Gastbeitrag
„Traumblasen in Schweden, Finnland und Rojava“

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Schweden und Finnland wollen in ein Verteidigungsbündnis; „Rojava“ will politische Unterstützung und Anerkennung von beiden Ländern! Dachten die „Politiker“ all dieser Parteien, die NATO sei ein Club friedliebender Demokratien, wo es Sicherheit und Land zum Nulltarif gibt? Die schwedische Außenministerin Ann Linde rühmte sich noch vor der Einreichung des NATO-Beitrittsantrags, wie sich die Länder im NATO-Bündnispakt geradezu einen Wettbewerb lieferten, wer denn zuerst die Beitrittsanträge Schwedens und Finnlands ratifiziert. Die Vorfreude hielt nicht lange an! Vielleicht ahnte man ja schon, dass das eine oder andere NATO-Land kleine Hürden aufstellen würde. Doch die dunklen Wolken wurden schnell vom atlantischen Wind davon getragen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg ließ Anfang März keine Zweifel aufkommen und war sich ganz sicher, dass die Skandinavier mit Freudentränen in das Verteidigungsbündnis aufgenommen werden. Schweden und Finnland, die sich bisher als astreine sozialistische Demokratien ausgaben, wurden jedoch sehr früh und sehr hart des besseren belehrt. Was in Schweden oder Finnland gut war, wurde zu einem großen Problem: Dass sich Verteidigungsminister Peter Hultqvist mit „kurdischen Freiheitskämpfern“ traf; dass Außenministerin Ann Linde die „Vertreter Rojavas“ nach Stockholm einlud; dass Schweden Flüchtlingen, die vor „staatlicher Repression“ geflohen sind, Asyl gewährt hat; dass Schweden die „kurdische Organisation“ in Nordsyrien unterstützt, die zuvor bis zur „Selbstaufopferung“ sich dem IS entledigten; und dass Schweden sich bisher geweigert hat, die Ausfuhrgenehmigung von Waffen an die Türkei zu erteilen. Dass sich führende Politiker aus Demokratien und Bündnissen auf derselben Seite sehen, im identitätspolitischen Wahn gegenseitig zum reibungslosen Aufnahmeritus hochschaukeln, muss für sie angesichts einer vordefinierten „autokratischen“, „diktatorischen“ Führung aus Ankara jetzt wohl peinlich sein. Erst recht, wenn dieses „Unterdrückungsregime“ Vorrang vor einer kurdischstämmigen schwedischen Linkenpolitikerin oder gar „Rojava“ bekommen kann; wird. Für diese Musterländle Schweden und Finnland muss die gegenwärtige NATO angesichts ihrer Geschichte und der Zustände eigentlich ein Graus sein. Die Tatsache, dass die schwedische Führung die NATO als wohligen und friedliebenden Demokratienhaufen betrachteten und diese vor dem Antrag an ihr Volk auch so weitergaben, ist nun ein echtes Problem für die Regierungen selbst. Nicht, dass die Schweden und Finnen das nicht erahnen konnten. Im Jahr 2009 forderte die Türkei die dänische Regierung auf, die PKK-nahe kurdischsprachige ROJ TV die Sendelizenz zu entziehen. Im Gegenzug wollte die Türkei die Ernennung Anders Fogh Rasmussen als Generalsekretär der NATO billigen. Ein Jahr später wurde der Forderung entsprochen, der TV-Sender strafrechtlich verfolgt und 2013 die Sendelizenz entzogen. Rasmussen wurde Generalsekretär. 2019 forderte die Türkei, dass die NATO die „kurdischen Freiheitskämpfer“ als Terroristen einstuft. Im Gegenzug erklärte sich Ankara bereit, die Stärkung des Baltikums und Polens mitzutragen und beim NATO-Manöver „Saber Strike“ dabei zu sein. Die NATO zögerte, beschwichtigte, drehte hier und da an ihren Stellschrauben und kam der Türkei entgegen. Traumblasen in Schweden, Finnland und „Rojava“ An welchen Erkenntnissen fehlte es der schwedischen oder finnischen Regierung angesichts dieser Vergangenheit der NATO, vor allem in Zusammenhang mit der Türkei, oder die der parlamentarischen Kommissionen, um zielführende sicherheitspolitische Analysen zu treffen? Alle Beteiligten konzentrierten sich stattdessen darauf, ihre sozial-demokratischen Werte in die Welt zu tragen, es aufzuoktroyieren oder dieses Wertebündnis zu verstärken. Dabei ersetzten sie die Realität mit einem Traumbild. Nun hat Ankara diese Traumblase jäh zerstört. Es ist nicht nur ein Konflikt zwischen Putin und der freien, offenen und demokratischen Ordnung, wie sich die Beteiligten bislang einredeten. Es gibt auch ein Konflikt zwischen der PKK und der Türkei, die die Realität Ankaras ist. Wenn man die Traumblase noch weiterspinnt, müssten nach diesen Wertemaßstäben mindestens Ungarn, die Türkei oder die USA rausfliegen; eigentlich alle NATO-Mitglieder. Die USA haben nach diesen Wertemaßstäben zusammen mit weiteren europäischen Ländern und Bündnispartnern mehrere Angriffskriege geführt und sowohl das Völkerrecht wie auch die Rechtsstaatlichkeit ausgehöhlt. Aber aus welchen Gründen auch immer, hegten parlamentarische Kommissionen und Ausschüsse Schwedens und Finnlands während ihrer Zusammenkünfte nicht den leisesten Verdacht, dass die Mitglieder der NATO etwas Unanständiges, ja Verwerfliches getan hätten. Folglich taucht in den Arbeitspapieren auch die Türkei nicht auf. Stattdessen wurde in dicken Aktenbergen stets betont, dass „die russische Führung gezeigt hat, dass sie bereit ist, auch in weiter von Russland entfernten Ländern wie Syrien militärische Gewalt einzusetzen, um ihre politischen Ziele zu erreichen“. Ergo könnte Putin sehr wohl auch über Schweden oder Finnland herfallen, was ja den Regierungen ernsthafte Sorgenfalten bereitet. Merkwürdigerweise erwähnt man in all dem nicht, dass die USA, Frankreich oder Großbritannien Truppen in Syrien unterhalten; türkische Truppen inklusive. Es ist dieser Tunnelblick der Skandinavier, der diese Traumblase erschuf. Eine Traumblase, die dazu geführt hat, dass die schwedische Regierung jetzt angeblich von den Forderungen der Türkei überrollt wird. Schweden und Finnland haben sich so sehr darauf konzentriert, ihre Länder so schnell wie möglich in die NATO zu drängen, dass sie die Realität mit einem Traumbild eines Militärbündnisses ersetzten. Ob die schwedische oder finnische Regierung die Realität absichtlich verschwiegen, sei mal dahingestellt. Es ist aber seltsam still geworden, still um die Initiativen für eine „kurdische Selbstverwaltung“ namens Rojava. Still um die unzähligen Treffen mit Terroristen zuvor. Natürlich gibt es jetzt eine einmalige Gelegenheit für NATO-Mitglieder, Schweden oder die US-Regierung – die den schwedischen Beitritt unterstützt – zu erpressen. Überraschend an den türkischen Forderungen ist, dass sie diesmal öffentlichkeitswirksam und konkret vorgetragen werden. Dezentere Wünsche wären nach Bewilligung des Antrags zu einem geeigneten Zeitpunkt heimlich leichter zu erfüllen gewesen. Jetzt sind stattdessen alle Beteiligten in ihrer eigenen innenpolitischen Meinung gefangen. Das macht es für Ankara interessanter und weitaus effektiver, ihre Interessen durchzusetzen. Wer würde denn das nicht beim Schopfe packen? Es ist zu befürchten, dass die Schweden und Finnen derzeit nur einen Vorgeschmack davon bekommen haben, wie es innerhalb eines Bündnisses abgeht; welche Werte man über Bord schmeißen muss; welche Kompromisse man eingeht und welche Forderungen man notfalls wie durchsetzt. Fest steht, dass man in Schweden in einer sicherheitspolitischen Expertise von 2016 ganz vorsichtig festgestellt hat, dass eine NATO-Mitgliedschaft „Schwedens politischen und diplomatischen Handlungsspielraum einschränken würde. Die Zugehörigkeit zu einem Bündnis wäre ein neuer Bruch in der schwedischen Außenpolitik und eine weitere Dimension, die es bei der weiteren Gestaltung zu berücksichtigen gilt“. Dieser Bruch zeichnet sich bereits in den Verhandlungen mit der Türkei ab. An diesem Wochenende deutete bereits der schwedische Leiter der Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle an, dass die Diskussion über die NATO-Mitgliedschaft dazu führen könnte, dass die Ausfuhrgenehmigungen für Exporte von Waffen in die Türkei keiner Beschränkung mehr unterliegen. Es muss davon ausgegangen werden, dass die schwedische Regierung auch andere Anpassungen vornehmen wird; muss. Dinge wie die Teilnahme an militärischen Operationen im Ausland, Handelsabkommen mit Bündnispartnern, Entwicklungshilfe, den Zugang zu Technologien und natürlich nachrichtendienstliche Informationen, die auch Partnern wie der Türkei zugutekommen. Aber im schlimmsten Fall auch über die Art von Leistungen, die nicht ans Tageslicht gelangen dürfen. Wollen die Schweden und Finnen nun Sicherheit zum Nulltarif? Dann müssen sie auch ihre Wertemaßstäbe neu kalibrieren und z.B. ertragen, dass die Bündnispartner, angeführt von den USA, mit der Aktivierung von Artikel 5 des NATO-Vertrags die schwedische Regierung um Beistand fordern; wie Oktober 2001 nach 9/11, als man freie Hand haben wollte, Lufträume und Flugplätze zur Bekämpfung der Al-Qaida, u.a. auch in der Türkei, zu nutzen. Hunderte Verdächtige „Terroristen“ wurden daraufhin heimlich teils über europäischen Boden verfrachtet und landeten in Guantánamo. Auch über Ramstein wurde manch ein „Verdächtiger“ nach Guantánamo ausgeflogen, galt dieser Luftwaffenstützpunkt als Knotenpunkt für diversen heiklen Frachtgut. Manch ein anderes Land, das mit dem Folterverbot weniger sorgsam umging, ging sogar mit der Leistung noch weiter. Zumindest in Polen und Rumänien baute die CIA sogenannte „Black Sites“, wo Verdächtige heimlich eingesperrt und gefoltert werden konnten. Viel, viel später erklärte Rumäniens damaliger Präsident Ion Iliescu, warum das akzeptiert wurde:
„Es war eine Geste des guten Willens in Zusammenhang mit unserem Beitritt zur NATO. […] Wir haben es nicht verstanden, was die USA an diesen Ort vorhatten oder taten. Als Präsident kam mir das wie eine Kleinigkeit vor. Wir waren Verbündete, wir haben gemeinsam in Afghanistan und im Nahen Osten gekämpft, und als ich von unserem Verbündeten eine Anfrage für einen bestimmten Ort in Rumänien erhielt, ging ich nicht ins Detail.“
Wenn die schwedische oder finnische Regierung ihre Traumblase beibehalten und einen Präzedenzfall vermeiden will, bei dem sie künftig von der Türkei, den USA oder anderen NATO-Bündnispartnern der Realität vorgestellt werden, wäre es ein guter Anfang, jetzt Abstand vom NATO-Beitritt zu nehmen. Oder aber, man nimmt die Gefahr, die von Putin ausgeht, so ernst, dass man sich vom Traumbild „Rojava“ verabschiedet, die Terroristen verfolgt oder an die Türkei ausliefert. Die Entscheidung ist eigentlich ganz einfach!
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar. 

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Klimaschutz
Türkei: 7 Mrd. Dollar Einsparung durch erneuerbare Energien

Ankara – Während in Deutschland lange über Klimaschutz und alternative Energien debattiert wird, hat sich die Türkei unter der Regierung Erdogans in den vergangenen 20 Jahren zu einer der führenden Länder bei der Nutzung erneuerbarer Energien entwickelt. In diesem Zeitraum hat die Türkei ihren Energiemix erheblich diversifiziert, insbesondere durch den Ausbau der Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien. Der türkische Strommix verlagert sich rasch in Richtung alternativer Energien, die inzwischen einen Großteil der gesamten Stromerzeugung ausmachen. Im Jahr 2004 betrug die installierte Windkraftleistung in der Türkei nur 19 Megawatt (MW). Im Jahr 2010 überschritt die Kapazität zum ersten Mal die 1.000-MW-Schwelle. Im darauffolgenden Jahr baute das Land seine Investitionen in diese Form der sauberen Energie weiter aus. Allein im vergangenen Jahre habe die Türkei laut dem Fachportal WindEurope eine Milliarde Dollar in neue Windparks investiert. Im September 2021 feierte das Land einen wichtigen Meilenstein: Es erreichte eine kumulierte Windenergiekapazität von 10.000 MW. Das bedeutet, dass es der Türkei gelungen ist, ihre Windenergiekapazität in den letzten 10 Jahren zu verzehnfachen. Einsparung von 7 Mrd. Dollar Einem Bericht vom Dienstag zufolge konnte die Türkei in den letzten 12 Monaten 7 Milliarden Dollar einsparen, da die Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie die Importe fossiler Brennstoffe ersetzt. Wind- und Solarkraftwerke erzeugten zwischen dem 1. Mai 2021 und dem 30. April 2022 46,3 Terawattstunden Strom, so die Daten. „Ohne diese Kraftwerke hätten nicht ausgelastete Gaskraftwerke oder Kohlekraftwerke, die auf Importe angewiesen sind, laufen müssen, um sie zu kompensieren“, heißt es in dem Bericht weiter.
„Unter der Annahme, dass alle 46,3 TWh Strom von Gaskraftwerken erzeugt wurden, würde dies bedeuten, dass Wind- und Solarenergie in diesem 12-Monats-Zeitraum zusätzliche Gasimporte im Wert von 7 Milliarden Dollar ersetzt haben.“
Den Löwenanteil an den Importeinsparungen in Höhe von 5 Mrd. Dollar hatten Windkraftanlagen, die in den letzten 12 Monaten 32,2 Terawattstunden Strom erzeugten. Auf Solarkraftwerke entfielen 2 Mrd. Dollar, wobei 86 Prozent des Stroms aus nicht lizenzierten Solarkraftwerken stammte.

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Corona-Pandemie
Türkei: Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgehoben

Ankara – Nach einem langen Kampf gegen die Corona-Pandemie hat sich die Zahl der Fälle in der Türkei in letzter Zeit beruhigt. Ermutigt durch den starken Rückgang, haben die Behörden die meisten Beschränkungen aufgehoben. Die Regierung hatte zugesagt, dass die letzten Beschränkungen aufgehoben werden, sobald die Zahl der täglichen Fälle unter 1.000 sinkt. Der türkische Gesundheitsminister gab am Montag nun auch die Aufhebung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bekannt. Da die Zahl der neuen Fälle seit drei aufeinanderfolgenden Tagen unter 1.000 liege, soll es außer in Krankenhäusern auch anderswo keine Maskenpflicht mehr geben. Fahrettin Koca riet der Bevölkerung in geschlossenen Bereichen jedoch weiterhin zur Nutzung einer Maske.

TB2-Byraktar
Litauer sammeln Millionen für Kauf türkischer Kampfdrohnen

Vilnius – In einer von einem Journalisten initiierten Sammelaktion schlossen sich zahlreiche Litauer zusammen, um die türkische Kampfdrohne TB2-Bayraktar zu kaufen. Die litauische Regierung habe bereits einen Vertreter zum Einkauf in die Türkei geschickt. „Vermutlich das erste Mal in der Geschichte, können die Staatsbürger eines Staates eine solche schwere Waffe kaufen und einem anderen Staat spenden“, zitiert ntv Andrias Tapinus vom Internet-Fernsehsender Laisves TV, der die Spendenaktion ins Leben gerufen hatte „Bevor dieser Krieg begann, dachte niemand von uns, dass wir Waffen kaufen würden. Aber jetzt ist es normal. Es muss etwas getan werden, damit die Welt besser wird“, sagte Agne Belickaite, 32, die sofort nach dem Start der Spendenaktion am Mittwoch 100 Euro überwies. „Während die Regierungen der größten Länder der Welt endlos debattieren… kommt die litauische Gesellschaft einfach zusammen“, so Belickaite. „Ich spende schon seit einiger Zeit, um Waffen für die Ukraine zu kaufen. Und das werde ich auch bis zum Sieg tun“, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters und fügte hinzu, sie sei zum Teil durch die Angst motiviert, Russland könnte Litauen angreifen. Die Ukraine hat in den letzten Jahren mehr als 20 bewaffnete Drohnen des Typs Bayraktar TB2 des türkischen Unternehmens Baykar gekauft und am 27. Januar weitere 16 bestellt. Diese Charge wurde Anfang März geliefert. Die Regierung in Kiew bezeichnet diese Drohnen als besonders schlagkräftige Waffen im Kampf gegen Russland. Türkische Angriffsdrohnen

Die Türkei hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der führenden Länder bei der Herstellung von Kampfdrohnen entwickelt. Erfolgreichen Einsätzen in Kriegsgebieten wie Libyen. Syrien oder Aserbaidschan folgend, sind die weltweiten Auftragseingänge in die Höhe geschnellt.

Die Ukraine gehört seit Jahren zu den größten Bestellern der Drohnen. Russland hat die Verkäufe kritisiert. Dies ermutige die Ukraine zu militärischen Schritten in der Krisenregion und trage nicht zu einer Deeskalation bei, so das russische Außenministerium im Juni vergangenen Jahres.

Bereits im vergangenen Jahr setzte die ukrainische Armee gegen pro-russische Separatisten zum ersten Mal türkische Kampfdrohnen in der umkämpften Donbass-Region ein. Die türkischen Bayraktar TB2-Kampfdrohnen wurden von der ukrainischen Armee eingesetzt, um eine Haubitze zu zerstören, die von prorussischen Separatisten im Donbass eingesetzt wurde.

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– Rüstungstechnologie – Rüstung: Die türkische Angriffsdrohne Bayraktar Akıncı

Es ist der 6. Dezember 2019, Militärflugplatz Çorlu in der Provinz Tekirdağ. Aus dem Flugzeughangar wird mit einem Schlepper ein Ungetüm zum Rollfeld gebracht, denn auf diesen Augenblick haben die Ingenieure und Techniker von Baykar Technologies seit langer Zeit hingearbeitet.

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Xinjiang
China warnt Auslands-Uiguren

New York – Zwei Wochen vor dem Besuch der UN-Menschenrechtskommissarin warnte Chinas Staatssicherheitspolizei die in Xinjiang lebenden Uiguren, dass sie mit Konsequenzen zu rechnen hätten, wenn ihre im Ausland lebenden Verwandten über Internierungslager in der Region berichteten. Michelle Bachelet, die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, befindet sich derzeit auf einer sechstägigen Reise in China, die sie unter anderem in die Küstenstadt Guangzhou sowie nach Urumqi (chinesisch: Wulumuqi) und Kashgar (Kashi) in der autonomen Region Xinjiang führt. Wie Radio Free Asia (RFA) berichtet, forderte die in den USA lebende Kalbinur Gheni in einem Tweet Bachelet auf, sich mit ihrer Schwester zu treffen, die in einem Frauengefängnis in Sanji (Changji), einer Stadt in der Nähe von Urumqi, der Hauptstadt der Autonomieregion, inhaftiert sei. Gheni sagte, Mitglieder der chinesischen Staatssicherheitspolizei in Korla (Kuerle), der zweitgrößten Stadt in Xinjiang, hätten ihre Mutter am nächsten Tag besucht und sie gedrängt, Gheni davon zu überzeugen, nicht mehr über die Inhaftierung ihrer Schwester zu twittern. „Deine Tochter in den Vereinigten Staaten spricht gegen die Regierung. Wenn du nicht mit diesem Mädchen sprichst und sie bittest, zuzustimmen, alles auf Twitter zu löschen, wirst du selbst als doppelzüngige Person verurteilt“, drohten die Sicherheitsbeamten ihrer Mutter, so Gheni. Die Kommunistische Partei Chinas verwendet diesen Begriff, um Personen – in der Regel Beamte oder Parteimitglieder – zu bezeichnen, die entweder korrupt oder ideologisch illoyal gegenüber der Partei sind. Als sie ihre Mutter am folgenden Tag anrief, habe sie geweint und sie angefleht ihre Tweets zu löschen. Auch ihr jüngerer Bruder habe ihr eine Nachricht hinterlassen, in der er sie aufforderte, ihre Twitter-Posts zu löschen. „Wir haben gehört, dass du dich im Ausland gegen China geäußert hast. Wirst du uns am Leben lassen oder nicht? Hör auf, diese Aussagen zu machen und lösche alles, was du gepostet hast“, habe der Bruder gesagt. Ghenis Schwester, Renagul Gheni, war Grundschullehrerin im Kreis Tschertschen, als die Behörden sie 2018 angeblich in ein Internierungslager brachten. Zwei Jahre später wurde sie laut Kalbinur Gheni zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt – sieben Jahre, weil sie während der Beerdigung ihres Vaters gebetet hatte, und zehn Jahre, weil sie einen Koran besaß. „Derselbe Beamte des Staatssicherheitsdienstes hat mich seit über einem Jahr direkt kontaktiert“, sagte Gheni gegenüber RFA und fügte hinzu, dass der Agent ihr gesagt habe, er kümmere sich um ihre Familienmitglieder in Xinjiang. Kein Uigure ist sicher Die in den USA lebende Uigurin Gulruy Esqer sagte gegenüber RFA, dass die chinesischen Behörden auch versucht hätten, sie zum Schweigen zu bringen, indem sie einen Verwandten in der Autonomieregion erneut verhaftet hätten. Esmet Behti, ein Geschichtsprofessor an der Bingtuan Pädagogischen Schule des Xinjiang Production and Construction Corps, wurde demnach im Mai 2021 erneut verhaftet, um Esqer zum Schweigen zu bringen. Der Lehrer wurde erstmals 2019 verhaftet und in ein Internierungslager gebracht, aber neun Monate später wieder freigelassen. „Ich dachte, dass er wegen meines Aktivismus in den USA freigelassen wurde und dass er vor weiterem Schaden durch die chinesischen Behörden sicher sein würde, aber ich habe mich geirrt“, sagte sie gegenüber RFA. „Kein Uigure ist vor den chinesischen Behörden sicher. Zu diesem Schluss bin ich jetzt gekommen. Jeder Uigure kann an jedem beliebigen Tag oder in jeder beliebigen Nacht von den chinesischen Behörden mitgenommen werden.“ Kurz vor Beginn des Besuchs von Bachelet habe die chinesische Regierung eine Kampagne zum „Schutz von Staatsgeheimnissen“ gestartet und die Uiguren davor gewarnt, über „Staatsgeheimnisse“ zu sprechen oder sie zu diskutieren, d.h. über die Inhaftierung von Uiguren oder andere Maßnahmen zu ihrer Unterdrückung. Internationale Menschenrechtsorganisationen sagen, dass Chinas Bemühungen, die Uiguren im Ausland zum Schweigen zu bringen, dem gleichen Zweck dienen wie die Propaganda, um die Realität der Rechtsverletzungen in Xinjiang zu vertuschen. Bachelets Besuch fiel mit der Veröffentlichung durchgesickerter chinesischer Polizeiakten über Uiguren zusammen. In den Akten wird die Brutalität der chinesischen Behörden gegenüber den Uiguren detailliert beschrieben und die direkte Beteiligung führender chinesischer Politiker an der Masseninternierungskampagne nachgewiesen. Über eine Million Gefangene Laut Menschenrechtsorganisationen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten sogenannten Umerziehungslagern gefangen. Über eine Million, mehr als sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt. Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so die Tageszeitung Wallstreet Journal. Jetzt erzählen mehr von ihren Erfahrungen, einschließlich von sechs früheren Häftlingen, die das Journal interviewt hat; sie beschrieben, wie sie oder andere Gefangene an Stühle gebunden wurden oder kein adäquates Essen erhielten.

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Krim
Russisches Militär verhaftet türkische Fischer

Sewastopol – Vor der Küste der Halbinsel Krim hat die russische Marine im Schwarzen Meer zwei türkische Fischereischiffe festgesetzt und 12 Besatzungsmitglieder festgenommen.

Wie der türkische Nachrichtensender CNN Türk berichtet, ereignete sich der Vorfall bereits am 18. Mai. Dem Bericht zufolge wurden die Schiffe auf ihrem Rückweg in die Türkei etwa 50 Seemeilen vor der Krimhalbinsel von russischen Marineschiffen gestoppt. Die Fischer, bei denen es sich um türkische Staatsbürger handele, seien nach Sewastopol gebracht worden. Die russischen Behörden beschuldigten die Fischer der Wilderei und verurteilten sie zur Zahlung einer Geldstrafe von 30.000 Dollar. Dem Bericht zufolge kontaktierten daraufhin Angehörige der Verhafteten das türkische Außenministerium. Laut dem Sprecher einer türkischen Fischereigenossenschaft seien die Schiffe nicht registriert und die Festgenommenen tatsächlich Wilderer.

Affenpocken-Virus
Weltärztechef: Thema Affenpocken wird bald erledigt sein

Osnabrück. Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery hat weitgehende Affenpocken-Entwarnung gegeben. „Die Affenpocken sind eine im Kern seit Jahren bekannte Erkrankung, die Ansteckungsgefahr ist viel geringer als bei Corona. Mit Isolation, Quarantäne und Impfung der Gefährdeten ist das Virus schnell einzufangen“, sagte der Vorsitzende des Weltärztebundes im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Die Ausbrüche seien schon lokalisiert, betroffen seien nur bestimmte Personengruppen. „Das Thema Affenpocken wird bald erledigt sein.“ Die Affenpocken seien gleichwohl eine Warnung, dass „mit der Zunahme der Weltbevölkerung sowie der zunehmenden Mobilität und der Kontakte zwischen Menschen und Tieren die Zahl der Zoonosen und der daraus abgeleiteten Viruserkrankungen immer weiter steigen wird“, sagte Montgomery. Die Abstände zwischen den Infektionen würden immer kleiner. Um dem zu begegnen, müssten „die Warnmechanismen der WHO und der EU geschärft werden“, forderte er. Auch müsse die Bevölkerung schneller über Risiken informiert werden. „Es braucht aber, drittens, auch einen gesellschaftlichen Konsens, dass auf die Wissenschaft gehört wird und nicht auf fachfremde Einwürfe aus der Politik“, sagte Montgomery. „Die Versuche, bei Gesundheitsgefahren politisch Land zu gewinnen, verunsichern die Menschen und untergraben die Akzeptanz notwendiger Schutzmaßnahmen.“

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Rüstung
Militärhistoriker fordert Beschaffung von F35-Kampfjet

Osnabrück – Militärhistoriker Sönke Neitzel hat bei der Aufrüstung der Bundeswehr Tempo angemahnt: Die Pläne der Bundesregierung gingen „in die richtige Richtung“, müssten nun aber auch „rasch in Angriff genommen werden“, sagte Neitzel mit Blick auf die Ampel-Verhandlungen zum 100-Milliarden-Sondervermögen für die Truppe an diesem Sonntag im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Tarnkappenbomber „elementar“ Ausdrücklich sprach sich der Professor für Militärgeschichte an der Uni Potsdam für die Beschaffung von F35-Tarnkappenbombern aus. „Entscheidend ist doch, dass ihre schiere Präsenz und Einsatzfähigkeit abschrecken wird“, betonte Neitzel. „Abschreckung ist eine Verhinderungsstrategie. Das funktioniert aber nur mit einer Armee, die kämpfen kann und angemessen ausgestattet ist. Die Beschaffung von F35-Bombern ist dafür elementar.“ SPD, Grüne und FDP wollten an diesem Sonntag über das von Kanzler Olaf Scholz angekündigte Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr beraten. Raketenschild hat „enorme Lücken“ Angesichts des Ukraine-Krieges könnte derzeit niemand voraussagen, ob oder wie womöglich auch in 20 oder 30 Jahren Krieg geführt werde und für welche Angriffsszenarien Deutschland dann gewappnet sein müsse, sagte Neitzel der „NOZ“. Deswegen werde auch eine neue Raketenabwehr benötigt: „Der Nato-Raketenabwehrschild hat enorme Lücken, ist nicht zu vergleichen mit der effektiven Luftabwehr aus Zeiten des Kalten Krieges, die nach 1990 aufgegeben worden ist“, sagte der Militärhistoriker. „Um uns besser zu schützen, muss massiv investiert werden, und zwar auch in eine europäische Raketenabwehr, die nur noch aus Restbeständen besteht und große Lücken hat.“ Deutschland habe zwar als einer von wenigen Nato-Staaten noch Patriot-Abwehrraketen, die aber in die Slowakei verlegt worden seien. „Gerade für diese mittlere Reichweite braucht es deutlich mehr Schutz, also zum Beispiel gegen die russischen Iskander-Kurzstreckenraketen“, sagte Neitzel. Der Experte plädierte für ein „ein multinationales Projekt“, denn es werde „ja auch nicht nur ein Staat geschützt, sondern ganz Europa. Es ist allerhöchste Zeit, dass hier an einem Strang gezogen wird“.

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Nigeria
31 Tote bei Ansturm auf Lebensmittelspenden

Port Harcourt – Mindestens 31 Menschen sind am Samstag bei einer Massenpanik während einer Wohltätigkeitsveranstaltung in der Stadt Port Harcourt im Süden Nigerias ums Leben gekommen. Medienberichten zufolge seien unter den Opfern vor allem Kinder. Das Unglück ereignete sich demnach kurz vor dem Beginn einer Kirchenveranstaltung. Der Vorfall ereignete sich in einem örtlichen Polo-Club, wo die nahe gelegene Kings Assembly Church eine Spendenaktion organisiert hatte, so Olufemi Ayodele, ein regionaler Sprecher des nigerianischen Zivilschutzkorps, gegenüber dem Nachrichtensender CNN. „Bei der Verteilung der Geschenke kam es zu einer Massenpanik aufgrund von Überfüllung“, sagte er. „Unter den Opfern waren vor allem Kinder. Einige Menschen hätten sich bereits seit Ende der Woche vor Ort eingefunden, berichtete die Zeitung Punch. Hunderte von Menschen, die sich am frühen Samstag in der Kirche eingefunden hatten, um Lebensmittel zu erhalten, durchbrachen ein Tor und verursachten so den Ansturm, sagte Grace Iringe-Koko, Polizeisprecherin im Bundesstaat Rivers. „Die Leute waren schon früher da, und einige wurden ungeduldig und begannen zu rennen, was zu einer Massenpanik führte. Die Polizei ist vor Ort und beobachtet die Situation, während die Ermittlungen weitergehen“, sagte Iringe-Koko. Für die Versorgung seiner Bevölkerung ist Nigeria unter anderem auf den Import von Getreide aus Russland und der Ukraine angewiesen, berichtet die Zeit. Die weltweite Versorgung mit Getreide ist derzeit gefährdet, da die russische Marine ukrainische Häfen für die Ausfuhr blockiert hat.

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Ankara – Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind auf Agrarexporte aus der Ukraine angewiesen. Aufgrund einer russischen Blockade der Schwarzmeerhäfen, können jedoch mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide derzeit das Land nicht verlassen. Vor allem in ärmeren Ländern in Afrika und Asien drohe somit eine verheerende Hungerkatastrophe. Auf Russland und die Ukraine entfällt fast ein Drittel der weltweiten Getreidelieferungen. „Eine Hungersnot in Ostafrika, der Sahelzone und dem Nahen Osten kann im Sommer drohen, wenn Ernten vor Ort und in der Ukraine ausfallen, weil nicht ausgesät wurde oder der Dünger knapp ist“, schreibt das Bundeslandwirtschaftsministerium laut Neuer Osnabrücker Zeitung auf eine Anfrage der Unionsfraktion.  Unter Verweis auf Schätzungen der Welternährungsorganisation „könnten die Folgen des Krieges kurzfristig zu einem zusätzlichen Anstieg der unterernährten Menschen um acht bis dreizehn Millionen Menschen führen“. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, verhandele Erdogan aktuell mit Russland und der Ukraine über die Errichtung eines Korridors für Getreideexporte über türkisches Territorium. Falls dem türkischen Staatschef dies gelingt, könnte er womöglich Millionen Hungertote verhindern. „Die Türkei verhandelt sowohl mit Russland als auch mit der Ukraine über die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine“, zitiert Reuters einen namentlich nicht genannten türkischen Beamten. „Da ein Korridor von der Türkei aus geöffnet werden soll, besteht eine Nachfrage nach diesem Getreide, um die Zielmärkte zu erreichen. Die Verhandlungen sind noch im Gange“, fügte der Beamte hinzu. Die Türkei grenzt am Schwarzen Meer an die Ukraine und Russland und unterhält gute Beziehungen zu beiden, obwohl sie die russische Invasion verurteilt hatte. Unabhängig davon bestätigten zwei weitere Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, Gespräche über die Unterstützung der Türkei bei der Verschiffung des Getreides aus der Ukraine. Eine der Personen betonte, dass die Türkei trotz ihrer Mitgliedschaft in der NATO von Russland als „neutraler“ angesehen werde als andere westliche Mitglieder des Bündnisses. „Die Türkei ist bereit, zu einer Art Überwachung dieser Exporte von Odessa durch das Schwarze Meer beizutragen, weil die Türkei traditionell sehr stark im Schwarzen Meer ist und sie bereit ist, zu helfen“, sagte ein hochrangiger europäischer Diplomat gegenüber Reuters am Mittwoch unter der Bedingung der Anonymität. „Die Türkei verfügt bereits über zwei Fregatten, zwei U-Boote und ein halbes Dutzend Patrouillen- und Schnellangriffsschiffe im Schwarzen Meer, und noch viel mehr könnten schnell für eine solche Mission herbeigerufen werden“, sagte Yörük Isik, Leiter des Beratungsunternehmens Bosphorus Observer in Istanbul. Der stellvertretende russische Außenminister Andrei Rudenko wurde am Mittwoch mit den Worten zitiert, Moskau sei bereit, im Gegenzug für die Aufhebung einiger westlicher Sanktionen einen Korridor für Schiffe mit Nahrungsmitteln bereitzustellen.

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