„Global Sumud Flotilla“
Flotilla-Skandal: Sánchez fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel.

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Madrid – Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel.

Nachdem das israelische Militär die internationale Hilfsflotte „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern abgefangen und rund 430 Aktivisten festgenommen hat, löste ein Video des israelischen Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, eine Welle der internationalen Empörung aus.

In dem von Ben-Gvir selbst auf der Plattform X veröffentlichten Video ist zu sehen, wie ausländische Aktivisten – darunter auch europäische Staatsbürger – mit gefesselten Händen auf dem Deck eines Militärschiffs knien und gezwungen werden, die Stirn auf den Boden zu pressen. Der ultrarechte Minister läuft dabei triumphierend durch die Reihen der Gefangenen.

Pedro Sánchez reagiert mit scharfer Kritik

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez verurteilte das Vorgehen am Mittwochabend via X aufs Schärfste und bezog sich direkt auf die im September vergangenen Jahres gegen den Minister verhängten Maßnahmen. Sánchez erklärte:

„Die Bilder des israelischen Ministers Ben-Gvir, der die Mitglieder der internationalen Flottille zur Unterstützung von Gaza demütigt, sind inakzeptabel. Wir werden nicht tolerieren, dass irgendjemand unsere Bürger misshandelt. Im September habe ich das Einreiseverbot für dieses Mitglied der israelischen Regierung in unser nationales Territorium angekündigt. Nun werden wir in Brüssel darauf drängen, dass diese Sanktionen dringend auf europäische Ebene ausgeweitet werden.“

Spanien hatte bereits im September 2025 ein nationales Einreiseverbot gegen Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich verhängt. Nun will Madrid im Verbund mit anderen europäischen Ländern erreichen, dass der Minister im gesamten EU-Raum zur unerwünschten Person erklärt wird.

Internationaler Aufschrei und Einbestellung von Botschaftern

Mit seiner Empörung steht der spanische Regierungschef nicht allein. Auch Italien, Frankreich, Polen und die Niederlande reagierten mit drastischen diplomatischen Schritten und bestellten die jeweiligen israelischen Botschafter und Geschäftsträger ein.

Italiens Premierministerin Giorgia Meloni nannte die Behandlung der Aktivisten „unerträglich“ und forderte eine offizielle Entschuldigung vonseiten Israels. Sogar der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, verurteilte Ben-Gvirs Aktion als „verabscheuungswürdig“ und erklärte, der Minister habe „die Würde seiner eigenen Nation verraten“.

Spaniens Außenminister José Manuel Albares fand extrem deutliche Worte und bezeichnete das Vorgehen und das Video als „monstrous, indigno e inhumano“ (monströs, würdelos und unmenschlich). Er bestellte die israelische Geschäftsträgerin Dana Erlich ein und erklärte:

„Dieses Verhalten ist absolut inakzeptabel. Ich fordere eine öffentliche Entschuldigung vonseiten Israels.“

Europäische Union (EU-Ratspräsident António Costa): Auch von oberster EU-Ebene gab es eine scharfe Rüge. Costa zeigte sich auf X „entsetzt“ über den Umgang mit den Helfern:

„Dieses Verhalten ist völlig inakzeptabel. Wir fordern die sofortige Freilassung der Aktivisten.“

Großbritannien (Außenministerin Yvette Cooper): Die britische Regierung reagierte prompt und bestellte den israelischen Gesandten in London ein. Cooper sprach von „völlig schändlichen Szenen“ („totally disgraceful scenes“) und erklärte, dass das Video „gegen die grundlegendsten Standards von Respekt und menschlicher Würde verstößt“.

Niederlande (Außenminister Tom de Bruijn / Tom Berendsen): Das niederländische Außenministerium bestellte ebenfalls den israelischen Botschafter ein und verurteilte die Szenen auf dem Schiff scharf:

„Diese Behandlung der Inhaftierten verstößt fundamental gegen die menschliche Würde. Es ist wichtig, dass sich Netanjahu davon distanziert hat, aber Israel muss die Sicherheit der ausländischen Staatsbürger garantieren.“

Kanada (Außenministerin Anita Anand): Auch aus Übersee kam harte Kritik. Anand nannte die Aufnahmen „zutiefst beunruhigend und absolut inakzeptabel“ und kündigte die offizielle Vorladung des israelischen Botschafters in Ottawa an.

Angesichts des massiven globalen Drucks schritt schließlich auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein. Er rügte seinen Sicherheitsminister öffentlich und erklärte, das Verhalten entspreche „nicht den Werten und Normen Israels“.

Netanjahu ordnete die unverzügliche Abschiebung der rund 430 festgenommenen Aktivisten an. Nach Angaben von Rechtsbeiständen werden die internationalen Helfer derzeit zu Flughäfen im Süden Israels transportiert, um das Land auf dem Luftweg zu verlassen.

 


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