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Türkei: Einheimische Anti-Schiffs-Rakete im Schwarzen Meer erfolgreich getestet

Vor einigen Tagen testete die türkische Marine die Anti-Schiffs-Rakete Atmaca im Schwarzen Meer. Die getestete Lenkwaffe wurde von der Fregatte TCG-Kınalıada (F 514) auf ein 150 km entferntes Ziel vor der Küste von Sinop abgefeuert und bewies ihre Treffgenauigkeit.

(Foto: Screenshot/MSB)
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Von Kemal Bölge

Vor einigen Tagen testete die türkische Marine die Anti-Schiffs-Rakete Atmaca im Schwarzen Meer. Die getestete Lenkwaffe wurde von der Fregatte TCG-Kınalıada (F 514) auf ein 150 km entferntes Ziel vor der Küste von Sinop abgefeuert und bewies ihre Treffgenauigkeit. Um ein echtes Ziel zu simulieren, wurde die Rakete von der erwähnten Fregatte abgefeuert und traf das ausgemusterte türkische Kriegsschiff TCG-Işın, dass sich 150 km entfernt im Schwarzen Meer befand. Die von Roketsan entwickelte Rakete ist etwas mehr als 3 Meter lang, hat ein Gesamtgewicht von 800 kg, wobei der konventionelle Gefechtskopf 250 kg wiegt.

Serienproduktion beginnt dieses Jahr

Die Serienproduktion dieser eigenentwickelten Lenkwaffe soll dieses Jahr beginnen und der türkischen Marine zu mehr Schlagkraft verhelfen. Bisher verwendeten die Seestreitkräfte Anti-Schiffs-Raketen des Typs Harpoon aus US-Produktion, die von Kriegsschiffen oder U-Booten abgefeuert wurden. Die seit einiger Zeit durchgeführten Tests erfolgten auf einem Militärstützpunkt vor der Küste von Sinop. In dem gleichen Areal wurde auch das russische Flugabwehrsystem S-400 erfolgreich getestet.

Die Provinz Sinop ist ideal für derartige Tests, weil die Küstenlinie dieser Region am weitesten in das Schwarze Meer hineinragt. Das großflächige Gebiet des Schwarzen Meeres erlaubt diese Art von „Versuchen“, da die Wahrscheinlichkeit von zivilen Kollateralschäden bei Fehlschüssen als sehr gering einzustufen ist. Beim Hauptmotor dieser Rakete handelt es sich um das französische TR-40 Modell. Seit etwa einem Jahr gilt vonseiten Frankreichs ein Embargo gegen die Türkei von wesentlichen Komponenten von Rüstungsgütern, darunter dieses Triebwerk. Daher werden bei der Serienproduktion einstweilen die im Bestand befindlichen TR-40 Modelle verwendet.

Kale Aero baut einheimisches Triebwerk

Der erwähnte Motor wurde auch bei den türkischen Marschflugkörpern des Typs SOM eingebaut. Das türkische Unternehmen Kale Aero wird wahrscheinlich ab 2022 in der Lage sein, den Hauptmotor (Kale KTJ-3200) für die Serienproduktion der Atmaca zu liefern. Damit wäre Roketsan in der Lage, für die Serienproduktion seiner Lenkwaffe einen einheimischen Motor zu nutzen. Die derzeitige Reichweite der Anti-Schiffs-Rakete Atmaca beträgt 220 km. Die Ingenieure bei Roketsan arbeiten seit einiger Zeit an einer gesteigerten Reichweite.

Wie fliegt nun eine Lenkwaffe des Typs Atmaca? Man darf sich das nicht so vorstellen wie eine ballistische Rakete, die in großen Höhen fliegt und dann am Ziel niedergeht. Eine Anti-Schiffs-Rakete würde ab einer bestimmten Höhe über dem Wasser vom gegnerischen Radar erfasst und vermutlich abgeschlossen. Deshalb fliegen diese Raketen in relativ niedriger Höhe, um nicht vom gegnerischen Radar erkannt zu werden. Außerdem müssen diese Lenkwaffen präzise gesteuert werden, da bereits eine geringe Abweichung zum Misserfolg führen kann.

Normalerweise finden diese Flugkörper per Satellitensteuerung ihr Ziel, aber im Kriegsfall kann ein feindlicher Staat Satelliten lähmen oder zerstören (spooling) und aus diesem Grund ist die Atmaca-Rakete mit künstlicher Intelligenz ausgestattet. Gesetzt den Fall, ein Satellit wäre von einem Gegner ausgeschaltet worden, selbst dann würde die Atmaca-Rakete das programmierte Ziel zerstören können. Zweites Beispiel: Die Atmaca steuert mit 850 km/h auf ein bestimmtes Ziel zu. Dabei stellt sich heraus, dass es das falsche Ziel ist. Auch in diesem Fall hätte die Kommandozentrale noch die Möglichkeit, die Atmaca auf ein anderes Ziel zu lenken.

Neue U-Boote sollen mit Atmaca-Raketen bestückt werden

Die neuen U-Boote der Reis-Klasse sollen alle mit Atmaca-Raketen bestückt werden und hätten damit gegen Ziele über Wasser einen Vorteil. Roketsan hat den Atmaca-Flugkörper von Raketenabschussrampen auf bewegliche und unbewegliche Ziele auf See getestet. Das nächste Ziel sollen fahrzeuggestützte, mobile Abschussplattformen sein. Darüber hinaus arbeitet Roketsan an einer Luft-Boden-Version, um die Atmaca von Kampfflugzeugen (Luft-Boden) abzuwerfen, wobei das Gewicht von 800 kg eine technische Herausforderung bildet.

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