Jerusalem – Der jüdische US-Kongresskandidat Brad Lander ist am Mittwoch, 21. Oktober 2026, im Westjordanland von der israelischen Armee festgesetzt worden.
Der frühere New Yorker Comptroller und Kandidat der Demokraten für den 10. Kongresswahlbezirk von New York habe gemeinsam mit Rabbinern und weiteren Freiwilligen bei der Olivenernte nahe Nahalin bei Bethlehem geholfen, als Soldaten das Gebiet abriegelten. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Rabbis for Human Rights (RHR) seien rund 80 bis 90 Menschen festgesetzt worden.
„Ich wurde von der IDF festgesetzt, zusammen mit einer Gruppe Rabbiner und Freiwilliger. Wir haben einfach nur Oliven in einem Hain geerntet”, schrieb Lander auf X. Die Besatzung sei „nach internationalem Recht ein Verbrechen”, fügte er hinzu — und: „Olivenernte ist nach keinem Gesetz, das ich kenne, ein Verbrechen.” Dazu veröffentlichte er ein Selfie aus einem Bus voller Festgesetzter.
Zwei ruhige Stunden — dann die Militärzone
Die Freiwilligen hätten Bauern zu Land begleitet, zu dem diese seit drei Jahren keinen Zugang mehr gehabt hätten, so RHR. „Nach zwei Stunden friedlicher Olivenernte kamen große Truppenkontingente und riegelten das Gebiet ab”, erklärte die Leitung der Organisation. Der Knesset-Abgeordnete Gilad Kariv, ein Reformrabbiner und früherer Kooperationspartner von RHR, schilderte den Ablauf ähnlich:
Nach zwei ruhigen Stunden hätten Armee und Polizei eine geschlossene Militärzone ausgerufen und die Freiwilligen aufgefordert, in einen vom Militär bereitgestellten Bus zu steigen. Unter den Festgesetzten soll laut Jerusalem Post auch der frühere stellvertretende Generalstaatsanwalt Yehoshua Schoffman gewesen sein.
Eine Reise mit Ansage
Lander hatte seinen Aufenthalt im Westjordanland am Montag, 19. Oktober, in einem Video angekündigt. Er habe sich der Koalition „Protect the Harvest” angeschlossen, die mehrere Organisationen vereint, darunter RHR. „Unser Ziel ist es, die Olivenernte zu schützen — und ein Licht auf die Realität der Besatzung zu werfen”, schrieb er dazu. In dem Video sagte Lander, Tausende Palästinenser seien von ihrem Land und ihren Olivenhainen vertrieben worden.
Es ist nicht Landers erste Festnahme. Im Juni 2025 war er, damals noch Comptroller und Bewerber um das Bürgermeisteramt von New York, von Bundesagenten an einem Einwanderungsgericht festgenommen worden, nachdem er sich bei einem Mann untergehakt hatte, den die Behörden festnehmen wollten.
Gewalt während der Erntesaison
Die Festsetzung fällt in eine Erntesaison, die von Gewalt geprägt ist. Zuletzt hätten maskierte Siedler die Fotojournalistin Heidi Levine von der Washington Post bei der Berichterstattung über die Ernte angegriffen, außerdem seien Diplomaten aus Frankreich, Belgien und Polen sowie ein französischer Bürgermeister attackiert worden. Die israelische Polizei nahm daraufhin zehn Verdächtige fest. Die Strafverfolgung von Siedlerangriffen gilt als selten, wie der ORF berichtet.
Die israelische Organisation Yesh Din zählt seit Beginn der Ernte Ende September mehr als 530 Vorfälle von Siedlergewalt. Nach Angaben palästinensischer Behörden wurden in dieser Zeit mindestens vier Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die Trump-Regierung wolle „keinen neuen Funken” im Westjordanland sehen, und forderte Israel auf, gegen die Gewalt der Siedler vorzugehen. Die israelische Armee wiederum gibt laut Medienberichten an, derzeit sieben bis zehn illegale Außenposten pro Woche zu räumen und die Ernte an 85 Standorten zu koordinieren.
Eine offizielle Stellungnahme von Armee und Polizei zu Landers Festsetzung lag zunächst nicht vor. Ob er und die übrigen Festgesetzten inzwischen wieder frei sind, war zunächst unklar.
I’ve been detained by the IDF, along with a group of rabbis & volunteers. We were simply harvesting olives in a grove near Nehalim in the West Bank. The occupation is a crime under international law. Harvesting olives isn’t a crime under any law I know. https://t.co/r7B5Q3RvjY
— Brad Lander (@bradlander) October 21, 2026
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