Israel-Iran-Konflikt
Iranischer Denker Dabashi: Israels Angriffe sind Ablenkung von Gaza

"Middle East Eye" hat einen bemerkenswerten Beitrag eines iranischen Denkers namens Hamid Dabashi - und das ist nicht irgendwer -, veröffentlicht.

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Ein Gastkommentar von Michael Thomas

„Middle East Eye“ hat einen bemerkenswerten Beitrag eines iranischen Denkers namens Hamid Dabashi – und das ist nicht irgendwer -, veröffentlicht.

Dabashi ist Professor für Iranistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University in New York City, Autor diverser, einschlägiger Bücher und darüberhinaus für seine Opposition zur Regierung bekannt. Es lohnt sich also, hinzuhören, wenn er spricht.

Zunächst hält er es für ausgemacht, dass die Angriffe auf Iran letztlich nichts anderes waren als ein riesiges Ablenkungsmanöver, um die ungehindert fortschreitenden Tötungen in Gaza und dem Westjordanland nebst des Diebstahls von Land zu verdecken. Da man dort noch nicht am Ziel ist, könnten sich seiner Auffassung nach weitere Schlachtfelder eröffnen. Er erwähnt beispielsweise die Türkei.

Faszinierend liest sich seine Darstellung der Gefühle des iranischen Volkes, dem er ein Bewusstsein für die große Geschichte des Landes und eine starke Identität zuspricht. Darüber kommt er zu dem Schluss, dass die Versuche Israels, Aufstände, Zwistigkeiten, Unruhen und Umsturzversuche im Iran zu entzünden, von geradezu ärgerlicher Dummheit waren.

Er weist die Vermutung, im Gegenteil sei das Regime sogar gestärkt worden, als irrelevant zurück und sagt, dass für die Iraner in dieser Lage das Regime selbst im Grunde irrelevant geworden sei. Man versammelt sich als iranische Nation, übt Solidarität und hegt nunmehr einen tiefsitzenden Hass auf Israel und die USA, den es in seiner jetzigen Form zuvor nicht gab.

Die Iraner verstehen das Lügenkonstrukt, das Israel gewoben und wie ein Netz ausgeworfen und das zu diesem Angriff geführt hat, sehr wohl. Sie begreifen den Angriff als Attacke auf sie als uralte, und stolze Kulturnation – auf sie als Volk selbst.

Dabashi, der im Übrigen an anderer Stelle die Äußerungen von Bundeskanzler Merz „dumm und rassisstisch“ genannt hatte, sagt:

„Das iranische Volk ist nun für sein Heimatland verantwortlich – und Israel wird nie ein Ende dieser Situation erleben.“

Die Iraner akzeptieren ihre Regierung jetzt gewissermaßen wertfrei als Kommandozentrale, die in diesem Krieg ihre Kräfte als Nation bündelt und koordiniert; (gesellschafts-) politische Auseinandersetzungen spielen jetzt keine Rolle. Sie zerfallen in diesen Tagen und in dieser Lage nicht mehr in Liberale, Oppositionelle, Kleriker oder sonstige Strömungen, sondern sind nun alle Iraner – und im weitesten wie eigentlich genauerem Sinne sogar Perser.

Dass man den Sohn des letzten, davongejagten Shahs Pahlevi als neue Schachfigur aufs Brett schiebt, um mit ihm Spaltungen voranzutreiben stößt im Iran auf geeinten Widerwillen und ist völlig sinnlos. Außer einer Handvoll Exiliraner lehnt ihn jeder ab.
Selbst Oppositioneller, zeigt sich Dabashi, der Denker, hier selbst als Teil seiner Wahrnehmung und als Patriot.

Im letzten Absatz schwört er den heimlichen und geheimen, verräterischen Subjekten, die im Iran zu Werke gegangen sind, mit geschüttelter Faust Rache.

Man ist unbedingt davon überzeugt, dass sie spontan auf der Straße gelyncht werden, wenn man sie enttarnt hat und die Regierung mit der Hinrichtung nicht schneller ist.

Sein Essay ist insgesamt ein sehr beeindruckendes Bild auf das Innere des Iran und umbedingt lesenswert!

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

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