Flüchtlingspolitik
Länder wollen Arbeitsmarktchancen für Ausreisepflichtige verbessern

Düsseldorf (ots) – Mehrere CDU- und SPD-geführte Bundesländer wollen die Arbeitsmarktchancen für die rund eine halbe Million ausreisepflichtigen, aber geduldeten Migranten in Deutschland verbessern. „Auch Menschen, die in Deutschland nur geduldet werden, brauchen unsere Hilfe, damit sie so schnell wie möglich selbst ihren Lebensunterhalt verdienen können“, sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ am Donnerstag. „Dafür wollen wir kurzfristig angelegte, verpflichtende Angebote zur Qualifizierung schaffen“, sagte Dreyer vor der Jahrestagung der Ministerpräsidenten am Donnerstag und Freitag in Saarbrücken. Vorbild sei ein entsprechendes kanadisches Modell. Kanada lasse „auch Asylsuchende, die noch keinen Bescheid haben, in Sprachkursen und Arbeitsmaßnahmen schulen. Das sollten wir auch für Deutschland prüfen“, sagte die SPD-Politikerin. Rheinland-Pfalz schließt sich damit einem Beschlussvorschlag des Saarlands und Hamburgs für die Ministerpräsidentenkonferenz an. Kontext Ende 2016 lebten mehr als 500.000 ausreisepflichtige Migranten in Deutschland. Bis Ende 2017 dürfte ihre Zahl noch deutlich weiter angestiegen sein, da die Bearbeitung der Asylanträge sich beschleunigt hat. Als ausreisepflichtig werden nicht nur abgelehnte Asylbewerber eingestuft, sondern auch anerkannte Flüchtlinge, deren Schutzstatus widerrufen wurde, oder Menschen mit Touristen- oder Arbeitsvisa, die nach Visumsablauf blieben. Die meisten werden geduldet und erhielten befristete oder unbefristete Aufenthaltserlaubnisse. Abschiebungen und Ausreisen werden oft wegen fehlender Papiere, Krankheit und Klagen verhindert.

Meinung
Wahl in Österreich: Zu weit mit Rechts geflirtet? – Ein Kommentar

Von Klaus Jurgens  Selten hat eine Wahl in Österreich so viel Interesse bei internationalen Kommentatoren hervorgerufen wie die Nationalratswahl vom letzten Sonntag. Nicht dass Österreich kein wichtiger Staat sei, natürlich ist das Gegenteil zutreffend. Und während der jüngsten Präsidentschaftswahl konnte man ja schon spüren, dass was in Österreich politisch geschieht, größte Aufmerksamkeit im Ausland bekommt. Aber überraschend war es dann doch, wie viele Kamerateams, wie viele Kolleginnen und Kollegen nach Wien reisten, um live vor Ort am Entscheidungstag dabei zu sein. Mir persönlich fielen im Wahlkampf vor allem drei Dinge auf. Erstens, die komplett ‚überarbeitete‘ Österreichische Volkspartei und ihr Star Sebastian Kurz. Zweitens, der meines Erachtens mit weniger wichtigen Themen geführte Wahlkampf als angemessen gewesen wäre, z.B. ‚Islamisierung‘ anstelle von ‚dringend nötiger Bildungspolitikstrategie‘. Und drittens, die unerwartete Amerikanisierung des österreichischen Wahlkampfes mit einer totalen Personality-Show sowie mehr Fernsehduellen der Spitzenkandidaten als jemals zuvor. Es war mir möglich, den Wahlkampf auf einer on-off Basis pendelnd zwischen der Türkei und dem Vereinigten Königreich dann doch genau zu verfolgen. Zahlreiche Einladungen zu Veranstaltungen erreichten meine Inbox und an einer guten Anzahl nahm ich auch teil. Besonders die ÖVP, die dann ja schnell die Neue ÖVP wurde mit einer Liste Kurz, wenn man so sagen darf, überraschte mich. Aus meinen eigenen studentenpolitischen Tagen erinnere ich mich nur zu gut daran, dass, wenn man die Politik als Beruf auserkoren hat, man eigentlich besser wartet, bis man so um die 50 oder noch älter ist, bevor man auch nur die geringste Chance hat, Positionen mit Verantwortung übertragen zu bekommen. Vorhang auf für Sebastian Kurz, bereits Außen-und Integrationsminister. Es gehört eine gesunde Portion Charisma und Selbstvertrauen dazu, mit seinen nunmehr 31 jungen Jahren nicht nur das Amt des Parteivorsitzenden, sondern zugleich die Rolle als Bundeskanzler anzustreben. Hut ab – er hat es wohl geschafft. Dann lernte ich seine Parteifreunde in Wien kennen, fast ausnahmslos ein ebensolch junges Team, man nenne nur den Namen Gernot Blümel. Und extrem sympathisch, bürgernah, oft mit Lederjacke oder Jeans und weniger graugestreift. Erfrischend! Auch in Wien extrem gute Resultate für deren Volkspartei. Während der Veranstaltungen, bei der Lektüre anderer hochgeschätzter Kommentatoren und im TV wurde mir eins bewusst: Dies ist keine Partei-Jugendrevolte ohne Plan, ohne Konzept. Vor allem merkte man, dass Jung und Alt, langjährige Funktionäre sowie neue Gesichter alle hinter Kurz zusammenfanden. Ein neuer Wind, ein komplett neues Team vielleicht nicht, aber doch ganz mutig aufgemischt. Die neue ÖVP, zumindest auf dem Papier, sieht gut aus. Jetzt kommt die Praxis – kann jung auch liefern? Meine vorsichtige Vermutung: Wenn es klappt, dass mit welcher der beiden möglichen politischen Farben die ÖVP auch eine Koalition eingeht (ÖVP Türkis – FPÖ Blau, oder ÖVP Türkis – SPÖ Rot) und, dass diese eine gesamte Legislaturperiode übersteht, dann hat Sebastian Kurz in der Tat nicht nur die österreichische Volkspartei umgebaut, sondern die Chance, sein ganzes Land zu modernisieren. Und genau das bringt mich in Windeseile zu meinem zweiten Thema: Nichts anderes ist dringend nötig. Eigentlich fehlten viele der wirklich bedeutsamen Fragen unserer Zeit im Wahlkampf. Um einmal auf die FPÖ und ihren Spitzenkandidaten Heinz-Christian Strache einzugehen: Bis zum Wahlvorabend warb er mit ‚Zuwanderungsstopp; Schließung des Arbeitsmarktes für ausländische Billig-Kräfte; Nein zur Islamisierung; Nein zu CETA; keine Beitrittsverhandlungen mit der Türkei‘. Mich als Vater hätte brennend interessiert, ob Österreich als Wirtschaftsstandort in der Zukunft überleben kann, wie das Thema Innovation angepackt wird, wann eine komplett neue Bildungspolitik die Schulen wieder wettbewerbsfähig machen kann, Gleichstellung von Frauen am Arbeitsplatz, Umweltpolitik… Na gut – er muss ja seine Partei fernab vom Mainstream positionieren, um genügend Stimmen zu gewinnen. Waren die anderen Parteien etwa besser? Dass nur Umweltpolitik alleine einen keinen (Wahlabend-)Blumentopf gewinnen lässt, haben die Grünen deutlich zu spüren bekommen. Dass permanente interne Flügelkämpfe nicht attraktiv sind, ebenso. Ob der Ableger Liste Pilz in der Tat zur langfristigen politischen Kraft wird, bleibt mit aller journalistischen Freundlichkeit abzuwarten. Die Liberalen oder Neos, wie sie hier heißen, sind dabei – schön, aber ebenso ganz knapp dabei. Programmatik? Zumeist reagierend, wenig bestimmend. Sah der Wähler wohl ebenso… Und die große Oppositionspartei, die SPÖ? Die Debatten, die ich verfolgte wurden vom Thema Wirtschaftspolitik bestimmt aber da mit der Wirtschaft und der Arbeitslosigkeit ja so manches nicht passt, zog das ebenso nicht beim Wähler. Es gab wenig Programmatisches seitens der SPÖ, zumindest wann immer ich dabei war und zuhörte. Auch, wenn ich mit Herrn Strache persönlich eher nicht übereinstimme, aber das ist nicht Thema dieses Artikels, seine FPÖ hat zumindest klare Ansage gemacht. Herrn Kurz’ Sieben Punkte-Manifest war zwar auch nicht schlecht, aber eben auch ein grundlegendes neues Parteiprogramm. Von Hause aus Politologe, vermisse ich Grundsatzreden, Grundsatzprogramme. Der österreichische Wähler anscheinend nicht – und das ist eben auch Demokratie und genau so muss man die Ergebnisse bewerten. Demokratie in Aktion! Last not least, die Amerikanisierung des Wahlkampfes. Mehr Fernsehduelle der Spitzenkandidaten und Kandidatinnen (Frau Lunacek), die man sich eigentlich hätte wünschen können. Dann die Zweier-Runden. Die lieb gemeinte Elefantenrunde. Morgens um sechs bringt mir ein freundlicher Bote meine Tageszeitung ins Haus… als ob die große Welt stehen geblieben wäre, vier Wochen lang, in manchen Zeitungen doppelt so langes Titelblatt = Wahlkampfthema. Editorial = Wahlkampfthema. Anzeigenseiten = Parteianzeigen. Zu viel, meines Erachtens, Reizüberflutung. Aber der Bürger sah es anders – 80 Prozent Wahlbeteiligung. Kein neuer österreichischer Rekord, aber im Vergleich mit anderen Staaten bemerkenswert. Und dann die 10.000–Menschen starke Parteiveranstaltung des Sebastian Kurz in der Wiener Stadthalle einen Monat vor der Wahl. Sollte irgendeine politische Partei in Westeuropa denselben Rekord einstellen wollen: viel Glück. Es war schon anheizend, motivierend, ansteckend, was die neue ÖVP da als Personality Show hinlegte. Starke Persönlichkeiten, weniger Programmatik, Amerikanisierung des Wahlkampfes. Gut für Österreich? Wir werden abwarten. Ich wünsche unabhängig von jeder Parteivorliebe Sebastian Kurz alles Gute, er hat es verdient. Ich hoffe, andere europäische Volksparteien von Deutschland über Spanien nach Irland und zurück tun dasselbe – gebt jüngeren Politikern und Politikerinnen vor dem Rentenalter eine echte Chance! Um auf meine erste Frage zurückzukommen – hat Österreich vielleicht zu viel mit rechts geflirtet? Nein – die Alltagspolitik wird allzu hochfliegende rechtspopulistische Thesen schnell wieder auf den Boden der Tatsachen bringen. Das ist ja das Schöne an der Demokratie.  
Klaus Jurgens – London School of Economics Postgraduate Degree Government. Vormals Uni-Dozent Ankara, Schwerpunkt BWL und KMU. Über zehn Jahre vor Ort Erfahrung Türkei. Zur Zeit wohnhaft in Wien. Politischer Analyst und freiberuflicher Journalist.    

Verhaftungen in Spanien
Bayernpartei verurteilt Verhaftungen von Menschenrechtsaktivisten in Spanien

0
München (nex) – Während sich die etablierten Parteien zu den Verhaftungen von Menschenrechtsaktivisten in Spanien überraschend wortkarg verhalten, die Vorfälle auch in den Medien – zumindest im Vergleich zu denen in der Türkei – auf kaum Interesse stoßen und eher als Randnotiz erscheinen, hat die Bayernpartei die Verhaftungen verurteilt. Insgesamt scheinen die Katalanen mit ihren Unabhängigkeitsbestrebungen in der breiten Bevölkerung in Deutschland nicht mit der Unterstützung wie etwa andere Volksgruppen mit dem Wunsch nach einem eigenen Staat rechnen zu können. Zu den politischen Zielen der BP gehört die Möglichkeit einer Volksabstimmung über den Austritt Bayerns aus dem deutschen Staatsverband. Die Bayernpartei hat in einer Stellungnahme die Verhaftung zweier katalanischer Aktivisten verurteilt. Sie stimme auch der Einschätzung des katalanischen Ministerpräsidenten Puidgemont zu, dass es erstmals seit der Franco-Ära wieder poltische Gefangene in Spanien gebe. „Auch der der Chef der katalanischen Regionalpolizei ist nur unter Auflagen auf freiem Fuß, wegen ‚aufrührerischen Verhaltens‘ drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis. Die spanische Zentralregierung hat also offenbar beschlossen, auf Dialog und Kompromiss gänzlich zu verzichten und stattdessen mit Drohungen und Repressionen zu arbeiten. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass von keiner der erwähnten Personen Gewalt ausging“, so die BP in der Stellungnahme. Beschämend seien die Reaktionen aus Brüssel oder von Parteien, denen „angeblich Demokratie, Freiheit und Menschenrechte so am Herzen liegen – Schweigen, wenn nicht gar Unterstützung des Vorgehens der spanischen Behörden“. Wenn aber Demokratie, Freiheit und Menschenrechte nur dann gewährt würden, wenn es gerade politisch opportun ist, dann sei deren vorgebliches Hochhalten reine Heuchelei.

USA
Griechischer Premierminister Tsipras wünscht weiterhin EU-Beitritt der Türkei

0
Washington (nex) – Bei seinem Treffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump in Washington betonte der griechische Premierminister Tsipras, dass Griechenland den EU-Kurs der Türkei unterstütze und weiterhin für die Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen sei. Trotz aller Bedenken bezüglich der Situation in der Türkei müsse man den Weg des Landes Richtung Europa und den Westen unterstützen und fördern. Auch die Frage der Journalisten, ob die Türkei weiterhin in der Nato bleiben sollte, bejahte Tsipras. „Wir respektieren die Türkei als Regionalmacht und glauben, dass sich das Land an der europäischen Perspektive und an der Zusammenarbeit mit dem Westen orientieren muss. Sie sollte auch weiterhin auf die NATO ausgerichtet bleiben“, sagte Tsipras. Jedoch müsse man Verbündeten auch klar machen, dass der Weg nach Europa und die Zusammenarbeit mit dem Westen gewisse Bedingungen und Verantwortungen mit sich bringe, so Tsipras weiter. Eine der wichtigsten Bedingungen sei, das Völkerrecht zu respektieren, zu kooperieren und mit alliierten Ländern wie Griechenland nicht für Spannungen zu sorgen.

Auch interessant

– EU-Türkei-Beziehungen –

Laura Batalla: Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen mit Türkei wäre “tödlicher strategischer Fehler”

„Der Beitrittsprozess der Türkei sollte nicht ausgesetzt oder beendet werden. Das wäre ein „tödlicher strategischer Fehler der EU-Seite“, hatte Batalla Anfang dieser Woche in Brüssel gewarnt.

Laura Batalla: Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen mit Türkei wäre „tödlicher strategischer Fehler“

Irakkrise
SPD will weitere Auskünfte zu Kurden-Ausbildung

0
Düsseldorf (ots) – Angesichts der Zuspitzung im Nordirak will die SPD erst weitere Aufklärung, bevor sie einer Verlängerung von Bundeswehr-Mandaten zustimmt. „Es muss schnell geklärt werden, ob von der Bundeswehr ausgebildete und ausgerüstete kurdische Soldaten an den Kämpfen mit der irakischen Zentralregierung beteiligt sind“, sagte SPD-Verteidigungsexperte Thomas Hitschler der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Das Verteidigungsministerium hatte die Ausbildung der Peschmerga-Kämpfer zuvor ausgesetzt. Die Bundesregierung will am heutigen Mittwoch eine dreimonatige Verlängerung von sieben Ende Dezember und Ende Januar auslaufenden Bundeswehr-Missionen auf den Weg bringen. Ungeklärt ist, wie die Detailberatung im neuen Bundestag geschehen soll. Eine FDP-Initiative, den Auswärtigen Ausschuss vorab zu installieren, fand keine Zustimmung bei der Union. Deren Vorstellung, einen Hauptausschuss zu bilden, trifft auf Skepsis der Grünen.

Auch interessant

PKK-Anhänger: “Oberst Stephan Spöttel starb bei Antiterrorangriff der Türkei”

PKK-Anhänger: „Oberst Stephan Spöttel starb bei Antiterrorangriff der Türkei“

Irakkrise
Türkei: Oppositionspolitiker Bahceli fordert Festnahme Barzanis

0
Ankara (nex) – Der Präsident der Autonomen Kurdischen Gebiete (KRG) im Irak, Masud Barzani, sollte, falls nötig, „wegen des Einsatzes der PKK“ im nordirakischen Kirkuk festgenommen und in die Türkei gebracht werden, erklärte der Vorsitzende der türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), Devlet Bahceli. „Barzani sollte, falls nötig, festgenommen und in die Türkei gebracht werden“, forderte Bahceli am gestrigen Dienstag in einer Ansprache an seine Fraktion im türkischen Parlament und ergänzte, dass „eine militärische Intervention von Land oder aus der Luft ohne Furcht“ initiiert werden sollte. Dies würde eine dominante Präsenz der PKK im Südosten der Türkei verhindern. Dass sich die PKK nach Kandil und Sinjar nun auch in Kirkuk einniste, stelle eine Frage der nationalen Sicherheit für den Irak, die Region und für die Türkei dar, warnte er. „Was auch immer die Umstände sein mögen – die PKK-Barzani-Allianz richtet sich auch gegen die Heimat der Turkmenen“, so Bahceli weiter. Barzani strebe einen kurdischen Staat mit den verräterischen Zielen der PKK an und betrachte das Unabhängigkeitsreferendum vom 25. September als einen Schritt in die Richtung. Er sei ein Feind im wahrsten Sinne des Wortes, fügte Bahceli hinzu. Bahceli machte seine Äußerungen, nachdem die irakische Armee die ölreiche Stadt Kirkuk, eine der zwischen der KRG und der irakischen Zentralregierung umkämpften Regionen, am Montag zurückerobert hatte.

Auch interessant

Bruder des PYD-Chefs: “Fremde Mächte werden die Kurden wieder mal im Stich lassen”

Bruder des PYD-Chefs: „Fremde Mächte werden die Kurden wieder mal im Stich lassen“
       

PKK in Deutschland
Frankfurt: Türkischer Generalkonsul verurteilt PKK-Demo

Frankfurt (nex) – Die Türkei hat die Bundesregierung am Dienstag wegen der Genehmigung einer PKK-Demo in Frankfurt verurteilt. Burak Kararti, türkischer Generalkonsul in Frankfurt, kritisierte die örtliche Polizei dafür, Demo-Teilnehmer nicht daran gehindert zu haben, mit Bildern des seit 1999 in der Türkei inhaftierten PKK-Gründers Abdullah Öcalan und anderen verbotenen Symbolen durch die Stadt zu marschieren. Gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu sagte Kararti, dass die deutschen Behörden bereits kontaktiert und aufgefordert wurden, die notwendigen Maßnahmen gegen Terrorpropaganda zu ergreifen und das seit März 2017 in Deutschland bestehende Verbot für PKK-Symbole durchzusetzen. Die kurzfristig unter dem Motto „Freiheit für Öcalan – Frieden in Kurdistan“ angemeldete Demo startete gegen 17.40 Uhr am Hauptbahnhof in Frankfurt und führte zum türkischen Generalkonsulat in der Kennedyallee. Polizeiangaben zufolge nahmen etwa 500 bis 600 Menschen an der Demo teil. Einige PKK-Sympathisanten hielten im Beisein der Polizei die seit März vom deutschen Innenministerium verbotenen Symbole und Bilder hoch und riefen dabei türkeifeindliche Parolen. Die Frankfurter Polizei löste am Montag eine Welle der Empörung unter türkischen Social-Media-Nutzern aus, indem sie einen kontroversen Tweet auf ihrem offiziellen Twitter-Account veröffentlichte, der als Unterstützung für die Kundgebung der PKK-Anhänger interpretiert wurde. Auch der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisierte den Tweet der Frankfurter Polizei. Die Frankfurter Polizei antwortete heute mit einer weiteren Mitteilung über den Mikronachrichtendienst auf die Beschuldigungen. Mustafa Yeneroğlu, Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses der Großen Nationalversammlung der Türkei, kritisierte bereits im vergangenen Monat eine Demo in Köln, bei der ebenso verbotene Symbole gezeigt wurden. „Während die Bundesregierung jegliche Förderung der PKK pauschal bestreitet, führt die Terrororganisation PKK über ihren offiziellen Dachverband NAV-DEM am Samstag eine zentrale Propagandaveranstaltung in Köln durch. Auf solchen Veranstaltungen wird auch für den Terror in der Türkei rekrutiert,“ so Yeneroglu in einer Mitteilung im September. Obwohl nicht zum ersten Mal, sei es doch immer wieder von neuem bestürzend, mit welchem Hohn die Bundesregierung den täglichen Terroropfern in der Türkei begegne, indem Aktivitäten der Terrororganisation PKK augenscheinlich kein Einhalt geboten würde, schreibt Yeneroglu weiter. Die Veranstaltung in Köln nannte Yeneroglu “eine zentrale Propagandaveranstaltung der PKK”. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland sind seit Monaten angespannt. Türkische Regierungsvertreter werfen Deutschland vor, bei illegalen Gruppen und Terrororganisationen ein blindes Auge zu haben. Auch der deutsche Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte im Juli dieses Jahres Fehler Deutschlands bei der Bekämpfung der Propaganda der Terrororganisation PKK eingeräumt. Gabriel glaube, die Türkei habe damit recht, Deutschland zu warnen und zu fordern, nicht zuzulassen, dass die PKK Propagandaaktivitäten in Deutschland durchführe, hatte er auf einer Pressekonferenz im Bundesaußenministerium erklärt. Er denke auch,  dass es inakzeptabel sei, Auftritte türkischer Politiker zu verbieten, während gleichzeitig Plakate mit Öcalan-Porträts zugelassen würden, so Gabriel weiter. Er spielte damit auf Versammlungen von PKK-Anhängern in Deutschland an, bei denen Flaggen der Terrorgruppe und des Gründers Abdullah Öcalan zur Schau getragen wurden. Deutschland hat die PKK 1993 als Terrororganisation eingestuft, aber die Behörden sträuben sich dagegen, strenge Maßnahmen gegen deren Propaganda, Finanzierung und Rekrutierungsaktivitäten einzuleiten. Auch in der EU und den USA wird sie als Terrororganisation gelistet. Die PKK sei nicht nur für die Türkei, sondern auch für Deutschland eine Bedrohung, warnte der Bundesaußenminister. Die 1978 gegründete PKK hatte seit den 1980-er Jahren gegen die Türkei für die Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates gekämpft. Später änderte sie ihr Ziel und verlangt seitdem die Autonomie der überwiegend von Kurden bewohnten Regionen der Türkei. Die Terrorgruppe nahm im Juli 2015 ihren 30-jährigen bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat wieder auf. Seitdem sind Tausende Menschen bei PKK-Anschlägen in der Türkei gestorben.

"Rückkehr zur paritätischen Krankenversicherung"
DGB fordert deutlich stärkere Entlastung der Arbeitnehmer in der Krankenversicherung

Buntenbach: Auch künftig jährlich 379 Euro Zusatzbeitrag Osnabrück (ots) – Der DGB hat die absehbare leichte Beitragssenkung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als völlig unzureichend kritisiert und eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gefordert. Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, auch nach der zu erwartenden Senkung des durchschnittlichen Arbeitnehmer-Zusatzbeitrags von 1,1 auf 1 Prozent im kommenden Jahr bleibe pro Arbeitnehmer immer noch eine jährliche Mehrbelastung von im Schnitt 379 Euro. Hintergrund der möglichen Entlastung sind die Rekordbeschäftigung und die gute Konjunktur. Dadurch könne der Zusatzbeitrag um 0,1 Prozentpunkte gesenkt werden, sagen das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesversicherungsamt voraus. Buntenbach kritisierte allerdings: „Seit dem Jahr 2015 ist der Arbeitgeberbeitrag zur GKV bei 7,3 Prozent eingefroren, während Arbeitnehmer alle Kostensteigerungen tragen müssen. Sie zahlen heute 8,4 Prozent. Im nächsten Jahr werden das dann 8,3 Prozent sein.“ Diese einseitige Mehrbelastung sei nicht nachzuvollziehen – gerade angesichts der gut gehenden Wirtschaft und stabiler Unternehmensgewinne. Die Gewerkschafterin forderte: „Die Rückkehr zur paritätischen Krankenversicherung, zu gleichen Beiträgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, muss auf die politische Tagesordnung.“

Aachen
Auch Geiselgangster Rösner will zurück in die Freiheit

Köln (ots) – Der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner will eine Therapie machen, um die Voraussetzungen für eine mögliche Haftentlassung zu schaffen. „Herr Rösner hat sich entschieden, im November mit einer Therapie zu beginnen“, sagte Reina Blikslager, die Leiterin der JVA Aachen, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Der Auslöser dafür ist sein Wunsch, eine Perspektive auf ein Leben in Freiheit zu erhalten“, fügte sie hinzu. Blikslager sagte weiter: „Möglicherweise haben die Berichte über die bevorstehende Freilassung seines Mittäters Degowski mit zum dem Entschluss von Rösner beigetragen, diesen Weg zu beschreiten. Bislang hat Herr Rösner eine Therapie abgelehnt weil er der Meinung war, nicht gestört zu sein.“ Der heute 60-Jährige war 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Jahr 1988 hatte die mehrtägige Flucht der Geiselgangster Kriminalgeschichte geschrieben, bei der drei Menschen ums Leben kamen. Das Landgericht Arnsberg hatte kürzlich entschieden, dass Degowski wieder auf freien Fuß kommen soll.

Polnisch-türkische Beziehungen
Handelsgespräche: Erdogan zu Besuch in Polen

0
Warschau (nex) – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist am heutigen Dienstag zu einem eintägigen Staatsbesuch in der polnischen Hauptstadt Warschau eingetroffen. Nach einer Mitteilung des türkischen Präsidialamts sei das Ziel des Besuchs die Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nato-Partnern. Erdogan wird von einer großen Delegation begleitet, darunter Außenminister Mevlut Cavusoglu, Energieminister Berat Albayrak, EU-Minister Ömer Celik, Verteidigungsminister Nurettin Canikli und Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, sind während des Besuchs Treffen mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda, Premierministerin Beata Szydio sowie den Vertretern des Parlaments geplant. Erdogan werde auch an einem polnisch-türkischen Handelsforum teilnehmen.

Laut dem türkischen Außenministerium teilen die Länder ähnliche Ansichten zu regionalen und internationalen Angelegenheiten. Die Türkei war für den Eintritt Polens in die NATO, während Warschau die EU-Beitrittskandidatur Ankaras unterstützt.

Das Handelsvolumen zwischen Polen und der Türkei hat sich dem türkischen Wirtschaftsministeriums zufolge in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und ist von 2,49 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006 auf fast sechs Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr gestiegen.

Die türkischen Exporte nach Polen beliefen sich zwischen Januar und September auf 1,9 Milliarden US-Dollar, während die Importe auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt wurden.

Die Türkei und Polen blickten auf eine über 600-jährige Freundschaft zurück und seien seit 2009 strategische Partner, heißt es in einer Mitteilung des türkischen Präsidialamts vom 15. Oktober. Nach der Teilung Polens durch die absolutistischen Monarchien Russland, Preußen und Österreich im 18. Jahrhundert erklärten die Osmanen dem Russischen Zarenreich den Krieg. Das Osmanische Reich hatte die russische Einflussnahme in Polen schon länger abgelehnt und nutzte die Erhebung des polnischen Adels, um sich mit den Aufständischen zu solidarisieren. Ankara lege großen Wert darauf, die Zusammenarbeit mit ihrem Verbündeten Polen in allen Bereichen zu stärken. Sie hoffe, dass der Besuch die bilateralen Beziehungen weiter verbessern und dies der gesamten Region zu Gute kommen werde. Übermorgen findet in Brüssel ein EU-Treffen statt, in dem es unter anderem um die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei gehen wird.

Auch interessant

– Polnisch-deutsche Krise –

Reparationszahlungen: Polen fordert fast 1.000 Milliarden US-Dollar

In einem Interview mit dem polnischen Radiosender RMF FM bekräftigte Außenminister Witold Waszczykowski die Forderung Warschaus nach Entschädigungen aus Deutschland wegen der Schäden im Zweiten Weltkrieg.

Reparationszahlungen: Polen fordert fast 1.000 Milliarden US-Dollar