Chile
Eduardo Artes: „Israel Bedrohung für Weltfrieden“

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Santiago de Chile (nex) – Ein Kandidat der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Chile erklärte Israel zur „Bedrohung des Weltfriedens“. Eduardo Artes, Führer der linken Partei der Patriotischen Union, machte diese Äußerung in einem Interview, das am Freitag bei HispanTV, einer iranischen staatlichen Rundfunkanstalt, ausgestrahlt wurde. Er versprach auch, dass er als Präsident eine umfassende Überprüfung der Beziehungen seines Landes zum jüdischen Staat durchführen werde. „Die Verträge, die Chile derzeit mit dem israelischen zionistischen Staat im militärischen, polizeilichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich unterhält, müssen alle in einer patriotischen und populären Regierung überprüft werden, da sie eindeutig unsere Unabhängigkeit beschädigen“, sagte Artes. „Wir werden alle unsere Beziehungen mit dem zionistischen Staat überprüfen, weil diese unter Beziehungen fallen, die allgemein den Weltfrieden schädigen, nicht nur den Frieden und das Überleben der arabischen Völker, besonders des palästinensischen Volkes im Nahen Osten.“ Artes gab das Interview wenige Tage vor den Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalratswahlen in Chile, die für den 19. November geplant sind. Im Juli hatte die Patriotische Union eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der Israel des „Völkermordes“ und der „ethnischen Säuberung“ beschuldigt wurde. Die Erklärung enthielt ein Foto von Artes, der ein Banner, auf dem die palästinensische Flagge abgebildet war, trug. Vor einigen Tagen sind Vertreter der jüdischen Gemeinde Chiles an die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet mit der Bitte herangetreten, einen neuen Gesetzentwurf zum Schutz der Bürger vor Hass und Diskriminierung zu billigen. Chile ist die Heimat von etwa 15.000 Juden und gilt mit mehr als 300.000 Mitgliedern als die größte palästinensische Gemeinde außerhalb der arabischen Welt.

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– Al-Aqsa-Moschee – Palästinensische Christen: “Geschlossen gegen Gier Israels”

Während der seit über einer Woche andauernden Spannungen infolge neuer Einschränkungen beim Zugang zur Al-Aqsa-Moschee ist der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Jerusalem Theodosius Atallah Hanna zu einem der lautstärksten Unterstützer der Einheit der palästinensischen Christen und Muslime geworden.

Palästinensische Christen: „Geschlossen gegen Gier Israels“
   

Medien
ARD-Chefin bereit zu mehr Sparsamkeit

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Halle (ots) – Die Vorsitzende der ARD, MDR-Intendantin Karola Wille, stellt beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusätzliche Kostenersparnisse in Aussicht. Auf dem Weg zu einem integrierten Medienverbund würden bei der ARD „noch weitere Effizienzmaßnahmen zu entdecken sein“, sagte sie der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung. Eine Erhöhung des Rundfunkbeitrages nach 2020 schloss sie nicht aus, sagte jedoch: „Wir wissen, dass Beitragsakzeptanz wichtig ist und haben die Zeichen der Zeit verstanden.“ Zuletzt hatten die Ministerpräsidenten die Einsparvorschläge der öffentlich-rechtlichen Anstalten als unzureichend eingestuft. Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra (CDU) will die ARD auf fundamentale Reformen verpflichten. Eine Absage erteilte Wille der Forderung Robras nach einer Beschränkung der Tagesschau auf regionale Themen. „Die Tagesschau ist die erfolgreichste unabhängige deutsche Nachrichtensendung. Dass sich über zehn Millionen Menschen, darunter auch viele junge Leute, täglich vor dem Fernseher versammeln und Informationen und Meinungsaustausch vermittelt bekommen, ist ein Wert an sich.“ Sowohl ARD als auch ZDF müssten überregionale Nachrichten präsentieren. Wille verteidigte zudem den Ausbau des Online-Angebots zu einer dritten Säule neben Radio und Fernsehen. „Meinungs- und Willensbildung findet nicht mehr allein in Radio, Fernsehen und Zeitung statt. Die Internetwelt entwickelt neue Kommunikationsräume. Dort wird manipuliert und informiert. Die öffentlich-rechtlichen Redaktionen sind politisch und wirtschaftlich unabhängig. Mit unseren strukturellen und finanziellen Voraussetzungen können wir auch online ein verlässliches, vielfältiges Angebot schaffen – das ist seit einigen Jahren unser gesetzlicher Auftrag: auch online für alle da zu sein und Orientierung zu bieten.“  
(Foto: Wikitionary)

Systematische Gewalt
Myanmar: „Unermessliche Grausamkeiten“

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Aktueller Report von Save the Children dokumentiert unermessliche Grausamkeiten Berlin (nex) – Die Kinderrechtsorganisation Save the Children veröffentlicht heute einen neuen Bericht zur Flucht der Rohingya aus Myanmar. In „Horrors I will never forget“ berichten Kinder und Jugendliche erschütternde Erlebnisse von massiver Gewalt, von Vergewaltigungen oder von Menschen, die lebendig verbrannt wurden. Die Erlebnisberichte wurden im Flüchtlingscamp Cox´s Bazar in Bangladesch dokumentiert. Jedes befragte Kind berichtet von Todesfällen „Das Schlimmste an diesen tragischen Geschichten ist, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um systematische Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen handelt. Nahezu jedes Kind, mit dem wir gesprochen haben, berichtet fürchterliche Geschichten, die es erleben oder mit ansehen musste“, betont Helle Thorning-Schmidt, CEO von Save the Children International, die kürzlich das Rohingya- Flüchtlingscamp in Cox´s Bazar besuchte. 60 Prozent der mehr als 600.000 Rohingya-Flüchtlinge sind Kinder. Unter ihnen die 16 Jahre alte Shadibabiran*, die ebenso wie viele andere Kinder Erschütterndes berichtet: „Einige Soldaten nahmen mich und zwei andere Mädchen mit in ein Haus. Sie schlugen mir mit einer Waffe ins Gesicht, traten gegen meinen Brustkorb und trampelten auf meine Arme und Beine. Anschließend vergewaltigten mich drei von ihnen über mehrere Stunden. Irgendwann wurde ich ohnmächtig.“ Die Soldaten brachen Shadibabiran eine Rippe. „Das war enorm schmerzhaft und ich konnte kaum atmen. Nach wie vor habe ich mit dem Atmen Probleme, aber ich gehe nicht zum Arzt, weil ich mich so sehr schäme.“ Der Report „Horrors I will never forget“ beleuchtet noch weitere schreckliche Schicksale. So musste die 24-jährige Rehema* miterleben, wie eine Frau und ein Baby lebendig verbrannt wurden. „Ich sah einen Soldaten, wie er eine hochschwangere Frau mit Benzin übergoss und anzündete“, berichtet sie. „Ein weiterer Soldat riss einer anderen Frau ihr Baby aus den Händen und warf es ins Feuer. Sein Name war Sahab* und er war noch nicht einmal ein Jahr alt. Die Schreie werde ich niemals vergessen.“ Der 12-jährige Hosan* floh aus seinem Heimatdorf in Myanmar, als das Militär begann, Menschen mit Macheten zu attackieren. Auf der Flucht kam er in ein verlassenes Dorf. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser erreichte er schließlich eine Wasserstelle. „Als ich näher kam, sah ich, dass darin mindestens 50 Leichen trieben. Den Geruch verbrannter Häuser und den Anblick aufgedunsener Leichen werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“ „Die Mehrzahl der geflüchteten Rohingya sind Kinder unter 18 Jahren. Viele Kinder sind schwer traumatisiert von den schrecklichen Dingen, die sie auf der Flucht erlebt haben und leben nun im Flüchtlingslager, in dem sie völlig schutzlos sind“, sagt Helle Thorning-Schmidt. Der Save the Children-Bericht erscheint anlässlich des Treffens der Außenminister aus Europa, Asien, Australien und Neuseeland, das am 20./21. November in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw stattfindet. Außenminister-Konferenz muss sich gegen Gewalt aussprechen Save the Children fordert von den Außenministern, ein deutliches Zeichen gegen die Gewalt an den Rohingya zu setzen, die Krise zu beenden und die Kinder zu schützen. „Die Not der Rohingya muss im Fokus der Außenminister-Gespräche stehen. Wir erwarten, dass die Minister ihren diplomatischen Einfluss nutzen, um die Krise zu beenden und die Kinder zu schützen“, fordert Helle Thorning-Schmidt. *Namen aus Kinderschutzgründen geändert

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– Türkei – Rohingya-Verfolgung: Erdogan kritisiert Gleichgültigkeit muslimischer Länder

„Bedauerlicherweise interessieren sich die meisten muslimischen Länder nicht für das Leid der Rohingya-Muslime“, sagte Erdogan bei einer Rede im Präsidentenpalast in Ankara.

Rohingya-Verfolgung: Erdogan kritisiert Gleichgültigkeit muslimischer Länder

Krise in der SDF
Syrien: PYD-Überläufer liefert türkischem Geheimdienst wichtige Informationen

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Ankara (nex) – Eine führende Persönlichkeit des syrischen PKK-Ablegers PYD hat gegenüber dem türkischen Geheimdienst wichtige Aussagen gemacht. Nachdem er sich am gestrigen Mittwoch den von der Türkei unterstützten Streitkräften der Freien Syrischen Armee (FSA) gestellt hatte, lieferte der Syrer Talal Silo dem türkischen militärischen Nachrichtendienst wichtige Hinweise zu Aufbau und Strukturierung der PYD, die aufgrund ihrer Verbindung zur PKK von der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Zudem habe er die Sicherheitskräfte über die Lage in der nordsyrischen Stadt Afrin informiert. Das berichten internationale Medien unter Berufung auf Sicherheitskreise. Beobachtern zufolge deute dies auf innere Konflikte der SDF.
„Talal Silos Bruch mit den sogenannten Syrischen Demokratischen Einheiten, welche vom syrischen Ableger der PKK angeführt werden, könnte der Beginn einer neuen Welle sein. Die SDF-Allianz basierte auf der gemeinsamen Feindschaft gegen den IS. Die Araber in der Allianz sahen keine Alternative zur YPG und akzeptierten ihre Vorherrschaft in allen politischen und militärischen Strukturen, um ihre Heimat vom IS zu befreien“, so der politische Analyst Ömer Özkizilcik aus Ankara gegenüber NEX24.
Mit dem Zurückdrängen des IS in der Region gehe auch die Grundlage für die Allianz verloren, und die Alleinherrschaft der YPG werde zunehmend infrage gestellt, betonte Özkizilcik und fügte hinzu:
„Außerdem gibt es in der lokalen Bevölkerung aufseiten der Araber und Kurden Widerstand gegen die Zwangsrekrutierung der YPG. Die Desertation von Talal Silo basiert auf internen Ungereimtheiten innerhalb der SDF-Allianz. Als einer der seltenen Turkmenen in der Allianz spielte er eine wichtige symbolische Rolle für die Propaganda der YPG.“
Laut FSA habe sich Talal Silo am gestrigen Mittwoch am Stadtrand von Aleppo gestellt. Silo war Sprecher der sogenannten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die erst 2015 hauptsächlich aus Kämpfern der PYD gegründet wurde. Die USA unterstützen die SDF im Kampf gegen das Terrornetzwerk IS (Daesh), allerdings landen laut türkischen Angaben US-Waffen immer wieder beim SDF-Verbündeten PKK. Die Türkei hat die USA bereits mehrmals zur Beendigung ihrer Unterstützung der PYD/SDF aufgefordert. „Die YPG [der bewaffnete Arm der PYD, Anm. d. Red.] und die PKK sind beide Terrororganisationen, es gibt keinen Unterschied außer dass die Namen unterschiedlich sind, und jede Waffe, die sie erhalten, bedeutet eine Bedrohung für die Türkei“, hatte zuvor der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu gewarnt.

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– Irak – Erdbeben: Kurdische Regionalregierung dankt Türkei

Der Türkische Rote Halbmond war die erste Hilfsorganisation, die nach dem gestrigen Erdbeben 30 km südwestlich der irakischen Stadt Halabja nahe der iranischen Grenze, die Region erreichte.

Erdbeben: Kurdische Regionalregierung dankt Türkei
         
Syrien: USA liefern weiterhin schwere Waffen an PKK-Ableger PYD

TELL MAMA Studie
lslamfeindlichkeit: Suchmaschinen offen für rechtsextreme Manipulation

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London (nex) – Rechtsextreme Manipulation von Suchergebnissen, um Islamfeindlichkeit und Rassismus zu schüren, sollte von Suchmaschinen-Giganten bekämpft werden, warnte eine britische Beobachtungsstelle für Hassverbrechen. Tell MAMA fordert in ihrem jüngsten Bericht Google und andere dazu auf, „zu überprüfen, wie rechtsextreme Websites den Suchalgorithmus durch Suchmaschinenoptimierung (SEO) betrügen, um ihre Rankings in Bezug auf Kriminalität, sexuelle Ausbeutung und Terrorismus zu verbessern“. „Ein höheres Ranking erhöht nicht nur die [extremistische] Legitimität, sondern kann auch gefährdete Personen in extreme Filterblasen ziehen“, heißt es. Tell MAMA teilte mit, dass die Arbeit in Partnerschaft mit Social-Media-Unternehmen ihnen helfen werde, antimuslimische Vorurteile besser zu verstehen und Online-Gegendarstellungen zu fördern. Über 640 islamfeindliche Vorfälle wurden von Tell MAMA im Jahr 2016 – gegenüber 437 im Vorjahr – verzeichnet. In dem am Donnerstag unter dem Titel „A Constructed Threat: Identity, Intolerance and the Impact of Anti-Muslim Hatred“ (Eine konstruierte Bedrohung: Identität, Intoleranz und die Auswirkungen von antimuslimischem Hass) veröffentlichten Bericht weisen die Autoren darauf hin, dass muslimische Frauen in islamischer Kleidung am anfälligsten für Angriffe gewesen seien. Die Mehrheit der Täter waren Männer (66 Prozent) und, in den Fällen, in denen es festgestellt werden konnte, meistens weiß „Wir müssen verstehen, dass angesichts der geschlechtsspezifischen Natur antimuslimischer Rassismus auf der Straße mehrere Auswirkungen auf das Opfer und deren Familien hat“, betont TELL MAMA-Chefin Iman Atta und ergänzt: „Er beeinflusst die Mobilität muslimischer Frauen und ihr Zugehörigkeitsgefühl, das sich auch auf ihre Kinder auswirkt und ihr Selbstvertrauen einschränkt.“

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– Islamophobie – Bericht: Hass gegen Muslime mit über 200 Millionen US-Dollar gefördert

Nach einem gemeinsam veröffentlichten Bericht des Rates für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR) und des Center for Race and Gender der California Berkeley Universität sind in den USA zwischen 2008 und 2013 circa 206 Millionen US-Dollar in Organisationen geflossen, die den Hass gegen Muslime fördern.

Bericht: Hass gegen Muslime mit über 200 Millionen US-Dollar gefördert

"Gewaltexzesse"
Rassismus in der DDR: Immer noch viele ungeklärte Todesfälle

Leipzig (ots) – „Mord verjährt nicht“ und deshalb müssen Gewaltverbrechen mit Todesfolge in der DDR, bei denen rassistische Motive eine Rolle gespielt haben, auch heute noch so lückenlos wie möglich aufgeklärt werden. Das fordert Martin Heger, Professor für Strafrecht an der Berliner Humboldt-Universität, in der MDR-Sendung „Exakt – Die Story“. Nach Recherchen des Historikers Harry Waibel und des MDR gibt es mindestens vier Todesfälle, die bis heute nicht verjährt sein könnten. Dabei geht es um den Tod von zwei Kubanern 1979 in Merseburg, den Tod eines Mosambikaners 1986 in Borne/Bad Belzig und den Tod eines weiteren Mosambikaners 1987 in Staßfurt. Alle vier waren als sogenannte Vertragsarbeiter in die DDR gekommen. In allen vier Fällen wurden die Ermittlungen aufgrund der Einflussnahme von DDR-Politik und Staatssicherheit eingestellt oder stark beeinflusst. “Wir können bisher 700 Vorfälle nachweisen und belegen, bei denen es mindestens 12 Tote gegeben hat”, erklärte Waibel gegenüber MDR bereits im April 2016. Der Historiker hatte für seine Recherchen umfängliche Bestände der Stasi-, Polizei- und Gerichtsakten ausgewertet und stieß dabei auf Vorkommnisse im gesamten Gebiet der DDR. Demnach gab es über mehrere Jahre ausländerfeindliche Parolen, Beleidigungen, Hetze, gewalttätige Übergriffe und Körperverletzungen, Ausschreitungen und sogar Tote. Laut Waibel sei die homogene Gesellschaft der DDR weitgehend nicht in der Lage gewesen, mit Fremden umzugehen. So wurde am 19.September 1987 in Staßfurt ein Lehrling aus Mosambik von mehreren Männern mit fremdenfeindlichen Motiven bewusstlos getreten und in den Fluss Bode geworfen. Einen Tag später wurde die Leiche gefunden. Sechs Staßfurter sollen laut Stasi-Akten für seinen Tod verantwortlich sein. Doch nur ein Täter, ein bereits Vorbestrafter, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Erfurt wurde am 10. August 1975 zum Schauplatz eines bis dahin nie dagewesenen Gewaltexzesses. Fünf Tage lang jagten Gruppen von bis zu 300 Deutschen algerische Vertragsarbeiter durch die Innenstadt und verprügelten sie mit Latten und Stangen. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich in Merseburg am 12. August 1979. Dabei wurden zwei kubanische Vertragsarbeiter von mehreren Merseburgern in den Fluss Saale gejagt und wurden durch Flaschen- und Steinwürfe offensichtlich so schwer verletzt, dass sie anschließend ertranken. Die anfänglichen Ermittlungen der Polizei wurden durch die Staats- und Regierungsführung unter Kenntnisname von Erich Honecker eingestellt. Professor Martin Heger, der sich mit den Tötungen der Vertragsarbeiter in der DDR beschäftigt hat, übt im MDR scharfe Kritik an den ostdeutschen Staatsanwaltschaften: „Es ist frustrierend, wie wenig Wille bei den betroffenen Staatsanwaltschaften besteht, diese Ausländerfeindlichkeit, die bekannt ist in der früheren DDR, aufzuarbeiten. Leider hat man in der Tat den Eindruck, dass die Staatsanwaltschaften in den neuen Bundesländern hier etwas vorsichtig an diese Themen herangehen.“ Für Heger gebe es bei allen vier Todesfällen ausreichende Anhaltspunkte, die einen möglichen Mordvorsatz nahelegen. 2016 leitete die Staatsanwaltschaft Halle (Saale) im Fall der zwei getöteten Kubaner ein Prüfverfahren ein, welches jedoch wieder eingestellt wurde. Für Martin Heger ist das völlig unverständlich: „Ich halte die Einstellungsverfügung vor allem mit Blick auf ihre Begründung für sehr problematisch. Hier gibt es ja einige Anhaltspunkte, die auch heute noch nahelegen, dass man ihnen nachgeht. Diese zu ignorieren, ist schon rechtsstaatlich sehr problematisch, denn Mord verjährt nicht.“ Die Staatsanwaltschaft Halle (Saale) hatte ihren Schritt damit begründet, dass laut Akten „kein primärer rassistischer Hintergrund“ als auch „keine Belege für die Unterdrückung der damaligen Ermittlungen durch die DDR-Staatssicherheit“ zu finden seien. Zeugen waren nicht befragt worden. Die Münchner Rechtsanwältin Claudia Neher vertritt in diesem Fall die Familie eines getöteten kubanischen Vertragsarbeiters. Sie kündigt nun rechtliche Schritte an: „Wir haben im Moment noch eine Möglichkeit, das Verfahren noch einmal in Gang zu bringen. Wir werden ein Klageerzwingungsverfahren auf den Weg bringen.“ Auch aus Mosambik gibt es Kritik. António Muchanga, der Sprecher der größten mosambikanischen Oppositionsbewegung Renamo: „Ich bin überzeugt, dass die Todesfälle unserer Landsleute noch nicht vollständig aufgeklärt wurden und da wir nicht wissen, ob die Schuldigen bestraft worden sind, appelliere ich an die deutschen Behörden und an die Bundesregierung, diese Fälle aufzuklären und uns über die Ergebnisse der Ermittlungen zu informieren.“ In Deutschland kritisiert der Parlamentarische Geschäftsführer von Bündnis 90/Grüne in Sachsen-Anhalt, Sebastian Striegel, die Ermittlungsbehörden: „Ich habe die klare Erwartungshaltung an die Staatsanwaltschaften, dass die zur Verfügung stehenden Mittel auch ausgeschöpft werden. Wir reden hier nicht über einen Ladendiebstahl, der zu DDR-Zeiten nicht entsprechend verfolgt wurde, sondern davon, dass Menschen ums Leben gekommen sind. Und es gebietet der Respekt vor den Toten, vor allem aber auch die Verantwortung gegenüber rechtsstaatlichen Standards, diese Tode auch aufzuklären.“ „Exakt – Die Story“ beschäftigt sich am Mittwoch um 20.45 Uhr mit dem Thema.

 

Großbritannien
Studie: 150.000 russische Twitter-Konten beeinflussten Brexit

London (nex) – Die von Russland kontrollierten Twitter-Konten seien sowohl in den USA als auch in Großbritannien politisch aktiv gewesen, so Damian Collins, der Leiter der parlamentarischen Untersuchungen von Fake News (gefälschte Nachrichten) in Großbritannien. „Das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein, weil wir erst richtig damit begonnen haben, eine genaue Studie darüber durchzuführen, was Konten, die mit russischen Organisationen verbunden sind, politisch gemacht haben“, sagte Collins gegenüber Medien. Russische Twitter-Konten hätten in den 48 Stunden rund um das Brexit-Referendum im vergangenen Jahr fast 45.000 Nachrichten gepostet. Diese sollten bei der Abstimmung über einen EU-Austritt Zwietracht unter den Wählern Großbritanniens säen. Das berichtet die „Times„-Zeitung am Mittwoch. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine noch nicht veröffentlichte Studie der britischen Swansea Universität und der University of California. Die Studie zeigte, dass aus Russland operierende Twitter-Konten vor dem Referendum am 23. Juni vermehrt über Brexit posteten. Mehr als 150.000 Konten in Russland, die zuvor primär zu Themen wie dem ukrainischen Konflikt posteten, lenkten in den Tagen vor der Abstimmung im vergangenen Jahr ihre Aufmerksamkeit auf Brexit, so die „Times“. Viele der Nachrichten stammten scheinbar von automatisierten Konten – den sogenannten Bots -, oder von Cyborg-Accounts, die stark automatisiert sind, aber einige menschliche Eingriffe haben. Am Tag des Referendums habe ein in der Art gestaltetes – also ein vermeintlich in Deutschland betriebenes – Konto bis zu 20 Mal in einer Stunde gepostet, so eine Analyse des US-Nachrichtensenders CNN. Die Tweets, die mit Brexit-bezogenen Hashtags versehen waren, verspotteten die Warnungen der proeuropäischen Kampagne vor den Folgen eines EU-Austritts und richteten sich gegen den damaligen britischen Premierminister David Cameron, der dafür geworben hatte, in der EU zu bleiben, berichtet die CNN. In einer Volksabstimmung im vergangenen Jahr entschieden sich 51,9 Prozent der Briten für einen Austritt aus der EU. Moskau hat eine Einmischung Russlands beim Brexit sowie den US-Wahlen wiederholt abgestritten und den Westen der anti-russischen Propaganda beschuldigt.

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– „Aktive Maßnahmen“ – Das Ende der “Putin-Trolle”: Bundesregierung will “Kreml-Propaganda” untersuchen lassen

Im Auftrag der Bundesregierung sollen die Nachrichtendienste untersuchen, ob, wie und mit welchem Ziel Russland möglicherweise mit propagandistischen Mitteln Einfluss in Deutschland nimmt.

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Kemalismus
Türkischer Ministerpräsident: Niemand hat ein Monopol auf Atatürk

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Ankara (nex) – Keine politische Organisation oder Institution habe ein Monopol auf Atatürk und könne den Gründer der Republik Türkei dafür benutzen, die Gesellschaft zu polarisieren, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am gestrigen Dienstag. „Weder die [regierende] AKP als Institution noch die Mitglieder der AKP müssen ihre Pro-Atatürk-Haltung unter Beweis stellen“, stellte Yildirim klar. Seine Äußerungen fielen nachdem die Opposition die positive Erwähnung des Staatsgründers durch die regierende AKP in den letzten Monaten und besonders während nationaler Gedenkfeiern zum 79. Todestag Atatürks am 10. November. kritisiert hatte. „Atatürk ist der gemeinsame Wert dieses Landes“, erklärte Yildirim und und ergänzte, dass die AKP die „stärkste Gewissheit des Säkularismus“. „Niemand kann Atatürk von den religiösen Menschen in der Türkei trennen“, unterstrich Yildirim und fügte hinzu: „Atatürk gehört zu unseren Werten genauso wie Sultan Mehmet der Eroberer.“ Gemeint ist der osmanische Sultan, der 1453 Konstantinopel erobert hatte. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor Kurzem erklärt, die AKP habe sich den Schutz des Vermächtnisses von Mustafa Kemal Atatürk und dessen Bewahrung vor „ideologischer Bigotterie, die seinen Namen instrumentalisiert“, zum Ziel gesetzt. „Es gibt nichts Natürlicheres als den Respekt für einen Namen, der so einen Kampf geführt hat, um einen wertvollen Platz im Herzen des Volkes zu haben“, sagte Erdogan bei einer Veranstaltung zum 79. Todestag Atatürks. Er wies des Weiteren darauf hin, dass der Name Atatürks von „bestimmten Mentalitäten als Werkzeug für ideologische Zwecke“ benutzt worden sei. Erdogan kritisierte die von Atatürk gegründete Republikanische Volkspartei (CHP), die Hauptopposition im türkischen Parlament, weil sie Atatürks Namen missbrauche und sein Erbe nicht schütze.  

Drogeriemarkt Müller
Kommentar zu: „Security schlägt auf Muslima ein“

Von Tarek Bae In Wien schlug ein Security-Mitarbeiter der Ladenkette „Müller“ auf eine Frau ein, die angeblich etwas geklaut haben soll, was laut Polizei aber nicht der Fall war. Der Vorfall wurde gefilmt und sorgt in Österreich derzeit für Diskussion. Wie sich die Reaktionen abspielen, ist ein Sinnbild für eine weitverbreitete Geisteshaltung in unserem Nachbarland. Während mehrere Augenzeugen berichten, dass der Mitarbeiter zwei Begleiterinnen der Angegriffenen „Kopftuchschlampe“ nannte und die betroffene Frau derartig brutal verprügelte, dass sie unter Schock steht, wird er von vielen Kommentatoren gerechtfertigt. „Müller“ selbst leistete sich einen Skandal, als zunächst die Gewalt geleugnet und den drei Frauen aggressives Verhalten vorgeworfen wurde, obwohl den Frauen, ebenfalls vor Zeugen, zunächst ein Gutschein angeboten wurde, den Vorfall nicht öffentlich zu machen.
Kurze Zeit später erschien ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der Mitarbeiter eine der Frauen gewalttätig angeht. Während man Kindergeschrei hört und mindestens zwei Personen (vielleicht die anderen beiden Frauen) „hören Sie auf“ rufen und versuchen, sich vor die am Boden liegende Frau zu stellen, werden sie von einer anderen Müller-Mitarbeiterin weggehalten. Obwohl die Müller-Darstellung sich als absolut falsch herausstellte und die Polizei nach Sichtung der Tatsachen ausschließlich Ermittlungen gegen den Mitarbeiter aufnahm, wird mit Nachdruck versucht, ernsthaft der verprügelten Frau eine Schuld nachzusagen und den rassistischen Gewalttäter in Schutz zu nehmen. Seien wir ehrlich, wäre die betroffene Österreicherin keine Muslima und der Angreifer der Muslim, hätten wir nun wieder eine „Kulturdebatte“. So aber bleiben Politik und Medien bislang unkritisch. Das ist ein Freifahrtschein für Rassismus, Islamfeindlichkeit und vor allem Gewalt gegen Frauen. Die Rechtfertigungsversuche, die ohne Wenn und Aber klingen wie „die Zicke wird es wohl irgendwie verdient haben“, beweisen unmissverständliche Frauenverachtung und ja, davon können auch Frauen betroffen sein.

USA
Mattel: Barbie nun auch mit Kopftuch

El Segundo (nex) – Wie der US-amerikanische Spielzeughersteller Mattel am Montag auf seiner Webseite mitteilte, gibt es nun auch ein Barbie-Modell mit Kopftuch. Für die neue Puppe in der „Sheroes“-Kollektion habe die Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad als Vorlage gedient, so das Unternehmen. Die 31-jährige Olympiateilnehmerin bedankte sich mit einem Tweet bei Mattel: „Vielen Dank Mattel, mich als das neueste Mitglied der Barbie Shero Familie anzukündigen! Ich bin stolz, zu wissen, dass kleine Mädchen überall jetzt mit einer Barbie spielen können, die sich für einen Hidschab entschieden hat“, so Muhammad. Mit den „Sheroe“-Puppen, deren Namen sich aus den englischen Wörtern „she“ (sie) und „hero“ (Held) zusammensetzt, will Mattel eigenen Angaben zufolge weibliche Vorbilder feiern, die Mädchen inspirieren sollen. Im vergangenen Jahr war Muhammad als erste US-Sportlerin mit Hidschab bei den olympischen Spielen in Rio angetreten.  

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– Obama als persönlicher Motivator – Olympische Spiele: Erste muslimische Fechterin mit Hijab startet im Sommer für die USA

Die 30-jährige amerikanische Muslima Ibtihaj Muhammad betreibt seit 17 Jahren den Fechtsport. Im August tritt sie in Rio de Janeiro für das US-Olympiateam an.

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