird Söder angesichts guter persönlicher Umfragewerte auch als möglicher Kanzlerkandidat der Union für die anstehende Bundestagswahl gehandelt. Zu seinen Ambitionen sagt er im stern: „Ich bin als Parteichef und Ministerpräsident eigentlich politisch ausbefördert.“ Die CDU habe in dieser Frage „das Initiativrecht“, er werde gemeinsam mit dem neuen CDU-Chef Armin Laschet einen Kanzlerkandidaten vorschlagen. Zweifel an seiner Fähigkeit zum Verzicht will Bayerns Ministerpräsident nicht gelten lassen: „Unterschätzen Sie mich nicht!“.

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