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Baren-Aufstand
Berlin: Uiguren-Demo vor chinesischer Botschaft

Der Weltkongress der Uiguren (WUC) hat für den 5. April zu einer großangelegten Demonstration vor der Botschaft der Volksrepublik China in Berlin aufgerufen.

Häftlinge hören Reden in einem Lager in Lop County, Xinjiang, April 2017 (Archivfoto: Screenshot/Twitter)
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Berlin – Der Weltkongress der Uiguren (WUC) hat für den 5. April zu einer großangelegten Demonstration vor der Botschaft der Volksrepublik China in Berlin aufgerufen.

Der Protest steht im Zeichen des Gedenkens an den 36. Jahrestag des Aufstands in der Gemeinde Baren. Die Aktivisten fordern Gerechtigkeit für das uigurische Volk und ein Ende der massiven Repressionen in der autonomen Region Xinjiang, die von Menschenrechtsorganisationen zunehmend als kultureller Genozid eingestuft werden.

Der World Uyghur Congress (WUC, deutsch: Weltkongress der Uiguren) ist eine internationale Dachorganisation mit Sitz in München, die sich für die Menschenrechte, Demokratie und Freiheit der Uiguren einsetzt. Als in München ansässiger Verein vertritt er die Interessen der turksprachigen Minderheit in China (Ostturkestan) und im Exil.

Baren-Aufstand

Der Aufstand von Baren im April 1990 markiert einen der blutigsten Wendepunkte in der jüngeren Geschichte Ostturkestans. Was als friedlicher Protest gegen die erzwungene Geburtenkontrolle und die systematische Ansiedlung von Han-Chinesen begann, endete in einer brutalen militärischen Niederschlagung durch die chinesische Volksbefreiungsarmee.

Für die uigurische Diaspora symbolisiert dieses Datum bis heute den ungebrochenen Widerstand gegen die Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas (KPC), während Peking das Ereignis als Akt des Terrorismus instrumentalisiert, um seine harte Linie in der Region zu rechtfertigen.

Turksprachige Uiguren

Die Uiguren, eine turksprachige und überwiegend muslimische Minderheit, sehen sich laut UN-Berichten einem beispiellosen Unterdrückungssystem ausgesetzt. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu eine Million Menschen in sogenannten „politischen Umerziehungslagern“ inhaftiert sind.

Ehemalige Häftlinge berichten von systematischer Folter, politischer Indoktrination und katastrophalen hygienischen Bedingungen. Über die Lager hinaus hat China in Xinjiang das weltweit umfassendste elektronische Überwachungssystem errichtet.

Mittels Gesichtserkennung, DNA-Datenbanken und engmaschiger Polizeipräsenz wird nahezu jede Bewegung der Bevölkerung kontrolliert. Religiöse Praktiken wie das Tragen von Bärten oder Kopftüchern sind streng untersagt und werden als Anzeichen für „Extremismus“ gewertet.

Anwar: Furcht vor China

Trotz dieser dokumentierten Menschenrechtsverletzungen bleibt eine geschlossene Reaktion der islamischen Welt aus. Der heutige malaysische Premierminister Anwar Ibrahim lieferte hierfür bereits 2018 eine prägnante Analyse: Viele muslimische Regierungen „fürchten sich vor China“.

Diese Furcht ist tief in wirtschaftlichen Abhängigkeiten verwurzelt. China fungiert für zahlreiche Staaten im Nahen Osten und Südostasien als wichtigster Handelspartner und Investor. Im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ fließen Milliarden in Infrastrukturprojekte, was Kritik an der Behandlung der Uiguren politisch kostspielig macht.

Malaysia selbst warnte in der Vergangenheit vor einer „neuen Version des Kolonialismus“, sah sich jedoch gezwungen, zwischen moralischer Verpflichtung und wirtschaftlicher Realität zu lavieren.

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