Von Martin Lück
Der deutliche Sieg der Demokraten bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus und zum Senat ist vor allem ein politisches Misstrauensvotum gegen Donald Trump. Das Ergebnis dürfte seine innenpolitische Bewegungsfreiheit in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit erheblich einschränken.
Mit ihren neuen Mehrheiten werden die Demokraten voraussichtlich ihre Kontrollrechte intensiv nutzen: Mehr Anhörungen und parlamentarische Untersuchungen sowie die Blockade republikanischer Gesetzesvorhaben dürften die politische Auseinandersetzung prägen. Auch ein drittes Amtsenthebungsverfahren wäre denkbar. Eine Verurteilung im Senat bliebe allerdings sehr unwahrscheinlich, denn dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren erforderlich, bei vollständiger Anwesenheit also 67 Stimmen.
Auch die Fiskalpolitik könnte restriktiver werden. Ein demokratisch kontrollierter Kongress dürfte neue Steuersenkungen und zusätzliche Ausgaben erschweren. Weniger fiskalische Impulse könnten das Wachstum und den Inflationsdruck dämpfen und dadurch Spielraum für niedrigere Zinsen schaffen. Entscheidend wäre dabei, wie stark die gesamtwirtschaftliche Nachfrage tatsächlich nachlässt.
In der Außenpolitik behält der Präsident dagegen größere Handlungsspielräume, auch wenn der Kongress über Haushaltsentscheidungen und Kontrollrechte Einfluss nehmen kann. Die innenpolitischen Einschränkungen könnten Trump dazu veranlassen, außenpolitisch noch offensiver aufzutreten. Sollte parallel in Israel ein politisches Machtvakuum entstehen, könnte dies diese Dynamik verstärken. Weitere militärische Schläge gegen den Iran wären in diesem Szenario ein relevantes geopolitisches Risiko, auch auf kurze Sicht.
Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf die Präsidentschaftswahl 2028. Der klare Wahlsieg dürfte bei den Demokraten den internen Wettbewerb um die nächste Präsidentschaftskandidatur beschleunigen. Die Midterms markieren damit nicht nur eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Kongress, sondern zugleich den Beginn der nächsten politischen Positionierungsrunde.
Für die Kapitalmärkte ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Mehr demokratische Kontrolle und die Aussicht auf größere fiskalische Disziplin könnten US-Staatsanleihen unterstützen. Bei Aktien stehen dagegen mögliche Belastungen durch stärkere Regulierung den Chancen sinkender Renditen gegenüber.
Regulierungsrisiken könnten insbesondere den Energie-, Finanz- und Pharmasektor sowie möglicherweise Technologieunternehmen belasten. Niedrigere Anleiherenditen könnten wiederum gerade Wachstums- und Technologieaktien stützen. Der demokratische Erdrutschsieg wäre daher nicht automatisch ein Anlass für eine breite Flucht aus risikoreicheren Anlagen.
Democrats will now control the House and Senate and be able to hold Trump accountable. That’s great. At a time of massive income and wealth inequality, we must do more. We must aggressively fight for working families. No more excuses.
— Bernie Sanders (@BernieSanders) November 4, 2026

Martin Lück, Chef-Kapitalmarktstratege bei Franklin Templeton
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