Brüssel – Neue Pläne der NATO für eine engere Zusammenarbeit mit Armenien und Aserbaidschan stecken seit mehr als einem Jahr fest. Nach Angaben von NATO-Diplomaten verhindern Frankreich und die Türkei jeweils eines der beiden geplanten Partnerschaftsabkommen.
Frankreich blockiert demnach die Vertiefung der Beziehungen zu Aserbaidschan, während die Türkei eine entsprechende Vereinbarung mit Armenien zurückhält.
Nach den Plänen sollen die beiden Länder ihre Zusammenarbeit mit dem Militärbündnis unter anderem durch gemeinsame Übungen, militärische Ausbildung und einen intensiveren politischen Austausch ausbauen. Beide Staaten arbeiten bereits seit Jahrzehnten mit der NATO zusammen. Die Allianz führt Armenien und Aserbaidschan weiterhin als Partnerländer und unterstützt nach eigenen Angaben die Bemühungen beider Staaten um eine dauerhafte Friedensregelung.
Frankreich gegen Aserbaidschan, Türkei gegen Armenien
Der Streit hat nach Angaben von NATO-Diplomaten einen ungewöhnlichen Mechanismus: Frankreich lehnt eine weitere Vertiefung der NATO-Partnerschaft mit Aserbaidschan ab, während Ankara eine entsprechende Vereinbarung mit Armenien blockiert. Die türkische Position besteht demnach darin, beide Partnerschaften gemeinsam zu verabschieden.
Hinter dem französischen Widerstand stehen die seit Jahren angespannten Beziehungen zwischen Paris und Baku. Das französische Außenministerium führt als Gründe unter anderem den Krieg um Bergkarabach und die aserbaidschanische Militäroperation vom September 2023 an. Frankreich habe sich deutlich gegen den Einsatz militärischer Gewalt durch Aserbaidschan positioniert. Zugleich nahm Paris Anfang 2025 den diplomatischen Dialog mit Baku wieder auf.
Auch die Türkei und Armenien haben weiterhin keine regulären diplomatischen Beziehungen. Ankara steht zugleich eng an der Seite Aserbaidschans. Die türkisch-aserbaidschanische Zusammenarbeit wurde 2021 mit der Schuscha-Erklärung zu einer strategischen Partnerschaft ausgebaut.
NATO will Zusammenarbeit ausbauen
Die geplanten Vereinbarungen wären keine NATO-Beitritte. Armenien und Aserbaidschan sind bereits seit 1994 Teil des NATO-Programms „Partnerschaft für den Frieden“. Die Zusammenarbeit umfasst unter anderem Verteidigungsreformen, Ausbildung und die Verbesserung der militärischen Interoperabilität.
Die NATO hat ihr Partnerschaftssystem in den vergangenen Jahren neu geordnet. Heute bilden sogenannte „Individually Tailored Partnership Programmes“ (ITPP) den zentralen Rahmen für eine vertiefte Zusammenarbeit mit einzelnen Partnerstaaten. Sie bündeln politische, sicherheitspolitische und militärische Kooperation in einem mehrjährigen Programm.
Für Aserbaidschan hatte die NATO bereits Anfang 2026 eine weitere Vertiefung angekündigt. Bei einem Besuch der stellvertretenden NATO-Generalsekretärin Radmila Šekerinska in Baku wurde über den Abschluss eines solchen ITPP gesprochen. Das Programm soll unter anderem Verteidigungsbildung, Minenräumung, Cybersicherheit und den Schutz vor Informationsbedrohungen umfassen.
Armenien und Aserbaidschan orientieren sich stärker nach Westen
Der Stillstand kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die außenpolitische Ausrichtung beider Länder verändert. Armenien hat seine Beziehungen zu Russland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren und treibt seine Annäherung an Europa voran.
Bei der Parlamentswahl im Juni 2026 setzte sich die proeuropäische Regierungspartei von Ministerpräsident Nikol Paschinjan durch. Paschinjan kündigte zugleich an, die Beziehungen zum Westen weiter auszubauen.
Auch Aserbaidschan hat seine internationalen Partnerschaften ausgeweitet. Baku vertiefte zuletzt insbesondere die Zusammenarbeit mit den USA und baute seine Beziehungen zu westlichen Staaten sowie den zentralasiatischen Turkstaaten aus.
NATO-Diplomaten warnen nach Angaben aus Bündniskreisen deshalb davor, dass die Blockade die Bemühungen beider Staaten um eine stärkere Anbindung an den Westen erschweren könnte. Zugleich könnte die festgefahrene Situation die Rolle der NATO im Südkaukasus begrenzen – gerade in einer Phase, in der der Einfluss Russlands in der Region zurückgeht.
Die NATO selbst hat wiederholt erklärt, sie unterstütze die Normalisierung der Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan und wolle ihre Zusammenarbeit mit beiden Ländern fortsetzen.
EXCLUSIVE: An effort to intensify NATO’s cooperation with Armenia and Azerbaijan is faltering over a feud between France and Turkey, just as Russia loosens its grip on the region.https://t.co/DzwDeRW05h
— POLITICOEurope (@POLITICOEurope) October 2, 2026

