Ukraine-Krieg
UN: „Aber die Türken sind am nächsten dran“

Der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths lobte am Montag die "Weisheit" der Türkei und ihre Rolle bei den Gesprächen und dem Versuch, einen Waffenstillstand zwischen der russischen und der ukrainischen Seite zu erreichen.

Teilen

New York – Laut UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths hänge ein Waffenstillstand in der Ukraine von Gesprächen ab, die mit Hilfe der Türkei geführt würden. Derzeit gebe es zwischen Russland und der Ukraine keine Verhandlungen im klassischen Sinn. „Aber die Türken sind von allen Mitgliedstaaten am nächsten dran“, sagte Griffiths am Montag am Sitz der Vereinten Nationen in New York.

Griffiths zeigte sich „beeindruckt“ von den türkischen Bemühungen um eine Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine und kündigte an, dass er diese Woche Präsident Recep Tayyip Erdogan treffen werde, um die Lage in der Ukraine zu erörtern.

„Ich bin wirklich beeindruckt von der Art und Weise, wie es der Türkei gelungen ist, sich beiden Seiten als ein wirklich wertvoller und nützlicher Gastgeber für diese Gespräche zu präsentieren, trotz aller Schwierigkeiten“, so der UN-Koordinator. Bereits am Sonntag besprach UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einem Telefonat mit Erdogan sowohl den Krieg in der Ukraine als auch die jüngsten Spannungen in Jerusalem. Griffiths wird während seines zweitägigen Besuchs am Mittwoch und Donnerstag mit dem türkischen Staatschef zusammentreffen, um einen Waffenstillstand, die Evakuierung von Zivilisten und humanitäre Hilfe für die Ukrainer zu besprechen.

Aufgrund ihrer freundschaftlichen Beziehungen sowohl zu Russland als auch zur Ukraine befindet sich die Türkei in einer einzigartigen Position und wurde für ihre Bemühungen um eine Beendigung des Krieges weithin gelobt. Erdogan traf sich am 29. März mit der ukrainischen und der russischen Delegation vor deren Treffen in Istanbul, das von beiden Seiten als „konstruktiv“ bezeichnet wurde.

Ein ukrainischer Verhandlungsführer, der nach dem Treffen mit der russischen Delegation in Istanbul mit Reportern sprach, erklärte, dass die Ukraine acht Länder, darunter die Türkei, als Garantiestaaten sehen möchte. Am 10. März war die Türkei zudem Gastgeberin für die russischen und den ukrainischen Außenminister in der südlichen Urlaubsstadt Antalya, dem höchsten Treffen der beiden Seiten seit Beginn des Krieges am 24. Februar.

„Erdogan könnte für Ukraine-Bemühungen Nobelpreis erhalten“

Für seine starken Bemühungen um eine Lösung inmitten der russischen Invasion in der Ukraine könnte Erdoğan den Friedensnobelpreis erhalten, so die niederländische Journalistin Saskia van Westhreenen in einem Artikel, der in der Tageszeitung Algemeen Dagblad veröffentlicht wurde.

„Plötzlich, aus dem Nichts, gibt es einen Hoffnungsschimmer für die Ukraine. Ein Friedensabkommen scheint in Reichweite. Noch nie zuvor in den letzten Wochen waren die Zeichen für ein baldiges Ende dieses Krieges so positiv“, so Westhreenen.

Die niederländische Journalistin betonte, dass die Türkei „auf einen Schlag zu einem wichtigen Akteur auf der Weltbühne“ geworden sei, und verglich sie mit anderen Vermittlerländern wie Israel, das mit einem russischen Boykott vorgegangen sei.

„Wenn alles klappt, könnte Erdogan mit seiner derzeitigen Haltung fast einen Friedensnobelpreis gewinnen. Ein Mark Rutte oder Joe Biden sind davon weit entfernt. Und ehrlich gesagt ist das etwas, worüber man nachdenken sollte“, so van Westhreenen weiter.

Auch der sonst sehr Erdogan-kritische Auslandskorrespondent der TAZ, Jürgen Gottschlich, musste in einem Beitrag (Vom Paria zum Staatsvermittler) die Erfolge des türkischen Staatschefs als Vermittler eingestehen:

Bei aller massiver Kritik an Erdoğan, seinem repressiven Regime und der weitgehenden Ermüdung über seine One-Man- Show in großen Teilen der Bevölkerung schafft er es dennoch, den Eindruck zu vermitteln: Wenn es drauf ankommt, hat der Präsident die Sache im Griff.

Auch interessant

– Kommentar –
Erdogan – vom Autokraten zum Friedensnobelpreis

Die Treffen der Delegationen aus Russland und der Ukraine in Istanbul oder Ankara kamen bei vielen in Europa augenscheinlich gut an. In einer niederländischen Meinung ist auch die Rede von einem Friedensnobelpreis für Erdogan.

Erdogan – vom Autokraten zum Friedensnobelpreis

Auch interessant

Anrufrekord beim Männerhilfetelefon

Köln - Beim Männerhilfetelefon, das vor sechs Jahren von den Ländern NRW und Bayern ins Leben gerufen wurden, hat es im vergangenen Jahr mit...

Ermordet durch Zionisten: Folke Bernadotte

Er rettete Tausende Juden aus Konzentrationslagern — und wurde später von zionistischen Extremisten ermordet, weil er das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge forderte.  Die Geschichte von Graf...

Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance

Bielefeld - Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der...

Gaza-Hilsflotte: Türkei fordert sofortige Freilassung der Aktivisten

Ankara - Nach dem gewaltsamen Stopp der „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern nahe Kreta verschärft die Türkei ihren Ton gegenüber Tel Aviv massiv....

Orthodoxer Jude an Trump: „Zerstöre Israel vollständig!“

Austin/Texas - In der hitzigen Debatte um den Nahostkonflikt sorgt ein Video für Aufsehen, in dem ein Vertreter der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft eine radikale...

Headlines

6.000 KM: Türkei stellt Intercontinental-Rakete vor

Istanbul - Die Türkei hat auf der Rüstungsmesse SAHA Expo 2026 in Istanbul ihre erste Interkontinentalrakete vorgestellt: die Yıldırımhan, entwickelt...

US-Analyst warnt: „Israel produziert mehr Radikale als es tötet“

Chicago - Robert Pape, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Chicago und einer der weltweit führenden Sicherheitsexperten, der seit...

Pedro Sánchez‘ Flugzeug: Notlandung in der Türkei

Ankara – Das Flugzeug des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez hat am Sonntagabend eine Notlandung in Ankara durchgeführt. Der offizielle Airbus...

Çelik: „Die Welt schaut nach Washington und Peking — und versteht beide nicht“

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Drachen und Spiegel - Die Welt schaut nach Washington und Peking — und versteht beide...

Meinung

6.000 KM: Türkei stellt Intercontinental-Rakete vor

Istanbul - Die Türkei hat auf der Rüstungsmesse SAHA Expo 2026 in Istanbul ihre erste Interkontinentalrakete vorgestellt: die Yıldırımhan, entwickelt vom Forschungs- und Entwicklungszentrum des...

US-Analyst warnt: „Israel produziert mehr Radikale als es tötet“

Chicago - Robert Pape, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Chicago und einer der weltweit führenden Sicherheitsexperten, der seit 2001 jedes Weiße Haus in...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...