"Nationale Hafenkonzept"
Bundesregierung will mehr Frauen in Hafenwirtschaft

Berlin (dts) – In den deutschen Häfen sollen künftig mehr Frauen arbeiten. Das sieht das „Nationale Hafenkonzept“ der Bundesregierung vor, das das Bundeskabinett am Mittwoch beschließen soll und über das die „Welt“ berichtet. Die Koalition ist demnach überzeugt, dass in den Häfen die Arbeitsplätze für Frauen durch die „fortschreitende Automation und Veränderung der Arbeitsabläufe im Hafenumschlag interessant und geeignet“ werden. Die Hafenbetriebe sind laut Konzept aufgefordert, Frauen auszubilden und zu beschäftigen, um ihren Facharbeiterbedarf zu abzudecken. Die Hafenwirtschaft wird dabei explizit aufgefordert, Frauen und Männer bei gleicher Arbeit gleich zu entlohnen. Auch soll die Branche ihren Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten. Zudem sieht das Papier vor, Engpässe bei der Unter- und Außenelbe, der Unter- und Außenweser sowie am Mittel- und Niederrhein zu beseitigen. Ein 350 Millionen Euro schweres Ausbauprogramm soll die Schienenanbindungen an die Häfen verbessern. Die Bundesagentur für Arbeit soll zusätzlich mit bis zu 30 Millionen Euro bis zu 1.000 Menschen zu Facharbeitern für die Einstellung in den deutschen Seehäfen qualifizieren. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der das Hafenkonzept ins Kabinett einbringt, sagte der „Welt“: „Deutschland ist eine der weltweit größten Schifffahrtsnationen. Diese Spitzenposition wollen wir halten. Wir machen unsere Schifffahrt deshalb fit für das global-digitale Zeitalter.“

Neumann-Rücktritt
Hamburg: Andy Grote wird neuer Innensenator

Hamburg (dts) – Der SPD-Politiker Andy Grote wird Hamburgs neuer Innen- und Sportsenator. Das erklärte Regierungschef Olaf Scholz (SPD) am Montag. Der bisherige Chef des Bezirksamts Mitte wird Nachfolger von Michael Neumann. Neumann hatte zuvor seinen Rücktritt erklärt. Er hinterlasse seinem Nachfolger ein geordnetes Haus, so Neumann am Montag. Seine Flamme brenne jedoch nicht mehr so hell und er wolle lieber gehen, solange „noch einige sagen `Schade` und nicht alle `Gott sei Dank`“. Neumann war seit März 2011 zum Innen- und Sportsenator. Im November hatte er das Aus für Hamburgs Olympia-Bewerbung hinnehmen müssen: Eine Mehrheit der Hamburger hatte in einem Referendum gegen die Bewerbung gestimmt.

Vortäuschung einer Straftat
Berliner Polizei: Vermisste Elena wurde weder entführt noch vergewaltigt

Berlin (nex) – In den 1990er und 2000er Jahren waren es nicht selten Rechte, die sich als Opfer einer künstlich gesteuerten Hysterie darstellten, die vor falschen Verdächtigungen und üblen Verleumdungen nicht Halt machte. In der Tat gab es in dieser Zeit einige Fälle vermeintlicher Übergriffe, die überregionale Schlagzeilen machten, sich aber später als erdachte oder erfundene Straftaten herausstellten. So gab es 1994 und 2007 in Halle und Mittweida spektakuläre Fälle, in denen Rechtsextremisten jungen Frauen Hakenkreuze in die Haut geritzt hätten, 2000 soll ein sechsjähriger Junge in Sebnitz von Neonazis im Freibad ertränkt worden sein, 2003 zeigte eine 40-Jährige in Hagen an, von vier Skinheads vergewaltigt worden zu sein. In all diesen Fällen stellte sich der braune Hintergrund als erfunden heraus, in einem Fall handelte es sich um einen tragischen Badeunfall, in den drei anderen um Falschdarstellungen, die aus Drang nach Aufmerksamkeit oder dem Wunsch herrühren, von einer anderen Problematik abzulenken. Seit einigen Jahren hat sich der Schwerpunkt medialer und politischer Feindbildpflege von rechtsgerichteten Bestrebungen hin zum Islam und zu Einwanderern aus islamisch geprägten Ländern hin verlagert – und Rechtsradikale sind ganz vorne dabei, wenn es darum geht, Gerüchte, unbestätigte Meldungen und frei erfundene Geschichten über angebliche strafbare Handlungen zu verbreiten, die von Flüchtlingen oder Einwanderern begangen worden sein sollen. So soll es jüngst, wie die B.Z. berichtet, in diesem Zusammenhang zu einer Entführung und Vergewaltigung der 13-jährigen Elena K. aus Marzahn gekommen sein, die am 11. Januar nicht in ihrer Schule angekommen war. Ihre Eltern erstatteten daraufhin Vermisstenanzeige. Tags darauf wurde das Mädchen von Passanten in Hellersdorf aufgegriffen und gab ihren Eltern gegenüber an, von drei unbekannten „Südländern“, die „gebrochen Deutsch“, gesprochen hätten, unter dem Vorwand, sie zur Schule zu bringen in deren Auto gelockt, anschließend in eine Wohnung entführt und dort geschlagen und sexuell missbraucht worden zu sein. Wie die B.Z. berichtet, soll sich der Sachverhalt nach weiteren Ermittlungen und Vernehmungen wesentlich anders darstellen. Die 13-Jährige, die im Beisein ihrer Eltern und anschließend noch einmal alleine vernommen worden sei, soll ihre Aussage in wesentlichen Teilen verändert haben. Sie sei demnach zum einen freiwillig mit den Männern mitgekommen und einem im Auftrag des LKA erstellten ärztlichen Gutachten zufolge soll es weder einen Hinweis auf eine Entführung noch einen auf eine Vergewaltigung gegeben haben. Weitere Erklärungen wollte die Polizei im Interesse des Kindes nicht abgeben, hieß es weiter. Die Familie glaubt allerdings offenbar weiter an eine Entführung und will der Zeitung zufolge einen Anwalt einschalten. In den sozialen Medien, im russischen Fernsehen und am Rande einer NPD-Kundgebung wurde der Vorwurf, das Mädchen sei entführt und vergewaltigt worden, mehrfach wiederholt, unter anderem auch vonseiten der Verwandten des Mädchens. In den sozialen Medien machte sich indes zudem noch der Stille-Post-Effekt bemerkbar, sodass Meldungen wie „Mindestens fünf Ausländer vergewaltigen gesuchtes Mädchen über 30 Stunden. Polizei schweigt bislang zu diesem Verbrechen“ die Runde machen. Auch die wiederholten Bekräftigungen vonseiten der Polizeibeamten, wonach es keine Vergewaltigung der 13-Jährigen gegeben habe, dürften jüngsten Erfahrungen mit den Gerüchtekochern in den sozialen Medien nach zu schließen keinen entscheidenden Effekt auf deren Weiterverbreitung ausüben.   Mehr zum Thema:

Dortmund: Vergewaltigungsvorwurf gegen „Türken“ frei erfunden

 

Elektroauto-Förderung
Elektroautos: Merkel will sich mit Chefs von Autokonzernen beraten

Berlin (dts) – Angesichts der schleppenden Absatzzahlen bei Elektroautos will sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 2. Februar mit den Chefs der großen Automobilkonzerne beraten. Das berichtet das „Handelsblatt“ (Dienstagsausgabe) unter Berufung auf Koalitions- und Branchenkreise. Derzeit ist die Bundesregierung noch uneins darüber, wie sie künftig den Absatz von Elektroautos fördern will. Während die Hersteller sowie die SPD sich für eine Kaufprämie einsetzen, lehnt die Union dies ab. Im Gespräch ist auch ein öffentliches Beschaffungsprogramm.

Danach könnte der Anteil der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge des Bundes bis 2030 auf 30 Prozent steigen. Derzeit liegt die Zahl noch deutlich darunter, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zeigt. Danach fahren nur 43 Fahrzeuge der Regierung mit reinem Strom- oder zumindest einem Hybridantrieb. Das sind fast 14 Prozent, weit weniger sind es bei Bundesbehörden und -instituten. „Die Anschaffung neuer E-Autos wird durch den immer noch zu hohen Anteil von klimaschädlichen Oberklasse-Limousinen konterkariert“, kritisierte die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Gesine Lötzsch (Linke).

Nachfolger von Albers
Jürgen Mathies wird neuer Polizeipräsident in Köln

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Köln (dts) – Jürgen Mathies, Direktor des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg, wird offenbar neuer Polizeipräsident von Köln. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf Kreise der Landesregierung berichtet, wird Mathies am Dienstag von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) als Nachfolger von Wolfgang Albers vorgestellt. Albers war im Zuge der sexuellen Übergriffe auf Frauen und Trickdiebstählen in der Silvesternacht in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden.

Dienstagvormittag werde Innenminister Jäger das Landeskabinett über die neue Personalie informieren, hieß es der Zeitung zufolge. Mittags soll Mathies zuerst der Leitungsebene und anschließend den Mitarbeitern im Kölner Polizeipräsidium vorgestellt werden. Mit seiner Ernennung kommt das Innenministerium Forderungen nach, die als Nachfolger für den Verwaltungsjuristen Albers einen erfahrenen Ermittler als Chef der größten Polizeibehörde NRWs empfohlen hatten.

Netzallianz
ARD und ZDF sollen Gebühren an Kabelanbieter zahlen

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Berlin (dts) – Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und die in der Netzallianz Digitales Deutschland zusammengeschlossenen deutschen Telekommunikationsanbieter setzten sich dafür ein, dass ARD und ZDF künftig Gebühren an die Kabelnetzbetreiber zahlen sollen. In einer gemeinsamen Erklärung, über die das „Handelsblatt“ berichtet, fordern sie die Vorsitzende der Rundfunkkommission und die Chefs der Staats- und Senatskanzleien der Länder zu einer gesetzlichen Klarstellung auf, wer für welche Leistung zahlen muss.

Die Erklärung will Dobrindt in Kürze an die Bundesländer verschicken, wie das Ministerium auf Nachfrage bestätigte. Die Netzallianz und das BMVI fordern eine „angemessene Vergütung“, heißt es in der Erklärung. Die Unternehmen locken damit, dass „zusätzliche finanzielle Spielräume“ für den von Bund und Ländern versprochenen Breitbandausbau genutzt würden.

Während die Kabelnetzbetreiber die Forderungen laut „Handelsblatt“ begrüßen, erklärte ein Sprecher der ARD, es sei „bemerkenswert“, dass die in der Netzallianz vertretenden Unternehmen und Verbände versuchen, ihre Forderungen durch Neuregelungen durchzusetzen, nachdem der Bundesgerichtshof bereits unmissverständlich klargestellt habe, dass es keinen Anspruch auf solche Zahlungen gebe. „Eine Alimentierung der Kabelindustrie aus Beitragsgeldern der Rundfunkanstalten ist nicht marktgerecht“, sagte er. Bisher ist im Rundfunkstaatsvertrag und den Landesmediengesetzen zwar geregelt, dass die Kabel-Anbieter Kanäle von ARD und ZDF übertragen („Must-carry-Regelung“), aber nicht, ob sie dafür zahlen müssen.

Weltverfolgungsindex 2016
Christenverfolgung in der Türkei: „Open Doors“-Bericht weist romanhafte Züge auf

Ein Kommentar von Thorsten Reuters Vor einigen Tagen veröffentlichte die christlich-evangelikale Organisation „Open Doors“ ihren jährlichen „Weltverfolgungsindex“. In dem Bericht will die Vereinigung einen Überblick über die weltweite Verfolgung von Christen geben – und Aussagen wie jene, dass „100 Millionen verfolgter Christen“ weltweit diese zur „weltweit am stärksten verfolgten Glaubensgruppe“ machen, finden immer wieder gerne den Weg in die Schlagzeilen der Medien. Ohne Zweifel gibt es eine Reihe von Staaten, in denen es entweder staatliche Repression, Übergriffe vonseiten organisierter nichtstaatlicher Akteure oder eine systematische Diskriminierung gegen Menschen gibt, die ausschließlich oder vorwiegend durch deren Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche oder Gemeinschaft oder christlicher Glaubensüberzeugung herrührt. Dass es in einer steinzeitkommunistischen Diktatur wie Nordkorea seit deren Bestehen eine brutale Verfolgung von Christen gibt und dass Regime in seiner Willkür gegen vermeintliche oder tatsächliche Staatsfeinde keinerlei Grenzen kennt, liegt auf der Hand, ebenso, dass eine Ausweitung des Machtbereiches der Terrormiliz IS regelmäßig mit Massakern, Entrechtung und Unterdrückung Andersdenkender und Andersgläubiger verbunden ist. Die Aussagen, dass sich die Zahl ermordeter Christen im Jahre 2015 weltweit von 4344 auf 7100 deutlich erhöht und jene der Angriffe auf Kirchen sogar verdoppelt habe, dürften mit Blick auf die Intensivierung zahlreicher konfessionell aufgeladener Bürgerkriege wie jenen im Irak, in Syrien, in Libyen oder der Zentralafrikanischen Republik nicht weit von der Realität entfernt sein. Bei manchen Beobachtern erweckt jedoch die stets mit Nachdruck verfochtene Behauptung, die meistverfolgte religiöse Gruppe der Welt zu sein – und nicht wenige Christen sehen die vermeintliche Tatsache, dass sie die „am meisten Verfolgten“ von allem seien, sogar als Beweis dafür, dass ihr Glaube der einzig richtige wäre – Skepsis. Aus diesem Grund haben einige Kommentatoren in säkularen wie religiösen Medien, aber auch in kirchlichen Einrichtungen selbst Kritik an der Art und Weise geübt, wie Open Doors seine Zahlen ermittelt und wie die Organisation zu der Einschätzung gelangt, 100 Millionen Christen würden weltweit verfolgt und sie wären deshalb die global am meisten verfolgte Glaubensgruppe. In der Tat bleibt Open Doors eher vage, um nicht zu sagen, recht beliebig, wenn es darum geht, die Bewertungsparamater darzustellen, die der eigenen Einschätzung hinsichtlich des Verfolgungsgrades von Christen in diversen Ländern zugrunde liegen. Entscheidend ist dabei ein aus 96 Fragen bestehender Fragebogen, der von hauseigenen Analysten und Forschern ausgefüllt wird, die allerdings von sich selbst sagen, in stetigem Kontakt zu Einzelpersonen und Gemeinden vor Ort zu stehen. An Objektivität und Präzision gewinnt die Analyse dadurch am Ende nicht. Obwohl selbst betont christliche Medien wie kath.net im Interview mit Open-Doors-Chef Markus Rode Vorbehalte hinsichtlich der Schwammigkeit anmelden, welche die Definition des Begriffs der „Verfolgung“ aufweist, die dem „Weltverfolgungsindex“ zugrunde liegt, heißt es dazu nur: „Es steht uns nicht zu, Christen per Definition vorzuschreiben, ob sie erst dann als verfolgt gelten, wenn sie gefoltert oder ins Gefängnis geworfen werden, oder bereits wenn ihre Kinder von Ausbildungs- und Berufschancen bewusst ausgeschlossen werden. Verfolgung hat viele Facetten, die auch von den Christen vor Ort subjektiv, und somit unterschiedlich stark erlebt werden.“

Verfolgung muss dem Staat zuzurechnen sein

Zusätzlich zu diesem stark subjektivierten Zugang zu dem Themenkomplex kennt Open Doors keinerlei Abgrenzung zwischen staatlicher Beschränkung religiöser Rechte und solchen, die dem privaten Lebensbereich zuzuordnen sind. Nur Erstere stellen jedoch Menschenrechtsverletzungen dar. Letztere lediglich dann, wenn der Staat vorsätzlich oder fahrlässig seiner Garantenpflicht für Sicherheit, Ordnung und Rechtsstaatlichkeit nicht nachkommt. In diesem Sinne stellt es zwar beispielsweise zweifellos einen Akt der Verfolgung dar, wenn der Staat Gläubige auf Grund ihrer religiösen Überzeugung inhaftiert, ihnen den Gottesdienst untersagt, Verbote religiöser Bekleidung in der Öffentlichkeit verhängt, an Schulen in religionsfeindlicher Weise indoktriniert oder Eltern ihre Kinder auf Grund der religiösen Erziehung im Elternhaus weggenommen werden. Auch wäre es dem Staat zuzurechnen, wenn dieser – obwohl er die Mittel und die Wege dazu hätte – organisierte Angriffe auf die Rechtsgüter von Gläubigen oder kirchlichen Einrichtungen vonseiten privater Akteure nicht verhindert. Dies könnte im Fall des Wütens privater Milizen oder auch im Fall der organisierten Kriminalität der Fall sein. Wenn hingegen jedoch beispielsweise ein früherer Muslim nach einem Übertritt zum Christentum von seiner Familie verstoßen wird, ist das zwar – ebenso wie im umgekehrten Fall – für ihn persönlich bitter, erst recht dann, wenn starke Familien- oder Klanstrukturen lokal starken Einfluss ausüben, aber es ist mit Sicherheit keine Angelegenheit, die in erster Linie einem Staat zuzurechnen wäre. Es soll selbst in Deutschland heute noch dörfliche und familiäre Strukturen geben, in denen Übertritte von einer christlichen Konfession zu einer anderen mit familiärer oder sozialer Ächtung verbunden sind.

Ideologisch bedingtes Geschmäckle

Ein gewisses Geschmäckle hat der Duktus des Berichtes zudem, wenn ein Nebeneinander von islamischer und christlicher Religionsausübung offenbar nicht wirklich vorgesehen ist, da es als „Verfolgung“ angesehen wird, wenn Missionierungsbemühungen nach außen (die in evangelikalen Kreisen oft mit sehr großer Beflissenheit vonstattengehen) auf gesellschaftliche Widerstände stoßen, es aber als Ausdruck eines Rückgangs von Verfolgung betrachtet wird, wenn irgendwo mehr Muslime zum Christentum konvertieren. Augenscheinlich steht aus Sicht von Open Doors die Möglichkeit zur evangelikalen Missionierung doch sehr stark im Vordergrund bei der Bewertung der Verfolgungsintensität in einem Land, zumal mit Mexiko und Kolumbien auch zwei stark katholisch geprägte Länder aufscheinen, in denen jedoch regional oft sozialer Druck auf Evangelikale vonseiten katholischer Mehrheiten ausgeübt wird. Dies jedoch als „Christenverfolgung“ zu etikettieren, erscheint als durchaus pikant – gibt es doch nicht wenige „bibeltreue“ Gemeinden, die beispielsweise die Katholische Kirche gar nicht als christliche Gemeinschaft anerkennen. Bezüglich der Türkei, die im „Weltverfolgungsindex“ Rang 45 belegt, wird das Land in vielen Bereichen geradezu als Hort finsterster Unterdrückung des Christentums dargestellt und so ziemlich jeder westliche Narrativ von der vermeintlichen „Islamisierung“ der Türkei durch Präsident Erdoğan bis hin zur These, dass statt des IS nur die PKK bekämpft würde, unkritisch wiedergekaut. Dies alles geschieht ungeachtet der Tatsache, dass die in der Türkei existierenden Beschränkungen und Benachteiligungen hinsichtlich der Ausübung christlicher Religion allesamt aus der Ära vor 2002 herrühren und seit dem Amtsantritt Erdoğans – wie etwa die katholische „Tagespost“ bemerkte – die Freiräume für Christen gewachsen seien, Gebäude restauriert wurden, Seminare wiedereröffnet und beschlagnahmte Güter zurückgegeben wurden. Open Doors „spielt Religionen gegeneinander aus“ Dass Open Doors sein gemeinnütziges Engagement und auch seine Arbeit mit Blick auf die Verteidigung religiöser Rechte auf Christen beschränkt, ist zwar das gute Recht dieses Vereins. Es stellt sich dennoch die Frage, ob zum einen Schwanzvergleiche in Bereichen wie der Betroffenheit durch staatliche Unterdrückung wirklich sinnvoll sind, um berechtigte Anliegen wie die Verteidigung religiöser Rechte tatsächlich voranzubringen. Insbesondere die zunehmenden Erscheinungsformen säkularer Intoleranz in westlichen Staaten, vor allem in Europa, die sich am Ende gegen alle abrahamitischen Religionen gleichermaßen richten, sollte es als nahe liegend erscheinen lassen, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Gerade evangelikale Organisationen fallen jedoch, sobald beispielsweise Muslime im Westen zum Ziel säkularer Intoleranz und antimuslimisch-rassistischer Bestrebungen werden, eher dadurch auf, diese noch zusätzlich anzustacheln als ihnen entgegenzutreten. Dass eine Zusammenarbeit im Einsatz für religiöse Rechte aufseiten von Open Doors möglicherweise gar nicht gewünscht sein könnte, mutmaßt unter anderem der Nürnberger Theologe und Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats Heiner Bielefeld. „Ich habe große Zweifel daran, dass diese Zahlen solide sind“, sagte dieser im Jahr 2012 über den „Weltverfolgungsindex“ von Open Doors. Er warf der Organisation vor, vorzugsweise den Islam für die Diskriminierung von Christen verantwortlich zu machen und auf diese Weise „Religionen gegeneinander auszuspielen“.       Mehr zum Thema:

Friedensmission
Von der Leyen rechtfertigt Bundeswehr-Beteiligung an Einsatz in Libyen

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Berlin (dts) – Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die deutsche Beteiligung an einem Einsatz in Libyen gerechtfertigt. „Deutschland wird sich nicht der Verantwortung entziehen können, dabei einen Beitrag zu leisten“, antwortete von der Leyen im Gespräch mit „Bild“ auf die Frage, ob sie die Bundeswehr demnächst auch nach Libyen schicke. Die Verteidigungsministerin betonte, Libyen sei „die Gegenküste Europas – getrennt nur durchs Mittelmeer. Das wichtigste ist jetzt, dass Land zu stabilisieren und dafür zu sorgen, dass Libyen eine funktionsfähige Regierung bekommt. Die wird dann schnell Hilfe benötigen, Recht und Ordnung in diesem riesigen Staat durchzusetzen. Und gleichzeitig gegen den Terror zu kämpfen, der auch Libyen bedroht.“ Vor allem müsse verhindert werden, dass der islamistische Terror im Norden Afrikas eine Achse bilde, sagte von der Leyen gegenüber „Bild“: „Wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann vollzieht sich hier eine brandgefährliche Entwicklung: ISIS sucht in Libyen die Verbindung zur Terror-Organisation Boko Haram im zentralen Afrika. Wenn das gelingt, dann entsteht eine Achse des Terrors, die weite Teile Afrikas destabilisieren kann. Die Folge wären neue Flüchtlingsströme. Das dürfen wir nicht zulassen.“

Flüchtlingspolitik
Klöckner für bilaterale Vereinbarungen mit der Türkei

Berlin (dts) – Die CDU-Spitzenkandidatin bei der Wahl in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, hat sich für eine „zweigleisige“ Flüchtlingspolitik ausgesprochen, bei der zur Reduzierung der Zuwanderung bilaterale Vereinbarungen zum Beispiel mit Österreich, Griechenland und der Türkei denkbar seien. Die Vizechefin der Bundes-CDU bekräftigte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass Flüchtlingspolitik ein europäisches Problem sei, das eine europäische Lösung brauche. „Das erfordert aber Zeit, die wir nicht mehr lange haben. Daher müssen wir zweigleisig denken“, erklärte Klöckner. Zu prüfen sei, welche Schritte Deutschland parallel gehen könne, ohne auf die Zustimmung aller EU-Mitglieder angewiesen zu sein. Dies gelte zum Beispiel, wenn es um die schnelle Schaffung von Registrierungszentren an den Schengen-Außengrenzen gehe. Klöckner betonte zugleich: „Die Registrierung und Abweisung von Nordafrikanern, die nicht aus Bürgerkriegsgegenden kommen, das können wir alleine umsetzen.“

Film über Erdoğan
Türkei: Erdoğans Leben bald in Kinos

Istanbul (nex) – In der kommenden Woche beginnen die Dreharbeiten zum Film „Reîs“ (Kanzlertitel und Admiralsgrad in der Marine des Osmanischen Reiches), in dem das Leben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan für die Kinoleinwände aufbereitet werden soll. Inhalt des Drehbuchs ist jedoch nicht primär die politische Karriere des Präsidenten, sondern dessen Kindheit und Jugend sowie Privatleben. Regisseur des Films ist Hüdaverdi Yavuz. Der Film soll das Leben von Recep Tayyip Erdoğan von seiner Geburt bis zu seiner Wahl als Oberbürgermeister von Istanbul darstellen. Die Titelrolle in dem Film wird der Schauspieler Reha Beyoğlu übernehnmen. Außerdem werden unter anderem Işık Yıldız, Kaan Ürkmez, Ismail Hakki Ürün, Volkan Basaran, Ali Yayli, Yener Gürsoy, Ercan Demirel, Abidin Yerebakan, Aydan Cakir, Alper Türedi und Organ Aydin mitwirken. Der Film soll ab dem 25. März in den Kinos laufen.