800.000 serbische Opfer
Holocaust-Experte Dr. Gideon Greif: Jasenovac war schrecklicher als Auschwitz

Der renommierte Holocaust-Experte und leitende Forscher am Holocaust-Institut Shem Olam in Israel, hat in einem Interview mit dem serbischen TV-Sender Pink-TV die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit über die Opfer von Folterungen im Todeslager Jasenovac vorgestellt.

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Der renommierte Holocaust-Experte und leitende Forscher am Holocaust-Institut Shem Olam in Israel, hat in einem Interview mit dem serbischen TV-Sender Pink-TV die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit über die Opfer von Folterungen im Todeslager Jasenovac vorgestellt.

Jasenovac war ein Todeslager für Serben, Juden und Roma in Kroatien, das vom Ustascha-Regime des nationalsozialistischen Unabhängigen Staates Kroatien (NDH) während des Zweiten Weltkriegs eingerichtet und betrieben wurde.

Auf der Grundlage von Daten, die er während seiner vierjährigen Arbeit an einer Studie mit dem Titel „Jasenovac, das Auschwitz des Balkans“ zusammenstellte, sagte Greif, dass mindestens 800.000 Serben und etwa 40.000 Juden in Jasenovac auf brutalste Weise getötet worden seien. „Jasenovac war das Reich des Todes“, betont Greif und fügt hinzu, dass der Revisionismus einen zweiten Mord an den Opfern darstellt.

„Wir müssen alle unsere Kräfte gegen den Revisionismus einsetzen, damit die Opfer nicht wieder zu Opfern werden. Fakten sind Fakten, und wir können sie nicht unter den Teppich kehren, die Wahrheit kommt immer zum Vorschein. Ich halte all diese Versuche, die Geschichte zu revidieren, für kindisch, sie sind alle zum Scheitern verurteilt“, zitiert der Nachrichtensender B92 den Forscher. In Jasenovac habe es 57 unterschiedliche Tötungsmethoden gegeben.

„Ich bin sicher, dass es nicht einmal in Auschwitz so viele gab. Es ist ein Weltrekord. Es hat in der Geschichte der Menschheit nichts dergleichen gegeben“, sagte er und fügte hinzu, dass es keinen Zweifel an der Zahl der (Gesamt-) Opfer geben sollte. Er erinnerte daran, dass die Untersuchung einer gemeinsamen kroatisch-serbischen Kommission ergab, dass diese Zahl 1,4 Millionen betrug. Greif habe seiner Forschungsarbeit vier Jahre gewidmet und betont, dass es kein einziges Archiv gebe, das er nicht studiert habe. Die Ergebnisse seien schockierend für ihre Grausamkeit und ihren Sadismus.

Das 46 Quadratkilometer große Jasenovac-Lager – sechsmal größer als Auschwitz – sei ein Spiegelbild der reinen Grausamkeit gewesen, so Greif.  Die Ustaschas hätten ihre Grausamkeit, Menschen zu foltern und zu töten, genossen. „Ich würde sagen, dass sie den Tod perfektioniert hatten“, sagte Greif.

„Die kroatischen Hände sind vollständig mit dem Blut unschuldiger Serben, Roma und Juden befleckt“

Es sei kaum zu glauben, dass Jasenovac auch heute weltweit noch ziemlich unbekannt ist, ungeachtet der enormen Bedeutung, die es nicht nur für die regionale, sondern auch für die europäische und die Holocaust-Geschichte habe, sagte der Forscher in einem Interview mit der in Belgrad ansässigen Zeitung Večernje Novosti.

Nach den Aussagen der Überlebenden sei die Folter in Jasenovac viel monströser und dämonischer gewesen. Außerdem sei das Todeslager ohne die geringste Beteiligung deutscher Soldaten gegründet und betrieben worden. „Es war die Hölle auf Erden. Deshalb sind die kroatischen Hände vollständig mit Blut befleckt“, so der Forscher.

Zu den Unterschieden zwischen Jasenovac und Auschwitz sagte er, dass die (deutschen) Nationalsozialisten bei den Tötungen ungern zusahen, sie mochten „saubere Todesfälle“ – während die Ustaschas das Leid ihrer Opfer spüren wollten.

„Es gibt einen Unterschied, das sehen wir auf den Fotos von Jasenovac. Die Deutschen bevorzugten Gaskammern bei denen sie den Tod nicht mitansehen mussten, es war sozusagen ein ’steriler‘ Tod“, so der Forscher. 

Greif zufolge sei ein weiterer Unterschied, dass die Deutschen neben der Demütigung und der Folter für ihre Opfer auch ihre körperliche Arbeit nutzten, während in Jasenovac das Leiden der einzige Zweck war – das Leiden der Opfer, bis zu ihrem Tod.

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