Tauwetter zwischen Moskau und Ankara?
Gazprom will Erdgasexporte in die Türkei steigern

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Moskau (nex) – Der russische Erdgasriese Gazprom hat die Pisarevka-Anapa-Pipeline, die auf russischem Hoheitsgebiet liegt und als Teil des aufs Eis gelegten South-Stream-Projekts errichtet wurde, mit der bestehenden Blue-Stream-Pipeline verbunden, um auf diese Weise die Exporte in die Türkei zu steigern. Die russische Nachrichtenagentur Sputnik berichtete am 10. Januar, dass man täglich 18 Millionen Kubikmeter durch die Pisarevka-Anapa-Pipeline pumpe und dass in weiterer Folge auch die neu errichteten Einrichtungen des Südlichen Korridors ihre Arbeit aufgenommen hätten. Die Türkei soll insgesamt 200 Millionen Kubikmeter Erdgas aus der Menge erhalten, die über die Pisarevka-Anapa-Pipeline an die Blue Stream geliefert wird. Der Südliche Korridor wurde errichtet, um Erdgas aus russischen Feldern dem ins Auge gefassten und mittlerweile aufs Eis gelegten South-Stream-Projekt zuzuführen, das russische Einrichtungen an der Schwarzmeerküste durch eine unterirdische Pipeline mit Bulgarien verbinden sollte, was Russland einen Zugang zu europäischen Märkten unter Umgehung der Ukraine ermöglicht hätte. Die Exporte der Gazprom nach Europa – inklusive der Türkei – wuchsen auch im Vorjahr um 8,2 Prozent gegenüber 2014 auf 158,6 Milliarden Kubikmeter an. Die Türkei ist der zweitgrößte Abnehmer der Gazprom mit 27 Milliarden Kubikmetern im Jahre 2015 nach Deutschland mit 45 Milliarden Kubikmetern. Die Blue Stream ist eine unter Wasser verlaufende Pipeline, die Russland durch das Schwarze Meer mit der Türkei verbindet. Nach dem Aus für South Stream sollte das Turkish-Stream-Projekt dieses ersetzen. Es wurde jedoch ebenfalls gestoppt, nachdem infolge des Abschusses eines russischen Su-24-Bombers durch die türkische Luftwaffe an der syrischen Grenze nach einer mutmaßlichen Grenzverletzung im November 2015 zwischen Ankara und Moskau eine diplomatische Eiszeit ausbrach.

Berlin
Özdemir über Beck: „Üble leistungssteigernde Drogen fressen sich grade durch alle Teile unserer Gesellschaft“

Halle (ots) – Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir hat den Fall Beck als „das Handeln eines Einzelnen“ kommentiert. „Die Reaktionen von Kollegen wie Wolfgang Bosbach zeigen, dass wir alle, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, menschlich betroffen sind“, sagte Özdemir der Mitteldeutschen Zeitung. Özdemir weiter: „Es zeigt sich hier eine traurige Realität: Üble leistungssteigernde Drogen fressen sich grade durch alle Teile unserer Gesellschaft.“ Dieser Art von Drogen müsse noch viel entschlossener der Kampf angesagt werden. „Prävention, Prävention, Prävention und starke wirkungsvolle Hilfe für Betroffene sind hier der Schlüssel“, so Özdemir.

Terror in Ankara
Vater des Ankara-Attentäters spricht: „Habe vier Mal im PKK-Lager nach meinem Sohn gesucht“

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Ankara (nex) – Die Nachrichtenagentur Anadolu hat in einem Bericht aufgearbeitet, wie verzweifelt der Vater des in der Vorwoche als Selbstmordattentäter von Ankara identifizierten Abdulbaki Somer versucht hatte, sein Kind aus den Fängen der terroristischen PKK zurückzuholen. Wie das Protokoll seiner Zeugenaussage gegenüber der Polizei erkennen lässt, soll der Vater vier Mal in PKK-Lager im Nordirak gefahren sein, um „seinen Sohn nach Hause zu bringen“. Der Aussage von Musa Somer zufolge soll sein Sohn Abdulbaki „im September 2005 verschwunden“ sein. „Mein Sohn hatte gesagt, er wolle nach Van, um seine Einschreibung für die Mittelschule zu erneuern“, erklärte der Vater. „Zwei Tage lang habe ich nichts mehr von ihm gehört, deshalb bin ich dann zur Polizei gegangen, um meinen Sohn als vermisst zu melden.“ Musa Somer erklärte zudem, die Familie habe enge Verwandte im Nordirak gehabt, die er bei Gelegenheit besucht habe, und dabei habe er auch vier Mal PKK-Lager besucht, um dort den Versuch zu unternehmen, „meinen Sohn dazu zu bewegen, nach Hause zu kommen“. Auf die Frage, ob er bei diesen Besuchen begleitet worden sei, sagte Somer, er habe mit niemandem darüber gesprochen und die Camps alleine besucht. Er habe vom nordirakischen Dohuk aus ein Taxi genommen. „Ich habe gehofft, meinen Sohn dort zu finden und zur Rückkehr überreden zu können. Ich war vier Mal dort und habe den bewaffneten Wachen am Eingang Bilder von ihm gezeigt, sie haben aber stets gesagt, sie hätten ihn nie gesehen.“ Es sei ihm in all der Zeit nie gelungen, irgendwelche Spuren oder Nachrichten bezüglich des Aufenthalts seines Sohnes seit 2005 zu entdecken. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Abdulbaki Somer dem Vernehmen nach im Alter von 16 Jahren 2005 in den Bergen von Kandil im Nordirak der terroristischen PKK angeschlossen habe und sich bis 2014 dort aufgehalten habe. Auf die Frage, wie er davon erfahren habe, dass sein Sohn hinter dem Anschlag von Ankara stecke, sagte Somer, er sei hellhörig geworden, als einige Medienberichte das Bild eines mutmaßlichen Selbstmordbombers gezeigt hätten, der „wie mein Sohn aussah“. Auf diese Weise habe er erfahren, dass sein Sohn den Codenamen „Zinar“ benutzt habe. „Das sagte mir aber gar nichts. Auch meine Verwandten wurden, nachdem sie die Berichte gesehen hatten, argwöhnisch und kondolierten mir, weil auch sie meinten, der Attentäter sehe aus wie Abdulbaki“, gab der Vater an. Der Terroranschlag in der türkischen Hauptstadt am 17. Februar kostete 29 Menschen das Leben, Dutzende weitere wurden bei diesem Angriff gegen einen Militärbus verwundet. Mittels eines DNA-Tests konnte nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Angreifer um den Sohn Musa Somers aus der Provinz Van gehandelt habe. Dieser hatte selbst die Polizei informiert, dass möglicherweise sein Sohn hinter dem Anschlag gestanden habe. Derzeit befinden sich 15 Personen, die ebenfalls in Verbindung zu dem Attentat stehen sollen, in Untersuchungshaft. Der mit Sprengstoff beladene Wagen, der als Tatwaffe verwendet wurde, war zuvor im westtürkischen Izmir gestohlen worden.  

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Rüstungsdeal
Krieg gegen PKK: USA liefern Türkei bunkerbrechende Präzisionsbomben

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Ankara (eurasia/nex) – Das Pentagon hat Berichten zufolge einem Rüstungsdeal mit der Türkei zugestimmt. Die türkische Armee erhalte demnach eine unbestimmte Menge von präzisionsgelenkten Bomben im Wert von 682,9 Millionen US-Dollar.
Ein türkischer Militär-Offizieller kommentierte das Abkommen wie folgt:
„Der Deal wurde zur richtigen Zeit abgeschlossen, da wir derweil in einen asymmetrischen Krieg involviert sind und intelligente Bomben benötigen.“ Türkische Kampfjets bombardieren seit dem vergangenen Jahr, nachdem ein zweijähriger Waffenstillstand mit der Terrororganisation PKK aufgekündigt worden war, Stellungen der verbotenen Miliz sowohl in der Türkei als auch im Nordirak. Die Zusammenstöße nahmen dabei seit Juli bis Januar sukzessive an Intensität zu. Das Pentagon wies den Lieferauftrag demnach den US-Rüstungskonzernen Ellwood National Forge und General Dynamics Ordnance and Tactical Systems zu. Diese würden nun zeitnah Gefechtskörper und weitere Komponenten vom Typ BLU-109 an die Türkei liefern.
Der BLU-109 (Bomb Live Unit) ist ein gehärteter Penetrationsgefechtskopf, auch Bunkerknacker genannt. Er wurde zuerst für freifallende Bomben entwickelt, später aber auch für gelenkte Bomben oder Lenkflugkörper eingesetzt. Der BLU-109 wurde entwickelt, um massive gehärtete und eingegrabene Ziele wie Bunker oder gehärtete Unterstände punktgenau zu zerstören. Die Forderung der Air Force lag bei einer Durchschlagskapazität von bis zu 1,8 Meter Stahlbeton und Zündung mittels Verzögerungszünder, um die Bombe nach dem Einschlag innerhalb des Ziels zur Explosion zu bringen. Die Bombe hat ein Gefechtsgewicht von 883 Kilogramm und ist zu 80 Prozent mit TNT und zu 20 Prozent Aluminiumpulver gefüllt. BLU-109-Bomben sind bereits seit 1985 im Inventar der US-Army. Sie wurden bei den Invasionen im Irak und in Afghanistan verwendet. Während der Operation „Desert Storm“ im Irak wurden die Bomben mit einem lasergelenkten System kombiniert. Dies sei der erste Verkaufsabschluss von Bombensystemen des Typs BLU-109 mit der Türkei. Türkische Offizielle erwarten, dass die letzte Lieferung der Bomben bis 2020 abgeschlossen sein werde.  
Erschienen bei unserem Kooperationspartner eurasianews

US-Wahlen
Die 6 islamfeindlichsten Momente der US-Vorwahlen

Nicht einmal ein Prozent der amerikanischen Bevölkerung sind Muslime. Eine bedeutende Rolle im Vorwahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft spielen sie trotzdem – nicht als potenzielle Wähler, sondern als Feindbild. Hier sind die sechs islamfeindlichsten Momente im Rennen um das US-Präsidentenamt.

Als Donald Trump seinen ersten Wahlkampf-Spot veröffentlichte

Donald Trump wird nachgesagt, nur stupide Parolen, aber kaum konkrete Inhalte zu liefern. Das mag bei fast jedem Politikfeld stimmen, nicht aber, wenn es um Repressionen gegenüber Muslimen geht: Diesen will er die Einreise in die USA verwehren. Jene, die schon in den USA als amerikanische Staatsbürger leben, sollen spezielle Ausweise tragen. Zusätzlich sollen ihre Identitäten in einer Datenbank gespeichert werden. Selbst seinen ersten TV-Spot hat Trump der Diskriminierung von Muslimen gewidmet.

Als Ben Carson keinen Muslim als Präsident wollte

Ben Carson gilt spätestens seit dem Super Tuesday als chancenlos im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Das war nicht immer so. Im vergangenen September katapultierte sich der ehemalige Neurochirurg einmal kurz an die Spitze des Bewerberfeldes, indem er in einem Interview kundtat, dass er sich keinen Muslim im Amt des US-Präsidenten vorstellen könnte. Dies verträgt sich zwar nicht mit der in der Verfassung festgeschriebenen Religionsfreiheit, brachte Carson aber nach eigener Aussage jede Menge Spendengelder ein. Gegenüber CNN sagte er einige Tage später: „Das Geld kam so schnell herein, es war schwer, den Überblick zu behalten.“

Als Marco Rubio nicht nur Moscheen schließen wollte

Marco Rubio gilt auch in deutschen Medien als gemäßigter Konservativer. Seine Positionen gegenüber Muslimen sind aber nicht weniger radikal als die von Trump. Als ihn im November eine Fox-News-Moderatorin auf die Trump-Forderung ansprach, im Kampf gegen den IS Moscheen in den USA schließen zu wollen, zog dieser noch an seinem Konkurrenten vorbei: „Es geht nicht nur darum, Moscheen zu schließen. Es geht darum, jeden Ort zu schließen – sei es ein Café, ein Restaurant – jeder Ort, an dem Radikale inspiriert werden.“

Als Donald Trump dazu aufrief, Zivilisten zu ermorden

Es gehört schon viel dazu, selbst die rechtspopulistischen Moderatoren von Fox-News vor lauter Menschenverachtung sprachlos zu machen. Donald Trump hat es geschafft. Auf die Frage, wie er im Kampf gegen den IS zivile Opfer vermeiden wolle, antwortete er, wie er gezielt Zivilisten umbringen werde:
„Ich würde absolut mein Bestes geben. Einer der Gründe dafür, dass wir so ineffektiv sind, ist: Die benutzen menschliche Schutzschilde, das ist eine schreckliche Sache. Aber wir kämpfen einen überaus politisch korrekten Krieg. Die Sache bei den Terroristen ist, du musst ihre Familien töten. Wenn die sagen, ihnen ist ihr Leben egal, dann musst du ihre Familien töten.“

Als auch Ted Cruz zu Kriegsverbrechen aufrief

Unter all den republikanischen Kriegstreibern herauszustechen, ist nicht einfach. Als die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Anfang Dezember ihre außenpolitischen „Programme“ vorstellten, hat Texas‘ Senator Ted Cruz es dennoch geschafft. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa kündigte er an, den IS mit einem „Flächenbombardement“ des Irak besiegen zu wollen. Cruz‘ wohl lustig gemeinter Nachsatz zum angekündigten Massenmord: „Ich weiß nicht, ob Sand im Dunkeln leuchten kann. Aber wir werden es herausfinden.“

Als die Bewohner New Hampshires deutlich machten, dass nicht nur die Kandidaten das Problem sind

Eines muss man der islamophoben Agenda der republikanischen Präsidentschaftskandidaten zumindest zugute halten: Den Nerv potenzieller Wähler trifft sie. Bei der Vorwahl in New Hampshire stimmten Zweidrittel der befragten republikanischen Wähler Trumps Forderung zu, Muslimen die Einreise in die USA zu verwehren. Und bei einem Exit-Poll in North Carolina forderten 72 Prozent der republikanischen Befragten, Muslime vom Rennen um die US-Präsidentschaft auszuschließen. 40 Prozent wollten den Islam sogar gleich ganz verbieten.
meet  
Erschienen bei Schantall und die Scharia  

Flüchtlingsschicksale
Syrerin: „Habt Geduld! Wir sind nicht hergekommen, um eure Staatskasse auszuplündern!“

Die erste junge Frau, die ich treffe, heißt Sarah, ist 24 Jahre alt und seit mehr als einem Jahr in Deutschland. Das erste Mal, als ich sie sah, war sie erst seit wenigen Wochen im Lande. Die erste Frage, die sie mir damals gestellt hatte, war: „Wann kann ich eigentlich weiterstudieren? Und wo?“ Solche Menschen bleiben einem im Gedächtnis. Denn sie blicken nach vorn, anstatt sich über die Vergangenheit zu beklagen. Sarah, erzähle uns etwas über Dich und Deine Familie.
Ich bin die älteste von vier Geschwistern. Zwei von ihnen besuchen mit mir den Sprachkurs an der Uni. Meine jüngste Schwester besucht eine staatliche Schule und kommt schneller voran als wir anderen, habe ich das Gefühl. Vielleicht hat man es einfacher, je jünger man ist.
Wie war dein erster Eindruck von Deutschland?
Der Anfang war sehr schwer. Das Wetter, die Umstellung, kein fester Wohnsitz. Wir sind in vielen verschiedenen Camps untergekommen, bevor wir in diese Stadt kamen. Aber so langsam gewöhnt man sich an alles.
Wie seid ihr nach Deutschland gekommen und welche Erinnerungen hast du an die Reise?
Syrien haben wir erst dann verlassen, als die Armee die Lederwerkstatt meiner Eltern in Besitz genommen hat. Der Kriegszustand war ohnehin schon schlimm. Seit wir die Firma verloren haben, wurde es für uns unmöglich, zu überleben. Die Reise war nicht wirklich geplant. Erst als die Lage unerträglich wurde, haben wir uns auf den Weg gemacht. In ein – hoffentlich – besseres Leben.
Wir haben fast kein Verkehrsmittel ausgelassen: Wir saßen in verschiedenen Flugzeugen, im Boot, in mehreren Zügen, fremden Autos… Der Weg hierher war lang und anstrengend. Vor allem zu sehen, wie die Menschen leiden müssen, hat mich sehr mitgenommen. Viele unserer Freunde haben den Weg hierher leider nicht geschafft und sind auf der Flucht verstorben. Als wir im überfüllten Boot saßen, habe ich nur gehofft und gebetet, dass meine Familie und ich die lange Fahrt durch das Meer entweder alle überleben, oder alle… Es wäre schlimm gewesen, jemanden aus meiner Familie verloren zu haben. Wir hatten, Gott sei dank, sehr viel Glück. Andere leider nicht.
Wenn du an deine Heimat Syrien denkst, welche Eindrücke und Gefühle kommen auf?
Ich versuche, mich mehr an die schönen Zeiten zu erinnern als an die momentane Situation in meinem Land. Ich wünsche mir so sehr, dass alles wieder wird wie vorher. Und ich hoffe, dass ich eines Tages zurückkehren kann und meine Heimat mit aufbauen und bereichern kann mit all dem Wissen, das ich mir hoffentlich in den nächsten Jahren aneignen werde.
Ich war im letzten Semester meines Informatikstudiums an der Uni in Damaskus. Kurz vor der Prüfung wurde die Kriegssituation immer schlimmer und ich musste abbrechen. Viele Nachweise über mein Studium konnten nicht mehr gerettet werden. Aber ich werde alles nachholen. Auch wenn ich hier von vorne anfangen muss. Ein Abschluss ist wichtig für die eigene Zukunft.
Wie sieht dein Alltag in Deutschland aus?
Seit einigen Wochen besuche ich jeden Vormittag einen Deutschkurs an der Uni. Die Sprache ist das Wichtigste. Gleichzeitig informiere ich mich über Studiengänge. Hier in Deutschland hat man viel mehr Möglichkeiten als in Syrien. Ich habe mich noch nicht festgelegt, ob ich mein altes Studium wieder aufnehmen möchte oder doch lieber was Neues angehen soll. Ich lerne erst die Sprache. Danach werden sich mir hoffentlich die Türen öffnen.
Aber mein Tag war nicht schon immer so! Die Zeit in den Unterkünften war total schlimm. Und das war immerhin fast ein ganzes Jahr meines Lebens.
Inwiefern?
In den Camps war es uns nicht möglich, die Sprache zu lernen, da es keine Kurse gab. Zumindest in den Unterkünften, in denen meine Familie und ich untergekommen waren. Danach haben wir zu Hause noch einige Wochen auf die Aufenthaltsgenehmigung gewartet. Erst danach hatten wir das Recht, einen Sprachkurs zu belegen.
Das war das schlimmste Jahr meines Lebens! Die meisten bei uns in den Camps und auch die Nachbarn in den weiteren Unterkünften haben sehr gelitten. Wir sind es nicht gewohnt, einfach nur „arbeitslos“ zu Hause zu sitzen. Ich kenne viele, die aus diesem Zustand in Depression gefallen sind und sogar bereut haben, das Land und den Krieg verlassen zu haben. So schlimm war das für manche. Das muss man sich vorstellen! Ich hätte mir mehr Aktivitäten und Projekte in den Camps gewünscht. Oder dass wir zumindest die Sprache lernen dürfen, bevor feststeht, ob wir in Deutschland bleiben dürfen oder nicht. Das würde niemandem schaden. Vielleicht könnte ich jetzt schon studieren.
Welche Änderungen würdest du diesbezüglich vorschlagen oder durchführen, wenn du könntest?
Eine Sache ganz bestimmt: Ich weiß z.B. immer noch nicht, wie Deutschland funktioniert. Ich weiß zu wenig über die deutsche Kultur. Und das geht nicht nur mir so. Zwar habe ich viel selbst darüber gelesen, aber das reicht nicht. Mir fehlt die Praxis und der Umgang mit den Mitbürgern. Es wäre schöner gewesen, schon in den Camps etwas Einblick in die deutsche Kultur bekommen zu haben. Wir hatten einfach viel zu viel Freizeit. Man hätte sie besser füllen können.
Vielleicht könnte man Kurse und Workshops anbieten. Zum Beispiel Musik, Ausflüge, Sportaktivitäten, Kunst, Geschichte usw. Vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene. Man würde die Unterkunft vielleicht mit ganz neuen Perspektiven verlassen. Ich würde sogar selbst die Camps besuchen und den Leuten meinen bisherigen Wissensstand über Deutschland weitergeben. Natürlich ist es nicht viel. Ich will die Menschen jedoch motivieren und würde alles dafür tun, um es so vielen wie möglich ersparen zu können, in Depression zu fallen. Ich würde ihnen gerne über mein Leben hier „draußen“ berichten. Einfach nur, um ihnen Mut zu machen. Zudem hoffe ich, damit auch einen kleinen Beitrag zur Gesellschaft leisten zu können. Denn diese Menschen würden womöglich mit viel Motivation und neuer Energie die Unterkunft verlassen und schneller in der deutschen Gesellschaft Fuß fassen können.
Was ist dein Traumberuf?
In Syrien war es noch Informatik. Aber wer weiß, wie sich das nach dem Deutschkurs und meiner Recherche über Studiengänge ändern wird…
Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Da kann ich hoffentlich endlich gut Deutsch sprechen (lacht). Ich will auf jeden Fall ein eigenes Unternehmen im IT-Bereich gründen. Aber zehn Jahre sind eine sehr lange Zeit. Vielleicht habe ich mich bis dahin umentschieden. Wichtig wäre mir, dass ich so viel wie möglich nehmen und geben kann in dieser Zeit. Ich finde, wir können der deutschen Gesellschaft genau soviel geben, wie sie uns. Wir können alle voneinander lernen. Außerdem gibt es in Deutschland so viele Berufschancen. Ich bin gerade dabei, mich umzuhören, welche Möglichkeiten es in meinem Interessengebiet so alles gibt. Deutschland hat so viel zu bieten. Man muss nur was dafür tun. Und das hab ich auch vor. Einfach zu Hause zu sitzen wäre nichts für mich!
Was würdest du deinen deutschen Mitbürgern gerne mitteilen?
Ich möchte mich zunächst bedanken, da ich weiß, wie viel für Flüchtlinge getan wird. Gleichzeitig möchte ich an diejenigen appellieren, die immer noch gegen uns protestieren: Habt Geduld! Wir sind nicht hergekommen, um eure Staatskasse auszuplündern oder ein faules Leben auf eure Kosten zu führen! Wir Syrer sind ein Arbeitervolk. Wir sind es nicht gewohnt, nichts zu tun. Wir tun unser Bestes, um eure Sprache und Kultur zu lernen und somit ein Teil der Gesellschaft zu sein. Wir können viel voneinander lernen und uns gegenseitig bereichern.
  Erschienen bei basmamagazine

Terror gegen die Türkei
Istanbul: Unbekannte Angreifer eröffnen Feuer auf Polizeistation

Istanbul (nex) – Eine noch nicht identifizierte Gruppe warf am Donnerstagmorgen eine Handgranate auf eine Polizeistation der Sondereinheit „Cevik Kuvvet“ im Istanbuler Bezirk Bayrampasa und eröffnete daraufhin das Feuer auf die Polizeiwache. Die Polizeibeamten erwiderten den Angriff.
Nach einem kurzen Schusswechsel ergriffen die Angreifer die Flucht. Zeugenaussagen zufolge soll einer der Angreifer verwundet worden sein. Die flüchtenden Angreifer hätten sich nach einer Verfolgung in der Gazi Straße in einem Wohnhaus verschanzt. Neuesten Meldungen zufolge soll es sich dabei um zwei weibliche Personen handeln.

Verdächtige Futterproben
Handelskette Fressnapf warnt vor Futterproben

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Dortmund (nex) – Auf Facebook warnt die Handelskette für Tierfutter und Haustierzubehör Fressnapf vor Futterproben, die von Unbekannten in ihrem Namen versendet werden.

Auf Nachfrage erklärte Fressnapf, dass die meisten Fälle aus dem Hamburger Raum gemeldet wurden. Laut Meldungen im Internet soll es sich dabei um Gift handeln, doch gibt es dazu derzeit noch keinen Hinweis.

Das Unternehmen habe bereits Strafanzeige erstattet. „Wir bitten darum, solche Pakete unverzüglich bei einer Filiale abzugeben oder sich bei unserer Hotline 08001990990 zu melden“, so die Sprecherin der Handelskette.

 
(Foto: facebook)
(Foto: facebook)

 

Sachsen-Anhalt
Deutlich weniger Flüchtlinge kommen nach Sachsen-Anhalt

Halle (ots) – Die Zahl der nach Sachsen-Anhalt einreisenden Flüchtlinge schrumpft rapide. Laut jüngsten Daten des Innenministeriums wurde im Februar lediglich ein Zehntel der Flüchtlingszahlen registriert, die das Ministerium noch im November verzeichnete. Das berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung (Donnerstagsausgabe). So wurden in der dritten Februarwoche 340 Flüchtlinge in den Erstaufnahmestellen des Landes registriert – in der ersten Novemberwoche 2015 waren es noch 3 211, in der ersten Dezemberwoche 967. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach gegenüber der Zeitung von einer „erfreulichen Entwicklung, die jedoch nicht mehr als eine Momentaufnahme ist“. Hauptgrund für den gebremsten Zuzug sind die Grenzschließungen entlang der Balkanroute, über die im vergangenen Jahr Hunderttausende Menschen aus Syrien und Afghanistan nach Europa geflüchtet waren. Mazedonien hat die Grenzen geschlossen, Tausende Menschen harren in Griechenland aus. Auch die harschen Wetterbedingungen entlang der Route bremsen den Flüchtlingsstrom. Haseloff sagte, vor dem Hintergrund, dass die EU-Staaten auf eine Verringerung der Flüchtlingszahlen hinarbeiten, sei der Rückgang ein gutes Zeichen. „Allerdings ist dies keine systematische Lösung für das Problem.“ Es sei davon auszugehen, dass die Zahlen auf Dauer wieder ansteigen werden. 2015 waren laut Innenministerium rund 41 000 Flüchtlinge nach Sachsen-Anhalt gekommen, knapp 28 000 blieben im Land.

Über die Meerenge von Gibraltar
Forscher: Die ersten „Flüchtlinge“ kamen vor 900.000 Jahren aus Afrika

Barcelona (prn) – Forscher an der Universität Barcelona haben Beweise gefunden, dass die Hominiden vor 900.000 bis 850.000 Jahren über die südliche Iberische Halbinsel nach Europa kamen. Das Journal of Human Evolution hat eine Studie auf der Grundlage einer neuen Altersbestimmung von fossilen Überresten von menschlichen und afrikanischen Primaten veröffentlicht, die in Cueva Victoria (Cartagena, Murcia) in Spanien gefunden wurden. Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschen über die Meerenge von Gibraltar aus Afrika gekommen sind. „Bis jetzt galt die vorherrschende Theorie, dass Menschen auf verschiedenen Wegen zerstreut über den Mittelmeerraum nordwärts aus Afrika nach Europa und über die Pyrenäen auf die Halbinsel kamen; aber unsere Arbeit sowie andere frühere Studien legen nahe, dass die Hominiden zu verschiedenen Anlässen aus dem Süden kamen“, erklärt Lluís Gibert, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fakultät für Geologie an der Universität Barcelona und Leiter der Studie, die in Zusammenarbeit mit den Experten Carles Ferràndez und Maria Lería durchgeführt wurde. Cueva Victoria, ein Hyänenbau aus dem frühen Pleistozän mit drei Kilometer langen Gängen, war für die Forschungsarbeit von entscheidender Bedeutung. Dort wurden Überreste von an die neunzig Arten von Wirbeltieren gefunden, darunter die einer menschlichen Phalanx und eines Theropithecus oswaldi, eines afrikanischen Primaten, der dem heutigen Pavian ähnelte. „Das sind die einzigen Überreste des Theropithecus, die in Europa gefunden wurden. Ihr Vorkommen in Nordafrika während des Pleistozäns zusammen mit ihrem Fehlen an anderen europäischen Standorten ist das erste Anzeichen, dass die Hominiden über die Meerenge gekommen sind“, erklärt Carles Ferràndez. Die Überreste der Phalanx und des Primaten sind etwa 900.000 Jahre alt, im gleichen Alter wie eine Handaxt, die an der Ausgrabungsstätte in Cueva Negra in der Schlucht des Flusses Quípar, 50 Kilometer von Cueva Victoria, gefunden wurde. „Das sind die ersten Überreste der Acheuléen-Technologie in Europa, einer Art von Steinzeitkultur, die vor 1,6 Millionen Jahren in Afrika auftrat und von der man bis zur Altersbestimmung von Cueva Negra nicht wusste, dass sie schon vor 600.000 Jahren auch auf diesem Kontinent ankam“, sagt Lluís Gibert. Die Experten sagen, dass frühere Studien an entdeckten menschlichen Überresten an den Ausgrabungsstätten in Orce (Baza Basin, Granada) bereits nahegelegt hatten, dass vor etwa 1,3 Millionen Jahren eine Ausbreitung durch den Süd-Osten der Iberischen Halbinsel stattgefunden hatte, und zwar „unabhängig davon, dass andere Menschen versuchten, um das Mittelmeer herum zu wandern“, erklärt Lluís Gibert.   Kontakt: Lluís Gibert, Ramón y Cajal, Wissenschaftler an der Abteilung für Geochemie, Petrologie und geologische Erkundungsarbeit der Fakultät für Geologie der Universität Barcelona (UB). Tel.: +34-93-4021413, Mobil:+34-616-07-64-85, E-Mail: lgibert@ub.edu