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Türkei: Amphibisches Gefechtsfahrzeug „ZAHA“ an Marine übergeben

Die türkische Marine erhält 27 Marine-Gefechtsfahrzeuge (Marine Assault Vehicle, MAV) für amphibische Einsätze. Am Samstag fand die erste Auslieferung statt.

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Ankara – Die türkische Marine erhält 27 Marine-Gefechtsfahrzeuge (Marine Assault Vehicle, MAV) für amphibische Einsätze.

Am Samstag fand die erste Auslieferung statt. Das MAV ist ein amphibisches Fahrzeug der neuesten Technologie, das von der türkischen Rüstungsschmiede FNSS Defense Systems entwickelt wurde, um amphibische Einsatzanforderungen der türkischen Marine zu erfüllen. Das Fahrzeug wurde im Mai 2019 auf der IDEF, einer internationalen Verteidigungsmesse in Istanbul, Türkei, offiziell vorgestellt.

Neben 23 Mannschaftstransportern sind zwei Führungs- und zwei Bergefahrzeuge vorgesehen. Bis auf die Bergefahrzeuge sind alle MAV mit der fernbedienbaren Waffenstation CAKA ausgestattet, die mit einem 12,7-mm-Maschinengewehr oder einer 40-mm-Granatmaschinenwaffe bestückt werden können. Zur Feuerleitung dient ein Wärmebildgerät. Stammbesatzung der MAV sind Fahrer, Kommandant und Richtschütze, berichtet das Fachportal Europäische Sicherheit und Technik.

Das Fahrzeug verfügt über einen wasserfesten Rumpf, der hervorragende amphibische Eigenschaften aufweist. Der vollständig abgedichtete Rumpf bietet Selbstaufrichtungsfähigkeit und verbessert die Mobilität im Wasser. Es wird kein Doppel- oder V-Rumpf verwendet, da dies die Leistung des Fahrzeugs auf See drastisch beeinträchtigen würde. Das MAV wiegt 30 Tonnen und ist mit einem 600 PS starken, vorne montierten Dieselmotor ausgestattet.

Der Motor verfügt über ein vollautomatisches Getriebesystem. Angetrieben wird das Fahrzeug im Amphibienmodus von zwei leistungsstarken, am Heck montierten Wasserdüsen, die bis zum Seegang 4 eingesetzt werden können. Die maximale amphibische Geschwindigkeit des Fahrzeugs beträgt 7 Knoten, während die Höchstgeschwindigkeit auf der Straße 70 km/h beträgt.

Das MAV ist in der Lage, bei einer vertikalen Neigung von 60 % und einer horizontalen Neigung von 40 % zu manövrieren, 90 cm hohe Hindernisse zu überwinden und 200 cm breite Gräben zu überqueren. Das Fahrzeug ist 8,3 Meter lang und 3,3 Meter breit und verfügt über eine verstärkte Bodenpanzerung des Rumpfes. Die Dicke der Bodenplatte ist so eingestellt, dass die Energieabsorption, zB. bei einer Minenexplosion, maximiert wird.

Die Dicke der Bodenplatte ist so eingestellt, dass die Energieabsorption maximiert wird. Das Schutzniveau des MAV/ZAHA kann durch aufgesetzte Panzerplatten weiter verbessert werden. Das Fahrzeug ist außerdem mit einem koaxial montierten Rauchgranatenwerfer, einem automatischen Feuerlöschsystem und einem speziellen CBRN-Schutzsystem (chemisch, biologisch, radioaktiv und nuklear) ausgestattet.

Gepanzerte amphibische Angriffsfahrzeuge müssen gemäß ihrer Aufgabenbeschreibung sowohl auf See als auch an Land als Dual-Nature-Fahrzeuge hervorragende Leistungen erbringen. Nur sehr wenige Länder der Welt haben solche Fahrzeuge in ihrem Bestand. In der NATO und ihren Verbündeten gibt es außer der FNSS nur ein weiteres Unternehmen, das Fahrzeuge dieser Klasse herstellt.

Die Türkei hat sich in den letzten Jahren zu einem der führenden Hersteller in der Rüstungsindustrie entwickelt.

Ihre Panzerfahrzeuge wie etwa der Ejder Yalcin sind weltweit gefragt und ihre Drohnen wie die Bayraktar TB2 haben sich bereits in zahlreichen Krisenregionen wie Aserbaidschan, Syrien oder Ukraine bewährt. Auch das einheimische Sturmgewehr MPT-76 oder die 9mm-Pistole SAR9X wurden in internationalen Fachzeitschriften hoch gelobt.

Laut dem türkischen Politologen Murat Yetkin habe die Türkei diese Entwicklung auch diversen Lobbygruppen im US-Kongress zu verdanken.

„Die Türkei hat der griechischen Lobby im US-Kongress viel zu verdanken, vor allem im Bereich der Rüstungsindustrie“, so Yetkin in einem Beitrag.

Yetkin:

„Vor nicht allzu langer Zeit, in den 2010er Jahren, wollte die Türkei zwei bewaffnete Reaper-Drohnen von den USA kaufen, um sie gegen die PKK einzusetzen, aber die Forderungen wurden vom Kongress abgelehnt. Zehn Jahre später, während das türkische Unternehmen die neuen Akıncı-Drohnen vorstellte, die fast die gleiche Kapazität haben, billigte das griechische Parlament den Beschluss, 9 Reaper für 400 Millionen Dollar aus den USA zu kaufen. Diese Entwicklung hat die Türkei nicht nur türkischen Ingenieuren und Unternehmern zu verdanken, sondern auch der griechischen Lobby, die seit Jahrzehnten Waffenverkäufe im US-Kongress blockiert hat“.

Nicht nur die griechische Lobby, sondern auch die armenische, die kurdische und bis zur letzten Wiederannäherung auch israelische Gruppen, hätten immer wieder Waffendeals mit der Türkei blockiert.

Zu den Unterzeichnern des letzten Briefes gehörten Chris Pappas und Dina Titus von der griechisch-amerikanischen Gruppe im Kongress sowie die Ko-Vorsitzenden der griechisch-armenischen Gruppe Guy Billirakis und Carolyn Maloney und der Ko-Vorsitzende der armenischen Gruppe Frank Pallone.

„Aber wir sollten der griechischen Lobby, die in dieser Hinsicht die meiste Beharrlichkeit gezeigt hat, ihre Anerkennung zollen“, so Yetkin weiter.

Denn die griechische Lobby war beispielsweise am Waffenembargo beteiligt, das die USA 1975 aufgrund der Zypern-Operation 1974 und der Sanktionen gegen den Opiumanbau gegen die Türkei verhängten. Süleyman Demirel, dem in der Türkei vorgeworfen wurde, ein pro-amerikanischer Politiker zu sein, war Premierminister, und das erste, was die „alte Türkei“ tat, war, den Luftwaffenstützpunkt Incirlik für US-Flüge zu schließen.

So wurde der Durchbruch in der Rüstungsindustrie geboren

Damals habe die Türkei die Entscheidung getroffen, so viele eigene Waffen wie möglich zu entwickeln und herzustellen.  Zuerst sei der Rüstungskonzern ASELSAN gegründet worden, um Handsprechfunkgeräte zu produzieren, auch wenn diese noch von den USA gekauft wurden.

Dann wurde Havelsan für die Luftfahrtelektronik, ROKETSAN für die Raketenproduktion und TUSAŞ (TAI) für Flugzeugbauprojekte gegründet. Private Unternehmen wie NUROL und OTOKAR deckten nicht nur den Bedarf der Türkei an gepanzerten Fahrzeugen, sondern begannen auch zu exportieren.

Obwohl der Bau von Fregatten und U-Booten erst am Anfang stünden, würden bereits Schnellboote und Korvetten mit einheimischen Mitteln entworfen, gebaut und exportiert. Ihre Aufbauten würden nicht mehr importiert, sondern aus speziellem legiertem Stahl hergestellt, der in Ereğli produziert wird. Dies sei „ein wichtiges Detail“.

Das Waffenembargo, auf dessen Aufhebung sich Schweden und Finnland geeinigt haben, um den Antrag der Türkei auf NATO-Mitgliedschaft zu umgehen, seien eingeführt worden, damit die TB-2 Kampfdrohnen der Türkei nicht für Angriffe gegen PKK-Stellungen in Syrien im Jahr 2019 eingesetzt wurden.

„Auch die Verwendung von Roketsan-Raketen in türkischen UCAVs ist ein wichtiges Detail“, so Yetkin.

Schlechte Nachbarn machen einen zum Hausbesitzer

„Der Flugzeugträger (oder besser gesagt der amphibische Flugzeugträger), den die Türkei mit spanischer Technologie bauen und in Betrieb nehmen wird, ist sowohl für die Beförderung von UAVs als auch von Hubschraubern ausgelegt.

„Ohne die Bemühungen einiger ethnischer Lobbygruppen im US-Kongress, seit Jahrzehnten Waffenlieferungen an die Türkei zu verhindern, wäre vielleicht nichts von alledem geschehen, und die Türkei hätte weiterhin Waffen gekauft, die die USA für angemessen hielten“, schreibt Yetkin.

 

 

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