Brasilia – Luiz Inácio Lula da Silva hat die dramatische Stichwahl um die Präsidentschaft in Brasilien gewonnen und sich eine weitere Amtszeit an der Spitze des südamerikanischen Landes gesichert. Der Sieg gegen seinen rechtsextremen Herausforderer Flávio Bolsonaro beendet einen extrem polarisierten Wahlkampf, der bis zuletzt von schweren Vorwürfen gegen den Tech-Konzern Meta überschattet worden war.
Nach Bekanntgabe der Ergebnisse brachen in zahlreichen Großstädten des Landes Jubelstürme aus. Allein auf der symbolträchtigen Avenida Paulista in São Paulo feierten Zehntausende Anhänger den Ausgang der Wahl.
Lulas Triumph löste auch international rasche Reaktionen aus: Führende Politiker wie Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, Kanadas Premierminister Mark Carney, Paraguays Präsident Santiago Peña sowie US-Politiker Bernie Sanders gratulierten dem Linkspolitiker und würdigten den Wahlausgang als Stärkung der brasilianischen Demokratie.
„Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden! Herzlichen Glückwunsch, Präsident Lula“, schrieb der Oberbürgermeister von New York, Zohran Mamdani, auf X.
Der Triumph ist zugleich eine Absage an die Einflussnahme aus den USA: Lula gilt als einer der schärfsten Kritiker von US-Präsident Donald Trump in der Region. Im Wahlkampf hatte er Trumps Handelspolitik scharf verurteilt und betont, dass Brasilien „niemands Hinterhof“ sei. Trump wiederum hatte den Wahlkampf genau verfolgt und den Zwischenerfolg von Lulas Herausforderer Flávio Bolsonaro nach der ersten Wahlrunde noch als „großartigen Sieg“ bezeichnet.
Vom Fabrikarbeiter an die Staatsspitze
Für viele Brasilianer ist der erneute Wahlsieg Lulas weit mehr als nur ein politisches Comeback – er symbolisiert den Aufstieg der klassischen Arbeiterschicht. Lula wuchs in ärmsten Verhältnissen auf und arbeitete bereits im Kindesalter als Schuhputzer und Straßenhändler. Später absolvierte er eine Lehre zum Metallarbeiter und Dreher in der Automobilindustrie von São Paulo. Ein Arbeitsunfall an einer Hydraulikpresse, bei dem er im Alter von 19 Jahren seinen kleinen Finger verlor, prägt sein Auftreten bis heute.
In den 1970er-Jahren stieg er als gewählter Gewerkschaftsführer an die Spitze der Metallarbeiterbewegung auf und forderte während der damaligen Militärdiktatur mit historischen Streiks das Regime heraus. Aus dieser Bewegung heraus gründete er 1980 die Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT) und stieg schließlich vom einfachen Fabrikarbeiter bis zum Präsidenten auf – eine Biografie, die im heutigen politischen Establishment Lateinamerikas nahezu einzigartig ist.
Vorwurf der Reichweiten-Drosselung: Streit mit Meta überschattet Wahlkampf
Im Zentrum der dramatischen Schlussphase des Wahlkampfs stand jedoch eine juristische und politische Auseinandersetzung mit dem US-Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp. Lulas Wahlkampfteam hatte Meta beschuldigt, durch algorithmische Manipulationen und plötzliche Reichweiten-Drosselungen gezielt pro-Lula-Inhalte zu unterdrücken, während Beiträge des Bolsonaro-Lagers bevorzugt ausgespielt worden seien. Unter anderem fehlten bei Beiträgen des amtierenden Präsidenten zeitweise Interaktions- und Teilen-Buttons.
Lulas Partei zog daraufhin vor das oberste Wahlgericht Brasiliens (TSE), das Meta unter Androhung hoher Tagesstrafen dazu verpflichtete, die Gleichbehandlung beider Kandidaten unverzüglich sicherzustellen. Während der US-Konzern die Vorwürfe einer bewussten Beeinflussung zurückwies und von technischen Fehlern sprach, machten Proteste vor Firmengebäuden die Rolle digitaler Plattformen zum zentralen Thema. In seinen ersten Erklärungen nach dem Sieg sprach Lula explizit davon, dass das Land Versuchen der Einflussnahme über globale digitale Netzwerke erfolgreich getrotzt habe.
Herausforderungen für die neue Amtszeit
Mit dem Wahlsieg steht Lula vor der Aufgabe, ein tief gespaltenes Land zu befrieden. Neben der gesellschaftlichen Versöhnung stehen die wirtschaftliche Stabilisierung sowie der Schutz des Amazonas-Regenwaldes ganz oben auf seiner Agenda. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Opposition auf das Ergebnis reagiert und welche rechtlichen Nachspiele die Streitigkeiten um die Rolle der Social-Media-Giganten im Wahlkampf haben werden.
Quedará en los libros de historia cómo un viejo obrero de fábrica les hizo frente a todo el poder mediático y financiero del sionismo y de EEUU. Serás inmortal, Luiz Inácio Lula da Silva. https://t.co/TMTAao0shH
— Daniel Salcan (@Danielsalcan_) October 25, 2026
AUCH INTERESSANT

