Syrien
Bei russischen Luftangriffen weitere Frauen und Kinder ums Leben gekommen

In den letzten zwei Monaten sind trotz eines Deeskalationsabkommens bei Angriffen des russischen Militär und den Streitkräften des Assad-Regimes auf Ost-Ghouta, einen Vorort von Damaskus, mindestens 329 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern soll es zahlreiche Frauen und Kinder geben.

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Idlib (nex) – In den letzten zwei Monaten sind trotz eines Deeskalationsabkommens bei Angriffen des russischen Militärs und den Streitkräften des Assad-Regimes auf Ost-Ghouta, einen Vorort von Damaskus, mindestens 329 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern soll es zahlreiche Frauen und Kinder geben. Das teilte eine in London ansässige NGO am Sonntag in einer Erklärung mit.

In der Zeit zwischen dem 14. November und 11. Januar sind demnach bei Angriffen der Assad-Armee auf Ost-Ghouta 297 Zivilisten und bei Luftangriffen des russischen Militärs 32 Zivilisten ums Leben gekommen, so die Mitteilung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR). Insgesamt seien laut SOHR in diesem Zeitraum in Ost-Ghouta 79 Kinder und 54 Frauen ums Leben gekommen sowie acht Moscheen, vier Schulen, sechs medizinische Zentren und 13 Märkte zerstört worden.

Des Weiteren seien auch bei russischen Luftangriffen auf die nordwestsyrische Provinz Idlib am vergangenen Freitag und gestrigen Samstag mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Organisation „Weißhelme“ am Samstag mit.

Demnach seien neun Menschen bei einem Angriff auf Khan al-Subul in der Provinz Idlib getötet und zehn weitere verletzt worden. Die Angriffe seien am gestrigen Samstag in Wohngebieten der Provinz fortgesetzt worden, gab Weißehelme-Chef Yusuf bekannt und ergänzte:

„Heute [Samstag] am Mittag sind mindestens fünf Menschen, darunter zwei Frauen und ein Kind, bei Luftangriffen russischer Kampfflugzeuge in Idlibs Kafer Battih und Sarjah ihr ums Leben gekommen.“

Die Rettungsarbeiten in dem Gebiet seien beendet und die Verletzten in Gesundheitszentren verlegt worden, so Yusuf weiter. Auch ein Zivilverteidigungszentrum im Distrikt Arihah sei beim Angriff beschädigt worden, sagte er.

Die Organisation Weißhelme ist eine private Zivilschutzorganisation von Freiwilligen in Syrien.

Während eines Treffens in der kasachischen Hauptstadt Astana am 4. Mai vergangenen Jahres unterzeichneten die Garantiemächte Russland, Türkei und Iran eine Vereinbarung zur Einrichtung einer Deeskalationszone in Syrien, die auch Idlib im Nordwesten Syriens an der türkischen Grenze einschließt.

WHO: Drei Millionen Menschen mit Verletzungen und Behinderungen in Syrien

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Handicap International (HI) machen auf die Bedürfnisse der geschätzten drei Millionen Menschen aufmerksam, die in Syrien mit Verletzungen und Behinderungen leben. Sie rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Unterstützung für Reha-Maßnahmen und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu erhöhen.

Schätzungen zufolge werden jeden Monat 30.000 Menschen in Syrien verletzt; insgesamt sind nach über sechs Jahren des Konflikts 1,5 Millionen Menschen verletzt worden. Weitere 1,5 Millionen Menschen leben mit einer bleibenden Behinderung, einschließlich der 86.000 Menschen, deren Verletzungen zu Amputationen geführt haben. Da der Konflikt unter dem intensiven Einsatz von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten tobt, besteht aufgrund der explosiven Kontaminierung im ganzen Land ein hohes Unfallrisiko. Immer mehr Menschen suchen nach Reha-Versorgungsleistungen, die jedoch immer weniger vorhanden sind.

Weniger als die Hälfte aller öffentlichen Krankenhäuser und Gesundheitseinrichten in Syrien sind noch in Betrieb. Die meisten von ihnen sind zu schlecht ausgestattet, um Menschen mit Verletzungen zu behandeln und Menschen mit Behinderung weiter unterstützen zu können. Nur zwei Reha-Zentren für körperliche Rehabilitation bieten landesweit Prothesen an (in Damaskus und Homs). Dieser stark eingeschränkte Zugang zu medizinischer Versorgung führt dazu, dass die Verletzungen vieler Menschen zu lebenslangen Beeinträchtigungen werden, die mit angemessener und zeitnaher Behandlung vermieden werden könnten. Ohne Zugang zu geeigneter Reha-Versorgung enden bis zu ein Drittel der Verwundungen in langfristigen oder lebenslangen Behinderungen.

Die WHO und HI unterhalten eine für vier Jahre angelegte strategische und gut funktionierende Partnerschaft, die die Unterstützung für Verwundete oder Menschen mit Behinderung in Syrien ausweitet. Das Projekt wird den Zugang zu lebensrettenden Reha-Maßnahmen für Menschen mit Verletzungen verbessern und damit das Risiko senken, dass sich Komplikationen entwickeln und bleibende Behinderungen entstehen. Weiterhin wird es den Zugang zu Reha-Maßnahmen für alle in Syrien ausweiten. Zudem wird es die Kapazitäten und die Belastbarkeit des lokalen Gesundheitssystems stärken.

“Gerade Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen dürfen bei Konflikten nicht vergessen werden, da sie besonders schutzbedürftig sind. Der Bedarf an Unterstützung für Menschen, die ihr Leben lang mit den Folgen dieses Konfliktes leben werden, wächst in Syrien ständig”, sagt Susanne Wesemann Geschäftsführerin von Handicap International.

“Ein Drittel der Opfer von explosiven Waffen sind Kinder: Was wird in den nächsten zehn oder fünfzehn Jahren mit diesen Kindern geschehen? Werden sie eine Chance auf Bildung haben? Werden sie berufliche Möglichkeiten haben und in der Lage sein, für ihre Familien zu sorgen? Wie werden sie in die Gesellschaft integriert werden? Es wird immer wichtiger, dass wir Antworten auf diese Fragen finden. Diese Kinder müssen die Möglichkeit haben, ihr volles Potenzial zu entwickeln. Und es ist unsere Aufgabe als humanitäre Akteure sicherzustellen, dass Menschen mit Verletzungen und Behinderungen nicht vergessen werden”, sagt Dr. Michel Thieren, Regionaldirektor der Nothilfe bei der WHO.

Über Handicap International: Seit Januar 2013 arbeitet Handicap International mit Partnern vor Ort, um die vom syrischen Konflikt betroffene Bevölkerung zu unterstützen. Die Organisation ist einer der Hauptakteure in der Versorgung der syrischen Bevölkerung mit physischer Rehabilitation. Sie unterstützt Gesundheitseinrichtungen außerdem bei der psychosozialen Versorgung. Schließlich führt Handicap International Aufklärung über die Risiken durch explosive Kriegsreste durch.

Über die WHO: Die Weltgesundheitsorganisation WHO leitet das Gesundheitscluster in Syrien, das internationale Nicht-Regierungs-Organisationen und UN-Organisationen zusammenbringt, um die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung und Verletzungen besser einzuschätzen und auf sie einzugehen. Die Bemühungen der WHO zur Unterstützung der Versorgung von Menschen mit Behinderung werden geleitet von den übergeordneten Prinzipien und Ansätzen, die im globalen Aktionsplan für Behinderung 2014-21, dem Weltbericht über Behinderung und der UN-Behindertenrechtskonvention dargelegt werden.

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