Dortmund (nex) – Wer geglaubt hat, der Staat wäre ohne ein Gesetz zur Bekämpfung von Hasskommentaren und Verleumdung im Netz handlungsunfähig, sieht sich heute einmal mehr eines Besseren belehrt. Das berichtet das „Handelsblatt„.
Demnach seien seit heute Morgen bundesweit 23 Polizeidienststellen im Einsatz. In Brandenburg, Berlin, Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland hätten BKA-Beamte Wohnungsdurchsuchungen, Vernehmungen und weitere Maßnahmen gegen 36 Beschuldigte durchgeführt. Das Bundeskriminalamt (BKA) koordiniert den Aktionstag wie im vergangenen Jahr.
Auf Grund des nach wie vor hohen Aufkommen von strafbaren Hasspostings zeige sich weiterhin polizeilicher Handlungsbedarf. „Unsere freie Gesellschaft darf sich ein Klima von Angst, Bedrohung, strafbarer Hetze und Gewalt weder auf der Straße noch im Internet gefallen lassen“, zitiert das Handelsblatt BKA-Präsident Holger Münch. Polizei und Justiz gingen daher heute erneut „entschlossen und gemeinsam gegen Internethetzer vor, ganz gleich, ob die dahinter stehenden Taten links, rechts oder sonstig motiviert waren“.
Wie das Handelsblatt weiter berichtet, ging es bei den Taten überwiegend um politisch rechts motivierte Volksverhetzungen. Die Polizei gehe aber auch gegen einen Hassposter aus der Reichsbürgerszene sowie zwei politisch links motivierte Täter vor. In einem anderen Fall sei die sexuelle Orientierung des Opfers Angriffsziel eines Hasspostings.
Die bisherige Löschungspraxis von Hass und Falschmeldungen der sozialen Netzwerken nannte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) in einem Interview mit der Rheinischen Post “absolut unbefriedigend”. Betroffene würden bei Facebook und Co keinen Ansprechpartner finden oder es werde mit den Beschwerden der Nutzer nicht richtig umgegangen. Das umstrittene Gesetz gegen Hass und Hetze im Internet soll nach dem Willen von Kauder noch vor der Sommerpause unter Dach und Fach kommen. “Ich bin dafür, dass wir uns anstrengen sollten, das Gesetz noch bis Ende Juni zu verabschieden”, sagte Kauder der Rheinischen Post.
Kauder kündigte noch Änderungen an dem Gesetzentwurf an. So sollten einige Nutzer Auskunft über die Identität von Personen verlangen können, von denen sie angegriffen wurden. Der Unionsfraktionschef fordert zudem, dass es auch für die Beantwortung von Auskunftsersuchen der Polizei oder der Staatsanwaltschaft Fristen geben solle.
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Istanbul (nex) – In der türkischen Millionenmetropole ist es am Dienstag in einem Bürogebäude zu einer Explosion gekommen. Das berichten türkische Nachrichtenagenturen.
Bei der Detonation seien nahestehende Fahrzeuge beschädigt worden. Rettungskräfte befänden sich bereits vor Ort.
Der Vorfall ereignete sich um 13 Uhr Ortszeit im Istanbuler Landkreis Maltepe in einer Seifenfabrik. Ein Kessel im Erdgeschoss des fünfstöckigen Gebäudes explodierte mit einem lauten Knall aus bisher unbekannten Gründen. Bei der Explosion wurden die Fahrzeuge vor der Fabrik umhergeschleudert, ein Kleinbus kippte um.
Zwei Personen – einer einer davon syrischstämmig -, die gerade an der Fabrik vorbeigingen, wurden verletzt und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus verbracht. Der Syrer schwebe in Lebensgefahr.
Luxemburg (ots) – Bei den Preisniveaus für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen gab es 2016 in der Europäischen Union (EU) große Unterschiede.
In Dänemark (139% des EU-Durchschnitts) war das Preisniveau am höchsten. Darauf folgten Irland (125%), Luxemburg und Schweden (je 124%), Finnland und das Vereinigte Königreich (je 121%).
In Deutschland lag das Preisniveau bei 104% des EU-Durchschnitts. Das niedrigste Preisniveau fand sich dagegen in Bulgarien (48%), während Polen (53%) und Rumänien (52%) bei nur knapp über 50% des Durchschnitts lagen. Mithin unterschieden sich die Preisniveaus für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen in der EU zwischen dem günstigsten und dem teuersten Mitgliedstaat fast um das Dreifache.
Diese Daten über Verbraucherpreisniveaus im Jahr 2016 stammen aus einem Artikel, der von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, veröffentlicht wurde.
Im Jahr 2016 war das Preisniveau eines vergleichbaren Warenkorbs von Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken im teuersten Mitgliedstaat mehr als doppelt so hoch wie im günstigsten. Die Preisniveaus reichten von 62% des EU-Durchschnitts in Polen und Rumänien bis fast 150% des Durchschnitts in Dänemark (148%). In Deutschland lag es bei 106%.
Die Preisniveaus von alkoholischen Getränken und Tabakwaren wiesen deutliche Unterschiede auf, sie variierten um mehr als das Dreifache zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Das niedrigste Preisniveau wurde 2016 in Bulgarien (56% des Durchschnitts) verzeichnet, das höchste hingegen in Irland (175%). In Deutschland lag es bei 95% des EU-Durchschnitts.
Dienstleistungen von Hotels und Restaurants sind eine weitere Kategorie, in der sich die Preisniveaus markant unterschieden. Die Preisniveaus reichten von 44% in Bulgarien bis 150% in Dänemark. In Deutschland lagen die Preise in dieser Kategorie bei 109%.
Unterhaltungselektronik stellt eine Produktgruppe mit geringeren Preisunterschieden zwischen den Mitgliedstaaten dar: Die Spanne reichte von 86% des Durchschnitts in Polen bis 115% in Dänemark (Deutschland: 99%). Auch Bekleidung ist eine Produktgruppe, in der die Preisunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten weniger stark ausgeprägt waren, wobei Bulgarien (81% des Durchschnitts) am preiswertesten und Schweden (136%) am teuersten war (Deutschland: 103%). Mit der bemerkenswerten Ausnahme von Dänemark (146% des Durchschnitts) waren die Preisunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten auch bei privaten Verkehrsmitteln eher begrenzt und reichten von 78% in der Tschechischen Republik bis 119% in den Niederlanden (Deutschland: 98%).
Paris (nex) – Ein Mann ist mit seinem Auto auf der Champs-Elysées in ein Polizeifahrzeug geprallt. Wie Medien berichten, habe die Polizei den Bereich mit einem Großaufgebot abgesperrt. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen eingeleitet.
Auf den Pariser Champs-Élysées hat ein Mann einen Polizeiwagen gerammt. Medienberichten zufolge gingen Sicherheitsbehörden nicht von einem gewöhnlicher Unfall, sondern einem Angriff aus. Das Auto sei bei dem Aufprall detoniert.
Der Verdächtige sei bereits festgenommen worden, erklärte die Polizei. Innenminister Gérard Collomb gab allerdings den Tod des Angreifers bekannt und sprach von einem „Anschlagsversuch“.
Laut den Behörden ist die Situation unter Kontrolle. Niemand außer dem Fahrer sei verletzt worden.
Heavily armed police extend cordon. Appear to be searching area. One man is on the ground and one car is stopped in middle of cordoned area. pic.twitter.com/TapQejiTiF
Prag (nex) – Die türkischen Basketball-Damen konnten sich beim EM-Turnier-Spiel am Samstag gegen Italien durchsetzen und den Gruppensieg erringen. Sie ziehen damit ins Viertelfinale ein.
Der 54-53 Erfolg in der Hradec Kralove Arena war Türkeis zweiter Sieg in der Gruppe B.
Hollingsvorth war mit 29 Punkten und 21 Rebounds Topscorer des Spiels.
Bei ihrem ersten Spiel im diesjährigen Turnier schlug die rot-weiße Mannschaft das Team aus Slovakia am Freitag mit 69-58.
(Foto: AA)
Der Sieg über Italien garantiert der Türkei den ersten Platz in der Gruppe B. Beim letzten Spiel muss die Mannschaft am Freitag gegen Belarus antreten.
Die Basketball Europa-Meisterschaft der Damen findet vom 16.-25- Juni in der Tschechei statt.
Dies ist die siebte Teilnahme der türkischen Basketball-Damenmannschaft bei einer EM und bereits ihr fünfter Aufstieg ins Viertelfinale des Turniers.
Berlin (nex) – Insgesamt 19 Polizisten wurden am Sonnabend bei zwei Demonstrationen in Moabit und Gesundbrunnen verletzt. Gleichzeitig nahmen Beamte 112 Personen fest. Das berichtet der Tagesspiegel.
Demnach sei eine pro-kurdische Demonstration für 12 Uhr mit dem Thema „Solidarität mit Rojava und Shengal“ in Moabit angemeldet worden.
Bereits vor Beginn hätten Polizisten 18 Fahnen sichergestellt. Wie der Tagesspiegel weiter berichtet liefen nach Polizeiangaben gegen 13.45 Uhr knapp 300 Demonstranten über die angemeldete Demonstrationsstrecke zur Straße Alt-Moabit Ecke Turmstraße.
Dort habe der Aufzug gegen 14.15 Uhr angehalten, da immer wieder verbotene kurdische Vereinssymbole gezeigt und über den Lautsprecherwagen Lieder mit verbotenen Texten abgespielt worden seien, berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf eine Polizeimitteilung.
In der Rathenower und Perleberger Straße hätten Demo-Teilnehmer Steine und Flaschen in Richtung von Personen, von denen sie sich verbal provoziert fühlten, geworfen. Einige Passanten hätten den sogenannten „Wolfsgruß“ in Richtung der Aufzugsteilnehmer gezeigt. Polizisten seien eingeschritten, um ein Aufeinandertreffen der Konfliktparteien zu verhindern.
Nach dem Ende der Demo gegen 16.30 Uhr wurden die Polizisten am U-Bahnhof Schwarzkopfstraße von ehemaligen Teilnehmern der Kurden-Demo mit Fahnenstangen, Faustschlägen und Tritten, teilweise direkt gegen den Kopf, attackiert. Wie die Polizei weiter berichtet, setzten die Beamten sich unter Einsatz von körperlicher Gewalt, Rettungsmehrzweckstöcken und Pfeffersprays zur Wehr und drängten die Angreifer zurück oder nahmen sie fest.
Dem Tagesspiegel zufolge beklagten sich Teilnehmer der pro-kurdischen Demonstration über Polizeigewalt. Mit einem Twitter-Video wollen sie belegen, dass die eingesetzte Gewalt durch die Polizei ungerechtfertigt und übertrieben gewesen sei.
Auf dem Video sei zu sehen, wie ein Polizist einem Teilnehmer der Demo gegen den Kopf schlägt. Der Mann sei daraufhin blutend umgefallen. 112 Personen habe die Polizei festgenommen. Die Beamten leiteten 74 Strafermittlungsverfahren u. a. wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, schweren Landfriedensbruchs, Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Nötigung, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, versuchter Gefangenenbefreiung und Verstößen gegen das Versammlungs- , Vereins- und Waffengesetz ein, berichtet der Tagesspiegel weiter.
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Düsseldorf (nex) – Im Alter nimmt die Gedächtnisleistung ab. Ältere Menschen brauchen mehr Zeit, um Neues zu lernen oder sich an Altes zu erinnern. Das ist ganz normal und Folge des natürlichen Alterungsprozesses.
Trotzdem bereiten diese Entwicklungen Senioren oftmals große Sorgen. Viele haben Angst, an einer Alzheimer-Erkrankung zu leiden. Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) klärt über die Unterschiede zwischen der Alzheimer-Krankheit und altersbedingter Vergesslichkeit auf.
Jeder hat Momente, in denen er sich an bestimmte Dinge nicht erinnern kann – beispielsweise wo ein Schlüssel abgelegt wurde. Menschen mit Alzheimer wissen dagegen irgendwann nicht mehr, wofür Schlüssel überhaupt benutzt werden. Vergesslichkeit bedeutet also, sich ein bestimmtes Detail nicht merken zu können, während bei Alzheimer komplette Zusammenhänge oder Abläufe nicht mehr erinnert werden können.
Veränderungen, die auf eine Alzheimer-Krankheit hinweisen können, sind: Gedächtnislücken, Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen, Probleme mit gewohnten Tätigkeiten, räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme, Wahrnehmungsstörungen, sich neu entwickelnde Sprach- und Schreibschwäche, Verlegen von Gegenständen, eingeschränktes Urteilsvermögen, Verlust von Eigeninitiative, Rückzug aus dem sozialen Leben, Persönlichkeitsveränderungen.
Grundsätzlich gilt: Wer sich Sorgen um sein Gedächtnis macht, sollte immer einen Hausarzt aufsuchen. Denn es kann nur im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung festgestellt werden, was die Ursache von Gedächtnisproblemen ist. Eine Selbstdiagnose ist nicht möglich.
Mehr zu den Symptomen der Alzheimer-Krankheit und zu vielen weiteren Themen rund um die Alzheimer-Krankheit gibt es auf der AFI-Webseite unter www.alzheimer-forschung.de.
Dank zahlreicher privater Spender konnte die AFI bisher 750.000 kostenlose Ratgeber und Broschüren an Interessierte und Betroffene versenden. Zusätzlich konnten 201 Forschungsaktivitäten mit über 8,4 Millionen Euro unterstützt werden.
Bursa (nex) – Die Verwaltung der nordwesttürkischen Provinz Bursa hat ein Projekt gestartet, wonach in den innerstädtischen Zügen Frauenabteile eingeführt worden sind, damit Frauen „angenehm reisen können“. Dies hat nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu der Bürgermeister bei einer Verwaltungssitzung in der vergangenen Woche bekannt.
„Die von uns realisierten Umsetzungen geschehen nicht umsonst“, erklärte Bürgermeister Recep Altepe und ergänzte:
„Bursa belegt türkeiweit in Sachen Lebensqualität den ersten Platz, weltweit rangiert es unter den Top 20. Und Frauenabteile stellen für unsere Mitbürger eine Option dar. Dies bedeutet nicht, dass Männer und Frauen nicht mehr im selben Waggon reisen können. Wir haben hier lediglich den Komfort in den Mittelpunkt gerückt.“
Wenn auch die neuen Projekte von manchen Politikern polemisiert worden seien, hätten sie dennoch von verschiedenen Gruppen der Gesellschaft positive Rückmeldungen erhalten, so Altepe weiter.
„Noch bevor das System starten konnte, wurde eine negative Stimmung dagegen geschaffen, es wurde gnadenlose und irrationale Kritik daran geübt“, sagte er und fügte hinzu:
„In Japan werden Frauen seit 15 Jahren auf Wunsch in verschiedenfarbigen Waggons befördert. Im öffentlichen Verkehr hat keiner das Recht, einen anderen zu stören. Deshalb erlegen wir auch niemandem Einschränkungen auf.“
Mit der neuen Regelung könne jeder ein- und aussteigen, wie er wünscht. So solle die Lebensqualität und Zufriedenheit steigern werden.
„Diejenigen, die das kritisieren, haben keine Ahnung von New York und Tokio“, so Altepe weiter.
Washington D.C (nex) – Das US-Außenministerium hat am vergangenen Donnerstag eine große Anzahl deklassifizierter Dokumente über die Rolle der Vereinigten Staaten bei dem Putsch von 1953 gegen die damalige iranische Regierung unter Mohammed Mossadegh veröffentlicht.
Das 1 000 Seiten fassende Dokument mit dem Titel „Foreign Relations of the United States, Iran, 1951-1954“ (Außenbeziehungen der Vereinigten Staaten, Iran, 1951-1954) liefert Informationen über die Durchführung verdeckter Operationen im Iran während der Amtszeit der US-Präsidenten Truman und Eisenhower.
Dabei geht es um den Zeitraum vor und nach dem Staatsstreich, der den Sturz des demokratisch gewählten Premierministers Mohammad Mossadegh und die Stärkung des Monarchen Mohammad Reza Pahlavi vorsah.
Der Band enthält Aufnahmen über die Planung und Umsetzung der Operation #TPAJAX – unter dieser Bezeichnung führte die CIA den Putschversuch. Die Dokumente bieten einen Umriss zahlreicher CIA-Operationen inklusive einer Neuorganisierung des iranischen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes und beschreiben die Errichtung einer geheimen Sendestation in Iran.
Die jetzt veröffentlichten Dokumente ergänzen diejenigen, die bereits 1989 freigegeben worden waren. Letztere wurden in der Vergangenheit kontrovers diskutiert, ließen sie doch alle Bezüge zu den US-Nachrichtendiensten zum Putsch weg.
Jahrzehntelang hatten sich Regierungen der USA und Großbritanniens geweigert, die Rolle, die sie beim Putsch von 1953 gespielt hatten, anzuerkennen, obwohl schon 1954 Berichte in den Medien auftauchten und ehemalige CIA- und MI6-Mitarbeiter Memoiren über ihre Aktivitäten in Iran herausbrachten. Das berühmteste Buch war Kermit Roosevelts „Countercoup„. Die CIA stritt bis 2013 Roosevelts Rolle bei dem Putsch offiziell ab.
Berlin (ots) – Das weltweite Ausmaß von Flucht und Vertreibung, verursacht durch Krieg, Gewalt und Verfolgung, hat im Jahre 2016 den höchsten jemals registrierten Stand erreicht, heißt es in einem Bericht, der heute von dem UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) veröffentlicht worden ist.
Nach der neuen Weltjahresstatistik Global Trends der UN-Organisation gab es Ende 2016 insgesamt 65,6 Millionen Menschen, die von Flucht und Vertreibung betroffen waren – 300.000 Menschen mehr als im Jahr zuvor. Damit wird deutlich, welch enorme Zahl von Menschen weltweit Schutz benötigen, doch es zeigt auch, dass sich im Jahre 2016 der Anstieg von Flucht und Vertreibung verlangsamt hat. In jedem der letzten fünf Jahre stieg die globale Gesamtzahl jeweils in Millionenhöhe.
Der nunmehr erreichte Stand von 65,6 Millionen umfasst drei wichtige Komponenten: Zunächst die Zahl der Flüchtlinge – sie ist mit 22,5 Millionen höher als jemals zuvor. Von dieser Gesamtzahl fallen 17,2 Millionen in den Verantwortungsbereich von UNHCR, die Übrigen sind palästinensische Flüchtlinge, die bei unserer Schwesterorganisation UNRWA registriert sind. Syrien bleibt weltweit das größte Herkunftsland von Flüchtlingen (5,5 Millionen). Der größte neue Faktor im Jahre 2016 war jedoch der Südsudan, wo der katastrophale Zusammenbruch der Friedensbemühungen im Juli zu einer Massenflucht von 739.000 Menschen bis zum Jahresende führte (aktuell sind es mittlerweile 1,87 Millionen).
Die zweite Gruppe betrifft die Zahl der Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes geflohen sind. Dies waren 40,3 Millionen im Vergleich zu 40,8 Millionen im Jahr zuvor. Syrien, Irak und weiterhin Kolumbien stehen an der Spitze jener Staaten, die von Binnenflucht und -vertreibung betroffen sind. Dieses Problem hat jedoch eine globale Dimension und ist verantwortlich für fast zwei Drittel der Gesamtzahl von 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht.
Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Asylbewerber, also Menschen, die ihr Heimatland verlassen haben und anderswo internationalen Schutz als Flüchtlinge suchen. Ende 2016 betrug ihre Zahl weltweit 2,8 Millionen.
Hinter diesen nackten Zahlen stehen die horrenden menschlichen Kosten, die durch Krieg und Verfolgung weltweit verursacht werden: 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht, das heißt, dass im Schnitt einer von 113 Menschen weltweit von Flucht und Vertreibung betroffen ist – die Gesamtzahl ist größer als die der Bevölkerung von Großbritannien und fast ebenso groß wie die von Thailand (auf Rang 21 bzw. 20 der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt).
„Welchen Maßstab man auch nimmt, diese Zahl ist nicht zu akzeptieren. Und aus ihr spricht lauter als jemals zuvor die Notwendigkeit zur Solidarität und zu gemeinsamen Zielen bei der Prävention und Lösung von Krisen. Gemeinsam muss sichergestellt werden, dass die Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden weltweit angemessen geschützt und versorgt werden, während zugleich Lösungen angestrebt werden“, sagte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. „Wir müssen zugunsten dieser Menschen besser werden. In einer Welt voller Konflikte bedarf es Entschlossenheit und Mut, nicht Furcht.“
Eine wesentliches Ergebnis von Global Trends: Die Zahl jener Menschen, die im Verlauf des Jahres 2016 neu zur Flucht gezwungen wurden, bleibt auf einem sehr hohen Stand: 10,3 Millionen insgesamt, von ihnen blieben zwei Drittel innerhalb der Grenzen ihres Heimatlandes. Statistisch gesehen bedeutet dies: 2016 musste alle drei Sekunden ein Mensch fliehen – eine geringere Zeitspanne, als es braucht, diesen Satz zu lesen.
Gleichzeitig gab es im letzten Jahr jedoch auch für viele heimkehrende Flüchtlinge und Binnenvertriebene sowie durch Resettlement-Programme in Drittstaaten Aussichten für eine sich verbessernde Situation. 37 Staaten akzeptierten insgesamt 189.300 Flüchtlinge zur Aufnahme durch Resettlement. Rund eine halbe Million Flüchtlinge konnten in ihr Heimatland zurückkehren, zudem rund 6,5 Millionen Binnenvertriebene in ihre jeweiligen Heimatregionen – wenngleich viele von ihnen keineswegs unter idealen Bedingungen und mit unsicheren Zukunftsaussichten.
Die meisten Flüchtlinge weltweit (84 Prozent), lebten Ende 2016 in Staaten mit niedrigen oder mittleren Einkommen, einer von drei Flüchtlingen (insgesamt 4,9 Millionen) wurde von den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt aufgenommen. Dieses gewaltige Ungleichgewicht spiegelt verschiedene Sachverhalte wider einschließlich der Tatsache, dass es international an einem Konsens fehlt, wenn es um das Thema Aufnahme von Flüchtlingen geht und die damit verbundene geographische Nähe vieler armer Staaten zu Konfliktregionen. Es zeigt auch auf, dass Staaten und Gemeinden, die Flüchtlinge und andere aus ihrer eigentlichen Heimatregion geflohene Menschen unterstützen, eine robuste finanzielle Ausstattung und Hilfe benötigen. Deren Fehlen kann Instabilität herbeiführen und hat Konsequenzen für lebenssichernde humanitäre Hilfe oder löst Weiterwanderung aus.
In Relation zur Gesamtbevölkerung ist Syrien weiterhin weltweit am stärksten von Flucht und Vertreibung betroffen: Zwölf Millionen Menschen (fast zwei Drittel der Gesamtbevölkerung) sind entweder Binnenvertriebene oder im Ausland als Flüchtlinge und Asylsuchende. Abgesehen von der lange andauernden palästinensischen Flüchtlingssituation stellen Afghanen die größte Bevölkerung (4,7 Millionen), gefolgt von Irakern (4,2 Millionen) und Südsudanesen (weltweit mit 3,3 Millionen Betroffenen die am schnellsten wachsende Bevölkerung auf der Flucht).
Kinder machen die Hälfte der weltweiten Flüchtlingsbevölkerung aus. Sie müssen vor allem aufgrund ihrer Vulnerabilität besonders leiden. Tragischerweise wurden im letzten Jahr 75.000 Asylanträge von Kindern gestellt, die allein oder von ihren Eltern getrennt fliehen mussten. Laut dem Bericht ist diese Zahl wahrscheinlich zu niedrig, um die tatsächliche Situation widerzuspiegeln.
UNHCR schätzt zudem, dass Ende 2016 zumindest zehn Millionen Menschen keine Nationalität besaßen oder dem Risiko der Staatenlosigkeit ausgesetzt waren. Die Daten, die von Regierungen in diesem Zusammenhang erhoben und an UNHCR übermittelt wurden, betrafen jedoch lediglich 3,2 Millionen staatenlose Menschen in 74 Staaten.
Global Trends ist eine statistische Erhebung zu Flucht und Vertreibung, eine Reihe von wesentlichen Entwicklungen im Jahre 2016 ist deshalb in dem Bericht nicht erfasst. Dies betrifft die gestiegene Politisierung des Asylthemas in vielen Staaten und die wachsenden Beschränkungen beim Zugang zum Schutz in vielen Regionen, aber auch positive Entwicklungen wie die historischen Gipfeltreffen zu Flüchtlingen und Migranten im September 2016 mit der daraus resultierenden, bahnbrechenden New Yorker Erklärung sowie dem neuen gesamtgesellschaftlichen Ansatz, um Situationen von Flucht und Vertreibung durch eine umfangreiche Antwort und entsprechende Rahmenbedingungen besser bewältigen zu können (Comprehensive Refugee Response Framework) und schließlich die enorme fortwährende Großzügigkeit von Aufnahmestaaten wie auch Geberregierungen gegenüber Flüchtlingen und anderen von Flucht und Vertreibung betroffenen Bevölkerungsgruppen.
UNHCR erstellt seinen Bericht Global Trends jährlich auf Grundlage eigener Datenerhebungen sowie von Daten, die von seinem Partner, dem Internal Displacement Monitoring Centre und von Regierungen übermittelt werden.