Die drei Säulen der Schweizer Altersversorgung
Schweiz: Christliche Volkspartei vergleicht Rentner mit Schweinen

Die Schweizer Innenpolitik ist buchstäblich auf die Sau gekommen. Um zu zeigen wie gut es angeblich den Senioren im Land geht, durften vor dem altehrwürdigen Bundeshaus in Bern drei prächtige Sauen genüsslich schmatzen.

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Von Peter Z. Ziegler
Basel (nex) – Die Schweizer Innenpolitik ist buchstäblich auf die Sau gekommen. Um zu zeigen wie gut es angeblich den Senioren im Land geht, durften vor dem altehrwürdigen Bundeshaus in Bern drei prächtige Sauen genüsslich schmatzen.
Von einem bäuerlichen Sympathisanten der Christlichen Volkspartei (CVP) bekamen sie ein Dreigangmenü aus Salat, gefüllter Zuchetti sowie Pfirsichen und Beeren zum Dessert serviert. Die drei Gänge standen für die drei Säulen der Schweizer Altersversorgung: die obligatorische Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die vom Arbeitgeber mit getragene Pensionskasse und die freiwillige Lebensversicherung.
Am 25. September wird in der Schweiz darüber abgestimmt ob künftig zehn Prozent mehr AHV-Renten für jeden und jede überwiesen werden. Anders als in Deutschland muss nämlich jeder, auch ein Multimillionär, in die AHV einzahlen. Alleinstehende kämen dadurch auf rund 200 Franken mehr pro Monat, Ehepaare auf 350. Die Gewerkschaften wollen mit ihrer Initiative Rentenkürzungen ausgleichen, die durch tiefere Renditen der Pensionskassen drohen. Die Aktion der CVP führte inzwischen zu heftigen Reaktionen. Die Christpolitikerhätten die Rentner des Landes buchstäblich mit Schweinen verglichen, kommentierten hunderte von empörten Kritikern in den Medien.
Die CVP wehrt sich: man habe die Tiere vor das Bundeshaus karren lassen, um gegen die AHV-plus-Initiative zu protestieren. Diese würde den Bund im Jahr 2030 gut 5,5 Milliarden Franken zusätzlich kosten. «Sauteuer» findet das die CVP. Das Geld der Schweizer Arbeitgeber und Arbeitnehmer sei mit diesem Giesskannenprinzip schlecht investiert. «Etwa so schlecht, wie wenn Sie einem Schwein ein Groumet-Menu servieren», sagte Generalsekretärin Beatrice Wertli.
«Rentnerinnen und Rentner sind keine gefrässigen Schweine», rügt Thomas Zimmermann, Sprecher des Gewerkschaftsbunds. Es sei verantwortungslos, dass die AHV-Gegner einen Generationenkonflikt herbeireden – «und das auf so primitive Weise». Tatsache sei, dass sehr viele der heutigen und vor allem der künftigen Rentner kein üppiges Dreigangmenü vorgesetzt bekomme. «Auf den dritten Gang – die 3. Säule – müssen die meisten verzichten. Und der zweite Gang–die Pensionskassenrenten stagnieren oder sinken und sinken. Deshalb braucht es zum ersten Gang nicht nur ein Salätli sondern eine nahrhafte und starke AHV-Rente», so Zimmermann.

 

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