Corona-Pandemie
Kinderärzte warnen: Eltern zögern Arztbesuche wegen Corona hinaus

Düsseldorf – Kinderkliniken und -praxen erleben seit Wochen einen massiven Rückgang von jungen Patienten, weil die Eltern eine Ansteckung mit dem Coronavirus fürchten. Das habe teils bedrohliche Folgen, warnt Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche der Städtischen Kliniken Mönchengladbach und Vorsitzender des Verbands Leitender Kinder- und Jugendärzte Deutschlands in der „Rheinischen Post“. So habe es bereits Komplikationen bei Blinddarmentzündungen gegeben, weil Eltern zu lange gewartet hätten. Zudem fehle durch den Wegfall der Kitas ein Frühwarnsystem für Kinder aus schwierigen Verhältnissen. In Mönchengladbach war zuletzt ein fünfjähriger Junge zu Tode geprügelt worden. „Deshalb müssen wir die Kinder in den Fokus nehmen“, sagt Kölfen und fordert einen Schutzschirm für Kinder. „In dem Sinne, dass man sie nicht einfach wegsperren kann ohne eine Perspektive. Das ist doch staatlich angeordnete Kindesvernachlässigung.“ Bisher gebe es keine Beweise dafür, dass Kinder das Virus weitergeben, wenn sie selbst keine Symptome zeigen. Alles, was Kinder aus schwierigen Familien derzeit psychisch gesund erhalte, falle zudem weg, Langzeitschäden seien nicht auszuschließen. Kölfen wünscht sich daher eine Perspektive für die Eltern, wie es weitergeht. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich ein Politiker öffentlich in kindgerechter Sprache auf Augenhöhe einmal an Kinder wendet, warum nicht?“

Türkisch-deutsche Beziehungen
Coronakrise: Merkel und Erdogan telefonieren

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Ankara – Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Freitag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Man habe bilaterale Beziehungen und regionale Themen besprochen. Zudem sei auch über die Corona-Krise gesprochen worden. Wie das präsidiale Kommunikationsamt am Freitagabend weiter mitteilte, sei es in dem Gespräch um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Kampf gegen das Virus sowie um mögliche Schritte nach der Pandemie gegangen. Die Türkei lieferte bereits Schutzmasken an Deutschland. Wie der Business Insider berichtete, soll es wegen der Maskenlieferung aus der Türkei zwischen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) zu „einem handfesten Streit“ gekommen sein. Laut Insidern soll Maas nämlich Bedenken geäußert haben, Masken aus einem autoritär geführten Land wie der Türkei zu importieren. Daraufhin soll Laschet gekontert haben, dass Deutschland derzeit fast ausschließlich Masken aus China einführe und deren Demokratieverständnis nicht gerade besser sei als das aus der Türkei, berichtet Business Insider. Im Oktober 2019 warf Maas Erdogan vor, völkerrechtswidrig in Nord-Syrien einzumarschieren und kündigte an, dass Deutschland der Türkei keine Waffen mehr liefere. Erdogan griff daraufhin Maas persönlich an, nannte ihn einen Dilettanten. Wörtlich: „Wenn du etwas von Politik verstehen würdest, würdest du nicht so sprechen“, berichtet BI weiter.

NRW
Chinesische Bauteile für Leverkusener Brücke mit Hunderten Fehlern behaftet

Köln – Die Stahlbauteile aus chinesischer Produktion, die für den Neubau der Leverkusener A1-Brücke über den Rhein gefertigt wurden, sind nach Angaben des nordrhein-westfälischen Straßenbaubetriebs (Straßen NRW) mit Hunderten von Fehlern und Mängeln behaftet. Das betrifft laut Straßen NRW jedes einzelne, der 22 in China gefertigten Brückenteile aus Stahl, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Der Landesbetrieb spricht von 250 bis 600 Mängeln je Bauteil. Diese außergewöhnlich hohe Zahl an Mängeln sei das Problem. Auch nach einer Reparatur entsprächen die Bauteile nicht der geforderten Norm. Zwar sei es prinzipiell denkbar, die Brücke mit den reparierten und von staatlichen Prüfern genehmigten Bauteilen zu bauen. Das bedeute aber dann verkürzte Prüfintervalle und eine permanente Überwachung für eine gerade neu errichtete Brücke. „Das kann für niemanden eine Option sein. Wenn die Brücke jetzt neu gebaut wird, muss sie langlebig gebaut werden ohne Abstriche bei Qualität und Sicherheit“, sagte Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) der Zeitung. Als Konsequenz aus den „schwerwiegenden Mängeln“ an den Stahlbauteilen hat Straßen NRW am Freitag den Vertrag mit dem österreichischen Baukonzern Porr AG, der den Brückenneubau bisher verantwortet hat, mit sofortiger Wirkung gekündigt. Zum Hintergrund: Der Bau der Leverkusener Rheinbrücke wird sich um mindestens zwei Jahre bis Ende 2023 verzögern. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“  hat der Landesbetrieb Straßen NRW dem österreichischen Baukonzern Porr AG, der die Ausschreibung für die 363 Millionen Euro teure Brücke gewonnen hatte, mit sofortiger Wirkung gekündigt. Das kommt faktisch einem Baustopp gleich. Das Projekt muss jetzt neu ausgeschrieben werden. Grund für die Kündigung sind schwerwiegende Mängel an 22 Stahlbauteilen, die in China produziert und bereits ausgeliefert wurden. Sie werden für den Bau des ersten Brückenteils benötigt, der nach dem bisherigen Plan Ende 2021 abgeschlossen sein soll. Wie aus dem Kündigungsschreiben von Straßen NRW hervorgeht, weisen die Bauteile, die man inzwischen alle untersucht habe, derart schwerwiegende „systematische Mängel“ auf, dass sie nicht eingebaut werden können. Insgesamt werden für den Bau der Brücke, die aus zwei Teilen besteht, 80 dieser Stahlbauteile gebraucht. Der Baukonzern Porr hatte angeboten, die Mängel an den bereits gelieferten Stahlbauteilen vor Ort zu beheben und die beiden ersten Träger komplett neu in China fertigen zu lassen. Vier Brücken lagern in Köln-Niehl, 18 im Hafen von Rotterdam. Aus Sicht des Landesbetriebs macht das keinen Sinn. Man sei sich mit dem Baukonzern zwar einig, „dass einzelne Mängel in einer überschaubaren Anzahl repariert werden könnten“. Das Problem sei aber die außergewöhnlich hohe Zahl der Mängel, hieß es in dem Schreiben weiter. Der Landesbetrieb spricht von 250 bis 600 Mängeln pro Bauteil. Selbst nach einer Reparatur würden diese daher weder den Verträgen entsprechen noch die geforderten Normen erfüllen. Weil niemand vorhersagen könne, welche Folgen das für eine Brücke habe, über die täglich 120.000 Fahrzeuge, darunter 14.000 Lkw fahren, „käme die Inbetriebnahme mit diesen reparierten Mängeln einem experimentellen Bauwerk gleich“, heißt es in dem internen Schreiben. Theoretisch sei es zwar möglich, die Brücke unter diesen Bedingungen fertigzustellen. Das gehe aber nur, wenn das vorab durch staatliche Prüfer genehmigt werde. Dazu müsse Straßen NRW einen sogenannten Tolerierungsantrag stellen, dessen Genehmigung rund zwei Jahre dauern könne. Die mögliche Genehmigung werde aber nur unter Auflagen wie verkürzte Prüfintervalle oder gar die permanente Überwachung der neuen Brücke erfolgen. Ein Zustand, den die Autofahrer bei der bestehenden Brücke täglich erleben. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat das NRW-Verkehrsministerium ein solches Verfahren abgelehnt, zumal es keinen Zeitvorteil bringt. „Das kann für niemanden eine Option sein. Wenn die Brücke jetzt neu gebaut wird, muss sie langlebig gebaut werden ohne Abstriche bei Qualität und Sicherheit“, heißt es. Dem Vernehmen nach geht man in Düsseldorf davon aus, dass der erste Teil des Neubaus wegen der neuen Ausschreibung statt wie zuletzt geplant Ende 2021 erst zwei Jahre später fertig wird. Die alte Brücke wird also mindestens bis zu diesem Zeitpunkt für den Lkw-Verkehr ab 3,5 Tonnen gesperrt bleiben. Bei der Porr AG geht man von einem deutlich längeren Zeitraum aus. Die Rede ist von einer Verzögerung von bis zu viereinhalb Jahren. Die Mehrkosten könnten bis zu 300 Millionen Euro betragen. Der Streit mit dem Baukonzern war in den vergangenen Monaten immer weiter eskaliert. Der Landesbetrieb Straßen NRW hatte die Kündigung am 20. März angedroht und die Frist zweimal verlängert, zuletzt bis zum 20. April, wenn die Stahlbauteile nicht komplett zurückgenommen und den Normen entsprechend neu hergestellt werden.  

Geschichte
Kommentar: „Sind Armenier bereit, den Völkermord von Chodschali anzuerkennen?“

Ein Gastkommentar von Isa Ak – ak-isa@gmx.de Seit Jahrzehnten versuchen Armenier, armenophile Organisationen und ihre Verbündeten, die Massaker an den Armeniern weltweit in unterschiedlichen Parlamenten als Völkermord anerkennen zu lassen. Diese Strategie gründet auf Türken- und Islamfeindlichkeit und soll dazu dienen die eigene Geschichte als einzig akzeptable Erzählung zu verfestigen, damit man sich keiner wissenschaftlichen Diskussion stellen muss. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der historischen Ereignisse ist aber notwendig, um die Geschehnisse richtig zu beurteilen. Die Armenier und ihre Verbündeten haben der Welt aber glauben gemacht die historische Aufarbeitung sei schon erledigt. Doch wie kann sie erledigt sein, wenn die wissenschaftlichen Thesen auf tönernen Füßen stehen? Während wissenschaftliche Werke, die den Genozid infrage stellen als „von der Türkei finanziert“ und als „Werke von türkischen Nationalisten“ verunglimpft werden, haben armenische Nationalisten wie Richard Hovannisian (1), Raymond Kevorkian, Vahakn Dadrian und seine Verbündeten (z.B. Taner Akcam) es denkbar leicht ihre Thesen zu verbreiten. Ihre Schriften dominieren die westliche Historiographie, obwohl sie vor allem durch ihre unwissenschaftlichen Praktiken und Methoden hervorstechen. Die Forschungsliteratur – Integrität, Ethik und Wissenschaft(3) Bei vielen gelten Vahakn Dadrian und Taner Akcam als wichtige Fürsprecher und Verteidiger der Genozid-These. Seit Jahrzehnten dominieren sie die Forschung. Doch wie viele wissen um ihre bewusste Falschdarstellung und Manipulation von Dokumenten? Beginnen wir also mit einem Blick auf die wissenschaftliche Qualität der Sachbücher dieser beiden bekannten Soziologen, die die Genozid-Vorwürfe unterstützen. Wenn wir uns die Rezensionen zu ihren Arbeiten ansehen, kommen wir unweigerlich zu dem Schluss, dass eine bewusste und absichtliche Manipulation von Dokumenten, die selektive Nutzung von Quellen, die Übernahme von kontext-und sinnverzerrenden Zitaten und eine unethische Herangehensweise bei ihren Büchern vorliegen.(4) Dabei muss angemerkt werden, dass diese Kritik nicht nur von jenen Wissenschaftlern vorgebracht werden die die Genozid-These anzweifeln.(5) Taner Akcam und die Jerusalemer Archive – Beweise für den Genozid? Im April 2017 behauptete die New York Times(6), dass Taner Akcam ein bahnbrechendes Dokument gefunden hätte, mit der endgültig dargelegt werden könne, dass die Osmanische Regierung die Vernichtung beabsichtigt habe. Der irische Historiker Sean Patrick Smyth hat jedoch bewiesen, dass dieses Dokument seit den „Istanbuler Prozessen“(7) bekannt ist und in der Forschungsliteratur seit den 80ern genutzt wird. In seiner Kritik bezweifelte er die Authentizität, stellte die Deutung des Dokuments infrage und ordnete Bahattin Sakir und seine Rolle aus der richtigen Perspektive in den Kontext ein.(8) Damit wird deutlich, dass die Wiederverwendung von bekannten Dokumenten als Mittel zum „Sensationalismus“ und zur Manipulation der Öffentlichkeit dienen soll. Warum sind die Journalisten nicht bereit sich kritisch mit seinen Thesen auseinanderzusetzen? Selbst nach dem deutlich geworden ist, was für ein unethisches methodisches Vorgehen seine Bücher kennzeichnet. Die Forschung zur „Armenischen Frage“ ist hoch politisiert und durch mangelnde wissenschaftliche Erkenntnisse geprägt. Viele wissenschaftliche Fragen sind immer noch offen. Es wurden bis zum heutigen Tag keinerlei wissenschaftliche Beweise vorgelegt, die eine Vernichtungsabsicht der osmanischen Regierung darlegen. Vielmehr gibt es klare Dokumente die aufzeigen, dass die osmanische Regierung für den Schutz von Leben und Eigentum, sowie die Versorgung der Armenier Maßnahmen getroffen hatte. Diese waren aus vielerlei Gründen nicht erfolgreich. Auch nach dem Ersten Weltkrieg lebten hunderttausende Armenier in Anatolien. Ohne die Verbrechen einzelner Persönlichkeiten und das Leid der armenischen Bevölkerung zu verharmlosen, müssen wir feststellen, dass die Zwangsumsiedlung der osmanischen Armenier definitiv nicht als Völkermord zu klassifizieren ist. Die Furcht der Wissenschaftler als „Völkermordleugner“ beschimpft zu werden ist größer als ein historisches Thema anhand von wissenschaftlichen Kriterien zu untersuchen und zu beurteilen. 24. April 1915: „Anerkennung Jetzt!“ oder vielleicht lieber doch nicht Armenier und ihre Verbündeten benutzen die Beschlüsse und Resolutionen von Parlamenten in denen die Ereignisse von 1915 als „Völkermord“ deklariert werden als Argument um die Öffentlichkeit zu täuschen. Sie bezahlen Politiker (Lobbyismus) und üben politischen Druck aus und behaupten dann, dass die Parlamente „objektive Urteile“ gefällt hätten.(9) Sie versuchen den Eindruck zu erwecken man müsse dieser Form von Autorität Glauben schenken. Doch wie können ahnungslose Politiker über geschichtlich umstrittene Ereignisse ein ultimatives und abschließendes Urteil geben während die Historiker noch darüber debattieren?(10) Wenn die Armenier der Ansicht sind das Parlamente fortan zu bestimmen haben ob ein bestimmtes Ereignis in der Geschichte als Völkermord zu definieren ist und deswegen Beschlüsse und Resolutionen verabschieden werden sollen, dann möchte ich sie daran erinnern das die Aserbaidschaner ihre Strategie erfolgreich übernommen haben. Es haben bereits einige Staaten die Massaker von Chodschali als „Völkermord“ eingestuft. Und wie schaut es aus? Sind die Armenier bereit ,dieselben Kriterien auf sich anzuwenden und den „Völkermord von Chodschali“ anzuerkennen? Sollten Parlamente darüber bestimmen ob Ereignisse als Genozid einzustufen sind? Oder doch lieber Historiker? Quellen: 1 Lewy, Guenter: Book Review, Slavic Review, Vol 67, No 4, Winter 2008. 2 Eine kurze Kritik an Kevorkian, Dadrian und Akcam: Gauin, Maxime: Why be bothered about the facts?, Daily Sabah, 25 März 2015 https://www.dailysabah.com/op-ed/2015/03/25/why-be-bothered-about-the-facts 3 Sahin, Erman: „The Armenian Question: Scholarly Ethics and Methodology“, Review of Armenian Studies, 19/20, (2009), S. 141 -152. https://avim.org.tr/images/uploads/Yayin/Review-of-Armenian-Studies-19-20-final.pdf 4 Zur Kritik an Dadrian. Siehe: Lewy, Guenter: Der armenische Fall: Die Politisierung von Geschichte Was geschah, wie es geschah und warum es geschah, Klagenfurt/Celovec, Wieser Verlag, 2009.; Yapp, Malcolm E, „Review of The History of the Armenian Genocide, by V. N. Dadrian“, Middle Eastern Studies, 32 (1996). Zur Kritik an Akcam: Siehe: Sahin, Erman: „Review Essay: A Scrutiny of Akçam’s Version of History and the Armenian Genocide“, Journal of Muslim Minority Affairs, Vol. 28, No. 2, August 2008; https://drive.google.com/file/d/0B-RU08P6-fyIZmZkNDE2NGUtNDJjMC00NWI0LTg4MzItODJmY2ViOTE0YWI5/view Sahin, Erman:“Review Essay: The Armenian Question,” Middle East Policy, XVII-1, Spring 2010. https://www.mepc.org/review-essay-armenian-question ; Gauin, Maxime: Review Essay“Proving”a“Crime against Humanity https://drive.google.com/file/d/0BzdlbFzESnuuYlV1U3RpazhadXc/view Alpdogan, Yigit; Lütem, Ömer Engin: „Review Essay: Killing Orders: Talat Pashaʼs Telegrams and the Armenian Genocide“ Review of Armenian Studies, 37 (2018), S. 45 -83. https://avim.org.tr/images/uploads/Yayin/Review-of-Armenian-Studies-37.pdf 5 Sarafian, Ara: Study the Armenian Genocide with Confidence https://www.gomidas.org/press/show/14 [zuletzt am 23.04.2020 aufgerufen]; Hilmar Kaiser, „Germany and the Armenian Genocide, Part II: Reply to Vahakn N. Dadrian’s Response,“ Journal of the Society for Armenian Studies, 9 (1996), 6 Arango, Tim: „‚Sherlock Holmes of the Armenian Genocide‘ Uncovers Lost Evidence,“ New York Times, 22 April 2017 https://www.nytimes.com/2017/04/22/world/europe/armenian-genocide-turkey.html 7 Gesamtdarstellung zu den „Istanbuler Prozessen“: Ata, Ferudun: The Relocation Trials in Occupied Istanbul, Manzara Verlag 2018; Einzelfalldarstellung: Akça, Bayram: Der Schauprozess – Der Fall Nusret Beys vor dem Hintergrund der Umsiedlung der Armenier 1915, Manzara Verlag 2018. 8 Smyth, Sean Patrick: FROM SMOKING GUN TO MUDDIED WATERS: THE ALLEGED TELEGRAPH OF BAHAEDDIN ŞAKIR  9 Für einen Kommentar zur Bundestagsresolution (18/8613) der Bundesrepublik Deutschland zur Anerkennung des angeblichen Völkermords an den Armeniern: Cannon, Brendon J.: Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert – Geschichte im Fadenkreuz der armenischen Lobby, Manzara Verlag 2018, S. 363 -376. 10 Für eine Darstellung aller Positionen in der Debatte: Erickson, Edward J.: Ottomans and Armenians, Appendix A: The Relocation Antithesis, S.223 – 229. https://link.springer.com/content/pdf/bbm%3A978-1-137-36221-6%2F1.pdf 11 Für eine Kritik an der Forschungsliteratur: Gauin, Maxime: The Armenian Forced Relocation: Putting an End to Misleading Simplifications, Review of Armenian Studies, 31 (2015), S. 93 – 132. https://drive.google.com/file/d/0BzdlbFzESnuuYnhrc2N0cEV2Tzg/view
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– NEX24 Interview – Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Zu Yves Bénard: “Um der Gerechtigkeit willen” lautet das Credo des franzöischen Historikers, der sich durch seinen kritischen Geist und mit einer gehörigen Portion Neugier ausgestattet in die historischen Archive verschiedener Staaten begab. Herausgekommen ist ein hoch interessantes Buch, das exemplarisch ist für eine sachliche Darstellung der Ereignisse.

Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Corona-Pandemie
„Betet zu Hause“: Zentralrat der Muslime schlägt vorübergehend veränderten Muezzin-Ruf vor

Berlin – Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat vorgeschlagen, den Muezzin Ruf vorübergehend der Corona-Lage anzupassen. „Ich halte es für denkbar, dass in den öffentlichen Muezzin-Rufen die Zeile ,Kommt her zum Gebet‘ in ,Betet zu Hause‘ umgewandelt wird“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Freitag). So werde es auch in vielen Teilen der islamischen Welt derzeit praktiziert. Es handele sich um einen in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Ramadan. Das Coronavirus sorgt dieses Jahr für einen außergewöhnlichen Ramadan für Muslime. Wegen der Beschränkungen aufgrund der Pandemie wird es keine großen Zusammenkünfte zum Fastenbrechen oder nächtliche Gebete in der Moschee geben. Auch Reisen zu den heiligen Stätten des Islam sind nicht möglich. Moscheen weltweit sind geschlossen. Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime und neunter Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt. In diesem Monat essen und trinken Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts.

Gesundheit
Schul- und Kita-Öffnung: Seit dem 1. März gilt die Masern-Impfpflicht

Berlin – Ab der kommenden Woche werden wieder mehr Kinder in Schulen und Kitas betreut – denn die meisten Bundesländer haben die Corona-Notbetreuung ausgeweitet. Dass seit März in diesen Einrichtungen eine Masern-Impfpflicht gilt, ist in der aktuellen Situation bei vielen in Vergessenheit geraten. Was Eltern und Erziehungsberechtigte beachten müssen und für wen die Impfpflicht noch gilt, hat die Stiftung Gesundheitswissen anlässlich der Europäischen Impfwoche noch einmal zusammengestellt. Am 1. März 2020 trat das Masernschutzgesetz in Kraft. Es sieht u.a. vor, dass Eltern nachweisen müssen, dass ihr Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Masern-Impfungen erhalten hat, bevor es in eine Kita oder Schule aufgenommen wird. Kurz nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes dominierte jedoch das neuartige Coronavirus die Schlagzeilen und Kitas und Schulen wurden geschlossen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Eltern sollten aber trotz allem nicht vergessen, dass die Fristen für den Nachweis des Masernschutzes weiter gelten. Vor diesem Hintergrund informiert die Stiftung Gesundheitswissen über das Thema Masernimpflicht und klärt auf, was Eltern und Erziehungsberechtigte beachten müssen. Masernimpfpflicht – was zu beachten ist: – Was müssen Eltern / Erziehungsberechtigte, deren Kinder noch nicht betreut werden, beachten? – Was gilt für Eltern / Erziehungsberechtigte, deren Kinder bereits eine Kita oder Schule besuchen? – Gilt das Masernschutzgesetz auch für Erwachsene? – Wer sollte eine Impfung nachholen?
- Direkt zum Info-Überblick Masernimpfpflicht
Deutschland hinkt beim Masernschutz im europäischen Vergleich hinterher: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) betrug die Impfquote bei Schulanfängern 2017 92,1 Prozent – bezogen auf die zweite Impfung, die für einen ausreichenden Masernschutz notwendig ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strebt eine Ausrottung der Masern an. Dafür müssen 95% der Bevölkerung vollständig geimpft sein. Impflücken in einzelnen Ländern könnten auch andere Länder gefährden. Und in der Tat kam es in der Vergangenheit immer wieder zu regionalen Masern-Ausbrüchen in Deutschland. Deswegen wurde in Deutschland erstmals eine Impfpflicht für Masern eingeführt. Wer sich nicht an die Masernimpfpflicht hält, dem kann ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro drohen. Was müssen Eltern und Erziehungsberechtigte beachten? Ab der kommenden Woche werden wieder mehr Kinder in Kitas und Schulen betreut. Dabei gilt theoretisch auch das Masernschutzgesetz. Es sieht vor, dass alle Kinder, die zum Inkrafttreten des neuen Impfschutzgesetzes am 1. März 2020 bereits in einer Kita oder Schule betreut wurden, den Nachweis über die Masernimpfung spätestens bis zum 31. Juli 2021 vorlegen müssen. Es bleibt also noch etwas Zeit. Eltern und Erziehungsberechtigte, die noch einen Betreuungsplatz suchen, deren Kinder also noch nicht betreut werden oder zur Schule gehen, brauchen einen Impfnachweis, um aufgenommen werden zu können. Konkret heißt das: Alle Kinder, die mindestens ein Jahr alt sind, müssen eine Masernimpfung oder ein ärztliches Zeugnis über eine Masernimmunität nachweisen. Von der Regel ausgenommen sind Kinder, bei denen eine Impfung aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht möglich ist. Betrifft das neue Gesetz auch Erwachsene? Das Masernschutzgesetz betrifft neben Kindern insbesondere Menschen, die in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen arbeiten. Dazu gehören u.a. Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Arztpraxen oder Unterkünfte für Asylbewerber. Das neue Gesetz besagt: Wer keinen Nachweis vorlegt, darf in diesen Einrichtungen auch nicht tätig werden. Wer zum Inkrafttreten des Masernschutzgesetzes bereits in einer solchen Einrichtung tätig war, muss den Nachweis wie bei den Kindern bis spätestens 31. Juli 2021 erbringen. Unabhängig vom Masernschutzgesetz empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Jugendlichen und Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden, eine Impfung gegen Masern, sofern sie bisher nicht geimpft sind, sie als Kind nur einmal geimpft wurden oder unklar ist, ob sie schon geimpft wurden. Über die Europäische Impfwoche Die Europäische Impfwoche ist eine Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie findet vom 20. bis 26. April 2020 statt. Mit dem Motto „Vorbeugen. Schützen. Impfen.“ will die Weltgesundheitsorganisation für die Bedeutung von Impfmaßnahmen für die Prävention von Krankheiten sensibilisieren. Sie findet jährlich statt und wird von der Stiftung Gesundheitswissen unterstützt.

TV-Tipp
Doku: Rechter Terror in Deutschland

Hanau, Halle, Kassel – drei rechtsextreme Anschläge und Angriffe innerhalb von neun Monaten zeigen: Deutschland hat ein Problem mit Rechtsextremismus. Die ZDFinfo-Doku „Wurzeln der Gewalt – Rechter Terror in Deutschland“ beleuchtet am Dienstag, 28. April 2020, 21.45 Uhr in ZDFinfo, die Spuren und Folgen dieser Taten. Der Film von Volker Wasmuth und Patrick Zeilhofer steht am Sendetag ab 10.00 Uhr ein Jahr lang in der ZDFmediathek zur Verfügung. Das Problem mit Rechtsextremismus in Deutschland ist nicht neu: Es gab die NSU-Morde, Angriffe auf Flüchtlinge in Bautzen, die Ausschreitungen von Chemnitz. Warum wurde die Bekämpfung des Terrors von rechts so lange anscheinend nur halbherzig angegangen? Die jüngsten Taten wurden von Männern verübt, die angetrieben sind von dem Glauben, dass es eine Herrenrasse gebe, der allein zustehe, in Deutschland zu leben. Diese Rechtsextremen sehen Menschen mit dunklerer Haut und schwarzen Haaren als minderwertig und als Gefahr an. Die Dokumentation folgt den Spuren rechtsextremer Anschläge und Angriffe in den zurückliegenden Jahren, beschreibt die Folgen und lässt Opfer von Rechtsextremisten und Experten zum Thema zu Wort kommen, unter anderen die Buchautorin Andrea Röpke, die seit Jahren in der rechten Szene recherchiert und selbst schon tätlich angegriffen wurde. Ein weiterer Experte ist Terrorismusforscher Prof. Peter Neumann, der die Wurzeln, Weltbilder und wirren Fantasien der Täter analysiert: Viele Mörder handeln zwar als Einzeltäter, sind aber in ihrer Weltanschauung längst nicht mehr alleine. Sie sehen sich als militärischen Arm einer „völkischen Bewegung“ und schlagen nun häufiger zu, weil sie sich der Zustimmung Gleichgesinnter sicher sein können, so Prof. Neumann. Rechtsradikales Gedankengut, Verschwörungstheorien und Nazi-Vokabeln auch in deutschen Parlamenten bilden den Nährboden für diese Entwicklung. Zudem fühlen sich die Gewalttäter ermutigt von den „Neuen Rechten“, die unverhohlen ihre Theorien von der „Bedrohung der weißen Rasse“ verbreiten.

Ramadan 2020
Bundeskanzlerin Angela Merkel wünscht Muslimen einen friedvollen Ramadan

Berlin – Am heutigen Donnerstagabend beginnt für Muslime wieder der Fastenmonat Ramadan. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf der offiziellen Seite der Bundesregierung dazu eine Grußbotschaft an die muslimische Gemeinschaft in Deutschland gerichtet.
Liebe Musliminnen und Muslime, zu Beginn des Fastenmonats Ramadan grüße ich Sie herzlich. Der Ramadan ist eine Zeit des Innehaltens, der Besinnung und der Hinwendung zu anderen Menschen, besonders zu Bedürftigen, eine Zeit des Zusammenkommens für Sie als Musliminnen und Muslime. Zugleich steht das abendliche Fastenbrechen auch immer für die Begegnung mit Menschen anderer Religionen, ein wichtiges Zeichen, das unseren Zusammenhalt und unsere Zusammengehörigkeit als Gesellschaft in besonderer Weise zum Ausdruck bringt. In diesem Jahr jedoch ist all das nicht möglich. Denn die Coronavirus-Pandemie zwingt uns, auf Traditionen, Feste und Zusammenkünfte, auf die gewohnten Formen der gemeinschaftlichen Religionsausübung zu verzichten. Ihnen wünsche ich, dass Sie auch in dieser Ausnahmesituation Wege finden, wie sie Ihren Glauben und ihre Verbundenheit leben können. Die Musliminnen und Muslime sehen hierzulande wie überall auf der Welt nun einem Ramadan unter außergewöhnlichen Umständen entgegen. Gerade deshalb wünsche ich Ihnen und Ihren Familien eine friedvolle, gesegnete und gesunde Zeit.
Das Coronavirus sorgt dieses Jahr für einen außergewöhnlichen Ramadan für Muslime in Deutschland. Wegen der Beschränkungen wird es keine großen Zusammenkünfte zum Fastenbrechen oder nächtliche Gebete in der Moschee geben. Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime und neunter Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt. In diesem Monat essen und trinken Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts.

NEX24 Interview
Interview: „Schlachten wir Türken, damit Armenien entsteht!“

Prof. Dr. Haluk Selvi ist Professor an der Universität von Sakarya und Direktor des Forschungszentrums für türkisch-armenische Beziehungen. Er studierte an der Universität von Erzurum Geschichte und promovierte anschließend zum Thema „Erzurum während des nationalen Befreiungskrieges“. Der renommierte Historiker ist zudem Verfasser zahlreicher Bücher und Artikel zur neueren türkischen Geschichte und gilt als ausgewiesener Kenner der „Armenischen Frage“. NEX24: In Ihrem Werk mit dem Titel „Mihran Damadyan – Die Bekenntnisse eines armenischen Untergrundkämpfers“ schildern Sie eindrucksvoll die Organisationsstruktur und die Ambitionen armenischer Milizen, die in der Spätzeit des Osmanischen Reiches für etliche Gewaltakte, politische Morde und aufwieglerische Aktivitäten verantwortlich waren. Inwiefern sind die Aktionen der armenischen Milizen im Kontext der Zwangsumsiedlung der osmanischen Armenier relevant? Prof. Selvi: Die Umsiedlung der Armenier während des Ersten Weltkriegs kann nicht alleine im Hinblick auf die Ereignisse des Jahres 1915 bewertet werden. Die Entscheidung zur Zwangsumsiedlung von 1915 war vielmehr die letzte Etappe einer langen Entwicklung, die ihren Anfang 40 Jahre zuvor genommen hatte. Den Stein ins Rollen brachten armenische Milizen, die eine massive Unterstützung aus dem Ausland erfuhren. Aus diesem Grund ist es eminent wichtig die Gründung, die Arbeitsweisen und die Ambitionen armenischer Organisationen wie der Ramgavar, Hunchak und Daschnaksutyun zu verstehen. Ohne die nötige Kenntnis über diese Verbände können die Hintergründe und die Folgen der Zwangsumsiedlung nicht nachvollzogen werden.
„Insofern lesen sich die Geständnisse Mihran Damadyans in der Tat wie ein Offenbarungseid, denn sie legen die nackten Tatsachen vor Augen, die maßgeblich waren bei der Umsetzung der Aktionen.“
Nicht ohne Grund verschweigen die noch heute aktiven armenischen Verbände, mit der massiven Unterstützung der mächtigen armenischen Diaspora, die Aktivitäten der armenischen Milizen während des Ersten Weltkriegs. Über die eigene Verantwortung wird nicht gesprochen und unablässig gegen die damalige osmanische Regierung und gegen die türkische Bevölkerung ins Feld gezogen. Die fruchtlosen Gespräche zwischen der osmanischen Regierung und den Führungen der Daschnaksutyun und Hunchak Verbände zwischen den Jahren 1912 und 1915 und die Resolutionen der armenischen Organisationen auf ihren Parteitagen, waren letztlich die wahren Gründe für den Beschluss zur Zwangsumsiedlung. Noch vor Kriegsausbruch positionierten sich die armenischen Komitees auf der Seite der Kriegsgegner, dem zaristischen Russland und Großbritannien, was de facto einer Kriegserklärung gegen den eigenen Staat, dem Osmanischen Reich, gleichkam. Kurzum, die Aktivitäten der armenischen Verbände, die in jeder anatolischen Stadt organisiert waren, waren der Hauptgrund für den Beschluss der osmanischen Regierung, die Armenier auszusiedeln. NEX24: Wir möchten Sie im Übrigen für dieses sehr beachtenswerte Werk gratulieren. Es packt den Leser und taucht mit ihm in eine turbulente Zeit voller politischer wirren. Welche Quellen haben Sie denn für Ihre Forschungen herangezogen? Prof. Selvi: Ich bin dem Manzara Verlag für die Übersetzung und Veröffentlichung meines Buches sehr dankbar. Hinter jeder Publikation, hinter jeder wissenschaftlichen Abhandlung steckt eine Geschichte. So ist es auch im Falle des Buches zu Mihran Damadyan, aus dem Sie, buchstäblich wie in einem fesselnden Kriminalroman, über das Leben und Wirken eines Milizionärs erfahren können. Ich stieß während meiner Studien zu meiner Dissertation über die ost-anatolische Stadt Erzurum in der Zeit des türkischen Unabhängigkeitskrieges (1918-1923) auf die Geständnisse des Mihran Damadyan im osmanischen Archiv des Ministerpräsidialamtes in Istanbul. Mir fiel auf, dass der Name dieses Aktivisten, selbst unter den ausgewiesenen Kennern dieser Materie, gänzlich unbekannt war. Im Zuge der Übersetzung dieser Dokumente aus dem Osmanischen in das moderne Türkisch wurde mir klar, dass es sich bei Mihran Damadyan um einen bedeutenden Führer der Hunchaken handelte. Seine umfassenden Geständnisse beinhalteten zudem dermaßen brisante Details, die ich unbedingt weiter beleuchten musste.
„Seine Geständnisse belegen, dass diese Tat auf Befehl des britischen Daily News Korrespondenten in Athen, Fitzgerald, ausgeführt wurde.“
      Natürlich hat auch mein persönliches Interesse einen nicht unerheblichen Beitrag dazu beigetragen, mich dem Thema weiterhin zu widmen. Die Aktionen der Hunchaken, der Aufstand von Sasun, die Rolle Großbritanniens bei alledem und die ersten armenischen Aufstände in Ost-Anatolien waren wichtige Stationen und Ankerpunkte in der Vita dieses Mannes. Artikel aus der zeitgenössischen europäischen Presse, osmanische Archivbestände und Abhandlungen über Armenier bilden die Quelle dieser Arbeit. Das vorliegende Buch gibt im Lichte der Dokumente und Quellen die Ereignisse jener Zeit aus einem objektiven Blickwinkel wieder. Ich wollte nicht kommentieren, sondern als beobachtender Dritter die Geschehnisse wiedergeben. Dabei nimmt Sie Mihran mit auf eine kleine Odyssee bei der Sie mal in Italien, mal in Frankreich, mal in Syrien einen Halt einlegen. Dann folgen Sie Mihran nach Istanbul, Paris, Athen oder landen in der anatolischen Provinz im Mus. Sie lernen das Doppelleben des Grundschullehrers Mihran kennen, der in den typischen Gewändern eines Muslims armenische Dörfer überfällt, dann als armenischer Milizionär muslimische Siedlungen tyrannisiert. Sie erfahren auch von seinen Kontakten zu Ausländern, nach deren Anweisung er offensichtlich handelt. So zettelt er im Schulterschluss mit dem Armenier Hamparsum Boyaciyan den ersten Aufstand in der anatolischen Stadt Sasun an. Seine Geständnisse belegen, dass diese Tat auf Befehl des britischen Daily News Korrespondenten in Athen, Fitzgerald, ausgeführt wurde. Andere interessante Erkenntnisse gewinnen wir beispielsweise über Russland: Um nicht in die inneren Angelegenheiten des Osmanischen Reiches verwickelt zu werden, führten die Russen stets das Argument ins Feld vor, dass sie erst dann intervenieren würden, wenn es den Armeniern Anatoliens schlecht ginge. Um das Eingreifen des Zarenreiches zu erwirken, beginnen die Übergriffe auf unschuldige Zivilisten im Osten des Osmanischen Reiches. Insofern lesen sich die Geständnisse Mihran Damadyans in der Tat wie ein Offenbarungseid, denn sie legen die nackten Tatsachen vor Augen, die maßgeblich waren bei der Planung und Durchführung der Aktionen. NEX24: Bei der Lektüre Ihres Buches bekommt man schnell den Eindruck, dass es sich bei den armenischen Komitees um recht gut organisierte und strukturierte Verbände gehandelt haben muss. Irritierenderweise werden diese Komitees in manchen Quellen auch als „Banden“ bezeichnet. Können Sie bitte den Aufbau dieser Organisationen kurz schildern? Wie viele armenische Komitees waren im Osmanischen Reich aktiv? Bestanden zwischen ihnen ideologische Unterschiede? Prof. Selvi: Die Gründung der ersten armenischen Organisationen im Osmanischen Reich beginnt unmittelbar nach dem Berliner Kongress von 1878. Patriarch Kirimyan, der an den Verhandlungen des Kongresses teilnahm, forderte von den beteiligten Vertretern der Großmächte die Errichtung einer föderalen Struktur, in der den Armeniern ein Bundesstaat in Ost-Anatolien zugestanden werden sollte. Er ging allerdings leer aus, denn mehr als ein Versprechen für die Durchführung von Reformen konnte er von den Delegierten der europäischen Mächte nicht abringen. Patriarch Kirimyan nahm sich die Unabhängigkeitsbewegungen auf dem Balkan zum Vorbild, in der Serben, Montenegriner, Rumänen und Bulgaren erst nach einem fünfzig Jahre andauernden bewaffneten Kampf, zahllosen Aufständen und massiver Unterstützung europäischer Mächte die Unabhängigkeit erlangten. In seinen Predigten in Van und Jerewan propagierte der Patriarch den bewaffneten Kampf als einzige Lösung und lieferte somit Segen und Anlass für die Gründung der ersten armenischen Verbände. Schnell kristallisierten sich die Provinzen Erzurum und Van zu Hot Spots armenischer Komitees und gerieten ins Visier osmanischer Gesetzeshüter, deren Vorkehrungen den Exodus der Verbände ins Ausland veranlassten.
„Antranik, der […] verantwortlich für unzählige Massenmorde war, wurde für seine Verbrechen nicht nur von den politischen Organisationen der Armenier verehrt, sondern auch mit Ovationen westlicher Regierungen überhäuft.“
Die Unterstützung, die den Komitees aus Russland und Großbritannien zuteilwurde, lieferte schließlich die nötige Motivation, um weitere Organisationen zu gründen und die bestehenden auszubauen. Zu den einflussreichsten und bis heute aktivsten armenischen Vereinigungen zählen die Hunchak (deutsch: Glocke) und Daschnaksutyun (Armenische Revolutionäre Föderation). Beide Organisationen, die zwischen 1888 und 1890 von russischen Armeniern in Genf und Tiflis gegründet wurden, vermochten in kürzester Zeit eigene Zeitungen zu publizieren und Pamphlete zu veröffentlichen, um in Anatolien ansässige Armenier gegen ihre eigene osmanische Regierung aufzuwiegeln. Beide Vereinigungen verfolgen sozialistische Ziele und sehen den Terror als legitimes Mittel zum Zweck. Mit Gewaltakten gegen Andersdenkende unter Armeniern und gegen Türken gehört zu Ihrem Programm. NEX24: … das waren sozusagen Aktivisten, die im Anzug und in polierten Lackschuhen unterwegs waren. Aber was waren dann diese sogenannten „armenischen Banden“? Prof. Selvi: Neben diesen gebildeten und weitsichtigen sozialistischen Armeniern gab es unzählige armenische Milizen, die in den zerklüfteten Bergregionen Ostanatoliens den bewaffneten Kampf gegen den osmanischen Staat aufgenommen hatten und in eine Allianz mit den beiden armenischen Organisationen eingegangen waren. Die Hunchak und Daschnaksutyun Organisationen versorgten nach relativ kurzer Zeit diese armenischen Kampfverbände mit Geld, Waffen und strategisch wichtigen Informationen, damit diese unter der Leitung von berüchtigten Milizenführern wie Antranik, Dro und Hamazsb ihre Aktivitäten fortsetzen konnten. Die Verzahnung beider Strukturen war so offensichtlich, dass sogar auf einem Kongress der Daschnaken im Jahre 1904 Antranik zum “Anführer der Kampfeinheiten in den Bergregionen” gewählt wurde. Antranik, der zwischen den Jahren 1900 und 1919 in Ost-Anatolien, auf dem Balkan und im Kaukasus verantwortlich für unzählige Massenmorde war, wurde für seine Verbrechen nicht nur von den politischen Organisationen der Armenier verehrt, sondern auch mit Ovationen westlicher Regierungen überhäuft. Mit unseren intensiven Archivrecherchen über Antranik konnten wir die unerbittliche Härte und Brutalität aufzeigen, mit der der armenische Milizenführer gegen unschuldige Zivilisten vorging. (Haluk Selvi, “Anadolu’dan Kafkasya’ya Bir Ermeni Çete Reisi: Antranik Ozanyan, VIII. Askeri Tarih Semineri, Ankara, 2001) NEX24: Terrororganisationen benötigen beachtliche Finanzmittel, um derartige Aktionen durchzuführen. Das ist auch heute so wie vor 100 Jahren der Fall. Woher und wie bezogen die armenischen Komitees ihre Geldmittel? Prof. Selvi: Die armenischen Kampfverbände in den Bergen stützten sich in wirtschaftlicher Hinsicht auf die armenischen Bewohner Ost-Anatoliens. Auch Russland förderte die armenischen Milizen, nachdem diese an Einfluss gewannen. Während die Milizionäre Waffen und Munition aus dem Iran und Russland bezogen, trieben sie alles Weitere gewaltsam von armenischen und muslimischen Dörfern ein. Russische Waffen, typische Kleidungsstücke wie die russische Fellmütze und Munition wurden bei der Gefangennahme von Milizionären aus dem Umfeld von Antranik und Dro sichergestellt. In den südlicheren Regionen hingegen war die Unterstützung Großbritanniens und Frankreichs viel offensichtlicher. Aus dieser Vielzahl an armenischen Milizen stachen vor allem die Hunchaken und Daschnaken durch ihre Professionalität besonders hervor. Wohlhabende Armenier im Inland und Kirchen schröpften diese Milizen als Finanzquellen. Wer Zahlungen verweigerte musste mit der Entführung des eigenen Nachwuchses rechnen oder damit, dass das eigene Geschäft lichterloh in Flammen aufging. Über die Verwendung der eingetriebenen Gelder kam es häufig zu Verwerfungen unter den Armeniern, was nicht selten mit internen Fehden ausgetragen wurde und tödlich endete. (Diese internen Auseinandersetzungen wurden mit Belegen aus Archivbeständen dokumentiert und in einer wissenschaftlichen Arbeit zusammengefasst: Haluk Selvi, Millet-i Sadıkada İsyan-Ermeni Komitacılarının Gizli Mektupları (1878-1923), İstanbul, 2011)
„Durch eine politische Indoktrination der armenischen Bevölkerung sollte sie in einem landesweiten Volksaufstand gegen die osmanische Obrigkeit aufgewiegelt werden – dies war das Hauptziel.“
Vor allem diese beiden Milizen, die die Saat für die sogenannte Armenische Frage streuten, finanzierten sich durch Schutzgelderpressungen, Spendenaktionen und waren sich dem Rückhalt der Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und Russlands sicher. Ihre Budgets speisten sich zudem aus dem Verkauf eigener Publikationen wie Zeitschriften und Zeitungen und aus Zuwendungen amerikanischer Missionare. Vor allem letztere erwiesen sich als besonders umtriebig und errichteten im 19. Jahrhundert in allen anatolischen Städten Schulen und sonstige Einrichtungen speziell für die osmanischen Armenier. Sie wiesen auf die Situation der christlichen Glaubensbrüder hin und trieben so von anderen Missionseinrichtungen und Kirchen große Spenden ein. (Sehen Sie hierzu wiederum Haluk Selvi, “Terör Eylemlerine Tarihsel Bir Yaklaşım: Osmanlı Devleti’nde Ermeni Terör Eylemleri ve Yurtdışı Bağlantıları”, Uluslararası Güvenlik ve Terörizm Dergisi, Vol.21.) NEX24: Und wie groß war der Einfluss armenischer Milizen auf die osmanischen Armenier, die ja im Osmanischen Reich gemeinhin als millet-i sadıka bezeichnet wurden, was übersetzt „treue Bürger“ bedeutet? Prof. Selvi: Bis zur Proklamation der zweiten konstitutionellen Monarchie im Jahre 1908, der Legalisierung der armenischen Komitees wie der Hunchaken und der Daschnaken, der Begnadigung der Komiteeangehörigen und ihrem Einzug in das Parlament als Abgeordnete, galten diese als Terroristen und wurden gemeinhin von den osmanischen Armeniern auch als solche wahrgenommen. Allerdings mussten viele Armenier aus Furcht vor diesen Verbänden den Forderungen dieser Komitees nachkommen. Durch eine politische Indoktrination der armenischen Bevölkerung sollte sie in einem landesweiten Volksaufstand gegen die osmanische Obrigkeit aufgewiegelt werden – dies war das Hauptziel. Bis ins 19. Jahrhundert waren die Armenier in den Metropolen des Reiches und auf dem Land weitgehend zufrieden mit ihrer Situation. Sie genossen Freiheiten und hatten sich einen Wohlstand erarbeitet – Verhältnisse, die nicht einmal den Armeniern im Russischen Reich vergönnt waren. Nichtsdestotrotz gelang es den armenischen Milizen von Zeit zu Zeit armenische Reichsbürger aufzuwiegeln und sie mit der Verheißung eines unabhängigen armenischen Staates auf die Barrikaden zu bringen. Unter den kaukasischen Armeniern stießen die Komitees eher auf Ablehnung, denn diese beäugten die revolutionären Milizionäre mit Argwohn und fürchteten eine Destabilisierung ihrer Situation im Russischen Reich. Selbst der erste armenische Ministerpräsident Ovannes Katschaznouni gestand auf einer Versammlung der Daschnaken in Bukarest die Fehler der Armenier ein und die daraus resultierenden enormen Verluste für sein Volk. Im Übrigen ist auch diese Kritik Katschaznounis als Buch veröffentlicht worden. NEX24: Lobby-Historiker verbreiten über Mihran Damadyan in der westlichen Öffentlichkeit beflissen das Image eines Saubermannes. Mal ist er ein „Schriftsteller“, mal ein „Freiheitskämpfer“, dann ein „Pädagoge“. Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, liegt auf der Hand. Unbeirrt werden Straftäter wie Tehliryan, Torlakyan, Monte Melkonyan als Helden stilisiert. Dem als „Schächter von Kars“ berüchtigten General Dro, alias Drasdamat Kanayan, und dem Attentäter Tehliryan wurden gar Denkmäler errichtet. Das zeugt von einem sehr verfälschten Geschichtsverständnis. Was wird mit dieser (falschen) Heldenverehrung bezweckt? Prof. Selvi: Jedes Volk hat seine Helden und diese Helden wurden in den Erwartungen dieser Völker geboren. Bei den Armeniern existieren auch einige historische Gestalten als Helden. Die armenischen Helden unseres Zeitabschnitts beginnen ab den 1890er Jahren bis in unsere heutige Zeit. Antranik, Hamazsb, Dro, Armen Garo (Karekin Pastırmacıyan, Tehliryan, Melkonyan usw.). Das wesentliche Merkmal bei diesem Personenkreis besteht darin, dass es sich hierbei um bewaffnete Aktivisten handelt, die die türkische Bevölkerung grausam malträtiert haben. Sie sind es, die den Terror im Osten Anatoliens entfacht hatten und verantwortlich waren für die Benachteiligung des armenischen Volkes. Sie waren es, die behaupteten wegen den Armeniern aus Rache zur Waffe gegriffen zu haben.
„Als Kriegsverbrecher Antranik nach Kriegsende 1919 nach Paris kam, veranstaltete die französische Regierung zu seinen Ehren Festlichkeiten. Am Ende schmückten seine Brust zahlreiche Orden, die ihm vom französischen Präsidenten verliehen wurden.“
Sie waren es wiederum, die in der europäischen Öffentlichkeit wie Helden empfangen und mit Orden geehrt wurden. Sie waren es, die bei den Balkankriegen 1912 mit einer schlagkräftigen Einheit von 2.000 Mann in der bulgarischen Armee in der Gegend von Tekirdağ und Edirne Tausende von unschuldigen Zivilisten ermordeten. Antranik, der muslimische Dörfer überfiel, wurde nach dem Krieg vom bulgarischen Zar Ferdinand mit [militärischen] Orden geehrt. Letztes Jahr wurde von ihm in Plowdiw eine Statue eingeweiht. Dieser Milizenchef, der während des Ersten Weltkriegs die armenischen Freiwilligeneinheiten anführte und in der russischen Armee diente, wurde von diesen zum Generalsrang befördert. In unseren Archivbeständen sind die Namen aufgeführt und in den Regionen Erzurum, Van und Berg-Karabach hat dieser mindestens 150.000 Zivilisten ermorden lassen. Aber in einem Hunchaken-Marsch heißt es: “Lass uns in die Türkei gehen Bruder Antranik, schlachten wir die Türken, damit Armenien entsteht.” Als Kriegsverbrecher Antranik nach Kriegsende 1919 nach Paris kam, veranstaltete die französische Regierung zu seinen Ehren Festlichkeiten. Am Ende schmückten seine Brust zahlreiche Orden, die ihm vom französischen Präsidenten verliehen wurden. Die Begründung hierfür konnte nach seinem Tod auf dem Denkmal des Pariser Nationalfriedhofs nachgelesen werden: “Zu Ehren der im Osten für Frankreich kämpfenden und gefallenen Armenier.” Das imperialistische Europa und Russland hatten die zunächst unbeteiligten Armenier des Ostens instrumentalisiert, dann in die Berge getrieben und schließlich 1923 fallen gelassen. Wie 1970, 1980 und 1990, benutzen diejenigen, die mit der Türkei ein Hühnchen zu rupfen haben, weiterhin die Armenier und Armenien mit den Ereignissen von 1915. Die über 1.000 Vereine der armenischen Diaspora in der Welt halten ihr Auskommen mit der “Genozid-Industrie” aufrecht. Treibe es bei den reichen Armeniern ein und gebe es aus, wenn du es brauchst… Die Massaker, die Antranik zwischen 1892-1920 durchführte, setzten Melkonyan und Kotscharyan in Berg-Karabach und Hodschali fort. Die Sichtweise des demokratischen und modernen Europas, Russlands, der Europäischen Union, der USA und der armenischen Nationalisten gegenüber Antranik und Melkoniyan ist identisch; Sie werden zu Freiheitskämpfern und Helden stilisiert. Was ist mit den ermordeten unschuldigen Märtyrern, die Frauen, die Kinder, die alten Leute…? Wessen Schuldige oder Helden sind sie? Die Menschheit muss das hinterfragen. NEX24: In der westlichen Öffentlichkeit ruft das Stichwort „Armenische Frage“ stets das Bild des armenischen Opfers ins Bewusstsein der Menschen. Im Westen ist die Vorstellung verbreitet, dass armenische Zivilisten mit Gewalt umgesiedelt, massakriert und sogar einem Völkermord zum Opfer gefallen sein sollen. Diese Perzeption ist nicht zuletzt der seit einhundert Jahren andauernden armenischen Lobbyarbeit geschuldet. Im Gegensatz zur westlichen Wahrnehmung steht die „Armenische Frage“, sowohl in der Türkei als auch in Aserbaidschan, als Synonym für groß angelegte Massaker an der muslimischen Zivilbevölkerung. Welche Rolle spielten bei diesen ethnischen Säuberungen die armenischen Milizen? Warum wurden diese Gewaltverbrechen an wehrlosen Muslimen verübt? Prof. Selvi: Damit die Armenier die Unabhängigkeit erlangen konnten, bedurfte es provokativer Handlungen, um gegenseitige Massaker anzustacheln, so wie es Europa herbeigesehnt hatte. So entstanden die ersten armenischen Aktionen. Obwohl bei diesen Aktionen wesentlich mehr Türken getötet wurden, hat die europäische Öffentlichkeit die Ereignisse gerade umgekehrt bewertet und behandelt. Somit wurde das angestrebte Ziel erreicht. Um aus dem Provinzen Erzurum, Van, Bitlis, Diyarbakır, Sivas, Elazığ und Trabzon ein Armenien zu gründen, musste man dafür entsprechend die demografischen Strukturen schaffen. Die Armenier waren in diesen Gebieten in der Minderheit. Um die entsprechenden demografischen Strukturen zu realisieren, gab es zwei Methoden: Erstens, die Türken gewaltsam zu vertreiben und zweitens, bei den vor Ort gebliebenen ein Gemetzel anzurichten. Während des Ersten Weltkriegs, als Erzurum, Erzincan, Bayburt, Trabzon und Van unter russischer Besetzung standen, wurde nahezu die Hälfte der osmanischen Bürger von den Hilfstruppen der Russen, den armenischen Milizen, nach Mittelanatolien vertrieben und weite Landstriche entleert. Die Maßnahmen fruchteten, denn die demografischen Strukturen änderten sich allmählich zugunsten der Armenier. Als jedoch 1917 in Russland die bolschewistische Revolution ausbrach und die zaristischen Truppen den Rückzug antraten, verließen ihre armenischen Schergen mit ihnen und eine breite Blutspur durchzog Ostanatolien: Sie betrieben buchstäblich eine Politik der verbrannten Erde: Hinter ihnen lagen Ruinen, lodernde Städte, Massengräber und ein Heer an verwaisten Kindern. NEX24: Das sind in der Tat die Szenen, die im kollektiven Bewusstsein der Menschen in der Türkei und in Aserbaidschan verankert sind. Es ist so als, ob sich die armenische Gewalt in Karabach wiederholt. Warum konnten weder die Türken in Anatolien noch in Aserbaidschan ihre eigene Opferrolle in der armenischen Frage nicht ausreichend zur Sprache bringen? Wie kann diese Schieflage in der Darstellung der Ereignisse behoben werden und welche Hausaufgaben müssen die Türken in der Diaspora machen? Prof. Selvi: Eigentlich hat die Türkische Republik nach dem Vertrag von Lausanne es vorgezogen mit dieser Angelegenheit abzuschließen, mit einem neuen Geist in die Zukunft zu blicken. In der Absicht sich außenpolitisch mit der internationalen Staatengemeinschaft zu integrieren hat sie den Weg des Friedens gewählt. Diese Denke gehört sogar zur Staatsdoktrin und wurde im Leitsatz von Staatsgründer Atatürk “Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt” treffenderweise zusammengefasst. Kurzum, die junge Republik wollte alle Feindseligkeiten vergessen. Nach Lausanne hat allerdings die armenische Diaspora und die Armenische Republik in einem veröffentlichten Kommuniqué an die führenden europäischen Staaten erklärt “Ihr habt uns wieder im Stich gelassen, aber wir werden an unseren Ansprüchen in Ostanatolien festhalten.
„Ferner hielt der Westen, der die [armenische] Angelegenheit initiierte und konstruierte, das armenische Narrativ für immer glaubwürdig.“
Wir werden als Einheit arbeiten und die neuen Generationen mit diesem Bewusstsein erziehen und die Ereignisse von 1915 nicht in Vergessenheit geraten lassen. Als in den 1970er Jahren die Anschlagsserie der armenischen Terrororganisation ASALA gegen die Bürger der Türkischen Republik und deren Einrichtungen begannen, gab es in der Türkei ein Umdenken und man begann über das Thema zu forschen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Armenier Tausende von Büchern und Artikeln veröffentlicht und an jedem 24. April waren sie in den Städten in Europa und den USA in der Öffentlichkeit sehr effizient. Für die in der Diaspora lebenden fast vier Millionen Armenier ist die „Genozid-Psyche“ ein Existenzgrund, um nicht aufgelöst zu werden. Wenn dieser kleinste, identitätsstiftende gemeinsamer Nenner verschwinde, so ihre Ansicht, würden auch die Armenier in den Gesellschaften, in denen sie lebten, sich auflösen und sich assimilieren. Ferner hielt der Westen, der die [armenische] Angelegenheit initiierte und konstruierte, das armenische Narrativ für immer glaubwürdig. Den Sachverhalt des Genozids haben zwischen 1890-1915 die für Europa und die USA als heilig geltenden Missionare sowie die als Führungspersönlichkeiten geltenden Diplomaten und Staatslenker aufgebaut. Aus diesem Grund wurden die Armenier in Europa und den USA schon immer als das Opfervolk angesehen. Doch das sollte kein Hindernis darstellen, um die Wahrheit über die Ereignisse von 1915 vorzutragen. In den letzten 20 Jahren wurden zu diesem Thema sehr viele Dissertationen geschrieben und Bücher dazu veröffentlicht. Diese Arbeiten müssen der Weltöffentlichkeit zugängig gemacht werden. In den letzten Jahren haben die beiden Staaten, die Türkei und Aserbaidschan, ihre Arbeiten in der Diaspora forciert. Der wichtigste Grund warum sie in dieser Frage bisher zurückgeblieben sind, besteht darin, dass sie im Besitze eines Staates sind und auf internationaler Ebene sich nicht mit anderen Völkern auseinandersetzen wollen. Jetzt haben sie viel Arbeit vor sich. Nach dem Vorbild der Griechen, der Armenier und der Juden sollten auch die Angehörigen der türkischen Diaspora Verbände gründen, und Aufklärungsarbeit in eigener Sache betreiben. Wir befinden uns in einem Informationszeitalter und die Menschen haben verschiedene Möglichkeiten, um sich zu informieren. Wenn die Türken über sich nicht selbst erzählen, werden ihre Widersacher, wie vorher auch, sie weiter herabwürdigen und mit falschen Verdächtigungen fortfahren. NEX24: Herr Professor Selvi, die armenische Diaspora bzw. ihre Lobbygruppierungen und die von ihnen bezahlten Historiker üben mit aller Macht Druck auf nationale Parlamente aus und versuchen so die Geschehnisse des Jahres 1915 zu politisieren. So beugte sich der Bundestag 2016 dem Einfluss der armenischen Lobbygruppierungen und bezeichnete in einem Bundestagsbeschluss die armenischen Verluste als Völkermord. Dem schloss sich letztes Jahr auch der US-Senat an. Wie bewerten sie als Wissenschaftler diese Entwicklung, in der sich Lobbygruppierungen und Politiker diesem Thema annehmen? Prof. Selvi: Um ihre historischen Bestrebungen zu verwirklichen, versuchen griechische und armenische Lobbyorganisationen die Ereignisse zwischen 1915-1923 als ein gegen sie begangenen Genozid darzustellen. Um diesen Plan umzusetzen, müssen gewisse Etappen durchlaufen werden. Zunächst erkennen die politischen Institutionen der europäischen Staaten und der USA diese Ereignisse als Genozid an und diese Staaten üben dann gegenüber der Türkei politischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck aus, und sorgen dafür, dass sie [die Türkei] den vermeintlichen Völkermord anerkennt. Nachdem die Türkei die Ereignisse als Genozid anerkannt hat, soll sie zur Zahlung von Schmerzensgeld an die Nachkommen der angeblich getöteten und zu Reparationszahlungen an die zuständigen Staaten verurteilt werden. Diese Verurteilung würde auf der anderen Seite ein Eingeständnis über die demografische Mehrheit der Armenier und Griechen in Ostanatolien und im Schwarzmeergebiet bedeuten. Im Endeffekt würde für die Gebietsansprüche eine rechtliche Grundlage geschaffen. In der Tat haben bis heute weder Armenien noch Griechenland ihre Gebietsansprüche gegenüber der Türkei aufgegeben. Da allerdings die Beweise über die Ereignisse zwischen 1915-1923 zum angeblichen Genozid fehlen, wird versucht über Schulbücher, den Gesellschaften darüber das Bewusstsein zu vermitteln und über politische Institutionen die Türkei zu verurteilen. Wenn beide Staaten Beweise für ihre Anschuldigungen zum armenischen und pontischen Genozid hätten, müssten sie vor internationalen Gerichten Klage einreichen. Da sie aber diesen Weg nicht beschreiten können, versuchen sie es über die Parlamente und über die Überzeugung der Bevölkerung.
„Die türkischen Archive sind für alle geöffnet. Allerdings sind die armenischen Archive noch immer nicht für Forscher frei zugänglich. Die Archivdokumente belegen, dass es sich bei den Ereignissen von 1915 um keinen Genozid handelt. Die Welt sieht sozusagen darüber hinweg.“
NEX24: Wird denn auf diese Art und Weise die Geschichte nicht instrumentalisiert, um ein gewisses politisches Ziel zu erreichen? Prof. Selvi: Was Armenier und Griechen bewerkstelligen ist weltweit beispiellos. Die Armenier, die zwischen 1890-1923 aus unterschiedlichen Gründen Anatolien verlassen haben, lebten mit den Türken in unmittelbarer Nachbarschaft und sie kannten sich wirklich gut. Sie wussten nur allzu gut, wie besonnen ihre türkischen Landsleute waren. Aber die dritte Generation der armenischen Jugend in der Diaspora verknüpft mit einem “Türken” etwas sehr Negatives. Das ist der Propagandaarbeit der Daschnaken und Hunchaken an diesem Volk geschuldet. Solange ihnen, den Armeniern, niemand beisteht, würden sie weiter leiden. Geschichtsklitterung bringt den Völkern keine Freude, sondern stellt eher eine Belastung dar und ist mit Frustrationen verbunden. NEX24: Recep Tayyip Erdogan forderte während seiner Amtszeit als Ministerpräsident der Türkei die Berufung einer vor Armeniern und Türken paritätisch besetzten Historikerkommission. Warum verweigert die armenische Seite die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte? Prof. Selvi: Derartige Versuche hat es in den letzten 20 Jahren mehrfach gegeben. Die türkische Seite sowie Historiker und Politiker der armenischen Seite kamen zusammen, um über historische Ereignisse und insbesondere über die Vorfälle von 1915 zu sprechen. Der letzte Versuch zwischen Türken und Armeniern eine Friedensbande zu knüpfen und die Absicht die gemeinsame Vergangenheit aufzuarbeiten, wurde seitens der armenischen Komitees, die aus dem Genozid-Kommerz ihre Existenzberechtigung ableiten und von europäischen Politikern zunichtegemacht. Die Föderation für Gerechtigkeit und Demokratie, die die in Europa lebenden Armenier bei den Institutionen der EU öffentlich repräsentiert, hat die zwischen Türken und Armeniern in Paris gegründete Türkisch-Armenische Organisation für Zusammenarbeit (FRAT) verurteilt und wiederholte, der Weg des Dialogs führe über die Anerkennung des Genozids von 1915 durch die Türkei. Nach türkischer Auffassung sollten geschichtliche Ereignisse Historikern überlassen werden, was auch heute noch seine Gültigkeit hat. Dass armenische Historiker sich an einen Tisch setzen, war schon außergewöhnlich. Aber nach der dritten Zusammenkunft zogen sich die armenischen Historiker von den Gesprächen zurück, da auf sie ein sehr großer Druck ausgeübt wurde. Die Diaspora-Organisationen befürchteten, dass alle ihre Bemühungen der letzten 100 Jahre für die Katz sein könnten. Nach ihrer Auffassung ist der Sachverhalt des “Armenischen Völkermords” in Frage gestellt worden, der durch die Weltöffentlichkeit akzeptiert wurde. Türkische und armenische Historiker diskutierten, ob das der Wahrheit entsprach und das war inakzeptabel. Wegen dieser Herangehensweise stellen sich die Armenier entschieden gegen eine Diskussion von Historikern. Die türkischen Archive sind für alle geöffnet. Allerdings sind die armenischen Archive noch immer nicht für Forscher frei zugänglich. Die Archivdokumente belegen, dass es sich bei den Ereignissen von 1915 um keinen Genozid handelt. Die Welt sieht sozusagen darüber hinweg. Das Interview führten Ferhat Avşar und Kemal Bölge

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Zum Thema – NEX24 Interview –

Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“

Zu Yves Bénard: “Um der Gerechtigkeit willen” lautet das Credo des franzöischen Historikers, der sich durch seinen kritischen Geist und mit einer gehörigen Portion Neugier ausgestattet in die historischen Archive verschiedener Staaten begab. Herausgekommen ist ein hoch interessantes Buch, das exemplarisch ist für eine sachliche Darstellung der Ereignisse.

Französischer Historiker: „Die Verbrechen der armenischen Milizen sind in Vergessenheit geraten“
 

Österreich
MMA-Kämpfer Wilhelm Ott zum Islam konvertiert

Wien – Der österreichische Profi MMA-Kämpfer  Wilhelm Ott ist zum Islam konvertiert. Die Corona-Krise und die Ausgangssperren hätten ihm die Ruhe gegeben, um zum Glauben zu finden. Wie der 37-jährige Kampfsportler auf Instagram mitteilte, habe er sich seit vielen Jahren für den Islam interessiert, sich jedoch politisch beeinflussen lassen und letztlich davon abgewendet. In schwierigen Zeiten habe der Islam ihm die notwendige Kraft gegeben, so Ott weiter. Sein Glaube sei nun stark genug, um „den einzig wahren Gott“ anzuerkennen und die Schahada auszusprechen. Er könne nun mit Stolz sagen, dass er Muslim ist. Ott spricht in dem Video die Schahada aus. Die Schahada ist das Glaubensbekenntnis des Islams, das die erste der fünf Säulen des Islam bildet.
„Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer Allah und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“
(Aschhadu an la-ilaha-ill-allah wa aschhadu enna muhammadan rasulullah) In einem weiteren Video dankt Ott dem türkischen MMA-Kämpfer Burak Kizilirmak, der ihm einen Koran und Gebetsteppich geschenkt habe. Gemeinsam mit weiteren Gläubigen habe er das Freitagsgebet verrichtet.  Auf Instagram hat der österreichische Kämpfer den Namen „Khalid“ hinzugefügt. https://www.instagram.com/p/B_FilhugD-_/

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