VÖ Travel insolvent
Öger pleite – Erdogan schuld

Nach nur zwei Jahren auf dem Markt ist der Comebackversuch des Unternehmers Vural Öger mit VÖ Travel gescheitert. Das Unternehmen meldete jüngst Insolvenz an. Öger selbst bezeichnet sich, so das „Manager-Magazin“, als „Opfer von Erdogan und Putin“.

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Hamburg (nex) – Das vom bekannten Unternehmer und ehemaligen Politiker Vural Öger gegründete Hamburger Unternehmen VÖ Travel hat nach zwei Jahren der Geschäftstätigkeit Insolvenz angemeldet.

Dies berichten mehrere deutsche und türkische Medien, und auch auf der Homepage des Reiseveranstalters wird verkündet, dass das Unternehmen seinen Betrieb einstellen werde. Es werden keine Reisen mehr durchgeführt und keine Buchungen mehr angenommen. Noch offene Kundenansprüche und Schadensersatzansprüche seien über die Zurich Versicherung und Kaera abgesichert. Reisebüros werden hinsichtlich ihrer Provisionen jedoch an den Insolvenzverwalter verwiesen.

Öger wird sich auch aus der auf dem Fernsehsender Vox ausgestrahlten Sendung „Die Höhle der Löwen“ zurückziehen, in der er Start-Up-Unternehmer bei der Gründung berät. In Fachmagazinen macht man Probleme im Reisebüro-Vertrieb, zu große Fluktuation im Management und eine ungünstige Geschäftsentwicklung für das Aus verantwortlich.

Öger selbst bezeichnet sich, so das „Manager-Magazin“, als „Opfer von Erdoğan und Putin“. Das Türkei-Reisegeschäft sei drastisch eingebrochen und infolge des Syrien-Konflikts herrsche in der Tourismusbranche des Landes ein ruinöser Preiskrieg mit Übernachtungen im Fünfsternehotel für 40 Euro oder Flügen in die Türkei für 70 Euro. „Wir mussten zuletzt jede Reise subventionieren“, erklärte Öger gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Seit dem Abschuss eines russischen Flugzeugs durch die türkische Armee im November sei „das Geschäft endgültig erledigt“. Russische Buchungen seien infolge der Boykottaufrufe aus Moskau um die Hälfte zurückgegangen.

Andere Medien verweisen hingegen auf Zahlungsausfälle bei den von Öger geführten Majesty Hotels nach der Pleite des russischen Reiseveranstalters Teztur. Auch hatte es einen unangenehmen Rechtsstreit zwischen dem Schwesterunternehmen Öger Türk Tur und dem Charterflug-Anbieter Sun Express gegeben, die allerdings nach Angaben von VÖ Travel keinen Einfluss auf das Geschäftsgebaren des vor zwei Jahren gegründeten Unternehmens gehabt haben sollen, das an die vergangenen Erfolge der 1969 ins Leben gerufenen und 2010 an Thomas Cook verkauften Öger Tours anknüpfen sollte. Vor allem aber soll VÖ Travel den Markt und seine eigenen Möglichkeiten völlig falsch eingeschätzt haben. Statt der geplanten 100 000 Kunden soll man, so „touristik aktuell“, 2015 nicht einmal 15 000 Pauschaltouristen begeistern haben können.

Anfang der 2000er Jahre zog es den Unternehmer in die Politik. Er ließ sich für die SPD ins Europaparlament wählen und zeigte Kritikern zufolge dort, dass „gut gemeint“ gerade auf diesem Terrain nicht selten das Gegenteil von gut wäre. Es fiel Öger schwer, auf der einen Seite innerhalb der türkischen Einwanderercommunity als Aushängeschild wahrgenommen zu werden, auf der anderen aber Anpassungsfähigkeit gegenüber dem von antitürkischen und islamfeindlichen Ressentiments gekennzeichneten politischen und medialen Mainstream in Deutschland zu zeigen.

So lavierte er stets zwischen Verbeugungen vor dem islamfeindlichen Konsens, wenn er etwa in Interviews gegen das Kopftuch wetterte, auf der einen Seite, und Forderungen nach besserer Akzeptanz türkischer Einwanderer auf der anderen. Im Jahre 2007 erlebte er ein politisches Fiasko, als er einerseits im Fall des unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Kindes in der Türkei inhaftierten Uelzener Schüler Marco W. erst das Vorgehen der türkischen Justiz verteidigte, andererseits aber in einer Weise persönlich vor Ort für dessen Freilassung zu intervenieren versuchte, die selbst die Verteidiger des Beschuldigten vor den Kopf stieß. Anschließend versuchte er, die tatsächliche Freilassung als Erfolg seiner Initiative zu verkaufen.

 

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