WM-Affäre
Ex-Nationaltorwart Sepp Maier: „Bestechen tun sie doch alle“
München (dts) – Ex-Nationaltorwart Sepp Maier ist sich sicher, dass es regelmäßig ominöse Zahlungen in Bezug auf WM-Vergaben gegeben hat. „Bei der Fifa kriegst du doch nie eine WM, wenn du nicht schmierst“, sagte Maier gegenüber der „Welt am Sonntag“. „Da musst du dir die Stimmen einfach kaufen, das war doch bei allen der letzten Weltmeisterschaften so. Ist doch das gleiche wie in der Großindustrie, wenn du einen Auftrag haben möchtest.“
Immerhin sei es besser so, als das viele Geld für „irgendeinen Schwachsinn“ auszugeben. „Ob da Afrikaner oder Asiaten 6,7 Millionen Euro bekommen, ist doch da wurscht. Bestechen tun sie doch alle, ob der Putin oder der Scheich aus Katar“, so Maier.
Arbeitsmarkt
Rentenversicherungspräsident Reimann: „Flüchtlinge könnten Rentenkasse entlasten“
Berlin (dts) – Eine zügige Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt kann nach Einschätzung des Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung, Axel Reimann, zur Entlastung der Rentenkasse beitragen. „Alles, was für zusätzliche Beschäftigung sorgt, ist positiv für die Rentenversicherung, weil das die Einnahmen erhöht“, sagte Reimann der „Saarbrücker Zeitung“ (Freitagausgabe). Nach einer Faustformel würden 100.000 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr etwa 500 Millionen Euro extra in die Rentenkasse bringen, rechnete Reimann vor.
„Auf längere Sicht resultieren daraus allerdings auch Leistungsansprüche.“ Grundsätzlich sei es aber so, dass dafür zunächst einmal mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt werden müssten. „Kurzfristig entstehen der Rentenversicherung also keine Belastungen“, so Reimann.
Sinan Samil Sam
Der Bulle vom Bosporus ist tot
Istanbul (nex) – Der ehemalige türkische Box-Weltmeister im Schwergewicht, Sinan Samil Sam, ist tot. Sam wurde vor einigen Tagen von einem privaten Krankenhaus auf die Intensivstation des Bildungs- und Forschungskrankenhauses der Marmara Universität in Istanbul Pendik verlegt. Der Box-Profi litt an einer Leberzirrhose und hatte seit Jahren auf eine Spenderleber gewartet. Er wurde nur 41 Jahre alt.
Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hatte den Gesundheitszustand von Sinan Samil Sam aus nächster Nähe verfolgt. Die Trauerfeier für den Boxer findet am 31. Oktober nach dem Mittagsgebet an der Kocatepe Moschee in Ankara statt.
Sinan Samil Sam kam 1974 in Frankfurt auf die Welt. Er wurde neun Mal türkischer Meister. Der auch als „Bulle vom Bosporus“ bekannte Sam hielt von 2002 bis 2004 sowie 2008 den Europameister-Titel, 2007 war er WBC International Heavyweight Champion. Als Profi-Boxer absolvierte Sam 35 Kämpfe, davon gewann er 31.
"Merkel hat das Richtige getan"
Varoufakis lobt Merkels Flüchtlingspolitik
Athen (dts) – im Gespräch mit der „Welt“. „Ich wünschte, jeder in Europa würden das Gleiche tun.“
Menschlich sei man verpflichtet, Hilfesuchende aufzunehmen. „Stellen Sie sich vor, Merkel hätte tun wollen, was die Ungarn gemacht haben“, sagte der Ex-Finanzminister. „Was hätte sie tun sollen? Zäune errichten? Und dann der Polizei und der Armee erlauben, zu schießen, wenn jemand versucht, darüber zu klettern? Nein, sie hat das Richtige getan und dafür verdient sie Lob.“ Griechenland könne die ankommenden Flüchtlinge nur weiterziehen lassen, eigentlich wäre das Land laut dem Abkommen von Dublin für die Registrierung und ihr Asylverfahren zuständig.
„Der griechische Staat kann sich nicht einmal um seine eigenen Bürger kümmern. Wir sind ein gescheiterter Staat“, sagte Varoufakis. „Die Dublin-Regeln sind typisch für Europa: Sie werden ihrer Aufgabe nicht gerecht.“ Er forderte, dass Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen, sich an den Kosten beteiligen müssten. „Wer keine Flüchtlinge aufnehmen will, muss zahlen. Und zwar an die, die sich um die Menschen kümmern“, sagte Varoufakis. „Mir gefällt das auch nicht, ich glaube eigentlich nicht an Lösungen durch Märkte.“ Varoufakis bestritt zudem, dass er einer Agentur den Auftrag gegeben habe, für einen seiner Vorträge 60.000 Dollar zu fordern. „Ich habe dafür keinen Exklusivvertrag mit einem Agenten“, sagte er. „Einige Agenturen kommen auf mich zu und unterbreiten mir Angebote. Meist sage ich ab. Je weniger ich interessiert bin, umso höher setze ich den Preis an.“ Es gebe keinen Vertrag mit diesen Agenturen. „In diesem Fall hat die Agentin von sich aus diesen albernen Betrag von 60.000 Dollar genannt“, sagte Varoufakis.
Flüchtlingskrise
Staatsrechtler Wieland: Seehofer könnte Staatskrise auslösen
Karlsruhe (dts) – Der Staatsrechtler Joachim Wieland schließt eine Staatskrise nicht aus, sollte der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit eigenen Maßnahmen gegen den Flüchtlingszustrom vorgehen. Er sehe zwar nicht, dass Bayern seine verfassungsrechtlichen Pflichten tatsächlich verletzten würde, offenbar sollten die Ankündigungen politischen Druck erzeugen, sagte der Direktor der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer dem „Handelsblatt“. „Nur wenn die Ankündigungen in die Tat umgesetzt würden und der Bund Zwang gegen das Land anwenden müsste, gäbe es eine Staatskrise.“
Wieland wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Ankündigung Bayerns, die „notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, im Rechtsstaat nur nach Maßgabe des Rechts und der Verfassung zulässig sei. „Sollte sich Bayern darüber hinwegsetzen, wäre der Bund nach Artikel 37 des Grundgesetzes berechtigt und wohl auch verpflichtet, mit Bundeszwang gegen das Land vorzugehen“, sagte Wieland.
Der Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart warnte hingegen davor, eine Staatskrise herbeizureden. Der Bundeszwang, den Wieland ins Spiel bringe, sei „bisher noch nie praktisch geworden“, sagte Degenhart dem „Handelsblatt“. Zudem müsse hier der Bundesrat zustimmen. Abgesehen davon sei ihm, Degenhart, nicht recht klar, welche „eigene Maßnahmen“ Bayern ergreifen könne. „Sicher könnte es nicht landeseigene Polizei einsetzen oder einen Grenzzaun errichten; daran ist auch sicher nicht gedacht“, sagte der Jurist. „Möglicherweise wird erwogen, die ankommenden Flüchtlinge – so wie Österreich dies macht – in andere Bundesländer weiterzuleiten, oder an anderweitige Maßnahmen, die nicht offen in die Zuständigkeiten des Bundes eingreifen“, so Degenhart weiter. In diesem Fall, fügte er hinzu, „erschiene mir doch der rechtsstaatlich einwandfreie Weg über das Gericht vorzugswürdig, zumal das Bundesverfassungsgericht in den europäischen Krisen seine Fähigkeit zum Krisenmanagement unter Beweis gestellt hat“.
Anders als Wieland beurteilt Degenhart auch eine mögliche bayrische Verfassungsklage gegen die Bundesregierung, deren Erfolgsaussichten er als nicht völlig aussichtslos bezeichnete. In der Tat sei der Schutz der Grenzen nach außen eine Aufgabe des Bundes, der diese aber eben auch für die Länder erfüllen müsse, weil deren Belange nachhaltig berührt sind, erläuterte der Jurist. Die Bundesgrenzen seien eben auch Landesgrenzen. Der Bund sei daher den Ländern gegenüber verpflichtet, seine Aufgaben im Rahmen seiner Zuständigkeiten wahrzunehmen. Dies festzustellen, könne Ziel einer Klage des Freistaats sein. Der Anspruch, so Degenhart, wäre dann auf den Grundsatz der Bundestreue zu stützen. Damit werde aber nicht etwa die Kompetenzordnung des Grundgesetzes ausgehebelt.
„Im Gegenteil, weil der Bund die Kompetenz hat, muss er sie auch wahrnehmen.“ Aus Wielands Sicht kann Bayern zwar eine Klage in Form eines Bund-Länder-Streits erheben. „Eine solche Klage hätte aber keine Aussicht auf Erfolg, weil der Schutz der Grenzen Deutschlands in die Zuständigkeit des Bundes, insbesondere der Bundespolizei fällt“, sagte der Jurist. Allein der Bund entscheide, wie er seine Aufgabe erfülle. Daran ändere auch der Grundsatz der Bundestreue nichts, der den Bund wie die Länder verpflichte, sich bundesfreundlich zu verhalten, also auf die Interessen der jeweils anderen Seite Rücksicht zu nehmen. „Die Bundestreue ermächtigt aber nicht dazu, die Kompetenzordnung zu überspielen“, betonte Wieland. „Das kann ein Land auch nicht unter Berufung darauf, die eigenstaatliche Handlungsfähigkeit zu erhalten.“
Statistisches Bundesamt
Einzelhandelsumsatz im September gestiegen
Berlin (dts) – Die Einzelhandelsunternehmen in Deutschland setzten im September nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes 3,4 Prozent mehr um als im September 2014. Beide Monate hatten jeweils 26 Verkaufstage. Im Vergleich zum August lag der Umsatz im September genauso hoch. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im September 3,1 Prozent mehr um als im September 2014. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten um 3,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat.
Im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln wurde 2,0 Prozent mehr umgesetzt als im September 2014. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln lagen die Umsätze um 3,5 Prozent über den Werten des Vorjahresmonats. Dabei erzielte der Internet- und Versandhandel wie bereits in den Vormonaten überdurchschnittlich hohe Zuwachsraten (+ 8,6 Prozent). Von Januar bis September 2015 setzte der deutsche Einzelhandel 2,8 Prozent mehr um als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Neuregelung der Sterbehilfe
Liberale Sterbehilfe-Befürworter tun sich zusammen
Berlin (dts) – In den Streit um die Neuregelung der Sterbehilfe kommt Bewegung. Nach Informationen der „Frankfurter Rundschau“ haben die zwei Gruppen mit liberalen Vorstellung eine Zusammenarbeit vereinbart, um den Antrag mit umfangreicher Strafverschärfung noch stoppen zu können. Am kommenden Dienstag wollen die Gruppe um die Abgeordneten Renate Künast (Grüne) und Petra Sitte (Linke) sowie die Gruppe um Peter Hintze (CDU) und Carola Reimann (SPD) in einer gemeinsamen Pressekonferenz zusammen dafür werben, im Zweifel alle Gesetzentwürfe im Bundestag durchfallen zu lassen.
Damit steigen die Chancen, dass das Parlament am kommenden Freitag gar keine Änderung beschließt und alles beim Alten belässt. „Der Status quo ist am Ende besser als eine Kriminalisierung auch von Ärzten“, sagte Reimann der „Frankfurter Rundschau“. Die Aktion richtet sich konkret gegen den Antrag, dem derzeit die größten Chancen eingeräumt werden. Die Gruppe um die Parlamentarier Kerstin Griese (SPD) und Michael Brand (CDU) wollen die „geschäftsmäßige“ Suizidbeihilfe bestrafen. Unter „geschäftsmäßig“ verstehen die Initiatoren eine wiederholte Sterbehilfe.
Damit würden nicht nur kommerzielle Organisationen erfasst, sondern auch ohne Gewinnabsicht arbeitende Vereine sowie Ärzte. Zwar beteuern die Verfasser des Entwurfs, dass Ärzte in begründeten Einzelfällen weiter Sterbehilfe leisten könnten. Strafrechtsexperten warnen aber, dass selbst bei einer einmaligen Mithilfe schon die Strafverfolgung drohe und Mediziner daher die Sterbehilfe künftig generell ablehnen würden. Betroffene hätten dann gar keine Ansprechpartner mehr, die sie womöglich noch von ihrem Suizidwunsch abbringen könnten. Eine Ablehnung aller Gesetzentwürfe ist möglich. Angewendet wird das sogenannte Stimmzettelverfahren, bei dem im ersten Durchgang über alle vier Gesetzentwürfe abgestimmt wird. Im zweiten Durchgang stehen dann die beiden Entwürfe mit der höchsten Zahl von Ja-Stimmen zur Abstimmung. Möglich ist jeweils, auch gegen alle Gesetzentwürfe zu stimmen. Der am Ende übrig gebliebene Entwurf wird dann erneut zur Abstimmung gestellt. Wenn er dann nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält, bleibt es bei der bisherigen Gesetzeslage. Danach können sowohl Ärzte als auch Vereine straflos Sterbehilfe leisten. Nach Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bevölkerung dafür aus, auf eine Neuregelung zu verzichten.
Angriff auf Flüchtlingsboote
Ägäis: Maskierte Unbekannte greifen Flüchtlingsboote an
Izmir (nex) – Ein Bericht der Human Rights Watch (HRW) warnt vor unbekannten Kriminellen, die im Ägäischen Meer aufgetaucht sind und versucht haben sollen, Flüchtlingsboote zu versenken.
Dem Bericht zufolge sollen maskierte, bewaffnete Männer im Ägäischen Meer mit Einwanderern bestückte Boote manövrierunfähig gemacht und versucht haben, sie in türkische Gewässer zurückzudrängen. Insgesamt neun Berichten über acht separate Vorfälle zufolge sollen die Angreifer im Laufe des Monats Oktober mehrfach Motoren entwendet oder beschädigt, Treibstoff abgezapft oder aufblasbare Boote aufgestochen haben.
Der Bericht kam zwei Monate, nachdem eine türkische Tageszeitung das Bild eines Mannes veröffentlicht hatte, der eine Totenkopfmaske trug und sich auf einem griechischen Küstenwachenboot befand. Bei diesem soll es sich um einen der Angreifer handeln, der gegen Flüchtlingsboote vorgegangen sein soll, die sich auf die Insel Chios zubewegt hatten.
Einem afghanischen Einwanderer zufolge soll ein Schnellboot ihr Boot gerammt haben, auf dem sich fünf Personen befunden hätten, die in Schwarz gekleidet gewesen und mit Masken vermummt gewesen sein sollen. „Als sie auf uns zukommen, dachten wir erst, sie würden uns helfen wollen“, erklärte der Einwanderer gegenüber HRW. „Aber wir konnten anhand ihres Verhaltens erkennen, dass sie nicht gekommen waren, um zu helfen. Sie waren so aggressiv. Sie kamen nicht an Bord zu uns, aber nahmen den Motor des Bootes weg und fuhren davon“. Es soll sich um keine Türken gehandelt haben, so viel habe der Afghane aus der Sprache der Angreifer eruieren können.
Emnid-Umfrage
Umfrage: Seehofers Kurs vor allem in Ostdeutschland beliebt
Berlin (dts) – Bundeskanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel werden am Wochenende zur weiteren Vorgehensweise in der Flüchtlingskrise beraten – vor den Gesprächen sind die Deutschen in ihrer Haltung gespalten. 44 Prozent der Befragten stützen in einer N24-Emnid-Umfrage den Kurs des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel – und befürworten einen offenen Bruch, wenn Merkel nicht auf Seehofers Ultimatum zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms eingeht. 45 Prozent sind gegen die offene Konfrontation.
Bei den Ostdeutschen können sich sogar 61 Prozent mit dem harten Kurs des bayerischen Ministerpräsidenten anfreunden, in seinem eigenen Bundesland dagegen nur 42 Prozent – und dort damit weniger als im Gesamtbild aller Deutschen. 64 Prozent aller Befragten können sich vorstellen, osteuropäischen Ländern EU-Mittel zu streichen, wenn sie sich weiter weigern, ebenfalls Flüchtlinge aufzunehmen. 32 Prozent lehnen dieses Druckmittel ab. Angela Merkel wird von den Deutschen am ehesten die Lösung der Krise zugetraut: 40 Prozent halten sie in der Flüchtlingsfrage am besten für eine Lösung geeignet. Horst Seehofer trauen dies 24 Prozent zu, Sigmar Gabriel nur acht Prozent der Befragten.
"Hizmet-Bewegung"
USA: Staatsanwälte untersuchen dubiose Geldflüsse des Gülen-Netzwerks
Staatsanwälte in der Türkei und den USA untersuchen dubiose Geldflüsse des Gülen-Netzwerks
Washington (nex) – Im Westen spielt man gerne die aufgeschlossene, dialogorientierte Bewegung, deren visionärer Vordenker einen modernen Islam verkörpert, der die Zeichen der Zeit erkannt hätte. Seit dem 17. und 25. Dezember 2013 zeigt die „Hizmet“-Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen jedoch ihr wahres Gesicht.
Nachdem der Putschversuch in der Türkei gescheitert war, den Anhänger dieser Bewegung damals in einer konzertierten Aktion aus ihren Positionen im Inneren des Staates heraus gegen die gewählte Regierung unternommen hatten, wurde der „Fethullaci Terrororganisation“ (FETÖ), wie sie nunmehr regierungsamtlich bezeichnet wird, durch umfangreiche Umstrukturierungen innerhalb des Beamtenapparats die Operationsbasis im Staate selbst entzogen.
Dem „Parallelstaat“ blieben aber noch das eigene Medienimperium und ein weltweit verzweigtes Netz an Privatschulen, die als Rekrutierungsbasis für Nachwuchs betrachtet werden, offenbar aber auch der Geldbeschaffung für die eigene Wühlarbeit in der Türkei dienen sollen. Nun scheint es jedoch für die FETÖ auch auf diesem Gebiet eng zu werden, da mittlerweile in zahlreichen Staaten der Welt auffällige Finanztransaktionen im Zusammenhang mit dem staatsfeindlichen Netzwerk unter die Lupe genommen werden.
In der Türkei wurde über 22 Unternehmen der Koza Holding die Zwangsverwaltung angeordnet, nachdem sich Hinweise darauf verdichtet hatten, dass unter deren Dach mithilfe dieser Firmengeflechte ein Geldwäschegeflecht errichtet worden sei, das unter anderem dazu dienen soll, Gelder illegaler Strukturen der Bewegung außer Landes zu schaffen und so dem Zugriff türkischer Behörden zu entziehen. Auch Insiderhandel soll es unter den eng miteinander verflochtenen Einichtungen gegeben haben.
Dabei soll man sich der im Bereich der Geldwäsche beliebten Methode des „Smurfings“ („Schlumpfens“) bedient haben. Der Mischkonzern Koza İpek Group habe demnach vermeintlich auf Grund aus Minenaktivitäten oder Börsengeschäften hohe Erlöse erzielt und dieses Geld – in welches Mittel aus illegalen und vom Zugriff durch die Behörden bedrohten Aktivitäten geflossen sind – sollte anschließend unter dem Deckmantel von Spenden und Wohltätigkeitsaktivitäten an Einrichtungen weitergegeben worden sein, die von den gleichen Partnern errichtet worden waren, die auch der Holding angehören.
Man habe dabei auch bereitwillig das Dach von der FETÖ gelenkter NGOs genutzt, weil diese im Regelfall keinen so strengen Geldflusskontrollen unterliegt wie Großkonzerne mit strengen Buchführungsregeln. Die Koza İpek Group habe jedoch nicht nur Geld gewaschen, sondern auch die staatsfeindliche Wühlarbeit und Propaganda der Gülen-Bewegung finanziert. Das System aus klein strukturierten Spenden und Wohltätigkeitsaktivitäten sollte auch helfen, unbemerkt höhere Geldsummen zu bewegen.
Dabei vollzog sich vieles an Geldfluss in bar. Insbesondere nach dem gescheiterten Putsch vom Dezember 2013 steigerte sich dieser geradezu exponentiell, als würde man so viel an Geld wie möglich in kurzer Zeit aus Einrichtungen schaffen, die im Zusammenhang mit dem versuchten Staatsstreich standen. Experten zufolge sollen innerhalb des Systems, ähnlich wie im Schlumpfendorf, alle Beteiligten nur bestimmte Aufgaben zugeteilt bekommen und diese ausgeführt zu haben.
Deshalb gingen auch alle davon aus, legale Transaktionen zu tätigen. In Summe seien die Organisationen aber nur zu dem Zweck gegründet worden, illegale Mittel in legale Kreisläufe zu transferieren. Den Überblick über das große Ganze hatten nur die oberen Chargen. Die Behörden schöpften Verdacht, als die Summe der Spenden in manchen Unternehmen der Holding höher war als die der Erträge. Nicht nur in der Türkei geriet das Gülen-Netzwerk jedoch ins Visier der Staatsanwaltschaft. Auch in den USA hat man nun seitens des FBI ein Auge auf das Netz an Charterschulen geworfen, das von Vertrauten des in Pennsylvania ansässigen Predigers auch in den USA betrieben wird.
Das Netzwerk soll in den Vereinigten Staaten vor allem staatliche Fördergelder veruntreut haben, indem sie türkische Lehrer aus ihrem Umfeld ohne nennenswerte Englischkenntnisse angestellt und Aufträge über Lehrmittel sowie Dienstleistungen ohne Ausschreibung an Firmen aus dem Gülen-Imperium vergeben haben sollen. Es stellt sich einmal mehr die Frage, ob US-amerikanische Steuergelder auch im Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten der FETÖ zum Einsatz gekommen waren.
Einige Schulen sind auch bereits geschlossen worden oder es wurde ihnen die staatliche Förderung entzogen, weil sie die erforderlichen Standards nicht einhalten konnten.
Ähnliches soll sich übrigens auch in zahlreichen anderen Ländern der Welt zugetragen haben, etwa in Gabun oder im Senegal, wo mittlerweile wie auch in Aserbaidschan die Gülen-Schulen geschlossen wurden. Auch fiel auf, dass die aus der Türkei eingeflogenen Lehrer, die trotz meist geringerer Qualifikation nominell besser bezahlt wurden als ihre US-Kollegen, bis zur Hälfte ihrer Gehälter an Einrichtungen des Gülen-Netzwerks gespendet haben sollen.
Die Staatsanwaltschaft will in Kürze mitteilen, ob ihr Verdacht bezüglich des betrügerischen Umgangs mit Steuermitteln eine Anklage zur Folge haben werde. Der Fachanwalt für Wirtschaftsrecht, Robert Amsterdam, der seitens der türkischen Regierung als Experte zu den globalen Ermittlungen hinzugezogen wurde, erklärte auf einer Pressekonferenz am Montag, dass die Gülen-Anhänger versuchen würden, ihren Einfluss auf globaler Ebene auszuweiten und zu diesem Zwecke unter anderem internationale Journalisten anheuern würden.
Es wäre erforderlich, auch auf internationaler Ebene die Strukturen und Geldflüsse des umstrittenen Netzwerks zu untersuchen. Amsterdam zufolge beziehe sich die Untersuchung in den USA weniger auf die Person Gülens selbst als auf die Organisation um ihn herum. Gülen-nahe Schulen würden alleine in den USA etwa 150 Millionen US-Dollar aus Steuermitteln erhalten. Auch flössen üppige Spendenmittel der Gülen-Bewegung an US-Kongressabgeordnete und Senatoren, um so den eigenen Einfluss in den USA zu steigern.
Unterdessen machte die FETÖ Amsterdam gegenüber ihr „Dialogverständnis“ deutlich, indem, wie der Jurist berichtete, aus deren Reihen Todesdrohungen ihm gegenüber ausgestoßen wurden. Außerdem mehrten sich in den gülenistischen Medien diffamierende Berichte über seine Person. Dabei wird offenbar auch vor dem Anschlagen antisemitischer Töne mit Blick auf die amerikanisch-jüdische Herkunft Robert Amsterdams nicht zurückgeschreckt.
So übte etwa İhsan Yılmaz in der bewegungseigenen „Zaman“ auf Twitter daran Kritik, dass der türkische Staat einen „jüdischen“ Anwalt bestellt habe. Gülenisten-Anwalt Sıddık Filiz twitterte: „Das Geld kommt von der Nation, während der Anwalt, den sie angeheuert haben, ein Jude ist […]“. Bereits im Jahre 2014 hatte das FBI in 19 Gülen-nahen Charterschulen in Ohio, Indiana und Illinois erstmals Razzien wegen des Verdachts von Verbrechen im Zusammenhang mit Ausschreibungen im Bildungswesen durchgeführt.


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