Paris – „Rassistisch“ und „islamfeindlich“: Mit diesen deutlichen Worten hat Ali Rabeh, der Bürgermeister des Pariser Vororts Trappes, die tödlichen Schüsse von Freitagnachmittag verurteilt. Während die Ermittlungen zum genauen Motiv des Schützen laufen, spricht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits von einem historischen „Wendepunkt“ für die Republik.
Der Anschlag ereignete sich am helllichten Tag im von Einwanderern geprägten Trappes auf den Außenbezirken von Paris. Laut Augenzeugen und ersten Berichten der Behörden feuerte ein Mann sporadisch aus seinem Auto heraus. Die Ziele des Schützen zeugen von brutaler Willkür: Eine Tankstelle, ein medizinisches Zentrum und ein Kinderspielplatz wurden ins Visier genommen.
Eine Person verstarb noch vor Ort. Fünf weitere Menschen wurden verletzt – darunter ein 12-jähriges Mädchen, das von acht Kugeln getroffen wurde und im Krankenhaus um ihr Leben kämpft. Die Polizei konnte kurz darauf den 39-jährigen Verdächtigen, den die Behörden als „Kevin T.“ identifizierten, festnehmen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung stießen Ermittler auf präparierte Gaskanister.
Bürgermeister Rabeh verurteilt Medien
Für den Bürgermeister von Trappes steht das Motiv fest. Ali Rabeh betonte vor Journalisten, dass der Täter gezielt das Feuer eröffnet habe, um Menschen „afrikanischer Herkunft“ zu töten. Der Angriff sei ein Akt puren Rassismus und gelebter Islamophobie.
Rabeh verurteilte im Zuge dessen auch die Rolle der Medien und warnte vor der dramatischen Konsequenz zugespitzter Rhetorik. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) bezog er sich auf einen Auftritt beim Nachrichtensender BFM und erklärte: „Wenn man auf seinen Sendern sagen lässt, dass ‚Trappes wie Kabul‘ sei, beschränkt man sich nicht darauf, eine Stadt und ihre Bewohner zu stigmatisieren. Man nährt die Vorstellung eines Kreuzzugs. Worte haben dramatische Konsequenzen.“
Auch die französische Staatsspitze schaltete sich sofort ein und hob den Vorfall auf die höchste politische Ebene. Präsident Emmanuel Macron trat sichtlich bewegt vor die Presse und stützte die rassistische Einordnung, indem er die Bluttat als „terroristischen und rassistischen“ Angriff verurteilte.
Macron verurteilt Tat
Für den Staatschef markiert dieser Freitag einen tiefen Einschnitt in der jüngeren Geschichte des Landes: „Es ist das erste Mal, dass wir einen terroristischen Akt erleben, der geplant war, um unsere Landsleute, unsere Kinder, aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion zu töten“, so Macron vor Reportern. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Unternehmen übernommen.
Die Schüsse von Trappes treffen Frankreich in einer Phase extremer gesellschaftlicher Zerrissenheit. Nach gewaltsamen landesweiten Protesten am vergangenen Wochenende war die Stimmung im Land ohnehin aufgeheizt. Die kommenden Tage werden zeigen, wie die französische Politik auf diesen von den lokalen Behörden als „islamfeindlich“ bezeichneten Angriff reagiert – und ob die Justiz die Behauptungen über das rassistische Motiv im Zuge des Verfahrens offiziell bestätigt.
Sur BFM, j’ai rappelé la responsabilité immense des médias. Quand on laisse dire sur ses antennes que «Trappes, c’est Kaboul », on ne se contente pas de stigmatiser une ville et ses habitants. On nourrit un imaginaire de croisade. Les mots ont des conséquences dramatiques. https://t.co/Th3p7RFvyl
— Ali Rabeh (@alirabeh) October 23, 2026
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