Start Politik Ausland Gastkommentar Rauf Denktasch: Der Vorkämpfer für die Freiheit des zyperntürkischen Volkes

Gastkommentar
Rauf Denktasch: Der Vorkämpfer für die Freiheit des zyperntürkischen Volkes

Für die Rechte seines Volkes kündigte er seinen Job als Generalstaatsanwalt. Ein Kommentar.

(Foto: Screenshot/TRT)
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Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Zu Lebzeiten galt der am 27. Januar 1924 in der südzyprischen Stadt Baf (Paphos) geborene Rauf Denktasch (Türkisch Denktaş geschrieben) als ausgewiesener Jurist und sehr guter Verhandler mit ausgezeichneten rhetorischen Fähigkeiten, an dem sich schon viele internationale Politiker und Diplomaten die Zähne ausgebissen hatten. Bereits mit eineinhalb Jahren starb Raufs Mutter, sein Vater arbeitete unter den Briten als Richter.

In Istanbul besuchte er zunächst die Grundschule und an einem britischen Gymnasium in Zypern machte er 1941 Abitur. Es folgte ein erfolgreiches Jurastudium in Großbritannien, das er 1947 abschloss. Denktasch arbeitete in seiner zyprischen Heimat als Rechtsanwalt, bevor er Staatsanwalt werden sollte. Den Briten blieben seine juristischen Fachkenntnisse nicht verborgen, weshalb er 1956 zum Generalstaatsanwalt ernannt wurde.

Nach den gewaltsamen Angriffen der zyperngriechischen Untergrundorganisation EOKA legte er sein Amt als Generalstaatsanwalt nieder. Er organisierte mit Freunden den Widerstand gegen die zyperngriechischen Extremisten und war Gründungsmitglied der zyperntürkischen Widerstandsbewegung (Türk Mukavemet Teşkilatı). Der Jurist galt als Vermittler zwischen zwei Autoritäten der zyperntürkischen Volksgruppe, Dr. Fazıl Küçük und Faiz Kaymak. Ab 1958 begannen die Kämpfe zwischen beiden Volksgruppen und die zyperntürkische Volksgruppe protestierte gegen die Angriffe der EOKA. Er war an der Ausarbeitung der Verträge von Zürich und London sowie der Verfassung der Republik Zypern beteiligt.

Organisator des Widerstands gegen die Untergrundorganisation EOKA

Denktasch war es auch, der dem damaligen türkischen Außenminister Fatin Rüştü Zorlu die Entsendung eines 650 Mann starken türkischen Regiments vorschlug, das am 16. August 1960 in der zyprischen Hafenstadt Mağusa an Land ging.

An Weihnachten 1963 begannen Angriffe der EOKA mit Massakern an der zyperntürkischen Zivilbevölkerung. Wegen der anhaltenden Gewalt wandte sich Denktasch an die türkische Regierung in Ankara. Auf abenteuerliche Weise kehrte er mit einem Ruderboot auf die Insel zurück und organisierte den Widerstand gegen die EOKA-Organisation, die einen gewaltsamen Anschluss an Griechenland (Enosis) herbeiführen wollten.
Nach der Zypern-Konferenz 1964 in London verfügte Präsident Makarios ein Einreiseverbot gegen Rauf Denktasch, der nach dem Willen der zyperngriechischen Administration nicht auf die Insel zurückkehren sollte.

Trotzdem gelangte er heimlich nach Erenköy, um am Krieg gegen die EOKA teilnehmen zu können. 1967 wurde Denktasch von zyperngriechischen Sicherheitskräften verhaftet und auf massiven Druck der türkischen Regierung freigelassen. Ein Jahr später wurde das Einreiseverbot wieder aufgehoben. Am 5. Dezember 1973 wurde Denktasch zum Parlamentspräsidenten und wenig später zum Vorsitzenden der zyperntürkischen Volksgruppe gewählt.

„Babatürk“ Denktasch führte die Zyperntürken zum eigenen Staat

Nach dem Putsch griechischer Offiziere in der zyperngriechischen Nationalgarde gegen Präsident Makarios und der anschließenden Militärintervention der Garantiemacht Türkei proklamierte am 13. Februar 1975 das Parlament der zyperntürkischen Bevölkerung den Türkischen Bundesstaat Zypern (Kıbrıs Türk Federe Devleti), der bis zur Wiederherstellung der Verfassung der Republik Zypern von 1960 gelten sollte.

Als Ergebnis der jahrelangen ergebnislosen Verhandlungen mit der zyperntürkischen Administration rief das Parlament der zyperntürkischen Volksgruppe am 15. November 1983 die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ) aus. Nach der ersten Wahl zum Präsidenten Nordzyperns 1985 wurde er danach dreimal in seinem Amt bestätigt. Denktasch war zeit seines Lebens ein Vorkämpfer für Recht, Gleichheit und Freiheit des zyperntürkischen Volkes. Von manchen Zyperntürken wurde er liebevoll „Babatürk“ (Papa der Türken) genannt. Der „Fels in der Brandung“ starb heute vor 10 Jahren, am 13. Januar 2012 im Alter von 88 Jahren an den Folgen eines Organversagens.