Fußball
Bayern München: Guardiola verlässt FC Bayern – Ancelotti kommt

0
München (dts) – Pep Guardiola wird seinen Vertrag beim FC Bayern München nicht über den 30. Juni 2016 hinaus verlängern. Neuer Trainer beim deutschen Rekordmeister wird am 1. Juli 2016 der Italiener Carlo Ancelotti, bestätigte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag gegenüber „Bild“. „Wir sind Guardiola dankbar für alles, was er unserem Verein gegeben hat und hoffen, dass wir in dieser Saison gemeinsam noch viele Erfolge feiern werden. Mit Ancelotti kommt erneut ein sehr erfolgreicher Trainer zum FC Bayern. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“ Rummenigge bestätigte zudem, dass der italienische Fußballlehrer einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. Ancelotti, der derzeit keine Mannschaft trainiert, saß bereits bei AC Mailand, Real Madrid, FC Chelsea, Paris St. Germain und Juventus Turin auf der Trainerbank. Mit den Mailändern und Real gewann der Star-Coach die Champions League.

Ingolstadt
Audi will Behörden die Codes für selbstfahrende Autos offenlegen

Ingolstadt (dts) – Audi, Automobilhersteller des VW-Konzerns, will den Behörden die Software offenlegen, die selbstfahrende Autos von Audi steuert. Das sagte der Vorstandschef der VW-Tochter, Rupert Stadler, dem Nachrichtenmagazin Focus. Stadler ist sich dabei der Gefahr der Industriespionage bewusst: „Klar, wir müssen den Behörden sagen: Also hier, ihr könnt die Codes haben, aber sie sind nur für euch, nicht für die Wettbewerber.“ Auf den Vorhalt, VW habe im Abgasskandal die Codes zur Motorsteuerung auch gegenüber den Behörden stets geheim gehalten, erwiderte der Audi-Chef: „Ich blicke nach vorne, und ich bin überzeugt, dass wir mit einer Offenheit und Transparenz an die Dinge gehen werden, die dieser Frage angemessen sind.“ Im Abgasskandal sieht Stadler neben allen Nachteilen auch Chancen. „Es sind Fehler passiert, da ist nichts schönzureden“, so der Manager. Was jedoch die Unternehmenskultur angehe, „ist das eine riesige Chance, Dinge viel besser und nach vorne gerichtet anzupacken“. Er glaube, dass die Energie dazu im VW-Konzern vorhanden sei. „Das werden auch die Kunden spüren, davon bin ich fest überzeugt“, so Stadler. „Aber es wird eine Weile dauern.“

Hitlers "Mein Kampf"
Jüdische Kultusgemeinde München gegen „Mein Kampf“ an deutschen Schulen

0
Berlin (dts) – Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, lehnt eine Verwendung der kommentierten Neuausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ im Schulunterricht ab. „Solange das Judentum als Religion sowie das blühende jüdische Leben in Deutschland vor 1933 und die Errungenschaften, die unser Land jüdischen Menschen verdankt, im Schulunterricht wenn überhaupt nur stiefmütterlich aufgegriffen werden – solange also deutsche Schüler kaum etwas über Juden wissen, das nicht mit dem Holocaust konnotiert ist – solange halte ich es für unverantwortlich ausgerechnet die zutiefst antijüdische Schmähschrift „Mein Kampf“ im Unterricht zu behandeln“, sagte Knobloch dem „Handelsblatt“. „Eine erkenntnisorientierte Aufarbeitung mit dem Holocaust und der NS-Zeit, mit dem Ziel, Schüler zu mündigen, geschichts- und verantwortungsbewussten Menschen zu machen und zum Schutz der freiheitlich-demokratischen Werte zu animieren, ist sehr gut ohne die Lektüre von „Mein Kampf“ denkbar und wünschenswert.“ Knobloch wies zudem darauf hin, dass generell immer weniger Zeit bleibe, um sich fundiert mit dem Nationalsozialismus, dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg im Unterricht zu befassen. „Da ist es nicht sinnvoll, diese wenigen Stunden mit der Lektüre einer der widerlichsten antisemitischen Hetz- und Hassschriften zu verbringen“, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dieses Buch bleibe gefährlich. Seine Inhalte seien „ultra-nationalistisch und rassistisch“ und damit heute so aktuell und verführerisch wie eh und je. „Ich mag mir nicht ausmalen, was geschieht, wenn der Pausengong ertönt, ehe die Zerlegung und Aufklärung über die menschenverachtenden Inhalte abgeschlossen ist, wenn die „professionelle Behandlung“ eben nicht abgeschlossen werden kann“, sagte Knobloch Zum Jahresende laufen die Urheberrechte an „Mein Kampf“ aus, mit denen ein Nachdruck in Deutschland bislang verhindert wurde. Im Januar 2016 will das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München eine kommentierte Ausgabe herausbringen. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, Ernst Dieter Rossmann, hat sich dafür ausgesprochen, die kommentierte Neuausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ bundesweit im Schulunterricht einzusetzen. „Mein Kampf ist ein schreckliches und monströses Buch. Diese antisemitische menschenverachtende Kampfschrift historisch zu entlarven und den Propagandamechanismus zu erklären, gehört in einen modernen Schulunterricht von dafür qualifizierten Lehrkräften“, sagte Rossmann dem „Handelsblatt“. Gerade jetzt in Zeiten von aufkommendem Rechtspopulismus und seinen Gefahren sei die Vermittlung von humanistischen Werten und demokratischen Prinzipien unverzichtbar, sagte Rossmann weiter. Gegen politischen Extremismus würden nur Erklärung, Aufklärung und klare Grenzsetzungen in Werten und in Haltungen helfen. „Dabei kann und muss die kritische Auseinandersetzung mit „Mein Kampf“, dieser Antithese zur Menschlichkeit, Freiheit und Weltoffenheit, die Widerstandsfähigkeit gegen aktuelle Verführungen und Gefährdungen stärken.“

Muslimbrüder
Trotz Druck aus Ägypten und Saudi Arabien Muslimbruderschaft in Großbritannien nicht verboten

0
London (eurasia/nex) – Einige Mitglieder der religiösen Organisation Muslimbruderschaft haben Gewalt befürwortet und die Mitgliedschaft kann ein Indikator für Extremismus sein. Verboten werden soll die Organisation in Großbritannien dennoch nicht, erklärte die britische Regierung am Donnerstag.
Nach der Veröffentlichung eines umstrittenen Überprüfungsberichts über die Aktivitäten der wohl ältesten islamischen Organisation des Nahen Ostens und politischen Opposition in Ägypten hat auch der britische Premierminister David Cameron vor extremistischen Zügen innerhalb der Muslimbruderschaft gewarnt, aber es abgelehnt die nach wie vor bedeutende politische Bewegung im eigenen Land zu verbieten.
Die Veröffentlichung des Berichts wurde in der Vergangenheit immer wieder aufgeschoben. Der Bericht wurde im April dieses Jahr von David Cameron angeordnet. Die Leitung für den Überprüfungsbericht erhielt der ehemalige britische Botschaft zu Saudi Arabien, Sir John Jenkin.
Der Schritt erfolgte im Zusammenhang mit der Auflistung der Organisation in Saudi Arabien als terroristische Vereinigung.
„Das Hauptergebnis des Berichts unterstützt die Schlussfolgerung, dass eine Mitgliedschaft bei der Muslimbruderschaft ein Indikator für Extremismus sein sollte“, bemerkte Camerovn.
Der konservative Partei-Chef fügte hinzu, dass die Aktivitäten der Gruppe beobachtet werden. Er begründete das Vorgehen damit, dass einige Vertreter der Muslimbruderschaft das Vereinigte Königreich manchmal als Islam feindlich eingestellt denunzieren würden. Auch griff er die Unterstützung der Muslimbruderschaft für die Hamas-Organisation in den Palästinensergebieten an.
„Aspekte der Ideologie der Muslimbruderschaft und ihre Aktivitäten laufen den britischen Werten zuwider […]“, sagte Cameron.
Ein ausstehendes Verbot der sunnitisch geprägten Muslimbruderschaft, die in London stark organisiert ist und wo zahlreiche Funktionäre nach 2013 flohen, dürfte die mächtigen regionalen Verbündeten Großbritanniens Ägypten, Saudi Arabien und die Vereinigte Arabischen Emirate, die die Bewegung wegen ihrer anti-monarchischen Einstellung vehement bekämpfen, verstimmen. Alle drei Regierungen haben die Organisation als terroristische Vereinigung gelistet.
Die Muslimbruderschaft selbst wies den britischen Überprüfungsbericht als „fehlerhaft“ ab. In einem Statement heißt es:
„Wenn Großbritannien friedliche Proteste und Aktivitäten, die den Militärputsch [von 2013], das Töten von Zivilisten, die Verhaftung und das Verschwinden von Aktivisten ablehnen, als extremistisch betrachtet, dann ist der Bericht zweifellos fehlerhaft.“
Die Muslimbruderschaft fügte hinzu, dass sich ihre Bewegung für einen friedlichen Aktivismus engagiere und das britische Gesetz respektiere.
Die islamisch-konservative Organisation spielte bei der ägyptischen Revolution eine bedeutende Rolle. Schließlich sollte der Muslimbruder Muhammed Mursi zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes werden. 2013 wurde der Politiker schließlich vom Militär unter General und nunmehr amtierenden Präsidenten Abdelfattah al-Sisi gestürzt.
Zu kritisieren bleibt, dass sich die Muslimbruderschaft während ihrer nur kurzen Regierungszeit alles andere als besonders erfahren und kompetent erwiesen hat, das Land zu stabilisieren. Sie vermochte es nicht, dass Ägypten, welches allerdings auch unter al-Sisi noch heute unter wirtschaftliche Probleme leidet, in ruhigere Fahrwasser zu lotsen.
Nichtsdestotrotz gibt es erhebliche Hinweise darauf, dass Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die Organisation aus Angst vor ihrem wachsenden Einfluss systematisch unterminierten und den Sturz unterstützten.
    Erschienen auf eurasianews.de

Immunisierung gegen Extremismus
Lehrerverband: Hitlers „Mein Kampf“ im Schulunterricht einsetzen

Berlin (dts) – Der Deutsche Lehrerverband hat gefordert, die Anfang Januar erscheinende kommentierte Neuausgabe von Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ bundesweit auch im Schulunterricht einzusetzen. „Im Interesse einer Einheitlichkeit beim schulischen Umgang mit `Mein Kampf` sollte die Kultusministerkonferenz diesbezüglich zu didaktisch-methodischen Rahmenempfehlungen finden“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus dem „Handelsblatt“. Den Schulen müsse die wissenschaftlich edierte und kommentierte Ausgabe zur Verfügung stehen. „Eine professionelle Behandlung von Textauszügen im Unterricht kann ein wichtiger Beitrag zur Immunisierung Heranwachsender gegen politischen Extremismus sein.“ Kraus betonte, dass die Schulen Hitlers Propagandaschrift nicht ignorieren könnten. „Denn was für die Schulen verboten wäre – das wissen wir von den Indexlisten der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien – erfreut sich, zum Beispiel via Internet, besonderer Nachfrage. Da ist es besser, die Rezeption von `Mein Kampf` wird durch versierte Geschichte- und Politiklehrer angeleitet.“ In Frage käme die Behandlung von „Mein Kampf“ nur für die Oberstufe, also für Schüler ab 16 beziehungsweise 17 Jahren, so Krause weiter. „Es sind nur Auszüge zu behandeln, an denen nach dem Prinzip `Wehret den Anfängen` deutlich gemacht werden kann, wohin mit einem solchen Pamphlet die Reise gehen kann.“

Umweltinvestitionen
Produzierendes Gewerbe: 7,5 Milliarden Euro in Umweltschutz investiert

0
Wiesbaden (dts) – Unternehmen des Produzierenden Gewerbes investierten im Jahr 2013 in Deutschland insgesamt rund 7,5 Milliarden Euro in Sachanlagen für den Umweltschutz, was einem Anteil von 10,3 Prozent an allen getätigten Investitionen entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Investitionen zur Vermeidung, Beseitigung oder Verminderung von Emissionen oder zur schonenden Nutzung von Ressourcen um 4,0 Prozent beziehungsweise 292 Millionen Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag weiter mitteilte, tätigten Unternehmen vermehrt Investitionen in Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien: Gegenüber 2012 stieg das Investitionsvolumen in diesem Bereich um rund ein Drittel (32,1 Prozent) beziehungsweise 341 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro. Insgesamt entfiel im Jahr 2013 das größte Investitionsvolumen auf Maßnahmen zum Schutz der Oberflächengewässer und des Grundwassers (3,1 Milliarden Euro), zum Beispiel für Neutralisations- und Kläranlagen, gefolgt von Investitionen in Klimaschutzleistungen (2,6 Milliarden Euro), zu denen neben der Nutzung erneuerbarer Energien auch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Vermeidung von Kyoto-Treibhausgasen gehören. Investitionen in Höhe von 1,0 Milliarden Euro wurden im Bereich Abfallwirtschaft getätigt. Die Verteilung der Umweltinvestitionen auf die Umweltbereiche spiegelt sich auch in der Investitionstätigkeit nach Branchen wider. Zu den Wirtschaftszweigen mit den höchsten Umweltinvestitionen zählten im Jahr 2013 die Abwasserentsorgung (2,0 Milliarden Euro), die Energieversorgung (1,7 Milliarden Euro) sowie die Abfallbehandlung und -beseitigung (0,9 Milliarden Euro) mit zusammen 61 Prozent der gesamten Umweltschutzinvestitionen.

Gesprächskanal zum syrischen Regime
Bericht: BND arbeitet wieder mit Assads Geheimdienst zusammen

0
Berlin (dts) – Der Bundesnachrichtendienst (BND) arbeitet wieder mit den Geheimdiensten des Assad-Regimes in Syrien zusammen und will in der Hauptstadt Damaskus eine feste „Residentur“ einrichten. Das berichtet die „Bild-Zeitung“ unter Berufung auf informierte Kreise. Demnach fahren Agenten des BND seit geraumer Zeit wieder regelmäßig nach Damaskus, treffen sich dort mit syrischen Kollegen. Es geht darum, Informationen über islamistischen Terrorismus auszutauschen und darum, einen Gesprächskanal zum syrischen Regime aufzubauen. Zugleich möchte der BND dem Zeitungsbericht zufolge schnellstmöglich sogar wieder eine sogenannte „Residentur“ in Damaskus eröffnen, also Mitarbeiter dauerhaft dort stationieren. Dafür würden mit Wissen der Bundesregierung die Vorbereitungen bereits laufen: Die Geheimdienstler könnten etwa in die derzeit geschlossene deutsche Botschaft ziehen. Endgültig will die Bundesregierung Anfang des Jahres entscheiden.

Versorgungsalternativen
Nach Russland-Sanktionen: Katar verspricht Türkei Versorgungssicherheit im Erdgas-Bereich

Ankara (eurasia/nex) – Katar sei bereit, die Erdgas-Nachfrage der Türkei abzusichern und verflüssigtes Erdgas in der erforderlichen Menge dorthin zu exportieren, sagte der katarische Botschafter zu Ankara, Salim Mubarak. Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am 17. Dezember. Doha und Ankara unterzeichneten ein Abkommen zur Versorgung der Türkei mit jährlich 1,2 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Das Abkommen wurde beim Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Katar Anfang Dezember unterzeichnet. Zuvor berichtete der stellvertretende türkische Premierminister Mehmet Simsek, dass im Falle eines Lieferausfalls von Erdgas aus Russland die Türkei genügend Alternativen habe. Mehr als 50 Prozent des türkischen Erdgasverbrauchs wird bislang vonseiten Russlands gedeckt. Simsek bemerkte, dass Ankara die Möglichkeit nicht ausgeschlossen habe, zusätzliches Erdgas zu importieren. Jedoch mangele es Energie-Experten zufolge der Türkei noch an den entsprechenden Verflüssigungsanlagen, um das LNG für den Konsum weiterzuverarbeiten. Die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei haben sich im Zuge des Abschusses eines russischen Bombers vom Typ Su-24 durch die türkische am 24. November im türkisch-syrischen Grenzgebiet verschlechtert. Die Türkei importiert Erdgas aus Aserbaidschan über die sogenannte Südkaukasus-Pipeline (Baku-Tiflis-Erzurum). Die beiden Turkstaaten unterzeichneten einen Vertrag über die Lieferung von 6,6 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem kaspischen Erdgasfeld Schah Deniz. Gegenwärtig importiert die Türkei Erdgas aus dem Iran, Russland, Aserbaidschan und der Autonomen Kurdenregion (KRG) im Nordirak. Zudem unterhält Ankara Verträge mit Algerien und Nigeria, welche jeweils 4,4 Milliarden Kubikmeter und 1,2 Milliarden Kubikmeter verflüssigtes Erdgas jährlich in die Türkei schiffen.   Erschienen auf eurasianews.de   [paypal_donation_button]     Mehr zum Thema:

Nach Russland-Sanktionen: Weltweite Solidarität mit der Türkei

Flüchtlingskrise
Grünen-Fraktionschef Hofreiter unterstützt Merkels Kontingent-Vorschlag

Berlin (dts) – Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Rückendeckung für den Vorschlag, Flüchtlinge aus Syrien künftig in Kontingenten sicher über das Mittelmeer nach Europa zu holen und dort zu verteilen. „Wir brauchen jetzt ein Mindestmaß an europäischer Solidarität, um jedes Jahr ein paar Hunderttausend Menschen auf sicherem Weg in unsere europäische 500-Millionen-Gesellschaft aufzunehmen“, sagte Hofreiter der „Welt“. „Klug wäre, wenn die EU jedes Jahr einem festgelegten Kontingent von mehreren Hunderttausend Flüchtlingen eine sichere Schifffahrt über das Mittelmeer organisieren würde.“ Dies wäre ein sicherer Weg, und es würde das Geschäft des Schlepper zerstören. „Und wen wir nicht in einem Jahr per Fähre nach Europa bringen, dem versprechen wir die Überfahrt im nächsten Jahr.“ Wer vorerst in den Flüchtlingslagern bleiben müsse, werde mithilfe von EU-Mitteln anständig ernährt und medizinisch versorgt, erklärte Hofreiter. „Neben dieser Kontingentlösung gilt das individuelle Asylrecht selbstverständlich weiter.“ Scharf attackierte Hofreiter den Kurs der CSU in der Flüchtlingspolitik. „Hinter der Forderung der CSU nach einer Obergrenze für den Flüchtlingszuzug steckt eine boshafte Form der Naivität“, kritisierte er. „Zum einen wird durch solche Forderungen die Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft kaputtgeredet. Zum anderen wird der falsche Eindruck erweckt, es kämen dann weniger Flüchtlinge zu uns.“ Niemand könne ihm die Frage beantworten, was mit den Bürgerkriegsflüchtlingen geschehen solle, die herkämen, wenn eine ausgerufene Obergrenze bereits erreicht sei. „Werden die dann nach Syrien zurückgeschickt? Oder niedergeknüppelt wie in Ungarn?“ Wenn Deutschland gewisse humane Standards aufrechterhalten wolle, sei eine Obergrenze nicht umsetzbar, erklärte der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion. „Deswegen ist auch Angela Merkel dagegen. Die Kanzlerin weiß, dass eine Obergrenze ein unrealistisches Versprechen wäre.“ Der Kurs der CSU in der Flüchtlingspolitik mache eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2017 „eher schwieriger“.

Brüssel
„Brexit“-Debatte: Merkel hält Änderung der EU-Verträge für möglich

0
Brüssel (dts) – Bundeskanzlerin Angela Merkel hält es für möglich, dass die Europäische Union den Reformwünschen Großbritanniens – jedenfalls teilweise – entgegenkommt. Die verschiedenen Möglichkeiten sollen bis Februar geprüft werden, hieß in der Nacht zu Freitag. Merkel sagte: „Es sollte Möglichkeiten geben, hier Lösungen zu finden.“ Allerdings würden grundlegende Prinzipien wie die Freizügigkeit oder die Nicht-Diskriminierung von EU-Bürgern nicht angetastet, betonte die Kanzlerin. Premier David Cameron hatte am Donnerstagabend deutlich gemacht, dass der Verbleib Großbritanniens in der EU ohne eine Änderung der Europäischen Verträge wohl nicht zu erfüllen sei. Der Brite forderte unter anderem, dass EU-Bürger, die in Großbritannien arbeiten, vier Jahre lang keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen können. Am Freitag steht für die Staats- und Regierungschefs die Wirtschaftskrise im Focus des EU-Gipfels.