Grundgesetzänderung
Städtetag: Hilfe des Bundes bei Schul-und Wohnungsbau unbedingt nötig

Osnabrück. Der Deutsche Städtetag begrüßt die von der Bundesregierung geplanten Änderungen des Grundgesetzes für die Bereiche Bildung, Wohnungsbau und Verkehr, die an diesem Freitag im Bundestag beraten werden. Hauptgeschäftsführer Dedy spricht von „gewaltiger Aufgabe“ „Das ist unbedingt nötig, weil Schulbau, Schulsanierungen und Modernisierungen eine gewaltige Aufgabe sind“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es sei „ausgesprochen hilfreich“, wenn der Bund in Zukunft die Bildungsinfrastruktur in allen Kommunen fördern könne. „Die Länder und Kommunen werden dadurch nicht aus der Verantwortung entlassen, sondern es wird für die Schulen gemeinsam mehr erreicht“, unterstrich Dedy. Die Städte stellten sich „ambitioniert“ dem Ziel, Schulen digital auszustatten sowie für den Ganztagsbetrieb und die Inklusion auszubauen. Änderung des Grundgesetzes begrüßt Auch die geplanten Grundgesetzänderungen zum sozialen Wohnungsbau und der Gemeindeverkehrsfinanzierung seien gut für die Städte, sagte Dedy. Denn damit bleibe der Bund über das Jahr 2019 hinaus in der finanziellen Verantwortung. Laut Koalitionsvertrag will der Bund den sozialen Wohnungsbau mit jeweils einer Milliarde Euro in den Jahren 2020 und 2021 mitfinanzieren. „Die Länder müssen diese Mittel aber auch zweckentsprechend verwenden“, mahnte Dedy.

Erdogan-Besuch
Maas wünscht sich Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen

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Düsseldorf –  Unmittelbar nach der Ankunft des türkischen Staatschefs Recep Tayipp Erdogan in Deutschland hat Außenminister Heiko Maas (SPD) einen respektvollen Umgang miteinander angemahnt. „Die Türkei ist für uns mehr als ein Nachbar. In Deutschland leben mehr als drei Millionen türkischstämmige Menschen. Schon deswegen sollten beide Länder ein Interesse daran haben, respektvoll miteinander umzugehen“, sagte Maas der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Wir müssen wieder mehr miteinander reden statt nur übereinander. Nur so werden wir die offenen Fragen, die es in unseren Beziehungen gibt lösen. Was ich in meinen Gesprächen mit der Türkei immer wieder klipp und klar anspreche sind die Haftfälle, der Umgang mit der Presse- und der Meinungsfreiheit sowie die Entwicklung in der Justiz.“ Der Besuch Erdogans könne eine Verbesserung der Beziehungen bringen. „Wir wollen jetzt daran arbeiten, auch bei schwierigen Themen voran zu kommen. Dafür bietet der Besuch von Staatspräsident Erdogan eine gute Gelegenheit.“

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– Deutsch-türkisches Treffen – Wirtschaftsminister Altmaier: Türkei hat nicht nach Finanzhilfen gefragt

In Deutschland wird seit Monaten über eine direkte finanzielle Hilfe an die Türkei diskutiert. So ein Vorhaben wird in der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt und von der Politik kategorisch ausgeschlossen. Dabei habe Ankara laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nie um direkte Finanzhilfen gebeten.

Wirtschaftsminister Altmaier: Türkei hat nicht nach Finanzhilfen gefragt

Arbeitspolitik
Handwerk klagt: Veraltete Klischees schrecken mögliche Bewerber ab

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Handwerk klagt: Veraltete Klischees schrecken mögliche Bewerber ab Osnabrück. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat mit der Vorstellung aufgeräumt, dass Bäcker grundsätzlich um 2 Uhr mit der Arbeit beginnen. Das sei wegen des Einsatzes moderner Technik „längst nicht mehr so“, sagte Wollseifer im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er beklagte „veraltete Klischees“, gegen die das Handwerk noch immer kämpfen müsse. „Es fehlen 250 000 Fachkräfte“ Auch als Folge falscher Annahmen fehlten seiner Branche derzeit 250 000 Fachkräfte. Laut Wollseifer gibt es eine „Fülle von Innovationen“ im Handwerk, die die Arbeit attraktiver machten. So müsse der Dachdecker zur Schadenskontrolle nicht mehr selbst auf den First. „Er schickt heutzutage die Drohne hoch, die gestochen scharfe Bilder macht“, betonte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Er warb um Nachwuchs auch mit dem Hinweis auf die hohe Beschäftigungsquote nach beruflicher Ausbildung. Wollseifer nennt „Meisterbrief eine Jobversicherung „Der Meisterbrief ist geradezu eine Jobversicherung“, sagte Wollseifer. Zudem verdiene ein Meister mindestens so viel wie ein Bachelor. „Ein fitter Handwerksunternehmer kann einen Master finanziell locker überflügeln. Und der Lehrling bekommt während der Ausbildung eine Vergütung, ein Student dagegen nichts“, unterstrich der Präsident.

Promi-News
Bushido: „Habe nichts mit Clans zu tun“

Berlin – Der Berliner Rapper Bushido hat nach eigener Aussage generell nichts mit arabischen Clans zu tun. In der rbb-„Abendshow“ sagte er am Donnerstag, seine Verbindung zum Abou-Chaker-Clan habe sich auf die Person Arafat Abou Chaker beschränkt. Genauso sei es bei seiner aktuellen Freundschaft mit Ashraf Remmo, der einem anderen Berliner Clan angehört. Über seine öffentlich ausgetragene Fehde mit Abou Chaker sagte Bushido: „Die Streitlustigkeit ist von meiner Seite aus nicht so gegeben.“ Er mache sich aber Sorgen, weil Abou Chaker ein „schwieriger, dominanter Typ“ sei, der Schwierigkeiten habe, sich an Regeln zu halten. Bushido hatte dem Berliner Clan-Kriminellen Arafat Abou-Chaker eine Generalvollmacht über seine Geschäfte erteilt. Es heißt, der Clan-Chef habe 50 Prozent aller Einkünfte Bushidos erhalten. Bushido räumte in dem Gespräch mit dem rbb ein, dass er vorbestraft sei – aktuell befinde er sich auf Bewährung wegen Betrugs: „Ich glaube, ich bin der straffälligste Mensch hier in diesem Studio, offiziell.“ Dennoch wünsche er sich als Vater, dass seine fünf Kinder „vernünftig und nicht straffällig“ werden. Er wolle im Umgang mit anderen Menschen keine „soziale Filterung“ betreiben: „Solange ein Mensch sich mir gegenüber korrekt verhält, ist mir das egal, welche Hautfarbe er hat, aus welcher Religion er kommt oder aus welchem Teil Deutschlands“. Der Rapper sagte, er sei sich seiner Verantwortung gegenüber jungen Fans bewusst. Dabei betonte er, dass sich sein aktueller Song „Mephisto“, in dem er auch seine Trennung von Abou-Chaker thematisiert, durchaus als Interpretations-Material für die Schule eigne. An diesem Freitag erscheint Bushidos 13. Album. Die Platte mit dem Namen „Mythos“ ist die erste, seit er sich im März offiziell von Abou-Chaker gelöst hat. Gleichzeitig wird der Musiker am Tag der Album-Veröffentlichung 40 Jahre alt.

Zum Thema

– Stern-Interview – Bushido und seine Ehefrau: „Wir lassen uns nicht mehr einschüchtern“

„Er bestimmte unser gesamtes Leben, das ganze Denken meines Mannes“, sagt Anna-Maria Ferchichi im Gespräch mit dem stern über Arafat Abou-Chaker, den Clan-Chef und langjährigen Geschäftspartner ihres Ehemannes Bushido.

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Weltwirtschaft
Türkei: Außenhandelsdefizit sinkt um 59 Prozent

Ankara (nex) – Das Außenhandelsdefizit der Türkei ist im August um 59 Prozent zurückgegangen, wie die statistische Behörde des Landes am Freitag mitteilte. Laut TurkStat sanken die Importe der Türkei im August um 22,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 14,8 Milliarden Dollar, während die Exporte um 6,5 Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar sanken. Im vergangenen Monat belief sich das Außenhandelsdefizit des Landes auf 2,4 Milliarden Dollar, gegenüber 5,9 Milliarden Dollar im gleichen Monat des Vorjahres. „Im August 2018 lag der Deckungsbeitrag vom Import zum Export bei 83,6 Prozent, während er im August 2017 bei 69,1 Prozent lag“, teilte TurkStat mit.

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– Tourismus – 226 Milliarden-Dollar-Markt: Türkei im Halal-Tourismus immer erfolgreicher

Die Türkei ist nach Malaysia, Dubai und Indonesien das viertgrößte Reiseziel für Touristen, die Halal-Angebote suchen und strebt an, ihren Anteil in den kommenden Jahren von zwei Prozent auf zehn Prozent zu erhöhen, um einer der meistbesuchten Standorte zu werden.

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Magischer Realismus
Museum Folkwang zeigt ab 28.9. italienische Malerei der 1920er

Essen – Die Ausstellung „Unheimlich real. Italienische Malerei der 1920er Jahre“ präsentiert vom 28. September 2018 bis zum 13. Januar 2019 achtzig Gemälde des Magischen Realismus. Herausragende Werke von Felice Casorati, Antonio Donghi und Ubaldo Oppi sind ebenso in der Schau vertreten wie die einflussreichen Gemälde von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà. Damit findet erstmalig in Deutschland eine umfangreiche Präsentation dieser Werke statt, die Besucher_innen können eine Stilrichtung der Klassischen Moderne im Museum Folkwang neu entdecken. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges kehren in Europa und darüber hinaus viele Künstler_innen zu einer realistischen Darstellung zurück und wenden sich endgültig vom Expressionismus ab. Anknüpfend an die metaphysische Malerei von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà sowie den im Pariser Neoklassizismus ausgerufene „Rückkehr zur Ordnung“, lassen die Maler_innen auf ihren Gemälden die Zeit stillstehen. Sie fügen ihren realistischen Darstellungen eine traumhafte, unheimliche, mitunter befremdliche Anmutung hinzu. Die Gemälde zeigen ihre Gegenstände klar und deutlich, atmosphärisch und thematisch bleiben sie jedoch rätselhaft. Entstanden sind stimmungsvolle Bilder von hoher malerischer Qualität in zuweilen einnehmend leuchtenden Farben. Peter Gorschlüter: „Ich freue mich, dass die Ausstellung ,Unheimlich real‘ einen Einblick in jene Zeit vermittelt, die in der kunsthistorischen Forschung lange Zeit ein Schattendasein führte, und eine neue umfassende Betrachtung der Werke ermöglicht, die aus zahlreichen institutionellen wie privaten Sammlungen zusammengetragen wurden. In dieser Hinsicht ist auch das wissenschaftliche Symposium, das die Ausstellung begleiten wird, ein wichtiger Bestandteil unseres Ansatzes, diese Stilrichtung zu betrachten.“

„Unheimlich real Italienische Malerei der 1920er Jahre“ 28. September 2018 – 13. Januar 2019

Erdoganbesuch
Emnidumfrage: Für 81 Prozent der Befragten ist die Türkei kein demokratischer Staat

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Berlin – Der türkische Präsident Erdogan ist in Berlin eingetroffen – und wird mit allen protokollarischen Ehren eines Staatsgastes empfangen. Wie finden das die Deutschen? In einer repräsentativen WELT-Emnid-Umfrage halten 56 Prozent der Befragten den Staatsempfang für falsch. Nur 35 Prozent der Deutschen finden die besonderen Ehren für Erdogan angemessen. Nur 11 Prozent der Deutschen meinen, dass die Türkei ein demokratischer Staat ist. Für 81 Prozent der Befragten ist die Türkei kein demokratischer Staat. Feldzeit: 26.9.2018 Befragte: ca. 1.000

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– „Dann geht doch nach Hause!“ – Türkei-Deutsche widersprechen Serdar Somuncu: „Wir sind schon länger als eine Woche hier“

Der deutsch-türkische Comedian und Erdogan-Kritiker Serdar Somuncu wirft in Deutschland lebenden Anhänger des türkischen Präsidenten Ahnungslosigkeit vor. Sie würden niemals freiwillig selbst in der Türkei leben wollen oder es dort auch nur für eine Woche aushalten. Einige Leser widersprechen dieser Einschätzung.

Türkei-Deutsche widersprechen Serdar Somuncu: „Wir sind schon länger als eine Woche hier“

Berlin
Erdogan in Deutschland: Türkische Lira und Börsenindex gestiegen

Berlin (nex) – Der BIST 100 Vergleichsindex der türkischen Börse hat am heutigen Donnerstagnachmittag mit einem Anstieg von 1,16 Prozent 100,298.73 Punkte und somit ein Vier-Monate-Höchststand erreicht. Die türkische Lira hat ihre Erholung gegenüber dem US-Dollar fortgesetzt und erreichte am heutigen Donnerstag mit 5.9950 ein neues Hoch. Der Euro ist im Vergleich zum gestrigen Mittwoch sogar um fast 17 Cent gefallen und erreichte zum Börsenschluss in Istanbul 7.0250. Erdogan in Berlin Recep Tayyip Erdogan ist am Donnerstag zu seinem ersten Staatsbesuch in Deutschland als Präsident der Türkei in Berlin angekommen. Hochrangige deutsche Beamte begrüßten Erdogan und die türkische First Lady Emine Erdogan im militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel. Der türkische Präsident wird während des Besuchs von wichtigen Ministern begleitet, darunter Wirtschafts-, Finanz-, Handels- und Industrieminister. Im Vorfeld seiner offiziellen Gespräche in Berlin forderte Erdogan in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, eine neue Seite in den türkisch-deutschen Beziehungen zu öffnen. „Die dramatischen Entwicklungen in der Welt machen es unerlässlich, dass sowohl Deutschland als auch die Türkei eine neue Seite in den bilateralen Beziehungen aufschlagen, ihre Unterschiede beiseite lassen und sich auf ihre gemeinsamen Interessen konzentrieren“, betonte er.

Zum Thema

– Deutsch-türkisches Treffen – Wirtschaftsminister Altmaier: Türkei hat nicht nach Finanzhilfen gefragt

In Deutschland wird seit Monaten über eine direkte finanzielle Hilfe an die Türkei diskutiert. So ein Vorhaben wird in der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt und von der Politik kategorisch ausgeschlossen. Dabei habe Ankara laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nie um direkte Finanzhilfen gebeten.

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Frankreich
Straßburg: EU-Gerichtshof weist Öcalan-Klage gegen Türkei zurück

Strasburg (nex) – Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EMRK) hat am Donnerstag eine Beschwerde des inhaftierten Anführer und Gründer der PKK-Terrorgruppe, Abdullah Öcalan, zurückgewiesen. In der Beschwerde wurde behauptet, dass Öcalan am 7. Oktober 2008 bei einer Durchsuchung seiner Zelle von den Gefängniswärtern von Imrali gefoltert und bedroht worden sei. Die EMRK entschied einstimmig, dass der Antrag „unzulässig“ ist und stellte fest, dass es keine begründbare Behauptung gab, dass Öcalan „unter Verstoß gegen Artikel 3 der Konvention einer Behandlung unterzogen worden war“. „Das Gericht stellte insbesondere fest, dass Abdullah Öcalan am Tag der angeblichen Vorfälle und an den folgenden Tagen von einer Reihe von Ärzten untersucht worden war, die keine Anzeichen von Körperverletzung oder psychischer Belastung festgestellt hatten“, erklärte das oberste EU-Gericht in einer Erklärung. Das Gericht fügte hinzu, dass der Führer der PKK-Terrorgruppe „selbst nichts dergleichen erwähnt“ oder „eine Beschwerde bei der Gefängnisverwaltung oder dem für das Gefängnis zuständigen Staatsanwalt eingereicht“ habe. Was die Untersuchung betrifft, so erklärte der Gerichtshof, seien die nationalen Behörden mangels stichhaltiger Behauptungen nicht verpflichtet, eine Untersuchung durchzuführen. Die Entscheidung sei endgültig, so das oberste EU-Gericht. Abdullah Öcalan, der verurteilte Chef der PKK-Terrorgruppe, ist seit 1999 in der Türkei inhaftiert. In ihrer mehr als 30-jährigen Terrorkampagne gegen die Türkei war die PKK – in der Türkei, den USA und der EU als terroristische Organisation eingestuft – für den Tod von über 40.000 Menschen, einschließlich Frauen und Kindern, verantwortlich.

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Ein am Montag veröffentlichter Polizeibericht zeigt, dass die PKK-Terrororganisation in allen Phasen des Drogenhandels aktiv ist, einschließlich Produktion, Lieferung, Vertrieb und Verkauf.

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Kommentar
Prof. Dr. Hans-Christian Günther: „Erdogan verdankt seinen Erfolg seinen Eiern“

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther Assoziationen eines echten Deutschen ohne Migrantionshintergrunnd zum Erdoganbesuch Die Erwartung Die Bildzeitung hatte es als erste erfahren: man hatte sich dazu durchgerungen: dem Sultan vom Bosporus wird am 27.9. der rote Teppich zum Staatsbesuch in Deutschland ausgerollt. Nach all den schrecklichen Zerwürfnissen der Vergangenheit – man hatte sich gegenseitig als Nazis beschimpft – soll jetzt alles wieder gut werden. Aber halt – kaum war die Nachricht bekannt, wurde in der Presse heftig diskutiert, wie denn nun dieses Ereignis bei einem notorischen Diktator oder Autokraten aussehen müsse. Normalerweise sind Staatsbesuche feierliche Höhepunkte, ganz so wie wenn früher Lady Di oder heute Prince Harry mit seiner geschiedenen und nicht ganz reinrassigen Gemahlin für gute Laune sorgen. Und gewiss, so schrieb auch irgendein Blatt: käme da ein Macron, dann würde sich eine beschwingte Atmosphäre gewiss von ganz alleine einstellen. Nun wird gewiss niemand bezweifeln, dass der leichtfüßige französische Jüngling mit seiner charmanten Gemahlin, die selbst einen Donald Trump das Kompliment entlockte, sie habe sich erstaunlich gut gehalten, eine kesse Sohle auf den roten Teppich legen könnte (gewiss überzeugender als letztens die Britin Theresa May beim Hula Hula in Afrika), ja, und dagegen werden Erdogan und Ermine, das kann man vorher wissen, mit ihrem zeremoniellen Auftreten unsere auch etwas frostige Mutti kaum zu dem zärtlichen Kuss hinreißen, zu dem Macron sie beflügelt. Nur, ich bezweifele, den Deutschen, die sich mit dem Besuch befassen, ist klar, warum das so ist, und genau daran liegen vielen Missverständnisse mit der Türkei, die man jetzt ausräumen möchte. Somit hier einige verstreute Gedanken zur Aufklärung. Die westliche Öffentlichkeit mag beschwingte jugendliche Politiker mit Elan schätzen (manchen verzeiht man da sogar mangelhafte Sprachkenntnisse im Englischen; man hat’s ja versucht), Türken dagegen legen sehr viel Wert darauf, dass ein Politiker ,Eier in der Hose hat‘. Und Erdogan hat – wie seine Wahlerfolge zeigen – die Türken, gerade die in Deutschland- glänzend davon überzeugt. Er wird sich also auf jedem Parkett so bewegen, dass ein Türke stets seine Eier mit der richtigen Assoziation belegt. Die türkische optische Perspektive auf die Eier fällt Deutschen etwas schwer. Selbst ein Extürke vergisst sie in Deutschland bei völliger Integration so weit, dass er u.U. nicht mehr wahrnimmt, wie Wildtürken ihn und seine eventuellen Eier assoziieren, wenn er seine nachdenklich schwäbische Miene mit gerührten Schlabberaugen aufsetzt. Aber vielleicht ist die faktische Perspektive etwas weniger nationalsubjektiv: Erdogan verdankt seinen Erfolg tatsächlich seinen Eiern. Er hatte in zäher Arbeit gerade mal die Türkei – unter gar nicht so bequemen Umständen für seine Sicherheit – aus einer verdeckten Militärdiktatur herausgeführt und Militär und Justiz entzahnt. Na ja! Danach springt er dummerweise auf den Zug der NATO zur Zerstörung Syriens auf (Türkei gehört ja zur NATO). Bis er dann – leider zu spät – merkt, dass das ein Fehler war. Erdogan hat nun die Eier, oder vielleicht auch nur das Gehirn, und beginnt, seine Politik neu auszurichten: null Probleme mit Nachbarn, so war’s früher, gar nicht so dumm, oder? Der Bashar war mal ein Bruder. Und da? Ja, da gibt es doch einen kleinen Militärputsch! Dass die USA (und die NATO) da mitmischen, ein Schelm, wer Böses dabei denkt: aber wie funktioniert ein Militärputsch aus Kasernen, wo NATO-Soldaten stationiert sind, ohne dass sie’s merken? Und seit wann ist die USA so islamfreundlich, dass sie einen muslimischen Weltverband, dem die Türkei besonders am Herzen liegt, umhegt? Will die USA die Welt islamisieren? Also das mit dem Militär hat ja auch schon öfter geklappt: also nur mal so zur Erinnerung: 1980 wurden dabei Hunderttausende verhaftet, entlassen, getötet, gefoltert, und es passierte alles, was Militärs so gern mit Gegnern machen. Und da ist gerade jetzt auch der Jahrestag von der Hinrichtung des ersten demokratisch gewählten Regierungschefs der Türkei manchen Türken noch in Erinnerung, gestürzt mit Hilfe der USA – wozu ist die sonst auch da! Da brauchte das Militär wenig Eier! Die Militärs von 2016 hatten allerdings die Eier in der Hose, einfache türkische Bürger zu beschießen und mit Panzern zu überrollen. Aber Erdogan hatte eben auch die Eier zu bleiben und sich auf die Eier der Türken zu verlassen. Fällt mir kaum was aus der neueren Geschichte ein, wo ein Volk soviel Eier in den Hosen hatte und dafür sorgte, dass ein Regierungschef seine Eier in der Hose nicht durch den CIA zerquetscht oder vor der Hinrichtung die Eiergegend auf Hinrichtungsfähigkeit untersucht bekam – wie der erste türkische Demokrat. Man sollte eigentlich denken, jeder sollte soviel Anstand haben, so etwas selbst bei einem Gegner bewundernd anzuerkennen – nicht so westliche Medien und Politiker. Aber Gegner? Das ist doch die Türkei gar nicht. Die gehört doch – wie gesagt – zur NATO, und die NATO ist doch eine Wertegemeinschaft, genau genommen eine westliche Wertegemeinschaft. Westlich wird heute auch ganz präzise definiert: jüdisch-christlich. Und da haben wir’s doch: da liegt ja das Problem! Mit Werten: nun da kann man es in der Politik nicht so genau nehmen, das wissen wir ja. So hat sich an den Folterkammern Francos ja auch niemand gestört, als man den guten Christen für den Westen brauchte. Und die kemalistische Türkei? Nun ja: die waren ja säkular, das ist – jedenfalls sehen das manche Christen so – christlich. Da konnte man dann auch drüber hinwegsehen, dass die – vor allem wenn’s die besonders säkularen Obristen waren – die Türkei von Christen gründlich gesäubert haben. Und wenn die dann Kurden umbringen wollen? Die sind doch Muslime, da kann man ja ruhig auch noch die Waffen liefern. Aber da kommt doch dann dieser Erdogan? Der macht doch tatsächlich die Türkei demokratischer, fast schon so demokratisch, dass man die eigentlich in die EU aufnehmen müsste: das sagte man zwar schon lange, wolle man, falls die Türkei demokratisch ist. Aber jetzt ist sie es ja bald, und die wird aber zugleich immer islamischer. Wie kann so ein fanatischer Muslim wie Erdogan, der uns sogar einen wichtigen Grund wegnimmt, das Kopftuch abzulehnen, tatsächlich so unverschämt sein, das Militär zu entmachten, Kurden ihre Sprache und Kultur zurückzugeben, Kirchen wiederaufzubauen, den Armeniern sein Beileid auszusprechen? Wie passt denn so eine islamische Türkei zu jüdisch – christlichen Werten? So eine Türkei in die EU aufzunehmen, na, das wäre ja fast schon, wie wenn das christliche Abendland schon vor Hitler die jüdische Kultur akzeptiert hätte, statt die Juden zu diskriminieren und umzubringen. Das wäre ja fast schon osmanisch: die haben das mit den Juden und Christen nämlich schon vor Hitler so gemacht – ich meine die Osmanen. Wirklich im Sinne des Islam. Da darf man nämlich Juden und Christen nicht töten. Also jetzt stimmt’s doch irgendwie hinten und vorn nicht mehr. Aber von all seinen Erfolgen überheblich geworden hat dann der Islamist Erdogan doch noch gerade rechtzeitig sein wahres Gesicht gezeigt. Erst hat er „friedliche Demonstranten vom Gezipark“ brutal zusammenschlagen lassen, und damit er das lebenslang so machen kann, hat er eine neue Verfassung vorgeschlagen, wo er dann Diktator der Türkei werden kann. Und damit hat er es dann deutschen Politiken ermöglicht, öffentlich nur noch über die Verfassung der Türkei zu diskutieren und in Deutschland zwar nicht so viel – ein bisschen schon – die Verfassung zu ändern, aber zumindest mal ein assoziatives Vorbild geliefert, wie man G-7 so ablaufen lässt, dass es ein Gezigroßprojekt wird. Und wenn’s in der Türkei ein Park war, na, dann muss das jetzt in Deutschland auch mal ein ganzer Wald werden. Worin genau diese Verfassungsänderung bestand, hat man in all den Diskussionen nie erfahren. Da musste ich schon im Netz nachsehen, und ich fand tatsächlich den alten und neuen Text nebeneinander. Eigentlich war da nichts, was an Diktatur erinnerte. Nur dass da ein Präsident ziemlich stark ist, wenn das Volk ihn direkt wählt. Find ich eigentlich gar nicht schlecht, muss ich sagen. Besser eigentlich als bei uns; da sind schon Leute an die Macht gekommen, die eigentlich Wahlen verloren haben, kam öfter mal vor: Merkel und die SPD. Wenn man verliert, tut man sich eben zusammen. Aber in meiner Begeisterung darüber, was da der Erdogan in der Türkei so macht, hab ich vergessen: der ist ja ein Islamist. Da kann’s doch nun wirklich keine Wahlen geben. Wenn so wo gewählt wird, dann schaffen die doch die Demokratie ab. War ja auch woanders so: in Algerien, da haben die ja auch mal die Demokratie durch Wahlen abschaffen wollen. Und bevor so was passiert, da schaffen wir doch besser selbst die Demokratie mit Hilfe der Militärs ab. Das hat ja auch in Ägypten so gut geklappt. Da regiert jetzt ein beeindruckender Mann, wie ein deutscher Außenminister mal meinte: der sperrt in einem muslimischen Land alle islamistischen Terroristen weg, ja der bringt sogar viele um. Also der Erdogan wird das sicher nicht hinkriegen. Also, liebe Türken, wenn ihr in einem freien jüdisch-christlichen Land leben wollt, dann wählt nur nicht den Islam! Sonst geht ihr besser. Und deshalb darf so ein Sultan hier auch nicht Wahlkampf machen – es sei den der Schwabe mit den Schlapperaugen darf in Istanbul für die Opposition werben und der dadurch die Stimmen wegnehmen. Stimmt wieder so manches nicht ganz – irgendwie. Aber sei’s drum. Hat erst nicht geklappt. Aber dann doch. Und dann gab’s ja auch Riesenärger. Der Erdogan sperrte dann nämlich keine Islamisten, sonder reihenweise Deutsche weg (genauer Deutschtürken, aber wozu so pingelig sein, wir Deutsche mögen ja unsere türkischen Mitbürger ganz besonders) – um sich zu rächen. Ganz nette Familienväter, die bloß mal Urlaub machen wollten – in der Türkei. Die sperrt der ein, nur weil sie den Erdogan mal auf Facebook kritisiert haben. Und dann noch so viele Journalisten. Und kritische Journalisten, die sind doch wichtig; die kritisieren doch immer so erfolgreich Leute, die man in Deutschland nicht mag – wie z.B. Erdogan. Und unter denen, da gibt’s sogar wieder Türken, die haben auch noch nen deutschen Pass; und obwohl die aus diesem Kanakenland stammen, hat die die deutsche Zivilisation so verwandelt, dass die jetzt auch Erdogan kritisieren. Da kann man dann auch vergessen, wenn die genauso verlottert und ungepflegt aussehen wie ihre Artikel. Wer es gut findet, dass die PKK Soldaten, die einem islamischen Tyrannen dienen, tötet, der ist jedenfalls im Kern ein deutscher Patriot, auch wenn der mal die Deutschen kritisiert. Wir sind ja ein freies Land, und der hat halt nen Migrationshintergrund: is‘ doch kein Problem. Der ist halt mutig und traut sich auch mal was. Sogar jetzt von Erdogan Schadensersatz zu verlangen, nachdem er von seiner neuen Heimat mit allen Mitteln zurückgeholt wurde. Denn wenn man in der Türkei eingesperrt wird, ist doch klar: da ist die Anklage nie begründet. Islam und Rechtsstaat, wie geht denn das? Die wollen ja sogar hier die Scharia einführen. Das hat der Böhmermann schon gut gemacht, dass der das mal launig gereimt dem Erdogan gesagt hat. Er hat ja nur kultiviert in Verse gebracht, was deutschlandtreue Türken erdogankritisch auf Facebook posten. Deutsche kultivierte Medien können das natürlich nicht zitieren, sie reden von Kritik. Nur bei Türken heißt halt Kritik nicht: ich finde Erdogan nicht so gut weil…, sondern eher: Du Hurensohn, wir holen uns deine Frau etc. Und das kostet dann halt ’n paar Lira Strafe. Leute, die in Deutschland oder Frankreich das Falsche kultiviert posten, die können schon mal ins Gefängnis kommen. Kommt vor. Vor allem in Frankreich! Und nicht nur das: wenn man da Muslim ist und intelligent genug, bessere Argumente zu haben als der Mainstream und das sogar in der Öffentlichkeit, da wird einem dann eine Straftat angelastet, die grade im Trend liegt (me too und so!), man kommt ins Gefängnis, und noch bevor’s zur Verhandlung kommt, wird man zu Tode gefoltert. Das machen Staaten mit beschwingten Jünglingen an der Spitze so. Interessiert keinen, auch nicht Muslime. Jetzt sind wir schon wieder an einem Punkt, wo irgendwo was nicht stimmt. Also das kommt bei diesem Thema zu oft vor, hab ich fast den Eindruck! Also durch diese Eierperspektive ist das alles irgendwo zu rund geworden. Da hat man keine Ecken und Kanten mehr, um sich festzuhalten. Aber bevor das jetzt so aussieht, als ob Männer mit Eiern in der Hose in Deutschland nichts zu suchen haben, halt! Da gibt’s doch zwei Gegenbeispiele, die mir gerade einfallen: wenn der Tyrann vom Bosporus morgen kommt, da wollen den viele nicht treffen, aber einer hat die Eier zu kommen: Erdogan gefährlichster Feind, der konvertierte Schwabe: der hat doch tatsächlich keine Angst vor Erdogans berüchtigten Leibwächtern. Also der ist bestimmt kein Weichei. Und das liegt überhaupt nicht an seinem Migrantionshintergrund. Weichei ist eine deutsche Redewendung. Auch Deutsche sollten manchmal Eier zeigen. Und das tun sie ja auch. Der Unterschied scheint nur: Deutsche zeigen die gern außerhalb der Hose, z.B. unter der Dusche, Türken oder Muslime in der Hose. Und da hat nun der neue, beschwingte, konservative Hoffnungsträger der CDU einen Weg gefunden, Muslimen den Weg in die deutsche Gesellschaft zu bahnen. Der ist nämlich ein richtiger deutscher Mann: der fühlt sich ganz zu Männern hingezogen und feiert seine Männlichkeit in einer gleichgeschlechtlichen Ehe -und das als Katholik: Mann, der hat Eier! Und menschlich ist er auch. Um Respekt für die Werte des Grundgesetzes und der katholischen Religion zu demonstrieren, müssen männliche Muslime nur in der Dusche im Fitnessstudio ihre Unterhosen ablegen und dem frischverheirateten Wächter über deutsche Gesundheit ihre Geschlechtsteile vorweisen: wer das tut, der wird sicher ein für alle mal von seiner Homophobie geheilt. Und ja! Ich wüsste in Deutschland sogar auch eine Frau, die sicher gerne burkaaffine Frauen beim Obenohnebaden im Ramadan beobachten würde. Deutschland ist ein offenes Land! Es findet heute sicher auch einen Weg, Erdogan würdig und mit offenen Armen zu empfangen. Rund und ohne allzuviele Ecken und Kanten! Sehen wir mal!
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Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.