Jerusalem – Die israelischen Streitkräfte (IDF) kämpfen weiterhin mit einem besorgniserregenden Anstieg der Selbsttötungen unter aktiven Soldaten und Reservisten. Neue Fälle unter weiblichen Angehörigen der Streitkräfte unterstreichen die anhaltend hohe psychische Belastung im Zuge des andauernden Krieges.
Die Serie tragischer Vorfälle im israelischen Militär reißt nicht ab: In dieser Woche nahmen sich zwei israelische Soldatinnen das Leben. Wie die Zeitung Haaretz berichtete, verstarb am Dienstagmorgen eine Soldatin des Bardelas-Bataillons, das an der ägyptisch-israelischen Grenze stationiert ist, auf einem Stützpunkt im Süden Israels.
Bereits am Sonntag nahm sich eine Soldatin des Militärnachrichtendienstes, die eine eingestufte Position innehatte, auf dem Militärstützpunkt Glilot nahe Ramat Hasharon das Leben. Die Militärpolizei hat in beiden Fällen Ermittlungen zu den genauen Umständen aufgenommen, berichtet die israelische Zeitung Haaretz.
Mit diesen neuen Vorfällen steigt die Zahl der aktiven IDF-Soldaten, die sich seit Beginn des laufenden Jahres das Leben genommen haben, auf 16. Hinzu kommen laut Daten von Haaretz mindestens neun weitere Fälle von regulären Soldaten und Reservisten, die an den Kriegeinsätzen teilnahmen und sich außerhalb ihres Dienstes das Leben nahmen.
Rekordwerte und anhaltender Trend
Der Anstieg setzt eine Entwicklung fort, die das Militär bereits in den Vorjahren stark belastete. Nach Angaben von Haaretz verzeichnete die IDF im Jahr 2025 insgesamt 22 Selbsttötungen im aktiven Dienst – der höchste Jahreswert seit 15 Jahren.
Bereits Berichte des Forschungs- und Informationszentrums der Knesset auf Basis von Daten des Sanitätskorps verdeutlichten das Ausmaß der Krise: Zwischen Januar 2024 und Juli 2025 unternahmen 279 Soldaten einen Suizidversuch. Kampfsoldaten machten dabei im Jahr 2024 rund 78 % aller Fälle aus – ein signifikanter Anstieg gegenüber den Vorkriegsjahren (2017–2022), in denen dieser Anteil bei 42 bis 45 % lag. Seit Beginn der Rolleinbindung im Gazastreifen und an weiteren Fronten liegt die Zahl der jährlichen Fälle damit konstant weit über dem Vorkriegsdurchschnitt von 11 bis 14 Suiziden pro Jahr.
Ursachen: Dauerbelastung, PTBS und Reintegrationsprobleme
Experten für psychische Gesundheit und Militärbeamte führen den anhaltenden Trend auf die langwierigen Kampfhandlungen im Gazastreifen und im Libanon, schwere Traumata, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sowie die Belastung durch verlängerte Reservisteneinsätze zurück.
Viele Betroffene haben nach der Rückkehr ins zivile Leben mit erheblichen Problemen zu kämpfen, da bestehende Unterstützungsstrukturen oft nicht ausreichen. Die IDF bezeichnen die Entwicklung als „besorgniserregendes Phänomen“. Tausende Reservisten haben ihre Kampfeinsätze aufgrund psychischer Belastungen vorübergehend unterbrochen.
Gegenmaßnahmen der IDF und verbleibende Lücken
Als Reaktion auf die Entwicklung hat das Militär seine Kapazitäten zur psychischen Unterstützung ausgebaut:
- Einrichtung einer rund um die Uhr erreichbaren Hotline,
- Aufstockung um Hunderte zusätzliche Offiziere für psychische Gesundheit,
- Schulungen für Kommandeure zur Früherkennung von Überlastungssymptomen,
- Aufbau spezialisierter Kliniken für kampfbedingte Traumata.
Trotz dieser Maßnahmen weisen Kritiker, Familien und Abgeordnete auf weiterhin bestehende Lücken hin: Nur ein geringer Teil der betroffenen Soldaten hatte in den Monaten vor ihrem Tod professionelle psychologische Hilfe in Anspruch genommen.
Mitglieder des Knesset-Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung bezeichneten die Lage in Dringlichkeitssitzungen als Krise der nationalen Sicherheit. Die IDF betonen, dass jeder Suizid eine Tragödie sei und man das Netz an Hilfeleistungen weiter verdichten müsse, um betroffene Angehörige der Streitkräfte nicht allein zu lassen.
Two female Israeli soldiers die by suicide as IDF mental health crisis deepens https://t.co/AjLJHW7Oc9
— Haaretz.com (@haaretzcom) July 29, 2026

