Köln (ots) – 83 Prozent der Deutschen schämen sich für die gewalttätigen Proteste gegen Flüchtlinge. Im Vergleich zu September ist dieser Wert um 4 Punkte gesunken. 76 Prozent sind der Auffassung, dass Politiker die Übergriffe stärker verurteilen sollten.
34 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass Behörden genug tun, um Ausländer und Flüchtlinge vor fremdenfeindlichen Übergriffen zu schützen. 58 Prozent sind gegenteiliger Auffassung. Das hat eine bundesweite Umfrage des ARD-DeutschlandTrends im Auftrag der ARD-Tagesthemen am Freitag und Samstag ergeben.
Brüssel (dts) – EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen ist auf Distanz zu den Vereinbarungen gegangen, die Großbritannien einen Verbleib in der Gemeinschaft erleichtern sollen. „Ich muss damit leben“, sagte die Belgierin den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. Thyssen verwies darauf, dass die Umsetzung nicht unmittelbar bevorstehe.
„Zunächst muss das Referendum in Großbritannien gut ausgehen. Danach wird die Europäische Kommission die Details der Vereinbarung ausarbeiten.“ Im Übrigen seien die Vereinbarungen befristet. Die Staats- und Regierungschefs hatten sich auf ihrem jüngsten Gipfel auf Abstriche bei den Sozialleistungen für EU-Ausländer verständigt. Auch Deutschland erwägt eine Absenkung des Kindergelds für Eltern aus anderen europäischen Staaten.
Wien (nex) – „Wir wollen nicht nach Österreich, wir sind hier schon aktiv“, zitiert der in Österreich erscheinende „Kurier“ den Chef der Osmanen Germania, Mehmet Bagci. In Linz und Vorarlberg habe die gefürchtete Rockergruppierung bereits zwei Fillialen in den vergangenen Wochen eröffnet. In Wien befänden sie sich im Aufbau und die Eröffnung eines Chapters sei geplant. Bei der Polizei beobachte man solche Expansionen momentan sehr genau. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die in Deutschland tobenden Rockerkriege auch auf Österreich übergriffen, zitiert der „Kurier“ einen ranghohen Polizisten. Dort habe man Auseinandersetzungen zuletzt mit Handgranaten ausgetragen, auch Schießereien habe es gegeben.
Deshalb sei die Rockerkriminalität im Bundeskriminalamt bei der Organisierten Kriminalität angeordnet. Motorräder stehen aber längst nicht mehr im Mittelpunkt dieser Gruppierungen. „Wir sind keine Rocker, wir sind ein Boxclub“. zitiert der „Kurier“ Bagci. Dennoch trage man Kutten und es gebe Ränge. Ganz wie bei alteingesessenen Rockergangs wie Hells Angels oder Bandidos eröffne man auch Clubhäuser. Seit letztem Jahr seien in Österreich bereits die United Tribunes aktiv.
(Foto: Osmanen Germania)
Während die Osmanen türkische Wurzeln hätten, seien die Tribunen eher nach Bosnien orientiert, wo auch die (laut dem „Kurier“ europaweit per Haftbefehl gesuchten) Chefs der Gruppierung zu finden seien, berichtet der „Kurier“ weiter. Derartige Gruppierungen wüchsen enorm schnell, die meisten – wie die Saturadah – verschwänden aber auch sehr rasch wieder von der Bildfläche. Für die türkischen Osmanen und bosnischen United Tribunes scheine aber noch lange kein Ende des Wachstums erreicht zu sein.
„Ist am Ende ein weiterer „Rocker-Krieg“ in den Rotlichtvierteln des Landes möglich?“, fragt die WAZ.
„Django“ Triller von den Hells Angels sieht die Provokation locker: „Solche Straßengangs entstehen schnell und genau so schnell verschwinden sie wieder. Wir haben keine Angst“, zitiert ihn der Kölner „Express“. Weit mehr alarmiert sei dagegen die Polizei. „Rocker-Krieg“ sei zwar ein Begriff, den ein Polizist wie Dietmar Kneib nicht in den Mund nehme, aber es seien „Gruppen, die wir uns sehr, sehr genau ansehen“, so Knelb gegenüber der WAZ. „Wir wollen wissen, was strategisch dahinter steckt“. 20 Chapter, also lokale Organisationen, hätten die „Osmanen“ deutschlandweit schon gebildet. In Nordrhein-Westfalen gebe es bisher zwei: in Duisburg und in Köln. Weitere stünden vor der Gründung. Das seien die Informationen, die sie aktuell im Landeskriminalamt hätten und die dort sehr kritisch und aufmerksam verfolgt würden.
(Foto: Osmanen Germania)
Die Gründungsspuren der türkischen Osmanen Germania gehen laut Knelb in den April 2015 zurück. Da habe sich die Gemeinschaft im Hessischen aus den „Turkey Nomads“ gebildet, die mal Hells Angels waren, mit denen sie jetzt aber verfeindet seien und die sich mit diesen in Frankfurt schon Straßenkämpfe geliefert hätten. In Deutschland werde die Gruppe von Selkuc S., einem ehemaligen Hells Angel, und dem Boxer Mehmet B. geführt. Der eigentliche Steuermann sitze, berichtet die WAZ, in Izmir in der Türkei – Necati Arabaci, der Oberboss. Arabaci sei, bevor er aus Deutschland ausgewiesen wurde, Chef der Türsteher-Szene in Köln gewesen. Offenbar habe er Order gegeben, sich in der Bundesrepublik wieder auszubreiten und nach NRW vorzudringen. „Dabei sind die Gebiete hier durch die Old School-Rocker abgesteckt“, heißt es im Landeskriminalamt. Die Bandidos, die sich mit mehr als 600 Köpfen in fünf Jahren fast verdoppelt hätten, agierten vor allem im Ruhrgebiet. Rund 300 Hells Angels täten dies im Rheinland. Besonders gefährlich sei Duisburg, wo sich beider Einfluss überschnitten und wo jetzt auch „Osmanen“ aufträten.
Mehmet Balcis Aussage zufolge ist Osmanen Germania aber ein eigenständiger Club, der weder eine Untergruppierung der Nomads Turkey sei noch „etwas mit Neco Arabaci am Hut“ hat. Auch seien sie kein Biker- oder Rocker-, sondern ein Boxclub und wollten aus diesem Grunde auch nichts mit diesen Gruppen zu tun haben. Sie hätten mit niemandem ein Problem und seien auch nicht auf der Suche nach einem Streit mit den deutschen Hells Angels. Balci machte aber deutlich, dass sie sich nichts verbieten lassen würden, weder bei der Wahl der Kutten, noch bei der Eröffnung neuer Clubs. Solange man sie in Ruhe lasse, werde man auch die Altrocker in Ruhe lassen. Der Club sei auch kein „nationalistischer Türkenclub“, sondern international. Kroaten, Italiener, Serben, „sogar Deutsche“ seien Mitglieder.
(Foto: Mehmet Bagci/privat)
Bagcis eigenen Aussagen zufolge sei man keine kriminalistische Vereinigung, sondern Helfer. Man wolle Jugendlichen helfen, indem man sie von der Straße hole und sie mit Boxen und Kampfsport beschäftige. Auch unterstütze man die Jugendlichen bei der Arbeitssuche und sorge dafür, dass sie von Drogen und Wettspielen fernblieben. Man habe in Deutschland bereits 2.500 und weltweit 3.500 Mitlgieder. In der Türkei sei man sechsmal vertreten. Außerdem gebe es bereits je zwei Vetretungen in Österreich und der Schweiz und eine in Schweden. Demnächst expandiere man auch nach Holland.
(Foto: Osmanen Germania)
Washington (dts) – Weltbank-Präsident Jim Yong Kim hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gelobt. Merkels Politik sei für ihn „sehr inspirierend“, sagte Kim in einem Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. „Angela Merkel ist für mich eine der außergewöhnlichsten Regierungschefs der Welt“, so Kim, der 1964 selbst mit acht Jahren aus Südkorea geflohen war.
Er zeigte sich trotz der anhaltenden Streits unter den EU-Staaten überzeugt, dass Europa an der Flüchtlingspolitik nicht zerbricht. „Ich glaube fest an die Kraft des europäischen Projekts.“ Der Weltbank-Präsident forderte Europa auf, die Flüchtlingskrise als Chance zu begreifen. Jedes einzelne EU-Land brauche wegen der demografischen Entwicklung auf die eine oder andere Weise qualifizierte Arbeitskräfte.
„Die Länder, die heute am besten Immigranten integrieren, werden in Zukunft die wettbewerbsstärksten sein“, sagte Kim. Europa müsse begreifen: „Diese Herausforderung wird schon allein wegen der Demografie nie weggehen. Europa ist auf Zuwanderung angewiesen.“ Den derzeitigen Flüchtlingsstrom hält aber auch Kim für nicht verkraftbar. Zu viele Menschen riskierten bei den Überfahrten ihr Leben, zu unhaltbar seien die Zustände in den Flüchtlingslagern, zu ungerecht sei die Lastenverteilung. Neben dem Flüchtlingsstrom bereitet Kim auch das anhaltend schwache Wachstum der Weltwirtschaft Sorgen.
Die Weltbank hat gerade erst ihre Wachstumsprognosen herunterschrauben müssen. „Wir sehen allerdings keinen globalen Abschwung heraufziehen“, sagte der Weltbank-Präsident. Kim ermunterte Länder „mit finanziellem Spielraum, die Nachfrage zu stärken und insbesondere Investitionen in Infrastruktur zu erhöhen.“
Berlin (dts) – Im Koalitionsstreit zur Flüchtlingspolitik hat CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel scharf attackiert:
„Herr Gabriel betreibt ein gefährliches Spiel, wenn er Flüchtlinge und sozial Schwache gegeneinander ausspielt“, sagte Hasselfeldt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sie erinnerte daran, dass die große Koalition etwa die Mittel für den sozialen Wohnungsbau um jährlich 500 Millionen Euro angehoben habe, was Flüchtlingen und sozial Schwachen gleichermaßen zugutekomme.
„Auch im Wahlkampf gilt es, kühlen Kopf zu bewahren und nicht mit unseriösen Forderungen Populisten vom rechten und linken Rand in die Hände zu spielen“, sagte Hasselfeldt.
Berlin (dts) – Der Präfekt der römischen Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, schließt eine Zulassung wiederverheirateter geschiedener Katholiken zur Kommunion aus. „Eine zweite Ehe oder ein zweiter Ehepartner, solange der rechtmäßige Ehepartner noch lebt, ist nach katholischer Auslegung der Worte Jesu nicht möglich“, sagte Müller dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und verwies damit auf die Aussagen des Neuen Testaments über die Unauflöslichkeit der Ehe. Müller zeigte Verständnis für die Sorge von Papst Franziskus, dass „Menschen in unklaren Eheverhältnissen“ von der Kirche „wegdriften“.
Er empfahl den Betroffenen aber „andere – theologisch wertvolle und legitime Formen der Teilhabe am kirchlichen Leben“. Gemeinschaft mit Gott und der Kirche bestehe „nicht nur durch den mündlichen Empfang der heiligen Kommunion“. Auf der Familiensynode im Vatikan hatte die deutsche Sprachgruppe mit Müllers Beteiligung noch im vorigen Oktober diese Möglichkeit für wiederverheiratete Geschiedene als eine Gewissensentscheidung für denkbar erklärt. Dies gelte aber, so Müller jetzt, nur dann, „wenn die Eheleute wie Bruder und Schwester zusammenleben“ – also in sexueller Enthaltsamkeit. Mit der Gnade Gottes sei dies möglich, so der Kardinal auf den Einwand der Lebensfremdheit einer solchen Auflage.
Berlin (dts) – Die von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) eingereichte Initiative zur schnelleren Ausweisung von kriminellen Ausländern ist gescheitert: Eine Mehrheit der Kantone sprach sich gegen die sogenannte „Durchsetzungsinitiative“ aus – damit scheitert der Gesetzentwurf schon vor Auszählung aller Stimmen am Ständemehr, berichtet der Schweizer Fernsehsender SRF.
Einer Hochrechnung des Forschungsinstituts gfs.bern von 15:00 Uhr (Sonntag) zufolge votierten insgesamt rund 59 Prozent der Schweizer gegen die Initiative. Diese sieht vor, dass straffällig gewordene Ausländer schon bei kleineren Vergehen automatisch das Land verlassen müssen. Dabei sollen Richter die Umstände des Einzelfalls nicht prüfen dürfen.
Berlin (dts) – 2015 kamen nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel weniger als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Es habe einige Doppelzählungen gegeben und deswegen seien es „unter einer Million“, sagte Merkel am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“. „Die genaue Zahl wissen wir erst, wenn wir den Flüchtlingsausweis flächendeckend eingeführt haben“, so die Kanzlerin.
Anfang Januar hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine Asylstatistik für 2015 veröffentlicht, wonach im letzten Jahr 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sein sollen. Diese wurden im sogenannten „Easy“-Verfahren erfasst, bei dem die Flüchtlinge nach ihrer Einreise auf die Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt werden.
Mainz (nex) – Raphaele Lindemann engagiert sich als Arzt in einer Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Auf Facebook hat er auf seiner Facebook-Pinnwand einen Beitrag verfasst, der bereits mehr als 350 000-mal geteilt wurde. NEX dokumentiert den Text nachfolgend in voller Länge:
„Liebe Leute,nach nun fast vier Wochen im Erstaufnahmelager finde ich endlich mal die Zeit, ein paar Zeilen zur wirklichen Situation vor Ort zu schreiben und diese in Absprache mit der Camp-Leitung hier zu veröffentlichen.In der aufgeheizten Stimmung zwischen allen politischen Lagern können ein paar Fakten aus erster Hand nicht schaden. Ich habe mir vorgenommen, diesen Bericht möglichst neutral zu verfassen. Das ist mir allerdings aufgrund der erschütternden Realität nicht gelungen und am Ende sind doch die Polemik und meine eigene Meinung mit mir durchgegangen… aber das wird man ja wohl noch sagen dürfen…Ich bin zurzeit als Arzt für die medizinische Erstversorgung der neu in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zuständig. Diese findet nahezu vor jedem weiteren Schritt statt. Also vor der Registrierung (inkl. Fingerabdrücke und Foto!), der Versorgung mit gespendeter (Marken-)Kleidung, der Möglichkeit, sich zu duschen, etwas zu essen oder der Verteilung auf das restliche Bundesgebiet etc. – Das heißt im Klartext, dass man hier einen Eindruck in Reinform über die tatsächliche Situation der ankommenden Flüchtlinge erhält.Dieser Eindruck ist pur und absolut ungefiltert. Ich kann Euch versichern, dass es absolut unmöglich ist, z.B. einen Fuß mit Erfrierungen zu versorgen, der über 500 Kilometer in kaputten Schuhen, mit nassen Strümpfen durch den Winter marschiert ist, und dabei durch eine „naive rosarote Gutmenschbrille“ zu schauen. Oder einen vier Wochen alten Säugling in feuchter Kleidung mit Lungenentzündung zu behandeln, der zusammen mit einem Einjährigen und einer Vierjährigen, ganz alleine von der Mutter über das Mittelmeer, über Griechenland bis hierher geschafft wurde, und sich dann den Vorwurf der Weltfremdheit anzuhören. Das hier ist die Welt! Und das hier ist sehr real und nirgends „rosarot“! Der Vater der drei Kinder kam übrigens in Syrien ums Leben.Diese Menschen kommen in einem absolut desolaten und erbarmungswürdigen Zustand hier an. Sicher wird es manchen erstaunen, dass es sich nicht zu 90 Prozent um junge, gesunde Männer handelt. Das hat das Wanken der Nachzugsregelung erfolgreich zum Schlechteren gewendet. Ich sehe pro Schicht etwa 300 bis 500 Flüchtlinge. Mindestens 40 Prozent davon sind KINDER! Es gibt Familien, es gibt Alte und ja – es gibt auch junge Männer. Warum auch nicht? Allen gemein ist, dass sie absolut entkräftet und fertig sind. Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen.Neulich haben wir zum Beispiel eine Frau versorgt, deren Beine komplett verbrannt waren. Keine Ahnung, wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Wir haben allein eine halbe Stunde gebraucht, um die festgeklebten, schmutzigen und stinkenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen. Da war aber kein Klagen und da war keine Anspruchshaltung. Diese Frau hat Dankbarkeit ausgestrahlt, weil sie endlich in Sicherheit ist und sich jemand um sie kümmert. Selbstverständlich ist sie nur ein Beispiel. Und selbstverständlich lassen sich mit Sicherheit auch Arschlöcher unter den Flüchtenden finden – wovon wir selbstverständlich schon genug unter den Eingeborenen haben.Übrigens haben die Flüchtenden natürlich ihre Smartphones dabei. „Die“ haben vorher nicht in der Steinzeit gelebt und sind aus irgendwelchen Buschhütten und Höhlen gekrochen. Und vielen ist es zunächst wichtiger ihre Handys aufzuladen, als etwas zu Essen zu bekommen. Und dreimal dürft ihr raten, warum. Was habe ich als erstes gemacht, als ich, bequem mit meinem Auto, trotz Glatteis, sicher im 500 Kilometer von zu Hause entfernten Camp angekommen bin?Dass sie ein Lebenszeichen an die Lieben schicken zu wollen, wird diesen Menschen allerdings regelhaft zum Vorwurf gemacht und als Beleg für die fehlende Hilfsbedürftigkeit gesehen. Mit Verlaub – das ist weltfremd und obendrein arschig! Als würde es eine Pflicht geben, sich vor einer Flucht in Lumpen zu hüllen und bloß alle Wertgegenstände zurück zu lassen – inklusive der einzigen Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu den Angehörigen in Form eines Telefons.In der aktuellen Situation müssen wir uns verdeutlichen, welchen Selbstanspruch wir an unsere Kultur haben. Natürlich könnten wir die Grenzen dicht machen und so tun, als wäre Merkel an allem Elend dieser Welt schuld. Aber glaubt denn wirklich irgendwer, damit wäre das Problem gelöst? Ich höre hier im Lager durchgehend weinende Kinder. Und ich weiß, dass sie dann halt vor unseren Grenzen weinen würden. Würden wir damit unsere Zivilisation retten? Nur weil wir es dann nicht mehr sehen und im Fernsehen einfach bequem umschalten können? Es zeugt schon von einer bemerkenswerten Moralvorstellung, wenn man auf fb das Elend eines gequälten Hundes anprangert und gleichzeitig sehenden Auges all diese Menschen vor unseren Grenzen krepieren lassen will – und wenn es nur durch Unterlassung ist. Ob das ein schützenswertes Abendland ist?Natürlich müssen Lösungen vor Ort gefunden werden. Und natürlich können wir nicht die ganze Welt aufnehmen. Aber löst man einen Konflikt auf der Welt, indem man gegen Flüchtlinge wettert und dumpf der Kanzlerin Verrat am Volk vorwirft? Sieht so die Rettung der Welt aus? Wo bleiben die wirklich konstruktiven Vorschläge und Initiativen der ach so besorgten Bürger? Durch ihr „Wir schaffen das“ hatte ich zum ersten Mal so was wie Respekt und Anerkennung für die Kanzlerin übrig. Weil sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre politische Karriere riskiert hat, um eben jene Menschen nicht vor unseren Grenzen krepieren zu lassen und sie die enorme Herausforderung angenommen hat, anstatt ihr übliches Teflonspiel des Aussitzens zu treiben. Und nie hat jemand behauptet, dass es eine leichte Herausforderung wäre. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer von all den Hetzern ist denn WIRKLICH so arm, dass er befürchten muss, durch die Flüchtlinge plötzlich weniger vom deutschen Wohlstandskuchen abzubekommen? Ist bisher WIRKLICH jemand deshalb ärmer geworden? Ist WIRKLICH jemand deshalb aus seiner Wohnung geflogen? Ist WIRKLICH jemand von einem bösen Asylanten aufgegessen worden? Und damit meine ich nicht denjenigen, der einen kennt, dessen Großcousine einen Nachbarn hat blabla…Und Nein! Ich möchte nicht „so was“ wie in Köln gutheißen und bin sehr wohl für Sicherheit und Ordnung und eine härtere Bestrafung bei Gewaltdelikten jeglicher Couleur. Übrigens war ich schon bekennender Feminist, als der Großteil der jetzigen „Frauenrechtler“ noch fröhlich Tittensprüche gemacht hatte.Was sich für Deutschland in erster Linie durch den Flüchtlingsstrom geändert hat, ist die Tatsache, dass wir zum ersten Mal eins zu eins mitbekommen, was in den armen Ländern dieser Welt absolut üblich ist: Wir nehmen Flüchtlinge im großen Maßstab auf und beweisen dadurch Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und sind bereit, wenigstens einen kleinen Teil der Zeche zu zahlen, die die westliche Welt mit ihrer Außen- und Wirtschaftspolitik arrogant hat anschreiben lassen.Damit sage ich ausdrücklich nicht, dass ruhig jeder hierher kommen soll und machen kann, was er will. Natürlich fordere ich Integrationswille und Verfassungstreue ein – aber auch und vor allem von meinen eigenen Landsleuten! Schließlich hätten die schon seit ihrer Geburt die Chance gehabt, humanistische Werte zu lernen. Und nicht selten profitieren sie schon viel länger als die Flüchtlinge von unserem Sozialstaat…Klar muss sich auch „der Islam“ bewegen, möglicherweise eine Reformation durchlaufen, um unseren Lebensstil und die Regeln unseres Zusammenlebens bedingungslos in unserem Land zu akzeptieren. Aber sowas passiert doch nicht, indem man alle Flüchtlinge nach Möglichkeit in Ghettos sperrt und die Türen zur gesellschaftlichen Teilhabe tunlichst geschlossen hält. Ein Blick in die Pariser Vororte sollte eigentlich ausreichen, um zu erkennen, wohin das dann führt. Und ja – dann werden all die Hetzer Recht behalten.Natürlich ist es verlogen, die radikalen Formen des Islam zu tadeln und zu bekämpfen, während man gleichzeitig z.B. mit den Saudis fröhlich Geschäfte macht, ohne irgendeine Form des politischen Drucks aufzubauen. Ist ja nicht so, dass es nicht saudisches Geld wäre, welches weltweit Hassprediger mit extremsten Auslegungen des Islam finanziert.Unabhängig von der moralischen Verpflichtung, Menschen in Not zu helfen, verstehe ich einfach nicht, warum die große Chance dieser Flüchtlingswelle nicht erkannt wird. Noch vor wenigen Monaten war die größte Gefahr für unser christliches Abendland das Fortpflanzungsverhalten der Deutschen. In 30 Jahren sind unser Sozialstaat und unser Rentensystem am Ende. Deutschland überaltert. 2060 wird jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein. Jeder Zweite ist dann mindestens 51. Aktuell haben wir 49 Millionen Erwerbstätige im Alter zwischen 20 und 64. Im Jahr 2060 werden es nach aktueller Entwicklung nur noch 34 Millionen sein. Diese 34 Millionen müssen dann nicht nur unsere Rente zahlen, sie müssen auch unser gesamtes Gemeinwesen am Laufen halten, dafür sorgen, dass wir satt sind und es warm haben und uns im Zweifel auch den Hintern abwischen und uns das Erbrochene aus dem Gesicht waschen. Außerdem müssen sie natürlich weiterhin innovativ und produktiv sein, damit die Wirtschaftsmacht Deutschland auf dem Parkett des internationalen Markts nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet und sich unsere Kinder und Enkel den Luxus der Altenbetreuung überhaupt leisten können, bei immer mehr zu stopfenden Greisenmäulern. Wer glaubt, er könne dem Dilemma 2060 durch früheres Versterben entgehen, muss leider enttäuscht werden: Schon 2035 werden wir fast acht Millionen Menschen weniger im Erwerbsalter haben. Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass wir schon heute – also mit acht Millionen Erwerbstätigen mehr – über knappe Rentenkassen und ein späteres Renteneintrittsalter diskutieren müssen und man ohne private Vorsorge real von Altersarmut bedroht ist.Und genau jetzt hat ein weltweiter Exodus begonnen, der ohne jedes Anwerben den wichtigsten Zukunftsrohstoff überhaupt zu Hunderttausenden in unser Land schwemmt: Menschen im erwerbs- und zeugungsfähigen Alter. Natürlich bin ich kein Depp und ich weiß genau, dass wir es hier nicht mit einer Schwemme an Fachkräften zu tun haben (wobei es unter den Flüchtenden sehr wohl auch Fachkräfte gibt, ich habe schon so einige im Lager getroffen) und es riesige kulturelle Unterschiede gibt (die sich übrigens auch immer mehr in unserem eigenen Volk herauskristallisieren). Deshalb schrieb ich auch ROHstoff. Jetzt können wir folgendes tun: Entweder wir kasernieren und isolieren die Neuankömmlinge, zeigen ihnen die kalte Schulter, fördern die Ghettobildung und versuchen sie schnell wieder abzuschieben und wegzujagen, oder aber wir fangen an, in etwas größeren zeitlichen Dimensionen zu denken.Fast jeder von uns hatte doch in der Grundschule irgendein asiatisches Kind sitzen – oder? Diese Kinder waren die ersten in Deutschland geborenen Nachkommen der mit offenen Armen importierten asiatischen Krankenschwestern im großen Pflegenotstand der 60er und 70er Jahre. Enorm viele dieser Kinder sind heute staatstragende DEUTSCHE: Politiker, Richter und Anwälte, Pfleger, Ingenieure, Geschäftsleute, Lehrer und Professoren und auch einige meiner ärztlichen Kollegen gehören dazu.Das war funktionierende Integration durch frühe Förderung und Bildung. Investition in die Zukunft. Und genau diesen Schritt jetzt zu wiederholen wäre doch eine Riesenchance, um diesen Rohstoff – die Kinder der jetzigen Zuwanderer – zu nutzen. Wenn wir uns das leisten wollen. Oder geht es am Ende etwa doch nur um Neid und eine reine Blutlinie?Für den Neid möchte ich dann nochmal an den erquicklichen Sachverhalt erinnern, dass 62 Personen so viel besitzen wie die Hälfte der Erdbevölkerung. Ich warte noch immer auf den Aufschrei der Empörung und den Futterneid diesbezüglich, den man ja regelhaft gegen die Ärmsten der Armen kultiviert. Vielleicht noch ein kleiner „Gimmick“ zum Abschluss:Letzte Nacht hatten wir unter vielen, vielen anderen Einzelschicksalen eine junge Schwangere im Lager, die keine Kindsbewegungen mehr gespürt hat. Sie sorgte sich, dass durch das lange Treiben im Mittelmeer – nachdem der Schleuserkutter gekentert war – nun auch ihr letztes Kind gestorben sei. Ihre zwei anderen Kinder sind bereits auf der Flucht im Meer ertrunken, weil sie keine Kraft mehr hatte… So eine Sozialschmarotzerin aber auch! Menschen leiden und sterben. Jetzt. Und wir können das verhindern. Wir schaffen das.P.S.: Ich habe nirgendwo das Wort „Nazi“ benutzt. Wer sich trotzdem als ein solcher hingestellt fühlen möchte – bitte sehr: Du Nazi!“
Ankara (nex) – Die hochrangigen Mitarbeiter der Zeitung Cumhuriyet, Chefredakteur Can Dündar und der für Ankara zuständigen Redakteur Erdem Gül, wurden am Freitagmorgen infolge einer Anordnung vonseiten des türkischen Verfassungsgerichtshofs freigelassen. Die beiden Journalisten seien, so entschied das Höchstgericht mit 12:3 Stimmen, durch die Untersuchungshaft in ihren Rechten verletzt worden. Das Höchstgericht sah in der Inhaftierung eine „Verletzung von Individualrechten wie der Pressefreiheit und der Freiheit der Meinungsäußerung“.
Die beiden Journalisten waren im Vorjahr verhaftet und in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem sie einen umstrittenen Bericht bezüglich der Nationalen Geheimdienstorganisation (MIT) veröffentlicht hatten, der sich zum Teil auf illegal erlangtes und aus Straftaten stammendes Material gestützt haben soll. So haben sie Material aus einer unrechtmäßigen Durchsuchung eines im Eigentum der MİT stehenden LKWs im Januar 2014 in ihrem Artikel verwertet und auf ihrer Internetplattform publiziert.
Die illegale Durchsuchung war Teil eines Putschversuches eines als „Parallelstaat“ bezeichneten Netzwerks innerhalb der staatlichen Institutionen, das mutmaßlich im Auftrag des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen versucht hatte, mithilfe von Ermittlungen auf Grund inszenierter Korruptionsfälle und sonstiger angeblicher Straftaten die gewählte türkische Regierung zu entmachten. Dündar und Gül hatten ihre Verhaftung vor dem Verfassungsgerichtshof angefochten. Das Strafverfahren gegen die beiden wird jedoch weitergeführt und es droht immer noch eine langjährige bis lebenslange Haftstrafe, unter anderem wegen des Vorwurfs der Spionage. Das Verfahren soll am 25. Mai beginnen. Es besteht eine Ausreisesperre.