"Unzeitgemäße Walfangpraktiken"
Walmassaker: 158 Grindwale und Delfine brutal auf den Färöer-Inseln abgeschlachtet

Hagen (nex) – Am vergangenen Freitag wurden auf den Färöer-Inseln 150 Grindwale am Strand der Inselhauptstadt Torshavn und acht Weißseitendelfine in dem Küstenort Skálafjørður an Strandabschnitten grausam abgeschlachtet. Hunderte von Einwohnern beteiligten sich an dem blutigen Fang und Töten der Meeressäuger. Bilder der Walmassaker veröffentlichte das Färinger Online-Portal Knassar. Seit Jahren stehen die Färöer-Inseln aufgrund ihrer fortlaufenden und unzeitgemäßen Walfangpraktiken weltweit in der Kritik. Die Färinger berufen sich auf ihre Jahrhunderte alte Walfangtraditionen. Wesentlich ist offenbar auch, dass das Walfleisch kostenlos an die Einwohner verteilt wird. Die jährliche Wertschöpfung liege bei etwa 3 Millionen Euro, so das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF). Obwohl das zum Verzehr verwendete Fleisch und der Speck der Meeressäuger gesundheitsgefährdend mit Umweltgiften belastet ist, verzichten überwiegend nur Frauen, die schwanger werden wollen, auf den Konsum. Wissenschaftler raten jedoch gänzlich vom Verzehr des belasteten Walfleischs ab. Die Färöer-Inseln gehören zum dänischen Reichsverband, sind jedoch bis auf die Bereiche der Justiz und Verteidigung unabhängig von ihrem Mutterland Dänemark. Demnach gelten für die Färöer-Inseln nicht die internationalen Walfangbeschränkungen in der EU. Dänemark hat nach Angaben des WDSF mehrfach im Rahmen des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS-Übereinkommen/Bonner Konvention) interveniert, um die Färöer-Inseln vom Walfangverbot auszuklammern. Jürgen Ortmüller, WDSF-Geschäftsführer, sieht Dänemark und andere EU-Staaten jedoch zumindest in der moralischen Verantwortung, um Einfluss auf die Regierung der Inselgruppe zu nehmen: „Dass die Färöer-Inseln einer unzeitgemäßen Tradition des Walfangs frönen, ist offenbar nur durch wirtschaftliche Boykottmaßnahmen zu stoppen. Selbst die Gesundheitsgefährdung der Einwohner und von Touristen durch den Walfleischverzehr spielt dort keine Rolle. Die EU sollte Maßnahmen ergreifen, dass keine Fischprodukte mehr von dort importiert werden, zumal über 90 Prozent des Wirtschaftssystems der Färöer-Inseln vom Fischfang getragen wird. Hier steht auch die deutsche Regierung in der Verantwortung, um die Walmassaker zu beenden.“ Das WDSF hatte in den vergangen Jahren intensiv und erfolgreich gegenüber Kreuzfahrtunternehmen interveniert, die Färöer-Inseln nicht mehr anzulaufen. Aida, Costa Grociere, HapagLloyd und Trans Ocean haben ihre Anlandungen aufgrund des Walfangs inzwischen gestoppt und sind auf Alternativziele ausgewichen. TUI Cruises läuft trotz der WDSF-Proteste auch weiterhin den färöischen Walfangort Torshavn an.

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Türkei
Übelkeit und Erbrechen: Über 700 türkische Soldaten ins Krankenhaus eingeliefert

Izmir (nex) – 731 Soldaten wurden in der westtürkischen Provinz Manisa nach Nahrungsaufnahme ins Krankenhaus eingewiesen. Dies teilte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik am gestrigen Sonntag mit. Laut Isik sind insgesamt 500 Soldaten betroffen. „Momentan befinden sich noch 72 Soldaten in Krankenhäusern“, gab Isik auf einer Pressekonferenz nach seinem Besuch im Merkezefendi Krankenhaus bekannt und fügte hinzu, dass kein Soldat in Lebensgefahr schwebe und sich auch keiner auf der Intensivstation befinde. Der Verteidigungsminister wurde vom Kommandierenden General der Landstreitkräfte Zeki Colak begleitet. Der Gouverneur von Manisa, Mustafa Hakan Güvencer, habe zuvor gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu erklärt, dass es noch zu früh sei, Vergiftung als Erkrankungsursache festzumachen. Die Soldaten hätten über Übelkeit und Erbrechen geklagt. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine offizielle Erklärung zu den Gründen der Erkrankung und Diagnose geben, wir warten auf die Laborergebnisse“, betonte Güvencer. Die Polizei nahm laut Anadolu gestern 19 Mitarbeiter sowie Verantwortliche des Catering-Services, das den Militärposten, an dem sich der Vorfall ereignete, beliefert, fest.

Terrorismus
Attacke in London: Bus rast in Menschenmenge vor Moschee – mindestens 1 Toter

London (nex) – Nur zwei Wochen nach dem Terroranschlag in London wird die Millionenmetropole erneut Ziel einer Attacke. Mitten in der Nacht fährt ein Bus in eine Gruppe Gläubiger vor einer Moschee im Norden Londons. Wie die Londoner Polizei mitteilte, seien acht Personen verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Der Angreifer sei bereits verhaftet worden. „All meine Gedanken sind mit jenen, die verletzt wurden, mit deren Angehörigen und mit den Rettungskräften vor Ort“, teilte die britische Premierministerin Theresa May am frühen Montag mit. Sie sprach von einem „schrecklichen Zwischenfall“.  Jeremy Corbyn twitterte, er sei „total schockiert“. Unterdessen sorgte Großbritanniens Pegida-Chef Tommy Robinson mit einem Tweet für Empörung. In einem Video hat er die Moschee für den Anschlag verantwortlich gemacht.

Türkei
PKK-Terror: Ministerpräsident Yildirim weiht weiteres millionenschweres Wiederaufbauprojekt in Diyarbakir ein

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Diyarbakir (nex) – Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat am Freitag in der südosttürkischen Provinz Diyarbakir restaurierte Objekte im Wert von 57 Millionen Türkische Lira (16 Millionen US-Dollar) eröffnet. Die Wirtschaft und die Infrastruktur von Diyarbakir waren bei Kämpfen zwischen der türkischen Armee und der Terrororganisation PKK im vergangenen Jahr schwer beschädigt worden. Ein Ministerrat hatte im März vergangenen Jahres Teile der Stadt verstaatlicht, um beschädigte Strukturen abzureißen und neuzubauen. So sei Medienberichten zufolge im Rahmen des Verbesserungsprojekts Gazi- und Memleketstraßen die Fassaden von 500 Arbeitsplätzen für umgerechnet 6,8 Millionen US-Dollar restauriert worden. Der türkische Ministerpräsident wird auch der Wiedereröffnung verschiedener historischer Gebäude beiwohnen, die beschädigt worden waren und erst vor Kurzem restauriert wurden. Die erste Phase des Projekts „Erholung und Neuorganisation der Landschaft“ mit Moscheen, Sportplätzen, Radwegen und weiteren Einrichtungen auf einem Gebiet von 265 000 Quadratmeter und mit 65 000 Bäumen und Blumen im Landkreis Dicle wurde für 7.6 Millionen US-Dollar fertiggestellt. Im zentralen Stadtbezirk Sur werden 44 Häuser im Stile der traditionellen Gebäude in Diyarbakir restauriert. Die ehemalige Festung und Stadtmauern von Diyarbakir waren 2015 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Mit dem PKK-Konflikt schwanden jedoch die Hoffnungen der Stadt auf mehr Toutisten. Der Anti-Terror-Einsatz, der im vorvergangenen Jahr startete und die länger als 100 Tage andauerte, wurde am 10. März 2016 beendet.

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Bundeswehr-Kontingent
Umzug aus Incirlik: von der Leyen legt Zeitplan für Verlegung nach Jordanien vor

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Berlin (nex) – Die Verlegung des Bundeswehr-Kontingents aus dem türkischen Incirlik nach Jordanien nimmt Formen an. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat einen Zeitplan für die Verlegung des Bundeswehr-Kontingents vom türkischen Stützpunkt Incirlik nach Jordanien vorgelegt. Er soll bis Oktober abgeschlossen sein. In einem Gespräch mit der „Bild am Sonntag“ sagte von der Leyen, dass die in Incirlik stationierten Soldaten und Flugzeuge fest eingeplant seien. Anschließend würden die Tankflugzeuge „schnellstmöglich nach Jordanien verlegt“. Der Umzug der Tornados sei wegen der Ausrüstung technisch komplexer und werde etwa zwei Monate dauern, so von der Leyen. Aufklärungsflüge seien dann wieder ab Oktober möglich. Erst im April letzten Jahres berichtete „Der Spiegel“, dass die deutsche Luftwaffe dabei sei, ihre Basis auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei auszubauen. Incirlik wird bereits von den US-amerikanischen Kampfflugzeugen für Angriffe in Syrien genutzt. Das geplante Projekt sollte „Spiegel“ zufolge 65 Millionen Euro kosten und im Sommer 2017 fertiggestellt sein. Dem Bericht zufolge hatte Ankara dem Antrag Deutschlands, einen vorübergehenden Standort auf Incirlik zu errichten, zu der Zeit auch stattgegeben. Unterkünfte für die dauerhafte Entsendung von circa 400 deutschen Soldaten sollten gebaut und ein vollausgestatteter Kommando- und Kontrollposten sowie Anlagen für Tornado Kampfjets und Airbustanker errichtet werden. Die Zukunft der deutschen Truppen in Incirlik war dieses Jahr allerdings in Frage gestellt worden, nachdem die Türkei deutschen Abgeordneten den Besuch dieses Luftwaffenstützpunktes im Mai nicht gestattet hatte. Die türkische Seite hatte moniert, dass den Asylanträgen mutmaßlicher türkischer Putschoffiziere in Deutschland stattgegeben worden sei. Die Türkei strebe eine verbesserte Kooperation mit den NATO-Staaten an. Falls Deutschland gegen einen Verbleib deutscher Truppen in Incirlik entscheide, werde man Deutschland jedoch Lebewohl wünschen, so der türkische Präsident in einem Statement im Mai.

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"Rechtsextremistische Tätigkeiten"
Niedersächsischer Verfassungsschutz beobachtet AfD-Kreisvorsitzenden

Geheimdienst hat zudem Hinweise zu Kontakten zwischen Junger Alternative und Identitärer Bewegung Osnabrück (ots) – Der niedersächsische Verfassungsschutz beobachtet den Diepholzer AfD-Kreischef Andreas-Dieter Iloff. Das sagte eine Sprecherin der Behörde im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Iloff ist uns durch rechtsextremistische Tätigkeiten bekannt“, erklärte die Sprecherin, ohne dieses genauer zu beschreiben. Erstmals aufgefallen ist der Regionalpolitiker demnach bereits vor Jahren als Mitgründer des in den 1990er Jahren gegründeten extremistischen Vereins „Freundeskreis Deutschland e.V.“ Zwar ist der Verein längst nicht mehr aktiv, die rechtsextremistischen Tätigkeiten Iloffs beschränken sich aber dem Verfassungsschutz zufolge nicht nur auf den Verein. Der Landesverfassungsschutz hat zudem Hinweise auf eine Betätigung von Mitgliedern der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ bei Veranstaltungen der rechtsextremen Identitären Bewegung. Die AfD selbst wird in Niedersachsen nicht vom Verfassungsschutz beobachtet.

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Grenfell Tower
Hochhausfeuer in London: Drei Monate Gefängnis wegen Foto-Posts

London (nex) – Ein Nachbar, der von einem der Opfer des Brandes im Londoner Hochhaus Grenfell Tower Fotos in den sozialen Medien postete, muss eine Haftstrafe von drei Monaten verbüßen. Omega Mwaikambo wurde festgenommen, nachdem er Fotos von einem teilweise bedeckten Körper in einem Leichensack online postete. Am frühen Mittwochmorgen war in dem 27-stöckigen Sozialblock mit mehr als 120 Wohnungen und über 600 Bewohnern ein Großfeuer ausgebrochen. Bislang gibt es mindestens 30 Tote sowie über 100 Verletzte und Vermisste. Der 43-Jährige wurde laut Scotland Yard wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz für schuldig befunden. Mwaikambo wurde am gestrigen Freitag zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Dabei handle es sich um jeweils sechs Wochen Haftstrafe für zwei Vergehen, so der Scotland Yard-Mitarbeiter weiter.    

Terrorismus
Europol-Bericht 2016: PKK griff europaweit türkische Einrichtungen an

Brüssel (nex) – Die Terrororganisation PKK hat laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der europäischen Strafverfolgungsbehörde Europol im vergangenen Jahr europaweit türkische Einrichtungen und Privateigentümer angegriffen. In dem „Europol-Bericht zu Terrorismus in der EU 2017“ heißt es, die PKK betreibe offen Propaganda und treibe Spendengelder in Belgien, Frankreich,  Deutschland,  Italien, Rumänien und der Schweiz ein. „Fünf IED-Angriffe auf türkische Regierungsgebäude und Kulturvereine wurden aus Frankreich vermeldet“, heißt es in dem Bericht. Auch Belgien und Deutschland hätten Vorfälle gemeldet, bei denen Brand- und Sprengsätze zum Einsatz kamen. Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Rumänien sowie die Schweiz hätten berichtet, dass die PKK ihre Geldsammel-, Propaganda- und Rekrutierungsaktivitäten fortsetze.

Allein in Frankreich sammelte die PKK 5,3 Millionen Euro ein.

„In Frankreich handelte sie auf legaler Basis, die aus dem Kurdischen Rat Frankreichs (CDK-F) und dem Centre d’Information du Kurdistan (CIK) besteht; und es gibt eine illegale Organisation, die für das Geldeintreiben zuständig ist und in eingen Fällen Gewalt angewendet hat“, ist weiter zu lesen. Allein in Frankreich habe die Geldsammelaktion vermutlich 5,3 Millionen Euro eingebracht. Der Bericht enthüllt auch, dass die Revolutionäre Volksbefreiungspartei- Front (DHKP-C), eine marxistisch-leninistische Terrororganisation in der Türkei, in mehreren EU-Mitgliedsstaaten über ein breites Netzwerk verfüge und Mitgliedern in der Türkei finanzielle und logistische Unterstützung zukommen lasse. Wenn auch die Gruppe ihre Operationen in der EU eingestellt habe, sei sie in der Türkei nach wie vor aktiv, wo sie laut dem Bericht fünf Anschläge auf Polizisten und Angestellte in Justiz und Regierung verübt habe.

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Türkei
Istanbul: Erste Elektro-Taxis einsatzbereit

Istanbul (nex) – Die Verwaltung des Istanbuler Landkreises Beyoglu sowie die Istanbuler Taxikammer IETO haben am gestrigen Freitag als Suhur-Event erstmals Elektroautos zur Nutzung in der Stadt präsentiert. Suhur ist die letzte Mahlzeit im Ramadan, dem Fastenmonat der Muslime, vor der Morgendämmerung. Wie türkische Medien berichten, nahmen der Bürgermeister von Beyoglu, Ahmet Misbah Demircan, IETO-Chef Yahya Ugur sowie mehrere Taxifahrer an der Veranstaltung teil. „Die Überraschung der heutigen Nacht sind die Elektroautos“, sagte Demircan beim Event. „Die Menschen auf der Erde brauchen erneuerbare Energien wie auch Fahrzeuge, die weniger umweltschädlich sind. Ich danke allen unseren Taxifahrern für ihre Mitarbeit sowie ihren Einsatz für die Beförderung im Stadtverkehr.“ Demircan machte auch in einem der neuen Elektrotaxis eine kleine Rundfahrt. IETO-Chef Ugur betonte in seiner Rede den Komfort in den neuen Taxis. Die neuen Elektrotaxis hätten bei vollem Tank eine Reichweite von 300 Kilometer, teilte Verkaufsrepräsentant Wjatscheslaw Luchnikow mit: „Die Taxis können bis zu 140 km/h erreichen und können innerhalb von 90 Minuten aufgeladen werden. Von außen sind sie klein, aber der Innenraum ist geräumig, sie sind also für den Istanbuler Verkehr gut geeignet.“

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„Tissue Engineering“
„In 20 Jahren wird sich die Mehrheit der Menschen von Kunstfleisch ernähren“

Hamburg (ots) – Richard David Precht prophezeit ein Ende der Massentierhaltung. In 20 Jahren wird sich die Mehrheit der Menschen von Kunstfleisch ernähren, sagte der Philosoph und Autor beim Zukunftsdialog Agrar & Ernährung der ZEIT und der ‚agrarzeitung‘ in Berlin. Die technologische Entwicklung sei so „unfassbar schnell“, außerdem sprächen ethische Argumente für diese Ernährungsform. Nutztierhaltung sei „die große Sauerei der Menschheitsgeschichte“. Kunstfleisch werde zudem deutlich günstiger sein. Die deutsche Politik und Agrarbranche verschlafe diese Entwicklung völlig, so Precht, das Silicon Valley werde wie in anderen Bereichen die Nase vorn haben: „Wir müssen diesen Umbruch schnell mitgestalten, sonst sehe ich für die deutschen Bauern schwarz.“ Precht weiter: „Ich würde mir von der Politik ein deutliches Investitionsvolumen wünschen.“ Bei der Veranstaltung der ‚agrarzeitung‘ und der Wochenzeitung DIE ZEIT diskutieren führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, darunter die Bundesministerin für Umwelt und Naturschutz, Barbara Hendricks, und der Minister für Ernährung und Landwirtschaft am 30. Mai 2017 kontrovers über die Zukunft der Landwirtschaft. Muss sich in der Agrar- und Ernährungswirtschaft substanziell etwas ändern und wenn ja, was? Welche Rahmenbedingungen will und kann die Agrarpolitik setzen? Was erwartet die Gesellschaft von der Agrar- und Ernährungswirtschaft? „Tissue Engineering“ In den verschiedensten Teilen der Welt wie Australien und den Niederlanden forschen Wissenschaftler seit einigen Jahren mit Hochdruck daran, lebende Zellen eines Organismus außerhalb des Zielgewebes zu kultivieren und so im Labor wachstumsfähige Gewebe und Organe zu erzeugen. Dieser Forschungszweig heißt „Tissue Engineering“ – zu deutsch Gewebezüchtung – und ist einer der bestbezahlten Forschungszweige weltweit. „Tissue Engineering“ wird vor Allem mit dem Ziel betrieben, eines Tages funktionsfähige Organe aus körpereigenen Stammzellen für die Transplantation zu züchten. Die Produktion von „tissue-engineered meat“, also essbarem Fleisch aus der Gewebezüchtung, ist im Vergleich zur Produktion lebensfähiger Organe fast trivial, und die Technologien fallen quasi als Nebenprodukt der medizinischen Forschung an. Neben Fleisch von Schweinen, Rindern, Hühnern, Kängurus, Walen oder Langusten könnten auf diesem Wege auch andere tierische Produkte wie Wurst oder Eier leidfrei hergestellt werden. Rindersteak, Kalbshaxe und Schweinebauch, Hähnchen-Nuggets oder Fisch, Frikadelle, Salami, Putenwurst und Leberpastete – tierische Produkte, für die kein Tier sterben musste. Damit wäre das Ende von Legebatterien und Kälbermast, Kastenständen für Schweine, Tiertransporten und Schlachthöfen eingeläutet. „Das Produkt hat die Struktur und den Geschmack von magerem Fleisch, ohne dass die Tiere leiden müssen oder religiöse und ethische Bedenken oder Umweltprobleme auftreten, wie das bei heutigen Fleischprodukten der Fall ist“, heißt es in der Patentschrift für das von Wiete Westerhof an der Universität Amsterdam entwickelte Verfahren. In den Niederlanden wird bereits die industrielle Produktion von Kunstfleisch erforscht. Mit 2 Millionen Euro unterstützt das Wirtschaftsministerium in Den Haag ein zunächst vierjähriges Forschungsvorhaben der Universitäten in Eindhoven, Utrecht und Amsterdam. Projektpartner aus der fleischverarbeitenden Industrie schießen weitere 2,3 Millionen Euro zu. Dennoch ist die Entwicklung in diesem Bereich viel zu langsam – Deutschland beispielsweise unternimmt keinerlei Anstrengungen in diese Richtung. Strukturierte Fleischstücke wie Nackensteak oder Rindsrouladen sind noch Zukunftsmusik – künstliches Formfleisch, das ohne weiteres zu Wurst oder Convenience-Produkten wie Fischstäbchen oder Hähnchen-Nuggets verarbeitet werden könnte, ist dagegen nahezu praxisreif. (ariwa)  

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