London – Eine neue Untersuchung legt offen, wie eine verdeckte Desinformationskampagne mit Millionenaufwand antimuslimische und rassistische Narrative in Europa und den USA verbreitete.
Experten sehen dahinter eine kalkulierte Strategie, um von der Kritik am Gaza-Krieg abzulenken und das rechte politische Spektrum im Westen einzubinden. Eine am 29. Oktober veröffentlichte Untersuchung der Digitalforensiker Marc Owen Jones und Sohan Dsouza hat eine massive, verdeckte und israelisch verknüpfte Einflusskampagne aufgedeckt, die seit Oktober 2023 über Plattformen wie Meta, YouTube und TikTok lief.
Unter dem Titel „Manufacturing the Great Replacement“ dokumentierten die Forscher mehr als 533 Millionen registrierte Werbeeinblendungen und Videoaufrufe in rund 30 Ländern, vor allem in Europa. Die geschätzten Werbeausgaben belaufen sich demnach auf über 5 bis 8 Millionen US-Dollar.
Das Kalkül hinter den Anzeigen: Verschwörungstheorien und Katar-Fokus
Die Kampagne nutzte plattformübergreifend rassistische, anti-muslimische und anti-migrantische Inhalte. Dabei wurde eine Variante der sogenannten „Großen Austausch“-Verschwörungstheorie bedient – mit dem entscheidenden Dreh, dass nicht traditionelle Figuren wie George Soros, sondern der Staat Katar als angebliche Hinterkraft inszeniert wurde, die Europa „islamisieren“ wolle.
Die Spuren zu den Urhebern führten unter anderem über technische Fehler bei Wikipedia-Bearbeitungen und Video-Metadaten zu israelischen IP-Adressen sowie Bearbeitungszeiten im israelischen Arbeitsrhythmus. Während in Europa gezielt anti-migrantische und anti-katarische Stimmungen geschürt wurden, lief in Libanon ein paralleler Zweig, der anti-iranische und anti-Hisbollah-Botschaften verbreitete, Israel in der Erzählung jedoch komplett aussparte.
Islamfeindlichkeit als strategisches Instrument im Westen
Die Enthüllungen fügen sich nahtlos in Analysen ein, die bereits im Sommer 2026 für Aufsehen sorgten. So wies unter anderem der Nahost-Experte und ehemalige US-Diplomat Josh Paul (Al Jazeera) darauf hin, dass die israelische Regierung gezielt auf antimuslimische Ängste setzt, um das Ansehen im Westen zu verteidigen.
Das dahinterliegende Kalkül: Anstatt sich mit der anhaltenden internationalen Kritik am Gaza-Krieg und völkerrechtlichen Vorwürfen auseinanderzusetzen, wird bewusst mit Ressentiments gegenüber Muslimen und Zuwanderung gespielt (Ragebaiting).
Zielgruppe sind dabei vor allem konservative und rechte Kreise im Westen, denen ein vermeintlich gemeinsamer geopolitischer Feind präsentiert wird. Kritiker und Analysten werten antimuslimische Ressentiments in diesem Kontext als ein gezielt eingesetztes „hebelartiges Werkzeug“, um politische Allianzen zu sichern, von der eigenen Isolation abzulenken und westliche Öffentlichkeiten in Fragen der Nahost-Politik zu spalten.
Angesichts drastisch gestiegener Budgets für globale Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2026 zeigen die aktuellen Berichte, wie stark digitale Kampagnen und geopolitische Interessen im Informationsraum miteinander verschränkt sind.
If you don’t have time read the full report we’ve created a story with some of the key highlights and moments. Just check out the website. https://t.co/n6m1CwBq98 https://t.co/ce0FworK6I
— Marc Owen Jones (@marcowenjones) October 29, 2026
„Israeli-linked influence campaign exploits islamophobia to sway European elections: A technical error exposed an Israeli IP address, while video metadata provided further evidence of the campaign’s Israeli links“ https://t.co/F3aZFNEXIJ
— Marc Owen Jones (@marcowenjones) October 30, 2026
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