phoenix Runde
Nach dem Anschlag – Kann Erdogan noch Partner sein?

phoenix Runde: Nach dem Anschlag – Kann Erdogan noch Partner sein? Dienstag, 13. Oktober 2015, 22.15 Uhr

Bonn (ots) – Ohne die Türkei als Partner ist die Flüchtlingsfrage kaum zu bewältigen. Der Anschlag in Ankara am Wochenende hat das Verhältnis jedoch weiter kompliziert. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan steht in der Kritik, weil ihm vorgeworfen wird, er habe die politische Atmosphäre in seinem Land vergiftet. Bundeskanzlerin Angela Merkel will am kommenden Wochenende dennoch in die Türkei reisen, um mit Erdogan Gespräche zu führen. Kann Erdogan nach dem Anschlag noch Partner sein? Welche Lösungen kann es mit dem türkischen Staatspräsidenten geben? Wohin steuert die Türkei? Anke Plättner diskutiert in der phoenix Runde u.a. mit:
  • Remzi Aru, deutsch-türkischer Unternehmer
  • Michelle Müntefering, SPD, MdB, Vors. Deutsch-Türkische Parlamentariergruppe

Flüchtlingskrise
Maas lehnt Transitzonen vehement ab

Berlin (dts) – Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die Forderung der Union, an der deutschen Grenze Transitzonen für Flüchtlinge einzurichten, vehement abgelehnt. Der Justizminister sagte der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagsausgabe), eine schnellere Registrierung der Flüchtlinge sei „sicher notwendig“, aber „Zehntausende Flüchtlinge an der Grenze in Haft zu nehmen, schafft mehr Probleme als es löst“. Der Vorschlag der Union sei deshalb „praktisch undurchführbar“. Eine Landesgrenze sei „schlicht kein Flughafen“. Wer Transitverfahren trotzdem einfach von Flughäfen auf Landesgrenzen übertragen wolle, schaffe „Massenlager im Niemandsland“, warnte Maas. Der Justizminister sagte, derartige Einrichtungen wären „keine Transitzonen, sondern Haftzonen“. Es wäre „ein fatales Signal“, Menschen, die nach Deutschland kommen, „weil sie in ihrer Heimat vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, als erstes in Haft zu nehmen“. Der Justizminister betonte, die Flüchtlingsfrage könne nicht gelöst werden, „indem wir Deutschland einzäunen“. Stattdessen müsse alles versucht werden, „um die Fluchtursachen in den Herkunftsländern zu bekämpfen“. Außerdem müsse sich die EU „zusammenraufen“, forderte Maas. Es müssten „endlich alle EU-Länder ihrer Verantwortung gerecht werden“. Nach Schätzungen aus Regierungskreisen würden fast 100.000 Flüchtlinge monatlich unter das von der Union geplante Transitzonen-Verfahren an der Landesgrenze fallen.

Studie
Risiko für Altersarmut steigt in Deutschland weiter an

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Berlin (dts) – Das Risiko für Altersarmut steigt einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge in Deutschland weiter an. Während 2006 noch jeder zehnte Ruheständler von Altersarmut bedroht war, war es 2013 schon jeder siebte, so das Ergebnis der am Dienstag vorgestellten Untersuchung. Besonders häufig betroffen sind demnach Frauen, Alleinstehende, Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund. Am niedrigsten war der Anteil armutsgefährdeter Menschen bei den über 65-Jährigen 2013 in Berlin, Sachsen und Hamburg. Das Saarland, Rheinland-Pfalz und Bayern wiesen die höchsten Quoten auf. Die hohe Armutsgefährdung in diesen drei Bundesländern steht der Studie zufolge im Zusammenhang mit niedrigen Frauenbeschäftigtenquoten und Einkommen in der Vergangenheit.

Wirtschaftsnobelpreis
Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an Angus Deaton

Stockholm (dts) – Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an den britischen Ökonomen Angus Deaton. Das teilte die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mit. Deaton, der Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University ist, erhalte die Auszeichnung demnach „für seine Analyse von Konsum, Armut und Sozialstaat“. Der Nobelpreis gilt als renommiertester Preis in den Wirtschaftswissenschaften. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet über 850.000 Euro dotiert.

Migration
Merkel sieht keine Bedrohung Deutschlands durch den Islam

Berlin (dts) – Trotz der mehrheitlich muslimischen Asylbewerber sieht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) keine Bedrohung durch den Islam in Deutschland. Gefragt, was passieren müsse, dass aus der Ankündigung „Der Islam gehört zu Deutschland“ nicht irgendwann die Feststellung „Deutschland gehört dem Islam“ wird, sagte die Kanzlerin in „Bild“ (Montag): „So etwas muss niemand befürchten. Deutschland, das ist und bleibt das Grundgesetz, die soziale Marktwirtschaft, Religions- und Meinungsfreiheit. Wir machen den zu uns kommenden Menschen vom ersten Tag an klar: Hier gelten Gesetze und Regeln des Zusammenlebens, die sie befolgen müssen. Nur so kann Deutschland für sie ein Ort des Schutzes sein.“ Dabei müssten Flüchtlinge und Asylbewerber „akzeptieren, dass in Deutschland Frauen und Männer die gleichen Rechte haben“, sagte die Bundeskanzlerin. Und fügte hinzu: „Sie werden sich auch von Polizistinnen oder Richterinnen oder Beamtinnen etwas sagen lassen müssen. Und sie werden sehen, dass Verwaltung bei uns nicht so funktioniert, dass man jemanden mit Geld bestechen kann und dann das gewünschte Ergebnis bekommt. Ich bin überzeugt, dass die Meisten das alles respektieren und schnell schätzen lernen werden.“ Gleichzeitig räumte Merkel ein, dass Abschiebungen noch nimmer nicht schnell und konsequent genug durchgeführt werden. „Das ist in der Tat unbefriedigend“, sagte die Bundeskanzlerin der Zeitung. „Wir werden in dieser Frage schnell entscheiden und haben dafür extra vier Zentren aufgebaut, die diese sogenannten Altfälle überprüfen sollen. Diejenigen, die gut integriert sind, auch Arbeit haben, und deren Kinder schon jahrelang hier zur Schule gehen, bekommen wohl auch eine Bleibeperspektive.“ Um die Effizienz der Rückführungen zu steigern, sei eine ganze Reihe von Maßnahmen vorgesehen, sagte die Kanzlerin. „Jetzt neu ankommende Menschen ohne Bleibeperspektive werden direkt zurückgeführt. Das macht zum Beispiel Bayern bereits sehr konsequent. Wir wollen, dass diese Menschen künftig so lange in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben, bis das Asylverfahren durchgeführt und wenn nötig die Ausreise angeordnet werden kann.“ Bei den Rückführungen forderte Merkel, dass „wir noch konsequenter und schneller werden“. Erste Fortschritte seien erkennbar. „Wir denken aber jetzt gemeinsam mit Ländern und Kommunen darüber nach, wie wir uns weiter verbessern können“, kündigte die Kanzlerin an. Ein Problem seien „die vielen ärztlichen Krankschreibungen von Ausreisepflichtigen. Eine weitere Schwachstelle ist, dass Rückführungstermine bisher angekündigt wurden. Das führte nicht selten dazu, dass die Person abtauchte. Also sollen diese Termine demnächst nicht mehr angekündigt werden“, sagte Merkel.

400 Wasserstoff-Tankstellen bis 2023
Bund will der Wasserstoff-Technologie zum Durchbruch verhelfen

Berlin (dts) – Gemeinsam mit der Industrie will der Bund der Wasserstoff-Technologie in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Laut eines Berichts des „Handelsblatts“ (Dienstagsausgabe) werden die Industrieunternehmen Daimler, Air Liquide und Linde sowie Total, Shell und OMV an diesem Dienstag gemeinsam mit dem Bund eine Absichtserklärung unterzeichnen. Ziel ist, bis zum Jahr 2023 insgesamt 400 Wasserstoff-Tankstellen zu errichten. „Elektromobilität muss emotional sein und Leidenschaft wecken“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dem „Handelsblatt“. E-Mobile mit Wasserstoff-Brennstoffzellen seien dazu besonders geeignet. „Sie besitzen eine große Reichweite und können innerhalb weniger Minuten auftanken“, sagte er. „Für den Markthochlauf dieser Technologie brauchen wir nun ein flächendeckendes Tankstellennetz für Wasserstoff.“ Die sechs Unternehmen haben dazu das Joint Venture H2 Mobility mit Sitz in Berlin gegründet. Ziel sind 400 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland bis 2023. Die Investitionen werden auf insgesamt 400 Millionen Euro geschätzt. Das Konsortium will mittelfristig auch Tankstellen selbst betreiben. Das Bündnis ist offen für weitere Partner, schreibt das „Handelsblatt“. Der Bund hat die Wasserstofftechnologie seit 2006 bis 2016 mit 1,4 Milliarden Euro unterstützt. Bis 2018 sollen weitere 161 Millionen für Förderprojekte hinzukommen.

Asylgesetz
Arbeitgeber fordern Abschaffung des Zeitarbeitsverbots für Flüchtlinge

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Berlin (dts) – Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat die Bundesregierung aufgefordert, das Beschäftigungsverbot für Flüchtlinge in der Zeitarbeit vollständig abzuschaffen. Das geht aus einer Stellungnahme der BDA für die am Montag anstehende Innenausschusssitzung des Bundestages hervor, die der „Rheinischen Post“ (Montagausgabe) vorliegt. „Statt einer Abschaffung dieses Verbots – so wie es vom Koalitionsausschuss beschlossen wurde – wurden lediglich wenige Ausnahmen vorgesehen, sodass vor dem Ablauf des Voraufenthalts von 15 Monaten eine Tätigkeit in der Zeitarbeit nur im hochqualifizierten Bereich und bei qualifizierten Mangelberufen möglich ist“, kritisiert Peter Clever, Mitglied der BDA-Hauptgeschäftsführung, in dem Papier. Das sei kontraproduktiv und gehe am praktischen Bedarf vorbei. „Das Verbot muss vollständig abgeschafft werden“, schreibt Clever. Der Bundestags-Innenausschuss berät am Montag über das geplante Gesetz zur Beschleunigung von Asylverfahren.

Identitätsklau
Tausende Onlineshops auf falsche Namen angemeldet

Hamburg (ots) – Die Daten Tausender Internetnutzer sind nach Recherchen des Radioprogramms „NDR Info“ missbraucht worden, um Onlineshops zu eröffnen. Über diese Internetseiten werden gefälschte Produkte bekannter Marken angeboten. Auch Hunderte Deutsche sind von dem Identitätsdiebstahl betroffen. Sie hatten zuvor Namen, Adresse und Kreditkartennummer bei Bestellungen in ähnlichen Onlineshops angegeben. Wochen oder Monate später wurden mittels dieser Daten neue derartige Internetseiten angemeldet, auf denen Plagiate von Turnschuhen, Handtaschen oder Sonnenbrillen großer Markenhersteller angeboten werden. Die tatsächlichen Verkäufer sitzen offenbar in China, ihre Namen tauchen aber nirgends auf. Den Recherchen zufolge ist die Anzahl solcher mit falschen Identitäten angemeldeten Internetshops in den vergangenen Monaten explodiert. Das bestätigt auch der Hamburger Internetrechtler Dr. Klaus Lodigkeit: „Was jetzt passiert, ist Identitätsdiebstahl professionell in großem Stil. Organisiert von gut arbeitenden Banden.“ Lodigkeit warnt vor den rechtlichen Folgen für die Betroffenen, die für Forderungen gegen die betrügerischen Shops zunächst haften müssten. In den USA gibt es bereits mehrere Sammelklagen von Markenherstellern wie Adidas oder Michael Kors, die sich auch gegen diejenigen richten, auf deren Namen die Seiten angemeldet wurden. Wer über eine Internetrecherche feststellt, dass eine Internetseite ohne sein Wissen angemeldet wurde, solle Strafanzeige erstatten, raten Internetexperten mehrerer Landeskriminalämter. Damit könne der Betroffene dokumentieren, dass er mit den betreffenden Seiten nichts zu tun habe. Michael Böhl vom Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) beklagt die Machtlosigkeit der deutschen Ermittler in solchen Fällen: „In der kurzen Zeit sind die Täter in der Regel über alle Berge, haben ihre Spuren verwischt, melden sich neu an und, bevor wir denen ansatzweise hinterherkommen, sind sie schon wieder weg.“

Radikalisierung
Hilmar Steffen: „Grenzen zwischen Zivilgesellschaft und Rechtsradikalen lösen sich auf“

Magdeburg (dts) – Der sachsen-anhaltische Verfassungsschutz hat angesichts des Flüchtlingszustroms vor einer drastischen Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und einer Radikalisierung der Gesellschaft gewarnt. „Die Situation ist ernst, wir wissen derzeit noch nicht genau, wo das noch hingeht“, sagte der Chef des Verfassungsschutzes, Jochen Hollmann, im Gespräch mit der „Mitteldeutschen Zeitung“. Da man noch ganz am Anfang stehe, die Flüchtlinge unterzubringen, sei unklar, „welche Regungen das in der Bevölkerung noch hervorruft“. Erschreckend sei, dass „das Bürgertum überhaupt nicht mehr differenziert“, sagte der Referatsleiter Rechtsextremismus beim Verfassungsschutz, Hilmar Steffen. Vor der Flüchtlingskrise habe es eine klar erkennbare Grenze zwischen rechtsextremen Parteien sowie neonazitischen Kameradschaften auf der einen und der Zivilgesellschaft auf der anderen Seite gegeben. „Diese Grenze löst sich jedoch zunehmend auf“, so Steffen. Der Verfassungsschutz stockt sein Personal um acht Stellen auf. „Wir müssen uns rechtzeitig auf Dinge vorbereiten, die wir auf uns zukommen sehen“, so Hollmann. Schwerpunkt der Neubesetzungen sei der Bereich Rechtsextremismus, aber auch das Referat Islamismus werde aufgestockt. „Es ist zu befürchten, dass sich Salafisten den Flüchtlingen nähern, wenn erstmal die erste Euphorie verflogen ist und der Alltag in den Flüchtlingsunterkünften einzieht“, so Hollmann.  

US-Wahlen
Donald Trump kritisiert Merkels Flüchtlingspolitik als „irrsinnig“

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Washington/Berlin (dts) – Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf kritisiert: „Es war irrsinnig, so viele Menschen ins Land zu lassen“, sagte der Multi-Milliardär in der US-Fernsehsendung „Face the Nation“ des TV-Senders CBS. Er habe Merkel bislang für eine große politische Führungsfigur gehalten, so Trump. Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber sorgte sich zugleich um die innere Sicherheit in der Bundesrepublik: „In Deutschland wird es Aufstände geben“, prophezeite Trump, der die Flüchtlinge als „trojanisches Pferd“ bezeichnete und davor warnte, dass auch Kämpfer des „Islamischen Staats“ unter den Asylbewerbern sein könnten.